Der Staat sorgt für die optimalen Geschäftsbedingungen seines Kapitals – und das Kapital?

Bild: Tim Reckmann/ccnull.de/CC BY-2.0

Die Wirtschaft unterstützt die politische Linie – und unterläuft sie, wenn es ihr am besten passt und noch erlaubt ist. Kapital mit und ohne Vaterland – Teil 2.

Deutsche Unternehmen halten gegen Ansagen aus Berlin am Geschäft mit Russland und China fest. Aber immer mehr Firmen sind scharf auf Berlins Rüstungsaufträge. Was ist mit dem Kapital los? „Vaterlandslose Gesellen“, strammstehende Nationalisten oder beides? Teil 1: Kapital mit und ohne Vaterland.

Das Geschäft mit dem ausgemachten Feind Russland und mit dem „Systemrivalen“ China sieht die Bundesregierung in Berlin sehr kritisch. Doch einige Unternehmen folgen nicht der Ansage, ihr Engagement einzustellen. Laut Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer sind weiterhin rund 2.000 deutsche Firmen in Russland aktiv. Dazu zählen unter anderem Beiersdorf, Bayer, der Käseproduzent Hochland, der Gipshersteller Knauf und der Joghurtanbieter Ehrmannn. Trotz des EU-Sanktionsregimes erwarten die Unternehmen Wachstum in den Branchen IT, Telekommunikation, Pharmazie und Gesundheitswesen. Eine andere Erhebung der Yale University kam 2024 zu ähnlichen Ergebnissen. Auch viele internationale Konzerne haben ihr Engagement in Russland entweder weitergeführt oder nur teilweise reduziert.

Zur Begründung wird allerdings nicht schlicht angeführt, dass man sich durch die de facto-Kriegserklärung des Westens keinesfalls das Geschäft kaputt machen lasse. Vielmehr wird mit der Versorgung der Bevölkerung argumentiert, die sonst auf westliche Medikamente oder Schokoriegel verzichten müsste. Der Vorstandsvorsitzende des US-amerikanischen Konzerns Mondelez mit Marken wie Milka, Oreo und Tuc, Dirk von de Put, betonte ebenfalls, „in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Lebensmittel zur Verfügung“ stellen zu wollen.

Er führte im Interview mit der „Financial Times“ aber noch weitere Gründe für sein Russlandgeschäft an: „Investors do not ‚morally care‘ if groups stay in Russia.“ Dem Geldadel ist es eben schlicht egal, wo die Geschäfte laufen, Hauptsache, sie laufen. Eine Aufgabe der Aktivitäten in Russland helfe nur der Konkurrenz: „Würden wir unsere Geschäftstätigkeit vollständig einstellen, liefen wir Gefahr, unser gesamtes Geschäft einer anderen Gruppe zu überlassen, die den gesamten Erlös für ihre eigenen Interessen verwenden könnte.“ Aber natürlich habe man die „brutale Aggression gegen die Ukraine verurteilt“ (Focus online, ebenda)

Wenn Krieg vorbereitet wird, hat auch das Kapital zu spuren

Die zahlreichen Sanktionen der EU gegen Russland befolgen die Unternehmen schon. Da bleibt ihnen nichts anderes übrig, empfindliche Strafen drohen. Und sicher gibt es bei einigen Konzernen wie VW, Allianz oder Deutsche Bank auch die Vorsicht, die erklärte Feindschaft Deutschlands nicht zu sehr zu unterlaufen. Aber was an Geschäft möglich ist ohne negative Konsequenzen, findet statt.

Das deutsche Kapital kennt schon sein Vaterland und will dem Aufmarsch gegen Russland nicht im Wege stehen. Begeistert sind die Unternehmen indes nicht: Viel Geschäft wird zerstört, und die Energiepreise sind enorm gestiegen. Sie fügen sich der aktuellen Ansage der Regierung, machen jeweils für sich das am wenigsten Schlechte daraus. Da hilft dann auch kein noch so intensives Lobbying: Wenn die Herrschaft sich auf einen Krieg vorbereitet, haben alle Teile der Gesellschaft zu spuren – gerade das Kapital, das den nötigen Reichtum produziert für einen möglichen Waffengang.

