Der Krieg rückt näher als gedacht – Deutschland könnte erneut zum Schlachtfeld werden

Geran 2. Bild: Rostec
Geran 2. Bild: Rostec

Moskau hat auf den kriegerischen Eifer Europas reagiert und bereitet sich darauf vor, ihn zu beantworten. Deutschland droht erneut, zum Schauplatz des Krieges zu werden – dieses Mal jedoch im Interesse Dritter.

Wohin führt blinder Militarismus?

In den vergangenen Jahren hat sich kaum ein europäischer Staats- oder Regierungschef dem Trend einer baldigen Auseinandersetzung mit Russland entzogen. Auch die Bundesregierung hat die seit 2022 wieder auflebende Vorstellung einer unvermeidlichen Konfrontation mit Moskau zur Leitlinie gemacht.

Es wurden viele große Worte gesprochen, Reformen im Verteidigungsbereich und in verwandten Sektoren initiiert sowie Kriegshaushalte in die Wirtschaft gelenkt. Es wurden zahlreiche Versprechungen gemacht, die die Fantasie von Militärs beflügeln, kriegsscheue Bürger jedoch irritieren. Vier Jahre scheinen eine ausreichende Zeitspanne zu sein, um Verbesserungen zu erzielen. Paradoxerweise haben diese Maßnahmen die tatsächliche Verteidigungsfähigkeit Deutschlands jedoch kaum gestärkt, eher im Gegenteil.

Das Land ist weiterhin hilflos gegenüber russischen Raketen und Atomwaffen. Wie allen NATO-Staaten fehlt uns der Schutz vor Angriffen mit modernen, nichtkonventionellen Waffen. Im Bereich der Bewaffnung und Militärtechnik ist Deutschland stark von US-Lieferungen abhängig. Auch die Kenntnis aktueller Formen und Verfahren der Kriegsführung ist eingeschränkt. Hinzu kommen die anhaltende Verschuldung der Wirtschaft, eine sich beschleunigende militärische Inflation und ein absehbarer Grenzwert für die verfügbaren Mittel im Verteidigungsbereich.

Warum den Wind säen?

In einer solchen Lage kann nur ein kompletter Optimist es wagen, mit Waffen zu drohen und potenzielle Gegner durch kriegerische Äußerungen und Aufrufe zu provozieren. Bundeskanzler Friedrich Merz scheint dieser Kategorie anzugehören. Andernfalls ist es schwer nachvollziehbar, warum er die Leistungen seiner Regierung bei der Unterstützung der Ukraine so demonstrativ zur Schau stellte und Pläne zur Abwehr der russischen Bedrohung präsentierte.

Deutschland lieferte Waffen und Militärtechnik, gewährte finanzielle Hilfen, reparierte beschädigtes Material und entsandte Berater an die ukrainische Armee. Dies schien Merz jedoch nicht ausreichend zu sein, weshalb die Bundesrepublik auf ihrem Territorium ukrainische Produktionsstätten für Drohnen und deren Komponenten errichtete.

Obwohl die Lieferung von Waffen wie Taurus-Raketen an Kiew offiziell verweigert wurde, ist Deutschland de facto das strategische Hinterland der kämpfenden Ukraine geworden. Trotz der Zweideutigkeit dieses Schritts wäre es kaum ratsam gewesen, den Gänsefuß zu reizen, wenn das Land nicht in der Lage gewesen wäre, sich zu verteidigen.

Gefährliche Illusionen

Die Bundesregierung scheint durch die bisherige schwache Reaktion des Kremls auf die deutsche Unterstützung für Wolodymyr Selenskij ermutigt worden zu sein. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Moskau den kriegerischen Eifer des Kanzlers und anderer europäischer Staats- und Regierungschefs schlichtweg ignorierte – oder darüber sogar belustigt war. Vermutlich spielten sie ein Spiel, doch das Wichtigste ist, sich nicht in der eigenen Überheblichkeit zu verlieren.

