Das Kapital gewinnt immer

Pyramide eines kapitalistischen Systems von Nedeljkovich, Brashich, and Kuharich 1911. Bild: public domain

 

Kapitalismus und Demokratie

 

Der „rationalistische Pseudo-Individualismus‟ führe, so der neoliberale Hayek, „in der Praxis‟ zum „Kollektivismus‟. Er führe „die ganze sichtbare Ordnung auf bewußtes, sozialistisches Planen zurück‟ und übersieht dabei die andere, irrationale Seite des Menschen. Der „wahre Individualismus‟ als „antirationalistische Einstellung‟ betrachtet hingegen „den Menschen nicht als ein „höchst rationales und intelligentes sondern als ein sehr irrationales und fehlbares Wesen‟, das darauf hinzielt, „so viel wie möglich aus einem sehr unvollkommenen Material herauszuholen.‟[1]

Hayek sieht in seiner neoliberalen Anthropologie den Menschen mehr als einen Künstler. Dabei hat er nicht nur die Vermittlung, sondern auch die „Planung‟ übersehen, die gerade mit dem irrationalen Verhalten der Menschen rechnet und damit seine „wahre Individualität‟ als eines des planenden Kapitals bestimmt. So ist in seinem Dogma nicht nur die Gegenüberstellung von Gemeinschaft und Individuum falsch, sondern auch die von Sozialismus/Planung und „antirationalistische Individualität‟. Eine Planung, die jene irrationale Seite der Individualität ausbeutet und heute von den erfolgreichsten kapitalistischen Unternehmen wie Amazon, Shein oder Temu viel besser geleistet wird als jede sozialistische Planung es je vermochte.

Daher hat J. Vogl recht, wenn er auf diese zweite, vernachlässigte, „doxologische‟, weniger wissenschaftliche Seite des Kapitals hinweist: „Angesichts der damit verbundenen Fabeln und Fiktionen sind wiederum Perspektiven herausgefordert, welche die Geschichte kapitalistischer Wirtschaftsformen nicht nur am Leitfaden von Rationalisierungsprozessen, sondern auch mit dem Blick auf die Ressourcen und auf die produktiven Kräfte von Nichtwissen, Phantasmen oder Irrationalitäten erfassen.‟[2]

Mit der digitalen Durchsetzung der algorithmisch gestalteten und weltweiten perfektionierten Logistik, die das astronomische Kapital der großen Techkonzerne begründet, fallen dann liberal-kapitalistische und sozialistische Planungen in eins. Aber nicht die Sozialisten oder Kommunisten, sondern die Kapitalisten, in der neuen Form des demokratischen oder autokratischen Digitalkapitals, sollten die hervorragenden Planer der Welt sein. Das heißt, die ‚Revolution der Statistik‛ und die ‚Revolution der Sinne‛ bilden zwei Seiten derselben Medienökonomie, die im Imperativ steht. Es sind die jeweiligen Zustände des Kapitals, nicht nur als Geld und Ware, sondern auch als Bild-, Wort-, Aufmerksamkeits- oder Datenökonomie.

Eine archaische Befehlsgewalt, die freilich vom Neoliberalismus säkular, demokratisch-kapitalistisch neu formuliert werden sollte: ‚Befreie dich aus der Knechtschaft deiner abhängigen Arbeit und werde selbständig, frei!‛ (Hayek). Die liberale Demokratie versprach nämlich im Weltmarkt den Individuen nicht bloß, dass sie unabhängig von ihrer ökonomischen Lage frei und gleich und zur demokratischen Teilhabe berechtigt seien. Sondern befahl sie neoliberal auch die Befreiung: ‚Werde ein anderer!‛ – in der philosophischen Deregulierungsfibel Deleuzes/Guattaris hieß es dann: „Bildet Rhizome!‟ Es war der Glaube, den die neoliberalen Evangelien allen Individuen einpflanzten: im global expandierenden Kapital seien sie die Kreativen, das Singuläre, psychologisch der Narzissmus, wie er heute etwa bei Trump vollends zum Ausdruck kommt, der ja nur das nackte Endergebnis des Neoliberalismus darstellt.

Das „Kapital ist‟ dann nicht nur „ontologisch verwurzelt‟ (J. Vogl), vielmehr meint es die imperative Ontologie (Sei!, Werde!), welche Ökonomie (Form der Bewirtschaftung) und Politik (Form der Beherrschaftung) vorantreibt. Private-Equity-Unternehmen und Vermögensverwalter wie BlackRock, Vanguard oder State Street gestalten heute die Politik, und umgekehrt, während beide zugleich von den Bürgerinnen und Bürgern demokratisch unterstützt werden, weil sie sich um ihre Jobs, Häuser oder Geldanlagen sorgen. Ja, man geht zur Wahl und wählt einfach die eigene Krankenversicherung oder das Dach über dem eigenen Kopf weg, oder wählt Parteien, die für mehr Rüstungsausgaben und Krieg sind. Ihr wolltet doch, so heißt es im aggressiven Kriegsgeist dieser Zeit, dass das Proletariat an die Macht kommt. Da – nämlich in der Herrschaft des demokratisch-kapitalistischen Tötungsmaschine –, da sind wir jetzt.

Das ‚Werde ein anderer!‛ war also nicht mehr eine religiöse Außenstimme, die zum höchsten Opfer aufrief und dessen Name einmal Gott war, sondern die metaphysische Außenstimme des Neoliberalismus: Eine liberal-demokratische Freiheit und neoliberale Befreiung, die das Besondere und Kollektive, das Individuelle und Allgemeine, die Einzigartigkeit und Gleichheit beide zugleich durch Befehl abtötete – die Folge war dann die politische Gegenwelle des Autoritarismus, der in den westlichen Demokratien die Mileis und Trumps dieser Welt hervorbrachte, und die nun an einer Faschisierung von unten und oben arbeiten.

Die Geschwindigkeit des Digitalkapitals

Das Kapital in seiner globalen Bewegung und politischen Umrahmung ist somit nur es selbst und damit kein Mittel zur Hervorbringung einer anderen Gesellschaftsform. Es entbirgt aus sich heraus auch keine Revolution, weil es selbst die ‚Revolution der Statistik‛ und die „Revolution der Sinne‟ (H. Marcuse) ist. Es ist das rasende, materielle wie immaterielle Gestell, das in sich selbst immer schneller kreist und in dieser Bewegung die Zeit der Geschichte zeitigt.

