
Ein absoluter Tiefpunkt der Finanzpolitik.
Die Schuldenfalle ist ein Begriff, den man von „Entwicklungsländern“ kennt. Eine internationale Finanzorganisation gibt so einem Land einen Kredit in Höhe von ein paar hundert Millionen oder auch etwas weniger. Der Kredit ist in US-Dollar bemessen und muss auch so zurückgezahlt werden. Dies gelingt jedoch nicht. Das wird dann auf die Länder und ihre Regierungen geschoben. Einige Beobachter durchschauen aber das System und sprechen von einer Schuldenfalle.
Es handelt sich nicht um eine gezielt gestellte Falle, sondern um eine unvermeidliche, mathematische Falle, die im bestehenden Finanzsystem steckt und automatisch jeden fängt, der einen höheren Kredit aufnimmt. Was dann geschieht, ist sehr unterschiedlich und hängt von der Situation ab. Wie jetzt in Deutschland geschieht, macht sich folgendermaßen bemerkbar:
Neue deutsche Depression
Eine Pleitewelle überzieht das Land. Der Mittelstand, der die Last der Volkswirtschaft trägt, wird ruiniert. Der Unternehmergeist schwindet rapide, junge Menschen drängen dann in den sicheren Staatsdienst. Die Staatsquote steigt, die Schulden werden nicht getilgt, sondern sie steigen weiter. In Frankreich, Großbritannien und Italien ist das schon lange sichtbar.
Dass die Schuldenfalle unvermeidlich ist und verschiedene Schuldner auf unterschiedliche Weise gefangen hält, geht aus den Axiomen und Postulaten des Finanzsystems hervor, mit mathematischer Sicherheit. Die Schuldenfalle ist also nicht vermeidbar, aber sie lässt sich mit ein paar einfachen Relationen von Zahlen erklären.
Wie die Schuldenfalle funktioniert
Unser Geld wird zu 90% durch Kreditvergabe erzeugt, das ist Buchgeld, welches Banken zur Verfügung stellen und erst mit der Kreditvergabe erschaffen. Man nennt das Erschaffen von Geld durch öffentliche und private Banken Girale Geldschöpfung und jeder kann sich diesen Vorgang von der KI, also ChatGPT, bestätigen und genauer erklären lassen.
Hier wird die Schuldenfalle in einem Podcast erklärt.
Bei der Geldschöpfung werden Geld und Schulden gleichzeitig in gleicher Höhe erzeugt und verbucht, aber das Geld für die obligatorischen Zinsen wird dabei nicht generiert. Es fehlt also im Gesamtsystem immer das Geld für die Zinsen. Bei den Krediten an die Entwicklungsländer wird das am ehesten deutlich. Mit Bananen, Sojabohnen und Gewürzen kann man Dollarkredite nicht zurückzahlen, man muss die Plantagen an Dollarbesitzer verkaufen. Das ist Neo-Kolonialismus.
Der Gesamtüberblick fehlt den Schuldenmachern
In reichen und schuldenreichen Ländern wird das Fehlen von Zinsgeld dadurch verschleiert, dass jeder einzelne Kreditnehmer glaubt, das Geld für Zinsen erwirtschaften zu können, was auch manchem gelingt. Es kann aber längst nicht allen gelingen, weil die einen den anderen nur etwas abjagen. Für viele ist die Rückzahlung plus Zinsen unmöglich, weil das Geld, das im System insgesamt zur Verfügung steht, nicht für das Zinsaufkommen reicht. Jeder spürt das daran, dass sich eine allgemeine Geldknappheit ausbreitet.
Man schaut auf diesen Vorgang aus einer individualistischen Perspektive, man sagt, jeder sei seinen Glückes Schmied, aber man verkennt, dass Geldmangel, Pleiten und Konkurse in der wirtschaftlichen Gesamtheit unvermeidlich sind, weil es immer an Geld fehlt und dieser Mangel steigert sich mit steigender Schuldenmenge und steigender Zinslast.
Auch individuelle Anstrengungen und prekäres Leben helfen nicht. So etwas verkünden die Schuldenmacher gerne, weil es sie nicht betrifft. Die Schuldenfalle fängt nämlich nicht den Einzelnen mit Sicherheit, auch nicht nur die Geringverdiener, sondern es trifft die Allgemeinheit mit statistischer Sicherheit, was den jetzt Regierenden in ihrer Hybris anscheinend völlig unverständlich ist. Der Begriff der Allgemeinheit oder des Allgemeinwohls scheint ihnen unbekannt zu sein.
Es kommt nicht darauf an, wer die Schulden aufgenommen hat, ob Staat oder Konzern oder Privatpersonen, es kommt nur auf die Größe der Schulden an und da sind Staatsschulden, im Bereich einer Billion, wie sie Olaf Scholz und Friedrich Merz in sehr kurzer Zeit aufgenommen haben, ein Total-Absturz. Deutschland ist tief gefallen, es ist jetzt von einem reichen Land zu einem schuldenreichen Land herabgestuft.
Wem Kriegstüchtigkeit nützt und wem sie nie genützt hat
Was die Situation enorm verschlimmert, ist die Verwendung der Kredite, wie sie von der Regierung Friedrich Merz bisher geplant ist. Die Gelder der Staatsschulden, einschließlich der falsch bezeichneten „Sondervermögen“, sollen ganz überwiegend in Rüstung, Militär und Kriegsertüchtigung fließen. Und jeder weiß, dass Deutschland noch nie mit Rüstung und Militär einen merkbaren wirtschaftlichen Gewinn erzielt hat, ganz im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien, Niederlande und, zweihundert Jahre zuvor, auch Spanien.
Deutschland war im 20. Jahrhundert äußerst kriegswillig und kriegstüchtig, hat aber die beiden großen Kriege nur verloren. Das drückt auf die Stimmung derjenigen, die sich der Realität und der Geschichte bewusst sind. Glücklich sind die Unwissenden, die Dummen und die Gläubigen an den Staatsfunk und das Fernsehen, denn die Hoffnung auf den Endsieg stirbt erst mit den Hoffenden selbst, im Bombenhagel und beim Atomblitz.
Was zu tun und was zu lassen ist
Wer zur kleinen Minderheit der begnadeten Realisten und Vernunft-Menschen gehört, sollte alles tun, was in seinen Kräften steht, um zu verhindern, dass alle Kredite nur in die Kriegsvorbereitung fließen. Die Gelder sind noch nicht ganz verpulvert. Jeder Euro, der in zivile und soziale Zwecke umgelenkt wird, ist ein Gewinn für das Leben.
Auch sofortige Rückzahlung von Sondervermögen ist ein genialer Sonder-Ausweg aus der fatalen Finanzpolitik, weil Rückzahlung die Schuldenmenge und die Zinslast und damit die Kapazität der Schuldenfalle senkt. Weniger Schulden, weniger Zinsen, weniger Pleiten, weniger Geldmangel, mehr Leben in Freiheit.
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Geld ist etwas völlig abstraktes.
Schulden sind dem System immanent.
Die werden sowieso nie zurückgezahlt.
Kapitalistisch geprägtes Wirtschaften ist ein Nullsummenspiel.
Das scheint einem Großteil von euch immer noch nicht so recht verstanden zu haben.
Was auch der wohl Verfasser nicht verstanden hat und demzufolge auch nicht erklärt, ist, das die Regierenden, aber vor allem die herrschende Klasse sich bei diesem Szenario der Verschuldung, Umverteilung von unten nach oben und dem entsprechenden Absturz der Mittelklasse sich genau die Güter einverleibt, die immer ihren Wert behalten, nämlich die Produktionsstätten und vor allem den Grund und Boden.
Um dann, durch die Digitalisierung CBDC´s einzuführen und wir damit unter totaler Kontrolle der Privatwirtschaft wären.
