„Die ehernen Gesetze der Welt, die seit Anbeginn der Zeit gelten‟

Bild: Geoff Livingston/CC BY-2.0

Der Mensch scheint von allen guten Geistern verlassen zu sein: von seiner Aufklärung, Vernunft, Kultur, Zivilisation, Kunst und zuletzt auch von seinen Intellektuellen, die einmal zumindest den Eindruck erweckten, in unübersichtlichen Zeiten eine gewisse Orientierung zu bieten.

So hat auch der letzte Intellektuelle der Bundesrepublik, Jürgen Habermas, die liberale Demokratie des Westens, auf die er einmal so „stolz‟ war, mit ins Grab genommen. Aber dies war vorauszusehen, weil die öffentliche Meinung und die Vernunft, auf die er und die Modernen setzten, eben nichts anderes waren, als Verherrlichung jener glorreichen Demokratie, die sich inzwischen nur noch nackt präsentiert.

Alle materialistischen oder idealistischen Aufklärungs- oder Befreiungskonzepte, die den Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit (idealistisch) oder Knechtschaft (materialistisch) befreien sollten, sind inzwischen gegen die Wand gefahren. Eine Aufklärung, die bekanntlich ihrerseits befahl, Gott auf das Minimum zu reduzieren, damit der Mensch allen Platz und alles Recht an Welt und Geschichte ausüben konnte.

 

Die vormals hehren Worte und Formulierungen wie „feindlose Demokratie‟ (Ulrich Beck) oder „Obsoleszenz des Krieges‟ (Habermas) sind inzwischen durch Kugeln, Bomben und Drohnen widerlegt worden. Übrig ist uns nicht etwa ein „sprachloser Zusammenstoß von Welten‟ geblieben, sodass wir von den Bomben und Raketen wieder zu einer „gemeinsamen Sprache‟ zurückfinden müssten – wie sollte das auch gehen, wo doch unsere Zeit gerade das Ergebnis jener „gemeinsamen Sprache‟ ist, die einmal „Konsensdemokratie‟ oder „government by consent‟ hieß? Vielmehr nur noch die Raketen, Bomben, Drohnen und eine hochtoxische Sprache, die wiederum selbst zur Waffe geworden ist.

Ja, wir können heute nicht einmal mehr die alten ‚naturalistischen‛ Begriffe wie Barbarei, „Vertiertheit‟ oder „Verwolfung‟ des Menschen verwenden, da wir damit nur die Macht und Gewalt des Menschen verharmlosen würden – und damit die Tierwelt diskriminieren. Denn das Neue daran ist ja, dass alle diese Mittel (militärischer, ökonomischer, sprachliche oder politischer Art) auf der erhöhten historischen Stufenleiter sich befinden. Geschichte verläuft eben nicht vom Wilden zur Humanität, sondern von der Steinschleuder zu den Massenvernichtungswaffen und den KI-gesteuerten Drohnen. Es findet also nicht bloß eine Rückkehr zu den archaischen Zeiten statt, da die Mittel der Menschen inzwischen an Durchschlagskraft und Gewalt unendlich gewonnen haben, aber damit auch jene Humanität (die ja von Anfang an auch mit dieser „Steinschleuder‟ ebenso intendiert war) ganz zu negieren drohen.

Kurzum: Wir liegen mit uns selbst im Krieg. Auch die materialistische Dialektik, die von einem Ideal des „Sollens‟ nichts mehr wissen wollte (Marx), hat in Wahrheit das „Sollen‟ des archaischen Hausherrn schlicht übersehen, der das ‚Gesetz des Hauses‛ (Ökonomie) setzt.

