Die falschen Sorgen

Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 21. Wahlperiode des Bundestages. Bild: Sandro Halank/CC BY-SA 4.0

In den ersten zwölf Monaten 190 Gesetze auf den Weg gebracht, die Ertüchtigung von Kapital und die Vorbereitung auf einen Krieg beschleunigt: Dennoch gilt die Bundesregierung als angeschlagen. Die wichtigen, weil mächtigen und wohlhabenden Menschen kritisieren „Reformstau“. Aber auch der weniger wichtige, mittellose Rest schüttelt den Kopf über „Streit“ und „Stillstand“. Die einen machen sich richtig Sorgen, die anderen die falschen.

Sorgen gehören zum Alltag in dieser entwickelten Gesellschaft. Es sind zwar nicht mehr die vor Jahrtausenden, als es um das nackte Überleben ging. Zumindest nicht hierzulande. In anderen Weltgegenden beherrscht die Suche nach Ess- und Trinkbarem und eine irgendwie taugliche Unterkunft weiterhin das Leben von Millionen Menschen. Wie das aber mit dem hiesigen Leben zusammenhängt, führt nur dann zu großer Sorge, wenn zu viele von den Hungergestalten in unser gelobtes Land flüchten wollen. Ansonsten erleichtert eine Spende an „Brot für die Welt“ das kurzzeitig beschwerte Gemüt.

In einem Staat wie Deutschland, mit international erfolgreichen Unternehmen und entsprechend stabiler Währung, kursieren andere Sorgen. Sie bewegen sich entlang einer Scheidelinie: zwischen jenen, die mit ihrem Kapital nie genug Gewinn machen können, und denen, die mit ihrer Arbeit das ermöglichen, davon aber notorisch zu wenig haben.

Die Wirtschaft sorgt sich um ihr Geschäft…

So ist die deutsche Wirtschaft in erster Linie besorgt, dass ihr Geschäft funktioniert. Also dass ihre Waren viele Käufer finden zu einträglichen Preisen und die Konkurrenz das Nachsehen hat. Dabei sind für ihren Geschmack aber zu viele Vorschriften im Weg. Sie behinderten das Geschäft: Arbeitsschutz, Umweltschutz, Mieterschutz, Steuern und Abgaben, Tarifverträge, Mitbestimmung, Wettbewerbsregeln, Verbraucherschutz, Lohnnebenkosten, Sozialabgaben, Formulare für alles und jedes, und das dauert hier viel zu lange, bis man endlich mit dem Gewinne machen loslegen kann! Dann fehlen auch noch Fachkräfte, also Beschäftigte, die jung und billig sind, aber schon über jahrzehntelange Erfahrung und Können verfügen sollten.

…deren Beschäftigte um ihre Existenz…

Der deutsche Arbeitnehmer kann ebenfalls mit einer langen Liste von dauerhaften Sorgen aufwarten: Ob er überhaupt eine Stelle bekommt, von der er sich und seine Angehörigen ernähren kann, ist unsicher; und wie lange er sie behält auch. Ob er in seinem Job befördert wird und so an etwas mehr Geld kommt, hängt davon ab, wie er sich in der Konkurrenz zu seinen Kollegen durchsetzt und bei den entscheidenden Vorgesetzten beliebt macht. Ob er bei aller Arbeitsbelastung, wenn nicht gesund, doch wenigstens lange genug arbeitsfähig bleibt, ist ebenfalls ungewiss. Wie Frau und Mann neben ihrem Arbeitstag den Haushalt, die Betreuung und Erziehung der Kinder, die wenige Freizeit organisieren, die noch bleibt, und eventuell zusätzlich die Pflege der Eltern – diese Sorgen bleiben ihnen zuverlässig erhalten.