So abstrakt ist Geld gar nicht. Es ist verausgabte, vergegenständlichte oder auch geronnene menschliche Arbeit.
Nö.
Schon LAAAAANGE nicht mehr!
Wo ist denn bitte die „geronnene menschliche Arbeit“ im Handel mit Derivaten, also Pferdewetten am Finanzmarkt? Und da gehen Billionen durch!
@niemand
Aber auch nur, wenn Sie wollen, dass es so ist, bzw. wenn Sie das, was man Ihnen über die Bedeutung des Geldes sagt, glauben oder annehmen.
Die letzte behauptete »Vergegenständlichung« dieses Glaubens, die fetischisierten Profan-Reliquien in Form von Scheinen & Münzen, werden durch CBDCs ersetzt werden. Der Sturz einer Währung war und ist schon immer möglich, doch so wird er – vor allem zum Nachteil des Individuums – noch einfacher.
Wenn alles Geld der Welt morgen plötzlich fort wäre, wäre dennoch alles, was der Mensch geschaffen hat, weiterhin vorhanden. Leider auch die Besitzverhältnisse, denn das ist ein anderer Glaube.
Hyperinflation ist tatsächlich so etwas, wie ein „gesamtgesellschaftlicher Abfall vom Glauben“ und die irrationale Sehnsucht nach diesem Glauben ist so stark, dass jegliches Vakuum schnellstens ersetzt wird. Alleine die Vorstellung, einen Geldschein zu nehmen und ihn zu zerreißen oder zu verbrennen, löst bei vielen Menschen eine heftige Reaktion aus.
Versuchen Sie es einmal, es ist erstaunlich befreiend und die Welt geht nicht unter 😉
++++++++
„nur, wenn Sie wollen, dass es so ist, bzw. wenn Sie das, was man Ihnen über die Bedeutung des Geldes sagt, glauben oder annehmen“
Wertkritisch haben Sie recht, aber gehe ich morgen zum Bäcker, oder stehe ich beim Bäcker in der Backstube, bleibt erstmal Geld als „meine geronnene Arbeit“ als Lohn bzw. als Tauschwert für die Brötchen an der Theke.
Wollte ich übermorgen selbst eine Bäckerei eröffnen und gehe zur Bank, so wird dem Bankangestellten allein meine Geschäftsidee nicht ausreichen, mir einen großen Geldbetrag auf mein Konto gutzuschreiben.. 😉
Gegen die ursprüngliche Idee, Geld als Werkzeug (als messbare Vorstellung von gerechtfertigten und beiderseitigen Verbindlichkeiten) einzusetzen, ist auch gar nichts einzuwenden. Aber der Gebrauch des Geldes als neutrales Werkzeug ist wahrscheinlich schon kurz nach seiner Einführung korrodiert, wobei die Fetischisierung zu einem Machthebel jenseits von Vertrauen und Verbindlichkeit dieses Werkzeug inzwischen vollkommen korrumpiert hat. Es muss also aus »weltkritischer« Sicht irgendwann weg.
Das Bild von »geronnener Arbeit« ist sehr gelungen, besonders wenn der Arbeitende nur noch einen mikroskopischen Teil der Produktion kennt und bearbeitet sowie das finale Produkt womöglich gar nicht kennt. Deswegen finde ich die Metapher »gefrorene oder portionierte Zeit« auch nicht schlecht.
Wenn ich mal einen Bäcker finde, der keine dieser Ketten ist und ich den Inhaber vor mir habe, werde ich mal versuchen, mir zwei Brötchen zu ertanzen (ich könnte auch singen, doch das wäre eher ein Überfall, mindestens Nötigung 😉).
Pro-Tipp:
Wenn sie vorhaben sollten, für eine Bäckerei von einer Bank einen Kredit zu bekommen, sagen Sie, Sie wollen gleich 10 Bäckereien eröffnen (Berlin, Köln, Frankfurt, Leipzig, Freiburg und einen Flag-Store in einer verschlafenen mittelgroßen Stadt, „Heimat“ und so) und sehen sich in 10 Jahren auf vier Kontinenten. Dabei streichen Sie Ihre fingierten Kontakte nach Singapur, Kuala Lumpur, Katar und die Emirate heraus, behaupten, Sie hätten eine KI gesteuerte Bedarfsberechnung & eine Lieferkettenoptimierung, die lokale Produktion nachhaltig integriert, wobei die Produktpalette neben im Einkauf billigen Proteinen & Superfood-Elementen auch Spaß und Tradition beinhaltet, dazu vegan, koscher und halāl ist. Und natürlich ist Ihre App fast fertig und könnte nächste Woche gelauncht werden. Einen brauchbaren Businessplan entwirft Ihnen jedes dahergelaufene LLM.
Ich würde eine Bank mit schwächelnden Quartalszahlen wählen, die sind immer sehr panisch proaktiv und verzweifelt innovationsgeil am unteren Ende der Nahrungskette.
Viel Glück!
Leider werden Sie vermutlich mit Ihrer Tanzeinlage eher unnötig Kalorien verbrennen, statt welche in Form von Brötchen zu gewinnen… es sei denn Sie waren einst ein recht guter B-Boy und haben noch zwei, drei Moves drauf und ihr Körper ist noch einigermaßen in Form.
Was Businessplan und Bäckereikette anbelangt, so muß ich gestehen das ich subproletarischer Herkunft bin, daher stets nur durch Verausgabung von Nerv, Hirn und Muskel an Geld kam. Auch ein guter Anzug und hastig eingeübte Gesten und Auftreten hätten niemals genügt, glaubhaft bei der Bank zu erscheinen 😉
Mir gefällt Ihre Art zu schreiben!
Da meine B-Boy Zeiten wahrlich vorbei sind, würde ich kaum mit Artistik oder Eleganz glänzen können, aber ich hätte vielleicht noch motorische Komik auf der Habenseite. Es müssen auch nicht die guten Körnerbrötchen sein. Beim ersten Mal.
Was den Kredit angeht, haben Sie wohl recht, nur die wenigsten besitzen das Talent für solche Dreistigkeit – gottseidank!
Danke für’s Kompliment.
El-G / Niemand:
Sie bereichern mit ihren Kommentaren dieses Forum. Erfrischend
wieder intelligente und auch mit einer Priese humor gewürzte
Kommentare zu lesen. Weiter so !!
Sehr gutes Beispiel. Man kann auch eine Bäckerei-Kette kaufen. So wurden die Kamps-Filialen an Bellini in Italien verkauft. Der Name Kamps ist geblieben, aber das Erfolgsrezept von Kamps ist verschwunden, das Reinheitsgebot:
Unser Brot enthält nur, Mehl, Wasser, Hefe und Salz.
Ich backe mein Brot selber, nach dem gleichen Reinheitsgebot und mit selbstgezüchtetem Sauerteig.
Wie? Sie wollen nicht Teil des New-Bread-Future-Movements werden und sich sexy, jung, gesund und global bewusst fühlen? Keiner von den Guten sein, die mit unreflektiertem Konsum die Welt retten und sich dabei leicht fühlen (bzw. hohl)?
Gute Wahl!
Mit dem selbstgemachten Brot ist das so eine Sache: Es hält sich einfach nicht so lange. Wenn es duftend aus dem Ofen kommt und noch warm ist, fresse ich das wie blöde sofort weg, es ist einfach zu lecker…
Autor: „Bei der Geldschöpfung werden Geld und Schulden gleichzeitig in gleicher Höhe erzeugt und verbucht …“
Und nach vollständiger Rückzahlung „werden Geld und Schulden gleichzeitig in gleicher Höhe“ beerdigt und verbucht, sodass es vollständig verschwunden ist. Oder sehe ich das falsch? Lediglich die Zinsen verbleiben bei der Bank.
