Die ersten Toten in den Gaskammern von Auschwitz waren sowjetische Kriegsgefangene

 

Am 27.Januar gedenkt das offizielle Deutschland der Befreiung des KZ Auschwitz und den Opfern des NS-Regimes. Eine große Opfergruppe wird wohl keine Erwähnung finden. 

Eine erste Gruppe sowjetischer Kriegsgefangenen kam bereits Ende Juli 1941 nach Auschwitz. Nach Forschungsergebnissen der im staatlichen polnischen Auschwitz-Museums tätigen Historiker waren es politische Kommissare der Roten Armee, Staatsbedienstete wie auch gewöhnliche Akademiker. Sie wurden offenbar nur nach Auschwitz gebracht, um sie dort zu töten, vor allem in der nahe dem Stammlager gelegenen Kiesgrube zu erschießen.

Eine große Gruppe von rund 600 sowjetischen Gefangenen wurde am 3. September 1941 unter der Regie des stellvertretenden Lagerkommandanten Karl Fritzsch gemeinsam mit rund 250 kranken polnischen Zivilgefangenen in die Keller des Lager-Blocks 11 getrieben und mit Zyklon B vergast. Die oberen Stockwerke waren zuvor geräumt, das SS-Personal war mit Gasmasken ausgestattet worden. Die Aktion gilt trotz mancher Unzulänglichkeit, so musste der Gaseinsatz nach 2 Tagen wiederholt werden, weil immer noch einige lebten, als erfolgreicher Probelauf für die Massentötung durch Zyklon B. Danach suchte man nach einer besseren und dauerhaften Einrichtung für die geplanten Massentötungen. Die Leichenhalle wurde dafür umgebaut. In die Decke wurden mit Filz abdichtbare Löcher für das Einwerfen der Gasbehälter gehauen, die Tore mit einer besonderen Verriegelung versehen. Allein im November und Dezember 1941 wurde von rund 1000 von der Gestapo Kattowitz selektierten sowjetischen Kriegsgefangenen ein Großteil in dieser modellhaften Gaskammer ermordet, während andere erschossen wurden. Viele der „Politisch Verdächtigen“ wurden allerdings erst gar nicht in Gefangenenlager überstellt, sondern von Angehörigen der sog. Einsatzgruppen bereits in der Nähe der Front getötet.

Aufgrund des großen Zustroms von gefangenen Sowjetsoldaten wurden für deren Unterbringung ab Mitte September 9 Blöcke des auf einem ehemaligen Kasernengeländes eingerichteten Stammlagers mit Stacheldraht vom übrigen Teil des Lagers abgetrennt. Über dem Tor dieses Lagers stand „Russisches Kriegsgefangenen Arbeitslager“. Die Mortalitätsrate unter den Rotarmisten war unabhängig von laufenden Tötungen bereits in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft sehr hoch, weil sie nach einem brutalen Aufnahme- und Desinfektions-Ritual oft tagelang nackt und ohne Lebensmittel blieben.

Für den Aufbau des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im geräumten polnischen Dorf Brzezince, das dann zur großen Tötungsfabrik für europäische Juden und Roma wurde, soll nicht zuletzt eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit der großen Zahl von der Wehrmacht gefangener Sowjetsoldaten Anlass gewesen sein. Allein für 1941 wird von insgesamt ca. 3 Mio. ausgegangen. Beim Bau von Auschwitz-Birkenau wurden ab Ende 1941 dann auch sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt. Völlig unzureichend versorgt, waren sie dort die erste Gruppe, die dem SS-Motto „Vernichtung durch Arbeit“ unterworfen war.

