Die israelische Atombombe…

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     …ist eine deutsche Atombombe.

 

Es war erfrischend, als Bundeskanzler Merz seinen Mut zusammennahm und zu dem US-israelischen Angriff auf den Iran verkündete: „Dies ist nicht unser Krieg.“ Er sollte noch einen zweiten Schritt gehen und endlich zugeben, wer Israel zu seiner Atombombe verholfen hat: Konrad Adenauer. Die Patente stammten aus der Nazi-Waffenschmiede und trugen die Unterschrift deutscher Atomwissenschaftler wie Werner Heisenberg, Karl-Friedrich von Weizsäcker und Karl Wirtz vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik, Paul Harteck und Wilhelm Groth von der Universität Hamburg sowie Kurt Diebner vom Heereswaffenamt.

Umgesetzt wurde dieses Know-how ab 1959 am israelischen Weizman-Institut in Rehovoth vom Kernphysiker Wolfgang Gentner und dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Otto Hahn. Beide waren bereits in Hitlers Uranverein mit von der Partie gewesen. Finanziert wurde das auf Anweisung des Bonner Bundeskanzlers mit der streng geheimen Operation „Geschäftsfreund“, weder das Parlament und nicht einmal das Kabinett waren eingeweiht. Und das Uran stammte aus Argentinien und wurde, mit Wissen der US-Regierung, über die Nukem nach Israel geliefert.

Über die deutsche Hilfestellung beim Bau der israelischen Atombombe habe ich bereits 2018 einen 37-minütigen-Dokumentarfilm gemacht, Titel: „Geheime Kommandosache – Israels Atombombe aus dem Nazi-Schoß gekrochen“.

 

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Es gibt ihn auch in englisch und spanisch, Links auf meiner Homepage.

 

Lange Zeit wurde meine Recherche einfach totgeschwiegen, erst in den letzten Tagen scheint das Thema wieder auf die Tagesordnung zu kommen. Immerhin berichtete Haaretz plötzlich über die deutsche Finanzierung.

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Regierung in Jerusalem laut darüber nachdenkt, Nuklearwaffen gegen den Iran einzusetzen. Allzugroß scheint der Widerstand gegen diese Pläne im Heiligen Land nicht zu sein. Und schließlich haben doch bisher alle die Augen beim (illegalen) Bau der Waffe zugedrückt, nicht nur die USA und Deutschland, auch die Sowjetunion und vor allem die Internationale Atomenergie-Behörde in Wien. Die sog. internationale Staatengemeinschaft stört sich nur an den persischen Uranreaktoren, nicht aber an der israelischen Atombewaffnung, die schon lange kein Geheimnis mehr ist. Leider stellt kaum jemand die naheliegende Frage: Ob in einer konfliktbeladenen Region wie dem Nahen Osten ein dauerhafter Frieden möglich sein wird, ohne dass diese Region zu einer komplett atomwaffenfreien Zone erklärt wird, also auch ohne die israelische A-Bombe. Und hier trifft die deutsche Politik eine besondere Verantwortung, denn die israelische Atombombe ist eine deutsche Atombombe.

Der Film beruht auf Dokumenten aus verschiedenen Archiven, nicht auf irgendwelchen selbsternannten „Experten“. Ich habe jahrelang dazu recherchiert und Prozesse führen müssen, um an diese Dokumente heranzukommen, etwa gegen die Deutsche Bank, denn die Finanzierung wurde vom Nazi-Kriegsverbrecher Hermann-Josef Abs durchgeführt; seine Akten liegen leider nicht im Bundesarchiv, wo sie laut Gesetz hingehören, sondern im Historischen Institut der Deutschen Bank in Frankfurt. O-Ton Abs: „Bei dem Treffen des Herrn Bundeskanzlers mit Herrn Ben Gurion am 14. März 1960 in New York sei u. a. über eine deutsche Entwicklungshilfe an Israel gesprochen worden […] Der Herr Bundeskanzler habe eine Entwicklungshilfe auf kommerzieller Basis in Form eines Darlehen von jährlich 200 Millionen DM für zehn Jahre zugesagt. […] In diesem Sinne seien dann weitere Gespräche mit dem Herrn Bundeskanzler, Minister Erhard und Staatssekretär Globke [.…] geführt und […] mit einer Verabredung beendet worden, wonach ein erster Teil der diesjährigen Rate […] also insgesamt 85 Millionen DM im Juni/Juli dieses Jahres angewiesen werden sollte.“

Adenauer hatte bereits in dem sog. „Wiedergutmachungsabkommen“ von 1952 zu verstehen gegeben, dass er bereit war, hohe Geldsummen an Israel zu zahlen, um das Thema der Judenvernichtung im Dritten Reich aus der öffentlichen Diskussion zu verdrängen. Und der Staatschef David Ben Gurion brauchte das Geld und lobte fortan seine neuen Bonner Freunde als eine „andere Generation“. „Die frühere Generation – das war Hitler. Das ist eine andere Generation“, erklärte er. Seine Worte landeten umgehend im Kanzleramt. Adenauer war zufrieden.

Dass in seiner Regierung und in allen Ämtern die „alten Kameraden“ wie Hans Globke ihren Dienst verrichteten, erwähnte Ben Gurion nicht. „Es gibt heute nur noch wenige Nazis“, verkündete er seinen Landsleuten, “Israel muss sich heute die Freundschaft des neuen Deutschland erwerben.“ Und das schloss eine enge militärische Zusammenarbeit mit ein. In einem „streng geheimen“ Vermerk notierte Staatssekretär Karl Carstens: „Bundesminister Strauß ist vor wenigen Tagen mit Ben Gurion zusammengetroffen. Ben Gurion ist auf die Produktion atomarer Waffen zu sprechen gekommen. In dem Gespräch habe Ben Gurion erklärt, der Herr Bundeskanzler habe ihm versprochen, dass sich die Bundesrepublik an der Erschließung der Negev-Wüste beteiligen werde.“ Dort wurde gerade das Atomzentrum Dimona gebaut. Allerdings, so Carstens, solle die Beendigung des Eichmann-Prozesses abgewartet werden. Adenauer wollte sicherstellen, dass sich Ben Gurion an die Vereinbarung halten und seiner Regierung Nazi-Vorwürfe ersparen werde. Und der hielt sich an den Pakt.