Bei Staatsschulden kommt es doch wohl darauf an wo der Staat sich verschuldet. Verschuldet er sich bei den eigenen Bürgern, dienen die dann auch gleichzeitig als Bürgen. Eine Schuldenfalle ist somit ausgeschlossen. Anders sieht es aus verschuldet sich der Staat beim globalen Kapitalmarkt, dann ist er diesem hilflos ausgeliefert und er kann von diesem an der Nase geführt werden (Beispiele sind viele Kapital-schwache Länder des globalen Südens, aber auch Griechenland und ehemals reiche Länder wie Argentinien).
Privat/Geschäftsbanken müssen bei Staatsbanken Sicherheiten hinterlegen. Natürlich weicht dieses immer weiter auf.
Witzig finde ich wie hier auf KI verwiesen wird, als Hort der alleswissenden (Müllhalde (Fraggles)).
Lieber nicht zu voreilig Tiefpunkte ausrufen da ist noch Luft nach unten.
Es gab (oder gibt) einen relativ hohen Zinsanteil in den Preisen und Steuern. Es muss ein Kapitalzinsverbot geben. Bei den anderen Zinsen (z. B. Mietzinsen) sollten die Gewinne sehr niedrig sein. Die Inflationsrate sollte im Durchschnitt bei Null liegen. Banken können u. a. durch Aktiengewinne finanziert werden. Der durchschnittliche Mietpreis war (oder ist) wegen der Spekulation höher als nötig.
Bitte klicke auf „Lebensreformer“.
Die Schuldenfalle schlägt spätestens dann zu, wenn das BIP in die Knie geht.
Dann wird bei jeder Umschuldung ein höherer Zins verlangt.
Die Schuldenfalle von Staaten erinnert an Krimiserien, in denen ein Mensch in eine Situation geraten ist, aus der er sich nur retten kann, wenn er sich bei einem Kredit-Hai Geld borgt. In diesem Fall werden Zinsen – und zwar Wucherzinsen – nicht nach einem Jahr fällig sondern nach einer Woche.
Der Schuldner ist dann ewig damit beschäftigt die Zinsen zu bezahlen ohne Aussicht je die ganze Schuld abzuzahlen, oder ihm wird vom Kredit-Hai gedroht beide Arme oder Beine zu brechen, wenn er nicht zahlt.
Aus so einer Situation glauben viele sich nur dadurch retten zu können, wenn sie sich das Geld durch ein Verbrechen beschaffen.
Staaten in der Schuldenfalle haben ähnliche Probleme.
Na, jetzt warte ich mal ab, ob der Herr Kenius nicht mal einen Artikel schreibt, in dem er behauptet, daß durch die Verschuldung die Inflation angeheizt wird.
Die Inflation wird durch die Vermehrung der Geldmenge „angeheizt“ und die Geldmenge wird durch Kredite gleichzeitig mit den Schulden vermehrt, bis die Schulden zurückgezahlt werden. Letzteres geschieht aber viel langsamer als die Aufnahme neuer Schulden. Alles hat mit allem zu tun, es kommt darauf an, dass man die mathematisch feststehenden Mechanismen erkennt. Viele wollen das nicht oder es ist ihnen zu abstrakt.
Mein Anliegen ist es, nicht Schuldige zu finden, sondern über die Axiome des Systems die funktionalen Zusammenhänge leicht verständlich und in begrenztem Umfang darzustellen.
Geliefert, wie bestellt.
Und das Tempo war atemberaubend.
Kenius schrieb erst:
„Für viele ist die Rückzahlung plus Zinsen unmöglich, weil das Geld, das im System insgesamt zur Verfügung steht, nicht für das Zinsaufkommen reicht. Jeder spürt das daran, dass sich eine allgemeine Geldknappheit ausbreitet.“
Und dann:
„Die Inflation wird durch die Vermehrung der Geldmenge „angeheizt“ und die Geldmenge wird durch Kredite gleichzeitig mit den Schulden vermehrt, bis die Schulden zurückgezahlt werden.“
Vielen Dank. Überlegte schon länger, ob ich mich mit ihren häufig etwas wirr erscheinenden ökonomischen Ausführungen näher beschäftigen soll.
Die Schuldenfalle wird nicht durch Inflation beseitigt. Inflation erleichtert aber die Rückzahlung ein wenig.
Inflation und Schuldenfalle sind zwei parallele Erscheinungen. Die Inflation entsteht durch die Geldvermehrung, die Schuldenfalle durch die Zinsen, wodurch die Schulden automatisch schneller wachsen als die Geldmenge. Es ist schwer, diese Dinge auseinanderzuhalten.
Meine Ausführungen sind nicht wirr. Wirr ist die landläufige Ökonomie, die nicht von Zahlen und ihren Beziehungen ausgeht, sondern von Thesen berühmter Ökonomen, die sich oft widersprechen und teiweise aus einer Zeit stammen, wo das Finanzsystem noch viel unbeweglicher und weniger expansiv war.
Danke für die Antwort.
Aber Geldknappheit und Inflation sind nun mal zwei gegensätzliche Phänomene und Sie postulieren beide.
Zudem habe ich den Eindruck, daß Sie einer ähnlichen Fehlvorstellung unterliegen wie die landläufigen Ökonomen. Während diese die Realität (und wohl auch die Mathematik) für ihre Modelle zurechtbiegen, sind Sie anscheinend der Ansicht, die ökonomische Realität müsse sich der Mathematik fügen. Den Gefallen wird sie ihnen aber nicht tun. Mathematik kann nur so gut sein, wie es die Zuschreibungen ihrer Variablen und Modelle erlauben. Was dann mathematisch zwangsläufig erscheint, muß es realiter nicht sein.
Wenn das Bild eine Schuldenfalle symbolisieren soll, dann fehlt aber der Köder!
Was müßte in dem kleinen Loch in dem Auslösebrettchen symbolisch als Köder
für die deutschen Schulden stecken? Ich würde auf den Namen Blackrock tippen.
Immerhin ist es aber eine Totschlagfalle 😉
Nein, das Köder ist Geld, das man aber nicht sehen kann, weil es digital übermittelt wird. Insofern ist das Bild korrekt. Dank an Florian Rötzer.
Glauben Sie eine Maus würde sich von einem imaginären Stück Käse in eine Falle
locken lassen? Eine sichtbare Falle bei der man sich die Belohnung erst vorstellen
muß, wird kaum oder gar nicht funktionieren. Dann müßte man schon eine versteckte
Falle, wie ein Schlageisen oder eine Drahtschlinge verwenden. Vielleicht würden diese
fiesen Fallen eher zu ihrem Artikel passen.
Das stimmt. Staatsanleihen kaufen überwiegend vorsichtige Anleger und wenn die auch nur die geringste Gefahr sehen, dass die Papiere nicht mehr bedient werden, wollen sie mehr Zins. So ab 100 Prozent des BIP kommt dieser Gedanke auf.
Diese Marke hat als erster Staat Japan erreicht. Sie hatten in den 80-ern Unsummen in KI gesteckt, ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen. Zurück blieb dieses Finanzloch. Aber im Gegensatz zu uns, handeln die Japaner das sehr elegant. Die Zentralbank BOJ kauft diese Papiere mit gedrucktem Geld. Da liegen sie nun und alle wissen, dass sie nie zurück gezahlt werden. Die Zinsen bekommt der Staat auf diese Weise wieder zurück. Keine Inflation, kein Außenwertverlust. Aber irgendwelche Eleganz ist von den Deutschen nicht zu erwarten, mit ihrer pathologischen Inflationsangst. Sie machen die EZB-Politik.
Werden nun die Kredite in Wohnungen investiert, dann werfen die über Jahrzehnte Mieten ab und sorgen für Konjunktur. Was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Kredit bedient werden kann. Auch Bildung wirkt so, denn der gebildete Mensch wird mehr BIP erwirtschaften als der nicht gebildete. Aber jetzt investiert man in Panzer. Die bringen gar nichts.
