„Die Dialog-Teilnehmer sind nicht bescheiden. Wir wollen die Welt verändern“

So stellt sich ChatGPT eines der Geheimtreffen vor.

Peter Thiel, der deutschstämmige libertäre Tech-Milliardär und Milei- und Epstein-Freundhält von einem demokratischen Staat und Wettbewerb nichts, mehrt seinen Reichtum dennoch mit staatlichen Geldern aus Überwachungs- und Kriegstechnik, kultiviert, weil es bei den Reichen chic zu sein scheint, irgendwie wie sein Ziehsohn JD Vance religiöse Neigungen und turtelt mit Apokalypse und dem Antichrist etwa in Gestalt von Greta Thunberg herum (Peter Thiel hält den Menschen nur für eine mängelbehaftete Fleischmaschine, Die Welt der rechtslibertären Techmilliardäre: Greta Thunberg als Antichrist).

Thiel ist nicht nur mit der Bilderberg-Konferenz verbunden, Inbegriff der Elitenverschwörung, sondern hat auch selbst 2006 Dialog gegründet, ein noch exklusiveres jährliches Treffen hinter verschlossenen Türen. Thiel war auch eng verbunden mit Epstein. Das ging wohl über das Geschäftliche hinaus und zeigt, wie die Eliten zusammenhängen (Ordnung aus dem Chaos). Epstein war auch mit dem Weltwirtschaftsforum verbandelt, dessen CEO Børge Brende 2026 wegen seiner Verbindungen mit Epstein zurücktreten musste. Thiel äußerte Kritik am WEF, weil dort niemand sei, der ein Individuum mit eigenen Ideen ist. Um für Dialog eingeladenen zu werden, solle man etwas Außergewöhnliches machen, so heißt es auf der sonst leeren Website von Dialog.org.

Nach Dokumenten, die Wired geleakt wurden, sind unter den 222 Eingeladenen für das nächste Treffen im August in Irland u.a. Elon Musk, Eric Schmidt, Scott Bessent US-Finanzminister), Jared Kushner, Gary Kasporov, Senator Ted Cruz, Tulsi Gabbard (ex-DNI), Armeeminister Dan Driscoll oder General und SACEUR Alexus Grynkewich. Aber auch Medienmenschen wie Ezra Klein von der New York Times oder Nick Thompson von The Atlantic oder Autoren wie Steve Pinker. Die Schweizer Hacktivistin maia arson crimew hat die Namen von 113 Personen aus dem Quelltext der geschlossenen Dialog-Website herausholen können. Meist sind es Milliardäre,  Vertreter von amerikanischen Konzernen, US-Militärs oder ehemalige US-Regierungsmitarbeiter, aber es werden auch ein paar britische und saudische Gäste aufgeführt.

Interessant ist, dass Kaja Kallas, die Außenbeauftragte der EU, schon länger mit dabei sein. Aus der EU-Kommission heißt es aber, dass sie nicht Teil der Organisation ist und auch nicht am Treffen im August teilnimmt. Aber es sieht so aus, als hätte sie an früheren Treffen teilgenommen. Und aus Deutschland Jens Spahn, der seit 2018 fünfmal teilgenommen hat. Jetzt soll er aber für das Treffen im August abgesagt haben. Und er will die Teilnahmegebühr, normalerweise 15.000 US-Dollar, selbst bezahlt haben. Es soll sich nur um einen dreistelligen Betrag gehandelt haben.

Die Techmilliardäre wollen sich Einfluss auf die Politik und die Geldflüsse sichern. Geplant ist offenbar, aus dem Wanderzirkus eine Institution mit einem Ort in der Hauptstadt zu machen. Was während der Aufklärung die Salons waren, in denen sich Bürger und Adelige trafen, aber das gemeine Volk ausgeschlossen war, scheinen nun die Geheimtreffen der Reichen zu sein, die damit Cliquenbildung vorantreiben, was ja auch das Geschäft von Epstein war, der zu Lebzeiten auch eingeladen war. Da muss man dabei sein, wenn man zu den wichtigen und einflussreichen Personen zählen will. Es geht dabei wohl nicht darum, ganz konkrete Projekte zu planen und umzusetzen, sondern sich zu kennenzulernen und eine elitäre Gemeinschaft mit Ansprechpartnern zu bilden, woraus dann Geschäfte und Projekte sich entwickeln können. Man kennt sich, man weiß, wen man kontaktieren muss. Diese Parallelgesellschaften beginnen mit Privatkindergärten und -schulen, wo man schon unter sich ist.

Dialog will, sagte ein zu Dialog Eingeladener gegenüber Axios, den „globalen Eliten die Möglichkeit bieten, offen und ideologieübergreifend miteinander zu sprechen – fernab von ihren Handys und dem Druck durch soziale Medien, die Nachrichtenmedien und ihre Interessengruppen“. Die  Ideen und Diskussionen der keineswegs nach links neigenden Reichen und Mächtigen, die ihr Vermögen und ihre Privilegien schützen und ausbauen wollen, sollen nicht nach außen dringen, das könnte Probleme geben. Aber man sieht sich durch eine „Anti-Establishment-Stimmung“, bedroht, weswegen „die Gruppe ihre internen Abläufe aktiv geheim und vor der öffentlichen Kontrolle verborgen (hält)“. Das ermögliche eben, „kontroverse und beunruhigende Ideen auszutauschen, die sie anderswo nicht ohne Weiteres äußern würden“.