Der im Auschwitz-Museum tätige Historiker Jacek Lachendro sprach in einer vom Auschwitz-Museum, dem Moskauer „Museum des Vaterländischen Krieges“ und der Universität Krakau am 15.10.2016 veranstalteten Tagung von mindestens 15.000 sowjetischen Gefangenen im KZ Auschwitz. Die Tagung, an der sich deutsche Einrichtungen nicht beteiligten, fand anlässlich der 75. Wiederkehr der Überstellung von rund 10.000 gefangenen Rotarmisten aus den schlesischen Strafgefangenenlagern Neuhammer und Lamsdorf nach Auschwitz statt. Von den insgesamt rund 15.000 sowjetischen Kriegsgefangenen in Auschwitz, so Lachendro, seien ungefähr 3000 ohne Registrierung kurz nach der Einlieferung ermordet worden. Viele der übrigen seien in den ersten Monaten der Inhaftierung verhungert, erfroren oder an Infektionskrankheiten und Erschöpfung gestorben. Nach Birkenau seien im März 1942 nach Liquidierung des „Russischen Kriegsgefangenen Lagers“ nur noch einige hundert Häftlinge verlegt worden. Abgesehen von einzelnen Gruppen, die in andere Lager verfrachtet wurden, und den 96 beim letzten Appell der SS-Lagerleitung am 17.1.45 noch Lebenden, so die Recherche Lachendros, sind alle in Auschwitz inhaftierten sowjetischen Militärangehörigen, insgesamt etwa 14.000, ums Leben gekommen.

Sowjetische Kriegsgefangene im KZ Mauthausen. Bundesarchiv, Bild 192-364 / CC-BY-SA 3.0

Der mit Gedenkstättenarbeit befasste Historiker Rolf Keller schreibt in seiner Studie „Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz 1941-45“ von 5,3 bis 5,7 Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen 2,6 bis 3,3 Mio. in deutscher Gefangenschaft zu Tode kamen. Die Sterblichkeitsrate war also, trotz i. d. R. deutlich kürzerer Gefangenschaft, sehr viel höher als bei den rund 3,2 Mio. deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion, von denen eine knappe Million ihre Heimat nicht wieder sah. In das Reichsgebiet von 1939 kamen sowjetische Kriegsgefangene erst Anfang 1942. Sie wurden in Konzentrationslagern oder in speziellen „Russen-Lagern“ untergebracht. Der Transport in diese Lager erfolgte oft in offenen Güterwaggons.

Die Bedingungen in den „Russen-Lagern“ unterschieden sich grundsätzlich von denen in den Lagern z. B. für französische oder niederländische Gefangene. Die Anwendung der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen wurde im Fall der sowjetischen Kriegsgefangenen ausdrücklich ausgeschlossen. Auch die Situation der ca. 600.000 polnischen Militärangehörigen in deutscher Gefangenschaft, die in der Mehrzahl in kleinen Gruppen vor allem Landwirtschaftsbetrieben als Zwangsarbeiter zugewiesen wurden, war besser als die der gefangenen Sowjetsoldaten. Ein „Merkblatt für die Bewachung sowjetischer Kriegsgefangener“ forderte „ständige scharfe Bewachung“ und bei Fluchtversuchen den Schusswaffeneinsatz ohne Anruf. Jegliche Unterhaltung mit den Gefangenen war dem Wachpersonal verboten. Erst mit Himmlers Ausrufung einer „modernen Sklavenhalter-Regierung“ am 9. Juni 1942 und den wachsenden Arbeitskräfte-Defiziten in der deutschen Wirtschaft wurden auch die gefangenen Sowjetsoldaten konsequent zu Arbeiten außerhalb der Lager herangezogen.

Unbedingte Rücksichtslosigkeit wurde zum Prinzip des Feldzugs gegen Russland

Der Krieg gegen die Sowjetunion war nach Ansicht des Nationalsozialismus-Forschers und Militärhistorikers Andreas Hillgruber von Beginn an als „rassenideologischer Vernichtungskrieg“ angelegt. Der bekannte Zeithistoriker Hans Mommsen geht in seinem Buch „Zur Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ davon aus, dass nur der für das Dritte Reich ungünstige Kriegsverlauf die Menschen der Sowjetunion vor einem systematischen Vernichtungsprogramm bewahrte.