Bis heute hat das Bundeskanzleramt seine Akten zur Aktion „Geschäftsfreund“ nicht herausgegeben. Aber beim Auswärtigen Amt gibt es dazu eine geheime Akte, und diese gab der damalige Außenminister Guido Westerwelle auf meinen Antrag frei. Die Patente aus Hitlers Uranverein fand ich im Münchner Patentamt, auch sie waren lange Zeit geheim. Die Dekrete über die argentinischen Uranlieferungen werden im Nationalarchiv in Buenos Aires aufbewahrt, sie waren offen zugänglich. Das US-amerikanische Energieministerium DoE wusste von diesen Lieferungen, teilten Sie mir auf meine Anfrage mit und schickte die entsprechenden Dokumente mit. Eigentlich besteht also an der Faktenlage kein Zweifel, man hüllt sich bis heute in Schweigen.

Der Einzige, der die israelische Atomanlage Dimona der internationalen Kontrolle unterwerfen wollte, war der US-Präsident John F. Kennedy. Er wurde, so ein Aktenvermerk aus dem Auswärtigen Amt, Ende September 1963 von den Deutschen über ihre „Ausrüstungshilfe für Israel“ persönlich und streng vertraulich informiert: „Präsident Kennedy (ist) auf einem absolut zuverlässigen Weg von den von uns getroffenen Maßnahmen unterrichtet worden.“ Wenige Wochen später wurde er ermordet. Und kein anderer US-Präsident störte sich fortan an der israelischen Atombombe. Auch nicht die Internationale Atomenergie-Behörde in Wien.

Die Prozesse auf Akteneinsicht wurden mit Spenden finanziert, einige dieser Verfahren sind noch anhängig, etwa gegen den BND. So wird voraussichtlich am 4. Juni 2026 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in öffentlicher Verhandlung über meine Berufung auf weitere Geheimhaltung der BND-Akten verhandelt. Wer diesen und die anderen Verfahren auf Aktenfreigabe unterstützen will:

Paypal: gaby.weber@gmx.net

Oder Banküberweisung: IBAN DE43120300001207441294, bic BYLADEM1001

Gaby Weber

Gaby Weber
Weber studierte Romanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1982 am Lateinamerika-Institut. Seit 1978 ist die Mitgründerin der taz als Journalistin und seit 1986 als freie Korrespondentin tätig, zuerst aus Montevideo und ab 2002 aus Buenos Aires. Außerdem hat sie mehrere Reportagen und umfangreiche Recherchen zur Geschichte nachrichtendienstlicher Aktivitäten veröffentlicht. 2012 erschien ihr Buch „Eichmann wurde noch gebraucht“.
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10 Kommentare

  1. Zitat „Umgesetzt wurde dieses Know-how ab 1959 am israelischen Weizman-Institut in Rehovoth vom Kernphysiker Wolfgang Gentner und dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Otto Hahn. Beide waren bereits in Hitlers Uranverein mit von der Partie gewesen.“

    Ähm…. gibt’s bitte irgendeinen Beleg daß Otto Hahn an der israelischen Atombombe beteiligt war?
    Außergewöhnliche Aussagen brauchen außergewöhnliche Belege – und diese Behauptung finde ich schon abenteuerlich!
    Ausgerechnet Hahn!

    1. Im verlinkten Dokumentarfilm von Frau Weber heißt es dazu bei Min 22:30:
      „… Am 1. Dezember 1959 reisten Cohn, der Kernphysiker Wolfgang Gentner und der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Otto Hahn nach Israel. 10 Tage lang war die hochrangige Delegation deutscher Atomphysiker im Weizmann-Institut zu Besuch.“
      Bildschirmfoto des dazugehörigen Beleg-Dokuments bei Min 22:50

      Im Zusammenhang mit dem im Film beschriebenen, zeitgleichen bundesdeutschen Kredit für den israelischen Atomreaktor (bzw. eben letztlich die Atombombe) dürfte wahrscheinlich sein, zu welchem Zweck die westdeutsche Delegation dort weilte.
      Ein Protokoll ihrer Gespräche im Weizmann-Institut haben die Herren Hahn und Gentner sicher nicht hinterlassen.

  2. Gleich und gleich gesellt sich gern. Zionisten und Nazis sind das gleiche Pack.

    Aber die Atombombe kann Israel auch nicht schützen.
    China hat verlautbart, dass Israel nicht weiter bestehen wird, falls Israel es wagen sollte, die Atombombe gegen den Iran einzusetzen.
    Und Prof. Theodore Postol sagt, dass der Iran aus seinem Material 11 „kleinere“ Atombomben in ca. 3-4 Wochen herstellen könnte, selbst nach einen atomaren Angriff.
    https://www.youtube.com/watch?v=ks1ImVoaHZM

    Ich hoffe das genügt um da einen Riegel vorzuschieben.
    Jedenfalls wäre es Wahnsinn für Israel zur Bombe zu greifen.

  3. Das eine Atombombe überhaupt einer Nationalität angehört, in diesem Fall sogar eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, zeigt doch nur, dass die Autorin extrem in der Idee der Nationalstaaten verhaftet ist.

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