Die Milliardäre vermehren sich, ihr Vermögen auch

Screenshot vom Cover des UBS-Reichtumsberichts.

Die Schweizer Bank UBS rühmt sich, der weltweit größte Manager des Reichtums zu sein. Und sie gibt jährlich den globalen Reichtumsbericht heraus, wahrscheinlich auch deswegen, damit die Reichen sehen können, wo sie stehen, wozu es auch die entsprechenden Rankings gibt, und die Ärmeren, wie weit sie davon entfernt sind. Ein Problem ist aus Sicht der UBS, dass angeblich die Ungleichheit geringer geworden sei, aber die Wahrnehmung und Kritik der Ungleichheit stärker.

UBS-Chefökonom Paul Donovan sieht das Risiko, dass Staaten auch mit dem Blick auf den Great Wealth Transfer, also den billionenfachen Vererbungen des Vermögens der Baby Boomer an die nachfolgenden Generationen, dass die Staaten versuchen würden, die Staatsschulden durch die „Mobilisierung des Reichtums“ zu senken. Das mag man natürlich nicht. Und dass die Ungleichheit in den Blick rückt, liegt nicht an den Verhältnissen, sondern an den Sozialen Medien, die derzeit für alles herhalten müssen: Auch die Vermögensungleichheit rückt unter dem strahlenden Scheinwerferlicht der sozialen Medien immer stärker in den Fokus. Das bedeutet, dass selbst wenn die Ungleichheit zurückgegangen ist, das Bewusstsein dafür zugenommen hat.“

Aber der Chefökonom beruhigt die Reichen, ohne aber zu benennen, was das für ihren Reichtum bedeuten könnte: „Je breiter das Vermögen jedoch verteilt ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es zum Ziel staatlicher Maßnahmen wird oder soziale Spannungen hervorruft.“ Man darf vermuten, es ist damit gemeint, dass durch Trickle-down oder durch gewisse Sozialstaatsmaßnahmen, etwa auch durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder den Wegfall der Besteuerung von Geringverdienern, wie das Tech-Milliardäre propagieren, die Menschen die Reichen eher in Ruhe lassen. Donovan geht auch davon aus, dass die Menschen verblendet sind. Obwohl sie besser gestellt seien, was nicht weiter belegt wird, würden sie weiterhin mit der Ungleichheit hadern, weil sie ihr Vermögen mit dem anderer vergleichen.

Nach der UBS ist die Zahl der Milliardäre letztes Jahr um 13,1 Prozent auf jetzt 3302 angestiegen (Forbes kommt auf 3370). Aber die Weltbevölkerung, jetzt 8,1 Milliarden, wächst ja auch weiterhin mit 50-60 Millionen Menschen jährlich. Und die Milliardäre vermehren aufgrund ihres Vermögens ihren Reichtum auch schneller als die Multimillionäre, die sich auch vermehren. Letztes Jahr ist die Zahl der Millionäre selbst um eine Million gewachsen.

Allein in diesem Jahr ist das Vermögen der Milliardäre bis April um 25 Prozent größer geworden – das ist ein bisschen mehr, als die Löhne für die Masse der Menschen gestiegen sind. Am deutlichsten ist das bei Elon Musk der Fall, aber auch die bevorstehenden Börsengänge von Anthropic und OpenAI vermehren die Milliardäre und das Vermögen von denjenigen, die es schon sind. Nach UBS haben 19 Menschen mehr als 100 Milliarden, davon leben 15 in den USA. Und 18 Menschen besitzen zwischen 50 und 100 Milliarden. Gerechnet wird in Dollar.

Auch wenn sich die Reichen und Superreichen vermehren, breitet sich der Wohlstand natürlich nicht auch in den einkommensschwächeren Schichten aus, um nicht von den unteren zu sprechen, was schon unterstellt, dass die Reichen irgendwie gesellschaftlich oben und besser seien. Der UBS-Bericht kann sich nicht um die wachsende Ungleichheit der wenigen Reichen und der Masse der Menschheit herummogeln und stellt fest: „Während das durchschnittliche Vermögen deutlich stieg, ging das Medianvermögen in den meisten Märkten sogar zurück, was die wachsende Kluft zwischen den Reichsten und der breiten Bevölkerung verdeutlicht.“

Nach dem Chefökonomen sind die Reichen natürlich auch besser, selbst wenn Glück oder Erbschaften dabei sind: „Vermögensbildung ist der Lohn für harte Arbeit (Produktivität) oder das Eingehen von Investitionsrisiken – doch in Zeiten struktureller Umbrüche kann Vermögen auch dadurch entstehen, dass man das Glück hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Glück und das dadurch geschaffene Vermögen sind nicht von Dauer. Es sind Investitionen – in persönliche Fähigkeiten und in die Gesamtwirtschaft –, die zu nachhaltigerem Vermögen führen.“ Man kann schon mal Glück haben, aber die Reichen sollen doch ihr Vermögen ihrer Leistung – ihrer harten Arbeit – verdanken. Die besteht weniger im Arbeiten, sondern in der Qual der Investitionen. Von der sind die ärmeren Schichten befreit. Vom Glück der Erbschaften wird lieber gar nicht gesprochen.

Der Reichtum konzentriert sich in den USA und in Westeuropa. Nur China steht hier in Konkurrenz. Der Reichtum pro Kopf ist durchschnittlich in der Schweiz (910.382 US-Dollar), in den USA und in Luxemburg am höchsten, Deutschland steht von 30 Ländern mit 346.613 US-Dollar an 14. Stelle. Das ist ein völlig verzerrtes Maß. Beim Median rutscht Deutschland hinter Österreich, den USA und Griechenland mit 53.485 auf die letzte Stelle.

Die UBS gibt uns mit einem Experten, dem Ökonomieprofessor Noel Mokyr und Nobelpreisträger, die Einsicht mit, dass trotz aller Ungleichheit alles gut läuft, auch wenn Natur und Klima unter die Räder besonders der Reichen geraten, Kriege und Aufrüstung das El Dorado darstellen oder ein Atomkrieg droht: „Das Leben heute auf diesem Planeten ist in praktisch jeder Dimension, die man sich vorstellen kann – zumindest in jeder materiellen Dimension – unvergleichlich besser als noch vor hundert Jahren, ganz zu schweigen vom Mittelalter oder der Antike. Würde man einen heute lebenden Menschen nehmen und ihm die materiellen Lebensbedingungen von 1815 auferlegen, wäre er zutiefst unglücklich. Das garantiere ich Ihnen.“ Wir leben halt doch in Umgebung der Milliardäre, deren einer es schon zum Billionär gebracht hat, in der besten aller Welten.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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37 Kommentare

  1. Hier dreht es sich um die Ersatzfront, das wesentliche Problem ist die „Konzentration und Zentralisation con Kapital und Macht“, der unabdingbaren Folge der Produktionsweise.
    Es kann noch soviel an dieser Front versucht werden, es bleibt vergebens. Den Wert kümmert das nicht. Er bleibt autonom und autark.

