
Die Trump-Regierung kämpft gegen die Migranten und suggeriert wie andere Rechtspopulisten, dass deren Vertreibung aus den USA, also die Rückabwicklung des großen Austausches oder die große Säuberung, den Lebensstandard der Bevölkerung, gerade der ärmeren Schichten, heben würde. Die Abschiebung ist der Regierung viele Milliarden wert. Für den Bau und Ausbau von Haftzentren, die Einstellung von mehr ICE-Personal, die Grenzsicherung und die Abschiebung hat die Trump-Regierung um die 170 Milliarden für die nächsten 5 Jahre bewilligt.
Die Ausgaben müssten erst wieder hereinkommen, wenn die Argumentation denn stimmt, dass die Migranten den Amerikanern die Jobs und Häuser wegnehmen und die Kriminalität erhöhen. Erst einmal verschwinden nicht Arbeitsplätze, sondern die billigen Arbeiter aus den Fabriken, der Landwirtschaft oder den Haushalten. Amerikaner werden die Jobs nicht übernehmen können und wollen, die Arbeitgeber werden keine höheren Löhne zahlen, und wenn sie dies machen sollten, wird es für die Amerikaner teurer werden. Und das wird es auch schon, vor allem wegen der Zollpolitik von Trump. Viele Berichte gehen davon aus, dass KI erst einmal vielen Menschen ihren Job kosten wird. Das McKinsey Global Institute schätzt 57 Prozent der amerikanischen Arbeitsstunden könnten von Robotern oder KI übernommen werden.
Interessant daher, was Trumps Ideologe JD Vance aus der Situation macht. In einem Interview mit Hanity von Fox News, der natürlich alles andere als kritisch fragt, geht es erst einmal darum, warum die Inflation weiter steigt. Daran ist natürlich Vorgänger Biden Schuld, Änderungen brauchen halt ihre Zeit, sagt Vance. Ziel der Politik Trumps sei, dass Arbeiter, der Mittelstand, schlicht alle besser verdienen und optimistisch in die versprochene sozialismusfreie Goldene Zukunft sehen können – abgesehen natürlich von den Migranten, den Linken, den politischen Gegnern.
Am Schluss des Gesprächs geht es um KI und Roboter. Vance gibt sich natürlich als besessen von KI wie angeblich Hanity auch. Trump will bekanntlich massiv die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz fördern und gleichzeitig die Industrie zurückholen, um die Arbeitsplätze der blue-collar worker zu erhalten oder wiederherzustellen. Gleichzeitig wird ein Kampf gegen die Universitäten und Professoren, auch gegen die Hochschulbildung, geführt.
Hanity sagt, es müssten etwa 5 Millionen neue Häuser gebaut werden. Ein Freund habe ihm erzählt, er könne eine Baufirma gründen, die 70 Prozent eines Hauses mit Robotern zu einem Preis von 200 US-Dollar pro Quadratfuß (2140 pro Quadratmeter) errichtet. In Florida ginge das nicht. Durch Roboter würden doch Arbeitsplätze für Bauarbeiter verloren gehen, fragt Hanity, was wären die Folgen für die Wirtschaft?
Vance stimmt zu, dass so viele neue Häuser benötigt werden. In den von Republikanern geführten Staaten würden sie einen guten Job machen. Das größte Problem seien neben dem Immobilienmarkt die „illegalen Ausländer“, die die Häuser der Amerikaner nehmen.
„Ich verstehe, dass die Menschen Angst haben, wenn ein Roboter diesen Job macht, dass dann einem Arbeiter der Job weggenommen würde. Fakt ist jetzt, dass die Löhne von allen steigen werden, wenn wir voll in KI und Robotik einsteigen. Ich nehme immer gerne das Beispiel der Bankautomaten. Als die vor 50 Jahren erfunden wurden, sagte jeder, das würde Jobs vernichten. Wirklich geschehen ist, dass heute mehr Leute mit Bankautomaten beschäftigt sind als vor 50 Jahren. Sie machen andere Jobs, als den Menschen Geld auszuzahlen. Und sie haben höhere Löhne. Manchmal erlaubt Technik, etwas ein wenig anders zu machen und den Kopf mehr zu benutzen, als bei den Arbeiten zuvor. Das heißt, sie sind produktiver.“
Es geht ganz offensichtlich darum abzustreiten, dass Roboter oder KI Jobs übernehmen können, also dass die Betroffenen entlassen und zu Geringverdienern in prekären Jobs werden. Sie würden, so sein Versprechen sogar, nur andere, besser bezahlte und produktivere Jobs machen. Es stimmt zwar, dass nach Einführung der Bankautomaten die Zahl der Angestellten stieg und Bankangestellte wegen anspruchsvolleren Tätigkeiten mehr verdienten, aber ab den 1980ern sank die Zahl der Angestellten, die Bankautomaten hatten den Weg zur Digitalisierung geebnet, weil die Kunden bereit waren oder genötigt werden konnten, einfachere Tätigkeiten selbst auszuführen.