Es sind mithin sehr unterschiedliche Sorgen, die sich die deutschen Bürger qua ihrer wirtschaftlichen Stellung machen. Sie zeigen die Gegensätze: Die einen fordern freie Fahrt für ihren Profit. Weniger Rücksicht auf Mensch und Umwelt, weniger Geld für die Beschäftigten, weniger Regeln für gesunde und taugliche Produkte usw.  Die anderen schauen, wie sie dabei irgendwie dennoch über die Runden kommen und möglichst geringen Schaden nehmen.

…aber beide sorgen sich um den Erfolg Deutschlands

Dennoch treffen sich beide Gruppen in einer Sorge: Dass es mit „Deutschland“ bergab statt bergauf geht. Die einen sehen ihre Felle schwimmen, die anderen fürchten, dabei unterzugehen. Oder herkömmlicher ausgedrückt – das „Wachstum“ stockt. Die dieses Wachstum erarbeitenden Bürger sorgen sich, nicht mehr benötigt zu werden und damit ihre Existenzgrundlage zu verlieren.

Auftritt Bundesregierung: Ihre Politik sollte doch dafür sorgen, dass es mit diesem Staat weiter aufwärts geht. Will heißen, in der Konkurrenz mit den anderen wirtschaftlich erfolgreichen Nationen der Welt, allen voran USA und China, zu bestehen. Mit diesem Auftrag war schließlich auch die CDU/SPD-Koalition nach der Bundestagswahl 2025 angetreten. Sie hatte ja gerade ihren Vorgänger, die „Ampel“, kritisiert, dass in Deutschland nichts richtig voranginge und zu viele Vorschriften der Wirtschaft das Leben schwer machten.

Endlich die „Richtigen“ am Ruder – oder doch nicht?

Die Klassiker der Kritik einer Opposition an der Regierung waren dabei einmal mehr zu beobachten: „Handlungsunfähigkeit“, fehlende „Antworten“ auf die „großen Fragen wie Wirtschaftswachstum, Migration, Wohnungsbau und Bürgergeld“ (Thorsten Frei, CDU), „mit ihren ständigen Streitereien“ beschädige die Koalition „das Vertrauen in den Staat“ (Carsten Linnemann, CDU) (zit. nach tagesschau), „Wortbruch“ „handwerklich schlecht gemachte Politik“, „Entscheidungen zu spät und fern von der Lebenswirklichkeit von Menschen und Unternehmen“ (Friedrich Merz, CDU) (zit.nach CDU).

Und nun das: Merz, Frei und Linnemann sind am Ruder, das Urteil nach gut einem Jahr fällt jedoch negativ aus. Das „Wahlvolk“ – also in der Mehrheit die mit den Sorgen zweiter Klasse, die Beschäftigten und sonstigen Mittellosen in Deutschland – zeigt sich nur noch zu 13 Prozent mit der Arbeit der neuen Regierung zufrieden. Ebenso wenige halten Bundeskanzler Friedrich Merz für die richtige Wahl (vgl. DeutschlandTrend)

Das Regierungsprogramm geht in Ordnung: It´s the economy, stupid

Was ist nur in dieser relativ kurzen Zeit geschehen? Gegen das Programm gab und gibt es jedenfalls keine Einwände: „Ziel ist es, Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen und so wirtschaftlich stark aufzustellen. Neben den Reformen von Gesundheits- und Sozialsystemen werden dafür auch Verfahren beschleunigt und die Infrastruktur modernisiert (…) Im Fokus stehen Investitionen in Verteidigung, Straßen, Schulen, Digitalisierung, Sicherheitsbehörden und in eine moderne Verwaltung.“ (Bundesregierung)

Preisfrage: Wessen Sorgen werden in diesen Plänen Gehör geschenkt? „It´s the economy, stupid“, lautete 1992 der Slogan von Präsidentschaftskandidat Bill Clinton im US-amerikanischen Wahlkampf. Das überzeugte damals die Mehrheit der Wähler – und tut es auch heute noch. Wobei jede Nation mit kapitalistischer Wirtschaft, aktuell ziemlich alle auf der Erde, ihrer Ökonomie diesen Vorrang vor allen anderen Notwendigkeiten staatlicher Organisation einräumt. Mal mehr, mal weniger, je nach Konjunktur.