Wie aus einer mit den Epstein-Files veröffentlichten Email-Einladung von Dialog-Mitbegründer Auren Hoffman im Jahr 2012 an die bekannte Harvard-Professorin Lisa J. Randall, die langjährige Beziehungen mit Epstein unterhielt, hervorgeht, wurde mit Diskussionen darüber geworben, wie man die Welt verändert. Man war also aktivistisch als eine Art Verschwörungszirkel unterwegs, warb mit den Namen anderer Teilnehmer, u.a. Epstein, aber auch Karl-Theodor zu Guttenberg,  und bot Randall, wahrscheinlich wie auch anderen, einen erheblichen Nachlass auf die Teilnahmegebühr. Ein für 2022 Geladener sollte 16.846 US-Dollar zahlen, was aber nach Angabe des Gutscheins um 70 Prozent verringert wurde. Das sind billige Marketingstrategien, offenbar wirken sie auch bei Milliardären.

In der Email an Randall heißt es: „Die Dialog-Teilnehmer sind nicht bescheiden. Wir wollen die Welt verändern. Aber wir wollen unsere Zeit nicht damit verbringen, in einem großen Publikum langatmigen Reden zuzuhören. Es gibt keine Redner. Keine Podiumsdiskussionen. Alle Teilnehmer nehmen an moderierten Diskussionen in Kleingruppen teil. Und wir beschränken die Diskussion auf nur 150 globale Führungskräfte, die bereits jetzt etwas bewirken können, sowie auf aufstrebende Führungskräfte, die bei der Umsetzung der von uns entwickelten Pläne helfen können.“ Wired nennt ein paar Titel für die geplanten Diskussionsrunden im August: „Kauft Geld (tatsächlich?) Glück?“, „Bringt die Atomkraft zurück“, „Durch den Dritten Weltkrieg navigieren“. „Schaffung einer Religion“ und „Wie steht es um dein Sexleben?“

Ob Thiel selbst regelmäßig an den Treffen teilnimmt, ist nicht bekannt. Es werden wohl auch nicht die Themen sein, die etwa Spahn anlockten, der sich zu den Mächtigen und Reichen und den Demokratiefeinden, die lieber im Geheimen ihre Pläne aushecken, zumindest im Geheimen gesellt hat. Aber vielleicht  brauchen auch die Reichen mit ihren (berechtigten) Ängsten vor der Masse von Ausgebeuteten und Habenichtsen ein bisschen Kuscheln unter ihresgleichen. Zumal sie wohl Profiteure des militärisch-industriellen-digitalen Komplexes sind, der profitmaximiert auf einen Dritten Weltkrieg zusteuern könnte.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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5 Kommentare

  1. Will die Welt denn verändert werden?
    Wer reich ist, hat ja meistens auch einen „Knall“.
    Ich würde ja gerne wissen, ob die auch alleine ein Marmeladenglas aufkriegen. Das wird wohl ein gut gehütetes Geheimnis bleiben.
    😉

    1. Ganz im Gegenteil.
      Bei der herrschenden Klasse geht es immer um Besitzstandswahrung, und die zukünftige Verteilung der Ressourcen, die halt auch irgendwann zur Neige gehen.
      Die Analysen ihrer Thinktanks sind immer zutreffend und danach schmieden sie ihre Pläne um uns alle krank zu machen, krank zu halten, zu dezimieren und einen kleinen Rest dann zu versklaven.

  2. Zu dem was u.a. in der West-Bank passiert (Montag 22.06.2026) :
    Das Militär tötet in Beit Ummar, nördlich von Hebron Issa Awad,18 und Rida Awad, 15. Es gibt zwei Verletzte. Das Militär hat in der Nähe einer Siedlung auf die Palästinenser geschossen.

    Zu dem was in Gaza passiert:
    Das Militär feuert in Gaza-Stadt drei Raketen auf zwei Kraftfahrzeuge und tötet mehrere Palästinenser (1 Toter, mehrere Verletzte). Ein Kindergarten und eine Schule sind in der Nähe. Es wird Raghad Ashour, 17 getötet. Sie war auf dem Weg ihre Abiturprüfung abzulegen. Sie war das einzige Kind in der Familie und ihr Vater wurde in dem Völkermord schon ermordet. Es gibt einen Luftangriff auf ein Kraftfahrzeug in Al-Mawasi (zwei Tote). Der Sanitäter Maisara Al Khawaja wird getötet.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

  3. Der ‚deutsche Thiel‘ ist ein deutsches Phänomen, wie viele andere Phänomen davor installiert wurden.
    Dieses Phänomen, wie die anderen davor, scheiterten kläglich .
    Wie kann es auf dieser Welt so zugehen, das die Mehrheit de4 deutschen Bevölkerung, immer in Haft genommen wird, über nicht deklarierten Initiatoren?
    Ist diese deutsche oder menschliche Mehrheit so verblödet?

  4. Absurde Veranstaltung. Allein die geleakte Gästeliste legt nahe, dass diese „Weltveränderung“ ein einfältiger Rohrkrepierer bleiben wird: Was zeichnet Epstein, Spahn, Ted Cruz für Irgendwas aus?
    Und dann noch Kaja Kallas? Sollte die noch einmal dabei sein, wird Elon Musk nicht kommen. Versprochen.
    Wenn Geheimniskrämerei und Marketing (Rabatte?) ebenso erforderlich wie erfolgreich sind, wird nur sichergestellt, dass wohlhabende Mittelmäßigkeit die „dialog“ Realität ist.

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