Berlins Attacken gegen Peking: beinahe geschäftsschädigend

Mit China befindet sich Deutschland zwar noch nicht in einem kriegerischen Konflikt. Jedoch äußert die Politik Unbehagen über das dort ungebrochen starke Engagement der deutschen Wirtschaft. Die Abhängigkeit von vielen Rohstoffen und Produkten sei zu groß. Man müsse die Risiken verringern (das sogenannte De-Risking). Was auf der anderen Seite dem Interesse Deutschlands und der EU widerspricht, den riesigen chinesischen Markt für das hiesige Kapital zu nutzen. Da wird dann Klage geführt über unfaire Handelspraktiken und Subventionen Pekings. Damit würde den deutschen Unternehmen ihr Geschäft erschwert. Mit dem Hin und Her zwischen verlockenden Geschäftsmöglichkeiten und Furcht vor zu großen Abhängigkeiten ist die Lage aber noch nicht komplett: Verschärfend hinzu kommen die diplomatischen Attacken der Bundesregierung. China unterstütze Russland im Ukraine-Krieg und bedrohe Taiwan, lauten die immer wieder vorgetragenen Vorwürfe.

Letztere Kritik ließ sich wiederum Peking nicht gefallen und stufte den Antrittsbesuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) demonstrativ ab. Wadephul stornierte daraufhin seine Reise. Anfang Dezember 2025 kam es dann doch zur Visite – und der Außenminister erneuerte die Haltung der Bundesregierung, allerdings etwas weniger konfrontativ: „Wenn es eine Änderung des Status quo geben soll, dann muss diese aus unserer Sicht friedlich herbeigeführt werden.“ Er betonte, das Gewaltverbot der UN-Charta gelte auch in der Taiwan-Straße. Und China müsste den Druck auf Russland erhöhen, den Ukraine-Krieg zu beenden (Sina-Maria Schweikle: Alles mal ansprechen, in: Süddeutsche Zeitung, 9.12.2025).

Aus Sicht der in China engagierten Unternehmen ist diese Haltung beinahe geschäftsschädigend. Oder, ebenfalls diplomatisch ausgedrückt: „Für die deutsche Wirtschaft in China wäre mehr Klarheit bei vielen Themen, die die Beziehungen betreffen, wichtig“ (Oliver Oehms, Deutsche Handelskammer in Nordchina). Denn wenn der Souverän über einen der größten Märkte der Welt sich die Ansagen aus Berlin nicht gefallen lässt, kann der schnell und wirkungsvoll die Geschäfte der Deutschen zunichtemachen – in China und zuhause. Entsprechend groß die Aufregung, als Peking die Beschränkung des Exports von Seltenen Erden und Halbleitern ins Spiel brachte.

BASF und andere: Das deutsche Kapital kann von China nicht lassen

Wenig begeistert zeigt sich auch die Bundesregierung über die Milliarden-Investition von BASF. Der damalige Vorstandschef Martin Brudermüller erklärte im Oktober 2022: „Wir kommen in der Summe zum Schluss, dass es vorteilhaft ist, unser Engagement dort (in China – B.H.) auszubauen.“ . Am riesigen Wachstumsmarkt China käme man nicht vorbei. Tatsächlich ist im November 2025 der neue Verbundstandort für die Herstellung von Basischemikalien in Zhanjiang in Betrieb gegangen. Es handelt sich um die drittgrößte Produktionsstätte von BASF nach Ludwigshafen und Antwerpen, mit der bisher größten Einzelinvestition von 8,7 Milliarden Euro.

