
Zeichen setzen ist leicht. Aber wem nützt es wirklich? Über Moralgesten, Boykotte und den Freiheitskämpfer in uns.
Die deutsche Wirtschaft will einfach nicht in Schwung kommen, viele Arbeitsplätze gehen uns verloren, andere können wir einfach nicht besetzen, die Deutsche Bahn will einfach nicht besser werden, das Benzin wird immer teurer, deutsche Autos will niemand mehr haben, die großen Reformen bleiben aus und die Bürokratie will sich ohnehin nicht abschaffen lassen. Aber in einem sind wir Weltmeister, wie schon so oft: im Zeigen von Haltung! Diesmal im Fokus: die deutschen Para-Olympioniken. Und ihr Feind: die Russen.
Solidarität, immer wieder

Eines wollten sie ganz dringend: „die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen“ – wie der Deutsche Behindertensportverband mitteilte. Das dazugehörige Verhalten war allerdings einigermaßen komplex. Zunächst hatte der Verbandspräsident einen Boykott der Spiele wegen der nun wieder erlaubten Teilnahme russischer Sportler abgelehnt, weil das in der Vergangenheit nichts gebracht habe. Was natürlich richtig ist, vor allem wenn man sich an den unsäglichen „Bindenskandal“ bei der Fußballweltmeisterschaft in Qatar erinnert. Dann aber wollte das Team D doch keine Sportler zur Eröffnungsvorstellung in Verona entsenden. Teil nahm man dann allerdings trotzdem, und zwar durch Aufzeichnungen, die während der Zeremonie im Stadion und im TV eingeblendet wurden. Bei der Siegerehrung eines Langlaufrennens haben sich die deutschen Sportler Kazmaier und Baumann demonstrativ von ihren russischen Kontrahenten abgewandt. Zur Abschlussfeier war man dann aber doch wieder dabei. Und warum das alles?
Wie das Verhalten, sind auch die Begründungen außerordentlich komplex. Wie bei derartigen Anlässen üblich, werden Gründe genannt, die bei näherem Hinsehen gar keine sind. Zunächst der Präsident: er hatte Boykotte abgelehnt, weil sie nichts brächten. Dies bringt die Funktionalität von Boykottmaßnahmen ins Spiel. Was also kann man mit einem Boykott eigentlich idealerweise erreichen? Einerseits lässt sich argumentieren, dass vor allem Maßnahmen gegen Rassismus, wie gegen die Apartheid in Südafrika durch den Ausschluss von Südafrikas Rugby/Cricket Teams, oder die wiederholten Ausschlüsse des Teams aus Rhodesien bzw. Zimbabwe, tatsächlich effektiv waren. Der Verlust der internationalen Anerkennung war für die betroffenen Regimes spürbar, nachhaltig und schmerzhaft. Aber die meisten anderen Boykotte verliefen wie das Hornberger Schießen: die Olympia-Boykotte von Moskau und Los Angeles, oder die Sanktionen im Zusammenhang mit dem Balkankrieg, von Qatar ganz zu schweigen. Was also genau sollte es bringen, wenn man beim Einmarsch nicht mehr die deutsche Fahne schwingt? Ist die Erwartung, dass Putin sich davon dermaßen erschrecken lässt, dass er seine Soldaten aus der Ukraine zurückzieht? Dass Indien und China so beeindruckt sind, dass sie das russische Öl nicht mehr kaufen? Wer auf dieser Welt wird tatsächlich so labil sein, dass er seine Meinung über die russische Aggression dadurch ändert, dass man den russischen Goldmedaillengewinnern nicht ins Gesicht schaut? Dass der paralympische Boykott oder, sagen wir, das Boyköttchen, deswegen vom Zaun gebrochen wurde, weil man sich dadurch eine Veränderung der Weltlage erhofft hatte, halten wir also für unwahrscheinlich.
