Das Phänomen Benjamin Netanjahu

Benjamin Netanjahu. Bild: Avi Ohayon / Government Press Office/CC-BY-SA-3.0

Was ist es, was Netanjahu trotz all seiner Verfehlungen politisch am Leben erhält? Warum wird in Israel zugelassen, was jeden politisch vernünftigen Menschen fassungslos machen müsste?

 

Israelische Publizisten und politische Beobachter sehen sich vor einem Problem gestellt: Wie soll man Benjamin Netanjahu beurteilen? Dass der Mann ein Phänomen ist, steht außer Frage; aber was für ein Phänomen ist es, mit dem man es in seinem konkreten Fall zu tun hat? Es gibt einige, die meinen, man müsse zwischen dem “frühen Netanjahu” und dem heutigen unterscheiden. Andere vertreten die Ansicht, dass er im Wesen immer schon das war, als was er sich in den letzten Jahren entpuppt. Wieder andere glauben, beide Ansätze miteinander verbinden zu sollen: Der Mann sei voller Diskrepanzen und Widersprüche, und eben dies mache sein Wesen aus; man könne ihn schlechterdings keiner eindeutigen Kategorisierung unterordnen.

In der Tat muss man sich mit Grunddaten des politischen Lebens Netanjahus auseinandersetzen: Er ist der am längsten regierende Premierminister der israelischen Parlamentsgeschichte. Er ist zwar nicht der erste Premierminister, der der Korruption angeklagt wird, aber doch der, der trotz des ihm gemachten Prozesses sich weigert, sein Amt aufzugeben. Er ist intelligent und gebildet, zugleich aber auch von besonderer Perfidität in seiner sich aus Heimtücke, Infamie, Selbstmitleid und Skrupellosigkeit bildenden Polemik.

Er kennt den US-amerikanischen Liberalismus aus eigener biographischer Erfahrung, ist mithin ideologisch geprägter Platzhalter des Kapitalismus, und gilt doch als Abgott der schwachen Schichten und Klassen der israelischen Gesellschaft. Er ist ein säkularer Mensch, dessen Privatleben sich eher durch Übertretung als durch Einhaltung religiöser Gebote auszeichnet, und doch sieht er die religiösen jüdischen Parteien der Knesset (einschließlich der nichtzionistischen) als seine “natürlichen Verbündeten” an. Er pflegte dem Rechtsstaat emphatisch das Wort zu reden, und dennoch ist er es, der ihn heute untergräbt und die Reste der formalen Demokratie Israels in ein Regime überzuführen trachtet, an dessen Spitze er mit diktatorischen Vollmachen wird regieren können. Und Netanjahu, der sehr auf “seriöses Auftreten” achtet, ist ein ruchloser Lügner.

Es ließe sich noch vieles an Gegensätzen und Widersprüchen in der Person Netanjahus anführen. Das möge aber hier zur Charakteristik reichen. Besondere Aufmerksamkeit zieht aber – und das kann hier nicht unterschlagen werden – das familiäre Umfeld des Regenten, seine Frau Sara und sein ältere Sohn Yair. Nach allem, was glaubwürdig berichtet wird, ist der Regierungschef in kritischer Weise von Frau und Sohn beeinflusst, ja beherrscht, und zwar nicht bei unerheblichen Kleinigkeiten, sondern bei gravierenden politischen Entscheidungen, die Institutionen und Strukturen belangen, aber auch bei wichtigen Nominierungen in der Administration, in der Armee und selbst im Geheimdienst.

Von Sara Netanjahu weiß man, dass sie in unkontrollierte Tobsuchtsanfällen gerät; Yair Netanjahu ist der engste Berater seines Vaters, tut sich aber oft öffentlich vor allem durch rabiate Gossensprache und ausfälliges Verhalten hervor. Die Publizistik fragt sich oft, was es ist, das die beiden gegen Benjamin Netanjahu in der Hand haben; womit sind sie in der Lage, ihn so zu erpressen, dass er ihrem Wahnwitz und ihren Überspanntheiten nachgibt. Oder gibt er etwa gar nicht nach? Kann es sein, dass er den Ratschlägen seines familiären Umfelds (von denen man nicht weiß, auf welchen Kompetenzen sie beruhen) aus Überzeugung folgt? Sollte es gar so sein, dass alles, was als ihr Einfluss ausgelegt wird, letztlich von ihm selber stammt? Man könnte auch in diesem Zusammenhang noch so manches an pathologisch anmutenden Erscheinungen und Vorkommnissen anführen. Aber auch das sei hier vernachlässigt.