So auch die vormals „feindlose Demokratie‟ (U. Beck), die das „Ende der Geschichte‟ (Fukuyama) dogmatisch verkündete und kultpraktisch im Weltmarkt konsumistisch feierte. Es war das postmoderne, zugleich „nüchterne‟ (profitrationale) und „trunkene‟ (ästhetische) Projekt des neoliberalen Kapitalismus und darin zugleich der säkularisierte, normative Gehalt des alten Monotheismus. Das heißt, die beiden Quellen des Westens (Sokrates und Moses/Christus), die Nietzsche bekämpfte, endeten im neoliberalen Weltmarkt, in der universalen Form der ökonomischen Bewirtschaftung und politischen Beherrschaftung (Demokratie mit universalem Anspruch). Und jene konservative Antithese der „vielen Götter‟ (Heidegger: „Nur noch ein Gott kann uns retten‟) sollte dann in Wirklichkeit der neue illiberale, autoritäre Kapitalismus sein. Auch das „humane Moment‟ als „Werden der Freiheit‟ (C. Menke), das in der schlechten Wirklichkeit des Neoliberalismus zugleich dialektisch als befreiende Möglichkeit gerettet werden sollte, sollte also in Wirklichkeit die Rearchaisierung alles Zivilisatorischen, Humanen, Kulturellen und Politischen sein: Rückkehr zum archaischen Befehlsgrund des despotischen Hausherrn.

Auch die „Demokratie‟ ist dann nicht mehr „im Kommen‟ (Derrida), vielmehr in der kriegstüchtigen und kriegssüchtigen Demokratie praktisch wie theoretisch angekommen. Demokratie, Autokratie, Islamismus, Messianismus – alle sind zu sich selbst, nämlich zu ihrem absolut Guten, Schönen und Wahren angekommen – auch der „Messias‟, so kommentiert zuletzt Moshe Zuckermann den nationalreligiösen ‚zionistischen Messianismus‛, „ist schon um die Ecke‟ (Overton). Eine „feindliche Demokratie‟, die vormals neoliberal als glorreiche Demokratie, als freier Weltmarkt zelebriert wurde, um darin den alten romantischen Universalismus („Seid umschlungen Millionen‟; Schiller) in den neoliberalen Weltmarkt zu übersetzen. Die Welt ist inzwischen vollkommen entformt, alle Institutionen, Kategorien, Gesetze, Verträge oder Begriffe sind zerfallen, zerstreut, disseminiert; Aufklärung, Kultur, Kunst, Bildung, Recht, Völkerrecht, Gerechtigkeit, Diplomatie, Medien – alle dienen nur noch als Fußmatte für den despotischen Hausherrn, der jener Entformung der Welt eine antagonistische, archaische, terroristische und kriegerische Form gibt.

Denn das, was als ungeschriebenes Gesetz im chaotischen, form- und gesetzlosen Zustand der Welt herrscht und feststeht, ist allein die imperative Befehlsgewalt des despotischen Hausherrn, der den Zerfall weltweit betreibt und ihn zugleich monarchisch (unipolare Welt) und polyarchisch (multipolare Welt) zusammenzuhalten versucht. Einer, der freilich inzwischen von der alten „Bewahrung der Schöpfung‟ nichts mehr weiß oder wissen will. Denn wir haben es hier nicht mehr, theologisch, mit der Schöpfung (creatio) und Erhaltung (conservatio) der Welt, oder mit der mythischen Kreisfigur einer „ewigen Wiederkehr des Neuen‟ zu tun. Der neue Schöpfer/Macher der Welt betreibt vielmehr mit seinen hochdynamischen, kriegstüchtigen und kriegssüchtigen Praktiken nur noch die Ausschöpfung der Schöpfung. Ökonomisch, wissenschaftlich, informatisch, kulturell, politisch oder technomathematisch ist es das menschliche und göttliche Projekt, das die Zeit immer mehr beschleunigt sowie den Raum zu einer punktuellen Nichtigkeit einschrumpfen ließ, um gerade in dieser Nichtigkeit (die zugleich die Fülle der despotischen Befehlsgewalt darstellt) auch noch die allerletzte atomare Option einzubauen.