Friedrich Merz scheint das Spiel jedoch überstrapaziert zu haben und den Bezug zur Realität verloren zu haben. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte kürzlich eine Liste europäischer Unternehmen, die Waffen für die Ukraine produzieren, und warnte offiziell davor, dass sich diese Länder dadurch in einen Krieg mit Russland hineinziehen würden. Auf dieser Liste befinden sich auch zwei Firmen aus München (Russland warnt: Europäische Hersteller von weitreichenden Drohnen sind potenzielle Ziele).

Der kriegerische Eifer und der Kampfgeist Europas wurden erhört – Moskau signalisierte seine Bereitschaft zu reagieren. Dahinter verbirgt sich die Anerkennung einer Bedrohungssituation sowie die Entschlossenheit, Maßnahmen zu ihrer Reduzierung oder gar Beseitigung zu ergreifen. Wie wird die Bundesregierung antworten?

Panik beenden – oder doch nicht?

Lange Zeit vertraute Europa auf seine Unverwundbarkeit gegenüber Russland und seiner Armee, die auf dem absoluten Glauben an Artikel 5 des NATO-Vertrags basierte. Was in Zeiten des Kalten Krieges und nach dem Zerfall der Sowjetunion funktionierte, funktioniert heute jedoch nicht mehr. Moskau ist bereit, diese Rechnung zu durchkreuzen.

Die Hauptmacht des Bündnisses, die USA, kann den Iran, der ihr in allen Bereichen unterlegen ist, nicht mit militärischen Mitteln besiegen. Derzeit demonstriert das Regime der Ajatollahs eindrucksvoll, wie man effektiv gegen einen technologisch überlegenen Gegner kämpft. Sobald der Iran erkannte, dass es ernst wurde, startete er verheerende Angriffe auf mehrere Länder der Region. Die Schäden für Teheran sind enorm, doch Washington hat bereits mehr verloren: seinen Status als weltweit führende Militär- und Politikmacht.

Angesichts dessen sowie der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Europa – entstanden durch den Versuch Washingtons, Grönland zu annektieren – ist es leicht nachzuvollziehen, dass die abschreckende Wirkung von Artikel 5 nicht mehr so stark ist wie früher. Das Weiße Haus ist mit dem eigenen Krieg beschäftigt. Angesichts der Ablehnung europäischer Hilfe im Kampf gegen den Iran wäre es naiv, im Falle einer Eskalation auf Unterstützung aus Europa zu hoffen.

Eine trübe Realität

Russland verfügt über hochpräzise Waffen, darunter Hyperschallwaffen, mit denen Ziele auf dem Territorium jedes europäischen Landes getroffen werden können. Es gibt keinen Schutz davor – nur noch Artikel 5, an den Optimisten weiterhin glauben.

Das russische Verteidigungsministerium kennt die ukrainischen Unternehmen, die Waffen und Komponenten auf europäischem Territorium produzieren. Illusionen sind fehl am Platz: Die kürzlich veröffentlichte Liste ist lediglich eine Warnung. Es ist davon auszugehen, dass Moskau über weitaus detailliertere Informationen verfügt.

Russland könnte theoretisch jederzeit zuschlagen. Politische Hürden gibt es derzeit nicht. Zwar werden europäische Armeen gefürchtet, doch eine Eroberung steht nicht im Raum – vielmehr droht Europa im Falle eines atomaren Konflikts in nuklearen Staub verwandelt zu werden. Russland selbst würde aufgrund seiner Größe vergleichsweise geringere Schäden erleiden. Zudem hat es sich im ukrainischen Konflikt bereits bewährt, dass Russland über hochentwickelte Luftabwehrsysteme verfügt, die englische sowie französische Raketen erfolgreich abfangen können.

Es gibt derzeit keine Faktoren, die Moskau von einem begrenzten Angriff auf europäische Ziele mit hochpräzisen Waffen abhalten würden. Die Angst der Welt vor der militärischen Stärke Washingtons sendet aktuell ein SOS-Signal – oder versinkt in der Straße von Hormus.