Hitler hatte mit dem sog. Kriegsgerichtsbarkeitserlass vom 13. Mai 1941, der im Rahmen des „Unternehmens Barbarossa“ den Strafverfolgungszwang bei Straftaten von Wehrmachtsangehörigen gegen Zivilisten aufhob und Wehrmachtsoffizieren ein Exekutionsrecht ohne Verfahren einräumte, unbedingte Rücksichtslosigkeit zum Prinzip des Feldzugs gegen Russland gemacht. Der deutsche Imperialismus sollte seine Expansionsgebiete nicht wie in Zeiten des wilhelminischen Flottenbaus in Übersee, sondern in Osteuropa finden. Im Rahmen des aus Himmlers Planungsamt stammenden Vorstellungen eines „Generalplans Ost“ waren 330.000 Quadratkilometer der Sowjetunion für eine deutsche Besiedlung vorgesehen. Die dort lebende Bevölkerung sollte zu „50-60% vernichtet“, der Rest vertrieben oder zur Zwangsarbeit herangezogen werden. Die natürlichen Reichtümer der UdSSR ausserhalb des geplanten deutschen Siedlungsraums, so die ertragreichen Agrarflächen im Süden und die Ölquellen des Kaukasus, sollten unter deutsche Kontrolle kommen, Restbestände russischer Staatlichkeit in Richtung Ural abgedrängt werden.

NS-Propaganda und administrative Anweisungen lieferten den unmittelbaren Anstoß für die unmenschliche Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Wurzeln für deren Einstufung als „Untermenschen“ aber liegen in dem sich Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in preußisch-protestantischen Milieus schnell entwickelten Antislawismus. 1891 war mit dem Alldeutschen Verband eine mit vielen Zeitungsredaktionen gut vernetzte Lobbyorganisation des deutschen Imperialismus entstanden, deren Propaganda für ein deutsches Expansions- und Kolonisierungs-Programm in Osteuropa bereits völkisch-rassistisch durchsetzt war. Journalisten und Literaten sorgten in breiten Bevölkerungskreisen für die Vorstellung von einer Überlegenheit der „nordisch-germanischen Rasse“ wie eines rückständigen, aber bevölkerungsstarken und bedrohlichen Slawentums. Kaiser Wilhelm sprach 1912 im Vorfeld des 1. Weltkriegs vom bevorstehenden „Entscheidungskampf zwischen Slawen und Germanen“. Im Ersten Weltkrieg wurde die mit Plünderungen und Übergriffen auf die Zivilbevölkerung verbundene kurzzeitige Besetzung von Teilen Ostpreußens durch die russische Armee zu einer breiten Hetzkampagne genutzt. (In Frankreich und Großbritannien wurde nach deutschen Kriegsverbrechen im neutralen Belgien der Begriff „neue Hunnen“ populär). Der in Ostpreußen tätige General von Morgen rief sogar die bis dahin verachteten Polen zum Kampf gegen die „russischen Barbaren“ auf.

Das von Verachtung wie auch einer unbestimmten Angst geprägte Russland-Bild großer Teile der deutschen Elite wurde durch die Oktoberrevolution verstärkt und durch den an Eigeninteressen orientierten pragmatischen Umgang der Weimarer Regierungen mit der neuen Sowjetmacht (Militärkooperation, Intensivierung der Handelskontakte) kaum gemindert. Auch dass kleinere Teile der deutschen Intelligenz und die KPD mit einer gewissen Faszination die sowjetischen Entwicklungen verfolgten, änderte am landläufigen Russland-Bild wenig. Nach 1933 fand das Feindbild „Russland“ unter dem Slogan des „Juda-Bolschewismus“ eine weitere Ausprägung. Der Hitler-Stalin-Pakt 1939 sorgte nur im Unterbau der NS-Bewegung für eine kurzzeitige Desorientierung, während viele Eliten-Angehörige in ihm eine strategische Meisterleistung des Führers sahen. Und im Juni 1941 waren hinsichtlich des „Todfeindes“ jegliche Irritationen beseitigt.

Heute ist das Russland-Bild aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiter oder wieder lebendig