Zeichen, immer wieder Zeichen
Andere „Begründungen“ sind erwartbarer. Der vielfache Goldmedaillengewinner Gerd Schönfelder hält den Boykott der Eröffnungsfeier zum Beispiel für „das richtige Zeichen“. Tatsächlich ist das Setzen von Zeichen eine deutsche Lieblingsbeschäftigung. Für wen diese Zeichen allerdings gesetzt werden sollen, wer sie erkennen und lesen soll, und wofür das wiederum gut sein könnte, bleibt in diesem Fall genauso unklar wie in allen anderen Fällen. Definitionsgemäß ist ein Zeichen etwas, was für etwas anderes steht. Wofür also steht der Boykott, wenn es ein Zeichen ist? Schönfelder hat das zwar nicht verraten, aber der Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbandes Marc Möllmann erläutert: das Fernbleiben von der Eröffnungsveranstaltung sei „ein respektvolles Zeichen der Wertschätzung und der Solidarität zur ukrainischen Delegation“. Die ukrainische Delegation hat die Eröffnungsveranstaltung gleichermaßen boykottiert, und da wollte man halt gleichziehen. Prima, nur haben die Ukrainer auch die Abschlussfeier boykottiert. Hier wollten die Deutschen dann doch wieder teilnehmen, und kein „respektvolles Zeichen der Wertschätzung und der Solidarität zur ukrainischen Delegation“ demonstrieren. Um ein Zeichen zu setzen, muss es also in erster Linie einigermaßen billig sein. Wird es den Zeichensetzern zu teuer, zu aufwendig oder zu anstrengend, dann ist mit der Solidarität schnell wieder vorbei. Immerhin hat Litauen mitgemacht!
Aber warum nur?
Die Motivlage scheint übrigens viel deutlicher bei der ukrainischen Delegation. So könnte man jedenfalls meinen. Der nähere Blick ist auch hier etwas weniger vielversprechend. So erläutert der Präsident des ukrainischen Paralympischen Komitees, Walerij Suschkewytsch: „Die russischen Goldmedaillengewinner haben ihre Medaillen Putin gewidmet – nicht dem Land oder dem russischen Volk“. Das ist natürlich provokant und inakzeptabel, zumal für Ukrainer. Das Problem daran ist, dass es halt nicht stimmt. Öffentlich zugänglich sind Äußerungen von drei Goldmedaillengewinnern aus Russland. Ivan Golubkov (Gold, Skilanglauf 10 km sitzend) sagte nach dem Rennen: „Diese Medaille widme ich unserem ganzen Land, ich gratuliere auch dem Präsidenten …“. Russische Medien haben tatsächlich getitelt, er habe die Goldmedaille Russland und Putin gewidmet. Wenn sich also Suschkewytsch so erregt, dann glaubt er offenbar den russischen Medien mehr als dem Sportler. Anastassija Bagijan (2x Gold, Skilanglauf) war noch weniger missverständlich. Nach ihrem Sprint‑Sieg meinte sie lediglich – im exakten Gegensatz zur Behauptung des Präsidenten des ukrainischen Komitees: „Ich möchte dieses Gold dem ganzen Land widmen“. Ganz ähnlich Warwara Woronchichina (mehrfach Gold, Para‑Ski Alpin), die ihr erstes Gold ihrem verstorbenen Großvater und Russland widmete, und später weiteres Gold ihrem Trainerteam. Dennoch ist der Furor von Suschkewytsch ungebremst: niemals würde er an der Abschlussveranstaltung teilnehmen, denn „es wird die Flagge eines Staatsmörders gehisst“. Erst dachten wir, dass es dabei um Trump geht, der gerade den Iran in Grund und Boden bomben lässt, oder um Netanjahu, der im Begriff ist, nach dem Gazastreifen auch den Libanon dem Erdboden gleichzumachen. Aber da haben wir uns wohl vertan.
