
Wie die SZ längst Bekanntes zur Topstory hochkocht.
Die Süddeutsche Zeitung versprach am Wochenende in großer Aufmachung, hinter der Bezahlschranke, eine sensationelle “Enttarnung”. Titel: “Eichmann-Prozess: Der Mann, der Eichmann an den BND verraten hat”. Und viele Medien druckten es nach.
Doch statt Enthüllung, gab´s nur Halbwahrheiten, und die nicht mal selbst recherchiert, sondern abgeschrieben waren. Das Skandalöse, das ich im Rahmen meiner Prozesse gegen den Bundesnachrichtendienst in Filmen (“Pimpel und Blaustern”) mit BND-Dokumenten und Büchern zusammengetragen habe, wird ignoriert, stattdessen stützt man sich auf das gerade erschienene Werk von Klaus-Dietmar Henke, “Vergangenheitsabwehr”.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Henke ist ein seriöser Wissenschafter, der das ihm vorgelegte Material mit den dazugehörigen Fußnoten aufarbeitet; das ist hilfreich, aber weit davon entfernt, die jahrelange Desinformation des Mossad auseinanderzunehmen. Henke durfte im BND-Archiv forschen und fasste zusammen, was längst bekannt ist, nämlich dass Bundeskanzler Konrad Adenauer seinen Geheimdienst dazu benutzt hatte, um den Namen seiner rechten Hand, Staatssekretär Hans Globke, aus dem Eichmann-Prozess herauszuhalten. Henke schlussfolgert, dass der Münchner Dienst den damaligen Assistenten von Eichmanns Verteidiger, Robert Servatius, den jungen Dieter Wechtenbruch, als V-Mann “Laqueur” geführt und über ihn die Verteidigung des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann gesteuert habe.
Die SZ-Story, illustriert mit vielen hübschen Bildern, lichtet kein einziges BND-Dokument ab, vermutlich, weil man gar keins hat, sondern sie beschränkt sich auf das Abschreiben. Nun wäre es kollegial und für einen seriösen Historiker korrekt gewesen, auf die Erstveröffentlichung der (illegalen) BND-Methoden hinzuweisen. Mein Dokumentarfilm mit vielen Dokumenten über die Infiltrierung der Verteidigung ist vom Februar 2021, mein Buch von 2024. Das Werk Henkes wird am 16. September 2026 erscheinen.
Dass diese Dokumente aufgrund mehrerer Klagen, die ich gegen den BND angestrengt habe, freigegeben wurden, wird nur am Rande erwähnt, ohne die Autorenschaft, so dass die Leser durchaus den Eindruck gewinnen können, hier hätte das Münchner Blatt selbst recherchiert. Zitat SZ: “(Das Bundesverwaltungsgericht lehnte die vollständige) Aktenherausgabe zum Fall Eichmann mit der Begründung ab, dass „Grund zu der Annahme besteht, dass durch die Nutzung das Wohl der Bundesrepublik Deutschland gefährdet würde“. Dass sich das Gericht in meinem Prozess über bestehendes Recht hinwegsetzt – dazu kein Wort. Das Bundesarchivgesetz legt die maximale Schutzfrist für die Geheimhaltung auf 60 Jahre fest.
Aber staatstragende Journalisten legen sich selten mit den obersten Robenträgern an. Die Süddeutsche jedenfalls nicht, sie schweigt zu dieser fatalen rechtswidrigen Praxis, die sich über geschriebenes Recht hinwegsetzt.
Der Kern der SZ-Story ist der “Mandantenverrat” begangen von einem Mitarbeiter der Verteidigung: “Bislang konnte man von diesem Coup allenfalls ahnen.” O-Ton: “Wechtenbruch hat als junger Mann Eichmanns Verteidiger Robert Servatius assistiert und sich gleichzeitig vom BND als U-Boot anwerben lassen. Als Agent V-7461 erhielt er den Decknamen „Laqueur“. Erst jetzt, ein Jahr nach dessen Tod, kann mithilfe der bisher nicht erschlossenen Akten unzweifelhaft festgestellt werden, dass es Wechtenbruch war, der einen Mandanten verriet, dessen Betreuung Servatius und ihm oblag”.