Hatte es noch im Urchristentum Sinn und Verstand gehabt, den Glauben an den Untergang der Welt nicht als ein ‚Allerletztes‛ anzusehen, weil der Untergang nur der Durchgang zur höheren Stufe unausdenklicher Freuden sein sollte. So kennt die neue, säkularisierte, ökonomisch-politische Eschatologie nur noch die Apokalypse ohne Apokalypse, das Eschaton (Letztes) ohne Eschaton (Letztes). Waren einmal „Gaskrieg‟ und „Holocaust‟, die ersten, die das Ende aller Zivilisation und des humanen Denkens erprobten, so wurden die Mittel der Vernichtung (kultureller, technischer, militärischer oder politische Art) inzwischen noch tödlicher und steuern inzwischen auf eine allerletzte, atomare Option zu.

Daher meinen auch die Medien weder The Medium is the Message (McLuhan), noch The Medium is the Massage (Dieter Mersch). Sondern: The medium is under the archaic command. Also nicht „archi-ecriture‟ (Derrida), sondern archi-command. Der Ur-Ursprung als das Undeutbare, Unsagbare und Geheimnisvolle der Texte ist das archi-command. Es ist der ursprüngliche General, der von Anfang an seine Befehle erteilt und der inzwischen vor uns nur noch in seiner nackten, archaischen Gestalt auftritt. Eine westliche Demokratie (in Wahrheit eine imperiale Oligarchie-Plutokratie-Kryptokratie), die den Deckmantel von Liberalität, Freiheit oder westlichen Werten abgelegt hat. „Wir leben‟, so sagt unmissverständlich der US-Stabschef Stephen Miller, „in einer Welt, die von Stärke, Gewalt und Macht beherrscht wird. Das sind die ehernen Gesetze der Welt, die seit Anbeginn der Zeit gelten.‟

Wie recht er hat. Aber das Gegenargument lautet eben auch: Gewiss, die Begriffe wie Aufklärung, Vernunft, Kultur, Zivilisation, Humanität oder „zwangloser Zwang des besseren Arguments‟ waren doch immer auch heuchlerisch – insofern bilden auch „Heuchler‟ und „Leugner‟ nur die eine Figur; etwa die Klimaretter und die Klimaleugner. Sie deckten eben nur die archaische Gewalt zu, die unter diesen hehren Begriffen lag, und die nun der US-Stabschef ganz offen ausspricht. Dass in diesen hehren Idealen – so lautet das Argument – freilich auch ein „normativer Anspruch‟ steckt, übersieht hier allerdings das Entscheidende: dass der normative Anspruch von Anfang an in der Sprache als archaische Befehlsform (Imperativ) drinsteckt, aber verkehrt als Kultur, Zivilisation, Humanität oder eben Demokratie glorifiziert wird. Also gerade nicht in dieser strategischen, imperativen Befehlsform, sondern in der indikativen Wirklichkeitsform oder konjunktiven Möglichkeitsform auftritt – so vormals in der „feindlosen Demokratie‟ (U. Beck) oder in der „Konsensdemokratie‟ (Habermas).

Dass heute diese archaische Gewalt und dieser Irrsinn nun vollends zutage tritt und ganz offen zelebriert wird (wie etwa von Trump oder von den westlichen Machteliten in ihrem dionysischen Kriegsrausch), zeigt eben nur, dass der archaische Hausherr (Zivilisation, Vernunft, Kultur, Autonomie, Selbstkritik etc.) immer schon nackt war, aber mit jenen hehren metaphysischen Begriffen zugedeckt wurde.

Unmenschliche und menschliche Bedürfnisse

Die ‚Ökonomie des Kriegs‛ resultiert somit aus jener anfänglichen, strategischen Befehlsform, die freilich zivilisatorisch, fortschrittlich, kulturell, sprachlich oder neoliberal-demokratisch unsichtbar blieb oder bleiben sollte; etwa in den bürgerlichen Begriffen wie „antiautoritärer Charakter‟, „feindlose Demokratie‟, Freiheit, westliche Werte, oder eben sprachwissenschaftlich in der Linguistik. Freilich auch so, dass für einen historischen Augenblick dieses archaische Geheimnis, wie etwa in Chomskys Sprachwissenschaft, auch enthüllt wurde.

