Deutschland und Kuba: Peinlich

Kundgebung für die Regierung  am 22. Mai. Bild: Partido Comunista de Cuba

„Arte“ strahlte diese Tage ein Konzert der „Rolling Stones“ aus, das im Jahr 2016 in Havanna stattfand und das von Paul Dugdole unter dem Titel „Havana Moon“ verfilmt wurde. 1,2 Millionen begeisterte Kubaner nahmen daran teil, dicht gedrängt innerhalb und außerhalb der „Ciudad Deporte“ in Havanna, mitsingend und tanzend und die kubanische Flagge schwingend. Angesichts dieser „Power“ kann fast nachgefühlt werden, dass sich die US-Regierung von den Kubanern „bedroht“ fühlt…

Das alles ist gerade mal 10 Jahre her. Und heute? Donald Trump spricht von der bevorstehenden Machtübernahme in Kuba durch die USA, mit oder ohne Einsatz der US-Streitkräfte. Und der US-Außenminister Marco Rubio möchte möglichst ohne Militäreinsatz mit der kubanischen Regierung die Übergabebedingungen aushandeln. Man reibt sich die Augen. Und in Deutschland? Indifferenz und Schweigen. Solidarität und Protest gleich Null. Bestenfalls wird von einem letzten Scheitern des Sozialismus nach dem Untergang der Sowjetunion geredet. Vielleicht so nebenbei wird noch die Totalblockade von Öllieferungen erwähnt, allerdings ohne die Vorbereitung dieser Totalblockade, nämlich das Stoppen der Öllieferungen aus Venezuela nach dem kriminellen „Kidnapping“ ihres Regierungschefs Nicolás Maduro durch Donald Trump, auch nur anzudeuten.

Erinnerung an einen ersten Kubabesuch vor vielen Jahren: Untergebracht in einem Luxus-Resort, das – wie zu erfahren war – in Zeiten des Diktators Batista als Abtreibungsklinik für die kubanischen Mätressen US-amerikanischer Millionäre errichtet worden war. Im Zentrum von Havanna eine kleine Fabrik. Vor dem Erlauben des Zutritts führt der Arbeiter am Eingang ein kurzes Examen durch: wer war der kubanische Nationalheld José Martí? Examen bestanden.

Und die deutsche Politik sowie die deutschen Medien? In all den Jahren die gleiche Leier: Kuba eine sozialistische Diktatur, deren Bevölkerung nur durch massive Hilfslieferungen der Sowjetunion vor dem Hungertod bewahrt würde. Die Wirtschaftsblockade der USA, der sich die Bundesrepublik Deutschland in Vasallentreue angeschlossen hatte, wurde bestenfalls unter „Verschiedenes“ erwähnt, als wäre die Blockade des Landes nicht ausreichend, einen großen Teil seiner Probleme zu erklären: Kuba ein Land, das niemals die Chance hatte, sein politisches Projekt eines alternativen Gesellschaftsmodells als friedliches Mitglied der Völkerfamilie umzusetzen.

Einige Jahre später bei einem längeren Arbeitsaufenthalt in Mexiko-Stadt eine andere Erfahrung: Nicht nur Kollegen in der Universität träumten in einer damals von Slums eingekreisten Stadt, mit Massen von halbverhungerten kleinen Kindern mit ihren Müttern auf den Bürgersteigen liegend, von einem Leben wie in Kuba: vollständige Alphabetisierung, vorbildliches Gesundheitssystem, flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmittelkarten usw. Immerhin ist Mexiko unter seiner gegenwärtigen Präsidentin Claudia Sheinbaum zur Zeit eines der wenigen Länder, das sich noch mit Kuba solidarisiert und ab und zu die Blockade durch Schiffe mit Hilfslieferungen durchbricht.

Und was macht Deutschland in der aktuellen Situation? Kein Wort der Regierung zur gnadenlosen Strangulierung des Landes und seiner Bevölkerung durch die USA. Aber auch im Spektrum alternativer Kräfte und linker Gruppen/Parteien reicht es noch nicht einmal zu einer öffentlich wirksamen und sichtbaren Solidaritätskampagne (wie etwa nach dem Putsch in Chile durch Pinochet, als viele Menschen mit Proteststicks am Hemd unterwegs waren). Allenfalls dürfte einige stören, dass ihre Urlaubspläne in Kuba geplatzt sind. Beschämend.

 

Eckart Leiser

Eckart Leiser, Prof. Dr., ist Privatdozent an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Psychotherapeut in eigener Praxis in Saragossa (Spanien). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die epistemologischen Grundlagen der Psychologie sowie strukturale Anthropologie und Psychoanalyse. Lehrtätigkeit in Frankfurt, Berlin, Mexiko-Stadt, Wien, Madrid, Saragossa und Buenos Aires.
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