Nein. Nicht “erst jetzt”, und auch kein sensationeller Coup, und das aus vier Gründen. Zum Einen, weil ich bereits in meinem Buch über den jungen Anwalt alias “Laqueur” berichtet habe: “V-Mann 7461 – Deckname Laqueur – soll Servatius begleiten und reist nach Köln, um dort ein Visum zu beantragen. (…) Am 16. Januar 61 fand in München ein konspirativ durchgeführter Treff zwischen dem Assistenten des Rechtsanwalts Servatius und einem Angehörigen des israelischen Sicherheitsdienstes statt.” Es ging um Dieter Wechtenbruch. „Weitere Beobachtung ist sichergestellt“, gelobte der BND.”
Zum Zweiten war es nicht nur der in München lebende Wechtenbruch, der auf der Payroll Pullachs stand. Der Einzige, dem Eichmann das Mandat für seine Verteidigung in Jerusalem erteilt hatte, war der Kölner Anwalt Robert Servatius, und der unterhielt seit September 1955 enge Beziehungen zum BND – DAS ist der eigentliche Skandal. Es war der BND, der ihm das Mandat verschafft hatte. Ich zitiere in meinem Buch aus einem BND-Vermerk: „Dr. Servatius versprach sich von einer Zusammenarbeit mit unserem Dienst eine Verwendung im Konsularischen Dienst. Um das Mandat zu erhalten, hat er sich an den Bruder von Eichmann gewandt und ist mit diesem zu einer ersten Besprechung in Salzburg zusammengekommen.” Servatius wurde ein braver Zuträger und sprach seine Schritte mit den Diensten ab. BND-Agenten begleiteten ihn nach Jerusalem”. (BND Sign. 100470)
Was bereits seit den 60-er Jahren bekannt war: Das Kanzleramt wollte verhindern, dass Staatssekretär Hans Globke, Kommentator der Nürnberger Rassengesetze, im Prozess in Jerusalem erwähnt wurde. Ganz im Sinne seines Auftraggebers konnte Servatius in der ersten Instanz seinen Mandanten zu der Aussage überreden, dass ihm der Name Globke nichts sage. Erst nach dem Todesurteil, in der Revision, fühlte sich der Angeklagte betrogen und wollte unbedingt Globke als Zeugen benennen. Servatius verhinderte dies – gegen den ausdrücklichen Willen Eichmanns.
Drittens hatte der BND noch einen weiteren Spitzel zum Prozess geschickt, Rolf Vogel, getarnt als Journalist. Er unterhielt enge Beziehungen zum Mossad und sprach mit Staatschef David Ben-Gurion. Er berichtete nicht nur über den Prozessverlauf und die anwesenden deutschen Diplomaten, sondern brach auch in das Hotelzimmer des Ostberliner Professors Friedrich Kaul ein. Zitat aus einem Geheimvermerk des Auswärtigen Amtes: “Soeben erscheint Rudolf Vogel zusammen mit dem Reporter der Bild-Zeitung, Herr Lynder (während des Krieges englischer Geheimdienst) und deponiert in meinem Hotelzimmer ein Aktenstück. Sie erklären dazu, dieses Aktenstück heute Abend aus dem Hotelzimmer Kaul im Hotel King David unbemerkt entnommen zu haben.“ Das Diebesgut sollte mit Diplomatenpost nach Pullach gehen. „Der Wert der Unterlagen scheint mir nicht allzu groß zu sein“, monierte der Diplomat.”
Auch dazu kein Wort in der SZ, denn offensichtlich hatte man auch nicht im AA recherchiert.
Grund Nr. Vier: Es ist Methode von Geheimdiensten, in das besonders geschützte Verhältnis zwischen Angeklagtem und seinem Verteidiger einzudringen und es gemäß der eigenen Interessen zu lenken – so geschehen etwa im Berliner Schmücker-Prozess (1976 bis 91).