Der öffentliche Diskurs ist weitgehend zu einem Meinungs-, Larmoyanz- und Denunziationsbrei geronnen

Denn die Frage, wie Netanjahu sich trotz all dieser Widrigkeiten so lange behauptet und aus jeder Bredouille, in die er geraten ist, stets gestärkt, ja gestählt hervorgeht, muss nicht durch die ihm eigenen Eigenschaften und Qualitäten erklärt werden, sondern durch äußere Faktoren, die sein Phänomen erst eigentlich ermöglichen.

Zum einen wäre da seine Anhängerschaft. Man kann sich immer wieder nur wundern, welche eiserne Treue sie ihm seit Jahren wahrt; welche hohe Wertschätzung und Bewunderung sie ihm entgegenbringt; wie unerbittlich sie ihm folgt. Verschiedenes spielt da mit herein: Netanjahu ist ein gewiefter Kampagnenstratege, der Wahlsiege einfährt; er verschafft seiner Partei (und seinen getreuen Parteigenossen) gute Jobs in der politischen Sphäre; mit seinen politischen (auch manipulativen) Fertigkeiten und instrumentellen Praktiken ragt er über alles, was die israelische Politlandschaft aufzuweisen hat, bei weitem heraus – in seiner eigenen Partei kann ihm in der Tat niemand das Wasser reichen, weshalb sich alle vor ihm ducken.

Aber Netanjahu hat auch das ideologisch fundierte, arglistige Kunststück fertiggebracht, sich als genuiner Repräsentant der Wählerschaft orientalischer Provenienz zu profilieren; er, der aschkenasische Multimillionär, hat es immer wieder verstanden, das ethnische Ressentiment seiner Klientel gegenüber der “aschkenasischen Hegemonie” auszuspielen – aber das heißt auch, dass diese Klientel bereit ist, diesen bemerkenswerten Widerspruch hinzunehmen und sich manipulieren zu lassen. Es stellt sich ein ums andere Mal heraus, dass das Ressentiment stärker ist, als jeder Versuch, es rational bzw. auf der Basis einer objektiven Interessenanalyse zu durchbrechen.

Aber es gibt da noch zum anderen ein Moment, das möglicherweise nicht nur für Israel gilt, aber in Israel der letzten Jahre sich zu einem Wesenszug des öffentlichen Diskurses verfestigt hat: Die Kategorien von Wahrheit, Richtigkeit, Lüge und Falschheit haben abgedankt. Auch die Realität ist für viele im Land kein Kriterium mehr für ihre gefestigte Einstellung zum Wahrgenommenen. Durch eine umgreifende Manipulationspraxis, die legitimierte Diffamierung von Personen, eine konspirativ orchestrierte Verbreitung von “Theorien” und realitätsfernen Vorurteilen über “Hegemonie” und “Demokratie” in Verbindung mit historischen Kränkungen und unreflektierten Gefühlen der Diskriminierung und Unterprivilegierung ist der öffentliche Diskurs in Israel weitgehend zu einem Meinungs-, Larmoyanz- und Denunziationsbrei geronnen, der die objektiv notwendige Klärung von historischen Defiziten und aktuellen strukturellen Disparitäten verunmöglicht.