Der 27. Januar, an dem 1945 das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde, ist seit 1996 ein „gesetzlich verordneter Gedenktag“, der den Opfern des Nationalismus gewidmet ist. 2025 fand im Bundestag am 29.1. die Gedenkveranstaltung statt, da Bundespräsident Steinmeier am 27.1. an der zentralen Veranstaltung in Auschwitz teilnahm. Als Gastredner im Bundestag war der Vorsitzende des ukrainischen Verbandes für jüdische Holocaust-Überlebende, Schwarzman, geladen. Bundestagspräsidentin Bas erinnerte in ihrer Eröffnungsrede an die verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes, von den Juden, den Sinti und Roma über die Zeugen Jehovas und queere Menschen bis zu den Euthanasie-Opfern. Sie nannte auch allgemein „Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter“: Die ermordeten Sowjetsoldaten, immerhin die zweitgrößte Opfergruppe, waren der SPD-Politikerin aber keine Erwähnung wert. Auch Bundespräsident Steinmeier achtete sorgfältig darauf, die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht zu erwähnen. Er konzentrierte sich auf die größte Opfergruppe, die Juden, und nutzte die Anwesenheit Schwarzmans, um der ukrainischen Führung weitere Unterstützung in deren „Kampf…gegen den furchtbaren Krieg, den Putin gegen die Ukraine führt“ zu versichern. Im Unterschied zu den Reden von Bas und Steinmeier werden in deutschen Medien und offiziösen Stellungnahmen sowjetische Kriegsgefangene als Häftlinge in Auschwitz durchaus erwähnt. Dass sie die ersten Opfer einer Massenvernichtung mittels Zyklon B waren, wird aber zumeist verschwiegen.

Heute ist das Russland-Bild aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiter oder wieder lebendig. Insbesondere nach den Maidan-Ereignissen 2013/14 wurde für die „veröffentlichte Meinung“ wichtig, einen angeblich historisch begründeten, grundlegend unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungsstand der Ukraine im Vergleich zu Russland herauszustellen. Die Ukraine habe schon frühzeitig „einen festen Platz in der mentalen Landkarte Europas“ eingenommen, während in Russland nach dem Zerfall der Mongolenherrschaft das „Ideal einer Herrschaftsordnung in der zentralisierten Autokratie des Zaren“ gesehen wurde, schreibt der in Deutschland verhätschelte Schweizer Historiker Andreas Kappeler in seinem 2017 erschienenen Bestseller „Ungleiche Brüder – Russen und Ukrainer“.

Kappeler, dessen „Kleine Geschichte der Ukraine“ Standardwerk in deutschen Bibliotheken ist, bedient in „Ungleiche Brüder…“ den Mythos der ukrainischen Nationalbewegung von einer Jahrhunderte alten ukrainischen Nation als Teil des „aufgeklärten Europas“, während der Hinwendung der ukrainischen Nationalisten zum Faschismus in der 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts und vor allem deren bis heute nicht erfolgter politischer Aufarbeitung keine besondere Bedeutung zugemessen wird. Speziell nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 gaben deutsche Medien und Politiker beim Rückgriff auf antirussische Ressentiments jegliche Zurückhaltung auf.

Wer bei google.de „Russen morden, rauben, vergewaltigen“ sucht, wird mit einer Fülle von Links zu verallgemeinernden Berichten über Russland und die Russen bedient. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung betitelt im Juli 2022 einen Artikel über Russland mit „Verrohtes Russland – eine Gesellschaft der Gewalt“. Während in UN-Berichten beiden Kriegsparteien im Ukraine-Krieg Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen werden, hat man sich in Deutschland unter Bezug auf angeblich gezielt als Kriegswaffe eingesetzte Sexualverbrechen russischer Militärangehöriger spezialisiert. „Sexuelle Gewalt ist zu einer Waffe im Angriffskrieg gegen die Ukraine geworden“, behauptet z. B. die Böll-Stiftung. Geschickt spielt man damit auf die in der (west-)deutschen Geschichtsschreibung sehr präsenten, allerdings nie als Kriegswaffe eingesetzten Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Angehörige der vorrückenden Roten Armee 1944/45 an. Auch deutsche Politiker wollen nicht zurückstehen. So schreibt z. B. Michael Roth (SPD), ehemals Staatsminister im Auswärtigen Amt, in seiner Autobiografie „Zonen der Angst“, dass für ihn Russland bereits vor 2022 „ein Terrorstaat, …ein Riesenreich mit einer dunklen, diabolischen Seite“ gewesen sei. Der grüne Außenpolitiker Anton Hofreiter beklagt im November 2025 in seinem Blog, dass die russische Armee in den von ihr eroberten Gebieten ein „Terrorregime“ errichtet habe, welches an die „schlimmsten Verbrechen der Stalinzeit erinnert“ und deshalb „die Ukraine den Krieg … gewinnen“ muss. – Wer würde es angesichts des russischen Teufels-Reichs und Putins stalinistischen Terrors noch wagen, eine differenzierte Sicht auf den Ukraine-Krieg und seine Entstehungsgeschichte wie ein Kompromisslösung in Friedensverhandlungen einzufordern?

