Der Militärisch-Industrielle Finanzkomplex

Bild generiert durch DALL E mit dem Prompt: Steigende Aktienwerte der Rüstujstungskonzerne.

Überall, wohin man sich wendet, ist die Stimmung trist und unerfreulich. Die Gefühle der Menschen, die uns begegnen, sind im negativen Bereich, so wie die eigenen. Der Trend geht weiter so und die Hauptgründe dafür sind der Krieg, die ständige Kriegstreiberei, ungebremste Rüstung und Angst vor einer Eskalation. Aber es fällt uns schwer, zu erkennen, dass Deutschland und Europa, aus eigenster Entscheidung, auf der Seite stehen, von der Aggression ausgeht.

Wir sind auf der Seite der USA, ob wir wollen oder nicht, es genügt, dass die Regierenden in Berlin, Brüssel, London, Rom und Paris sich strikt auf die Seite der USA geschlagen haben. Und die Regierungen haben Macht über uns, über Gesetze, Finanzen und Medien. Die USA aber werden im Innern von einer schwer erkennbaren, diffusen Übermacht beherrscht, die voller Expansion und Aggressionen steckt. Es ist der Militärisch-Industrielle Finanzkomplex.

Ein Blick in die Geschichte

Der übliche Ausdruck Militärisch-Industrieller Komplex, war die treffende Bezeichnung für ein verflochtenes System, das in den USA, aus engen Beziehungen zwischen dem Militär, der Rüstungsindustrie, den beiden großen Parteien und den Geheimdiensten besteht.

Schon 1961 hatte US-Präsident Dwight D. Eisenhower, in seiner Abschiedsrede, vor dieser verborgenen Interessengemeinschaft gewarnt. Das tat er, weil er als siegreicher General des zweiten Weltkriegs, über Nazi-Deutschland, selber aus der Militärführung hervor gegangen war. Er wusste genau, wovon er sprach, und er sprach schließlich als erfahrener Politiker, aus Sorge um die Zukunft der Demokratie.

Die Demokratie der USA wird stranguliert von militärischen und industriellen Interessen, denen sich die gewählten Repräsentanten, in beiden Parteien, mehrheitlich beugen, wobei sie das Wohl der Wähler und der Allgemeinheit, also ihren demokratischen Auftrag, längst vergessen und verraten haben.

Genau das, wovor Eisenhower gewarnt hat, ist aber eingetreten, seine Warnung hat die Gefahr nicht beseitigt. Das Gegenteil geschah:

Als Eisenhower seine Abschiedsrede hielt, wusste er schon, dass der junge John F. Kennedy sein Nachfolger sein würde. Und dieser jugendlich-charismatische Präsident wurde bereits im November 1963 ermordet. Hinter dem Mord, der mit Schüssen aus mehreren Richtungen vollsteckt wurde, muss logischerweise eine Organisation gestanden haben, deren Struktur und Personenkreis nie öffentlich aufgeklärt worden sind.

Das Motiv der Mörder aber ist leicht zu erahnen: Kennedy hatte sich, nachdem er einen Überblick über die Weltlage gewonnen hatte, für friedliche Weltpolitik und eine Koexistenz mit der Sowjetunion entschieden und sich damit gegen die Interessen des Militärisch-Industriellen Komplexes in den USA gewendet. Dazu gehören auch Teile der zahlreichen Geheimdienste, die genau wissen, wie man so ein Verbrechen organisiert.

Der steile Aufstieg der feudalen Finanzmacht

Die verborgene Macht der engen Beziehungen zwischen Militär, Rüstungsindustrie und Politikern, in den USA, ist nie unter demokratische Kontrolle gebracht worden, im Gegenteil, sie wurde noch durch eine weitere Komponente gewaltig verstärkt. Es handelt sich dabei um die feudale Macht der Finanzwelt.

Im Jahre 1971 hat US-Präsident Nixon die Loslösung des Dollars vom Gold und von jeder materiellen Bindung verkündet und damit die grenzenlose Expansion der Finanzmacht ermöglicht.

Wie öffentliche und private Banken Geld aus dem Nichts erschaffen, wobei sie Geld und Schulden plus Zinsforderungen gleichzeitig erzeugen, sollte bekannt sein. Man nennt es Girale Geldschöpfung. In den USA geschieht diese Vermehrung an US-Dollars seit mehr als fünf Jahrzehnten unkontrolliert und unbegrenzt.