Die kritische Intelligenz steht dem, ihrer traditionellen Kapazitäten rationalen Denkens und reflektierter Analyse beraubt, machtlos gegenüber. Ihre Ohnmacht wird von vielen hämisch gefeiert und schamlos verspottet. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, wieso ein der Korruption, des Betrugs und der Veruntreuung angeklagter Premierminister noch nicht von seinem Amt geflogen ist, eine im heutigen Israel irrelevante Frage. Denn die ihr zugrunde liegende moralische Logik wird mit dem “Gegenargument” konterkariert, Netanjahu sei lediglich das Opfer einer Justiz, die ihn politisch zu Fall bringen möchte. Was ihm angehängt wird, sei aus politischem Interesse erfunden; und wenn er zu Fall gebracht würde, sähen sich seine fanatischen Anhänger ihrer “demokratischen” Wahl beraubt.

Die größten Sprachrohre dieser “Theorie” sind die von Netanjahu eingesetzten MinisterInnen. Die große Masse sieht sich durch die Angriffe auf den Führer in ihrer “Ehre” (um nicht zu sagen, in der eigenen Raison d’être) getroffen. Und je mehr sich die Attacken gegen den der Kriminalität Angeklagten häufen und verstärken, desto unerbittlicher wird er vom gehorsam hinter ihm stehenden Lager in Schutz genommen. Eher will man, dass die Justiz abgeschafft (bzw. der Regierungsmacht unterstellt) werde, als dass man bereit wäre, sich von der Platzhaltern der alten “Hegemonie” und den seit jeher aschkenasischen “Privilegierten” sagen zu lassen, was man für kriminell, für illegal und unmoralisch zu erachten habe.

Netanjahu ist zwar nicht unbeteiligt an der kollektiven Genese dieser Sackgasse, vor allem ist er aber ihr Symptom. Er ist das Symptom eines allmählich zugrunde gehenden Landes.

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24 Kommentare

  1. Netanyahu ist nach dem Tod Ariel Scharons und der Kompromittierung Baraks (die Ermordung Epsteins half nicht) der politische Überlebende der Bande, welche die Ermordung Rabins orchestriert und einem anschließenden stillen Putsch der israelischen Militäraristokratie vorgestanden haben. Diese Militäraristokratie hat anschließend jeden gottverdammten Israeli m/w, der dem Land nicht für immer den Rücken kehren wollte, genötigt, seine Pfoten bis an die Ellbogen in Palästinenserblut zu tauchen – der Judenstaat wurde Homeland einer Bande sadistischer, faschistischer Mordbuben und ihrer mehr oder minder selbstgerechten, bzw. mehr oder minder schuldbeladenen Komplizenschaft.

    Mehr ist da nicht, nicht im Kern.

  2. Die Artikel von Moshe Zuckermann sind immer sehr informativ und ich mag bei bestimmten Autoren, wie ihm, ihr schönes Deutsch. Oft fällt mir dazu wenig ein, gerade wenn Artikel sehr gut durchdacht sind, wie z.B. auch von Rainer Mausfeld.

    Das geschrieben, würde ich mich schon noch über eine genauere Beschreibung der Personen im israelischen Staat und vor allem dafür interessieren wie der tiefen Staat funktioniert, der hier klar am Werk ist.
    Es ist meines Wissens der Prozess um die deutschen U-Boote, der diese Staatskrise ausgelöst hat?
    Ich höre dazu immer mal wieder was von Shir Hever und Andrew Feinstein, aber das ist jetzt auch schon Monate her. Das müsste man meiner Meinung nach mehr betonen, denn das wird gerade von Lesern, die sich nicht mit so oft mit der Materie beschäftigen, vergessen.
    Oder es ist ein Ringen zwischen 2 großen Lagern, Naftali Bennett der Kopf des anderen Lagers, die das Netanyahu-Lager beerben wollen?

    Weil die Israellobby so aggressiv ist, macht man lieber einen Bogen um sie. Sie nehmen sich eh für wichtiger als sie sind, wie auch Ukrainer, Polen oder Deutsche.