So konnten wir zuletzt erfahren, wie auch die linguistische Maschine Chomskys, die über Jahrzehnte hinweg weltweilt Aufmerksamkeit erzeugte, plötzlich kollabierte und unter ihrer Haube die unsichtbaren, ja unmenschlichen, archaischen Mächte und Bedürfnisse offengelegt wurden – der freilich, nach Auskunft seiner Frau, von den „kriminellen, unmenschlichen und perversen Handlungen‟ Epsteins nicht gewusst haben soll. Der Punkt ist hier aber ein anderer und in der Funktion der linguistischen Maschine selbst zu finden. „2019‟, so schreibt Christian Geyer in der FAZ, „bat Epstein Chomsky um Rat (…). Chomsky riet, gar nicht erst in Kommunikation mit den Vorhaltungen zu treten, die mediale Kritik zu ignorieren, vorderhand um die Angriffsfläche nicht zu vergrößern, womöglich aber auch aus tieferliegenden Gründen eines opaken Sprachverständnisses, wie es aus Chomskys Beschwörung des ‚Geheimnis‛-Charakters von Sprache spricht.‟

Der „Geheimnis-Charakter von Sprache‟ ist aber kein Wesen oder Sein, sondern der archaische, strategische Imperativ: Sei!, Werde!, Spreche! Jener Bereich also, wo Kapital als Form der ökonomischen Bewirtschaftung und Staat als Form der politischen Beherrschaftung in einem unsichtbaren Bereich koinzidieren, der freilich der Aufmerksamkeitsökonomie (Reckwitz) auch weitgehend sich entzieht; ein Bereich von privaten, geschlossenen Kreisen, der für die Öffentlichkeit unsichtbar bleibt und bleiben sollte. Eine sichtbare Ökonomie, die in ihrer Bewegung zuletzt auch ihr unsichtbares Geheimnis und das geheime Bedürfnis nach Macht, Herrschaft und Gewalt preisgab: das „Kriminelle, Unmenschliche und Perverse‟.

Auch Sprache ist eben nicht das Leben, sondern gibt dem Leben von Anfang an Befehle – so bereits die poetische Sprache eines Homer, die in der Ilias mit dem Befehl anfängt. Denn in der Sprache, im Denken, in der Praxis oder in den technomathematisch-algorithmischen KI-Medien nehme ich etwas in Gebrauch, was mir immer schon vorausgeht. Aber das, was mir vorausgeht, fängt mich auch strategisch ein, befiehlt mir im Namen der Kapitale (ökonomisch) und A-Kapitale (politisch) mich zu opfern. Das heißt, der Kommunikation ist die archaische Befehlsgewalt des Strategen eingeschrieben, der befiehlt, den Feind draußen und innen zu vernichten. Statt uns also heute ständig mit der Sprache der KI zu beschäftigen, sollten wir uns lieber mit der archaischen Sprache der Generäle, mit der Sprache der natürlichen Dummheit, mit der Sprache der Feindschaft, des Hasses und der Grausamkeit beschäftigen.

Die neue Chance des Politischen

Wenn nun auch die Begriffe wie Demokratie, Freiheit oder westliche Welt am Boden liegen und Demokratie nicht mehr „feindlos‟, sondern „feindlich“ sowie der Krieg nicht mehr „obsolet‟, sondern zum Normalzustand geworden ist. Dann „leben wir in der Tat in einer Welt, die von Stärke, Gewalt und Macht beherrscht wird‟. Eine, die damit jenseits der idealistischen und materialistischen Dialektik die „ehernen Gesetze der Welt‟ bestätigen, die „seit Anbeginn der Zeit‟ gelten. Auch die „Arbeiter‟ (Marx) des gesellschaftlichen Seins und die „Hüter‟ des ontologischen Seins (Heidegger) bilden dann nur die eine ontisch-ontologische, menschlich-göttliche Welt, die unter der Befehlsgewalt des despotischen Hausherrn (archōn) steht.