Auch in diesem Verfahren hatte das Landesamt für Verfassungsschutz seinen Spitzel Christian H. als Gehilfen in die Kanzlei eines der Verteidigers eingeschleust, der regelmäßig berichtete. Aufgrund der Manipulationen von Staatsanwaltschaft und Geheimdiensten wurde das Berliner Strafverfahren am Ende eingestellt. Immerhin. Die Manipulationen der deutschen und israelischen Geheimdienste 1961/2 im Verfahren in Jerusalem waren weitaus extremer, eine wahre Kloake, über die aus Gründen der “nationalen Sicherheit” Ministerpräsident Ben Gurion seine schützende Hand hielt und für die sich die israelische Justiz bis heute nicht entschuldigt hat. Warum auch?
Laut SZ soll der BND den Anwalt Servatius mit dem Angebot geködert haben, sein Honorar aus dem Verkauf der Eichmann-Memoiren zu beziehen, seine Verpflichtungen dem Geheimdienst gegenüber verschwieg die Zeitung: “Beim Verwaltungsgericht in Köln hatte er schon vor Prozessbeginn gegen die Bundesregierung geklagt, um von ihr für seine Anwaltstätigkeit entschädigt zu werden, aber Bonn weigerte sich nach wie vor, seine Arbeit zu bezahlen. Die Regierung hatte Angst, mit einem Nazi-Massenmörder assoziiert zu werden.”
Das stimmt so auch nicht. Wenn sich die Süddeutsche korrekt informiert und eine zweite Quelle gesucht hätte – entweder durch eigene Recherche im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (wo die Akten der Verwaltungsgerichte liegen) oder aus meinem Buch abgeschrieben hätte, dann hätte sie die offizielle Begründung für die verweigerte Kostendeckung erfahren. Und das waren zwei Argumente: Zum Einen, weil sich Eichmann der deutschen Justiz, die bereits einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte, entzogen hatte. Und zum Zweiten, weil er seine deutsche Staatsbürgerschaft verwirkt hatte – laut BND-Akten “Staatsgeheimnis” für die Israelis, die seine Staatsangehörigkeit nicht einmal in der Anklageschrift oder im Urteil erwähnten, ebensowenig wie seine Religionszugehörigkeit – eine durchaus wichtige Information in einem Strafverfahren, in dem es um Verbrechen gegen das jüdische Volk ging.
Dass Eichmann seine deutsche Staatsbürgerschaft verwirkt hatte, daran bestand kein Zweifel. Aber Servatius verzichtete, übrigens ebenso wie Staatssekretär Carstens vom AA, auf eine Klärung der Umstände. Denn wenn herausgekommen wäre, dass Eichmann, als er noch Reiseagent der Vacuum Oil Company gewesen war (1927 bis Juni 1933), eine gefälschte Geburtsurkunde (geboren in Haifa) vorgelegt hatte, wäre dies sicher ein riesiger Skandal gewesen – ebenso wie die Merkwürdigkeit, dass er als SS-Offizier seine arische Herkunft nicht nachweisen konnte und es in seinen SS-Personalpapieren eine auffällige Lücke bei der Religionszugehörigkeit seiner Großmutter mütterlicherseits gegeben hatte. Aber, das sind alles Fragen, die die offizielle Geschichtsschreibung ignoriert. Warum also durch kritische Fragen auffallen?
Der SZ-Autor hat vermutlich nicht einmal das Jerusalemer Urteil gelesen, sondern einfach das Narrativ der israelischen Regierung übernommen, wonach Eichmann der Architekt des Holocausts gewesen war: “Er hatte dafür gesorgt, dass die Juden aus ganz Europa ohne größere Fahrplanstörungen in die Gaskammern transportiert wurden.”