Bleiben wir bei der Motivsuche. Warum also ist es eine gute Idee, die deutsche Fahne nicht zur Eröffnung der Spiele in die Arena zu tragen und sich von russischen Goldgewinnern abzuwenden? Schönfelder findet die ganze Entscheidung des Internationalen paralympischen Komitees, russische und belarussische Athleten unter ihrer Nationalflagge starten zu lassen und bei Siegen auch ihre Hymne zu spielen, „völlig unverständlich“ und „in der momentanen Situation ein No-Go“, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Warum Schönfelder das findet, sagt er nicht. Kazmaier erwägt, dass die Russen, denen sie ihren Respekt verweigert hatte, vielleicht das System gar nicht unterstützen und dass man vielleicht sogar mit ihnen befreundet sein will. Aber es sei halt „schade, dass die Politik alles überschattet“. Inwiefern sie das tut, und inwiefern es nicht Kazmaier selbst ist, die ihr eigenes Handeln von der Politik überschatten lässt, erläutert sie nicht. Baumann meint, „wir wollten Solidarität mit den Ukrainer:innen zeigen … Ich halte es nicht für richtig, dass die IPC entschieden hat, dass Russland unter eigener Flagge und mit Hymne antreten kann, während die Ukrainer:innen hier sind“. Warum er Solidarität dadurch ausdrückt, dass er Russen keinen sportlichen Respekt zollt, was genau das Problem ist, die russische Flagge zu zeigen und die russische Hymne zu spielen, das verrät auch er nicht.
Wie schon bei der legendären Bindenaffäre bleiben also letztlich mehr Fragen als Antworten. Was im Himmel treibt diese Leute um? Immerhin handelt es sich um Teilnehmer der paralympischen Spiele, also um Leute, die sich leider sehr gut auskennen mit Diskriminierung. Vor allem mit Diskriminierung, für die man selbst gar nichts kann. Warum diskriminieren sie andere Leute, die ihnen, wie sie selbst sagen, unter Umständen sogar sympathisch sein könnten? Warum missachten und beleidigen sie fremde Menschen, nur weil sie aus einem bestimmten Land kommen? Nur weil in diesem Land andere Menschen wohnen, die Befehle eines Regimes ausführen – das wir übrigens weder politisch, noch ideologisch, noch moralisch verteidigen wollen.
Alles hat irgendwie mit allem zu tun
Wir fürchten, dass sich die Gründe für derlei kryptisches Verhalten durch das ungünstige Zusammenwirken von drei psychologischen Mechanismen erklären oder zumindest doch einigermaßen verstehen lassen. Zum ersten hätten wir einen Ladenhüter im Angebot: der schon öfter erwähnte Halo-Effekt. Dieser bereits sehr lange bekannte Effekt besteht darin, dass Menschen die Neigung haben, Personen mit einer positiven oder negativen Eigenschaft auch jede Menge andere positive bzw. negative Eigenschaften anzudichten. So werden schöne Menschen auch für intelligent gehalten, und umgekehrt, große Menschen für gut, usw. und sofort. Und eben hässliche Menschen für dumm, kleine Menschen für hinterlistig, und vieles mehr. Effekte sind keine Erklärungen, und so kann man fragen, warum wir das eigentlich tun. Eine Möglichkeit hat mit dem christlichen Abendland zu tun. Der christlichen Überzeugung zur Folge geht es ja nicht nur um Verhalten, und um darum, ob es gut oder böse ist. Sondern um das Gute oder Böse des ganzen Menschen. Menschen, die böse Dinge tun, müssen demnach auch böse sein, deswegen kommen sie ja auch in die Hölle. Wer also einen Angriffskrieg führt, der kann kein anständiger Mensch sein, kein ungedopter Sportler, kein Menschenfreund. Und auch wenn er den Krieg weder will noch an ihm teilnimmt, so scheint uns doch der Krieg zu zeigen, dass der Russe an sich böse ist. Wir denken nicht, dass das heutzutage noch irgendjemand öffentlich sagen würde, außer vielleicht Suschkewytsch. Und doch passt vieles, was boykottierende Deutsche zu sagen haben, zum christlichen Konzept des Bösen.