Inzwischen ist die Geldmenge vier- bis fünfmal so groß wie das Volumen der realen Wirtschaft. Die viel zu große, super-flüssige Geldmenge, in Händen von unberechenbaren Akteuren, macht das Finanzsystem äußerst instabil.

Reine Finanzgeschäfte sind zwar lukrativ, aber auf Dauer nicht sicher, man sucht dringend nach mehr Sicherheit und Anlagemöglichkeiten in der Realität. Da bieten, für hemmungslose Investoren, die Rüstung und die Rüstungsindustrie enorme Anreize, die überschüssigen Milliarden und Billionen in Rüstungsgüter und Aktien der Rüstungsfirmen zu investieren.

Was die Finanzwelt an der Rüstung fasziniert

  1. Rüstungsgüter werden von Regierungen geordert und von Volkswirtschaften bezahlt.
  2. Wenn dazu Staatskredite aufgenommen werden, ist das ein zusätzliches Geschäft für die Finanzwelt, verbunden mit Zinseinnahmen.
  3. Die Qualitätskontrolle ist gering. Die Entscheider sind keine technischen Experten. Der Wert von Waffen zeigt sich erst im Ernstfall, bei Kriegseinsatz.
  4. Im Kriegsfall werden Raketen, Panzer, Feuerwaffen und Munition schnell verbraucht und müssen ständig nachgeliefert werden.
  5. Die US-amerikanische Industrie braucht dringend Aufträge, sie hat schon lange außer Rüstungsgütern und Digitaltechnik nicht viel zu bieten.

Die Finanzmacht ist über die Rüstung in den Militärisch-Industriellen Komplex integriert worden und mit ihrer Geldmenge und deren Beweglichkeit dominiert sie dieses verborgene Geschehen hinter den Kulissen der Politik. Spätestens seit der Jahrtausendwende ist die Finanzmacht dominant.

Es handelt sich jetzt also um den Militärisch-Industriellen Finanzkomplex, dessen Stärke und Einfluss durch die Finanzmacht auf ein Mehrfaches angestiegen sind.

Waffen und Militär im Herzen der US-Amerikaner

Das Militär der USA ist schon lange so stark, als stünde es bereit, die gesamte Welt zu erobern, aber dahinter steht kein Interesse der breiten Bevölkerung und auch nicht unbedingt das der Administration in Washington.

Der Drang zur militärischen Übermacht der USA resultiert aus der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents. Dahinter standen aber Millionen von Einwanderern aus teils armen europäischen Regionen, aus England, Irland, Schottland, Italien, welche in die neuen Staaten geströmt sind und dort eine bessere Zukunft finden wollten. Dazu musste man das Land erst einmal, mit Waffengewalt, den einheimischen Stämmen und Völkern wegnehmen, wie es ja auch geschah. Und genau daraus resultiert der Glaube in den USA, an Waffen und an das Militär.

Dieser materielle Drang der Siedler, nach dem Land, dem Besitz und dem Glück in der Zukunft, fehlt aber völlig bei den jetzigen Kriegen der USA. Nur die Waffen sind stark, aber niemand will in den Irak, nach Libyen, Afghanistan und erst recht nicht in den Iran, der ein uraltes Kulturland ist, mit einem den Amerikanern völlig fremden geistigen Überbau. Es reizt nicht einmal, dann in die Verwaltung der eroberten Gebiete zu gehen, um eine feindlich gesinnte Bevölkerung mit anderen Sprachen und Religionen zu dirigieren.

Stärker als Volk und Präsident

Dass die Kriege trotzdem stattfinden, zeigt uns deutlich, dass hinter den Militäraktionen nicht das Volk der USA steht, sondern das Interesse des Militärisch-Industriellen Finanzkomplexes, der stärker ist als das Volk und stärker als der vom Volk gewählte Präsident.

Auch Donald Trump mit seinem Super-Ego und seinem täglichen Medientheater ist dem nicht gewachsen. Es genügt ihm, sich in den Medien als die Hauptfigur und den mächtigsten Mann der Welt darzustellen.

