
Das vergiftete Geschenk der Zivilisation.
Christopher Nolans Die Odyssee beginnt dort, wo andere Verfilmungen enden würden. Nicht mit der Heimkehr des Helden, sondern mit dem Sieg. Troja brennt. Rauch steigt über den Mauern auf, Schreie verhallen zwischen den Ruinen einer Kultur, die eben noch existierte. Erst später wird deutlich, dass dieser Auftakt nicht den Triumph einer Armee zeigt, sondern den Beginn einer moralischen Katastrophe. Ausgerechnet der berühmteste Sieg der europäischen Mythologie wird zum Ursprungsbild einer Erzählung über Schuld, Kulturexport und Angriffskrieg. Damit gelingt Nolan eine bemerkenswerte Verschiebung. Er verfilmt Homers Epos nicht als Abenteuer eines listenreichen Königs, sondern als Geschichte eines Mannes, der lernen muss, mit den Folgen seines eigenen Sieges zu leben.
Die Odyssee ist niemals ohne die Ilias zu denken. Während Homers älteres Epos den zehnjährigen Krieg um Troja schildert, erzählt die Odyssee von den zehn Jahren danach. Der Krieg ist gewonnen, Helena zurückgebracht, die Helden kehren heim. Doch was in den klassischen Lesarten als glückliche Heimreise erscheint, verwandelt Nolan in eine Untersuchung über die Unmöglichkeit der Rückkehr. Niemand kehrt wirklich heim, weil niemand derselbe geblieben ist. Die Vergangenheit reist mit.
Die Produktion entfaltet diese Idee mit großer Konsequenz. Nolan nutzt modernste Großformatkameras und reale Schauplätze, verzichtet weitgehend auf digitale Überwältigung und entwickelt stattdessen eine Bildsprache, die den Mythos entzaubert, ohne ihm seine Größe zu nehmen. Gewalt erscheint nicht spektakulär, sondern unerquicklich. Die Kamera verweilt nicht auf heroischen Gesten, sondern auf Gesichtern, die den Preis des Sieges tragen. Gerade die grandiose Inszenierung verweigert sich der Verherrlichung des Monumentalen.
Die eigentliche Erzählung entwickelt sich spiralförmig. Odysseus reist durch das Mittelmeer, begegnet Monstern, Königen, Zauberinnen und Göttern. Doch immer wieder kehrt der Film in Rückblenden nach Troja zurück. Mit jeder Erinnerung verändert sich der Blick auf das Geschehen, es ist eine mit der Zeit aufsteigende Perspektivik, von der aus der Sieg mit seinen Konsequenzen zunehmend vernetzter und verdichteter erscheint. Anfangs wirkt das Trojanische Pferd noch als jener geniale Einfall, der in Schulbüchern als Symbol militärischer Klugheit gilt. Später erkennt man darin ein vergiftetes Geschenk der Zivilisation. Nicht eine Stadt wird eingenommen und eine Königin gerettet, sondern eine Kultur ausgelöscht. Das Pferd trägt keine Hoffnung in sich, sondern den Tod. Was als List gefeiert wurde, erscheint nun als Werkzeug eines Völkermordes.
Dieser Perspektivwechsel verändert alle Figuren. Helena ist keine gerettete Schönheit mehr. Die einst bewunderte Königin trägt die Spuren des Krieges sichtbar in ihrem Gesicht und in ihrer Haltung. Sie entschuldigt sich für die unzähligen Opfer, die ihre Rückkehr gefordert hat. Ihre Rettung hat niemanden erlöst. Auch die Sieger finden keinen Frieden. Schlaf bedeutet Alpträume, Erinnerungen und Stimmen der Gefallenen. Im Hades begegnet Odysseus jenen Männern, die ihm vertraut hatten. Nun werfen sie ihm Verrat vor. Sie fühlen sich belogen, benutzt und einem höheren Zweck ausgeliefert, dessen moralischer Anspruch mit jedem Toten hohler klingt. Hier erkennt Odysseus sich selbst.
Immer wieder spricht der Film Sätze aus, die weit über den antiken Stoff hinausweisen. „Ein neuer Morgen wird über die Welt anbrechen und die Fehler werden vergessen sein“, heißt es an einer entscheidenden Stelle. Doch genau das geschieht nicht. Die Fehler bleiben. Sie überdauern Generationen. Sie schreiben sich in Landschaften, Erinnerungen und Familien ein. „Wir haben die zerbrechlichen Bande zwischen den Menschen vergiftet.“ Kaum ein Satz beschreibt präziser jene Dynamik, mit der Interventionen im Namen einer höheren Ordnung ganze Regionen destabilisieren und am Ende genau jene Grundlagen zerstören, deren Schutz sie angeblich dienen sollten.