Auch das ist so nicht richtig. Zwar war Eichmann als effizienter Bürokrat für den Abtransport der europäischen Juden in die Konzentrationslager zuständig, doch sein eigenes Projekt war nicht die Vernichtung, sondern die Emigration nach Palästina. Wer sich die Mühe macht und das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde besucht, findet dort die Akten der Auswanderungsstelle in Wien, die er bis 1939 geleitet hat. Danach hat er mindestens 50.000 Juden in die Auswanderung gezwungen, das Jerusalemer Urteil spricht sogar von 150.000, denen er – objektiv – das Leben gerettet hat. Im Oktober 1940 sollte Eichmann 6.504 Juden aus Baden in die KZs verfrachten, so lautete der Befehl der Gestapo. Er schob sie stattdessen in den Süden Frankreichs ab. Zitat aus dem Urteil: „Dies (wurde) vom Angeklagten ohne die geringste Rücksichtnahme auf das Leben von deportierten Juden organisiert. Daher behandeln wir diese unmenschlichen Taten als Verbrechen gegen die Menschheit.“ Und schließlich hatte Eichmann in der Revision von seinem Versuch berichtet, 1944 eine Million Juden statt nach Auschwitz an die Grenze zu bringen – im Gegenzug für die Lieferung von 10.000 Lastwagen. Dieses Angebot sei an Globke gescheitert.
Schade, dass es in der Bundesrepublik keine Stimme gibt, die sich in die Öffentlichkeit wagt und ein Machtwort spricht, à la “genug gelogen”!
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„Danach hat er mindestens 50.000 Juden in die Auswanderung gezwungen, das Jerusalemer Urteil spricht sogar von 150.000, denen er – objektiv – das Leben gerettet hat. Im Oktober 1940 sollte Eichmann 6.504 Juden aus Baden in die KZs verfrachten, so lautete der Befehl der Gestapo. Er schob sie stattdessen in den Süden Frankreichs ab. Zitat aus dem Urteil: „Dies (wurde) vom Angeklagten ohne die geringste Rücksichtnahme auf das Leben von deportierten Juden organisiert. Daher behandeln wir diese unmenschlichen Taten als Verbrechen gegen die Menschheit.“ Und schließlich hatte Eichmann in der Revision von seinem Versuch berichtet, 1944 eine Million Juden statt nach Auschwitz an die Grenze zu bringen – im Gegenzug für die Lieferung von 10.000 Lastwagen. Dieses Angebot sei an Globke gescheitert“
Demnach hätten Leben und Prozess Eichmanns ja glatt den Stoff für eine aufwendige Hollywoodinszenierung.
Schlage folgenden Titel vor: „Eichmanns (noch viel längere) Liste“.
Gibt schon was viel Besseres: Salim Samatou bei Ben Ungeskripted
Er rotzt richtig was raus, über diese „Prozesse“
Migrant schockiert – Wie können Deutsche nur so blind sein? https://www.youtube.com/watch?v=HZ-wvoUNwIM
Was an den offiziellen Verlautbarungen der BRD soll denn der Wahrheit entsprochen haben?
Ich kann mich jedenfalls nicht an eine erinnern.
Es ist schon der zweite Artikel von Gabi Weber im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess, woher kommt das Interesse für einen Prozess der vor 65 Jahren stattfand?
Und was den Mossad betrifft so kann ich nur sagen, dass der Mossad oft stümperhaft gehandelt hat und dass er bei weitem nicht so erfolgreich und heldenhaft war, wie viele von ihm annehmen.
Aber ich denke, dass sich die wenigsten Bundesbürger heute für den Mossad oder für den Eichmann-Prozess interessieren.
@henio „Aber ich denke, dass sich die wenigsten Bundesbürger heute für den Mossad oder für den Eichmann-Prozess interessieren.“
Das ist ja das Problem. Nach 1945 war das Interesse äußerst gering, die Gräueltaten und den Terror des Dritten Reiches aufzuarbeiten. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass bei Reichstagswahlen im März 1933 (nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar) 43,9 der deutschen Wähler den bislang größten deutschen Terroristen aller Zeiten gewählt hatten und sich nach dem „Endsieg“ 1945 nicht mehr daran erinnern „konnten“.
Auch heute ist das Interesse am Niedergang der demokratischen Weimarer Republik und dem braunen Terror-Regime von 1933 bis 1945 gering oder sogar noch geringer. Manche Ex-CDU-Politiker, Mitbegründer und „Ehrenvorsitzende“ der blauen 🔷 AfD relativieren, beschönigen und verharmlosen das Dritte Reich inklusive Zweiten Weltkrieg, Holocaust, Euthanasie usw. heute sogar als „Vogelschiss 🐦💩 in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.