Wenn das Kapital leidet, sind staatliche Hilfen notorisch zu wenig

Besonders, wenn die heimischen Unternehmen in der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten drohen. Dann wird durchforstet, welche Hindernisse im Inland dem Erfolg gegen die anderen Nationen der Welt entgegenstehen: zu hohe Lohnkosten, zu viele teure staatliche Auflagen, Abgaben und Steuern, zu wenig Schutz gegen ausländischen unlauteren Wettbewerb. Und in letzterem Fall geht der Staat gegen diese Länder vor und setzt sie, so er das natürlich mit genügend Macht kann, unter Druck, dem eigenen Kapital wieder bessere Bedingungen zu gewähren. Für mehr erfolgversprechende Investitionen dort und für weniger „Dumping“ hier.

Der „Standort Deutschland“, der einstige „Exportweltmeister“, muss wieder hergerichtet werden. In dieser Sorge stimmen Wirtschaft und Politik überein. Über das Tempo und die einzelnen Schritte dahin herrscht allerdings nicht komplette Einigkeit. „In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa gaben 88 Prozent der Führungskräfte in deutschen Unternehmen an, generell mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden zu sein. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als noch im November vergangenen Jahres.“

Dem Kapital kann es nicht schnell genug gehen. Man weiß in den Konzernen um die eigene Bedeutung und fordert entsprechend selbstbewusst, man könnte auch sagen: frech, den Sorgen Rechnung zu tragen. Dass diesbezüglich immer noch zu viel Rücksichten genommen werden auf Beschäftigte, Rentner, Grundsicherungsbezieher und gesetzlich Krankenversicherte, können sie nicht verstehen. Die Notwendigkeiten eines Sozialstaats, der gerade der Wirtschaft das Potenzial an Arbeitskräften schafft und erhält, sehen sie nur sehr bedingt. „It´s the economy, stupid“ – only the economy!

Der „Wirtschaftsstandort“ sorgt für die Existenzunsicherheit der meisten Bürger

Solche Töne kann man von der anderen Sorte Sorgenträger nicht vernehmen. Auch die Mehrzahl der abhängig Beschäftigten und aktuell nicht Beschäftigten sorgt sich um den Staat: „Fast vier von fünf Deutschen sorgen sich um den Wirtschaftsstandort Deutschland, jeder Zweite vor Geldproblemen im Alter. Und sehr große oder große Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz hat inzwischen fast jeder vierte Erwerbstätige im Land. Oder in absoluten Zahlen ausgedrückt: etwa zehn Millionen Menschen.“ (DeutschlandTrend)

Dass dieser „Wirtschaftsstandort“ den Grund dafür abgibt, dass Geldprobleme im Alter drohen und dass man am Arbeitsplatz nie vor Entlassung sicher sein kann – das sehen offenbar die meisten Deutschen nicht. Ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort lebt nun einmal davon, dass die Arbeitskosten möglichst niedrig sind und die Produktivität hoch. Das bedeutet: Die Beschäftigten bekommen in ihrem Arbeitsleben zu wenig Geld, um fürs Alter ausgesorgt zu haben. Und sie werden so hart wie es geht rangenommen, um so viel Gewinn wie möglich aus ihnen herauszuschlagen. Werden sie dafür nicht mehr benötigt, verlieren sie ihren Arbeitsplatz.