BASF ist mit ihrem Engagement nicht allein. Auch viele andere deutsche Unternehmen, nicht nur große, sondern aus dem Mittelstand, setzen weiter auf ihr Geschäft in China. Verstärkt suchen sie Kooperationen mit einheimischen Firmen. Dann findet die Produktion als chinesische statt, eine Absicherung gegen etwaige Beschränkungen des Staates gegen ausländische Waren. Hohe Zölle Pekings wären dann kein Thema. Es geht außerdem darum, „Know-how als Katalysator zu nutzen und das Geschäft in China auszubauen“. In einer Umfrage der „Außenhandelskammer Greater China“ gaben 75 Prozent der Unternehmen an, dass die Beziehungen zwischen China und der EU beziehungsweise Deutschland ihr Geschäft beeinflussen: „Gleichzeitig ist die Verbesserung des China-Bildes in Deutschland die relevanteste Erwartung an die deutsche Bundesregierung.“

Auftrag an die Politik: Regelt das mit China und lasst uns die Geschäfte machen

Wie diese Verbesserung aussehen sollte, ist offensichtlich: Das Geschäft des deutschen Kapitals in und mit China nicht hintertreiben. Etwa mit politischen Attacken, die eine geschäftsschädigende Gegenreaktion provozieren. Das bedeutet nicht, dass die Unternehmen dem Standpunkt ihrer Regierung offen widersprächen. Sie wissen aber um das Interesse Berlins an einem florierenden Kapital und erinnern daran: Bei allem politischen Gegensatz und dem Versuch, der Weltmacht China mit der Möchtegern-Weltmacht Deutschland / EU die Stirn zu bieten, möge man bitte nicht vergessen, welche überragende Bedeutung China für die Akkumulation von Reichtum hierzulande hat.

Man will nicht als „vaterlandsloser Geselle“ erscheinen. Aber in einer globalen Konkurrenz handelt das Kapital nun einmal global. Konflikte zwischen Staaten behindern das Geschäft. Deshalb der Auftrag an die Politik: Regelt das mit China! Und die Politik antwortet: Machen wir ja. Nur lassen wir dabei unseren politischen Gegensatz nicht sausen. Also geht es weiter mit Drohungen, Beschwichtigungen und Vereinbarungen, um beides hinzukriegen.

Aufrüstung: Zwischen Staat und Kapital passt kein Blatt Papier

Die deutschen Unternehmen sind mithin unzufrieden mit der Bundesregierung, sind nicht geschlossen auf Linie bei deren Verhältnis zu Russland und China, und ebenso wenig einheitlich verweigern sie sich den Avancen der AfD. Wo bleibt da das Positive? Zeit für den Auftritt der Bundeswehr: Von Klagen hiesiger Firmen über zahlreiche neue Rüstungsaufträge ist nichts bekannt. Im Gegenteil. Autohersteller wie VW, Autozulieferer wie Trumpf und Deutz, IT- und Elektronikindustrie, unter anderem Siemens, Textilproduzenten wie die Outdoor-Marke Schöffel, Raum- und Luftfahrtkonzerne wie Airbus, die Deutsche Lufthansa und viele andere Branchen stehen Gewehr bei Fuß. Natürlich ganz vorn dabei die etablierten Waffenschmieden wie Rheinmetall, Hensoldt oder ThyssenKrupp.

Hier passt zwischen Vaterland und Kapital kein Blatt Papier. Was Wunder, schlägt sich doch die politische Linie unmittelbar in den Auftragsbüchern einer Reihe von Unternehmen nieder. Auch bei einigen, die der angeschlagenen Autobranche angehören und unter Auftragsmangel leiden. Zum Beispiel der Zulieferer Schaeffler AG: Er setzt nun eine Tradition fort. Bereits im Dritten Reich war das Unternehmen Rüstungslieferant. Konzernchef Klaus Rosenfeld betont aber, man habe „nach langer und nicht einfacher, interner Diskussion im Sommer beschlossen, in das Verteidigungsgeschäft einzusteigen“. Denn es gehe „letztlich um Verteidigungsfähigkeit (…) Dabei muss es unser Ziel sein, dass es gar nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt. Es geht um Abschreckung“ (Caspar Busse und Uwe Ritzer: „Wir werden ein Unternehmen mit Rüstungsgeschäft“, in: Süddeutsche Zeitung, 22.12.2025).