Es ist dann genau diese extreme, archaische Kriegssituation, die heute mit dem Ende der westlichen Wertewelt und der Offenlegung ihrer nackten, glorifizierten Gewalt zugleich das Politische wieder neu anfängt. Dass mit dem Ablegen der Masken von Demokratie und Freiheit auch eine neue, herrschaftsfreie (anarchische) Politik beginnt und die sowohl die „unipolare‟ als auch die „multipolare Welt‟ diagonal zerschneidet.

Die Entblößung des archaischen Generals ist somit zugleich die neue Chance, die uns heute gegeben ist, nachdem nämlich alle idealistischen, materialistischen, ökonomistischen, liberalistischen, diskursivistischen oder moralistischen Masken gefallen sind. Dass also mit dem Herunterfallen der demokratisch-kapitalistischen Masken auch eine neue Politik des Partikularen und Universalen wieder anfängt; ein Partikulares und Universales, die vormals, als ein individuell Allgemeines, im neoliberal-kapitalistischen Globalismus kriminell geworden sind und heute sich nun ganz offen terroristisch und kriegerisch zeigen.

Wenn der despotische Hausherr im europäischen und westlichen Denken, in der Sprache, in der Schrift, im Text, in der Sinnlichkeit, in den Aktionen von Praxis und Theorie immer schon präsent ist (verdeckt-liberal-progressiv oder offen-autoritär-regressiv). Dann gilt es, diesen Selbstverbrennungsprozess der Menschheit politisch unwirksam zum machen. Eine doppelte Politik, welche die zwei Optionen von Gewaltsamkeit gegenüber der strategischen Befehlsgewalt und Sanftheit, Gewaltlosigkeit gegenüber der Sache selbst meint (Humanität, Idee der Menschheit, Gerechtigkeit, gutes Leben). Denn die neue Politik ist nicht mehr ein Kampf um die Ersetzung einer ökonomisch-politischen Form durch eine andere. Vielmehr ein Kampf zwischen Ökonomie (kapitalistische Form der Bewirtschaftung) und Politik (politische Form der Beherrschaftung) einerseits, und Anökonomie (Zerstörung der ökonomischen Kreisfigur, die für die Ökonomie wesentlich ist) und humaner Politik (diejenige Widerstandskraft, die den despotischen Hausherr, der das ‚Gesetz des Hauses‛ setzt, entthront) andererseits.

Das „Politische liegt‟ in der Tat „auf der Straße‟ (O. Negt). Ja, aber als ein archaisches, autoritäres Verhältnis ist es eben auch kontaminiert. Deswegen muss es von den Imperativen des Inhumanen dekontaminiert werden, um endlich befreiend und heilsam wirken zu können. Womit wir zu brechen haben, ist die imperative Befehlsgewalt des archaischen Souveräns, der von Anfang an das ‚Gesetz des Hauses‛ setzt, um ohne den archaischen Befehlsgrund der Idee und dem Ruf des wahrhaft Humanen (der Idee der Menschheit) zu folgen. Und zwar durch eine ‚Politik des Opfers‛, die das archaische Befehlsverhältnis opfert, und so dem Politischen wieder seine unverdorbene Reinheit wiedergibt. Oder schlicht und einfach formuliert: Man will ja gar nichts anderes, als dass diese ganzen Institutionen, Wirtschaften, Techniken, Wissenschaften oder KI-Maschinen für den Menschen da sind, und nicht umgekehrt, die Menschen für sie, die sie doch als ökonomisch-politische Verhältnisse selber geschaffen haben, aber inzwischen nichts mehr davon wissen wollen, oder darin technomathematisch-algorithmisch sogar verschwinden wollen.

Es ist das wahre menschliche Bedürfnis, nach einer vom Krieg, Hass und Gewalt befreiten, versöhnten Welt. Denn wir sind nur, indem wir Frieden in uns haben; haben wir diesen nicht, so stehen wir mit uns selbst im Krieg.