Wenn die Abhängigkeit vom Benutztwerden zur Chance verklärt wird

Sorgen um den „Wirtschaftsstandort“ widersprechen deshalb Sorgen um das Wohl von Leuten, die von ihrer abhängigen Beschäftigung leben müssen. Dies dennoch zusammenzubringen, funktioniert nur, wenn die auf einen Arbeitsplatz Angewiesenen diese Zwangslage erstens als naturgegeben hinnehmen (was sie nicht ist, sondern gesellschaftlich gemacht). Zweitens münzen sie ihr schieres Angewiesensein auf das Benutztwerden durch Unternehmen um in eine tolle Chance, in dieser Gesellschaft auf einen grünen Zweig zu kommen. Da geht es dann sowohl um die eigene Herrichtung für eine berufliche Karriere als auch um die Situation der potenziellen Arbeitgeber. Letztere sollten möglichst zahlreich und zahlungsfähig zur Verfügung stehen. Wenn es davon nun einmal immer weniger gibt mit immer weniger Arbeitsplätzen, sprich: Krise des Wirtschaftsstandorts, führt das logischerweise zu ziemlich vielen Sorgen auf der Seite derer, die ohne abhängige Beschäftigung nicht leben können.

An die Adresse einer Bundesregierung geht somit deren Sorge, dass sie nicht genug unternimmt, um dem Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zum Erfolg zu verhelfen. Das führt dann zur Kritik, es ginge bei den Reformen nicht voran – im Rentensystem, im Gesundheitswesen, im Sozialstaat. In allen Bereichen geht es um Einsparungen für den Staatshaushalt. Mit ihnen verschafft sich die Bundesregierung den Spielraum für den versprochenen Anschub der Wirtschaft und, nicht zu vergessen, für die enorme Aufrüstung.

Das Horrorszenario: keine schlagkräftige Regierung mehr!

Die Einsparungen gehen jedoch auf Kosten derer, die die Sozialleistungen unbedingt benötigen. Paradoxerweise stimmt das Wahlvolk aber in den Chor ein, dass nun „endlich etwas getan werden“ müsse. Was es ebenfalls nicht leiden kann: Streit in der Koalition. Denn der behindert schließlich die „überfälligen“ Reformen. Das weiß der aufgeklärte Bürger – eine uneinige Regierung kann nicht ordentlich regieren. Nichts schlimmer als eine schwache Regierung, die nicht die Gesetze durchpeitscht, die Deutschland wieder nach vorne bringen! Da sind sich die meinungsbildenden Medien einig mit der Polit-Prominenz, wie dem früheren Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU): „Im Falle eines Scheiterns der Regierung drohe eine Phase politischer Lähmung, in der selbst Neuwahlen keine stabile Mehrheit mehr garantieren könnten.“

Dass Deutschland keine schlagkräftige Regierung mehr hat, darum soll man sich heutzutage Sorgen machen. Die davon den Schaden haben, machen dabei mit. Besser für sie wäre es, sich zu überlegen, wie sie ihre Lage endlich zu ihren Gunsten verändern könnten.

Björn Hendrig

Björn Hendrig ist von Hause aus Journalist, längere Zeit auch tätig in der akademischen Lehre für Journalismus und Public Relations. Langjähriger Autor bei Telepolis und bei Overton. Björn Hendrig ist ein Pseudonym.
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11 Kommentare

  1. Eins muss man den reaktionären Roll-Backern ja lassen: sie haben es virtuos verstanden, den neoliberalen Schwachsinn im Volk so nachhaltig zu implementieren, dass dieses bereit ist, sich selbst zur Schlachtbank zu führen. Man könnte die derzeitigen „Sorgen“ der (super-)reichen Ausbeuter und Steuervermeider auch so ausdeuten: Merz, schieb uns endlich noch mehr Kohle hinten rein, sonst… unterstützen wir bald „Magdeburg“…

    1. Es ist halt nicht so einfach sich aus dem globalen Kapitalmarkt auszuklinken. Und diese Freiheit wird sich unser Kapital mit Sicherheit nicht nehmen lassen wollen. Und solange unsere Gewerkschafen einen auf Sozialpartnerschaft macht, statt auf Klassenkampf, wird das sowieso nix.