    1. Wie machen Sie das, werter Herr Oberst? Wie trennt man den Krieg von den Soldaten?

      In jedem Krieg gibt es

      1. Politiker(innen), die den Krieg anfangen,
      2. die Manager und Aktionäre der Rüstungsindustrie, die von jedem Krieg profitieren und Milliardengewinne machen,
      3. viele Soldaten, die bluten und sterben, ganz egal an welcher Front (Westfront, Ostfront, Heimatfront) und
      4. Generäle und andere Offiziere (Paulus, Rommel, Keitel, von Rundstedt, von Brauchitsch, von Manstein, Model), die sagen, wo die Soldaten bluten und sterben sollen.

      Je länger ein Krieg dauert, desto mehr Soldaten sterben, aber umso größer werden die Gewinne der Manager und Aktionäre der Rüstungsindustrie. Ein schon lange verstorbener Börsenguru sagte einmal: Wenn Blut auf den Straßen fließt, dann muss man Aktien kaufen.

      Das ist im real existierenden dirty operating System aka „Kapitalismus“ nicht anders. Man kann den „dirt“ nicht vom „system“ trennen, die Räder nicht vom Auto, weil es dann nicht mehr fährt, den Kopf nicht vom Rest des Körpers, weil das schlecht für die meisten Menschen ist. Und man kann die Kapitalisten nicht vom Kapitalismus trennen.

      Die „Produktionsweise“, die der Kapitalismus mit sich bringt, fällt nicht vom Himmel und sie ist auch kein Teufelswerk. In einer Demokratie können das Politiker zum Wohle aller Bürger beeinflussen, lenken und steuern. Deshalb heißen die Steuern auch Steuern.

      Aber die Politiker wollen diese „Produktionsweise“ nicht zum Wohle der Allgemeinheit lenken und steuern. Sie steuern die Produktionsweise im Interesse der Rüstungsindustrie und für das Wohl der Reichen und Superreichen.

      1. Sie polemisieren gegen etwas, was nicht geschrieben wurde.
        Daß objektive Gesetze in der menschlichen Gesellschaft sich nur über das Handeln der Menschen durchsetzen, im Gegensatz zu denen der Natur, ist Binse.
        Aber darauf geht meine Meinung gar nicht ein.
        Aber das menschliche Handeln ist in die Verhältnisse eingezwungen, die der Mensch mit seiner Produktionsweise schafft. Die Warenproduktion ist nun mal nicht auf menschliche Bedürfnisse, sondern auf die Erziehlung eines Gewinns für das eingesetzte Kapital gerichtet, natürlich unter Ausnutzung der Bedürfnisse. Diese aber werden dem Menschen fremdbestimmt, im Kapitalinteresse. Welche Personengruppe dabei Nutznießer ist, bleibt sekundär, nur muss diese „bei drohendem Untergang“ die Kapitalinteressen bedienen.
        Daß der Mensch einen freien Willen habe, sich voluntaristisch gegen die, in der er lebt, eine Produktionsweise auszusuchen, ist Utopie. Die DDR gab das schöne Beispiel eines Versuches, den Widerspruch zwischen den Bedürfnissen und dem Wert durch eine „sozialistische Marktwirtschaft“ kraft Wassersuppe aufzulösen. Ging ja kräftig in die Hose. Wer den täglichen Wahnsinn in der Produktion erlebte, verlor die Illusion oder schaltete auf Durchzug.
        Man kann ja mal versuchen, innerhalb der Produktionsweise, die vom Wert bestimmt ist, ohne dieser zu entsprechen, zu überleben.
        Viel Spaß dabei.
        Eine Produktionsweise auf Basis der menschlichen Bedürfnisse braucht objektive und subjektive Voraussetzungen, erstes scheint gegeben, das andere (noch) nicht.
        Diese Problematik wurde vor einigen Jahren in einer Artikelserie auf TP von Heinrich Harbach und Werner Richter aufgeworfen und recht breit diskutiert. Leider sind die meisten der Artikel nicht mehr einfach zugängig wegen des Eintrittspreises von Neuber. Ich aber könnte die Links übermitteln, wenn gewünscht.

  2. Schön wärs ja, wenn die Welt wenigstens sozioökonomisch in Ordnung wäre, wie die UBS und ihr Nobelpreisträger behaupten. In Wirklichkeit lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung unter materiell prekären Bedingungen, unendlich Viele in einer Art Schuldensklaverei, von denjenigen, die buchstäblich von der Hand in den Mund leben, ganz zu schweigen. Vergleiche mit früheren Jahrhunderten sind geradezu dümmlich, jedenfalls irreführend, heute sind virtuell alle de facto Proletarier, nicht in der Lage ohne Verkauf der eigenen Arbeitskraft zu überleben. Denn man benötigt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr Geld, um in den heutigen Gesellschaften zu existieren. In vorwiegend agrarischen Gesellschaften war das wesentlich anders. Dass ein gewisser Anteil der Weltbevölkerung ein beachtliches Konsumniveau erreicht, ist übrigens kein Zeichen von systemischer Menschenfreundlichkeit, sondern ökonomischer Zwang in einer Zeit, in der Konsum zwei Drittel des BIPs ausmacht. Sinkt die Kaufkraft, ist Krise. Daher der Horror vor Inflation auch bei der UBS.

    1. Den Kapitalisten auch die politische Herrschaft in die Hand gelegt.
      Dazu wurden i.Ü. alle konkurrierenden Politiker eliminiert.

  3. Ich habe gedacht ich hätte Leichenbericht gelesen aber dem ist nicht so (wegen den über 1.110 Getöteten seit dem Waffenstillstand in Gaza und dem erschossenen 10-jährigen von heute). Vielleicht sollte man die die Korruption erwähnen, welche mittlerweile die normale Wirtschaft abgelöst hat. Es ist dem Geld egal welche Wirtschaftsform herrscht. Das Gute daran ist das jeder mitmachen kann. Die Länder brauchen die Konventionen der Vereinten Nationen nicht zu erfüllen und die Bevölkerungen tun sich bloss ärgern.

    Dazu gibt es auch das Buch „Halte deine Fahne in den Wind.“ zu dem es auch ein Lied gibt. Bekannter ist aber die „Farm der Tiere“ von Orwell in der die Schweine gleicher sind als die anderen Tiere.

    Eine schlechte Nachricht sind die 73,233 getöteten und 173,707 verletzten und verstümmelten Palästinenser unter denen über 20.000 Kinder sind.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    1. »Korruption« ist eine verdeckte Vorteilsnahme und das kann wirklich jeder versuchen, der über „Extramittel“ verfügt. Diese „Überzeugungsarbeit“ oder „individualisiertes Marketing“ hat es immer gegeben. Doch ist die Sphäre der Korruption längst verlassen und es geht tatsächlich um den Ausschluss bzw. das Abhängen großer Teile jeglicher Bevölkerung, es soll nicht »jeder« mitmachen können. Selektiver Zugang zum Spielplatz für wenige, die anderen sollen in ihrem Gehege bleiben.

