Der Iran ist das siebente Land auf der Liste

Israelische Kampfjets, 2025
 / IDF Spokesperson’s Unit

Lüge und Täuschung, wie immer.

Die Verhandlungen in Genf zwischen Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm schienen gerade zu einem Erfolg zu führen, als am 28. Februar 2026 plötzlich die amerikanischen und israelischen Raketen flogen und der Krieg gegen den Iran begann. Dieser Krieg hat eine lange Vorgeschichte.

1951 erfolgte – noch während der Pahlewi-Dynastie – unter dem gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh die Verstaatlichung der Ölindustrie, wogegen die CIA und der britische MI6 mit gezielten Aktionen vorgingen. Daraufhin wurde Mossadegh 1953 im Rahmen einer „Operation Ajax“ entlassen und festgenommen, womit ein laizistischer Staat verhindert wurde und ein internationales Konsortium Zugriff auf die iranischen Ölvorkommen erhielt. 1979 verließ dann der Schah Mohammed Resa Pahlewi das Land, der Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück und der Iran wurde eine autoritär geführte islamische Republik.

Seither steht das Land im Fokus der USA und der Briten und kam nicht mehr zur Ruhe. Es nimmt zwar mit den größten Erdgas- und viertgrößten Erdölvorkommen erheblichen Einfluss auf die Versorgung der Welt mit fossilen Energieträgern. Zudem unterhält es wirtschaftliche Beziehungen zu westlichen Ländern sowie wirtschaftliche und militärische Kooperationsabkommen mit Russland und China. Die erdrückenden Sanktionen der USA, denen sich Großbritannien und die Staaten der Europäischen Union angeschlossen haben, führten jedoch zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen.

Ein weiteres Pulverfass angezündet

Hinzu kommt, dass der Iran als größte Regionalmacht Vorderasiens eine inoffizielle Militärkoalition anführt, wozu Hamas, Hisbollah und Huthi gehören. Das hat ihm, wie auch anderen Ländern, die sich gegen den verheerenden Einfluss der USA und Westeuropas wehren, deren erbitterte Gegnerschaft eingetragen. So gesehen, ging es Ende Februar 2026 bei dem völkerrechtswidrigen Angriff und der Ermordung Ajatollahs Ali Chamenei, des Nachfolgers von Ruhollah Chomeinis, nur zum Teil um die Beilegung des Atomstreits.

Wie zum Beispiel 2015 in Minsk, als Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Konflikts stattfanden, die sich als Täuschungsmanöver der westlichen Allianz erwiesen, gab es auch in Genf lediglich Scheinverhandlungen zur Aufgabe des iranischen Atomprogramms. Dass die USA ganz andere Pläne hatten, zeigt ein kurzer Blick hinter die Kulissen. 2007 enthüllte der Viersternegeneral Wesley Clark, zeitweise Oberbefehlshaber der NATO, skandalöse Interventionsvorhaben der Bush-Administration gegen sieben Länder.

Clark sagte, es habe unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 einen Plan für Regimewechsel und Kriege im Nahen Osten und in Afrika gegeben. Gelistet waren außer Afghanistan der Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und letztlich der Iran.[1] Die Interventionen gegen sechs Länder wurden nach und nach „abgearbeitet“, nur der Iran war übrig geblieben, und dieser Krieg wird nach Jahren der Intrigen, Hetze und Sanktionen jetzt nachgeholt.

Dass die USA damit ein weiteres Pulverfass angezündet haben und die Konflikte mit Russland und China eskalieren, scheint Donald Trump in Kauf zu nehmen – ein Beweis dafür, dass es eine Langzeitstrategie der USA gibt, die unabhängig von der jeweiligen Präsidentschaft funktioniert. Unter der Regierung von Donald Trump ist vieles anders, chaotischer geworden. Aber Trump führt die US-Politik im Sinne der Wirtschafts- und Finanzeliten sowie des Militärisch-Industriellen Komplexes weiter wie vorgesehen.

Wieder haben die USA, diesmal mit Unterstützung von Israel, einen mörderischen Krieg begonnen. Welche Auswirkungen er letztlich haben wird und wie er enden wird, ist derzeit nicht absehbar. Aber der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der dem US-Präsidenten am 3. März seine Aufwartung gemacht hat, weiß von der Entwicklung im Iran und den Hintergründen der US-Aggression offensichtlich nichts. Völkerrecht hin oder her, er findet den Angriff auf den Iran nötig und gerechtfertigt.[2]

 

Quellen

[1] Vgl. Amy Goodman: Syriens Wahrheit, 6.3.2012, www.youtube.com/watch?v=kkE8Gp-nWEs (aufgerufen am 4.3.2026)

[2] Vgl. www.youtube.com/watch?v=bhomZMUr_eI (aufgerufen am 4.3.2026)

Dieser Artikel wurde bei Globalbridge erstveröffentlicht.

Wolfgang Bittner

Wolfgang Bittner lebt als Schriftsteller in Göttingen. Der promovierte Jurist verfasst Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen und ist Mitglied im PEN. Von 1996 bis 1998 gehörte er dem Rundfunkrat des WDR an, von 1997 bis 2001 dem Bundesvorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller. Wolfgang Bittner war freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen und veröffentlichte mehr als 60 Bücher, zuletzt „Die Abschaffung der Demokratie“.
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7 Kommentare

  1. Aber der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, (…) weiß von der Entwicklung im Iran und den Hintergründen der US-Aggression offensichtlich nichts.

    Ihr Ernst?!?
    So haben sich schon die russischen Bauern im Zarenreich ihre Situation schön geredet: „Wenn das der Zar wüsste!“
    Statt zu begreifen, dass ihr Staatsoberhaupt fester Bestandteil des Ausbeutungssystems war, dem sie unterworfen waren, schoben sie die Schuld nur auf ihren unmittelbaren Lehnsherrn, sowie die vermeintliche Unwissenheit des obersten Lehnsherrn.
    Merz weiß ganz genau, was da gespielt wird!

    1. @ Alex : Der Mann Merz weiß nichts,
      er ist nicht mal in der Lage seinen Laden zusammenzuhalten = Schaden von seinem Land abzuhalten. Dem teutschen Volke !

  2. Schon tragisch, dass so etwas überhaupt möglich ist… ein Land nach dem Nächsten mit einem Genozid zu überziehen…. Da gibt es Vieles anzuprangern. Die Komplizenschaft der westlichen „Justiz“ zum Beispiel (das vll. berühmteste Beispiel ist vll. der Umgang mit Julian Assange, weil er es gewagt hat das Narrativ zu stören und seine Kritik mit handfesten Beweisen zu unterfüttern; gefoltert haben sie ihn und wollten ihn tot sehen; Stichwort Clinton „can we just drone him?“). Aber auch das Denken der Mitläufer in der Bevölkerung, also derer, die sich für moralisch überlegen halten, das Ganze als notwendig erachten. Die sind für mich genauso verwerflich, wie jene, die zwischen 1933 und 45 zu den Mitläufern gehört haben. Ihr(e) Führer ermordet (/ermorden) Millionen über Millionen von Menschen und sie stellen sich allen Ernstes noch hin, als wären sie moralisch überlegen. Das ist einfach unglaublich und unverzeihlich.

    Die Menschheit, vor allem die Menschen im Westen müssen noch sehr sehr viel lernen.

    1. Da war im vorangehenden Artikel das hier auch sehr passende Denker-Zitat:
      wer Gewissenlos ist zeigt sich auch irgendwann als dumm.
      Da passt was zusammen.

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