Waffen liefern und damit Krieg verhindern? Irrsinn, aber nicht fürs Kapital

Was kann besser sein als ein sicheres Zusatzgeschäft, und das auch noch in einem friedenstiftenden Auftrag? Ob der Manager Rosenfeld wirklich daran glaubt, dass ein Staat mit großer Waffengewalt diese genau deswegen nicht einsetzt? Das Beispiel aus den USA könnte ihm aktuell zu denken geben, oder das aus den Zeiten von Schaeffler im Dritten Reich. Und warum rüsten Staaten eigentlich ständig gegeneinander? Da prallen stets ziemlich gegensätzliche Interessen aufeinander. Zum Beispiel die, dem Gegner die Bedingungen diktieren zu können, wie er sich vom auswärtigen Kapital benutzen lässt. Wenn das „friedlich“ funktioniert, gut. Wenn nicht, weil die Gegenseite auf ihren Vorteil besteht, stehen ökonomischer Druck, Sanktionen, Handelskrieg und richtiger Krieg zur Verfügung.

So schließt sich der Kreis: Der Staat sorgt für die optimalen Geschäftsbedingungen seines Kapitals. Das Kapital seinerseits dankt es ihm mit reichlich Profit, an dem er den Staat teilhaben lässt. Und wenn der Staat bei seinen Händeln mit anderen Staaten auf Widerstand stößt, steht ihm sein Kapital mit dem nötigen Gewaltmaterial gern zur Seite. Da weiß es dann sehr wohl, wo sein „Vaterland“ liegt.

Björn Hendrig

Björn Hendrig ist von Hause aus Journalist, längere Zeit auch tätig in der akademischen Lehre für Journalismus und Public Relations. Langjähriger Autor bei Telepolis und bei Overton. Björn Hendrig ist ein Pseudonym.
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18 Kommentare

  1. Autor: „So schließt sich der Kreis: Der Staat sorgt für die optimalen Geschäftsbedingungen seines Kapitals.“

    Der Autor ist nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge: In Deutschland schließt sich der Kreis seit der Zeitenwende nicht mehr. Seit 2022 haben wir einen enormen Kapital-Schwund in Deutschland, es fließt sehr viel mehr Kapital weg als zu uns kommt, als bei uns investiert wird. Ideologische Werte sind den Regierenden wichtiger als materielle Werte. Sie sind Gefangene ihrer Ideologie und wir (das Volk) die Opfer ihrer Ideologie von „Freiheit und Demokratie“.