Der Militärisch-Industriellen Finanzkomplex hat am laufenden Band die Kriege angezettelt, aber an einem Sieg ist die Finanzmacht gar nicht interessiert und die Bevölkerung erst recht nicht. Nur die Regierung erklärt sich am Ende zum Sieger und lässt die zerstörten Länder im Chaos zurück.

Den Investoren genügte es, dass Waffen gekauft werden, die Börsenkurse der Rüstungsfirmen steigen und anderes Geld vernichtet wird, aber nicht das Geld, das ihnen gehört, sondern das Geld der USA und anderer Staaten. Die Geldvernichtung an sich ist willkommen, sie stabilisiert das ausgeuferte Finanzsystem.

Das Militär und die Rüstungsindustrie der USA allein gaben sich mit einem sogenannten Kalten Krieg zufrieden, die Geschäfte laufen, die Soldaten werden geschont. Aber der feudalen Finanzmacht, die auf einer abgehobenen Perspektive mit Zahlen operiert, genügt das nicht. Es sollen auch Rüstungsgüter verbraucht, also Bomben geschmissen und Marschflugkörper abgeschossen werden.

Der heißere Krieg treibt die Rüstung mehr an und da wird auch mehr Geld vernichtet. Dazu sind also echte Kriege erforderlich, am besten gegen weit entfernte Gegner, aber nicht gegen wirklich gefährliche Feinde, nicht gegen Russland und China.

Der Iran ist wohl für so einen Krieg nach der Geschäftsordnung schon eine Nummer zu groß. Trotz Enthauptungsschlag kontrolliert der Iran jetzt die Passage der Öltanker aus den Emiraten und schadet auch Teilen der Finanzwelt, während der Energiesektor der USA, genau wie der Russlands, davon profitieren.

Deutschland und Europa auf einem historischen Irrweg

Das, was die Welt seit dem Jahr 2000 am meisten bewegt und in den überall empfundenen Niedergang treibt, ist der Militärisch-Industrielle Finanzkomplex der USA. Daraus resultiert die neue Aggressivität und die Skrupellosigkeit der Machtpolitik, wie sie jetzt ganz offen betrieben wird. Die Europäer, an erster Stelle Deutschland, Frankreich und GB, hinken hinterher. Sie befolgen übereifrig die Agenda der Atlantiker von 2022, die aber für die USA nicht mehr gilt.

Der Fall Ukraine ist für die USA erledigt, dort ist nichts mehr zu holen. Weitere Rüstungsgüter kann die Regierung in Kiew nicht bezahlen. Erst, wenn das Land, nach dem Krieg, neu aufgeteilt wird, werden die Investoren zur Stelle sein.

Wer aber, wie die deutsche Regierung von Friedrich Merz, eine hasserfüllte Feindschaft zu Russland und den traditionellen Revanchismus, nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg, als Maßstab nimmt und die Hochrüstung nicht aufgeben kann, weil es gegen Russland geht, der gehört zu den endgültigen Verlierern.

Je schneller und je weiter wir uns in Denken und Handeln von den USA, der Nato und dem Feindbild Russland entfernen und der Realität in der Welt zuwenden, desto besser.

Rob Kenius betreibt die systemkritische Webseite kritlit.de, dort wird auch die Funktionsweise der Finanzen genauer erklärt.

Rob Kenius

Rob Kenius kam während des Studiums der Physik zur Publizistik und wurde Chefredakteur der Studentenzeitung. Nach dem Diplom ging er in die wissenschaftliche Redaktion des WDR-Fernsehens. Die strenge Hierarchie des Senders war jedoch nicht seine Welt. Er arbeitete kurz für Reaktorsicherheit, als man ihn an das Innenministerium vermitteln wollte, um Argumente der Aromkraftgegner zu widerlegen, kündigte er. Seitdem ist er selbständig, als freier Publizist und im Musikgeschäft.

Rob Kenius übt auf seiner Webseite kritlit.de harte Systemkritk. Er schrieb für telepolis und war 2020 ein erster Gegner der Corona-Maßnahmen. Die politische Situation hat sich inzwischen enorm verschlechtert. Rob Kenius schreibt dagegen an, und wegen der Kommentare, besonders gerne für Krass&Konkret.
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