
Die Schweizer Bank UBS rühmt sich, der weltweit größte Manager des Reichtums zu sein. Und sie gibt jährlich den globalen Reichtumsbericht heraus, wahrscheinlich auch deswegen, damit die Reichen sehen können, wo sie stehen, wozu es auch die entsprechenden Rankings gibt, und die Ärmeren, wie weit sie davon entfernt sind. Ein Problem ist aus Sicht der UBS, dass angeblich die Ungleichheit geringer geworden sei, aber die Wahrnehmung und Kritik der Ungleichheit stärker.
USB-Chefökonom Paul Donovan sieht das Risiko, dass Staaten auch mit dem Blick auf den Great Wealth Transfer, also den billionenfachen Vererbungen des Vermögens der Baby Boomer an die nachfolgenden Generationen, dass die Staaten versuchen würden, die Staatsschulden durch die „Mobilisierung des Reichtums“ zu senken. Das mag man natürlich nicht. Und dass die Ungleichheit in den Blick rückt, liegt nicht an den Verhältnissen, sondern an den Sozialen Medien, die derzeit für alles herhalten müssen: Auch die Vermögensungleichheit rückt unter dem strahlenden Scheinwerferlicht der sozialen Medien immer stärker in den Fokus. Das bedeutet, dass selbst wenn die Ungleichheit zurückgegangen ist, das Bewusstsein dafür zugenommen hat.“
Aber der Chefökonom beruhigt die Reichen, ohne aber zu benennen, was das für ihren Reichtum bedeuten könnte: „Je breiter das Vermögen jedoch verteilt ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es zum Ziel staatlicher Maßnahmen wird oder soziale Spannungen hervorruft.“ Man darf vermuten, es ist damit gemeint, dass durch Trickle-down oder durch gewisse Sozialstaatsmaßnahmen, etwa auch durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder den Wegfall der Besteuerung von Geringverdienern, wie das Tech-Milliardäre propagieren, die Menschen die Reichen eher in Ruhe lassen. Donovan geht auch davon aus, dass die Menschen verblendet sind. Obwohl sie besser gestellt seien, was nicht weiter belegt wird, würden sie weiterhin mit der Ungleichheit hadern, weil sie ihr Vermögen mit dem anderer vergleichen.
Nach der UBS ist die Zahl der Milliardäre letztes Jahr um 13,1 Prozent auf jetzt 3302 angestiegen (Forbes kommt auf 3370). Aber die Weltbevölkerung, jetzt 8,1 Milliarden, wächst ja auch weiterhin mit 50-60 Millionen Menschen jährlich. Und die Milliardäre vermehren aufgrund ihres Vermögens ihren Reichtum auch schneller als die Multimillionäre, die sich auch vermehren. Letztes Jahr ist die Zahl der Millionäre selbst um eine Million gewachsen.
Allein in diesem Jahr ist das Vermögen der Milliardäre bis April um 25 Prozent größer geworden – das ist ein bisschen mehr, als die Löhne für die Masse der Menschen gestiegen sind. Am deutlichsten ist das bei Elon Musk der Fall, aber auch die bevorstehenden Börsengänge von Anthropic und OpenAI vermehren die Milliardäre und das Vermögen von denjenigen, die es schon sind. Nach UBS haben 19 Menschen mehr als 100 Milliarden, davon leben 15 in den USA. Und 18 Menschen besitzen zwischen 50 und 100 Milliarden. Gerechnet wird in Dollar.