    1. Du und auch der Autor übersehen eine Kleinigkeit: „das Kapital“ mit einheitlichen 100%ig kongruenten Interessen gibt es nicht, es gibt Kapitalfraktionen mit teilweise sogar komplett gegensätzlichen Interessen (was dann auch zu Imperialistischen Kriegen führen muss). Einig sind sich alle nur im Profitinteresse und darin, die Ausgebeuteteten ausgebeutet zu halten. Aber sonst: Fraktionen der Globalisten (Finanzoligarchie) vs. die der Isolationisten (Nationalisten, wie Trump &Co.), lokales vs. globales Kapital, Rüstungsindustrie vs. Zivilindustrie, usw. , die tw. hart gegeneinander um die gleichen Ressourcen (wie Staatsknete, Märkte, Rohstoffe) konkurrieren – aber in anderen Aspekten durchaus gemeinsame Interessen haben können.
      Immerhin hat der Autor erkannt, daß auch in DE verschieden Fraktionen existieren, solche, die sich der US-amerikanischen Suprematie unterwerfen und andere die das nicht tun (BASF), weil sie die resultierenden Verluste nicht hinnehmen wollen. Aber er unterläßt, diese Aufteilung in Fraktionen zu benennen. Schade. Daraus erklären sich nämlich die Probleme der gegenwärtigen Regierung, alle diese Fraktionen (als virtueller Gesamtkapitalist) unter einen Hut zu bringen, der Spagat ist einfach zu groß. Bei den Nazis wurde das Problem mittels Diktatur (speziell: Diktatur des Großkapitals, nicht etwa Diktatur des Proletariats…) gelöst, der sich auch die kleineren Fraktionen zu unterwerfen hatten. Mal sehen, wie es hierzulande ausgeht. Diktatur des Proletariats steht jedenfalls bis auf Weiteres nicht zur Auswahl, womöglich erst nach dem nächsten ganz großen Krieg…

  2. Gestern Abend sagte ein Professor Schröder im ZDf- heute Abendjournal (ca. ab Min. 15), dass derzeit gute Politik nahezu unmöglich durchzusetzen sei, da in diesem Jahr (sehr viele) Wahlen anstünden. Das bedeutet aber doch auch, dass gute Politik für „DAS PROLETARIAT“ in einem System mit (zu vielen) Wahlen kaum umzusetzen wäre.
    Na sowas: Ist dieser Akademiker gar kein Vertreter des Kapitals, sondern ein verkappter Marxist- leninist oder gar ein noch gefährlicherer Stalinist? Da sei der Himmel vor. Wo bleibt unser doch so nötiger Verfassungsschutz?
    https://www.zdf.de/video/magazine/heute-journal-104/heute-journal-vom-11-januar-2026-100

  3. Seit wann ist Kapital an ein Vaterland gebunden? Hat der Autor die letzten 200 Jahre verschlafen? Und glaubt er ernsthaft Fritze BlackRock Merz ginge es ums das Vaterland oder gar um die Menschen die hier leben?
    Was will uns Björn Hendrig denn eigentlich mit dem Artikel sagen?
    Will er den totalen Krieg gegen Russland und China. Will er das patriotische Joghurt das zuhause im Supermarktregal stramm steht? Ich weiß wirklich nicht was er uns sagen will.

  4. @little Louis

    „Na sowas: Ist dieser Akademiker gar kein Vertreter des Kapitals, sondern ein verkappter Marxist- leninist oder gar ein noch gefährlicherer Stalinist?“

    Einspruch. Da ist nix verkappt. Ich habe Ihren Link sogar angeklickt und von „guter Politik“, wie Sie es formulieren, sprach dieser Herr Schröder gar nicht, sondern von „guter Reformpolitik“ und unter „guter Reformpolitik“ verstehen ER und das ZDF eine Neuauflage des Schröderschen Agenda 2010-Programms -also Sozialkürzungen und sog. „Arbeitsmarktreformen“. Die Regierung wird von allen Seiten -auch im Staatsfunk- kritisiert, weil die Politik der „harten Einschnitte“, die die Bürger von ihrer Regierung erwarten, bisher ausgeblieben ist. Daran -ob der Merz die Kettensäge wirkungsvoll ansetzen kann oder nicht- messen die Bürger den Erfolg -oder Misserfolg- der Regierung.

  5. was bitte ist das, deutsches Kapital? Redet es deutsch? Hat es einen Pass? Wenn ja, welchen? Einen Bundesdeutschen?

    Ich habe selten so einen Unfug, wie dem von einem angeblichen deutschen Kapital gelesen. Schaue ich mir z.B. nur den Aktienbesitz der Daimler AG, dann fällt es schwer, überhaupt deutsche Aktionäre zu finden. Grosse Unternehmen agieren weiltweit, oft ist nur der kleiner Teil in Deutschland lokslisiert.