  4. Wenn jemand für 1000 Euro eine Aktie kauft und ein Jahr später jemand anderes für 2000 Euro eine zweite, dann ist der erste doppelt so reich, ohne dass ihm mehr gehört.

    Wenn dann der zweite noch eine Aktie für 1000 Euro kauft, ist er so reich wie vorher, obwohl er dreimal soviel bezahlt hat und ihm doppelt soviel gehört.

    Ob ihm jemand 1000 Euro pro Stück gibt, wenn er wirklich verkaufen will, weiß man auch nicht.

    Buchwerte als Maßstab für Reichtum sind sinnlos. Musk wäre schlagartig kein Billionär mehr, wenn er auch nur einen Teil seines Anteils an SpaceX auf den Markt wirft, weil dann der Kurs und damit die Bewertung seines Portfolios sinkt.

    1. Das ist sicherlich richtig, doch macht es den wachsenden Graben zwischen den Habenden und den Brauchenden nicht geringer, denn mit dieser Magie (aka. Budenzauber) werden auch die Handlungsmöglichkeiten politischer und gesellschaftlicher Einflussnahme zu einer feudalistischen Imbalance umverteilt.

  5. „In der klassischen Nationalökonomie wird mit Akkumulation die durch Reinvestition des auf dem Markt realisierten Mehrwerts vorangetriebene Erweiterung des Kapitals bezeichnet.“ Da die Reichen ihren Reichtum reinvestieren, werden sie immer reicher. Aber dadurch wächst auch die Volkswirtschaft, wenn es sie noch gibt, d. h. wenn der Reichtum im Inland investiert wird.
    Wenn der Reichtum aber in einer globalisierten Welt ohne Zollschranken im globalen Süden investiert wird, haben die Länder nix davon, in denen der Reichtum produziert wird. Vielmehr wächst da die Lücke zwischen arm und reich.
    Die Industrie aber wandert in Niedriglohnländer ab, wo die Waren billig produziert werden können, und ohne Zollschranken importiert und verkauft werden können.

  6. Milliardäre gelten noch immer als bewundernswerte Unternehmer, obwohl sie längst selbst zu einem wirtschaftlichen Problem geworden sind.

    Niemand erwirtschaftet eine Milliarde allein. Solche Vermögen entstehen durch die Arbeit Tausender Menschen, durch öffentliche Infrastruktur, Bildungssysteme, staatlich geschützte Eigentumsrechte und nicht selten durch Subventionen. Privatisiert wird anschließend der Gewinn – die Kosten trägt gerne die Allgemeinheit.

    Milliardäre schädigen auch den Wettbewerb. Mit ihrer Kapitalmacht können sie Konkurrenten aufkaufen, Preise zeitweise unterbieten, Märkte kontrollieren und politische Entscheidungen beeinflussen. Das ist keine freie Marktwirtschaft mehr, sondern wirtschaftlicher Feudalismus mit moderner Benutzeroberfläche.

    Besonders undemokratisch wird es, wenn einzelne Menschen mehr Einfluss besitzen als Millionen Wähler: Sie kaufen Medien, finanzieren Parteien und Lobbyorganisationen, bestimmen Forschungsrichtungen, kontrollieren digitale Plattformen und können Regierungen mit der Drohung unter Druck setzen, Kapital und Arbeitsplätze abzuziehen. Der normale Bürger besitzt eine Stimme. Der Milliardär besitzt zusätzlich Zeitungen, Netzwerke, Anwälte und direkten Zugang zur Regierung.

    Es geht dabei nicht um Neid. Niemand muss sich dafür entschuldigen, erfolgreich zu sein oder komfortabel zu leben. Aber ein Vermögen, das einem einzelnen Menschen gesellschaftliche Macht in der Größenordnung eines Staates verleiht, ist mit einer ernst gemeinten Demokratie nicht vereinbar.

    Milliardäre sind keine Naturerscheinung. Sie sind das Ergebnis politischer Regeln – und diese Regeln lassen sich ändern.

    Denn ganz gleich, wie viele Unternehmen, Inseln, Medienhäuser oder Politiker man sich kaufen konnte: Das letzte Hemd hat keine Taschen.

    Als Leich ist jeder gleich.

  7. Überall steht es geschrieben: Sie wollen an unser Erspartes! Gleichzeitig spielen fast alle, die etwas gespart hatten, in dem Casino mit: „Wenn ich aufhöre, ändert sich doch auch nichts.“ Demnächst sogar noch die „zukünftigen“ Rentner – gezwungenermaßen.
    Die Bremsen sind kaputt, und der Zug rast den Berg hinab: Je später einer abspringt, desto schlimmer seine Verletzungen… und weiter talwärts sieht man schon die Schlucht.
    Prösterchen!

  8. Wenn nun ein Milliardär sein Geld anlegt, dann muss ihm deutlich mehr Rendite versprochen werden, als dem Werktätigen Artur bei seiner Sparkasse. Aber wie? Auch Blackrock kann nicht zaubern und tendenziell fällt die Profitrate eben. Nun ja, ich erlaube mir mal den sonst nicht beobachteten Ponzi-Faktor zu betrachten.
    Beispielsweise ist der Bitcoin ein reines Ponzi-Schema. Da steht keinerlei Wert dahinter, es wird darauf vertraut, dass andere ebenfalls ponzifizieren. Nun stürzen reine Ponzis normalerweise recht schnell ab. Donald Trump und Xavier Milei wollten eigene Kryptos und damit war dann ganz schnell Schluss. Es muss jemand geben, der den Bitcoin absichert und dieser angebliche japanische Erfinder ist es nicht. Eher schon Blackrock. Wenn da mal nicht der Moment kommt, wo die Absicherung zu teuer wird.
    Auch Gold gehört heute zur Ponziwelt, denn es bewegt sich ziemlich parallel zum Bitcoin. Krisenmetall würde es erst wieder, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert.
    Gleiches Spiel mit der Space X Aktie. Eigentlich ist da nichts oder nur ganz wenig dabei, mit was sich Geld verdienen lässt. Auch hier sollte Ponzi seine Wirkung tun. Ist erst mal kräftig gescheitert. Aber bei dem Wert, den Space X jetzt hat, ist immer noch genügend davon enthalten.

    Und es ist eben so, dass wenn ein Ponzi rutscht, er alle anderen mit sich zieht. Eine wünschenserte Bereinigung, würde ich sagen.

  9. Diese Herausbildung astronomischer Vermögen ist zweifellos ein Problem und gefährdet die politische Stabilität unserer in die Jahre gekommener parlamentarischer Demokratien.

    Wer sich ein bisschen in der Geschichte auskennt, der zieht den Vergleich zur späten römischen Republik, wo einzelne Senatoren, z.B. Crassus und Crassus, ebenfalls gigantische Vermögen erwarben. Damals folgten dann das erste Triumvirat und später die Zeit der Bürgerkriege.