Nur so am Rande: Wenn es um das Dritte Reich geht, dann geht es häufig darum, dass von den Deutschen mindestens 6 Millionen Juden zum Teil bestialisch und auf grausame Weise ermordet wurden.
Die
„anständigen, ehrlichen, aufrichtigen, redlichen, rechtschaffenen, tugendhaften, integeren, gewissenhaften, zuverlässigen, vertrauenswürdigen, pflichtbewussten, verantwortungsvollen, loyalen, charakterfesten, prinzipientreuen, moralischen, sittsamen, höflichen, disziplinierten, ordentlichen, sorgfältigen, gewissenhaften, korrekten, tadellosen, makellosen, untadeligen, lauteren, selbstlosen, hilfsbereiten, offenherzigen und aufrichtigen“
Deutschen haben zwischen 1933 und 1945 auch mindestens 250.000 Behinderte und Kranke aus Kostengründen ermordet. Das war kein Gnadentod für austherapierte todkranke Menschen. Da ging es den „Leistungsträgern“ der Gesellschaft nur darum, Kosten zu sparen.
Können Sie mir sagen weshalb Sie meinen Kommentar gelöscht haben?
Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
Über den Völkermord sprechen.
Worauf will Gaby jetzt eigentlich hinaus? Im Kern sagt sie, dass dort in Israel Hans Globke vor dem Gericht hätte stehen müssen und nicht Eichmann. Globke war im Krieg offenbar Eichmanns Vorgesetzter, denn er konnte E.s Vorschlag mit den Lastwagen ablehnen. Da will ich mal ausdrücklich zustimmen. Und es ist nicht kalter Kaffee. Das hat eben im Moment größte Bedeutung.
Globke ist der Kommentator der Rassegesetze. Wenn es das nur wäre. Als rechte Hand Adenauers war er derjenige, der die deutschen Geheimdienste wieder aufbaute und zwar durchweg mit Hardcore-Nazis. Diese hatten den Wunsch, unter sich zu bleiben und meine stets wiederholte Verschwörungstheorie besagt, dass ihnen das gelungen ist. Bis heute. Weiter bilden diese bis heute den Tiefen Staat in diesem unserem Lande.
Unter diesen Umständen war es klar, dass der BND alles tat, um Globke zu schützen und dafür Eichmann opferte.
Ja, da muss man hinschauen, wenn man wissen will, warum hierzulande plötzlich wieder das Unternehmen Barbarossa eine Neuauflage erlebt. Oder warum alle Vorgängervereine des NSU, Thüringer Heimatschutz, Blood&Honour und Marschner-Zelle von einem Verfassungsschützer gegründet, finanziert und geleitet wurden. Oder der MAD, der durch Franco A. mit der Nase auf das Hanibal-Netzwerk gestoßen wurde, dieses aber nicht aufgelöst, sondern gehätschelt hat.
Da hätte ich für zehn Seiten Material. Bin aber müde.
Eigentlich arbeiten die Redakteure in den offiziell lizenzierten Wahrheitsmedien schon heute so, als würden ihre Artikel von der KI geschrieben. Im Netz wird irgendwas zusammen gesucht und dann daraus ein Text gemacht. Das ist zum einen parasitär, weil gnadenlos die Arbeit derer ausgeschlachtet wird, die das ursprüngliche Material erarbeiten, zum anderen wird das Gefundene nicht gewichtet, nicht geprüft, nicht in einen größeren Zusammenhang gestellt, sondern nur noch nach der eigenen Tendenz ausgerichtet.
Ändern kann man das wohl nicht mehr.
Immerhin sind deutsche Behörden heute noch bemüht, ihr einstige Zusammenwirken mit hochrangigen Nazis nicht auf der großen Bühne vorgeführt zu bekommen. Ich denke mal, das ist der Kern der Weigerung, die von der Autorin gewünschten Unterlagen freizugeben. Das muss aber nicht so bleiben und wenn die gegenwärtige Entwicklung so weitergeht, werden wir noch erleben, dass man fordert, man müsse bei den Nazis zu einer „differenzierten“ Sicht gelangen. Schon wegen ihres Kampfes gegen die Sowjetunion.