    Was einem klar sein sollte: Das Kapital braucht Nationalstaaten, weil diese ihm die Verwertung, die Akkumulation, sicherstellen. Die sicherstellen, das nicht nur Profit bei minimalen Störungen durch die Arbeitenden erwirtschaft werden kann , sonden auch, das der Profit am Ende in den eigenen Händen bleibt. Dafür braucht es nicht nur einen Nationalataat, denn unterschiedliche Nationalstaaten beleben die Konkurrenz um die besten Verwertungsbedingungen. Diese Konkurrenz fördert den Profit. Deswegen hat die EU zwar Bedingungen für einen ungehinderte Kapitalverwertung festgelegt, aber eben keine, den Profiten hinderlichen Sozialstandards oder Mitbestimmungsregelungen.

    Deswegen gibt es aber noch lange kein deutsches oder europäisches Kapital. Die Verwertungsbedingungen gelten für jeden Kapitalbesitz, egal wo der Eigentümer herkommt, ob aus der EU oder anderseo.

    Da wo der Autor das weltweite Agieren, die weltweite Expansion von Kapital beschreibt, hätte er zu denken anfangen sollen, anstatt in seinem simplen schwarz-weiss-Schema hängen zu bleiben. Die Welt funktioniert dialektisch und nicht im theologischen Schema des Dualismus von Gut und Böse!

    1. deutsches Kapital = Kapital, das in Deutschland Euros akkumuliert.
      Ah die Welt funktioniert dialektisch also indem sie zwischen Gegensätzen schwankt und sich ausgleicht. Ist natürlich ganz was anderes als Gut und Böse, denn ersteres hört sich viel linkser an.

  6. Das Sanktionsregime sind nichts Anderes als rechtsradikale Rassegesetze. Und eine Judikative sowie Exekutive, welche dieses rechtsradikale Unrecht durchsetzt macht sich NS-ideologischer Verbrechen schuldig. Deutschland demonstriert nicht nur bei der Causa Völkermord in Gaza als Staatsräson, dass es nicht vor hat irgendeine Erkenntnis aus der Geschichte zu ziehen, bis auf vielleicht „wie können wir es so verpacken, dass den Menschen nicht auffällt, dass es exakt das Gleiche ist, wie damals“. Die Parallelen sind vielfältig und erdrückend, auch wie heute beim Thema Meinungsfreiheit verfahren wird. Wer versucht das zu vertuschen oder unter den Teppich zu kehren (deutsche „Justiz“), ist ein rechtsradikaler Verbrecher.

    Ich finde faszinierend, dass man dem Westen erst noch erklären muss, was Rassismus ist…. gruppenbezogener Hass und Gewalt zum Beispiel. Was kann der einfache Russe dafür, dass der Westen die russische Elite hasst (was ebenfalls purer reiner Rassismus ist, weil es nicht auf Fakten basiert, sondern auf Gerüchten und Anfeindungen, egal wie laut diese Leute im Westen rumschreien)?

  7. Der Artikel beschreibt die Spannungen zwischen Politik und Wirtschaft, drückt sich aber vor der eigentlichen Wahrheit. Die fortgesetzten Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sind kein moralisches Versagen, sondern ökonomische Notwendigkeit. Zusammenarbeit hat über Jahrzehnte Stabilität geschaffen. Der abrupte Abbruch zerstört Lieferketten, treibt Preise und richtet massiven Schaden an. Dass deutsche Unternehmen weiterhin in Russland tätig sind, ist kein Skandal, sondern Ausdruck von Vernunft. Deutschland ist abhängig von Rohstoffen und Energie. Diese Realität lässt sich nicht wegmoralisieren. Wer sie ignoriert, sägt bewusst am eigenen industriellen Fundament. Moralische Empörung ersetzt keine Versorgungssicherheit.