    Ein nicht ganz unwichtiger Unterschied zu heute ist allerdings, dass die Vermögen jener Senatoren in Form von Gold, Silber, Immobilien und Sachwerten tatsächlich existierten.
    Die Vermögen der heutigen Superreichen haben aber zu erheblichen Teilen lediglich einen fiktiven und spekulativen Charakter. Die Beträge resultieren aus den aktuellen Kursständen von Wertpapieren.

    Ich möchte damit die übermäßige Macht dieser Milliardäre nicht kleinreden, sie ist immer noch zu groß. Dennoch gilt das weiter oben Gesagte, und es ist ja eben längst nicht so, dass diese Milliardäre nun die Ländereien, Edelmetalle und Firmen ihrer Regionen aufgekauft hätten. Obwohl – Bill Gates soll ja inzwischen der größte Immobilienbesitzer der USA sein. Der scheint immerhin zu wissen, worauf wahrer (physischer) Reichtum beruht.

    1. „Diese Herausbildung astronomischer Vermögen ist zweifellos ein Problem und gefährdet die politische Stabilität unserer in die Jahre gekommener parlamentarischer Demokratien.“ – an diesem Satz kann man idealtypisch sehen, wie affirmatives Denken funktioniert, wie man im Habitus eines Sozialkundelehrers andere dazu anhält, die bestehenden Verhältnisse zementieren zu wollen:
      Erstens eine leichte, aber wirksame Verdrehung: Die Herausbildung astromonischer Vermögen wird nicht als das genommen, was sie ist, eine Leistung der kapitalistischen Welt. Das muss gleich im Ansatz vernebelt werden, denn sonst sieht man sich diesen ökonomischen Irrsinn näher an und begreift, dass diese Welt notwendigerweise ein sehr schlechtes Lebensmittel für Leute ist, die ohne Vermögen dastehen. Gott bewahre! Ersetzen wir die sachliche Analyse daher besser durch den Standpunkt der Fürsorge. Wie lösen wir die ‚Probleme‘ systemimmanent?!
      Denn sonst kommt es – zweitens – zu etwas ganz Schlimmen: politischer Instabilität. Aber der politische Rahmen mit seiner Eigentumsordnung, all seinen Rechtstiteln und Finanzhoheiten muss natürlich stabil gesichert sein, damit die kapitalistische Wertschöpfung weitergehen kann. Man darf die Ameisen des Systems, die Merheit also, deshalb nicht überstrapazieren und zur Revolte provozieren. Und auch die absurden Finanzblasen an den ‚Märkten‘ wollen sorgsam betreut sein, nicht dass da was ‚passiert‘, gell.
      Gefragt sind also staatskluge Milliardäre, die ein paar Brosamen zur Befriedung des Fußvolks abgeben wollen – und mehr noch: Intellektuelle, die zumindest in ihrer systemkonformen Einbildung konstruktiv daran mitarbeiten wollen, dass der Kapitalismus nicht zu viel inneren Sprengstoff entwickelt. Sonst könnten sie ja nicht weiter wachsen, die Milliardenvermögen in den Händen der erlauchten, den Göttern immer ähnlicher werdenden Erben von Geld. Und dann hätte die Welt- und Menschheitsgeschichte ja ihr Ziel verfehlt…

      1. @Zwischenruf

        1. Auf den eigentlichen Hauptinhalt meines Kommentars sind Sie nicht eingegangen (-> spekulative Vermögen).

        2. Sie sind eben ein Kommunist oder so etwas Ähnliches – ich natürlich nicht.

        Dass der Reichtum in einer kapitalistischen Ordnung entstanden ist, das ist doch logisch und bedarf keiner besonderen Erwähnung. Ich finde einen marktwirtschaftlichen Kapitalismus auch gut und richtig.
        Es stört mich nicht, wenn es Millionäre gibt. Ich habe nichts gegen Ungleichheit. Milliardäre stören mich schon.
        Wogegen ich etwas habe, das ist eine durch einen tyrannischen bzw. sozialistischen Staat erzwungene Gleichheit. Ich will Freiheit. Und dazu gehört u.a. auch die Freiheit, reich zu werden und reicher als andere zu sein.

        Politische Instabilität ist in der Tat schlecht und die bürgerlich-kapitalistische Ordnung der vergangenen Jahrzehnte ist – abgesehen von der aufgeklärten Monarchie des 19. Jahrhunderts – vermutlich die beste Ordnung, in der wir in Deutschland bisher je gelebt haben. Absolut abzulehnen wäre natürlich eine revolutionäre Instabilität wie sie Ihnen vermutlich vorschwebt.

        Etwas anderes als eine hierarchisch gestufte gesellschaftliche Ordnung ist ohnehin weder möglich noch wünschenswert. Insofern müssen natürlich(!) alle Korrekturen innerhalb des Systems erfolgen.

        Zu diesen Korrekturen könnten allerdings sehr wohl einschneidende Maßnahmen im Hinblick auf Steuerpolitik und Geldpolitik gehören. Auch ist zu berücksichtigen, dass überhaupt erst der Übergang zum Fiat-Geld, die komplette Abkehr vom Goldstandard (in den 1970er Jahren) und die praktizierte Politik der Geldschöpfung durch Kredit die seit einigen Jahrzehnten zu beobachtenden Blasenbildungen bei Wertpapieren ermöglicht haben.
        Ohne diese Veränderungen im Geldsystem und die Deregulierungen der Zeit nach 1990 wären die Superreichen längst nicht so reich wie heute.

      2. @Zwischenruf

        Dass der Reichtum in einer kapitalistischen Ordnung entstanden ist, das ist doch logisch und bedarf keiner besonderen Erwähnung. Ich finde einen marktwirtschaftlichen Kapitalismus übrigens gut und richtig. 
        Es stört mich auch nicht, wenn es Millionäre gibt. Milliardäre sind hingegen schon ein Problem.

        Ich habe nichts gegen Ungleichheit. Wogegen ich etwas habe, das ist eine durch einen tyrannischen bzw. sozialistischen Staat erzwungene Gleichheit. Ich will Freiheit. Und dazu gehört u.a. auch die Freiheit, reich zu werden.

        Politische Instabilität ist in der Tat schlecht und die bürgerlich-kapitalistische Ordnung der vergangenen Jahrzehnte ist – abgesehen von der aufgeklärten Monarchie des 19. Jahrhunderts – vermutlich die beste Ordnung, in der wir in Deutschland bisher je gelebt haben. Absolut abzulehnen wäre natürlich eine revolutionäre Instabilität wie sie Ihnen vermutlich vorschwebt. Etwas anderes als eine hierarchisch gestufte gesellschaftliche Ordnung ist weder möglich noch wünschenswert. Insofern müssen natürlich(!) alle Korrekturen innerhalb des Systems erfolgen.