Vielleicht, wenn sie in fremden Ländern Beute machen? Wird aber nichts. Blick auf die Ukraine: die machen garantiert keine Beute.
Herr Kenius nimmt sich ein zweifellos sehr wichtiges Thema vor, doch kommt es mir so vor, als ob er letztlich doch etwas zögerlich ist und gerade dort nicht den Blick in die Zukunft wagt, wo er angebracht wäre …
Es gibt so einige Worte, die nicht nur er meidet, obwohl sie als Elefant im Raum stehen … Währungsreform ist eines davon.
Was außerdem oft vergessen wird: Die Schulden des Einen sind das Guthaben des anderen … !
—
Erstaunlicherweise geht Kenius mit keinem Wort (oder habe ich etwas überlesen?) auf den spektakulären Höhenflug von Gold und Silber ein, obwohl dieser Anstieg unbedingt Beachtung verdient.
Gold steht kurz vor 5000 $ / Unze (nur noch 25 $ fehlen daran) und Silber steht bei 100 $.
https://www.goldpreis.de/goldpreisentwicklung/
Dazu ein Zitat von Claus Vogt:
„Glauben Sie nicht, dass der Goldpreis durch die Decke gehen wird und große politische und gesellschaftliche Umwälzungen ausbleiben. Beides geht vermutlich Hand in Hand.“
Die Leute trauen den Fiatwährungen nicht mehr … selbst die Notenbanken tun das nicht mehr (…)
Gewiss kommen noch andere Gründe hinzu.
Ernsthaft? Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Konsum, Investition, Staatskredite … alles irgendwie das Gleiche? Und an Zinsen „denkt keiner“?
Das geht ja nicht mal als Kapitalismuskritik durch, das ist ja höchstens Kapitalismusignoranz.
Meinen Sie meinen Artikel oder von was reden Sie?
@Rob Kenius
Sehr geehrter Herr Kenius,
bei dem Publikum sollten Sie lieber Kochrezepte schreiben.
Ihnen empfehle ich mal das hier
https://www.youtube.com/watch?v=npqqyHRsLm8&list=WL&index=179
Dass sich der Staat auch stets versucht, über die Inflation zu entschulden, das dürfte hinlänglich bekannt sein. Und das war in der Historie auch niemals anders. Die Zentralbanken zwingen mit ihrer Geldpolitik die Anleger und Sparer dazu, sich mit negativen Realzinsen abfinden zu müssen. Daher auch der Begriff „Finanzielle Repression“.
Die EZB ist der Monopolist der Geldproduktion. Sie kann jede gewünschte Geldmenge schaffen und in Umlauf bringen. Wenn Inflation, auch höhere Inflation, politisch gewollt ist, so wird die Zentralbank versuchen, diesen Wunsch zu erfüllen. Der Begriff der Kerninflation ist nur eine Nebelbank, die den o.g. Sachverhalt ein Stück weit verschleiern soll.
So erklärte der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet (2012 bis 2019), den geldpolitischen Kurs der EZB recht, recht trefflich:
„Wenn man nur genug Geld druckt, dann bekommt man immer Inflation. Immer!“
Damit dürfte wohl für jedermann klar erkennbar sein, welches Ziel die momentan die an den maßgeblichen Schaltstellen agierenden EZB-Fürsten verfolgen, denn die haben offenbar nur einen einzigen Plan: Die Politik des massiven Gelddruckens so lange wie möglich fortzusetzen.
Und dass der inflationäre Effekt, den wir besonders stark in den letzten Jahren hauptsächlich bei den Vermögenspreisen wie Anleihen, Aktien, Immobilien, Kunstgegenständen, usw., beobachten konnten, nun auch in andere Bereiche überschwappt, sprich steigende Lebensmittel- und Spritpreise, steigende Wohnungsmieten und Energiekosten, etc., das dürfte auf der Hand liegen. Man muss eben nur genug Geld drucken, sprich den geldpolitischen Wahn auf die Spitze treiben. Es mehren sich die Anzeichen, dass eben auch die im üblichen Sprachgebrauch gängige Inflation für Güterpreise mittlerweile nicht mehr nur virulent erscheint.
Ein Schuldner, der zwar Schulden machen darf, der aber anschließend nicht zur Leistung zu zwingen ist, der muß und wird das Preisniveau inflationieren. Daher kann es in einer freien Wirtschaft immer nur eine Inflationsquelle geben:
Mr. Staat!!
Scheinbar ist die Inflation wohl die einzige finanzpolitische Notwendigkeit in einer Welt, die förmlich in Schulden ertrinkt. Und die Inflation erscheint als die einzige Möglichkeit, die relative Last dieser immensen Schulden zu lindern, ohne Massenkreditausfälle zu verursachen. Aber die Schulden des einen sind eben nun auch die Ersparnisse des anderen.
Whatever it takes ;-))
@Cajus
Ergänzen möchte ich, dass die Vermögenspreisblase ein sehr starkes Indiz für die neoliberale Umverteilung von unten nach oben ist.
Dem „automatischen Überschwappen“ aber muss ich widersprechen: ich bin davon überzeugt, dass ein derartiger Automatismus nicht existiert!
Der Kaufkraftverlust in der Breite ist das Ergebnis von Preissteigerungen infolge von Knappheiten (Verzicht auf billiges russ. Öl & Gas), was sich zwingend als Verteuerung von praktisch ALLEM auswirkte.
Ohne dieses Ereignis hätte es schon sehr kräftiger und breiter Lohnerhöhungen bedurft, um die Preise zu inflationieren.
Ja, es ist schon richtig, dass die Energiepreise stark angestiegen sind, die Begründung liegt hier jedoch eindeutig in den getroffenen politische Entscheidungen. Freiheitsgas aus den USA hat nun mal eben seinen Preis. Und hier kommt es eben auch zu einem Überschwappen in viele andere Sektoren, denn teure Energiepreise strahlen in fast sämtliche Industrie-Bereiche hinein und sorgen für eine entsprechende Teuerung der Produkte. Sehr viele Betriebe in Deutschland können ein Lied davon singen. Mit Verknappung der Energie hat das überhaupt nichts zu tun, wie gesagt, die Politik hierzulande hat es so gewünscht.
Laut des Statistischen Bundesamtes Destatis lag die „offizielle“ Inflationsrate YoY in den vergangenen vier Jahren bei 2,2%, in den Jahren zuvor auch deutlich über 2 Prozent.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html#:~:text=Die%20Verbraucherpreise%20in%20Deutschland%20haben,Verbraucherpreise%20hat%20sich%20damit%20stabilisiert.
Nach nur 10 Jahren hat das Geld nach offizieller Lesart dadurch bereits ca. 25% seines Werts verloren. Zweifelhaft, ob der einfache Bürger diesen Verlust so auffangen kann.
Hab´ne Idee wie man mühelos die Schuldenfalle knacken könnte. Das in USA gelagerte Gold wird an die ‚US versilbert, Hurra, 😉
Zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Gold sehen wir sowieso nie wieder, das steht nur in der Bilanz, ist wahrscheinlich schon im Besitz der Mafia, 😉
Aber wir sind ein Teil der Schulden los. 😉
Nun müssen wir sobald als möglich die Dollars zu einem gutem Kurs wieder loswerden. Wir könnten mit den Dollars z.B. bestimmten Staaten eine Infrastruktur verpassen, die auch den Namen verdient, So machst z.B. China.
Es wurde schon vor Jahren spekuliert, dass unser Gold in den USA längst weg ist.
Keiner hat sich einmal gewagt überhaupt nachzufragen geschweige denn einmal
nachzusehen, ob das Gold noch da ist. Man hätte es doch besser den damaligen Sowjets
anvertrauen sollen.