    Noch entlarvender sind die Warnungen der Bundesregierung vor China. Wer heute von De Risking spricht, dokumentiert vor allem politisches Totalversagen. Diese Debatte hätte vor zwanzig Jahren geführt werden müssen. Damals hat man China zur verlängerten Werkbank gemacht, Hochtechnologie ausgelagert, Know how exportiert und dabei geglaubt, man bleibe dauerhaft überlegen. Das Gegenteil ist eingetreten. China hat gelernt, kopiert, weiterentwickelt und ist in vielen Schlüsselindustrien längst an Deutschland vorbeigezogen. Der Zug ist abgefahren. Wer heute so tut, als ließe sich diese Entwicklung politisch einfangen oder umkehren, verweigert sich der Realität.

    Vollends verkommen wird die Debatte bei der Aufrüstung. Hier endet jede Moral exakt dort, wo die Auftragsbücher beginnen. Waffen sind keine neutralen Produkte und kein normales Geschäftsfeld. Sie werden hergestellt, um Menschen zu töten. Wer daran mitwirkt, trägt Verantwortung für das Ergebnis. Sich hinter Begriffen wie Abschreckung oder Verteidigungsfähigkeit zu verstecken, ist feige. Am Ende sterben Menschen durch diese Waffen. Wer daran verdient, macht sich mitschuldig. Daran ändert auch kein politisches Framing etwas. An diesen Händen klebt Blut.

    1. „Die fortgesetzten Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sind kein moralisches Versagen“ Wurde das im Artikel behauptet?
      Wurde sich moralisch empört?

      „Sich hinter Begriffen wie Abschreckung oder Verteidigungsfähigkeit zu verstecken, ist feige.“ Macht auch niemand. „Am Ende sterben Menschen durch diese Waffen. Wer daran verdient, macht sich mitschuldig.“ Wer empört sich jetzt moralisch. Meinst du die Politiker juckt das, wenn sie andere in den Krieg schicken?

  8. Der Autor schreibt:

    „ Wie diese Verbesserung aussehen sollte, ist offensichtlich: Das Geschäft des deutschen Kapitals in und mit China nicht hintertreiben. Etwa mit politischen Attacken, die eine geschäftsschädigende Gegenreaktion provozieren. Das bedeutet nicht, dass die Unternehmen dem Standpunkt ihrer Regierung offen widersprächen. Sie wissen aber um das Interesse Berlins an einem florierenden Kapital und erinnern daran: Bei allem politischen Gegensatz und dem Versuch, der Weltmacht China mit der Möchtegern-Weltmacht Deutschland / EU die Stirn zu bieten, möge man bitte nicht vergessen, welche überragende Bedeutung China für die Akkumulation von Reichtum hierzulande hat.…“

    So ist die Faktenlage. Leider ist es so, viele deutsche „Volksgenossen“ wollen diese Tatsachen nicht einsehen, genauso wie die Regierung. Die Geopolitik ändert sich schneller als die Menschen hierzulande bereit sind dies wahrzunehmen und zu akzeptieren. Das deutsche Wirtschaftsmodell ist auf Energiepartnerschaft mit Russland und guten Handelsbeziehungen zu China angewiesen. Das deutsche Kapital hat dies erkannt, Volk und Regierung noch nicht. Ändert die Regierung ihren Kurs nicht, setzt sie die Umschmeichelung von Trump und seiner USA fort, dann wird es uns schlechter gehen, wird sich der deutsche Abstieg beschleunigen..

    Seltsamerweise werden obige Tatsachen vom rechten Lager eher wahrgenommen als von linken. Chrupalla ist gerade in „geheimer Mission“ in China um eine bessere Zusammenarbeit mit China auszuloten. Solche Politik wäre, gäbe es eine „normale Linke“ Aufgabe der Linksparteien. Aber die Grünen, die früher mal sich links gaben, sind die größten Feinde Russlands geworden, wie einst ihre Naziväter. Abgeschwächt gilt dasselbe für die Linkspartei. Sie mißtraut den Chinesen und statt die eigenen, möchte sie russische Oligarchen enteignen. Das alles führt dazu das die AfD immer stärker wird. Dagegen hilft auch kein Antifa-Geschrei.