Eine Geschwindigkeit des technomathematischen Digital- und Datenkapitals, die einmal zum Problem der liberalen und orthodoxen Theologen wurde, die die göttliche oikonomia zu erklären versuchten. So soll der Orthodoxe vom Liberalen gefragt worden sein, mit welcher Geschwindigkeit denn Christus zum Himmel aufgefahren wäre. Schlagfertig sei die Antwort des Orthodoxen gekommen: Er sei wohl mit der Schnelligkeit einer Kanonenkugel gefahren. Darauf die Antwort des Liberalen: Dann fliegt er noch. Ähnlich geschieht es heute mit der Geschwindigkeit der Chips und Netzwerke: Dann rasen sie noch. Aber fliegen und rasen kann eben nur etwas, was als Wirklichkeit und Möglichkeit erst in Bewegung gesetzt worden ist. So bleibt aus der Geschwindigkeit der Rechner nicht nur das gesellschaftliche Sein, Werden, Gewordensein und der Punkt (Mensch oder Erde) von dem aus etwas fliegen und sich bewegen kann ausgeblendet. Sondern auch die Befehlsgewalt, die heute auch als algorithmische Vollstreckungsgewalt Befehle in Wirklichkeit überführt, um sie zugleich irdisch und himmlisch zur Schau zu stellen. Die Sterne des Kapitals sind also alle vollzählig und brauchen nicht mehr rational-mathematisch nachgezählt zu werden.

Die Komplexität der modernen, kapitalistischen Gesellschaft erfordert es daher, dass Menschen und ihre Produkte nicht bloß in „Informationsform‟ und ‚Gefühlsform‛, sondern ebenso in ihrer archaischen Befehlsform beschrieben werden. Das Machwerk des Kopfes und das Machwerk der Hand – das heute durch das technomathematisch-vernetzte Machwerk sogar ersetzt werden soll –, bilden nur die eine Medienökonomie (des Finanz- und Digitalkapitals), die politisch-rechtlich abgesichert wird. Die Intelligenz des Kapitals in seiner jeweiligen politischen Fassung kennt eben beides, Ökonomie und Politik, Praxis und Theorie, Aktion und Gelassenheit, Instrument und Sinnlichkeit, Individuelles und Allgemeines, Frieden und Krieg etc.

Auch die neuesten Krisen und Kriege haben dann nur eins gezeigt: das Kapital in seiner politischen Umrahmung ist der Gott dieser Welt (das verzeitlichte Absolute) und gewinnt immer, im Frieden wie im Krieg. Die neue, demokratische Freund-Feind-Unterscheidung, die an den autoritären Geist eines Carl Schmitt sich anschließt, beweist dann, dass heute nicht nur der Liberalismus, sondern auch die Demokratie als bürgerliche Form der Herrschaft bankrott ist. Daher kann es auch keine „postliberale Demokratie‟ (W. Brown), „neue Politik der Arbeit‟ (A. Honneth), „präsentische Demokratie‟ (I. Lorey) oder „experimentelle Demokratie‟ (C. Menke) mehr geben.

Kapital und Demokratie

Genau auf diese Schlagseite der Demokratie hat nämlich ein Titel aus dem „Gegenstandpunkt‟ hingewiesen: Demokratie. Die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft (Peter Decker) – während der französische Philosoph Derrida sie noch „im Kommen‟ sah. Und warum dies? Eben, weil Demokratie auf einen Begriff der Freiheit hinweist, über die man in der bürgerlichen Existenzform bereits verfügt. Und genau dieses gewöhnliche „Leben‟ in der liberalen Freiheit ist es dann auch, welche die Befreiung von Herrschaft blockiert.

Perfekt ist Demokratie als bürgerliche Form von Herrschaft deswegen, weil sie die Entindividualisierung und Entpolitisierung zugleich betreibt. Und zwar nicht nur durch die „ballistischen Medien‟ (Social Media), die zuletzt als algorithmische Produktion den neuen Totalitarismus eingeführt haben. Vielmehr ebenso durch die Leitmedien des demokratischen Mainstreams. Es sind die ökonomisch-politische Strukturen einer rational-affektiven Verhärtung, basierend auf einer kommerziellen und staatlichen Ausschließungs-, Angst-, Feind- oder Kriegsökonomie: „der Russe kommt!‟

Es gibt daher keine Welt des Privaten, Individuellen, Einzigartigen hier und eine Welt des Kollektiven, Allgemeinen und Öffentlichen dort, sondern nur die eine Welt und die Art, wie sie draußen und im Innern der Einzelnen erscheint. Denn das, was bei mir zu Hause geschieht, ist dasselbe, was auch bei dir zu Hause geschieht, nämlich nichts. Genauer: Die kapitalistische Kultpraxis und das demokratische Dogma nötigen den Einzelnen dazu, einzig auf sich selbst zu blicken und im ökonomisch-politischen Unfehlbarkeitsdogma die Zweiheit von Entindividualisierung und Entpolitisierung zu vergessen.

Zu recht haben daher Demokratiekritiker auf diese problematische Seite der liberalen Demokratie als eine „perfekte‟ Form bürgerlicher Herrschaft hingewiesen, die einmal kritische Philosophen gegen den „autoritären Charakter‟ (Adorno) verteidigten. Denn, wie Freerk Huisken hier scharfsinnig in einer Auseinandersetzung mit einem ebenso scharfsinnigen Gewerkschafter 2011[3] festhielt: Die Demokraten, so sein Argument, regieren ja den Kapitalismus und tun alles dafür, damit das Kapital funktioniert. Damit nicht genug: Die Linken, die Gewerkschaften, die Sozialisten haben etwas „erkämpft‟, nämlich den Sozialstaat, was im Letzten nichts anderes ist als eine Form, wie der Kapitalismus sozialverträglich läuft, aber immer noch als Kapitalismus. Denn der Sozialstaat war, so seine Definition, nichts anderes als die politische Entscheidung darüber, die Opfer des Kapitalismus so zu behandeln, dass sie möglichst für den Kapitalismus nicht verloren gehen, sondern weiter tauglich sind. Auch das „Erkämpfte‟ ist dann nicht immer das Gute. Vielleicht hat man etwas ganz Falsches erkämpft.

Damit ist auch der Begriff Demokratie selbst kontaminiert, die man mit „Volksherrschaft‟ übersetzt. Aber: Warum braucht eigentlich die Gesellschaft Gewalt über sich selbst? Huiskens Antwort: Weil es Gegensätze gibt. Also ist Demokratie eine Form von Herrschaft, die die Gegensätze (von Arbeiter und Kapital) mit Gewalt aufrechterhält. Daher: Für das, was da sozial erreicht worden ist, kann Huisken für „sein vernünftiges Gesellschaftsprogramm nix gebrauchen‟.