Nachdenken heißt nicht umsonst so
Zweitens haben Menschen ein aus wissenschaftlicher Sicht falsches Bild über die Beziehung zwischen ihren Gründen und ihren Entscheidungen. Dem aus der griechischen Philosophie stammenden Stereotyp zufolge überlegen wir hin und her, bevor wir entscheiden, und die Entscheidung stellt daher eine Art von Integration unserer Gründe dar. Zahlreiche Forschungsergebnisse legen aber das exakte Gegenteil nahe: in der Regel entscheiden wir, und erfinden dann Gründe, die diese Entscheidung plausibel erscheinen lassen. Untersuchungen des amerikanischen Moralpsychologen Jonathan Haidt haben zum Beispiel gezeigt, dass Studenten Ereignisse oft übermäßig moralisierend einschätzen und dann ganz offensichtlich erfundene oder jedenfalls ziemlich unsinnige Gründe für ihre Einschätzung nennen. Viele finden zum Beispiel, dass eine fiktive Familie ihren geliebten Haushund, der bei einem Unfall zu Tode kam, nicht am Sonntag verspeisen darf. Selbst dann nicht, wenn niemand etwas davon weiß, niemand etwas davon sieht oder hört, sodass nicht einmal die Information selbst irgendwelchen Schaden bei irgendjemand anders anrichten könnte. Weil man das halt nicht tut. Bessere Gründe konnte keiner der Studenten angeben. Dasselbe Kaliber haben die Gründe der boykottbegeisterten Sportler: das ist ein No-Go, das ist nicht akzeptabel, das kann man doch nicht ertragen, das ist doch nicht zu verstehen – das sind die immer wiederkehrenden „Gründe“ für Boykottmaßnahmen. Im amerikanischen nennt man das seit Haidt „moral dumbfounding“, also das hartnäckige und ratlose Festhalten an einem Urteil ohne jede (wirkliche) Begründung. Was wie eine Begründung aussieht, ist bloß eine Beschreibung des gefällten Urteils in anderen Worten. Man findet etwas, weil man es halt findet, und das tut man, weil es halt richtig ist. Nachdenken heißt so, weil man erst handelt und dann denkt.
Besser Unsinn machen als gar nichts
Ob Sie nun Fan von Helmut Schmidt sind oder bei den anonymen Alkoholiker gearbeitet haben, Sie werden in jedem Fall von diesem Spruch gehört haben: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Nicht jedem ist es aber nun gegeben, sich diese Gelassenheit zu erarbeiten und nicht jeder hat die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Menschen haben einen starken Drang zu dem, was man im englischen Agency nennt: den Willen, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Auch dann, wenn man eigentlich gar nichts tun kann, und wenn man eigentlich gar nicht zuständig ist. So wie beim Ukrainekrieg. Manche von uns mag er beängstigen, andere wird er ärgern, vielleicht sogar empören, und viele werden damit ganz und gar nicht einverstanden sein. Trotzdem wird kaum jemand von uns in der Situation sein, an diesem Krieg irgendetwas zu ändern.
Das aber kann nicht jeder ertragen. Aus manchen will es einfach heraus, und so tut man eben Dinge, die sich wenigstens so anfühlen, als läge es in der eigenen Macht, etwas gegen den Krieg zu tun. Und sei es dadurch, dass man Russen aus Opernhäusern hinausjagt, in die man sie vorher noch mit viel Geld gelockt hat – wie den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker Valery Gergiev. Er war Freund von Putin, genauso wie Schröder. Das ist natürlich ruchlos, das sollte jedem klar sein! Wie kann jemand, der Freund von einem bösen Menschen ist, jemals gut sein? Die Entlassung ist somit ein gezielter Schlag gegen das Böse, die persönliche Agency wird befriedigt, der eigene Beitrag gegen den Ukrainekrieg ist gelungen. Wie auch das demonstrative Abwenden vom teuflischen Goldmedaillengewinner. Nimm das, Satan!
Dass das Quatsch ist, ist offensichtlich, aber dennoch fühlt es sich gut an. Und darum geht es ja. Wenn sich also alle Deutschen hinreichend anstrengen, richtig viele Russen richtig scheiße zu behandeln, dann ist vielleicht der Krieg noch nicht gewonnen, aber wenigstens fühlen wir uns als Freiheitskämpfer, die ihre Zeichen gesetzt haben! Die Zeichen, die wir setzen, wollen also gar nicht von anderen gelesen werden, sondern wir setzen sie für uns selbst. Wir symbolisieren unseren Freiheitsdrang und markieren, dass wir einen Beitrag zur Befreiung des ukrainischen Volkes geleistet haben. Dass wir damit so gar nichts erreichen, ficht uns nicht an. Denn es geht ja nicht um die Sache, es geht auch nicht um andere, sondern es geht nur um uns selbst. Um den Che in uns! Venceremos!!