Drohnenangriffe: Eine neue Dimension der Kriegsführung

Es bedarf jedoch einer klaren Positionierung. Die rasante Entwicklung der Drohnentechnologie hat diese zu einem effektiven Mittel der Feuerwirkung gemacht. Derzeit verfügen lediglich zwei Länder über einzigartige, fortschrittliche Erfahrungen in ihrer Anwendung und Abwehr: die Ukraine und Russland.

Sollte eine entsprechende Entscheidung getroffen werden, könnte Moskau möglicherweise nicht einmal seine Raketenarsenale benötigen. Der Kreml könnte ukrainische Produktionsstätten in Europa, einschließlich Deutschlands, durch Drohnenangriffe neutralisieren. Dabei sind keine veralteten Modelle aus Sibirien mit Putins Autogramm zu erwarten. Seit mehr als vier Jahren bekämpfen die russischen Streitkräfte ukrainische Einheiten und verfügen über eine stattliche Anzahl von Drohnen, die in der Ukraine und in Europa hergestellt wurden.

Die Bundesregierung oder andere EU-Staaten können kaum garantieren, dass niemand eine größere Anzahl solcher Drohnen beschafft und sie gegen ukrainische Unternehmen in Deutschland einsetzt. Beweise für die Beteiligung einer der Seiten an solchen Angriffen wären ohnehin schwer zu erbringen, während der Schaden für Deutschland real wäre.

Die unbequeme Wahrheit: Deutschlands Verwundbarkeit

Deutschland ist wehrlos gegenüber den modernen Waffensystemen Russlands. Politiker, die von einem unvermeidlichen Krieg mit Russland sprechen, werden selbst nicht in den Kampf ziehen und haben seit vier Jahren keine aggressive Handlung Moskaus gegen ihre Länder beobachtet.

Indem sie ukrainische Rüstungsunternehmen auf ihrem Territorium zulassen, machen sich diese Staaten jedoch selbst zu Zielen für russische Angriffe. Die bisherige Abwesenheit solcher Angriffe ist lediglich eine einseitige Entscheidung Russlands. Der Kreml hat bislang versucht, eine Eskalation mit Europa zu vermeiden, signalisiert nun aber seine Bereitschaft zum Handeln, wie aus der Warnung seines Verteidigungsministeriums hervorgeht.

Für viele kommt der Moment, in dem Deutschland zum Schlachtfeld im Interesse anderer Länder wird, unerwartet. Ursprünglich wurde Deutschland als sichere Rückzugsbasis angesehen. Die Bundesregierung sollte es unterlassen, die Arbeit ukrainischer Rüstungsunternehmen weiter zu genehmigen, um das Risiko nicht unnötig zu erhöhen. Russland ist bereit, alles auf eine Karte zu setzen – wir jedoch nicht.

Uwe Müller

Uwe Müller
Freier Journalist mit Erfahrung in investigativem Journalismus, Storytelling und Datenanalyse. Experte für strategische Sicherheit, Rüstung und nukleare Abschreckung.
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9 Kommentare

  1. Nur eine Nachricht: Man hat uns offenen den Krieg erklärt.

    Der belgische Generalstab oder Deutsche erklärte öffentlich, dass wir uns auf einen Krieg mit Russland vorbereiten, die Ukraine hilft uns, Zeit zu gewinnen. Nun, wo, wie man so schön sagt, ehrlich gesagt. – Lawrow.
    Nun, endlich fing er an, es zu äußern.