 

 

Stavros Arabatzis

Stavros Arabatzis lehrt an der Universität zu Köln Medien- und Kunstheorie. Er forscht und publiziert im Bereich Kulturtheorie, Sprach- und Medienphilosophie und hat zuletzt Media on a Political Level und Alternativmedien publiziert. Er ist Mitglied des Editorial Boards des ITS Journals Art and Design (AD) mit Sitz in Hongkong und London.
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17 Kommentare

  1. Vielleicht wird die Welt nicht aus den Elfenbeintürmen der Universitäten gelenkt, sondern vom „World Economic Forum“, aus Bankenhochhäusern und Geheimdienstzentralen?

    Frank Zappa bezeichnete Politik zynisch als „Unterhaltungsabteilung der Rüstungsindustrie“.

    1. Nicht nur „vielleicht“!

      The illusion of freedom will continue as long as it’s profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater.

      Frank Zappa

      1. Und in der allerchristlichsten Variante

        https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/02/establishment-of-the-white-house-faith-office/

        hört sich das dann so an:

        “Tuesday will be Power Plant Day, and Bridge Day, all wrapped up in one, in Iran. There will be nothing like it!!!
        Open the F—n’ Strait, you crazy b—–ds, or you’ll be living in Hell – JUST WATCH!” he raged. “Praise be to Allah. President DONALD J. TRUMP”

        https://www.thedailybeast.com/donald-trump-drops-f-bomb-in-unhinged-easter-morning-truth-social-rant/

  2. Das was hier immer noch als Demokratie bezeichnet wird, hat sich schon längst zu Faschismus gewandelt. Aber was bitte sollte da auch anderes dabei herauskommen? Diese angeblche Demokratie hat nie auch nur für einen Moment den Willen besessen Fehler zu revidieren und vor allem keine Fehlbesetzungen zu korrigieren.
    So konnte eine jede Verbrecherorganisation von Partei ihr eigenes, vor Recht und Gesetz geschütztes Süppchen kochen und daraus wurde der übliche totalitäre Staat einer jeden Diktatur die auf den Besitz aufbaut.
    Wenn ich das Wort Rechtsstaat schon höre wird mir schlecht, einen solchen hat es nie gegeben und unter den herrschenden Umständen wird es ihn auch nie geben.
    Dafür braucht es nämlich etwas mehr als die üblichen Parteisoldaten die sich ein Antikes Kostüm anziehen und ihre Willkür als Recht bezeichen.
    Die klassische Mischung für die Rechtsfreiheit besteht aus kriminellen Parteisoldaten und kriminellen Oligarchen, wobei die Parteisoldaten für ein Kleingeld als Parteispende den Oligarchen und ihren Firmen die Plünderung der Staatlichen finanzen ermöglichen. Und eine Politische Unterschichtenjustiz schaut untätig dabei zu und leistet wenn gewünscht noch Handlangerdienste.
    Weshalb dieser Staat natürlich keinen Schuß Pulver Wert ist und von seinen normalen Rechtlosen Insassen auch auf keinen Fall verteidigt werden sollte. Den Insassen kann es egal sein ob die Oligarchen denen sie gehören aus Deutschland, den USA, Russland oder China stammen, an der Unfreiheit ändert sich da nichts.
    Deshalb sollte jeder Insasse schlicht und einfach versuchen so viel wie möglich dieses Staates zu Verkaufen, egal an wen auch immer. Für die Insassen gibt es nur einen Feind und der heißt Staat, mit all seinen Dysfunktionalen Ämtern und Behörden.
    Patriotismus bedeutet hier diesen totalitären Verbrecherstaat Auflösen und gegen einen demokratischen Rechtsstaat ersetzen.
    Hier, im Land des offenen Wahlbetrugs, dem korrupten Regime, den unfähigen Behörden und ihrer, aus dem 3 Reich stammenden Justiz, Verwaltung und Polizei, ist keine Reform mehr möglich, da braucht es die Abrißbirne und war gründlich.

    1. Kapitalismus tendiert zyklisch immer irgendwann, wenn der Mehrwert nicht mehr erbracht werden kann zum Totalitarismus und Krieg.

  3. Oh nein, der Tod ist schon wieder ein Meister aus Deutschland!

    Ständig stirbt „das Völkerrecht“, wird bisweilen sogar „ermordet“.