  2. Gute Punkte, die hier angesprochen werden (aufgeschrieben wurden). Ja, wie man sieht, haben die Sorgen der Regierenden (und Besitzenden) gefälligst die möglichst aller Leute zu sein – obwohl letztere fürs Sorgenmachen nicht mal bezahlt werden und auch sonst höchstens sehr eingeschränkt zu den „Gewinnern“ der ganzen Veranstaltung gehören. Es wäre schon ganz fabelhaft, sich nicht permanent mit der eigenen Dienstherrschaft zu identifizieren und von dieser auch noch zu verlangen, weniger sozial zu sein. Aber klar, zur Seite oder nach „unten“ zu blicken oder (zu) treten ist halt immer einfacher, als sich mit den gegenwärtigen Verhältnissen anzulegen (wobei man da auch wieder realistisch genug sein sollte, um nicht in irgendwelche Rebellen-Romantik zu verfallen). Sich Vorgesetzten auch noch anzudienen in der Hoffnung, da etwas besser davonzukommen als die „Konkurrenz“ (also Leute, denen es ähnlich geht wie einem selbst) ist schon ziemlich armselig; es funktioniert auch u.U. ziemlich schlecht, denn ein Chef, bei dem alle rumschleimen, hat den Laden natürlich bei Bedarf noch mehr unter der Fuchtel, jeder fürchtet sich vor Gemobbt- oder gleich Rausgeworfenwerden, damit lässt sich natürlich ein schönes System von Spitzeln und Lakaien schaffen, in dem jeder gleichermaßen Täter wie (potentielles) Opfer von Intrigen ist, wenn er aus den ganzen Machtspielchen nicht (wenigstens ein Stück weit) aussteigt.
    Ein sarkastischer Rat wäre noch, am besten Geld für den Bundeskanzler zu sammeln. Warum das?
    Na ja, als Nur-Millionär wird er vom Milliardär Trump natürlich nicht ernstgenommen – die Stellung Deutschlands in der Welt sollte uns schon ein finanzielles Opfer wert sein…

    Übrigens noch eine kleine penible Anmerkung: Peter Altmaier (mit „ai“).

  3. „Was ist nur in dieser relativ kurzen Zeit geschehen? Gegen das Programm gab und gibt es jedenfalls keine Einwände: „Ziel ist es, Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen und so wirtschaftlich stark aufzustellen. Neben den Reformen von Gesundheits- und Sozialsystemen …“

    Ja, ja, die Kunst der schwäbischen Hausfrau zu wirtschaften. Das sind genau die Rezepte, das Land vollends gegen die Wand zu fahren. Das einfachste Wissen der VWL ist in diesem Land nicht mehr vorhanden. Da stellen sich einem die Haare zu Berge.

    1. @Jürgen
      „Das einfachste Wissen der VWL ist in diesem Land nicht mehr vorhanden.“

      Sowenig wie ein Verständnis bezüglich der Diskrepanz zwischen propagierten Einsparungen von Treibhausgasen und Kriegstreiberei vorhanden zu sein scheint.

      Auch das mit staatlich verordneter bunter Gesellschaft einem Geburtenrückgang und folglicher Überalterung der Bevölkerung in unserem Lande kaum vorzubeugen ist, scheint kaum jemanden in der Regierung zu tangieren.

      1. „Sowenig wie ein Verständnis bezüglich der Diskrepanz zwischen propagierten Einsparungen von Treibhausgasen und Kriegstreiberei vorhanden zu sein scheint. …“

        Und nicht nur das. Die unsägliche Aufrüstung bringt einen „volkswirtschaftlichen Return“ von maximal 50 Cent pro Euro, können aber auch Null sein. Zum Vergleich: Bei Investitionen in die Infrastruktur wären es 2 €, Bildung bringt sogar 3€. Man fragt sich, ob der Artikel vllt. Satire sein soll.