Bei all der Schärfe hat diese Demokratiekritik freilich auch ihre Schlagseiten: Die eine ist – darauf weist der Gewerkschaftler in der Diskussion zu Recht hin –, dass es überhaupt besser ist, dass etwas existiert, nämlich ein Sozialstaat, und nicht vielmehr nichts, nämlich die ungebremste Macht des Kapitals. Denn eine verabsolutierte Kapitalmacht, ohne jegliche soziale Zähmung könnte auch zur völligen Erschöpfung des Menschen führen und damit keine kritischen Gedanken mehr zulassen. Gewiss, dieses Minimum des Sozialen – das freilich auch im Faschismus nicht ganz zu tilgen ist – muss allerdings auch dazu genutzt, „gebraucht‟ werden, um die Macht des demokratischen Kapitals zu brechen, anstatt sich darin auszuruhen. Und genau dies ist leider passiert – darauf hat bereits der marxistische Philosoph Georg Lukács mit seiner Formulierung „Grand Hotel Abgrund“ hingewiesen –, indem die bürgerliche Demokratie ihren diskursiven Deckmantel ausgebreitet hat, und die nun in ihrer Faschisierung nackt hervortritt. Damit aber auch verlangt, dieser nackten, demokratisch-kapitalistischen Gewalt ins Auge zu schauen, statt wieder davor die Augen zu verschließen.

Die andere Schlagseite besteht in der Dialektik der Gegensätze von Herr und Knecht, von Basis und Überbau, von Veränderung und Interpretation, von Arbeit und Kapital etc. Die Gegensätze bilden nämlich im Dazwischen ihres dynamischen Verhältnisses zuletzt auch eine Ununterscheidbarkeit, sodass man hier nicht das Gute vom Bösen, das Wahre vom Falschen, das Drinnen und Draußen, das Lebendige vom Toten etc. unterscheiden kann. Denn den äußeren Herrn einfach abzuschaffen befreit mich keineswegs von der Herrschaft, weil die Herrschaft auch in meinem Innern wirksam ist. Daher ist auch die Unterscheidung von „Machteliten‟ und „Volk‟ (R. Mausfeld) selbst kontaminiert.

Die Ordnung disponiert nämlich die Menschen so, dass die ‚arme Seele‛ jederzeit zum Teufel sich verwandelt, und dass der Teufel schnell als der ‚arme Teufel‛ sich erweist. So erhält etwa in den USA keine andere Branche so viel politischen Zuspruch wie die Finanzindustrie, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern unterstützt wird, weil sie sich um ihre Jobs, Häuser oder Geldanlagen sorgen. Die Demokratie ist in der Tat zu einem Selbstbedienungsladen für die kapitalistischen Machteliten verkommen, die aber dabei auch vom „Volk‟, von den ‚kleinen Leuten‛ unterstützt, gewählt und verherrlicht werden. Nur deswegen können dann solche Figuren wie Trump, Milei und Co, zusammen mit der Tech-Oligarchie, an einer Faschisierung von unten und oben arbeiten. Dadurch wird nämlich jene ‚Mikrophysik der Macht‛ (Foucault) zu einer ‚Makrophysik der Macht‛ transformiert, bei der dann Ungleichheiten gegeneinander ausgespielt werden, um die Gewalt der Ausgrenzung und Militarisierung offen zur Schau zu stellen; Milei beispielsweise geht mit der politischen Kettensäge gegen Rentner und Menschen mit Behinderung vor, streicht öffentliche Programme und behauptet, die Mittellosen hätten es einfach so verdient.

Kapitalismus und Faschisierung sind somit aufeinander bezogen. Ihr Verhältnis ist aber asymmetrisch, weil Kapitalismus die Ursache der Krankheit ist, während Faschismus, Nationalismus oder Islamismus nur die Symptome dafür sind – die freilich als Heilmittel (Heimat, Bindung, Gemeinschaft, metaphysische Geschlossenheit von Kultur etc.) präsentiert werden. Denn vor dem Faschismus gab es ja schon Kapitalismus, der bei Marx zum verkürzten, säkularisierten Begriff der theologischen oikonomia wurde; die heilige Dreifaltigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist, zum ursprünglichen Wert, Mehrwert und dialektische Einheit. Ein menschliches Wirken, welches das göttliche Wirken einfach umbesetzt hat und es später, als säkularisierte Kultpraxis, mit dem neoliberalen Dogma sich kurzschloss, um den neuen Demiurgen mit dem liberalen Dogmatiker dieser Welt zu verbinden. Heilmittel und Gift, Zivilisation und Wahn gehören daher im demokratischen Kapitalismus zusammen. Oder in der schlichten, demokratisch-apokalyptischen Sprache eines Trump ausgedrückt: „Eine ganze Zivilisation wird heute sterben und nie mehr zurückkehren.‟ „Wir wollen‟, so hingegen der junge Präsident von Burkina Faso, „keine Demokratie, die tötet‟ – aber nicht weniger das Kapital als moderne Form der Bewirtschaftung.

Das ökonomisch-politische Problem liegt also in der kontaminierten Zweiheit (Wirtschaft und Politik, Kapital und Demokratie etc.), nicht im Ausspielen des einen gegen das andere, wie es zuletzt der russische Politikwissenschaftler Karaganow versucht: „Entgegen den Mythen naiver Marxisten und ihrer intellektuellen Gesinnungsgenossen, den liberalen Ökonomen, spielen wirtschaftliche Interessen bei der Festlegung der nationalen Politik nur eine untergeordnete Rolle.‟[4] Wenn es aber heißt, ‚Alles ist Politik‛, bedeutet dies zugleich: ‚Alles ist gar nichts‛. Es gilt vielmehr die kontaminierte Zweiheit außer Kraft zu setzen, um vom Gemeingut, das heute als soziales Verhältnis von den Imperativen konfisziert wurde, einen neuen, herrschaftsfreien Gebrauch zu machen. Hierbei hilft freilich kein neuer Imperativ. Denn schon der christliche, der nur in zwei Worten „Liebet einander!‟ gefasst wurde, war ja damals schon sehr problematisch. Deswegen hatte sich auch Christus den Rückfragen durch seine Himmelfahrt entzogen: Wie soll das denn gehen, wo die realen Beziehungen der Menschen untereinander und zu ihrer Mitwelt von Anfang an kontaminiert sind? Eben diese verseuchte Mitte der gesellschaftlichen Verhältnisse wäre politisch zu dekontaminieren. Alles hängt von der richtigen Diagnose ab, welche den Ursachen der Krankheit des Patienten (Mensch, Menschheit, Natur) genauestens auf den Grund geht; ob einer eher pessimistisch oder optimistisch sei, ist dabei irrelevant. Die Übel der kapitalistischen Krankheit müssen alle zutage treten, das Krankheitsbild muss vollständig sein, wenn es keinen Rest neuer Möglichkeiten des Bösen geben soll, um die Befreiung zu verhindern. Das wirklich menschenwürdige Sein wäre daher, alle Beziehungen so zu gestalten, dass sie an Humanität und Solidarität und nicht mehr an Gewalt und Grausamkeit gewinnen.

 

[1] Hayek, Wahrer und falscher Individualismus (1945), in: Gesammelte Schriften in deutscher Sprache, Tübingen 2002, S. 8 ff.

[2] Joseph Vogl, Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart, München, 2021, S. 158.

[3] Vgl. Video: Freerk Huisken, Wie man die Neonazis kritisieren sollte & wie besser nicht!, in: https://www.youtube.com/watch?v=x16Ky08YJhw (ab Min. 1:45:00).