        Zu diesen im Rahmen der kapitalistischen Ordnung möglichen Korrekturen könnten allerdings sehr wohl einschneidende Maßnahmen im Hinblick auf Steuerpolitik und Geldpolitik gehören. Auch ist zu berücksichtigen, dass überhaupt erst der Übergang zum Fiat-Geld, die komplette Abkehr vom Goldstandard (in den 1970er Jahren) und die praktizierte Politik der Geldschöpfung durch Kredit die seit einigen Jahrzehnten zu beobachtenden Blasenbildungen bei Wertpapieren ermöglicht haben. Ohne diese Veränderungen bei der Geldpolitik wären die Superreichen gewiss immer noch reich, aber nicht so reicht wie heute.

        1. Schön zugespitzt: Die grottesken Relationen, die der Reichtum der ganz Wenigen und die produktive Armut der Anderen folgerichtig angenommen haben, provozieren. Sie provozieren allerdingsnur zu konstruktiver Fürsorge, damit ‚es‘ so weiter geht. Und der leise Wunsch nach Mäßigung, von dem jedem klar ist, dass er allenfalls in Form von Alibi-Aktionen erfüllt wird, ist eine sehr schöne Gelegenheit, fundamentale Bekenntnisse zum Kapitalismus vorzutragen und ihn als das allein Mögliche, Wünschenswerte und jedenfalls Natürliche zu feiern.

    2. > Diese Herausbildung astronomischer Vermögen ist zweifellos ein Problem und gefährdet die politische Stabilität unserer in die Jahre gekommener parlamentarischer Demokratien.

      Zunächst muss man unterscheiden in Aktienwert und persönliches Vermögen. Das ist nicht das gleiche. Davor steht nämlich noch die EK Steuer.

      Das Werte wachsen ist normal und sinnvoll, wenn die Weltwirtschaft wächst, da sonst Firmen die zb Raketen bauen auf eigene Rechnung nicht möglich wären. Länder wo das nicht der Fall ist hinken irgendwann hinterher. So kann man sich mal fragen wieso in den USA die Mrd Firmen sprießen, während hier nur kleine Kopien entstehen, die teils noch mit Subventionen gefördert werden müssen, Stichwort europäische Suchmaschine.

      Ich hatte es weiter unten schon beschrieben. Steuergerechtigkeit ist das was abhanden gekommen ist. Wer seine Steuern bezahlt darf auch mehr auf dem Konto haben.

      1. „So kann man sich mal fragen wieso in den USA die Mrd Firmen sprießen, während hier nur kleine Kopien entstehen, die teils noch mit Subventionen gefördert werden müssen“

        Weil der Staat USA dafür gesorgt hat, dass sich dort das weltweite Kapital angesammelt hat (jedenfalls sehr viel mehr als bei uns). Das schafft Möglichkeiten wovon ärmere Länder nur träumen können.

        1. > Weil der Staat USA dafür gesorgt hat, dass sich dort das weltweite Kapital angesammelt hat

          Das Kapital geht dahin wo es erwünscht ist. Klingt etwas platt ist aber so. Wer in Deutschland auch Unternehmer ist weis wovon ich rede. Ist aber nochmal ein eigenes Thema für sich.

          Mir gings um das Thema Steuer und Steuergerechtigkeit, passend zum Artikel.

          1. „Das Kapital geht dahin wo es erwünscht ist. … Mir gings um das Thema Steuer und Steuergerechtigkeit, passend zum Artikel.“

            Kapital ist natürlich überall erwünscht (wer wünscht sich denn keinen Wohlstand?). Das Kapital geht aber nur dahin wo es am meisten Profit machen kann. Im globalen Kapitalismus hat das Kapital so die Regierungen der Staaten am Haken, denn die stehen im Wettbewerb um die Gunst des Kapital.
            Steuern sind bekanntlich vom Kapital nicht „erwünscht“, also sind die Staaten gezwungen die Steuern möglichst niedrig zu halten und sich zu verschulden. Was ist also „Steuergerechtigkeit“?

            1. > Was ist also „Steuergerechtigkeit“?

              Hatte ich schon erklärt weiter unten erklärt. Das man sich der Steuer nicht entziehen kann, zb durch Verlagerung in Schlupflochländer und andere Methoden.

              Aktuell siehts hier so aus „Während die kleinen Firmen hier brav Steuern bezahlen, entziehen sich Konzerne.“

              Im Privat Bereich das gleiche je höher das Vermögen je weniger Steuern werden bezahlt dank Schlupflöcher wo sich die Leute mit arm rechnen.

              > Im globalen Kapitalismus hat das Kapital so die Regierungen der Staaten am Haken, denn die stehen im Wettbewerb um die Gunst des Kapital. Steuern sind bekanntlich vom Kapital nicht „erwünscht“,

              Wer wünscht sich Steuern. Keiner. Es sollte das oberste Ziel eines Staates sein Steuern niedrig zu halten.

              > also sind die Staaten gezwungen die Steuern möglichst niedrig zu halten und sich zu verschulden.

              Ja Staaten stehen im Wettbewerb, aber Staaten sollten nur das ausgeben was sie einnehmen. Von verschulden müssen kann da keine Rede sein. Höhe der Steuern ist aber nochmal ein anderes Thema.

  10. Unsere Medien unterschlagen gern das
    „Vermögen“ zugunsten des „Einkommens“. Die Malocher müssten längst nen Köpper in den eigenen Pool voller goldener Taler machen.
    Thomas Piketty will eine Umverteilung von weltweit 2% von oben nach unten als
    ausreichend berechnet haben. Von was bezahlen die Bonzen dann den Sprit um mit ihren Privatjets die Welt zu verpesten ?

    off

    Hisbollah zu stark – Israels Armee steht nahe vorm Kollaps
    https://thecradle.co/articles/israeli-army-units-face-de-facto-collapse-amid-critical-manpower-crisis-report

  11. > Ökonomieprofessor Noel Mokyr „Das Leben heute auf diesem Planeten ist in praktisch jeder Dimension, die man sich vorstellen kann – zumindest in jeder materiellen Dimension – unvergleichlich besser als noch vor hundert Jahren, ganz zu schweigen vom Mittelalter oder der Antike. Würde man einen heute lebenden Menschen nehmen und ihm die materiellen Lebensbedingungen von 1815 auferlegen, wäre er zutiefst unglücklich. Das garantiere ich Ihnen.“

    Da hat er recht. Bei Wahrheiten darf man auch mal zustimmen.

    Das Problem, es ist heute im Gegensatz zu vor 20 Jahren schlechter geworden. Da sollte man schauen wieso, anstatt allgemein gegen Reiche zu pöbeln. Durch die Globalisierung entziehen sich Reiche teils der Steuer. Hier muss man Steuergerechtigkeit wiederherstellen, bei Privat und bei Firmen. Während die kleinen Firmen hier brav Steuern bezahlen, entziehen sich Konzerne.

    Leider hat in den letzten 20 Jahren auch die Verquickung der Politik mit dem Reichtum zugenommen, Stichwort Drehtür, Stichwort versteckte Korruption. Ich denke da liegt der Hund begraben.