  3. Viele Israelis haben sehr wohl ein Gefühl des Unrechts. „Lasst uns heute die Mörder nicht verdammen. Was wissen wir denn von ihrem grausamen Hass auf uns? Sie müssen seit acht Jahren in den Flüchtlingslagern des Gazastreifens leben, während wir, gleichsam unter ihren Augen, das Land, auf dem sie und ihre Vorfahren lebten, zu dem unseren machen…“ (Moshe Dayan, zitiert nach Fischer Weltgeschichte 36 S. 191) Moshe Dayan folgert: „Wir sind eine Siedlergeneration, die ohne Helm und Gewehr keinen Baum pflanzen und kein Haus bauen kann.“ „Wenn hier Palästina ist, dann gehört das Land dem Volk, das hier lebte, bevor sie gekommen sind. Nur wenn hier Erez Israel ist, haben sie das Recht, in Ein Hakohoresh und Degana zu leben.“ (Menachem Begin, zitiert nach Fischer Weltgeschichte 36 S. 175) Die Angst solidarisiert sie mit Netanjahu. Vielleicht wirkt es beruhigend, wenn man darauf hinweist, dass die Kreuzfahrerstaaten 200 Jahre bestand hatten.

  4. Ein paar Fragen!
    Israel ist für mich ein Land voller Rätsel, sehr schwer zu verstehen. Daher verstehe ich die Deutschen nicht, die doch über ein jetzt sichtbar gewordenes unterkomplexen Weltbild verfügen. Sie haben industriell die Juden abgeschlachtet und maßen sich jetzt an, dieses komplexe Land zu verstehen. Das kann nur zu falscher Wahrnehmung der Realität führen.
    Wenn ich es richtig verstehe, so gibt es in Israel einen wachsenden Widerspruch zwischen den Aschkenasi-Juden und den europäischen Juden. Diese haben den Zionismus „gegründet“ und mit Hilfe der Sowjetunion den israelischen Staat. Die israelische Luftwaffe wurde bekanntlich in der CSSR ausgebildet.
    Nach den Zusammenbruch der Sowjetunion gab es eine verstärkte Zuwanderung von Aschkenasi-Juden aus Osteuropa, denen traditionell ein eher „asiatisches Denken“ anhaftet. Sie lieben vielleicht auch deshalb starke Führer. Die Aschkenasi wurden ja vom kommunistischen Konvertiten Arthur Koestler als 13. Stamm Israels betrachtet. Sein gedrucktes Buch wird im Netz mit 100 Euro gehandelt.

    Haben wir es also auch mit einen innerisraelischen Machtkampf/Widerspruch zwischen eher liberalen „Westjuden“ und den Ostjuden zu tun?

    Bei dieser Fragestellung haben wir jetzt komplett das palästinensische Volk, dessen Land geraubt wurde, außen vor gelassen. Oder sind etwa die Palästinenser ethnische Juden, denn nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer ist doch nur die jüdische Oberschicht emigriert, das Volk blieb in Palästina, das es damals noch nicht gab. Aus diesen Gedanken würde die Einstaatenlösung folgen, denn die Paläsinenser sind ethnische Juden. Aber führen solche ethnisch/rassistischen Überlegungen nicht in die Irre? Ein weltlicher Staat kennt nur Bürger, keine Ethnien. Diese müssen gleichberechtig sein…..!

    Viele Fragen, wenig Antworten!

    1. Wer ist BELLA? GPTChat?
      Da kommt schon einiges durcheinander. Aber die Haltung ist durchaus verständlich und auch um Differenzierung bemüht.
      Ich schlage eine begleitende Quellenarbeit vor.

      1. Was ist GPT Chat?
        Ich verfüge durchaus über eine ausreichende Israel Bibliothek. Einer meiner israelischen Lieblingsautoren ist Shlomo Sand, der sehr ausgiebig die Frage der Nation analysiert.
        Sie können doch hier antworten, aber es braucht nicht jeder zu wissen, wer ich bin

        1. Bei dem Hinweis auf Shlomo Sand ist vor allem ein klar: vermutlich ist Bella ein Kampfbegriff für journalistische Feuergefechte. Ich empfehle jedenfalls einen weniger ambitionierten Umgang mit „ausreichender“ Literatur. Zum Beispiel einmal Arthur Koestler zum „13. Stamm“ nachlesen.