[4] Sergei Karaganow, Müssen bereit sein für begrenzte nukleare Schläge gegen den Westen, in: https://rtde.site/meinung/270571-mittelspiel-und-strategie-fuer-uebermorgen/ [Zugriff: 12.04.2026].

Stavros Arabatzis

Stavros Arabatzis lehrt an der Universität zu Köln Medien- und Kunstheorie. Er forscht und publiziert im Bereich Kulturtheorie, Sprach- und Medienphilosophie und hat zuletzt Media on a Political Level und Alternativmedien publiziert. Er ist Mitglied des Editorial Boards des ITS Journals Art and Design (AD) mit Sitz in Hongkong und London.
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34 Kommentare

  1. Ein verkopfter Streit um Ideologien hilft selten weiter. Wann wird endlich verstanden, dass Ideologien immer nur eine spezielle Art der Endlösung propagieren, die letztlich mit dem Leben nicht vereinbar sind.
    Ideen können nützlich sein, aber die strikte Befolgung von Ideologien führt letztlich nur zum Tod ganzer Gesellschaften.
    Kapitalismus, Kommunismus, Neoliberalismus, Sozialismus und Faschismus sind nichts anderes als Gedankenkrebs der sich in Gehirnen ausbreitet um den Blick vor der Wirklichkeit zu verschließen.
    Eine patentierte Endlösung ist dem Leben abträglich.

    1. @Trux

      Da ist Ihnen aber eine wirklich zutreffende Formulierung gelungen: „Gedankenkrebs“.

      „Kapitalismus, Kommunismus, Neoliberalismus, Sozialismus und Faschismus sind nichts anderes als Gedankenkrebs der sich in Gehirnen ausbreitet um den Blick vor der Wirklichkeit zu verschließen.“

      Respekt!

    2. Wann verstehen S i e endlich, wie Gesellschaftsordnungen funktionieren? Ein „verkopfter Streit“ ist ein normaler Streit. Wo soll er sonst entstehen, wenn nicht im Kopf?
      Und dann werfen wir mal alles gemeinsam in einen großen Topf, rühren es um und sagen mit tränenerstickter Stimme: „Diese ‚Endlösung'(Ihre eigene Formulierung) ist wohl doch so keine gute Idee.

  2. Was mir als allererstes auffällt:
    Dieses Text schwelgt in geisteswissenschaftlicher Abstraktion. Kaum ein Substantiv, das gleichzeitig keinen abstrakten Begriff kennzeichnet!
    Das erinnert mich an diese unsägliche Soziologie- und K-Gruppensprache der 1970er Jahre.
    Der Autor scheint hauptsächlich in solchen Gedankenkonstrukten zu leben.

    Allein das schafft Misstrauen, denn die Welt ist konkret und besteht nicht in erster Linie aus den abstrakten Begriffen, die sich Geistes- und Sozialwissenschaftler selber(!) ausgedacht haben!

    „Auch die neuesten Krisen und Kriege haben dann nur eins gezeigt: das Kapital in seiner politischen Umrahmung ist der Gott dieser Welt (das verzeitlichte Absolute) und gewinnt immer, im Frieden wie im Krieg.“

    Ja, du meine Güte, das ist ja nun eine bahnbrechende Erkenntnis! Woah!
    Klar, so ist es: Geld regiert die Welt. Das wussten die Alten schon vor Jahrhunderten.
    Wobei Geld natürlich – religiös gesehen – nie der Gott der Welt sein kann, sondern aus religiöser Sicht der Teufel („Mammon“).

    Gewiss ist das nicht schön, aber so ist die Welt.
    Die Welt selbst, die Natur selbst beruht auf Ungleichgewichten, auf ungleicher Verteilung von Masse, Energie, Macht, Einkommen usw.
    Gleichheit ist wider die Natur!

    Und weil der Satz so wichtig ist, gleich noch einmal:
    Gleichheit ist wider die Natur!

    Das Leben selbst lebt von Ungleichheit, von Wandel. Sog. Gleichgewichte sind immer nur momentane dynamische Gleichgewichte auf Zeit.
    Okay, wenn die Ungleichgewichte zu groß werden, kommt es wie beim Gewitter oder beim Bergrutsch zu einem abrupten („revolutionären“) Ausgleich, doch entstehen daraus eben nicht dauerhafte Harmonie oder gar Gleichheit, sondern die Ungleichgewichte wachsen (vielleicht woanders) bloß erneut.

    Letztlich ist „Gleichheit“ ein naiv-romantisches Wunschkonstrukt von Menschen – und ein unmöglicher Wunsch (im Sinne der Quadratur des Kreises) außerdem.

    Wir haben es hier mit einem linksextremen und marxistischen, ja vielleicht sogar einem neokommunistischen Text zu tun.
    Man merkt es an unsäglichen Ideologiebausteinchen wie dieser: „Kapitalismus und Faschisierung sind somit aufeinander bezogen“
    und natürlich auch an der Bezugnahme auf Marxisten wie Huisgen und Lukasz.

    Hat denn der üble Marxismus nicht schon genug Menschenleben gekostet???
    Natürlich kosten der Kapitalismus und die Technik auch viele Menschenleben, doch wären es in den letzten 100 Jahren ohne den Marxismus insgesamt weit weniger Tote gewesen.
    Vom Regen in die Traufe!

    1. Wolfgang Wirth:„Gleichheit ist wider die Natur!“

      Andererseits gibt es ja angeblich einen „natürlichen Trieb“ im Menschen, der dem Mitmenschen ein Mehr nicht gönnt, woraus sich dann das Gegenteil ableiten lässt: Streben nach Gleichheit liegt in der Natur des Menschen. Da ein Mehr dem Mitmenschen nicht gegönnt wird bleibt für eine friedvolle Gesellschaft nur die Gleichheit als Ziel.

      Die Liberalen haben aus dem Neid-Gedanken die Konkurrenz-Gesellschaft entwickelt, wo die Menschen zum ewigen Wettbewerb und damit auch zum nicht endenden Streit verurteilt sind.

      Als Konservativen liegt Ihnen natürlich die Ungleichheit am Herzen. Die echten Konservativen hatten Gott zur Begründung von Ungleichheit. An Stelle von Gott setzen Sie allerdings die Natur – eine modernere Variante. Worin ich aber auch nur ein Dogma erkennen kann.