    1. „Durch die Globalisierung entziehen sich Reiche teils der Steuer.“

      Nicht nur das. Er kann auch bei CUM/EX-Geschäften mitmachen, die fangen bei Beträgen an, die weit über dem gewöhnlichen Anlagekapital des kleinen Mannes liegen. Und genau so sieht es mit dem Anlagekonto bei Blackrock und Co aus. Da kommt unsereiner nicht mal ins Haus.

      1. Wobei CUM/EX nicht legal waren.
        Ich meinte eher die „legalen“ Mittel.
        Wieviel Steuern bezahlen Google, Apple, ..

        aus „Business Punk“ (Webseite)
        „Wer geschickt plant, rechnet sich vorher arm und zahlt keinen Cent. Bayern sei dabei besonders kreativ, so Klüssendorf. Dort seien in den vergangenen Jahren Milliarden weitergegeben worden, komplett steuerfrei. Während die Alleinerziehende relativ zu ihrem Einkommen deutlich mehr Steuern zahle.
        „In einigen Bundesländern, zum Beispiel in Bayern, sind die Ausnahmen in der Schenkungsteuer so krass, dass dort in den vergangenen Jahren Milliarden weitergegeben worden sind, ohne einen Cent Steuer zu bezahlen“, sagte Klüssendorf im Frühstart von RTL und ntv. „Die Alleinerziehende mit ihrem Kind zahlt in Relation zu ihrem Einkommen mehr Steuern.“

  12. Für den Verkauf von Ware und Dienstleistungen (aus Arbeitskraft, Denkvermögen) bekommt man Geld. Mit Geld kann man sich Waren und Dienstleistungen kaufen. Das ist alles richtig und kaum anders machbar.

    Aber dass Geld zusätzlich die Funktion erhalten hat, dass man aus (viel) Geld noch viel mehr Geld machen kann (ohne etwas dafür zu bieten oder zu leisten), das ist der entscheidende Webfehler der Geschichte, der anscheinend erst in hunderten Jahren und nach weiteren Revolutionen, Umbrüchen, Kriegen, Rückschlägen, Restaurationen, … korrigiert werden wird – wenn es die Menschheit dann überhaupt noch gibt.

    Das hier ist pure Augenwischerei: „Allein in diesem Jahr ist das Vermögen der Milliardäre bis April um 25 Prozent größer geworden – das ist ein bisschen mehr, als die Löhne für die Masse der Menschen gestiegen sind. “

    Die Milliardäre haben alles, was sie mehr haben zu gleichen Kosten, also als echtes „Mehr“. Die Lohnsteigerungen bedeuten aber kein „Mehr“ für den Arbeitenden, denn seine Lebenserhaltungskosten steigen parallel und fressen alles Zusätzliche auf.

    Wer sein Geld verkonsumieren muss, der ist immmer der Verlierer in diesem Spiel der Reichenkaste. Denn die machen die Regeln (lassen sie machen).

    Und zum Reichtumsreport: wahrer Reichtum zeichnet sich dadurch aus, dass man in solchen Dokumenten oder Listen (Forbes) NICHT erwähnt wird.

    1. … und Geldmacht entsteht nicht unbedingt daraus, dass man viel Geld hat, sondern vielmehr daraus, dass man Geldströme lenkt. Und diese steuernden Personen stehen sowieso eher nicht auf den Listen.

  13. Ich bin Kapitalist, aber weder Millionär noch Milliardär und schon gar kein Multimilliardär. Ich gehöre nicht einmal zur „gehobenen Mittelschicht“ im Sinne von Friedrich Merz, da ich kein Privatflugzeug besitze und schon gar keine zwei.

    Ich bin Kapitalist, weil die Marktwirtschaft tatsächlich vieles besser kann und besser macht als eine zentral geplante staatliche Wirtschaft.

    Aber der Kapitalismus hat auch Fehler und der größte Fehler ist die Vermögenskonzentration in den Händen einiger weniger Kapitalisten. Richtig ist: Im Kapitalismus kann jeder reich werden. Aber: NICHT ALLE.

    Jeder Geringverdiener, der im Supermarkt das preislich günstigere Produkt für 1,49 Euro kauft und nicht das teuere Markenprodukt für 2,29 Euro, ist ein Kapitalist. Jeder, der bei der Tankstelle M tankt, wo der Liter Benzin 5 Cent günstiger ist als bei der Tankstelle P, ist ein Kapitalist. Jeder, der bei der Bank B ein Tagesgeldkonto hat, weil er dort für seine 20.000 Euro 2 Prozent Zinsen bekommt und bei der Bank K nur 1 Prozent, ist ein Kapitalist.

    Im Kapitalismus gibt es kleine, mittelgroße, große und riesengroße Kapitalisten. Das Problem sind nicht die kleinen und die mittelgroßen Kapitalisten. Das Problem sind die großen und vor allem die riesengroßen Kapitalisten. Das Problem sind die Kapitalisten, die über ein riesiges Vermögen verfügen, aber den Hals nicht voll kriegen, Das Problem sind die Kapitalisten, die in einer Villa mit 25 Zimmern, 350 qm Wohnfläche und privatem Tennisplatz wohnen inkl. Gärtner für den Privatpark, die eine Ferienvilla am Chiemsee, ein Ferienhaus im Tessin und eine Ferienvilla in Florida, eine private Ferieninsel, drei Autos, zwei Privatflugzeuge, einen Privathubschrauber und eine 120 Meter lange Luxusjacht besitzen, aber noch ein Privatflugzeug und noch eine Luxusyacht brauchen, weil sie niemals satt werden. Das Problem ist die Konzentration des Vermögens.

    Es gibt politische Speichellecker und Lobbyisten der Superreichen, die reden immer sofort von „Sozialneid“ oder „Neiddebatte“, wenn man über die obszöne Schere zwischen arm und „superreich“ redet. Wer über Neid redet, der muss aber auch über die Gier reden, sonst redet er unredlich. Warum fällt mir jetzt spontan der Name Markus Söder ein? Der „christliche“ Ministerpräsident von Bayern hat meines Wissens noch nie über die Gier der Reichen und Superreichen geredet. Falls doch, dann bitte ich um Mitteilungen und selbstverständlich um Entschuldigung.

    Weil die Gier keine Grenzen kennt, bezahlen die Reichen und Superreichen auch private NGOs wie das IW (Institut der deutschen Wirtschaft) in Köln, das dann in „Studien“ verkündet, dass man mit einem Nettovermögen von 1 (in Worten: einer) Million Euro in Deutschland bereits zu den reichen oberen 10 Prozent der Bevölkerung gehören würde. Was dieses „Wirtschaftsforschungsinstitut“ verschweigt, das ist die Spannweite: Zu den oberen 10 Prozent gehört man nämlich, wenn man ein Vermögen von einer Million Euro verfügt, aber auch mit einem Vermögen von 50 Milliarden Euro oder noch mehr. 50 Milliarden Euro, das sind 50.000 Millionen Euro.