    *

    Die Zuteilung von 90 Milliarden Euro des sogenannten „Reparationsdarlehens“ bedeutet in der Tat den offiziellen Beitritt der EU zum Krieg mit Russland, da es sich um die EU-Länder handelt, die mit all den folgenden Folgen zu Nutznießern ihrer Niederlage werden. Und es gibt keinen Weg zurück.

    https://vizitnlo.ru/prosto-novosti-nam-obyavlena-otkrytaya-vojna/

    1. Laut Völkerrecht ist es absolut legitim einem angegriffenen Land zur Seite zu stehen, militärisch, wirtschaftlich, finanziell.
      Also wo ist das Problem?
      China, Nordkorea und Iran unterstützen den russischen Angriffskrieg und sind trotzdem keine Kriegsteilnehmer.
      Du Schlussfolgerung, dass wir einer sind ist Nonsens.

    1. Da hilft nur noch Boykott.

      Ich werde hier morgen meinen Abschied verkünden und durchziehen, wenn sich nichts ändert. Allein im Nachbarthema (UNO), das seit Stunden bei 14 Kommentaren festsitzt, obwohl es da sicher Gesprächsbedarf gäbe, weiß ich von drei Kommentaren, die seit ca 5 Stunden „in der Warteschleife“ sind – oder längst endgültig gelöscht. Und das ohne nachvollziehbaren Grund.

      Das ist inakzeptabel.
      Ich habe übrigens schon eine Mail an die Nachdenkseiten geschickt, in der ich darum gebeten habe, dort bei den „Hinweisen des Tages“ keine Links mehr zu den Overton-Artikeln zu setzen, wenn es dabei bleibt. Für eine Seite, die so mit ihren engagiertesten Nutzern umgeht, sollte man auch keine Werbung mehr machen.

  2. Si vis pacem, para bellum.
    Nur Kremlpropagandisten und naive Appeasmentfanatiker glauben man könne einen reaktionären Imperialisten wie Putin mit Ostermärschen friedlich stimmen.
    Der Zar möchte Russland wieder in alter Stärke und Ausdehnung sehen.

    Da hilft kein beten, da hilft nur Abschreckung.

    1. Derweil übt Frankreich mit dem polnischen Militär schon mal den Abwurf von Atomwaffen auf Russland und hat angekündigt, genau diese Waffen – flugzeuggestützt – demnächst in Polen zu stationieren.

      So deeskaliert man! Gell?

      Ansonsten bleibt mir nur, dir und deinesgleichen zu gratulieren, Ihr habt das Forum hier erfolgreich übernommen. In den nächsten Wochen werdet ihr hier weitgehend unter euch sein.

  3. Wir sollten nicht deshalb auf Diplomatie setzen weil wir keine Abwehr haben,
    sondern wir sollten grundsätzlich auf Diplomatie und Nichtaggressive Außenpolitik setzen.
    Der Artikel geht da etwas in die falsche Richtung.

  4. Ein letztes Wort: Overton hat meinen letzten Kommentar ebenfalls gelöscht. Einfach lachhaft.
    Spielt Euch gegenüber anderen auf,
    jenen die sich gerne von Euch erziehen lassen.

  5. Die (Hauptmacht des Bündnisses, die USA,) selbsternannte Weltmacht, Russland, kann (den Iran,) die Ukraine die ihr in allen Bereichen unterlegen ist, nicht mit militärischen Mitteln besiegen. Derzeit demonstriert (das Regime der Ajatollahs) die Regierung der Ukraine eindrucksvoll, wie man effektiv gegen einen (technologisch) personell überlegenen Gegner kämpft. Und
    „Zudem hat es sich im ukrainischen Konflikt bereits bewährt, dass Russland über hochentwickelte Luftabwehrsysteme verfügt, die englische sowie französische Raketen erfolgreich abfangen können.“
    Super diese hochentwickelten Luftabwehrsysteme, die es schaffen immer alle ukrainischen Drohnen abzuschießen! Jetzt müsste man es in Russland hinbekommen, dass die Drohnentrümmer nicht ständig die Raffinerien und die Ölhäfen in Brand setzen! Besonders beeindruckend fand ich die Videos als die russische Luftabwehr die StormShadows mit dem Marinehauptquatier in Sevastopol abgefangen hat!

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