
Die Bundesmarine durchläuft derzeit einen umfassenden Transformations- und Aufrüstungsprozess. Doch selbst bei vollständiger Umsetzung der ehrgeizigen Pläne bleibt die Frage, ob sie rechtzeitig bereit sein wird, den Anforderungen der modernen Seekriegsführung gerecht zu werden.
Ambitionen angesichts begrenzter Ressourcen
Deutschland sieht sich mit einer erheblichen Knappheit an Produktionskapazitäten konfrontiert, um sich auf einen regionalen Konflikt vorzubereiten. Die Marine leidet weiterhin unter einem deutlichen Kräfteungleichgewicht, insbesondere mangelt es an modernen Schiffen und U-Booten, die erst noch gebaut werden müssen.
Dennoch hat das Marinekommando wiederholt seine Bereitschaft signalisiert, ab 2029 im gesamten operativen Raum der GIUK-Lücke (Grönland–Island–United Kingdom) aktiv zu werden. Damit bleiben der Bundesmarine drei Jahre Zeit, um ihre Schiffskonstellation zu modernisieren. Der Flottenentwicklungsplan „Kurs Marine 2025″ und das „Zielbild für die Marine ab 2035“ sehen hingegen erst bis 2035 die technologische Modernisierung der gesamten Flotte vor. Bis dahin steht dem Kommando nur die ältere Hälfte der Flotte zur Verfügung, die zuvor einer beschleunigten Einsatzbereitschaft unterzogen werden muss.
Die angestrebten Ziele
Das „Zielbild 2035+“ sieht eine Flotte von bis zu 16 Fregatten, 6–9 Korvetten, 9–12 U-Booten und acht Patrouillenschiffen vor. Das „Kurs Marine 2025“ sieht darüber hinaus den Bau von Überwasser-, Unterwasser- und Luftdrohnen sowie von über 40 Mehrzweckkampfbooten vor.
Angesichts der Zeitenwende im Militär und dem Einzug der Drohnen wachsen jedoch selbst in diesem Fall die Zweifel, ob diese Schiffe und U-Boote den neuen Anforderungen entsprechen oder bereits bei ihrer Indienststellung veraltet sein werden.
Die aktuelle Kräftestruktur
Bis 2029 wird die Bundesmarine über drei Fregatten des Typs F124 „Sachsen“ verfügen: die „Sachsen“, die „Hamburg“ und die „Hessen“. Ihre Lebensdauer endet Mitte der 2030er Jahre. Die Fertigstellung der vierten Fregatte „Thüringen“ ist ungewiss, da der Bau von sechs Fregatten der nächsten Generation des Typs F127 mit amerikanischem Aegis-Waffensystem priorisiert wurde. Sollte deren Bau Ende 2026 beginnen, wird die Flotte die letzte Einheit dieser Serie voraussichtlich erst 2034 erhalten.
Von 2028 bis 2034 soll die Marine zudem neue Fregatten des Typs F-126 „Niedersachsen“ für die U-Boot-Abwehr mit einer Verdrängung von 10.550 Tonnen erhalten. Sie sollen vier ältere Fregatten des Typs F123 „Brandenburg“, die zwischen 1992 und 1996 gebaut wurden, ersetzen.
Der Kiellegung des ersten Schiffes der Serie, der F126 „Niedersachsen“, erfolgte jedoch erst im Juni 2024, die voraussichtliche Fertigstellung ist für den Sommer 2028 geplant. Die weiteren Schiffe „Saar“, „Bremen“ und „Thüringen“ existieren derzeit nur auf dem Papier.
Bis 2035 sollen mindestens vier Fregatten des Typs F125 „Baden-Württemberg“, die zwischen 2018 und 2022 gebaut wurden, im aktiven Dienst stehen.
Zu den Überwasserschiffen, die bis 2035 in Betrieb bleiben werden, gehören die modernisierten Korvetten des Typs K-130 „Braunschweig“ mit einer Verdrängung von 1.840 Tonnen. Sie verfügen über eine umfangreiche Bewaffnung, die jedoch im Vergleich zur Bewaffnung vergleichbarer Schiffsklassen anderer Nationen überwiegend eine geringere Reichweite und Leistung aufweist. Derzeit sind fünf Korvetten der ersten Baureihe im Einsatz, fünf weitere der zweiten Baureihe befinden sich in unterschiedlichen Fertigungsstadien.