    Für dieses „Wirtschaftsforschungsinstitut“ macht diese gigantische Spannweite aber offenkundig keinen Unterschied. Das IW macht keinen Unterschied zwischen 1 Million Euro, 10 Millionen Euro, 100 Millionen Euro, 1.000 Millionen oder 10.000 Millionen Euro Für die große Mehrheit der Bürgerinnen/Bürger macht das aber sehr wahrscheinlich schon ein Unterschied. Es macht auch einen Unterschied, ob man 1.000 (eintausend) oder 1.000.000 (eine Milliion) Euro im Lotto gewinnt oder etwa nicht. Da drängt sich der Verdacht auf, das IW ist kein „Wirtschaftsforschungsinstitut“, das IW ist ein neoliberales kapitalistisches Propaganda-Institut.

    Wenn es um Kapitalismus und die Schere zwischen arm und reich geht, dann geht es nicht nur um soziale Gerechtigkeit. Dann geht auch um um marktwirtschaftliche Effizienz, Ökologie und Demokratie. Ein zügelloser Kapitalismus ist weder sozial gerecht, er ist aber auch nicht mehr ökonomisch effizient, er ist nicht ökologisch und er ist vor allem nicht demokratisch. Eine wesentliche und maßgebliche Ursache für den den Niedergang der Demokratie der Weimarer Republik (1919 bis 1933) war der zügellose und maßlose Kapitalismus.

    Warum bekommt man auf die einfachen Fragen: Wie reich müssen die Reichen und vor allem die „Superreichen“ noch werden, damit es keine Obdachlosen, keine Geringverdiener, Rentner, Arbeitslose usw. mehr gibt, die Angst vor der nächsten Mieterhöhung haben? Nimmt man „superreichen“ Mitbürgern schon etwas weg, wenn Mitbürger, die über ein Vermögen von 50.000 Millionen Euro verfügen, nicht noch reicher werden? Warum werden diese Fragen in einer demokratischen Gesellschaft nicht gestellt?

    Wenn eine demokratische Gesellschaft zulässt, dass die Reichen und „Superreichen“ immer reicher und alle anderen immer ärmer werden, dann landen wir wieder da, wo wir 1933 gelandet sind, nämlich in einer autoritären und gleichgeschalteten plutokratischen Diktatur.

    1. Jeder Geringverdiener, der im Supermarkt das preislich günstigere Produkt für 1,49 Euro kauft und nicht das teuere Markenprodukt für 2,29 Euro, ist ein Kapitalist. Jeder, der bei der Tankstelle M tankt, wo der Liter Benzin 5 Cent günstiger ist als bei der Tankstelle P, ist ein Kapitalist. Jeder, der bei der Bank B ein Tagesgeldkonto hat, weil er dort für seine 20.000 Euro 2 Prozent Zinsen bekommt und bei der Bank K nur 1 Prozent, ist ein Kapitalist.

      Hä? Jeder, der nicht etwas ausgibt, was er nicht hat, ist ein Kapitalist? Deswegen sind mir die Obdachlosen am morgendlichen Hbf. so suspekt, das sind alles Großkapitalisten – ich Dummerchen…

      Das Problem sind die Kapitalisten, die…

      Das Problem sind nicht nur „die“, sondern „was“ diese tun: Sie nehmen mehr, als sie brauchen, und nicht nur, um selbst mehr zu haben, sondern damit andere noch weniger haben: Primär nehmen sie weg. So für das Selbstbild, das nur im Vergleich zum Elend etwas hermacht. Ein mindestens genauso großes Problem sind diejenigen, die solch ein Verhalten goutieren, bejubeln, beneiden und imitieren.
      Kleine Faustregel für etwaige „Das ist nur Sozialneid“-Diskussionen oder Anwürfe:
      Alles, was du hast, hast du genommen. Von woanders und von anderen.
      Dazu gehören auch Geschenke oder ein Erbe, auch das wird (an)genommen.

      Ein zügelloser Kapitalismus ist weder sozial gerecht, er ist aber auch nicht mehr ökonomisch effizient, er ist nicht ökologisch und er ist vor allem nicht demokratisch.

      Vollkommen richtig, nur das mit dem »demokratisch« am Ende ist zu vernachlässigen: Haben wir nicht, hatten wir nicht und ist Mensch in seinen bisherigen sozialen Emanationen auch noch nicht in der Lage zu… Von daher ist Ihr letzter Satz falsch, »Wenn eine demokratische Gesellschaft zulässt…« – Auch »zulässt« ist keine Option, es ist bereits eingetreten, die Kostümierung ist allerdings eine andere. Und wer die zu adressierenden Sündenböcke jetzt genau werden, ist bisher noch nicht en Detail veröffentlicht.

  14. Nicht originell, aber schon lustig, was der UBS-Vertreter des Kapitals da als ewig gleiche Predigt über falsche und richtige Vergleiche rauslässt.

    Die Klasse, die im weltweiten Wettbewerb als „Kosten der Wirtschaft“ und damit des nationalen Wirtschaftsstandorts ständig mit noch günstigeren Lohnkosten in Polen, der Ukraine, Rumänien, der Türkei, Indonesien … bis China verglichen wird – und damit praktisch ebenso ständig in ihren Kosten gesenkt -, diese Klasse muss einsehen, dass sie eigentlich noch zuviel bekommt, weil es den schlechter bezahlten „Chinesen“ (…) als „normalen Vergleichsmaßstab“ des Kapitals als ihren eigenen verinnerlichen soll. Für „unsere überlegene Wettbewerbsfähigkeit“.

    Falsche „Gerechtigkeits“-Vergleiche mit den reicher werdenden Gewinnern der privatisierten Wertproduktion sind da für den Chefökonomen völlig fehl am Platz, weil die ja schließlich hart arbeiten müssen, mit ihren irre risikoreichen Kapitalinvestitionen zur Aneignung ihres privaten Wertprodukts. Die Reichen haben’s also sehr schwer, nicht nur beim Einkauf von Meinungsblättern oder der richtigen Stadt als Hochzeits-Location, auch die Benutzung von sehr viel fremdem Geld für spekulative KI- und Space-Abenteuer könnte zu Ranking-Verlusten in den Top-Listen der Allerreichsten führen. Proteste gegen ungerechten Mega-Reichtum und einige Umwelt-Sauereien unserer privatfliegenden Leistungsträger sind also selber ziemlich „ungerecht“.
    Der ökonomische gebildete und einzig statthafte Vergleich, den kostengesenkte Lohn- und Gehaltsempfänger anstellen dürfen, ist der mit früheren Zeiten, in denen sich keiner ein teures Smartphone oder ein E-Auto leisten konnte, um täglich zur Arbeit zu fahren und dort Gewinne für andere zu produzieren.
    Es fehlte hier eigentlich nur der früher stets beliebte Vergleich zu den „hungernden Afrikanern“, die gar nichts haben. Da ist die Belohnung für lebenslanges Arbeiten doch im Vergleich richtig üppig, wenn hier durch „Beschäftigung“ etwas mehr hinuntertröpfelt, das fast zum monatlichen Zurechtkommen reicht.