Für Vance steigern Automatisierung, KI oder Robotik den Wert der amerikanischen Arbeit durch Mithilfe, während Migranten den Amerikanern Jobs wegnehmen. In diesem Sinn behauptete er weiter, dass Roboter die Jobs von Bauarbeiter übernehmen: „Es wird viele Bauarbeiter geben, die die Roboter einsetzen, die sie steuern und die in Wirklichkeit mehr mit weniger machen können, weil sie Technik benutzen, die ihnen hilft. Man wird immer Bauarbeiter in diesem Land brauchen, aber ich will, dass deren Löhne steigen.“
Roboter können niemals einen Blue-Collar-Bauarbeiter ersetzen, sie bleiben unterworfene Helfer, ist die Hauptbotschaft: “Kein Roboter kann einen guten Bauarbeiter ersetzen. Man sieht einige der Häuser, einige der Dinge, die sie tun können, die Verkleidungen, die sie anbringen können – das ist eine Kunst, die kein Roboter ersetzen kann. Aber ein Roboter kann es einem Bauarbeiter vielleicht erleichtern, in kürzerer Zeit mehr Nägel in mehr Wände zu schlagen?“
Migranten könnten wie Roboter auch helfen, mehr Nägel in mehr Wände zu schlagen, aber sie dürfen nicht als Helfer zur Steigerung der Produktivität angesehen werden, da sie Arbeitsplätze stehlen, also ob höhere Produktivität nicht auch Arbeitsplätze kosten würde. Die Frage der Kosten wird erst gar nicht diskutiert. Kosten Roboter im Kauf, im Betrieb und in der Wartung weniger als Migranten oder amerikanische Bauarbeiter? Dass Roboter schlecht bezahlte Hilfsarbeiter am Bau, vermutlich oft Migranten, ersetzen könnten, diskutiert Vance seltsamerweise nicht. Das könnte zu gefährlich sein, weil dann doch KI bzw. Robotik als Gefährder von Arbeitsplätzen gesehen werden können. Zudem sind Migranten als Menschen nicht so gut zu steuern, wie das bei den zwar geschickten, aber dennoch dummen Robotern im Sinne von Vance der Fall ist.
Vance erklärt, es gebe zwei Wege Arbeit produktiver zu machen. Das demokratische Modell sei gewesen, immer mehr billige Migranten zu importieren. Das habe den Löhnen der amerikanischen Arbeiter und insgesamt der Prosperität geschadet: „Aber wenn man Technik benutzt, um die Blue-Collar-Arbeiter zu befähigen, anstatt sie durch ausländische Arbeit zu ersetzen, ist das viel besser. Das erhöht ihre Löhne und dem ganzen Land geht es besser. Hängt man ab von geringverdienenden Migranten oder von amerikanischen Bürgern, gestärkt durch Technik und Innovation Trump-Modell ist? Das ist das Trump-Modell und das Modell zur Förderung des Wohlstands im Land.“
Während Vance also argumentiert, dass die Abschiebung von Millionen von meist geringverdienenden Migranten und die Förderung von KI/Robotik die Arbeitsplätze der Amerikaner nicht nur erhält, sondern auch die Löhne in die Höhe treibt, müsste er eigentlich sagen, dass die Technik Menschen ersetzt, und weil es Migranten sind, ist uns das egal. Er hätte auch sagen können, dass durch die Austreibung der Migranten der Arbeitsmarkt verknappt wird, weswegen die Löhne steigen, was die Einführung von KI/Robotik wieder als Ersatz menschlichen Arbeits- oder Kognitivkraft ökonomisch interessant macht.