Die U-Boote sind das Aushängeschild
Die konventionellen, also nicht atomar angetriebenen U-Boote der Klasse 212A sind sehr modern und fortschrittlich. Derzeit befinden sich sechs U-Boote dieser Klasse im Dienst. Sie sollen mit Marschflugkörpern ausgerüstet werden, die aus Torpedorohren abgefeuert werden können und sich sowohl gegen Überwasser- als auch gegen Landziele einsetzen lassen. Die U-Boote des Typs 212A bleiben bis 2035 im aktiven Dienst. Ab 2029 wird die Bundesmarine durch neue U-Boote des Typs 212CD ergänzt. Der Auftrag zum Bau von sechs Booten wurde an das Unternehmen TKMS vergeben. Es wird erwartet, dass diese U-Boote eine neue Generation darstellen und ihre Vorgänger in ihren Fähigkeiten deutlich übertreffen werden.
Darüber hinaus ist der Bau von bis zu zwölf neuen Minenkampfschiffen geplant, um die Vorgängermodelle des Typs 332 „Frankenthal“ zu ersetzen.
Ein Trumpf im Ärmel?
So umfangreich die Pläne auch sein mögen – für eine zuverlässige Sicherung der GIUK-Lücke sind diese Kräfte kaum ausreichend. Zudem wird bezweifelt, dass eine solche Schiffskonstellation den Kräften eines Gegners im Baltikum und im Nordatlantik wirksam entgegenzutreten vermag. Um das Defizit an Fähigkeiten auszugleichen, sollen unbemannte Überwasser-, Unterwasser- und Luftfahrzeuge gebaut werden. Im Frühjahr 2025 startete das Marinekommando das Programm „Future Combat Surface System“ (FCSS). FCSS zielt darauf ab, die Bundesmarine in einem hochtechnologischen Konflikt flexibler, widerstandsfähiger und effektiver zu machen.
Im Rahmen dessen soll eine neue Generation von Seekampfdrohnen entwickelt und eingeführt werden, die das Fundament der zukünftigen deutschen Marine bilden werden. Diese Drohnen sollen mit Schiffen und in Gruppen von Schiffen operieren. Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist ihre Integration in moderne maritime Kampfsysteme, insbesondere in das Führungs- und Kommunikationssystem SitaWare Headquarters (SitaWare HQ). Dieses ermöglicht allen Führungsebenen Situationsbewusstsein, gemeinsame Planung und Koordination im Gefechtsbetrieb.
Für den Einsatz mit den U-Booten des Typs 212CD ist der Bau großer, unbemannter Unterwasserfahrzeuge vorgesehen, die die U-Boote ergänzen sollen.
Langfristig sollen Seekampfdrohnen die Korvetten des Typs K 130 vollständig ersetzen. So lautet zumindest die Hoffnung unserer Admiräle, wenn sie die Einsatzbereitschaft der Marine für das Jahr 2029 proklamieren.
Darüber hinaus plant die Bundeswehrführung, den Rückstand gegenüber technologisch überlegenen Gegnern durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Truppenführung zu verringern. In diesem Zusammenhang werden Beschaffungsentscheidungen getroffen. Deutschland ist im Bereich militärischer KI jedoch stark von den USA abhängig – wie auch bei anderen modernen Waffensystemen. Wir sind vollständig auf amerikanische Entwicklungen angewiesen, insbesondere auf das Maven Smart System (MSS) der Firma Palantir, das bereits in den US-Streitkräften eingeführt wurde.
Allerdings handelt es sich dabei um einen zweifelhaften Vorteil.
Die Realität sieht jedoch anders aus
Selbst die Amerikaner räumen ein, dass die Erfahrungen mit MSS während des Krieges im Iran katastrophal waren. Ein Fehler bei der Datenanalyse durch die MSS führte zu einem Präzisionsschlag auf eine Schule in Minab, bei dem über 150 Kinder ums Leben kamen. Selbst iranische Bürger, die vor dem Krieg an Protesten gegen das Regime teilgenommen hatten, schlossen sich nach diesem Angriff geschlossen dem Ayatollah-Regime an. Die Brutalität der militärischen KI hatte den gegenteiligen Effekt.