Richard Kallok

Richard Kallok, Jg. 1952, nach kaufm. Lehre und Tätigkeit Studium im
sog. 2. Bildungsweg (Sozialarbeit, Soziologie, Geschichte). Seit 47
Jahren mit Polen familiär verbandelt und politisch befasst. Von 2007
bis 2014 eigenes Nachrichten-Portal zu Polen.
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26 Kommentare

  1. Wie diese heutigen verlogenen, selbstgefälligen und widerwärtigen politischen „Eliten“ Deutschlands mit den NS-Verbrechen gegen die UdSSR bzw. Russland umgehen, ist wirklich nur noch zum Fremdschämen. Aber Hauptsache immer böse auf die AfD (von der ich allerdings überhaupt nix, aber auch rein gar nix halte, um das nachdrücklich zu betonen!) sein und bei jeder Gelegenheit NAZI blaffen.

    Echt zum🤮🤮🤮

  2. Danke für den Hinweis, da kam mir gleich ein Buch in den Sinn, dass es mittlerweile sicher nur noch antiquarisch zu erhalten gibt, dass ich als Jungspund in den 1990er-Jahren las, das aber dasselbe berichtet – Titel „Keine Kameraden – Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 – 1945“ des Autors Christian Streit.

    Traurig, dass wir wieder in solchen Zeiten leben wo dieses Menschheitsverbrechen an „sowjetischen Kriegsgefangenen“ geleugnet wird, zumal die „sowjetischen Kriegsgefangenen“, die so behandelt wurden Russen und Ukrainer sowie andere Nationalitäten der UDSSR umfasste.

    Daran sollte man erinnern übrigens auch der us-amerikanische Autor Raul Hilberg erinnerte in seinem 3-bändigen Werk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ an dieses Verbrechen…..

    Sind leider wohl schon lange tot diese Autoren, aber die heutige Generation sollte mal daran erinnert werden, dass es durchaus eine andere Sicht als die russophobe auf die Kriegs- und Menschheitsverbrechen in den osteuropäischen Ländern und der UDSSR gab.

    Gruß
    Bernie

    1. Ergänzung – die Überlebenden hatten es übrigens auch nicht leicht insofern sie in die UDSSR – freiwillig oder unfreiwillig – zurück kehren konnten.

      Stalin behandelte die überaus ungerecht da ein sowjetischer Soldat sich nicht gefangen nehmen lassen, sondern bis zum Tod Widerstand leisten sollte – er bestrafte sie sogar mit Gulag für ihr Überleben in NS-Gefangenschaft, und sie waren Geächtete in der Sowjetgesellschaft.

      Das sollte man beim Gedenken an diese Soldaten – und Soldatinnen der Roten Armee auch in Erinnerung behalten.

      Gruß
      Bernie

      1. Weibliche Angehörige der sowj. Armee wurden von der Wehrmacht unmittelbar nach ihrer Gefangennahme ermordet. Es gab dazu einen Befehl der Wehrmachtsführung.

  3. Ich kann die lügenhaften Vorwürfe (ausschließlich) sowjetischer Vergewaltiger nicht mehr hören/ lesen. Immer wieder und noch als Fortsetzung der Goebbels-Propaganda.
    Dagegen helfen auch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die regelmäßig deren Haltlosigkeit belegen. Das Thema bleibt unverzichtbarer Bestandteil der medialen Kiegsführung.

    1. Teile ihre Ansicht, zumal es mittlerweile Aufklärung über westlich-allierte Vergewaltiger gibt – Bücher darüber.😉

      Und die Wehrmacht war auch nicht besser – siehe den Spielfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“ um Mal einen Film zu erwähnen der die Schandtaten der Wehrmacht an sowjetischen Frauen zeigt.