Auch wenn sich die Reichen und Superreichen vermehren, breitet sich der Wohlstand natürlich nicht auch in den einkommensschwächeren Schichten aus, um nicht von den unteren zu sprechen, was schon unterstellt, dass die Reichen irgendwie gesellschaftlich oben und besser seien. Der USB-Bericht kann sich nicht um die wachsende Ungleichheit der wenigen Reichen und der Masse der Menschheit herummogeln und stellt fest: „Während das durchschnittliche Vermögen deutlich stieg, ging das Medianvermögen in den meisten Märkten sogar zurück, was die wachsende Kluft zwischen den Reichsten und der breiten Bevölkerung verdeutlicht.“
Nach dem Chefökonomen sind die Reichen natürlich auch besser, selbst wenn Glück oder Erbschaften dabei sind: „Vermögensbildung ist der Lohn für harte Arbeit (Produktivität) oder das Eingehen von Investitionsrisiken – doch in Zeiten struktureller Umbrüche kann Vermögen auch dadurch entstehen, dass man das Glück hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Glück und das dadurch geschaffene Vermögen sind nicht von Dauer. Es sind Investitionen – in persönliche Fähigkeiten und in die Gesamtwirtschaft –, die zu nachhaltigerem Vermögen führen.“ Man kann schon mal Glück haben, aber die Reichen sollen doch ihr Vermögen ihrer Leistung – ihrer harten Arbeit – verdanken. Die besteht weniger im Arbeiten, sondern in der Qual der Investitionen. Von der sind die ärmeren Schichten befreit. Vom Glück der Erbschaften wird lieber gar nicht gesprochen.
Der Reichtum konzentriert sich in den USA und in Westeuropa. Nur China steht hier in Konkurrenz. Der Reichtum pro Kopf ist durchschnittlich in der Schweiz (910.382 US-Dollar), in den USA und in Luxemburg am höchsten, Deutschland steht von 30 Ländern mit 346.613 US-Dollar an 14. Stelle. Das ist ein völlig verzerrtes Maß. Beim Median rutscht Deutschland hinter Österreich, den USA und Griechenland mit 53.485 auf die letzte Stelle.
Die UBS gibt uns mit einem Experten, dem Ökonomieprofessor Noel Mokyr und Nobelpreisträger, die Einsicht mit, dass trotz aller Ungleichheit alles gut läuft, auch wenn Natur und Klima unter die Räder besonders der Reichen geraten, Kriege und Aufrüstung das El Dorada darstellen oder ein Atomkrieg droht: „Das Leben heute auf diesem Planeten ist in praktisch jeder Dimension, die man sich vorstellen kann – zumindest in jeder materiellen Dimension – unvergleichlich besser als noch vor hundert Jahren, ganz zu schweigen vom Mittelalter oder der Antike. Würde man einen heute lebenden Menschen nehmen und ihm die materiellen Lebensbedingungen von 1815 auferlegen, wäre er zutiefst unglücklich. Das garantiere ich Ihnen.“ Wir leben halt doch in Umgebung der Milliardäre, deren einer es schon zum Billionär gebracht hat, in der besten aller Welten.
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So lange es die herrschende Klasse gibt, wird sich auch nichts ändern.
Die werden uns alles nehmen..
Hier dreht es sich um die Ersatzfront, das wesentliche Problem ist die „Konzentration und Zentralisation con Kapital und Macht“, der unabdingbaren Folge der Produktionsweise.
Es kann noch soviel an dieser Front versucht werden, es bleibt vergebens. Den Wert kümmert das nicht. Er bleibt autonom und autark.
Schön wärs ja, wenn die Welt wenigstens sozioökonomisch in Ordnung wäre, wie die UBS und ihr Nobelpreisträger behaupten. In Wirklichkeit lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung unter materiell prekären Bedingungen, unendlich Viele in einer Art Schuldensklaverei, von denjenigen, die buchstäblich von der Hand in den Mund leben, ganz zu schweigen. Vergleiche mit früheren Jahrhunderten sind geradezu dümmlich, jedenfalls irreführend, heute sind virtuell alle de facto Proletarier, nicht in der Lage ohne Verkauf der eigenen Arbeitskraft zu überleben. Denn man benötigt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr Geld, um in den heutigen Gesellschaften zu existieren. In vorwiegend agrarischen Gesellschaften war das wesentlich anders. Dass ein gewisser Anteil der Weltbevölkerung ein beachtliches Konsumniveau erreicht, ist übrigens kein Zeichen von systemischer Menschenfreundlichkeit, sondern ökonomischer Zwang in einer Zeit, in der Konsum zwei Drittel des BIPs ausmacht. Sinkt die Kaufkraft, ist Krise. Daher der Horror vor Inflation auch bei der UBS.