  4. „An die Adresse einer Bundesregierung geht somit deren Sorge, dass sie nicht genug unternimmt, um dem Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zum Erfolg zu verhelfen. Das führt dann zur Kritik, es ginge bei den Reformen nicht voran – im Rentensystem, im Gesundheitswesen, im Sozialstaat. In allen Bereichen geht es um Einsparungen für den Staatshaushalt. Mit ihnen verschafft sich die Bundesregierung den Spielraum für den versprochenen Anschub der Wirtschaft und, nicht zu vergessen, für die enorme Aufrüstung.“

    Diese Konstellation verlangt nicht weniger als die Quadratur des Kreises zu vollziehen. Mit weniger Steuereinnahmen die Wirtschaft stützen, und gleichzeitig den Sozialstaat und die Aufrüstung zu schaffen, geht nicht. Das geht weder finanziell noch personell.
    Einer wird auf der Strecke bleiben. Das ist der Wähler und wenn der das merkt, wählt er die Falschen!

  5. Was soll er denn machen, der arme Bürger – Revolution etwa…? Da wählt er sich doch viel eher einen noch gröberen Stiefel zurecht… 40+ Jahre, eine ganze gute Generation lang Neoliberalismus und Entsolidarisierung – der weiß doch nicht einmal mehr, was der Terminus ‚herrschende Klasse‘ ihm sagen soll.

  6. ja wie schaun die denn aus? Eunuchen ohne Wachstumsstörung. Schlappsodie in Blue. der links ist besonders sodom, die anderen zwei üben noch für den Gipfelzipfel mit Surrogat. Kinder wirds da keine geben, sagt das 191ste Geschwätz. es lebe die Räterepublik mit oder ohne Sängerknaben und dingsda. Greta wollt ich sagen, rein klimatisch gesprochen.

  7. @renard and all

    Was soll er denn machen, der arme Bürger – Revolution etwa…? … 40+ Jahre, eine ganze gute Generation lang Neoliberalismus und Entsolidarisierung – der weiß doch nicht einmal mehr, was der Terminus ‚herrschende Klasse‘ ihm sagen soll.

    Der Verweis auf die Generationenfrage geht aus meiner Sicht in Ordnung, aber wenn Renard schon das Stichwort „Revolution“ fallen läßt, dann sollte er auch den zugehörigen Maßstab der Generationenfrage wählen.

    Dann könnte jemand daher kommen und für Deutschland von fünf Generationen über 100+ Jahre reden (denn eine Generation wird üblicherweis mit 20 Jahren bemessen), Stichtag Novemberrevolution 18/19, vernichtend blutige Niederschlagung des sog. „Spartakusaufstandes“ auf maßgebliche Initiative derer, die viele damaligen Parteigänger einer Revolution, die weiter ginge, als Abschaffung der Monarchie und der verbliebenen Standesrechte, noch als „Genossen“ oder zumindest auf allgemeinerer Ebene „Verbündete“ verstanden – die Sozialdemokraten.
    Schon damals verließen viele der Verfolgten Deutschland – Richtung Italien, Frankreich, USA und viele andere Länder.
    Den Rest besorgten NSDAP und ihre Verbündeten im nationalkonservativen und klerikal – religiösen Lager, die Kommunisten, die sie nicht 1936ff ermordet oder in Zuchthäusern und KZ’s zu Gemüse gefoltert haben, verließen das Land, kamen an der Front um oder dankten innerlich ab, zugunsten eines nackten Überlebens ihrer selbst und ihrer Kinder.