    Auch die Demokratie wird mindestens sooft beerdigt, wie sie sich anlässlich der folgenden Totsagung wieder exhumieren lässt.

    Und jetzt war sogar die „liberale Demokratie“ dran, die sich von einem verblichenen vorgeblichen BRD-„Intellektuellen“, angeblich sogar „dem letzten“, ins gemeinsame Familiengrab hat einsperren lassen.

    Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir,
    Jü Habermurks, verfassungspatriotischer Vater,
    in der Einheit der Heiligen Bundesrepublik
    alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit.

    Die frohe Botschaft:

    Spätestens am dritten Tage wird die Demokratie, auch die liberale, auferstehen von den Toten, auffahren ins nächste konstruktiv-kritische Pamphlet und dort sitzenbleiben zum Zwecke der nächsten Grablegung. Und dann wird die Demokratie von dort wiederum kommen um zu dichten den Lamentierenden, auch den toten. Usw. usf.

    Alle trauernd Hinterbliebenen, die so lang nicht warten wollen, können Habermurks bereits am Ostersonntag die letzte Messe und die Leviten lesen:

    „Das Lebenswerk des Jürgen Habermas: Fundamentalkritische Affirmation von Gott und der Welt“

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/juergen-habermas-werk

      1. Was ist denn falsch am GSP-Geschwafel bzgl. Habermurks?

        Könnten Sie etwas Konkretes benennen? Gar den GSP widerlegen? Verstehen Sie den Gegenstandpunkt überhaupt? Ist immerhin leichtere Kost als der Habermurks.

        Oder hatten Sie nur reflexartig reagiert, als Ihnen das Triggerwort „Gegenstandpunkt“ unterkam? Das würde dann in Richtung einer garno-Impulskontrollproblematik deuten.

  4. Hat der Autor („Eine Aufklärung, die bekanntlich ihrerseits befahl, Gott auf das Minimum zu reduzieren, damit der Mensch allen Platz und alles Recht an Welt und Geschichte ausüben konnte“) da evtl. irgendetwas falsch verstanden?

  5. Kurzum: Wir liegen mit uns selbst im Krieg. Auch die materialistische Dialektik, die von einem Ideal des „Sollens‟ nichts mehr wissen wollte (Marx), hat in Wahrheit das „Sollen‟ des archaischen Hausherrn schlicht übersehen, der das ‚Gesetz des Hauses‛ (Ökonomie) setzt.

    Mit „wir“ meint er vermutlich die sich als links verstehenden Liberalen. Als ob ein Blinder etwas über Farben verstehen würde. Über Ostern hätte ich eigentlich mehr Substanz in den Texten erwartet, und nicht dieses Sammelsurium von Versatzstücken liberaler Geistesblitze. Was nur eine naive Ratlosigkeit ausdrückt.

  6. ich habe mich durchgequält.

    „Eine westliche Demokratie (in Wahrheit eine imperiale Oligarchie-Plutokratie-Kryptokratie), die den Deckmantel von Liberalität, Freiheit oder westlichen Werten abgelegt hat.“
    da hat er die -kleptokratie- vergessen zu erwähnen. als ich es las, fühlte ich mich zurückversetzt in alte merve-verlag-zeiten. zurück zu deleuze, guattari, baudrillard, virilio und die anderen. aber wozu das ganze? für wen geschrieben? für ältere mitbürger wie mich, damit ich wehmütig meinem langsam verschwindendem verstand hinterherschauen kann? für jüngere die in der lage sind, diesem akademischen geschwurbel zu folgen? wozu? ganz einfach gesagt: der zug ist abgefahren, der hausherr hat die totale kontrolle übernommen.

    1. „Wir leben‟, so sagt unmissverständlich der US-Stabschef Stephen Miller, „in einer Welt, die von Stärke, Gewalt und Macht beherrscht wird. Das sind die ehernen Gesetze der Welt, die seit Anbeginn der Zeit gelten.‟

      Derartige Bekenntnisse zur Gewaltherrschaft kennen wir Deutschen. Schön das es nun raus ist. Gestern war es noch die Aufforderung zum Neokolonialismus. Die Maskerade der Demokratie und des Fortschritts wurde entsorgt. Auf Wiedersehen, da stehen die amerikanischen Geröllheimers mit ihren Keulen.