Auch die berühmten Stationen der Reise gewinnen eine neue Bedeutung. Die Expeditionen des Odysseus sollten Rettung bringen. Tatsächlich hinterlassen sie verbrannte Dörfer, geplünderte Küsten und traumatisierte Überlebende. Im Mittelmeer verbreitet sich die Angst vor einer namenlosen Bedrohung, den „Völkern der Meere“. Auch Odysseus und seine Männer hören davon und geraten in Furcht. Lange bleibt offen, wer damit gemeint ist. Erst allmählich begreift man, dass die Geschichten von mordenden, plündernden und vergewaltigenden Fremden ihn selbst und seine Leute beschreiben. Der Held wird selbst zum Monster, vor dem sich die Menschen und auch er selbst fürchten.
Besonders eindringlich gelingt dies in der Begegnung mit Circe. Ihre Verwandlung der Krieger in Schweine ist keine göttliche Laune, sondern ein moralisches Urteil. Sie macht aus ihnen nicht etwas anderes, sondern das, was sie längst geworden sind. Die Magie enthüllt lediglich eine Wahrheit, die der Krieg bisher verborgen hatte.
Noch erschütternder wirkt Nolans Deutung der Episode mit dem Zyklopen. Der einäugige Riese erscheint zunächst als monströse Verkörperung des Fremden. Erst nachdem Odysseus und seine Männer ihm das Auge ausgestochen haben, wird sichtbar, dass Kommunikation möglich gewesen wäre. Das vermeintliche Ungeheuer, ein großes, ungeschlachtes und entstelltes Lebewesen, wimmert vor Schmerz und Hilflosigkeit. Erschüttert stellen Odysseus und seine Leute fest, dass man mit ihm hätte reden können. Nicht der Zyklop ist die eigentliche Bedrohung. Die Eindringlinge sind es. Sie bringen den Tod dorthin, wo sie erscheinen, und nennen ihn Ordnung.
Odysseus erkennt schließlich, dass er etwas Großes verloren hat, um etwas Kleines zu gewinnen. Er hat eine Stadt zerstört, Freunde geopfert und seine eigene Menschlichkeit eingebüßt, um am Ende lediglich nach Hause zurückzukehren. Seine Heimkehr besitzt deshalb nichts Triumphales. Sie ist die Rückkehr eines Mannes, dessen Mythos schwerer wiegt als sein Leben.
Darin liegt die eigentliche Modernität dieses Films. Nolan erzählt keinen antiken Stoff über ferne Zeiten, sondern verfasst ein Bulletin über den Zustand der Gegenwart. Die Odyssee liest sich als Anklage gegen jene politische und kulturelle Selbstgewissheit, die ihre eigenen Werte für universell erklärt und ihre Ausbreitung notfalls mit Gewalt erzwingt. Der Film liest sich wie eine Kritik und Anklage an westlichen Kultur- und Demokratieexport, der notfalls mit Massenvernichtungswaffen durchgesetzt wird, wenn die Massenbeeinflussung durch Hollywood nicht ausreicht. So wirkt das Trojanische Pferd wie das Sinnbild eines „Geschenks“, das Zivilisation verspricht, aber im Kern bereits Zersetzung und Vernichtung birgt. Der Krieg erscheint als Export eines Lebensmodells, das den Menschen aufgezwungen wird, ohne sie zu fragen; das jene vernichtet, die sich ihm widersetzen – aber auch nicht vor den Kriegern selber Halt macht.
So verwandelt sich Homers Epos in eine Reflexion über Interventionen, Besatzungen und moralisch aufgeladene Kriege der Moderne. Nicht die Vergangenheit wird erzählt, sondern die Gegenwart erkannt. Gerade deshalb bleibt nach dem Abspann weniger der Mythos in Erinnerung als eine unbequeme Frage: Welche Geschichten nennen wir Heldentaten, weil wir uns weigern, sie Kriegsverbrechen zu nennen?




Oh, eine wirklich gute und bedenkenswerte fundierte Auseinandersetzung mit dem Film und der Geschichte.
Sehr erfreulich angesichts der doch vielen kritischen, mitunter als Verriss zu bezeichnenden aktuellen Rezensionen auf anderen Webseiten. Nun bin ich doch neugierig geworden, mir den Film einmal anzuschauen. Danke!
Ob man es als Auseinandersetzung bezeichnen kann, sei dahin gestellt, denn beim ‚Trojanischen Krieg‘ (inkl. seiner VIELEN tragischen „Helden“) handelt es sich NICHT um Geschichte, sondern um nur eine von vielen Geschichten innerhalb der umfassenden und überaus komplexen griechischen MYTHOLOGIE.
Darüber hinaus ist die Vereinnahmung und Umbenennung dieser regional entstandenen, verwurzelten (!griechischen!) Mythologie als/in „europäische Mythologie“ mehr als bezeichnend.