      1. „Gleichheit ist wider die Natur!…. Andererseits gibt es ja angeblich einen „natürlichen Trieb“ im Menschen, der dem Mitmenschen ein Mehr nicht gönnt, woraus sich dann das Gegenteil ableiten lässt: Streben nach Gleichheit liegt in der Natur des Menschen. Da ein Mehr dem Mitmenschen nicht gegönnt wird bleibt für eine friedvolle Gesellschaft nur die Gleichheit als Ziel.“

        Es bleibt in beiden @Wolfgang Wirth und @garno – Fällen nur beim „angeblich“, denn aus der (angeblichen) „Natur des Menschen“ -also aus einer bestimmten Form von Naturgesetzlichkeit- keine realexistierende gesellschaftspolitische Formation auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung der Menschheit abzuleiten ist. Es gilt:

        >In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihren Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.< (K. Marx "Zur Kritik der politischen Ökonomie")

    2. Sie wollen also allen Ernstes den Faschismus/NS, der Holocaust, Euthanasie und über 60 Mio. Kriegstote „bewirkte“, dem Marxismus dem Kommunismus und überhaupt allem Linken in die Schuhe schieben?
      So sehr Sie sich auch mühen, den braunen Geruch, der vom Rechtskonservatismus ausgeht, können Sie nicht beseitigen. Der Faschismus ist letztendlich die bösartige Form des Rechtskonservatismus, um den Kapitalismus in seiner extremsten Form zu schützen, von dem er allein profitiert und in der Vergangenheit profitiert hat. Ungeachtet der hart abgerungenen sozialstaatlichen Brotkrumen. Oder sind es linke Gedanken, wenn jetzt der Sozialstaat demontiert wird? Ein Sozialstaat, der wenigstens die schlimmsten Ungleichheiten abgefedert hat. Ihr Staat, werter Herr Wirth, bliebe weit hinter 1789 zurück und wäre eine sozialdarwinistische Hölle, jeder gegen jeden. Von Aufklärung, Kultur und Fortschritt keine Spur.

    3. Um die Gleichheit in einer Gesellschaft zu messen, verfügen wir heute über verschiedene statistische Verfahren. Sie zeigen, dass in vielen Staaten die Vermögen mehr noch als die Einkommen sehr ungleich verteilt sind, dass die Chance, in der sozialen Stufenleiter aufzusteigen, meist nicht all zu hoch ist und dass die höheren Bildungseinrichtungen dem ärmeren Teil der Bevölkerung nahezu verschlossen bleiben . Wenn also die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Kinder der ärmeren Bevölkerung ebenso arm bleiben wie ihre Eltern, sie ihrer Lage nur äußerst selten entkommen können, fragt es sich, ob es etwa an ihren defizitären Erbanlagen liegt, oder aber an der Art und Weise wie die Gesellschaft organisiert ist, in der sie leben. Die Antwort ist einfach. Wenn die DDR auch der Vergangenheit angehört, so hat sie doch lange genug existiert, um eines zu beweisen: Dass Kinder aus den sogenannten unteren Gesellschaftsschichten ebenso „bildsam“ sind wie die der oberen.

      Seit der Aufklärung weiß man, dass alle Menschen von Natur aus gleich sind und zumindest bei der Geburt die gleichen Erbanlagen und theoretischen Fähigkeiten besitzen (das versteht man unter naturrechtliche Gleichheit), und wir wissen, dass die spätere Ungleichheit, also ob man Erntehelfer oder Professor, selbständiger Unternehmer wird, stark von der Art und Weise abhängt, wie eine Gesellschaft organisiert ist: ob ihre Verfassung verhindert, dass enorme Vermögen auf Kosten der Mehrheit entstehen, ob Bildungseinrichtungen so organisiert sind, dass sie es jedem ermöglichen, seine Fähigkeiten – unabhängig vom Einkommen der Eltern – zu entfalten u.v.a. mehr.
      aus: Kommentare zu Voltaires Artikeln Égalité – Gleichheit
      https://www.correspondance-voltaire.de/gleichheit-kommentare/

  3. Ich glaube, der Autor weiß gar nicht, wovon er redet. Nichts als gebildetes Geschwafel. Wenn er von Demokratie redet, meint er repräsentative Demokratie, die genauso wenig Demokratie ist, wie konstitutionelle Monarchie Monarchie ist. In der konstitutionelle Monarchie hat der Monarch nichts zu sagen, und in der repräsentativen Demokratie hat das Volk nichts zu sagen. Und Trump ist auch nicht die Ausgeburt des Neoliberalismus, sondern im Gegenteil ein Globalisierungsgegner. Es sind nicht alle Kapitalisten gleich, auch wenn alle reich sind.
    Direkte Demokratie ist Demokratie, weil das Volk die Sachentscheidungen trifft. Das Parlament ist nur ein Verwaltungsorgan. Aber die meisten Menschen sind gegen direkte Demokratie. Ich glaube, sie befürchten, dem Volk gegenüber ohnmächtig zu sein und seine Beschlüsse akzeptieren zu müssen. Tatsächlich haben Sachentscheidungen des Souveräns eine höhere Legitimität als solche einer zufällig zustande gekommenen Koalition, die nur ein Interesse hat, nämlich an der Macht zu bleiben, mal in der Regierung mal in der Opposition, aber immer im politischen Zentrum, nämlich dem Bundestag.
    Ich glaube die meisten Leute auch hier befürchten, dass ihre Individualität durch das „Volk“ nieder gestampft wird, sehen im Geist die Massenveranstaltungen des Faschismus vor sich, und sind froh über die Einwanderung, weil diese bunte Vielfalt garantiert und den Zwang zur Anpassung reduziert. In Wirklichkeit passiert das Gegenteil, und Vereinzelung und Ohnmacht sind identisch und fundieren die Herrschaft einer Oligarchie.

    1. Ein weiter, entscheidender „Vorteil“ der repräsentativen Demokratie ist, dass sie von außen gesteuert werden kann. Deshalb wurde sie genauso von den USA bei uns eingeführt. Das gesamte Volk in einer direkten Demokratie ist über die Medien zwar steuerbar, aber bedeutend schwieriger.

    2. Nur eine repräsentative Demokratie wäre eine echte Demokratie. Das, was wir hier tatsächlich haben, ist aber keine repräsentative Demokratie. Der Deutsche Bundestag (bei den Länderparlamenten ist das nicht anders) besteht inzwischen zu fast 90 Prozent aus sog. „Akademikern“, also Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die irgendwann einmal ein Studium mit Diplom oder Master oder was auch immer erfolgreich abgeschlossen haben.

      1. Ist das repräsentativ für die Bevölkerung? Sicherlich nicht.

      2. Wo ist nun das Problem dabei? Das Problem besteht darin, dass diese „gebildeten“ Abgeordneten („eingebildet“ ist in den meisten Fällen wahrscheinlich zutreffender) aus der Sicht eines objektiven Dritten weder die Interessen der Mittelschicht noch die Interessen der Unterschicht vertreten. Sie machen Gesetze für ihresgleichen, für die Reichen und vor allem für die Superreichen oder warum werden die Superreichen immer reicher und die Obdachlosen immer zahlreicher?

      Ich habe nichts gegen Superreiche. Die Frage ist allerdings: Warum müssen Mitbürger mit einem Milliardenvermögen in einem demokratischen und sozialen Bundesstaat (siehe Art. 20 GG) immer noch reicher werden, wenn gleichzeitig andere Mitbürger 40 Stunden pro Woche arbeiten und dann die Hälfte ihres Lohnes für eine 60 qm-Mietwohnung ausgeben müssen und die Zahl der Obdachlosen immer größer wird?