Alles kein Problem, Bei den vielen Nullen in Berlin holen wir jetzt Peter Zwegat und der räumt mal kräftig auf………
Das stimmt so nicht. Für das System hat es oberste Priorität, dass die Schuldner rückzahlungsfähig bleiben. Deshalb brauchen wir die Inflation. (Die durch ständige Erhöhung der Geldmenge gesichert ist.) Deflation würde die Rückzahlung erschweren, Kredite würden platzen und das System gefährden.
@Andree Jochmann
Dass das Bestandsinteresse des Systems die oberste Priorität darstellen würde, ist nur eine abstrakte These.
Hier herrscht eine Menge Unwissen über unser Geldsystem. Ich empfehle daher zum Einstieg „Helmut Creutz: Das Geldsyndrom“ und „Thomas Piketty: Das Kapital im 20-zigsten Jahrhundert“.
Folgende Grundsätze schon jetzt und hier:
1. Der Zins fliesst immer vom Schuldner zum Gläubiger.
2. Guthaben und Schulden wachsen gleichermassen exponentiell an.
3. Das Kapital neigt systemimmanent zur Konzentration und führt damit zu einer Umverteilung von arm nach reich.
4. Da der Grenznutzen des Kapitals mit zunehmenden Kapital sinkt (Gossen’sches Gesetz) muss Kapital vernichtet werden, damit die Rendite wieder steigen kann. Krieg ist dafür die effektivste Methode.
Zur konkreten Situation: Die USA sond mit 38 Billionen Dollar verschuldetnund konnten bishernihr ständiges Aussenhandelsdefizit und ihre 800 Militärbasen weltweit nur finanzieren, weil Öl in Dollar gehandelt wurde. Die Saidies haben den Vertrag nun nach 50 Jahren auslaufen lassen. Deswegen können die Amerikaner bald nicht mehr mit selbstgedruckten Dollars einkaufen. China hat seine Dollarreserven halbiert und sich damit überall in der Welt eingekauft.
China hat ein Abrechnungssystem geschaffen, das dem amerikanischen SWIFT-System Konkurrenz macht. Die Zahl der BRICSStaaten wächst.
Es ist abzusehen, dass der Dollar an Wert verliert. Das macht verständlich dass die Yankees versuchen, sich vor dem Rückzug auf die westliche Hemisphäre noch soviele Rohstoffquellen, wie möglich unter den Nagel zu reissen.
Der eirtschaftluche Niedergang wird vermutlich bon immensen inneren Spannungen begleitet werden. Die USA sind meiner Meinung nach angezählt und wir können nur hoffen, dass bis zur Etablierung einer multipolsren Weltornung der Ex-Hegemon nicht amok läuft.
Alles Rischtisch… 👍 💪
Nicht alles richtig, sondern zu ungenau. Meine Darstellung ist da etwas präziser. Schulden wachsen nicht exponentiell, weil sie von dem Verhalten der Schuldner und der Kreditaufnahme abhängen, das ist kein exponentieller Zusammenhang, sondern ein unübersichtlicher, aber statistisch sicherer Zusammenhang.
Die marxsche Theorie, „das Kapital neigt systemimmanent zur Konzentration und führt damit zu einer Umverteilung von arm nach reich“, ist zu vage und überholt. Geld wird durch Verschuldung von unten nach oben transferiert. Der Ausdruck systemimmanent erklärt nichts, das ist typisch für diese Theorie.
Die Erklärung für den Vorgang sind die obligatorischen Zinsen, die zu denen fließen, die weniger Zinsen zahlen, als sie an Zinsen kassieren. Man muss die in allen Preisen enthaltenen Zinsen beachten.
Genaueres in meinem Blog. Da werden die Zusammenhänge ohne die marxschen Begriffe und ohne Ideologie anhand von Fakten über die Geldbewegungen erklärt. https://kritlit.de/ton/9min.htm
Schon klar, Herr Kenius. Sie wissen alles besser.
Es geht voran.
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/orban-leakt-geheime-info-will-eu-800-milliarden-euro-in-die-ukraine-schicken-li.10015735
„Und jeder weiß, dass Deutschland noch nie mit Rüstung und Militär einen merkbaren wirtschaftlichen Gewinn erzielt hat, ganz im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien, Niederlande und, zweihundert Jahre zuvor, auch Spanien.“
Selbst wenn Deutschland theoretische Gewinne erzielen würde, wird sich in der Praxis letzten Endes Selensky die Überschüsse einheimsen. Ob Deutschland will oder nicht. Anderenfalls fliegt all‘ das bereits gelieferte, sowie von uns finanzierte, selbstproduzierte Waffengedöns mal schnell in eine andere Richtung…
Macht nix, für die Ukraine ist Geld da.
https://terminegegenmerkel.wordpress.com/2026/01/22/tgm-deutschlandtrend-januar-2026/
Reichlich.
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/orban-leakt-geheime-info-will-eu-800-milliarden-euro-in-die-ukraine-schicken-li.10015735
ZA „Der Unternehmergeist schwindet rapide, junge Menschen drängen dann in den sicheren Staatsdienst.“ ZE
Das ist interessant. Es scheint so zu sein, dass wenn es beim Staat keinen Arbeitsplatz zu vergeben gibt, weil dafür kein Arbeitsbedarf besteht, dann braucht sich jemand nur zu bewerben, und schon wird er angenommen. Er drängt sich herein, sozusagen. Wie bitte soll das gehen? Muss man dann eine Schusswaffe mitnehmen, oder reicht eine Machete?
Ab da habe ich nicht weitergelesen. . Denn das ist Quatsch. Und dann müsste der Autor bei einer angemessenen Wortwahl, auch mal darüber nachdenken, warum der Staatsapparat immer aufgeblähter wird und so langsam uns vorschreiben will, an welchem Wochentag wir welche Unterhosenfarben zu tragen haben.
@Peter Goldstein
Ich kann Ihre Kritik nicht nachvollziehen, denn Kenius hat hier doch tendenziell recht.
Feinheiten der Wortwahl scheinen mir unbedeutend.
Hier drängen sich manchmal Leute vor, die nur die Überschrift und vielleicht noch drei Zeilen lesen und dann einen Kommentar schreiben.
Sie, Herr Goldstein, haben wohl von dem Wort drängen eine völlig andere Vorstellung als ich. Ich bin halt ein friedlicher Mensch.
Wenn die mittelständische Wirtschaft schrumpft, wie es jetzt der Fall ist, werden junge Leute in Zukunft lieber eine Laufbahn in Staatsdienst anpeilen. Mehr habe ich nicht behauptet und es ist nur eine Nebenbemerkung, für den Rest des Artikels unwesentlich.
Die Beobachtung an meiner Arbeitsstelle im ÖD zeigt, dass Robert Kenius mit dieser Aussage recht hat. Früher 3 – 6 Bewerbungen für eine Stellenausschreibung, heute mehr als die 10fache Bewerberzahl. Und es werden immer mehr Stellen geschaffen. Bei uns sollen dieses Jahr 100 Leute neu eingestellt weden
Aber das Land ist pleite. Wo bisher 1 Direktor ausreichte, werden jetzt 3 gebraucht. Besoldung B6, soweit ich weiß
Vollpfosterei, was man auch liest.
Solange Kredite prolongiert werden können, stellen sie kein Problem dar.
Wenn man sich aber selbst durch eine restriktive Kreditpolitik stranguliert, dann schafft man sich ein 1929 mit allen Konsequenzen.
Solange Realzinsen niedriger als die Produktivität sind, stellen Zinsen kein strukturelles Problem dar.
Hirngespinstler haben individuelle Probleme, welche aber nur ihresgleichen verallgemeinern.