      Gruß
      Bernie

      1. Vergewaltigungen finden, schon psychologisch bedingt, in jedem Krieg statt.
        Es gab in den 90ern eine Studie von Historikern, die eigentlich eine außergewöhnlich hohe Zahl der Roten Armee belegen sollte (Auftraggeber: Bundesamt). Es waren aber noch zuviel auf ihren fachlichen Ruf Bedachte darunter, sodaß sie zum Schluß kamen, daß die Franzosen und Briten pro Kopf/Soldat eine viel größere Quote lieferten, ja regelrecht taktisch mit vorheriger Aufklärung Orgien der Vergewaltigung im großen Maßstab organisierten. Es gab dagegen kein Gesetz und keine Verfolgung, im Gegensatz zur Sowjetarmee. Dabei verwendeten die Historiker die Propagandazahlen Goebbels als Faktum, die heute in det ukrainischen ihre phantastische Fortsetzung finden.
        Es gibt auch ausreichend glaubwürdige Belege dafür, daß den Massenvernichtungen sowjetischer Bevölkerung Massenvergewaltigungen voraus gingen. Nur hat das die SU nicht ausgeschlachtet, vermutlich aus puritanischer Sicht.

        1. Um mal eine Quelle zu erwähnen, die generell die Vergewaltigungen beschreibt:

          „Als die Soldaten kamen – Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs[…]“, Autorin Miriam Gebhardt:

          https://www.penguin.de/buecher/miriam-gebhardt-als-die-soldaten-kamen/paperback/9783570553404

          „[…]Die verdrängten Verbrechen am Ende des Krieges

          Die Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten, brachten für viele Frauen neues Leid. Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden dabei nicht nur »die Russen« zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis neuer Quellen und anhand vieler Lebensgeschichten beschreibt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der sexuellen Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit[…]“

          Gruß
          Bernie

          Gruß
          Bernie

  4. Es ist das gleiche Gedankengut, das 1941- 1945 und ab 1945 bis heute die ( West) deutsche Gesellschaft beherrscht. Und wer die Gründungsgeschichte der „Grünen“ kennt, wundert sich nicht mehr, das gerade aus diesem Sumpf die fanatischsten Russenhasser kommen. Aber auch die Sozen stehen dem nicht nach. So hat Merkel mit Putin vereinbart, das den Überlebenden der Blockade von Leningrad eine Einmalzahlung „aus humanitären Gründen“ ausgezahlt werden soll. Das von den Sozen geführte AA hat aber nur „jüdische Überlebende“ bedacht. Offenbar sind Nichtjuden für die Beamten des AA keine Menschen…
    Aus Anlass des 75. Jahrestages der Beendigung der Blockade von Leningrad im Jahr 2019 erschien in der „Alpenprawda“ ein Artikel, der vor rassistischem Hass nur so triefte…Julius Streicher wäre Stolz auf seine geistigen Erben!

    1. Moin, #Ronald,
      „Und wer die Gründungsgeschichte der „Grünen“ kennt, wundert sich nicht mehr, das gerade aus diesem Sumpf die fanatischsten Russenhasser kommen “
      Ich wäre interessiert an ihrer Sicht dazu. Ich selbst war Gruendungsmitglied und war beteiligt an den ideologischen Auseinandersetzungen mit/gegen Hausmann, Springmann, Gruhl und co. doch Russenhass war nicht im „Angebot“.
      Mit freundlichen Gruessen

      1. Damals waren ja „die Sowjets“ der offizielle Feind. Da brauchte es keine extra Russophobie…
        Aber Völkerverständigung stand auch nicht auf der Agenda…

  5. Es waren nun mal gerade am Anfang des Krieges meist Sowjetische Gefangene , die eine Mehrheit ausmachten unter diesen, was sich aber dann im Verlaufe des Krieges änderte.
    Anfangszeiten , ganze Sowjetische Truppenteile hatten oft nicht einmal Waffen da gerade Mitten in der Moderinisierung . Von alten Sowjetischen Bombern warf man Nähmaschinenteile ab auf die Front, während Deutsche Piloten Jagd auf Ziegen machten vor Langweile, Sie dienten der modernste Armee auf diesen Planeten damals. Und Wissen dieser Art habe ich aus Sowjetischer Literatur o(
    Aber , das war einmal. Lange her , ein zweites mal passiert das den Russen nicht !!
    Muss aber fairerweise sagen, es gab oft Deutsche, gerade meiner Ecke, die Russischen Gefangenen heimlich Brot und andere Sachen zusteckten .. Was für ein Mut, denn wenn erwischt, hatte auch das Leben eines Deutschen dann keinerlei Wert mehr ..