    Okay, ein anderer könnte daher kommen und sagen: Aber 1945 begann eine neue Geschichte, ein neuer Geschichtsabschnitt immerhin.
    Aber diese Geschichte endete für Westdeutschland schon weitgehen 1949, als die Alliierten abschließend beschlossen, eine Vereinigung Westdeutschlands mit der „Zone“, in der die Sozialisten mit sowjetischer Unterstützung Oberwasser bekamen, komme nicht in Frage.
    Parallel dazu wurden in Frankreich die Kommunisten aus der Regierung geputscht und ab 1958, mit Hilfe der weitgehend unbeschränkten Exekutivgewalt der 5. Republik, politisch marginalisiert, was ich beispielhaft für analoge Vorgänge im Rest Westeuropas erwähne.
    In den USA übernahm der McCartismus das Zepter, unter blutiger Niederschlagung aller Keime von Aufständen im Dunstkreis von Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen, die „Rädelsführer“ wurden nach bewärtem Muster zu Gemüse oder „Raison“ gefoltert, falls sie nicht einfach abgeschossen oder in ihren Betten abgestochen wurden.
    Gleichwohl folgten ab ca. 1963 (Kennedys Ermordung war für viele Leutz ein Fanal) die berüchtigten „Jugendrevolten“, deren Schicksal ich hier nicht weiter skizzieren mag.

    Denn unter den alten Knackern und Knäckerinnen des Overton-Publikums gibt es ja eine mehr oder minder geharnischte Kontroverse um diese „68er“, wie sie später genannt wurden. Warum wurden sie so genannt? Weil sie die Regierung Frankreichs in jenem Jahr tatsächlich an den Rand des Zusammenbruches gebracht haben! Warum? Weil sie einen großen Teil der Arbeiterschaft haben hinter sich bringen können!

    Doch das alles erklärt nicht, warum denn die „Generationenfrage“ von solchem Belang sein soll!
    Aktuell könnte man sagen: „Es kann doch keine Generationenfrage sein, wenn die staatstragenden zwei Generationen der Dienstbevölkerung der „Zeitenwende“ keinen entschiedenen, ggf auch militanten Widerstand leisten, obwohl die beliebten „Lebenschancen“ eines Großteils ihrer Kinder kassiert, und 10 tausende, wenn nicht 100 tausende aus der Eltern- und Großelterngeneration buchstäblich zu Tode verarmt werden?“

    Ich behaupte, ein wesentliches „Interface“ dazu liegt hierin, im durch- und übergreifenden Rassismus der spätbürgerlichen Kultur.
    Es ist nämlich eine ziemlich … wie muß man hier jetzt sagen? … ah, ja, „unterkomplexe“ Erfindung von Renard, der Bürger wisse nicht, „was der Terminus ‚herrschende Klasse‘ ihm sagen soll“. Namentlich hier, im Forum, wo gefühlte 95% der Teilnehmer wortreich erklären, bei der herrschenden Klasse handele es sich in Wahrheit um eine Rasse, um die Rasse der schwächsten, dümmsten, unfähigsten, korruptesten und durch und über allem bösartigsten Exemplare der menschlichen Gattung.
    Und bei denen, die vielleicht etwas mehr in der Birne haben, als sie erkennen lassen, als sie zu verbalisieren vermögen, greift dann entweder zusätzlich oder „grade drum“ das, was Renard hier zelebriert: der Fatalismus, der die opportunistische Unterwerfung rechtfertigt und adeln soll.
    Und dazu hatte ich heut früh zufällig auch was geschrieben:
    https://overton-magazin.de/kommentar/gesellschaft-kommentar/ein-kurzer-traktat-ueber-einen-mann-den-es-noch-immer-nicht-gibt/#comment-406892

    Dieser Fatalismus ist das Übelste von allem, sag ich mal parteilich, und Renard demonstriert warum: mit seiner moralisch- weltanschaulichen Anmaßung immunisiert er sein Subjekt gegen alles, was dem widerfährt. Im Zweifelsfall bis in die … ich sag mal vorsichtshalber: Bis unter „rauchende Kamine“, wie wir aus der Geschichte erfahren haben. Jedenfalls aber bis in die „Bombennächte“. Denen kann man ja entgehen, oder etwa nicht?

    Ach, wie isses denn bloß möööchlich …

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