      Kommt jetzt als krudes Argument dieser „Trickle-Down-Effekt“, der nur in den Büchern und der Theorie neoklassischer professoraler Ökonomen existiert?

      3. Der Kabarettist Volker Pispers brachte dieses Dilemma einmal folgendermaßen auf den Punkt: Es findet sich in der real existierenden Demokratie offenkundig keine Mehrheit (50,01 Prozent) für eine Politik, von der 90 Prozent profitieren und die 10 Prozent, die inzwischen im Vermögen und Reichtum schwimmen, nicht ärmer werden.

      4. Die relevante Frage ist daher: Warum wählen dann Mittelschicht und Unterschicht diese Abgeordneten aka „Volksvertreter“, wenn diese Abgeordneten Politik gegen die Mittelschicht und gegen die Unterschicht und für die Superreichen machen?

      Auch hier kann man wieder Pispers zitieren: Was hier los wäre, wenn alle wüssten, was hier los ist?

      5. Und warum wissen nicht alle, was hier lost ist? Die Antwort darauf liefert eine wunderschöne Liedzeile aus dem Lied „Sei wachsam“ aus dem Jahr 1996 von Reinhard Mey: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, – ich halt‘ sie arm!“

      Man sollte die Liedzeile allerdings aktualisieren, da der Einfluss der Kirche 2026 nicht mehr ganz so groß ist:
      „Der Minister nimmt flüsternd die Journalisten von ARD, ZDF, RTL und der Bildzeitung beim Arm: Haltet die Bürger dumm, – ich halt‘ sie arm!“

      1. Die Frage, warum die Leute diese Parteien wählen, hat mich oft beschäftigt. Ich selbst habe einmal im Leben SPD gewählt, bis Brand gestürzt wurde, und ein massiver Demokratieabbau begann, und einmal Grün, bis sie in den Jugoslawienkrieg einstiegen. Sonst habe ich Sonstige gewählt, und auf dem Wahlzettel nach dem nettesten Namen gesucht. Wenn das alle machen würden, würde das System zusammenbrechen. Aber das tun die Leute aus Angst vor dem Chaos nicht. Lieber wählen sie die weniger üblen Betrüger.
        Seit der der Bundestagswahl 2013 wähle ich AfD. Obwohl ich ihren völkischen Positionen nur eingeschränkt zustimme, die vertreten werden, weil „Volk“ eigentlich für Schafe ein attraktiver Begriff sein müsste, Die AFD hat mich trotzdem nicht enttäuscht.
        Sie war gegen Euro und Bankenrettung, weil solche Maßnahmen Risiken „sozialisierten“ und Steuerzahler belasteten.
        Sie wandte sich gegen die illegale Massenmigration, weil sie Sozialsystem, den Wohnungsmarkt und staatliche Infrastruktur belaste.
        Die AfD wandte sich deutlich gegen zentrale Elemente der staatlichen Coronapolitik, und zwar bereits ab Frühjahr 2020.
        Sie ist gegen die Unterstützung der Ukraine mit Geld und Waffen, und für Aufhebung der Sanktionen gegen Russland, auch im Interesse einer ausreichenden und preisgünstigen Versorgung mit Öl und Gas,
        und sie ist gegen den Klimaschwindel, der die Erderwärmung für etwas schlechtes hält, obwohl Warmzeiten immer Zeiten großer Fortschritte waren,
        und bestreitet dazu, dass der Klimawandel durch Spurengase verursacht werde,
        und sie ist für einen vernünftige Bildungspolitik, die auch Fleiß und Zuverlässigkeit vermittelt.
        Ich finde, das ist eine ganze Menge. Aber trotzdem wird von auch von manchen Kommentatoren eine Verleumdungskampagne geführt, wie mit Argumenten, dass die Partei aus der CDU stamme, ja, viele Mitglieder mit hoher Fachkompetenz hielten die Versyphung und die Politik der CDU nicht mehr aus. Auch wird Frau Weidel vorgeworfen, nach ihrem Studium ein Jahr lang bei Goldmann Sachs als Analystin im Bereich Vermögensverwaltung gearbeitet zu haben, obwohl sie danach fünf Jahre in China arbeitete in deutsch-chinesischen Unternehmen, chinesisch lernte und ihre Doktorarbeit vorbereitete mit dem Titel:
        „Das Rentensystem der Volksrepublik China. Reformoptionen aus ordnungstheoretischer Sicht.“
        Die Linken hassen die AfD, weil sie „kapitalistisch“ sei, und das Volk nur betrügen wolle, wenn sie an der Macht sei. Denn nach der Grand Unified Theory of conspiracy ist der Kapitalismus Böse und an allem Schuld

  4. Als Mensch habe ich folgendes zu berichten:
    Ich bin nicht sesshaft und ziehe ständig um, von daher zieht es mich in verschiedene Religionsgemeinschaften innerhalb des prostestantinschen Glauben.
    Witzig hierbei ist, daß ich diverse Prediger höre und diese das Kapital als ’neutral‘ betrachten.
    Einem Priester sagte ich privat, ja natürlich ist das Kapital nicht das Problem, aber wer kontrolliert dieses Kapital?
    Diese Kontrolle über das Kapital ist ausser allen Fugen geraten, da, nicht eine einzige transparente Organisation zuständig ist, diesen Fluss an Kapital zu kontrollieren.
    Diese Zeilen dienen jene, über positive oder negative Gedanken, Erfahrungen oder sonstige Ideen zum ursprünglichen Gedanken zu bringen.
    Kapital ist in Ordnung, solange das Kapital unter Kontrolle ist.
    Aber diese Kontrolle existiert nicht, da die Bank für internationale Zusammenarbeit, im dunklen Formaten agiert.
    Hier geht es nicht um Religion, Rasse oder sonst irgendwelchen Nihilismus, sondern es geht hier um Transparenz!
    Wer keine Transparenz erhält, lebt in einer Lüge.