        2. Ein Tipp:
          Amar-Dahl, Tamar. Der Siegeszug des Neozionismus – Israel im neuen Millenium. Promedia Verlagsges. Mbh, 2023.
          TAMAR AMAR-DAHL
          Der Siegeszug des Neozionismus
          Israel im neuen Millenium
          PROMEDIA VERLAG 2023
          TASCHENBUCH 222 SEITEN ISBN 9783853715147
          Die Jahrtausendwende markierte eine Zäsur: Israels politische Entscheidung, den bewaffneten Volksaufstand der Palästinenser gegen die Besatzer als Terrorismus zu bezeichnen und niederzuschlagen, diente zur Legitimation des Besatzungsregimes und legte einen immer vehementeren Zivilmilitarismus der israelischen Gesellschaft offen. Verheerende Kriege folgten, und der einst in der israelischen Gesellschaft stark vorhandene Linkszionismus verlor massiv an Einfluss. Mit ihm verschwand zugleich die alte Friedensideologie. In der tiefsten Sinnkrise des zionistischen Israel verschoben sich die politischen Verhältnisse, sodass rechte Kräfte salonfähig wurden. Die Wiederwahl von Benjamin Netanjahu 2009 und 2022 markiert den Siegeszug der Neozionisten. Leseprobe

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          Der Siegeszug des Neozionismus wurde besprochen:
          Der Perlentaucher notierte zur Besprechung vom 11.04.2023 bei
          SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
          Rezensent Joseph Croitoru liest interessiert dieses Buch der Historikerin Tamar Amar-Dahl, die den Einfluss Benjamin Netanjahus auf die seit zwanzig Jahren stetig nach rechts rückende Politik in Israel untersucht. Der Rezensent schätzt die „detaillierte und solide Chronik“ des Konflikts zwischen Israel und Palästina, wundert sich allerdings, dass die Historikerin die Friedensgespräche von 2007 in Annapolis außen vor lässt. Aufschlussreich findet der Rezensent Amar-Dahls Ausführungen zur ideologischen Verschiebung unter Netanjahu, die der Autorin zufolge auf den zunehmenden „Neozionismus“ bei den politischen Eliten zurückzuführen ist. Dieser zeichne sich vor allem durch eine „immer kompromisslosere“ territoriale Anspruchshaltung mit religiösem Hintergrund aus, erklärt der Kritiker. Im letzten Kapitel beleuchtet die Autorin vor allem die destruktive Rolle Netanjahus, so der Rezensent, der ihr zufolge als „Neozionist“ und „Machtbesessener“, die politische Spaltung des Landes bewusst ausnutzte und vorantrieb.

  5. Das gleiche im Westen, überall sind ‚Verbrecher‘ in Amt und „Würde“!
    Oder die ‚letzte Generation‘ ghosting WEF Kandidaten, zeigen so offensichtlich, das solche ‚Hohlköpfe‘ nur Befehlsempfänger sind.
    Da die goldenen alten Zeiten der 1MRD sich dem Ende neigt, erhält sich eine kleine Gruppe ihren feudalen Status
    In vielen Regionen der Welt entstehen Oasen für das 1%, abgeschirmt, gesichert etc.

  6. Nach mehrmaligen Studium des von mir sehr geschätzten Autors fallen mir einige – überraschende oder nicht überraschende – Parallelen auf: zu Selensky und Joe Biden.
    Selensky ist ja auch Aschkenasi-Jude, aufgewachsen in einen korrupten, oligarchisch strukturierten Land, das erst seit sehr kurzer Zeit unabhängig wurde. Haben beide Politiker, Netanjahu und Selensky, korrupte, oligarchische Wurzeln?
    Die starke Abhängigkeit von der Familie kann man auch bei Joe Biden beobachten, wobei Netanjahu körperlich deutlich fitter ist als Sleepy Old Joe. Bidens Sohn Hunter besitzt Fabkriken, darunter eine Pharmafabrik, in der Ukraine und bezieht von dort Geld. Es ist in den US wegen mehrerer Sex-Skandale angeklagt.
    Wie der Aitor fragt, kann man diese Vergleiche als Zustandsbeschreibung der „modernen westlichen Demokratie“ sehen. Diese ist weltweit im Abstieg, was an den genannten Personen gezeigt werden kann.
    Die Erneuerung der Demokratie kommt aus den Osten, zu den auch die Aschkenasi gehören. Aber wahrscheinlich ist hier noch viel „politische Erziehungsarbeit“ notwendig?!
    Es ist schwierig, einfache Antworten gibt es nicht!
    Aber leider denkt der Westen immer unterkomplexer, während Asien „immer klüger“ wird!