  6. Der rassistische Hass auf „ Russen“ ist übrigens nicht nur in Schland vorhanden. Während des 2.WK wurden über 100000 sow. Kriegsgefangene nach Norwegen zur Zwangsarbeit verfrachtet.Sie bauten u.a. die Eisenbahn „ Nordlandbahnen und die heutige E6. Zwischen 15 und 20000 davon starben an Hunger, Kälte und Misshandlungen…Schon in den 1940er Jahren hat die norwegische Regierung begonnen, die Gräber zu öffnen und die Überreste der Toten ins Meer zu entsorgen( „Operation Asfalt“). Die Bewohner des Mittelnorwegischen Städtchens Moh-i- Rana protestierten dagegen und es kam in vielen Orten Norwegens zu schweren Protesten( Friedhofskrieg), die von Polizei und Armee gewaltsam niedergeschlagen wurden. Daraufhin hat die norwegische Staatskirche ein Grundstück auf einer abgelegenen Atlantikinsel bereitgestellt, damit die noch etwa 6000 vorhandenen Leichen in einem Massengrab beigesetzt werden konnten…
    Übrigens waren norwegische und französische Freiwillige der Waffen- SS die fanatischsten Kämpfer im Kampf um Berlin 1945…
    Der ehemalige Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat in seiner Amtszeit verfügt, das alle Archivdokumente dazu auf „alle Zeiten“ unter Verschluss gehalten werden sollen…

    1. Dass so mancher von seinen Eltern als Kind Erziehungskeile erhalten konnte reicht aber doch schon – muss man nicht noch von deren Greueltaten hören müssen- sowas aber auch !!!
      – Ausserdem sind ja all diese Gestalter schon längst verstorben – dann erübriegt sich ja jede juristische und sonstige Verfolgung. Ja, wenn man damals diese Entwicklung hätte vorhersehen können, mit den Gesetzesänderungen im Reich und der Militarisierung und Aufrüßtung, DANN und nur dann hätte man vorher NEIN sagen können. Aber Heute – ? Warum soll sich das einer anschauen ?

    2. Während in Schland die „Eliten“ nur noch die Juden als Opfer darstellen, sieht man es in Russland anders. Da erinnert man sich noch sehr genau an die Verbrechen ….und will eine Wiederholung verhindern. Deshalb schaut man in Russland genau hin, wenn in Estland und Lettland jährlich Gedenkmärsche für die Waffen-SS stattfinden und wenn westliche Politiker offen ihre Sympathie für die ukrainischen Bandera- Faschisten äußern. Auch in Polen hat man nichts vergessen…auch nicht den Völkermord der Banderas an ca 80000 bis 100000 polnischen Zivilisten in Wolyn 1943…
      Wenn sie wirklich an Erkenntnis interessiert sind, und nicht nur trollen wollen: Elem Klimow „Geh und sieh!“

    3. @cromwell: Was für ein Tag, dass ich ihnen einmal zustimmen muß. Der junge Vater der englischen
      Familie, in der ein Schulkollege und ich auf Klassenreise 1975 nach England untergebracht waren,
      sagte einmal als im Fernsehen wieder einer der Kriegsfilme lief: „forget it, it‘ s all history“. Wir sollten
      in Deutschland endlich in die Zukunft sehen, als ständig in der Vergangenheit zu wühlen.

    4. Ihre Frage ist gleichzeitig auch die Antwort. Wenn Sie die Paralellen und Zusammenhänge nicht erkennen und sehen, dann müssen Sie eben so fragen.

  7. Der Autor beginnt mit einer Geschichte über das tragische Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener und geht dann zu ihrem eigentlichen Ziel über – der Kritik am verzerrten Russlandbild in einigen modernen Büchern und deutschen Medien. Nebenbei bemerkt: Nirgends behauptet der Autor, dieses Bild sei falsch.

    Kurz gesagt: Der Autor instrumentalisiert die Opfer des Terrors für ihre eigenen Zwecke.

  8. Nun, wie es aussieht, werden die Russen früher oder später ihre Rache bekommen – vermutlich eher früher, wenn die Deutschen als Nation per Flugpost kollektiv krematiert werden – hyperschnell. 80 Jahre zu spät, aber besser als nie.

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