  5. „Damit ist auch der Begriff Demokratie selbst kontaminiert…“

    Eine eigentliche Kontamination stellt das Adjektiv ‚liberal‘ dar. Eine ‚liberale Demokratie‘ ist nicht, wie Viele missverstehen, eine besonders menschenfreundliche, Freiheit hochhaltende, sondern eine Depotenzierung oder eben Kontamination des Begriffs mit der Etablierung des Bürgertums als führender Klasse. Denn nichts anderes meint hier ‚liberal‘, die Kupplung der Demokratie mit der bürgerlichen Wirtschaftsform, dem Kapitalismus. Man müsste also präziser von einer ‚kapitalistischen Demokratie‘ sprechen, aber dann würde der erweiterte Begriff gleich als Oxymoron entpuppt, denn bekanntlich ist kapitalistisches Wirtschaften diktatorial verfasst. Es handelt sich also, vorsichtig ausgedrückt, um eine Demokratieform mit wesentlicher diktatorialer Komponente – „It’s the economy, stupid“ -, weniger vorsichtig, eben keine Demokratie, also Herrschaft des Volkes, sondern eine massiv von wirtschaftlichen Interessenhabern, vulgo Kapitalisten, beeinflusste, ja im Wesentlichen gesteuerte. Bildlich gesprochen – im Gegensatz zum historischen Ford-Modell T kann die Farbe des Vehikels vom Volk bestimmt werden, nicht aber das Vehikel selbst, das Modell T muss es schon sein. Die Wählbarkeit der Farbe, in der realen Praxis das Mehrparteiensystem, fungiert als Verschleierung der wahren Machtverhältnisse. Idealiter bilden sich in bürgerlichen Parlamenten zwei Blöcke heraus, oder gar direkt zwei Parteien, die die Möglichkeit der Alternanz suggerieren, die formal auch immer wieder zelebriert wird, aber eben nicht inhaltlich.

  6. Stehe ich auf einer Schwarzen Liste? Warum verschwinden meine Beiträge hier schon nach dem Abschicken auf nimmer Wiedersehen.

    1. Weil hier eine „KI“ am Wirken ist, die völlig wahllos Beiträge abwehrt.
      Das Beste kommt aber erst, denn nach dem Dritten, nach 3 abgewehrten Beiträgen zu lesen bekommt, dass man schon 3 Beiträge geschrieben hat.

      1. „Das Beste kommt aber erst, denn nach dem Dritten, nach 3 abgewehrten Beiträgen zu lesen bekommt, dass man schon 3 Beiträge geschrieben hat“
        Hatte ich auch schon mehrmals. Naja, auf befreundeten Territorium befinden wir uns hier nicht.

    2. Phineas
      ich hatte es Ihnen schon mehrfach empfohlen: Kommentar in Textdatei verfassen, dann in chatgpt kopieren mit der Frage „Wird dieser Kommentar durch die KI-Moderation kommen?“. Bisher hat die Antwort immer gestimmt.

  7. „Die Linken, die Gewerkschaften, die Sozialisten haben etwas „erkämpft‟, nämlich den Sozialstaat, was im Letzten nichts anderes ist als eine Form, wie der Kapitalismus sozialverträglich läuft, aber immer noch als Kapitalismus.“

    Eigentlich haben die Linken, die Gewerkschaften und Sozialisten fast gar nichts erreicht. Den Sozialstaat erkämpft haben eher Adolf Hitler und Otto von Bismarck.
    Und der Kapitalismus läuft nicht nur immer noch als Kapitalismus sondern wie
    eine V-Rakete mit doppelten Turbobooster für die Oberschicht und teilweise Mittelschicht. Die Unterschicht wird zwar mitgezogen hat aber Objektiv betrachtet schon beim Start verloren.
    Man kann auch schreiben der Kapitalismus läuft schlag(s)(z)eitig auf der Kapital-haben -Seite.
    Doch dazu gleich noch was:

    „Bei all der Schärfe hat diese Demokratiekritik freilich auch ihre Schlagseiten: Die eine ist – darauf weist der Gewerkschaftler in der Diskussion zu Recht hin –, dass es überhaupt besser ist, dass etwas existiert, nämlich ein Sozialstaat, und nicht vielmehr nichts, nämlich die ungebremste Macht des Kapitals.“
    Ja das haben Adolf Hitler Otto von Bismarck und diverse Sozialdemokraten
    mit vorgehaltener Waffe die auch benutzt wurde den Arbeitern auch erzählt.
    Die Arbeiter mussten es ihnen glauben.

    Der eigentliche Kapitalismus bedeutet freier Markt. Und auf diesen bewegt sich das Kapital nicht ungebremst.
    Sondern nach den Konsens der Marktteilnehmer. Man kann sich das wie den Wal Timmy vorstellen. Manchmal bewegt es sich kaum von der Stelle.

    „Milei beispielsweise geht mit der politischen Kettensäge gegen Rentner und Menschen mit Behinderung vor, streicht öffentliche Programme und behauptet, die Mittellosen hätten es einfach so verdient.“

    Nein ich kenne Mileis Politik nicht im Detail aber könnte es sein das nur der Teil nach den ersten Komma stimmt ?
    Trifft die Kettensäge vielleicht nur Leute die vorgeben für Rentner und Menschen mit Behinderung zu sprechen um für diese Geld zu kassieren ?
    Also ein Etat über andere zu besitzen.

  8. Meine Beiträge sind bisher komischerweise immer problemlos durchgekommen, obwohl alle meine Beiträge am Thema vorbei waren und einzig nur die neuen Forenreglen kritisiert haben.
    Also wenn sie da eine KI im Einsatz haben, funktioniert die denkbar schlecht. Wenn es aber ein Mensch ist, macht der das auch sehr schlecht. Deswegen möchte ich noch mal anregen doch hier endlich einmal so einen Poll zum Thema neue Forenregeln zu machen. Diese Polls fanden die Seitenbetreiber doch immer so gut.
    Ok, so einen Poll werden sie sicher nicht machen. Also habe ich schon mal einen selbst angefertigt:

    Wie finden Sie die neuen Foren-Regeln hier bei Overton?:
    o Sorry, ich muss mich erst einmal übergeben.
    o Wenn ich ganz ehrlich sage, was ich dazu denke und fühle, würde ich wahrscheinlich gesperrt werden.
    o Wenn ich ganz ehrlich sage, was ich dazu denke und fühle, würde ich wahrscheinlich gesperrt werden, aber das ist mir mittlerweile egal.
    o Ich bin schon weg.
    o Ich bin sehr bald weg, wenn sich das nicht wieder ändert.
    o Ich warte noch darauf, dass mir jemand ein gutes Forum nennt wohin ich ins Exil gehen kann.
    o Ich weiß gar nicht, was ihr alle habt, die neuen Regeln sind doch super.

    1. irgendwie wartet mein Kommentar von 20 Uhr immer noch auf Freischaltung und war zwischendurch verschwunden.

    2. o mir (fast) egal. Da halte ichs wie Meister Basho der dem Schüler auf die Frage „wie definierst Du Wasser?“ einen Eimer Wasser überkippt. „Was aber wenn kein Eimer da gewesen wäre?“ – „Das wäre dann sein Pech gewesen“.
      Wenn Overton meinen Nörgelkommentar verpasst, ist das dann deren Pech.
      Schade aber ist dass ihr Siez-Freund Altlandrebell schon weg ist. Eine Wanne Wasser, gewissermassen.

      1. @ name:

        Schade aber ist dass ihr Siez-Freund Altlandrebell schon weg ist.

        Na wenn die neuen Regeln gegen einen gerichtet sind, dann besonders gegen ihn.
        Sowohl die 3 Post-Regel als auch die 1000 Zeichen-Regel.