  7. Ein kluger, unendlich trauriger Text.
    Vollkommen zu recht stimmt er diesem amerikanischen Höllenfürsten zu, der nicht ohne offenkundigem Hohn zu den barbarischen Metzelein seines Landes erklärt, dass es eben schon immer so war. Übrigens auch nur in diesem historisch kurzen Zeitraum, in dem in unserem Teil der Welt die Illusion von gesellschaftlicher Teilhabe, von universellen Menschenrechten, von Frieden herrschte. Jenseits unserer „Insel“ galt das nie.

    Nach dem letzten Krieg galt Auschwitz als “ Zivilisationsbruch“ Das aber stimmt nicht. Es war einer der Höhepunkte dessen, was wir als menschliche Zivilisation hinter uns haben. Nur eben mit den technischen Möglichkeiten der Moderne. Weder einzigartig noch unwiederholbar.
    Schon damals übertroffen vom Verbrechen des Rasse – und Vernichtungskrieg gegen die SU und in Zukunft durch einen Krieg mit Kernwaffen.

    Keine Ahnung, wie der Planet nach uns Menschen aussehen wird, nur es ist schwer vorstellbar, dass es schlimmer sein kann.

  8. Ach du meine Güte, noch ein Nachruf! Der Osterhase in Gestalt der Redaktion des OM legt gleich zwei Überraschungseier ins Foristeronen-Nest. Wer beide Füllungen gelesen, also intus hat, sollte heute nicht mehr Auto fahrem. Das ist doch garantiert nicht jugendfrei, sowas. Die Schwadronerie als fünfte Teilstreitkraft der Bundeswehr?
    Immerhin warnt der Autor vor (allerdings am Ende des Artikels), dass „uns“ die vom Osterhasen gebrachte Fülle wieder obenraus entfleucht – „Womit wir zu brechen haben“.
    „und so dem Politischen wieder seine unverdorbene Reinheit wiedergibt“ – Himmel, hilf! Und das ist nur ein Teilsatz.

    „Der Mensch scheint … verlassen zu sein …, zuletzt auch von seinen Intellektuellen, die einmal zumindest den Eindruck erweckten, in unübersichtlichen Zeiten eine gewisse Orientierung zu bieten. So hat auch der letzte Intellektuelle der Bundesrepublik .. die liberale Demokratie … mit ins Grab genommen.“ Ist Arthur Miller zurück mit „Tod eines Pharmareferenten“? Der „letzte Intellektuelle“ weg – na, da hatten „wir“ ja noch mal Schwein gehabt.

    Wer ist eigentlich diese „Wir“-Horde, die durch viele Artikel tobt? Übergriffig, unsittlich, belästigend, wirr.

    Bleibt „uns“ Foristeronen eigentlich nur noch das Stoßgebet:
    „Lieber Altlandrebell, steh uns bei. Wir wollen auch nie wieder Schwachsinn verzapfen. Außer manchmal.“

  9. Was soll das philosophische Gerede. Es ist die Ökonomie, Stupid, in deren Interesse propagiert wird, dass Plutonium harmloser als CO² ist und dass Kernenergie klimaneutral ist, um sie wieder akzeptabel zu machen, um die Welt zu elektrifizieren. Genau demselben Zweck dienen die alternativer Energien. Es geht um die Elektrifizierung der Wirtschaft. Kernkraft und Wind- und Solarenergie sowie Elektromotoren sparen Arbeitskräfte ein. Die Elektrifizierung ist keine spinnerte Idee von mir, sondern läuft vor unseren Augen ab. Das lässt sich der Marionettenstaat etwas kosten und subventioniert zusätzlich auch Wärmepumpen und Elektroautos. Und weil der Wechsel von fossil zu elektrisch schnell gehen soll, muss der Staat immer faschistischer werden, um das durchzusetzen.

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