    Danke Kapitalismus! Dank den Reichen, ihren Chefökonomen und Nobel-Wissenschaftlern! Ohne euch müssten wir noch immer mit Wasser und Brot auskommen, wie 1815 oder „in der Antike“, wo es nur noch nicht so viele Reiche wie heute gab, die durch ihr Sozialwesen für die angemessenen Lebensstandards eines funktionierenden Kapitalismus gesorgt haben. „Sozial ist was Arbeit schafft!“ – wie es vor Jahren schon in der deutschen Politik hieß. Was braucht es da noch einen „Sozialstaat“ und unerwünschte Vergleiche vom privaten Reichtum mit der Arbeit, die ihn schafft.

    Von mir aus könnten sie sich in ihren Billionen ja baden, wie der alte Duck, oder sie auf Sex-Inselchen verbraten, aber nein, der Hauptteil des kapitalistischen Reichtums muss ja getrennt von dem, was nebenbei für private Bespaßung so abfällt, zu seiner sachnotwendigen, nachhaltigen Verwertung reinvestiert werden, und zwar auf Kosten derer, die für ihn lohnarbeiten müssen.

    Ein richtiges „Problem“ waren der Reichtum einiger Weniger und die Armut der Masse nie. Nicht wenige bewundern die Reichen als vorbildliche Erfolgsfiguren, die es irgendwie individuell, mit „persönlicher Leistung, Geschick und Glück“ verdient haben sollen, wovon man selber, in Begleitung von Promi-Unterhaltung auf allen Kanälen, träumen darf.
    Andere beklagen angesichts der verbreiteten und steigenden normalen Armut den „obszönen“, also unanständigen, „über“-mäßigen Reichtum, weil gerade das demonstrative, „schillernde“ Angeben mancher Geschäftsleute als persönlichem Erfolgsbeweis an der Vorstellung kratzt, dass es in dieser besten aller Gesellschaften um Gleichheit und Gerechtigkeit ginge. Deswegen reichen im statistisch veranschaulichten Nebeneinander von Reich und Arm auch Balken- oder Tortendiagramme, in denen ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Reichtum und der dafür notwendigen Armut der Mehrheit vermieden wird. Die Schere von mehr Reichen und mehr Armen soll als eine Art „Missverhältnis“ von beiden verstanden werden, das zur besseren Zufriedenheit „eigentlich“ etwas ausgewogener sein müsste. Der meinungsbildende Lerneffekt soll bei solchen Grafiken ja gerade sein, irgendeine vorgestellte „Ausgeglichenheit“ oder ein „Win-Win“ beider Seiten als eigentliches „Ziel“ dieser Gesellschaft zu reklamieren, von dem beim Über-Reichtum Weniger aber ins moralisch „obzöne“ abgewichen wird. Mit den Gründen der organisierten Armut braucht man sich dann kaum bis gar nicht beschäftigen; es reicht ja, sich endlos auf die Suche nach moralisch unanständigen Super-Yachten und anderen dekadenten Vergnügungen zu machen, um sich selbst ständig von dem Irrtum zu überzeugen, dass sowas zum eigenen Wohlfühl-Kapitalismus nicht dazugehöre.

    Nach diesem Gerechtigkeitsbild gehören Normal-Arme und Normal-Reiche mit ihren gesellschaftsnützlichen Normal-Investitionen zu einem idealen Kapitalismus aber schon dazu, genau wie die ewige Klage über seine Ungerechtigkeiten.

  15. „UBS-Chefökonom Paul Donovan sieht das Risiko, dass Staaten auch mit dem Blick auf den Great Wealth Transfer, also den billionenfachen Vererbungen des Vermögens der Baby Boomer an die nachfolgenden Generationen, dass die Staaten versuchen würden, die Staatsschulden durch die „Mobilisierung des Reichtums“ zu senken. Das mag man natürlich nicht“

    Ganz gewiss hält dieser Chefökonom den 25%-Vermögenszuwachs/a bei den Milliardären für einen Erfolg. Solche Leute wie Donovan glauben sicherlich auch, man lebe, um zu arbeiten und nicht umgekehrt. Dieser Satz stellt die Realität auf den Kopf: „„Vermögensbildung ist der Lohn für harte Arbeit (Produktivität) oder das Eingehen von Investitionsrisiken – doch in Zeiten struktureller Umbrüche kann Vermögen auch dadurch entstehen, dass man das Glück hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“
    Viele hatten bloß die richtigen Eltern oder Großeltern – den Rest hat der Markt gemacht. Von wegen „harte Arbeit“. Die Reichen haben die Arbeit doch längst eingestellt. Und wie das mit den „Investitionsrisiken“ aussieht, kann man bei Susanne Kladden studieren, die sehr wohl den hohen Gewinn erwartete, sich aber über die Risiken bei ihrer Vermögensberatung beschwerte. Jemand, der 50 Mio. sein Eigen nennt und noch arbeitet, hat sie doch nicht mehr alle.

    Die Story vom „hart“ arbeitenden Reichen passt zu einer Wissenschaft, deren Nobelpreisträger sich in einem Land konzentrieren, in dem unbemerkt eine Housing-Bubble organisiert wurde, die eine Weltwirtschaftskrise auslöste.

  16. Währenddessen bei den „normalen“ Menschen..

    Life is becoming unaffordable for everyday people everywhere In previous decades, defenders of the global economy could evidence the very real progress in reducing poverty, pointing out that this was what mattered, not the wealth of a few at the top. Yet, in the decade since 2020, this is no longer the case. The reduction in poverty has largely ground to a halt, with poverty rising again in Africa. In 2022, nearly half of the world population (48%), or 3.83 billion people, lived in poverty. Looking beyond income to other aspects of poverty, one in four people worldwide face moderate or severe food insecurity. This number increased by 42.6% between 2015 and 2024.21 Ordinary people worldwide are seeing the cost of food rise relentlessly. This includes 92 million food insecure people in Europe and North
    America, some of the richest regions in the world

    https://www.oxfam.org/en/research/resisting-rule-rich

    In der gleichen Studie ermitteln die auch noch, dass man als Milliardärin oder Milliardär wohl 4000mal wahrscheinlicher in ein politisches Amt gewählt wird als ein „normaler“ Mensch..

    Economic inequality plays a major role in the erosion of rights and political freedom, and creates fertile ground for increased authoritarianism. Research finds that rising inequality leads to a higher risk of democracy
    being undermined, and that inequality is one of the strongest predictors of democratic backsliding.

    Genau das sehen wir ja mittlerweile jeden Tag mehr und mehr.

    Da kommt einem dann wieder Brecht in den Sinn..

    „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah n sich an. Da sagt der Arme bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

    ―Bertolt Brecht

    Mfg Makrovir

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