        1. Ich poste meinen Kommentar noch einmal:

          Ich habe den Eindruck, dass die Beiträge des erwähnten Foristen inzwischen nicht mehr sichtbar sind – zumindest werden sie mir nicht angezeigt.

          Zum Artikel selbst: Mir erscheint die Argumentation sehr stark als umfassende Systemkritik angelegt. Dabei bleibt nicht nur „das System“ insgesamt problematisch, sondern auch die freiwillige Einbindung der Menschen, die nach Status, Karriere und Konsum streben.

          Was mir etwas fehlt, ist der Raum für alternative Praxis, Gegenmacht oder Formen von Selbstermächtigung. Der Text gibt wenig Hinweise darauf, wie Menschen schon jetzt andere soziale Beziehungen organisieren könnten.

          Außerdem überzeugt mich die starke Fokussierung auf ein allumfassendes „Kapital“ nicht ganz. Bereiche wie Kultur oder Staat erscheinen mir nicht ausschließlich als bloße Symptome davon, sondern haben eine gewisse Eigenständigkeit.

    3. nein sie funktioniert nicht schlecht, die KI Moderation, sie funktioniert genau so, wie sie trainiert wurde. Am Thema vorbei ist erlaubt.

  9. „Die Linken, die Gewerkschaften, die Sozialisten haben etwas „erkämpft‟, nämlich den Sozialstaat, was im Letzten nichts anderes ist als eine Form, wie der Kapitalismus sozialverträglich läuft, aber immer noch als Kapitalismus.“

    Die Linken, die Gewerkschaften und die Sozialisten haben eigentlich fast gar nichts erreicht. Den Sozialstaat erkämpft haben eher Adolf Hitler und Otto von Bismarck.
    Und der Kapitalismus läuft nicht nur immer noch als Kapitalismus sondern als V-Rakete mit doppelten Turbobooster für die Oberschicht und teilweise die Mittelschicht. Die Unterschicht wird zwar auch mitgezogen hat aber objektiv betrachten schon beim Start verloren.
    Man könnte auch sagen der Kapitalismus hat Schlagseite auf der Kapital-Haben-Seite.

    „Bei all der Schärfe hat diese Demokratiekritik freilich auch ihre Schlagseiten: Die eine ist – darauf weist der Gewerkschaftler in der Diskussion zu Recht hin –, dass es überhaupt besser ist, dass etwas existiert, nämlich ein Sozialstaat, und nicht vielmehr nichts, nämlich die ungebremste Macht des Kapitals.“

    Ja das haben Adolf Hitler und Otto von Bismarck sowie diverse Sozialdemokraten mit vorgehaltener Waffe die ab und zu benutzt wurde den Arbeitern auch erzählt.
    Die Arbeiter mussten dran glauben.
    Der eigentliche Kapitalismus bedeutet freier Markt.
    Und dort bewegt sich das Kapital nicht nur ungebremst sondern nach den Konsens der Marktteilnehmer.
    Man kann sich das Kapital als Wal Timmy vorstellen. Manchmal bewegt es sich fast gar nicht.

    „Milei beispielsweise geht mit der politischen Kettensäge gegen Rentner und Menschen mit Behinderung vor, streicht öffentliche Programme und behauptet, die Mittellosen hätten es einfach so verdient.“

    Nein ich kenne Mileis Politik nicht im Detail aber könnte dies sein das nur der Teil nach den ersten Komma stimmt ?
    Wird vielleicht nur bei denen gestrichen die vorgeben für Rentner und Menschen mit Behinderung zu sprechen und für diese zu kassieren
    Also ein Etat über andere zu besitzen.

  10. Das Bild gefaellt mir. Jeder kann fuer sich beantworten wo er auf dieser Pyramide zu finden ist. Am meisten interessiert mich,, wo sich der aktuelle Bundeskanzler selbst einschaetzt.

  11. Im Beitrag wird der begrüßenswerte Versuch unternommen zu erklären, warum viele Menschen, eine Mehrheit, politisch gegen ihre objektiven Interessen handeln, zum Beispiel indem sie das, was sie plagt, kujoniert und tötet, selbst, „demokratisch“, wählen. Das zu analysieren und zu benennen ist enorm wichtig, möchte man aus diesem tödlichen Dilemma heraus kommen.
    Dass das Denken und Begriffe – wie der Autor es beschreibt – hierbei „kontaminiert“ seien, dass diese Verseuchung Voraussetzung für solch scheinbar irrationales Verhalten ist, dass es eine bewusste Irreführung ist (wie ansonsten sollte eine sich bereichernde Minderheit dauerhafter über eine ausgebeutete Mehrheit herrschen können?), ist keine neue, jedoch eine wichtige und gültige Erkenntnis.
    Dieser Prozess der Kontamination des Denkens und Sprechens wird derzeit exponentiell beschleunigt durch technologische Neuerungen der digitalen Art, so dass er für menschliche Auffassungsgabe und die Verarbeitung von Erfahrungen fast nicht mehr nachvollziehbar ist. In diesem Malstrom noch Koordinaten bestimmen zu können, ist eine gewaltige Herausforderung, jedoch notwendig, wenn dieser Mist überwunden werden will. -Und wenn nicht noch etwa eine Runde Faschismus gedreht werden will/soll.
    Vielleicht helfen hierbei auch zusammenfassende Vereinfachungen, indem man sagt (wie es weiter oben @Zack15 bereits anmerkte), dass Kapitalismus und Demokratie einen Widerspruch in sich bilden. Dass Kapitalismus plus Demokratie ein Unding, eine faustdicke, ideologische, grundlegende und -stürzende Lüge ist. Dass Horkheimers Diktum, welches besagt, dass, wer vom Kapitalismus nicht reden wolle, vom Faschismus schweigen solle, nach wie vor Gültigkeit hat. Oder auch, dass der Output aus ChatGPT & Co. juristisch gesprochen einen Akt der Hehlerei darstellt, weil er auf dem geraubten Wissen und den enteigneten Gedanken von Milliarden Menschen beruht.

    Vielleicht ist es auch eine (Teil)Idee, eine (Teil)Möglichkeit zur Überwindung der herrschenden Verhältnisse, diese digitalen Werkzeuge der Herrschaft gegen diese selbst effektiv zu benutzen, also wie man so sagt: „den Spieß umzudrehen…

  12. Wenn Sie hier schon Wikidingens als „Lermittel“ empfehlen, dann hätten Sie mal auch die Rezeptionen durchlesen sollen.
    Der krankhafte Wahn Courtois von seinen 100 Mio. entspringt auch nur seiner Fantasie.
    Nun ja, Ex-Maoisten eben…

  13. Wenn Sie hier schon Wikidingens als „Lermittel“ empfehlen, dann hätten Sie mal auch die Rezeptionen durchlesen sollen.
    Der krankhafte Wahn Courtois von seinen 100 Mio. entspringt auch nur seiner Fantasie.
    Nun ja, Ex-Maoisten eben…

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