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Das selbst Behinderte als Benachteiligte sich auf Spur bringen lassen anstatt sich weltweit gegen Benachteiligung einzusetzen ist schon bezeichnend.
Wenn die Welt Gott Donald nicht nicht folgen will und ihn erzürnt dann wird er Feuer auf die Erde bringen.
https://www.pressenza.com/2026/03/americas-war-without-a-cause/
Die Welt lacht über Deutschland. Es interessiert keinen mehr, was der deutsche Gartenzwerg mag oder nicht mag.
Bei aller Zustimmung zum Beitrag ich zitiere hier den „Sozialhelden“ Raúl Aguayo-Krauthausen (https://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%BAl_Aguayo-Krauthausen) aus meinem Gedächtnis, der in einem seiner Bücher schreibt, dass ihn nervt, dass Behinderte oft nicht wie alle anderen Menschen auch behandelt werden….
Sein Rat Behinderte sind auch nur Menschen, und man soll Behinderte normal behandeln, wie alle anderen gesunden Menschen auch – also sie weder überhöhen noch ausgrenzen.
Alles andere wäre nicht hilfreich, und würde manche, von einer Behinderung betroffene, sogar selber nerven.
Ergo, ist es auch überaus normal, dass es eben auch Behinderte mit Russophobie, und Ukraineüberhöhung, gibt
M e n s c h e n
wie wir alle eben nur Mitmenschen, mit all ihren Stärken und Schwächen, ihren Urteilen und Vorurteilen gegenüber anderen. 😉
Sorry, nur meine bescheidene Meinung, nicht erst seit ich die Bücher, von oben erwähnten Autor gelesen habe.
Gruß
Bernie
Gerade der Sport, der im Nationaltrikot stattfindet, sollte ausschließlich der friedlichen Völkerverständigung dienen und eine Brücke über nationale Konflikte hinweg schlagen. Wer das nicht kapiert, sollte der Veranstaltung fern bleiben oder wegen unsportlichen Verhaltens disqualifiziert werden.
Mein spontanes Urteil: Das ist das bislang übelste Machwerk, das auf OV als Artikel erschienen ist. Lorenza Colzato und Bernhard Hommel lieben ja spontane Urteile, nähren sie doch, was sie zur Profession gemacht haben, die in „wissenschaftliches“ Gewand gekleidete, rassistisch-patriarchale Herabsetzung des „Massenmenschen“ und seiner theoretischen Entmächtigung. Beste Begleitmusike zur Renaissance des „Führerprinzipes“ im Sinne eines Carl Schmitts, das den Geist von Kommentariat und Redaktion hier prägt.
Kurze Antithese: Bürgerliche Menschen des 21. Jhd, die nicht zu den berüchtigten „1%“ Wohlhabenden zählen, verfügen – schematisch – über etwa 0,00001% ihrer Entscheidungsgründe, der Rest ist ihnen im Leben der Nation entzogen. Die sie nicht verlassen können, und wenn sie sie verlassen, landen sie unweigerlich – wie gesagt, die 99% – in einer anderen Nation, für die dasselbe gilt.
Also „tun sie, was sie tun müssen“. Dieser Spruch fiel fehlt bezeichnenderweise in der anglophilen Spruchsammlung der Autoren. Die Sprecher zapperln in der Zange zwischen Anforderungen des Kapitals und der Staaten an ihre Dienstbarkeit und den aller elementarsten Lebensbedürfnissen, einschließlich abzulachen und zu ficken.
So seien sie halt gestrickt, die Dummbatzerln, konstitutionell:
Die Diagnose liegt ihnen derart am Herzen, daß sie die doppelte Fälschung nicht schert. Weder ist agency semantisch das, was sie daraus machen, noch geht es überhaupt in dem, was sie kolportieren, um „agency“, weder die korrekte noch die gefälschte Fassung, sondern um die Elementarform dessen, was in „Olympia“ abgefeiert wird: Teilhabe, egal, wie. „Dabeisein ist alles“. Bis in die Haarspitzen sind Lorenza Colzato und Bernhard Hommel von diesem Motto angefüllt – standesgemäß, versteht sich.
Und über dieses Fazit können sie wohlmöglich herzlich ablachen.