  7. Meiner Meinung nach ist,stark vereinfacht,der Konflikt in Israel ein Konflikt zwischen „Nationalismus“ und „Zionismus“.Die Träger des „Nationalismus“sind in der Mehrzahl Sephardim und religiöse Juden während die „Zionisten“ ihre Anhängerschaft eher unter den Ashkenasim und den säkularen Juden haben.Gleichzeitig ist es auch ein ökonomischer und sozialer Konflikt zwischen der Minderheit der „Zionisten“,die in Wirtschaft,Militär,Justiz…den Ton angeben und „den Rahm“ abschöpfen und der Mehrheit der „Nationalisten“,die oftmals benachteiligt sind…
    Wer sich letztendlich durchsetzt,wird über das Schicksal des Landes entscheiden…Angesichts des sich in einem größeren Integrationsprozess befindlichen Arabisch-Türkisch-Asiatischen Raumes und der nachlassenden Macht des „Westens“ wird für Israel die Frage stehen: Integration in einen Westasiatischen Raum oder Militärstaat,der zunehmend wirtschaftlich,sozial und kulturell zerfällt… Diese Frage werden nur die Israelis zu entscheiden haben…

      1. Wenn ich die (politische) Person B.Netanjahu verstehen will,dann komme ich nicht darum herum,das Umfeld,in dem er agiert,zu verstehen…
        Der innerisraelische Konflikt wird leider auch auf dem Rücken der Palästinenser ausgetragen…Mit Amtsantritt der jetzigen isr.Regierung wurde die Verantwortung für die besetzten Gebiete vom Militär auf das Sicherheitsministerium übertragen.Prompt organisierte das Militär eine Razzia in der Westbank mit der Ermordung mehrerer Palästinenser…Eine Botschaft,wer der Herr im Hause ist…In Erwiederung organisierte Ben Gvir die Prügelorgie in einer Moschee auf dem Tempelberg…die Reaktionen der Araber daraufhin waren die Botschaft an den Militäradel…einen großen Krieg gegen die islamische Welt will er nicht…und die Reaktionen der „westlichen“Welt haben gezeigt,dass gegenwärtig wenig Unterstützung von dort zu erwarten ist…
        Netanjahu ist ein Machtmensch,der mit beiden Lagern spielt,um seine Macht zu sichern…ob er weitergehende Ziele hat,ist nicht zu erkennen…jedenfalls ist er Pragmatiker mit einem Instinkt für Möglichkeiten…
        Als Außenstehender ist es fast unmöglich,die Nuancen der israelischen Politik zu erkennen.Subjektiv würde ich sagen,dass durch Veränderung im regionalen Umfeld und die Demografie eine schleichende Veränderung Israels erfolgt….

    1. Hm, ist nicht der Zionismus eine typisch nationalistische Idee? Ist nicht der Zionismus die Ideologie des israelischen Nationalstaates, also des israelischen Nationalismus?
      Zweifellos erleben wir die Geburtsstunde einer neuen, mulitpolaren Welt. Wie der Name multipolare Welt schon sagt, gibt es dort keine eindeutigen Machtzentren mehr und „Herrenvölker“ denen sich der Rest der Menschheit unterordnen muß. Wie Israel sich positioniert, ist allein Sache der Israelis. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die Atommacht Israel kein Vasall der Amis wird/bleibt!
      Davon unabhängig ist die Palästinenserfrage zu sehen, die nur beide Völker gemeinsam und friedlich lösen sollten!