Deutscher (West) Umgang mit der Vergangenheit war schon lange: Das mit den Juden war nicht in Ordnung. Aber die Russen!
Dieses Land erwartet, dass wir unsere Söhne für seinen Erhalt in den Krieg schicken und opfern sollen. Merkwürdige Idee, sehr sehr merkwürdig.
Danke Frau Weber für Ihre unermüdliche Anstrengung der Wahrheit ans Licht zu verhelfen!
Habe mir noch einmal den Fall „Schmücker“ durchgelesen. Vieles ist ja bei mir wieder in Vergessenheit geraten, aber es ist jedes Mal erschreckend, welcher Sumpf aus Politik, Geheimdiensten und fremden Akteuren sich auftut. Die Vernunft sagt mir, dass es wohl schon immer so gewesen ist in Deutschland, nur hat man mir in der Schule ein ganz anderes Bild dieses Staates vermittelt. Ich merke, wie ich immer wieder an diesem glorifizierten Bild festhalten möchte, trotz aller Erschütterungen. Mir einzugestehen, dass ich in einer Bananenrepublik lebe, wenn auch in einer sehr reichen, fällt mir verdammt schwer.
Das ist alles nicht so einfach, weil mehr Akteure in der Geschichte eine Rolle spielten, z.b. Simon Wiesenthal und seine israelischen Verbindungen, wie in seiner Autobiographie nachzulesen ist.
Den Eichmann-Prozess an sich hielt ich immer für nötig:
Zum einen wurde in Israel das bisherige negative Bild der Shoah-Überlebenden in Israel (-die sich nicht wehrten, so der Hauptvorwurf-) korrigiert und ihr Leid und ihre Erfahrungen in der Gesellschaft endlich anerkannt.
Zum anderen war er für die Deutschen wichtig, auch die Verjährung von Mord betreffend und um die verdrängte Täterschaft ans Licht zu holen. Hier spielte der Prozess auch eine wichtige Rolle bei der Radikalisierung der Studentenschaft. Dennoch wurden die Täter in ihrer überwiegenden Masse geschont, da haben die Krähen einander keine Augen ausgehackt! Denn welche Institutionen waren denn in der Nachkriegs-BRD verseucht (- da gibt es keinen anderen Ausdruck-) ?
-Die Polizei, die Staatsanwaltschaften, die Richterschaft, die Beamtenschaft, v.a. die Lehrer, also die gesamte Judikative und Exekutive
-große Teile des Bundestages und der Landesparlamente, also die Legislative
-später auch noch die Bundeswehrführung
-Das komplette Aussenamt
-Viele Mitglieder des parlamentarischen Rates, in dem dann auch noch die Ermächtigungsgesetz-Abnicker hockten; die haben dann unser Grundgesetz auf den Weg gebracht.
Die haben dann auch dafür Sorge getragen, das die nachfolgende Generation nicht aus der Reihe tanzte und für eine gewisse Kontinuität gesorgt.
Vor Gericht gestellt und verurteilt wurden nur unumgängliche Exponenten oder führende Nazis, wie Göring.
Die darunter liegende Garnitur der Staatssekretäre und Dirigenten, die ohne Zweifel das ganze am Laufen hielten wurden nie belangt und was die Alliierten nicht gleich zum Tode verurteilt und hingerichtet haben nach Kriegsende, denen wurden die Haftstrafen zum größten Teil früh reduziert und dann ganz erlassen.
Der ganze Ausschwitz-Prozess ist ausschließlich dem Engagement des Staatsanwaltes Bauer und seinen wenigen Assistenten zu verdanken, gegen die mauernden staatlichen Institutionen.
Das Eichmann überhaupt vor Gericht gestellt wurde, was absolut nötig war, ist sicher nicht den deutschen Behörden zu verdanken. Der Prozess war nötig und wichtig, das Urteil lehne ich prinzipiell ab, obwohl ich es nachvollziehen kann.
Aber das man dafür Globke in Ruhe ließ, naja, steile These.
Die Gemengelage war doch eine ganz andere, zumal Israel von uns zu diesem Zeitpunkt vor allem Geld wollte, später auch Rüstungsgüter.