Wie hat der real existierende Sozialismus dieses Problem mit dem Sparen gelöst?
Eine angesparte Arbeitsstunden könnte später gegen eine solche eingelöst werden.
Damit wurde nicht nur das Nominalproblem umgangen, sondern auch der Produktivitätszuwachs integriert. Dann sind wir in kapitalistischen Verhältnissen auf Transformationsbasis bei positiven Realzinsen, nach denn die Arbeitswertlehre bilanziert.
Übrigens werden über von % der Schulden von Staaten und Reichen aufgenommen.
Wenn Staaten so doof sind, sich in fremder Währung zu verschulden, ohne dass dieser Umstand gehedgt ist, dann zeigen diese nur ihre offensichtliche Unfähigkeit.
Solche Schulden machen aber nur einen sehr kleinen Bruchteil aller Verbindlichkeiten aus.
Diese dann als repräaentativen Aufhänger zu verwenden, zeigt die Relevanz der dargebrachten „Kritik“ auf.
@Luck
Na ja, „Vollpfosterei“ würde ich das nicht nennen.
Sie schreiben zwar ganz richtig …
„Solange Kredite prolongiert werden können, stellen sie kein Problem dar“,
… verschweigen dann aber, dass es natürlich sehr wohl ein Problem darstellt, wenn sich angesichts wachsender Staatsschulden der jährliche Schuldendienst in der Summe erhöht. Der Haushaltsspielraum für andere Ausgaben wird schließlich kleiner.
Zwar kann sich ein Staat bzw. eine Notenbank es sich (im Gegensatz zu einem privaten Unternehmen) leisten, durch das Aufkaufen von Staatsschuldscheinen mit aus dem Nichts geschaffenen Geld erstens Höhe der Zinszahlungen zu begrenzen und zweitens auch die schiere Last der Schulden zu verringern, doch geht das nur über die Vermehrung der Geldmenge.
Einmal mag das so angegangen sein (2008), aber es wird nicht immer und nicht immer wieder so gehen können.
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.
Und unsere Fiatwährungen sind nahe dran.
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Hinzu kommt natürlich noch das weitere Problem, dass von der immer mehr aufgeblähten Geldmenge letztlich die ganz Reichen am meisten profitieren, was letztlich zu instabilen inneren Verhältnissen und einem Demokratieverfall führt.
Es ist insofern zu kurz geblickt, wenn man die wachsende Geldmenge nur ökonomisch, nicht aber auch soziologisch und politologisch betrachtet.
@ Wolfgang Wirth:
Wer den Inhalt meiner Kommentare hier kennt, kennt auch die Flankierungen, die zu setzen sind, um die negativen Folgen einer ausgeweiteten Geldmenge und Schuldendienst zu umgehen.
Ich habe nicht umsonst auf 1929 verwiesen. Die Zeche zahlte dabei so mancher Armer mit seinem Leben, aber selten ein Reicher.
Wenn sich eine Gesellschaft von des Restriktionen der Geldbasis entkoppeln kann, gibt es in dieser Hinsicht keinerlei Haushaltsbeschränkungen. Die einzige Friktionen sind Arbeitskraft und Ressourcen.
Asset-Inflation könnte relativ problemlos teilweise abgeschöpft werden (nicht konfiskatorisch) und auf dieser Ebene schon für relativ ausgeglichene Staatshaushalte sorgen.
Entscheidend ist aber, wie man Ressourcen verwendet. Und das haut mit reiner Plusmachersicht immer weniger hin.
Übrigens ist für mich niemand wirklich reich, der noch nicht genug hat, weil ihm seine Sucht die Möglichkeit zur Bescheidenheit nimmt. Das ist eine andere Form eines armen Würstchens, das sich selbst stresst, anstatt auf der Basis materieller Sicherheit andere Qualitäten zu wagen.
Der Text von Rob Kenius beschreibt reale ökonomische Symptome – Insolvenzen, Investitionsschwäche, Verunsicherung –, erklärt sie jedoch mit einem grundlegend falschen theoretischen Ansatz. Der zentrale Denkfehler liegt in der Annahme einer „mathematisch unvermeidlichen Schuldenfalle“, die sich aus der Giralgeldschöpfung und den Zinsen ergebe. Diese Argumentation stammt im Kern aus der Österreichischen Schule und scheitert an elementarer makroökonomischer Logik.
Zinsen sind kein externes Loch im System, für das „kein Geld existiert“, sondern Einkommen. Sie werden aus Löhnen, Gewinnen und Staatsausgaben bezahlt und fließen wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Problematisch wird es nicht wegen der Existenz von Zinsen, sondern dann, wenn zu viele Akteure gleichzeitig versuchen, Schulden abzubauen und zu sparen. Kreditrückzahlung bedeutet Geldvernichtung. Wenn Haushalte, Unternehmen und Staat gleichzeitig tilgen, schrumpft die Geldmenge, Nachfrage bricht ein, Umsätze sinken – genau die Pleitewellen, die Kenius beschreibt, entstehen dann erst.
Ein einfaches Beispiel: Wenn alle Mieter gleichzeitig ihre Wohnungen abbezahlen wollen und niemand mehr Miete zahlt, verlieren Bauunternehmen, Handwerker und Zulieferer ihre Einkommen. Die Fähigkeit zur Rückzahlung verschwindet durch den kollektiven Sparversuch selbst. Das ist das klassische Paradoxon des Sparens.
Deutschland konnte in der Vergangenheit dennoch gut dastehen, obwohl es Austerität betrieb – allerdings nicht wegen, sondern trotz dieser Politik. Der entscheidende Punkt, den Kenius übersieht: Deutschland sparte, während andere Länder Defizite machten. Die Nachfrage kam aus dem Ausland, getragen von Exportüberschüssen. Dieses Modell ist nicht verallgemeinerbar. Wenn alle sparen wollen, fehlt zwangsläufig die Nachfrage.
Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in Staatsschulden an sich, sondern in gleichzeitiger Austerität bei privatem und öffentlichem Sektor. Schuldenabbau in einer Rezession erstickt jede Erholung im Keim. Nicht Schulden sind das Problem, sondern falsches Timing und falsche Verwendung. Rüstungsausgaben verschärfen dies zusätzlich, da sie kaum produktive Nachfrage erzeugen.
Kurz gesagt: Kenius beschreibt die Krise richtig, zieht aber die falschen Schlussfolgerungen. Austerität heilt keine Schuldenkrise – sie erzeugt sie.
Seit Einführung des Euro wächst Deutschlands Schuldenberg unaufhaltsam, während hohe Steuern Bürger und Wirtschaft lähmen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass aus der Finanzkrise eine gesellschaftliche und politische Katastrophe wird.
Einzig der Punt, dass Schulden für Rüstung falsch sind, ist korrekt. Denn die absurde Aufrüstung ist rausgeschmissen Geld und eine gigantische Umvwrteiling nach oben.
Ansonsten ist leider die Analyse grundsätzlich falsch. Die €-Scgulden lassen sich durch die EZB mit einem Knopfdruck erledigen. Die Schuldenaufnahme lässt sich durch eine adäquate Besteuerung der Top3% und die Verfolgung der Steuerhinterziehung (200Mrd€ p.a.) mindestens deutlich reduzieren, wenn nicht sogar verschwinden lassen.
Es ist jedoch politischer Wille, den Top3% nicht ans Säckel zu gehen und den Rest finanziell zz strangulieeen.
Insofern ist der Artikel erheblich unterkomplex.
Bund und Länder haben 2025 zusammengenommen 946 Milliarden an Steuern eingenommen.
Wie kann es sein, das für 6 Millionen Beamte Gehälter und Pensionen in Höhe von 400 Milliarden als Kostenfaktor zu Buche stehen?
40% der Staatseinnahmen!