      1. Den letzten Satz würde ich genau umgekehrt sehen: Je eher Israel zu einem friedlichen Ausgleich mit den Palästinensern kommt (und möglich ist der allemal!), desto stärker wird seine Unabhängigkeit gegenüber den USA sein. Ein Vasallentum Israels, wie es zB in Deutschland herrscht, gibt es in Israel eh nicht. Ihre Geschichte hat die Israelis gelehrt, sich im Prinzip nur auf sich selber zu verlassen – daran ändern auch alle Zuwendungen aus den USA nichts. Leider geht die national-religiöse Regierung genau den entgegengesetzten Weg: sie lässt die extremistischen Kräfte unter den Palästinensern machen und bewahrt sich damit ein nützliches Feindbild. In dessen Schatten kann sie tun und lassen, was sie will.

        1. Also ihre Idee von einer geeinten palästinensisch-jüdischen Nation – was wohl die Ein-Staaten-Lösung wäre – ist natürlich ein schöner Gedanke. Ich befürchte aber, dazu ist die Zeit noch nicht reif. Zuviele Wunden sind noch nicht verheilt!
          Ein neues Israel-Palästina oder Palästina-Israel muß dann seinen Weg in der Weltpolitik selbst finden. Ich glaube aber auch dort wird es „einen Hang nach Osten“ geben, weil asiatischer und israelisch-palästinensischer-arabischer Geschäftssinn gut zusammenpassen.
          Und das derzeitige Israel war doch eher der Schwanz, der mit der amerikanischen Katze gewackelt hat, nicht umgekehrt. Ich glaube auch gerade im zionistischen Lager weiß man noch, daß Israel seine Existenz der Sowjetunion und nicht den Westen zu verdanken hat und fühlt sich deshalb Russland als Nachfolgestaat noch immer in gewisser Weise verbunden. Ja und die Aschkenasi kommen doch aus den ehemaligen sowjetischen Imperium….

  8. Jenseits der konkreten Person Netanyahu kann man wohl sagen, dass eine auf anonyme Mehrheiten beruhende Staatsform eine Achillesferse hat, die sich schon im antiken Athen verhängnisvoll ausgewirkt hat. Damals hiess der Dominator Perikles. Auch dieser schaffte es, sich innerhalb der (sehr anders als der bürgerlichen) verfassten athenischen Demokratie eine derartige Machtbasis zu schaffen, dass an ihm vorbei einfach nicht zu regieren war. Es gibt charismatische Menschen und unter ihnen hemmungslose Okkasionalisten, Strippenzieher, die es verstehen im Interesse persönlicher Macht das einem recht primitiven quantitativen Kriterium unterworfene politische System vollendet zu manipulieren, wenns in ihren Augen sein muss auch passend umzugestalten. Nicht von ungefähr sah Aristoteles in seiner zirkulär gedachten Staatsformenfolge auf die Demokratie die Ochlokratie, also die Herrschaft des Pöbels folgen. Und naturgemäss ist dabei das Subjekt dieser Form nicht eine namenlose Masse, sondern eben solche Leute wie Netanyahu, Tronald, Bolso, Personen, die es schaffen, die je wirkungsmächtigsten nationalen Idiosynkrasien begnadet auszubeuten.

  9. Muslime feiern bald das Jahr 1444!
    Das Christentum hat sich selbst ins Jahr 2023 verschrieben.
    Der jüdische Glaube soll schon weit vor den anderen monotheistischen vorhanden gewesen sein.
    Warum mussten sie warten bis ins letzte Jahrhundert, um ihren Staat zu erhalten?
    Weshalb entstand Hinduismus oder Buddhismus, ihre Glaubensrichtungen sollen auch wesentlich älter sein, als das Christentum.
    Schaue ich mir die Situationen auf der Welt zu dem Thema Religion an, komme ich zu der Erkenntnis, das alle sehr darauf achten, ‚freiwillig oder unfreiwillig‘, das ihre Religion fortgeführt wird. Warum?
    Ich persönlich besitze keine Vorurteile zu irgendeiner Religion, ich fühle starke Widersprüche in der Gehandhabten Realität.
    Die omnipräzens Religion unterdrückt den Animismus. Animisten sind in etwa gleichzusetzen mit Menschen die sich im Einklang mit der Natur sehen. Das bedeutet sie leben in einer Symbiose mit der natürlichen Welt.
    Aufgrund ihrer Bodenständigkeit, hatten viele koloniale Kräfte ihre Ausrottung angestrebt und teilweise rabiat vollzogen. In der ‚modernen‘ Welt erteilen manche Staaten ihren indigenen Ethnien einen Sonderstatus (oder postmodern geschrieben : ein menschlicher Zoo, wo Geld verdient wird mit solchen Raritäten.)