Elon Musk, der auch unter dem Namen Optimus humanoide Roboter baut, propagiert auch mit einem Video hingegen den großen Austausch, also dass – natürlich am besten seine – Roboter den Menschen die Arbeit abnehmen werden. Der Roboter ist in dem Video einmal Spaziergänger, dann Polizist, Sanitäter, Bauarbeiter, Boxkämpfer, Koch oder Glücksspieler in einem Kasino.

„KI und Roboter werden alle Arbeitsplätze übernehmen. Die Menschen werden arbeiten können, wie sie wollen. Es ist, als würde man sein eigenes Gemüse anbauen, anstatt es im Laden zu kaufen“, schrieb Musk. Alle Menschen würden dadurch reicher werden. Wie die Menschen dann in dieser Marx anverwandelten Utopie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen und wie seine Firma und die Käufer sich finanzieren kann, darüber schweigt Musk lieber, aber sagt als Trost: „Wir können als biologischer Rückhalt für Intelligenz dienen, da wir weniger zerbrechlich sind als Silizium, und vielleicht auch als Quelle des Willens.“
Die AfD als Beispiel
Meine These ist, dass die rechtsnationalistischen, rassistischen oder identitären Ideologien, die mit der in Völkermord umschlagenden Angst vor Überfremdung und der Drohung des Aussterbens, der Vertreibung oder Auslöschung der Fremden oder Zuwanderer spielen, eine Reaktion auf die moderne Technik sind, die menschliche Arbeitskraft ersetzt. Das können diese Ideologien aber nicht sehen und formulieren, weil sie eben rechts sind und, das gilt trotz des Namens auch für den Nationalsozialismus, den Kapitalismus bejahen. Dazu gehört auch die Affirmation des Eigentums an den Produktionsmitteln und die Steigerung der Produktivität. Die Folge ist die Angst, dass es zu viele Menschen gibt und suggeriert wird, man könne das eigene Volk durch die Vertreibung der Zuvielen schützen.
Die AfD ist dafür typisch. So behauptet der Landesverband Sachsen-Anhalt im Regierungsprogramm: „llegale Zuwanderer tragen nicht zu einer Lösung des Fachkräftemangels bei. Stattdessen handelt es sich um Fachkräftemangelverursacher. Schließlich erzeugen oder verschärfen Versorgungsmigranten und Hilfsarbeiter, die illegal nach Deutschland einreisen und sich in Sachsen-Anhalt ansiedeln, den hiesigen Fachkräftemangel. … Wer das Ziel verfolgt, den
seit dem Jahre 2015 entstandenen Fachkräftemangel zu verringern, muss stattdessen darauf hinwirken, dass illegale und niedrigproduktive Zuwanderer das Land schnellstmöglich verlassen.“
Als Lösung wird propagiert, dass die Deutschen mehr Sex haben und sich so vermehren sollen: „Grundlegend lässt sich das Problem des Fachkräftemangels nur
durch eine Geburtenwende und das Ende des deutschen ‚Brain Drain‘ lösen.“ Daneben soll eben auch KI Zuwanderung überflüssig machen. Dass Digitalisierung und KI den Zweck haben, menschliche Arbeit zu ersetzen, soll nur die „Kulturfremden“ betreffen, was natürlich eine absurde Vorstellung ist: „Eine AfD-geführte Landesregierung wird eine Technisierungs-, Digitalisierungs- und KI-Strategie für Sachsen-Anhalt entwickeln. Diese soll zur Auflösung von Engpässen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt beitragen. Außerdem soll sie dazu dienen, die Zuwanderung kulturfremder Fachkräfte zu vermeiden“
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Ja, Menschen stören nur den Betriebsablauf….
Ich erinnere an einen tollen Dokumentarfilm von 2005 mit dem Titel „we feed the world“
https://de.wikipedia.org/wiki/We_Feed_the_World
Da wird unter anderem der Chef von Nestlè porträtiert, wie er Wasser statt zu einem Grundrecht zu einem Lebensmittel erklärt, das wie „jedes andere Lebensmittel auch einen Preis haben sollte“. Dann erklärt er stolz, wieviele Mitabeiter durch Nestlè in Lohn und Brot seien, um in der Schlußszene vor einer Videowand zu stehen, auf der man die Arbeitsprozesse in einem Werk sehen kann, was er versonnen mit den Worten kommentiert: „Alles automatisch! Fast keine Menschen….“