Eine schier unglaubliche Zahl.
https://deutsch.news-pravda.com/germany/2026/01/24/588678.html
Das ganze Interview mit Jasmin Kosubek gibt es hier
https://www.youtube.com/watch?v=5KRwoJQdPGc
Und?
Und was? können Sie auch einen Satz sagen?
Was wollen sie denn mit dem Hinweis auf die öffentlich bekannte Tatsache, dass 5,4 Millionen Staatsbedienstete – die übrigens nicht alle Beamtenstatus haben – jährlich rund 400 Milliarden € kosten bezwecken?
*was wollen Sie denn damit bezwecken* ROFL* 🤣 SCNR 😎
Es es gilt erstens zu unterscheiden ob es öffentlich bekannt ist, oder der Öffentlichkeit bekannt ist. Und ich glaube das ist der Öffentlichkeit so in der Form nicht bekannt.
40% der Staatseinnahmen nur für Staatsdiener! Meinen Sie nicht dass das ein bisschen viel ist?
Einar von Vielen
Wieviel hätten sie denn gerne bzw. was hätte sie denn nicht erschreckt: 350 Milliarden? 300 Milliarden? 250 oder eher 150 Milliarden?
Das Durchschnittseinkommen eines Staatsangestellten beträgt ca 60-70.000 € jährlich.
Was ist daran „schier unglaublich“?
Es gibt Menschen, deren Einkommen bei 2-3 Milliarden $ jährlich liegt. Das finde ich unglaublich.
Was wollen sie denn dann damit sagen?
Wir haben zu viele Staatsangestellte oder zu faule oder was? Wollen sie die Gehälter kürzen oder die Anzahl? Sind Berufsfeuerwehrleute überbezahlt? Was ist komisch daran, dass der Staat unsere Steuergelder u.a. in die Berufsfeuerwehr steckt?
Was wollen sie mit der Zahl 400 Milliarden bezwecken? Kundtun, dass Jasmin und sie nicht rechnen können?
„Was ist daran „schier unglaublich“?“
Die Anzahl der Staatsdiener! Indignez-vous !
Go to start:
https://overton-magazin.de/top-story/deutschland-in-der-schuldenfalle/#comment-345113
Um wieviel? 10 %, 30 %?
Um 50 % auf 200 Milliarden? Oder was?
Kommen wir mit der Hälfte der Feuerwehrleute aus?
ich glaube dass sie sich hier verrennen. Es ist doch unstimmig dass dieser aufgeblähte Beamtenstaat einer grundlegenden Reform bedarf, nicht wahr?
Es es geht um Beschränkung. Schlicht und Einfach. Übrigens, das Deutsche Reich von 1871 bis 1918, ist mit 10.000 Beamten ausgekommen.
nur ein Link von vielen ich könnte hunderte bringen.
https://www.fr.de/wirtschaft/beamte-pension-rente-kosten-steuerzahlerbund-holznagel-hoehe-beschraenkung-92184761.html
mit freundlichem Verweis auf:
https://overton-magazin.de/top-story/deutschland-in-der-schuldenfalle/#comment-345216
Einar von Vielen
Rund 40.000 Berufsfeuerwehrleute in Deutschland (25.000 Freiwillige Feuerwehrleute zusätzlich, um an meinem Beispiel festzuhalten). Was wollen sie mir erzählen?
Außerdem geht es hier nicht nur um Beamte, wie ich schon ausführte, was sie mit der feschen Jasmin aber suggerieren wollen.
Sie wollten aufgrund einer bloßen Zahl für Empörung sorgen, ohne diese ins Verhältnis zu setzen. Ist die Bewerbung an ‚Bild‘ schon raus?
Es tut mir ja leid, dass ihnen das Lachen im Halse stecken blieb, aber verarschen können sie sich selber.
Und falls Sie noch lesen sollten: die Beamtengehälter sind gesetzlich fixiert, die Gehälter der übrigen im öffentlichen Dienst tätigen Menschen nicht. Die künstlich geschürte Beamtenschelte durch Neid- und Empörungsdebatten dienen nur dazu, die Öffentlichkeit als Handlanger zu benutzen, um die Gehälter zu kürzen oder einzufrieren, wovon die Beamten nicht betroffen sind. Deswegen habe ich auf ihren Kommentar reagiert, nicht weil ich Beamter bin oder im öffentlichen Dienst stehe, sondern weil dies eine Kampagne ist, die sie (gedankenlos?) damit unterstützen.
Ihre Zahlen stimmen nicht!
Mir erschien ihre Zahl der genannten freiwilligen feuerwehrleute viel zu gering. deswegen habe ich mal kurz recherchiert.
1.028.021
lt. deutschem feuerwehrverband. Die Zahlen sind vom 31. Dezember 2023.
knapp eine Million freiwillige Feuerwehrleute. Das sind 25 mal mehr als Berufsfeuerwehrleute und das ist gut so und geht auch nicht anders. Es wäre auch gar nicht zu finanzieren. In kleinen Verwaltungsgemeinden mit schmalem Budget ist man auf die Freiwillige Feuerwehr angewiesen.
Man stelle sich vor wir hätten eine Million Berufsfeuerwehrbeamte. Absurd nicht?
Durch Rabulistik (Wortverdreherei) werden ihre Argumente auch nicht besser. Niemand bezweifelt die Notwendigkeit von Krankenschwestern und Feuerwehrleuten, denn darum geht es doch gar nicht.
Es geht einzig und allein darum dass wir, als Bürger, einen ständig wachsenden, nicht mehr zu finanzierenden Verwaltungsüberbau gegenüberstehen der fett geworden ist, und die Tätigkeit der Bürger und Unternehmen
lähmt, hindert und schleift.
Komplexe Verfahren, Regelflut, Redundanzen und Schwerfälligkeit sind das Gegenteil eines straff geführten und schlanken Staates.
Dass sie darüber nicht diskutieren wollen, wirft Fragen auf. Gehören sie zu der Gruppe der Beamten und Staatsbediensteten? Erhalten Sie Gelder und oder Zuwendungen von einer regierungsfinanzierten Nichtregierungsorganisation (GONGO)?
im Übrigen werde ich mich zu ihren argumentum ad personam und argumentum ad hominem nicht mehr äußern.
Letzter Kunstgriff
von Arthur Schopenhauer
Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt. Nun frägt sich, welche Gegenregel hiebei für den andern Teil gilt. Denn will er dieselbe gebrauchen, so wirds eine Prügelei oder ein Duell oder ein Injurienprozeß.
Man würde sich sehr irren, wenn man meint, es sei hinreichend, selbst nicht persönlich zu werden. Denn dadurch, daß man Einem ganz gelassen zeigt, daß er Unrecht hat und also falsch urteilt und denkt, was bei jedem dialektischen Sieg der Fall ist, erbittert man ihn mehr als durch einen groben, beleidigenden Ausdruck. Warum? Weil wie Hobbes de Cive, Kap. 1, sagt: Omnis animi voluptas, omnisque alacritas in eo sita est, quod quis habeat, quibuscum conferens se, possit magnifice sentire de seipso. – Dem Menschen geht nichts über die Befriedigung seiner Eitelkeit und keine Wunde schmerzt mehr als die, die dieser geschlagen wird. (Daraus stammen Redensarten wie »die Ehre gilt mehr als das Leben« usw.) Diese Befriedigung der Eitelkeit entsteht hauptsächlich aus der Vergleichung Seiner mit Andern, in jeder Beziehung, aber hauptsächlich in Beziehung auf die Geisteskräfte. Diese eben geschieht effective und sehr stark beim Disputieren. Daher die Erbitterung des Besiegten, ohne daß ihm Unrecht widerfahren, und daher sein Greifen zum letzten Mittel, diesem letzten Kunstgriff: dem man nicht entgehen kann durch bloße Höflichkeit seinerseits. Große Kaltblütigkeit kann jedoch auch hier aushelfen, wenn man nämlich, sobald der Gegner persönlich wird, ruhig antwortet, das gehöre nicht zur Sache, und sogleich auf diese zurücklehnt und fortfährt, ihm hier sein Unrecht zu beweisen, ohne seiner Beleidigungen zu achten, also gleichsam wie Themistokles zum Eurybiades sagt: πάταξον μέν, άκουσον δέ. Das ist aber nicht jedem gegeben.
Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica gibt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen, die man kennt, und von denen man weiß, daß sie Verstand genug haben, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen, und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehn; und endlich, daß sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können, Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der andern Seite liegt. Daraus folgt, daß unter Hundert kaum Einer ist, der wert ist, daß man mit ihm disputiert. Die Übrigen lasse man reden, was sie wollen, denn desipere est juris gentium, und man bedenke, was Voltaire sagt: La paix vaut encore mieux que la vérité; und ein arabischer Spruch ist: »Am Baume des Schweigens hängt seine Frucht der Friede.«
Das Disputieren ist als Reibung der Köpfe allerdings oft von gegenseitigem Nutzen, zur Berichtigung der eignen Gedanken und auch zur Erzeugung neuer Ansichten. Allein beide Disputanten müssen an Gelehrsamkeit und an Geist ziemlich gleichstehn. Fehlt es Einem an der ersten, so versteht er nicht Alles, ist nicht au niveau. Fehlt es ihm am zweiten, so wird die dadurch herbeigeführte Erbitterung ihn zu Unredlichkeiten und Kniffen [oder] zu Grobheit verleiten.
Zwischen der Disputation in colloquio privato sive familiari und der disputatio sollemnis publica, pro gradu usw. ist kein wesentlicher Unterschied. Bloß etwa, daß bei letzterer gefordert wird, daß der Respondens allemal gegen den Opponens Recht behalten soll und deshalb nötigenfalls der praeses ihm beispringt; – oder auch daß man bei letzterer mehr förmlich argumentiert, seine Argumente gern in die strenge Schlußform kleidet.
Quelle:
https://www.projekt-gutenberg.org/schopenh/eristik/erist38.html
@ n.b. und einige andere Kommentare
Mathematisch exaktes Denken ist nicht weit verbreitet, es ist sogar unbeliebt in einer Öffentlichkeit, in der es an erster Stelle darauf ankommt, dass man Zugang zu den Medien hat. Wenn es aber um Geld, Finanzmacht, Schulden und Inflation geht, führt mathematisches Denken zu den richtigen Ergebnissen. Das liegt daran, dass unser Geld, um das es dabei geht, immer eine Zahl ist. Und für Zahlen gelten mathematische Regeln, Größenverhältnisse und das Kontinuitätsprinzip. Das bedeutet, Geld bewegt sich, aber es verschwindet nicht, man kann es bilanzieren und die Bilanz muss stimmen.
Jetzt kommt aber eine raffinierte Regel des Bankensystems hinzu, es handelt sich um ein Feudalrecht, das Banken sich über Jahrhunderte genommen haben. Banken können Geld erschaffen. Sie vergeben Kredite über mehr Geld, als sie besitzen, sie machen Gutschriften, die wie Geld funktionieren, über Geld das sie nie besessen haben, und erschaffen damit Geld aus dem Nichts.
Dieses Geld ist mit einer Schuld in gleicher Höhe verbunden. Wenn die Schuld zurückgezahlt wird, verschwindet dieses Buchgeld wieder. Doch so lange das nicht geschieht, existiert das von den Banken generierte Geld im öffentlichen Geldverkehr und es befolgt die gleichen mathematischen Regeln wie jedes andere Geld. Das summiert sich auf, weil immer mehr Schulden gemacht werden, als es Rückzahlungen gibt. So wird die Geldmenge aufgebläht und man kann davon ausgehen, dass jetzt, im 21. Jahrhundert, 90% allen Geldes von Banken generiertes Buchgeld ist.
Es gibt aber noch ein riesiges Bankenprivileg, das Recht, Zinsen zu verlangen für Geld, das sie nie besessen haben und das bedeutet unterm Strich folgendes: Es werden Geld und Schulden in gleicher Höhe generiert, aber auf der Seite der Schuldner kommen die Zinsforderungen hinzu, doch das Geld für die Zinsen wird dabei nicht generiert, es fehlt im System. Alle Schulden plus Zinsen können nicht zurückgezahlt werden. Das ist die Schuldenfalle, die mit mathematischer Sicherheit existiert, die aber schwer verständlich ist, weil mehrere Spielregeln des Finanzsystems ineinander greifen. Je größer der Kredit, desto tiefer die Fallgrube.
Daraus ziehe ich keine Schlussfolgerungen, ich behaupte nur, dass die Schuldenaufnahme ins finanzielle Desaster führt, mit mathematischer Sicherheit. Alle rein verbalen Argumente sind schwach dagegen oder sie beziehen sich nur auf die 10% allen Geldes, das nicht durch Schuldenaufnahme entstanden ist. Diesen Bereich habe ich nicht behandelt, sondern vernachlässigt, um den Blick auf die Schuldenfalle zu richten.
Es handelt sich ja um einen Text von etwa 6.000 Zeichen, mehr nicht.
Mein Podcast über das Finanzsystem hat 15 Folgen zu 9 Minuten:
https://kritlit.de/ton/9min.htm
Sie schreiben selbst, daß das schon seit Jahrhunderten so läuft. Mal sehen, ob Sie ihre mathematisch sichere Schuldenfalle noch erleben.
Außerdem lassen Sie bei ihrer theoretischen Spielerei die Realwirtschaft völlig außen vor.
Wie sollte Wirtschaft wachsen, wenn die Geldmenge immer gleich bleibt?
Der Geldmenge gegenüber stehen nämlich sämtliche produzierten Güter, also z.B. auch Immobilien, Gold etc..
In ihrem System könnte Wirtschaft gar nicht wachsen, da die Geldmenge gleich bleiben muß, um nicht zum GAU zu führen. Das hätte auch sämtliches Bevölkerungswachstum in den letzten Jahrhunderten verhindert, da immer mehr Menschen bei gleich viel Geld.
Oder Sie schaffen die Zinsen ab. Dann gäbe es aber niemanden mehr, der Kredite vergibt, was dann auf das gleiche hinausläuft.
vollste Zustimmung 👍
Heinsohn/Steiger weisen in dieselbe Richtung. Dr Paul C. Martin alias dottore hat im gelben Forum ausführlichst darüber geschrieben.
Weiter so, mit noch größerer Anstrengung.
Es nennt sich Debitismus
https://dasgelbeforum.net/index.php?mode=thread&id=648126
https://humane-wirtschaft.de/sloterdijk-heinsohn-und-steiger/
In dem Buch von Hans Fallada „Kleiner Mann was nun“ wird anhand einer alten Frau, der Witwe Scharrenröder, eindrücklich geschildert, was die kriegsbedingte Inflation mit den kleinen Leuten macht: „Fünfzigtausend… wie können 50.000 alle sein? Ich hab hier gesessen, ich hab gerechnet was ich alles angeschafft habe, die Jahre seit mein Mann tot ist. Strümpfe und ein paar Hemden, ich hab‘ ne schöne Aussteuer gehabt, ich brauch nicht viel. Keine 5.000 sag ich ihnen.“ -„Aber da war die Geldentwertung“ macht Lämmchen einen neuen Versuch (Es geht um die Hyperinflation von 1923). „Ich will Ihnen die Bücher zeigen, ich hab es jetzt gemerkt, die Zahlen sind nachher ganz anders, so viele Nullen.“ Aber der Kaiser hatte einen ruhigen Lebensabend in Doorn …