  9. Es ist ein beliebter „Erklärungsansatz“ unter linken Leuten (und solchen, sie sich so verstehen wollen), dass die Politik per „Lobbying“ durch die Wirtschaft bestimmt wird. (Dahinter steht eine illusionäre Auffassung über den Staat: der wäre eigentlich gut und würde sich um das Wohlergehen seiner Bürger kümmern, wenn, ja wenn da nicht die bösen Lobbyisten wären,…)
    Da sind die im Artikel genannten Fakten immerhin hilfreich, um sich von solchen Vorstellungen zu lösen.
    Im Grunde ist es ja nicht überraschend: die Unternehmen stehen zueinander in Konkurrenz; darunter fällt auch die Konkurrenz zwischen den Branchen. Wenn der Staat und die Bürger weniger von den Produkten der anderen Branchen kaufen, haben sie mehr Geld übrig für die Produkte der eigenen Branche und vice versa. Deswegen ist es falsch, das Lobbying als Erklärung für eine bestimmte Richtung, die die Politik einschlägt, zu nehmen. Denn wenn die Politik eine andere Richtung einschlagen würde, würde sie eben anderes kaufen, und damit den Interessen der Lobbyisten dieser anderen Branchen entgegenkommen.
    Die Politik ist an der Stärke des nationalen Wirtschaftsstandorts insgesamt (!) interessiert, nicht am Wohlergehen des einen oder anderen Einzelkapitals. Deshalb steht die Politik oft auch im Gegensatz zu den Interessen einzelner Kapitalzweige. Die versuchen das für sie beste daraus zu machen, was dann oft nach „unpatriotischem“ Handeln aussieht.

  10. Es ist schon erschütternd, mit welcher Selbstverständlichkeit die vom gierigsten, gewissenlosesten Teil der Menschheit als alternativlos dargestellte Wahl zwischen Armut einerseits und Kapitalversklavung andererseits selbst von kritischen Menschen übernommen wird.

    Leben ist so viel mehr.

    Eine Gesellschaft, die das zuläßt, kann nur untergehn.

  11. „Der Staat sorgt für die optimalen Geschäftsbedingungen seines Kapitals“ — das ist nicht wirklich überraschend. Ein wenig erstaunt bin ich allerdings über diese neueste Zuspitzung von Dreistigkeit … CumEx war ja schon ein Meisterstück an Dreistigkeit, aber DT im Weißen Haus scheint sie alle zu ‚overtrumpen‘:

    https://www.defenseone.com/threats/2026/01/the-d-brief-january-08-2026/410545/?oref=d1-homepage-river
    „The D Brief: Offshore banks to hold seized-oil profits ….“
    The official line from the administration: “All proceeds from the sale of Venezuelan crude oil and oil products will first settle in U.S. controlled accounts at globally recognized banks,” the Department of Energy announced Wednesday. “The only oil transported in and out of Venezuela will be through legitimate and authorized channels consistent with U.S. law and national security,” according to a fact sheet.

    This raises serious questions, Lisa Desjardins of PBS reported, including:

    “Who decides which U.S. bank(s) get this very large account?”
    “Will Congress have any say over how the funds are dispersed?”
    “Or, will President Trump + admin. unilaterally oversee *billions* of dollars in Venezuelan oil money?”
    “Will US or Venezuelan taxpayers have access to decisions about this money?”“

    Der Hinweis auf diesen Artikel stammt von Cyrus Janssen
    https://www.youtube.com/watch?v=Ljje62uP5YA
    08:00 – Wie Trump illegal Geld verdient

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