  10. Zuckermann beschreibt in seiner gewohnt gut bobachtenden Art die Politik im postfaktischen/postdemokratischen Zeitalter, die man auch hierzulande beobachten kann. Wohin sie führt, steht im letzten Satz: „Netanjahu ist … vor allem (…) ihr Symptom. Er ist das Symptom eines allmählich zugrunde gehenden Landes.“
    Man ist bereit, kriminelles Gehabe hinzunehmen, „weil es doch alle tun“ und weil „er einer von uns ist“. Besonders skrupellos, besonders gerissen, besonders….“erfolgreich“… aber eben einer von uns. Man wählt ihn, weil er „unsere Interessen“ bedient, nicht weil die Politik vernünftig oder sachgerecht wäre. Und wenn er sich dabei auch und vor allem von seinem Eigennutz leiten lässt „wer tut das nicht“?
    Die Erosion der Demokratie geschieht nicht an den Rändern, sondern in der Mitte. Dort, wo die „anständigen Leute“ bereit sind, die schleichende Erosion der Gesellschaft hinzunehmen bzw. am besten noch von ihr profitieren wollen. So wie bei uns.

  11. Und was habe ich jetzt von diesem obskuranten Raunen über Netanjahu? Eigentlich nichts. Viel Raum nimmt natürlich die Anklage wegen Korruption ein. Wo es um Zigarren und Champagner gehen soll. Och ja, wenns weiter nichts ist. Übrigens hat N. auf seine Immunität verzichtet und der Prozess wurde vor drei Jahren eröffnet, ohne jedes Ergebnis bisher. Was soll dieses ewige Mutmaßen und Unterstellen? Man wird ja fast dazu gedrängt, hier auf seiner Seite Partei zu ergreifen.

    Der Mann ist Politiker und das bleibt seltsamerweise unerwähnt. Zu seinen Erfolgen zählt zweifellos die Annäherung an die arabischen Staaten. Kritik erntet seine Siedlungspolitik im Westjordan. Zurecht, das blockiert eine Zweistaatenlösung. Ganz unmöglich ist die Nichtuntersuchung des Todes von Shireen Abu Akleh, der Al-Jazeera-Journalistin, die von IDF-Soldaten erschossen wurde. Das heißt, dass dort ein rechtsfreier Raum geschaffen wurde, in dem die Palästinenser der Willkür des Militärs ausgesetzt sind. Dafür trägt N. sehr wohl Verantwortung.

    Ebenfalls in seiner Verantwortung liegt die neue Justizreform, bei der das Verfassungsgericht nach polnischem und ungarischem Vorbild entmachtet werden soll. Hiergegen gab es massive Demonstrationen, die laut geleakten US-Dokumenten gar vom Mossad unterstützt werden. Welcher hier als der Tiefe Staat agiert, der eingreift, wenn die Dinge zu entgleisen drohen. Ja, das ist hier der Fall. Richtige Einschätzung.

    Rechte bauen Mist, in jedem Land, in dem sie regieren. Warum soll das in Israel anders sein?

  12. Bei dem Hinweis auf Shlomo Sand ist vor allem ein klar: vermutlich ist Bella ein Kampfbegriff für journalistische Feuergefechte. Ich empfehle jedenfalls einen weniger ambitionierten Umgang mit „ausreichender“ Literatur. Zum Beispiel einmal Arthur Koestler zum „13. Stamm“ nachlesen.

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