Die Realisierung der Pläne zum Bau von Fregatten des Typs F-126 stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Das Schiffbauunternehmen Damen aus den Niederlanden verfehlte die Vertragsfristen, was zu Verlusten in Höhe von zwei Milliarden Euro führte. Der Vertrag ging an Naval Vessels Lurssen (NVL). Die Zukunft dieses Projekts ist ungewiss und wird im Herbst dieses Jahres vom Haushaltsausschuss des Bundestages entschieden. In jedem Fall ist es unwahrscheinlich, dass die Flotte bis 2029 alle vier Schiffe dieses Typs erhält.
Nach der Übernahme von NVL hat Rheinmetall jedoch dieses Projekt übernommen und ist zu einem der größten Abnehmer des deutschen Militärbudgets geworden. Zusammen mit der neu gegründeten Schiffbauabteilung wurde Rheinmetall auch in das Projekt zur Entwicklung mariner Drohnen des Typs K-3 Scout involviert, das gemeinsam mit der britischen Firma Kraken Technology Group durchgeführt wird. Die Kosten pro Einheit belaufen sich auf rund 350.000 Euro, die Montage erfolgt in den Hamburger Werften.
Allerdings ähnelt das Projekt derzeit eher einem hochgelobten kommerziellen Vorhaben als einer tragfähigen Lösung im Rahmen des FCSS. Zwar eignen sich die Drohnen für Angriffe auf ungeschützte Handelsschiffe, jedoch kaum für Angriffe auf Kriegsschiffe, die über eigene Mittel zur Abwehr von Drohnen verfügen. Dazu zählen beispielsweise Hubschrauber sowie Luft- und Seekampfdrohnen.
Fazit: Eine Marine im Aufbruch, aber noch lange nicht am Ziel
Die deutsche Marine hinkt dem technologischen Fortschritt weiterhin hinterher und wird bis 2029 kaum in der Lage sein, einen regionalen Konflikt im Baltikum, im Nordatlantik oder in hohen Breitengraden zu bewältigen. Dies ist den Spezialisten auf beiden Seiten der GIUK-Lücke bewusst. Dennoch bemühen sich Kanzler Friedrich Merz und die Marineführung, das Gegenteil zu suggerieren, und rütteln dabei demonstrativ mit Waffen.
Die Verantwortung dafür wird jedoch voraussichtlich nicht Merz und seine Koalition tragen müssen, sondern die nächste Bundesregierung.
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Ich teile die Großmachtpläne nicht!
Von daher wäre es mir lieber die Marine erreicht die Aufrüstungsziele nicht und das Geld würde in soziale Projekte zum Wohl der Bevölkerung fließen!
Dem Frieden verpflichtet!
Dann muss wohl die Schaumweinsteuer erhöht werden und ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden! 😉
Die Pläne lesen sich ziemlich überheblich und fern der Möglichkeiten einer BRD, der demnächst das Geld ausgehen wird, wenn der letzte Betrieb schließt oder abwandern muss. Dann gibt es auch keine Steuereinnahmen mehr.
wir brauchen keine Fähigkeit zur Seekriegsführung. Wir brauchen Frieden!
Frieden mit unseren Nachbarn, und Frieden mit der eigenen Bevölkerung. Keine Terroranschläge Auf Grundrechte und körperliche Unversehrtheit.
Ein privater Wachschutz für eine hoffentlich bald von anderen Mächten enteigneten Pipelines vielleicht.
solche Artikel machen mich fassungslos
Die Sorgen des Autors teile ich ausdrücklich nicht, fühle mich aber in meiner Einschätzung bestätigt, dass das letztlich alles – glücklicherweis! – nicht funktionieren wird, dass zwar jede Menge Geld in zweifelhafte Projekte gesteckt wird, aber der Haupteffekt des Geldsegens Teuerung sein wird und keine zuverlässige Produktion, und schon gar nicht ‚Innovation‘.