Und Globke an den Pranger gestellt hat nicht die bundesrepublikanische Öffentlichkeit, sondern die DDR, sonst wäre diese ganze unappetitliche Gestalt auch unter den Teppich gekehrt worden.
Ansonsten ist das sehr lange her; jetzt geht es wohl eher aktuell darum, das wir auf Dauer hier kein BSHA entwickeln, der Weg scheint mir beschritten.
@Wallenstein
„Die Gemengelage war doch eine ganz andere, zumal Israel von uns zu diesem Zeitpunkt vor allem Geld wollte, später auch Rüstungsgüte“
Andere Gemengelage?
Die Gemengelage war doch eine ganz andere, zumal Israel von uns zu diesem Zeitpunkt vor allem Geld wollte, später auch Rüstungsgüter.
„Die Gemengelage war doch eine ganz andere, zumal Israel von uns zu diesem Zeitpunkt vor allem Geld wollte, später auch Rüstungsgüte“
Andere Gemengelage?
Das komplett Nazi kontrollierte Deutschland war maßgeblich geheimer Finanzier in der entscheidenden Phase des damals ebenso geheimen israelischen Atom-Programms inkl. Nuklearwaffen.
Diese verflucht noch mal nicht vorhandene Fehlerkorrektur und Löschoption.
Geht so dermaßen auf die Eier, wie nur sonst was.
Mit 60 + bin ich zu der Einsicht gelangt dass es nie eine wirklich ersthafte Verfolgung und Bestrafung von NS Verbrechern in der BRD gegeben hat. Es hat im Rahmen der Nürnberger Prozesse zwar weitere Anklagen gegeben u.a. gegen Ärzte,Richter,Industrielle…aber mit welchem Ergebnis? Freisprüche oder aber Haftstrafen die man nicht in voller Länge absitzen musste. Wie viele davon sind nach Entlassung weiter ihrer Arbeit nachgegangen und erst durch Zufall wieder enttarnt / erkannt worden als Täter?
“ Rosen für den Staatsanwalt“ eine der wenigen Filme die das Thema in den 60ern zum Inhalt hatte!
Jetzt zu erfahren , dass vieles unter den Teppich gekehrt wurde VOR und im Prozess Eichmanns verwundert mich deshalb nicht!
Was hätte er eigentlich noch alles aufdecken können- wen mitnehmen können in den Tod? War man daran überhaupt interessiert? Dieser Prozess gegen ihn war wie DER Nürnberger Prozess mit all den Todesstrafen ein Stück Gerechtigkeit und Genugtuung für die Überlebenden und Angehörigen des Holocaust!
Irgendwann bekam ich mit dass 1968 das Dreher Gesetz im Bundestag die Beihilfe zu Mord neu regelte. Viele NS Täter blieben dabei straffrei oder die Beihilfe verjährte! Wie konnte das sein???
Erst ein Jahr später wurde das wieder korrigiert in Richtung Völkermord!
Seid 1979 gibt es erst keine Verjährung mehr bei Mord.
Das erst 80/ 90 jährige plötzlich vor Gericht stehen als Kriegsverbrecher ist für mich mit ein Indiz für die Oberflächlichkeit in der Aufarbeitung! Warum erst so späte Anklagen die am Ende mit Haftverschonung enden!
Weil die AfD vor den Toren zur Macht steht – ein kleiner Fingerzeig?
Wenn ich dann darüber nachdenke wie man mit Kriegsverbrechern wie S.Miloseviv umgegangen ist und wahrscheinlich in Zukunft umgehen wird ,weiß ich Bescheid!
Keine Sorge ,im Krieg ist ALLES erlaubt!
Max Liebermann – ich fühle wie Sie!
Sehr hilfreicher Text (Kompliment an Gaby Weber), um an detaillierten Beispielen nachvollziehen zu können, wie sehr ‚Qualitätsmedien‘, wie die Süddeutsche Zeitung, unter dem Mandat der Selbstzensur dazu beitragen, etablierte Mythen zu reproduzieren und die Geschichte der Sieger weiter zu schreiben.