Wer schwere Kost moralisch fremdinterpretiert und leicht verdaulich kredenzt bekommen mag, bedient sich eher der cineastischen Vorverdauung als vorhandener Lektüre.
Gegen kurzweilige Unterhaltung ist übrigens absolut nichts einzuwenden, wenn man das eine vom anderen zu trennen vermag.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und aktuellen Kriegen sind nicht rein zufällig sondern beabsichtigt?
Einen Helm für diesen Schelm sonst kommt der böse Fritz. Das ist kein Witz.
Anmerkung: Fritz ist die Kurzform von „Friedrich“. Friedrich bedeutet so viel wie „Fürst des Friedens“ oder „Friedenswahrer“ oder „Beschützer des Friedens“. Hier gibt es allerdings keine Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen, denn dieser Fritz ist kein Beschützer des Friedens, das ist ein Freund des Krieges und ein Feind des Friedens.
da es um Krieg geht, möchte ich etwas posten, was mich heute nachdenklich gemacht hat:
Vor kurzem gab Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, eine äußerst symbolträchtige und wichtige Erklärung ab: Er sagte, die „Sondermilitäroperation“ [SMO] habe sich zu einem echten Krieg entwickelt, weil „hinter Kiew eine Reihe europäischer Hauptstädte und leider auch Washington stehen“. Das ist ein direktes Zitat.
Nun befindet sich Russland also auch nach Meinung seines Präsidenten im Krieg mit Europa und Amerika.
Nebenbei habe ich jetzt aus dem Artikel erfahren, wer die raubenden und mordenden Seevölker waren.
Der Artikel war recht aufschlussreich, trotzdem werde ich mir den Film auf keinen Fall ansehen.
Mir ist schon in meiner Jugend klar geworden, dass es keine Helden im Krieg gibt.
Mein Vater, der auch in Russland gekämpft hatte, hat mir das klar gemacht.
Und mir dazu eine Aversion gegen jegliche Art von Schusswaffen mitgegeben.
Ich denke, solche Filme und Artikel dienen dem Alibibedürfnis akademisch gebildeter Menschen, die spüren, dass sie der Schmierstoff, das ÖL sind, das den Krieg weltweit am Laufen hält …
Die Soldaten sind das verschleisende material…ohne sie ginge krieg kaum…doch wenn die akademische Welt Charakter hätte, gäbe es nirgends auf der Welt Kriege … Krieg wird nicht von arbeitenden Menschen begonnen …
und ich glaube nicht das die erwähnten Arbeier anders handeln täten, wären sie akademisch gebildet und nicht einfche handwerker.
Es ist egal wer wohlhabend und gebildet ist. Es liegt nicht an irgendwelchen besondern Genen.
Nein es scheint am menschen selbst zu liegen…und nein ich will damit nichts besonderes ausdrücken…außer die Gedanken, die mir beim Lesen des Artikels kamen.
„…außer die Gedanken, die mir beim Lesen des Artikels kamen.“
Hmmm, mir kam spontan der Gedanke: „was für ein überflüssiger Mü…“ – liegt aber vermutlich nur an mir.
„Nein es scheint am menschen selbst zu liegen…“
Wollte man (hier oder andernorts) beliebt und beliebig sein wollen, wäre diese Aussage unmittelbar als Frevel,Sakrileg oder Schlimmeres abzulehnen.
Stimme Ihnen jedoch uneingeschränkt zu. 🙂
Der Autor baut sich eine eigene Deutung, die weder die Handlung des Films korrekt darstellt, noch den Ton.
Es geht Nolan nicht um Kritik an Metzeleien, denn nach der völlig lächerlich und unglaubwürdig wirkenden, angeblichen „Erkenntnis“ durch Odysseus, dass dieses Einfallen in Troja ganz fies und gemein gewesen sei, metzelt genau dieser Odysseus direkt danach völlig sinnlos dutzende Männer der eigenen Bevölkerung in einer als „heroisch“ inszenierten Amok-Szene.
Wer sich den Film antut, wird sich sowohl langweilen als auch über die Flachheit ärgern. Letztendlich stellt Nolan Odysseus und seine Leute als eine Bande Deppen dar, die nichts, aber auch gar nichts lernt oder versteht. Und das ist nicht etwa als Kritik gemeint, sondern wird anscheinend nur deshalb so dargestellt, weil Nolan den tieferen Sinn von Homers Odyssee und der einzelnen Ereignisse darin offensichtlich nicht mal ansatzweise versteht.
Der Film ist das Gegenteil von Reflexion. Die eine Szene, die der Autor als Beleg dafür anführt, ist absurd dahinkonstruiert und dient im Film einem ganz anderen Zweck. Odysseus sieht plötzlich völlig übertriebene Bilder von Grausamkeiten, beispielsweise das angedeutete Köpfen einer Frau. Dahinkonstruiert deshalb, weil das so nie stattgefunden hat (dafür gibt es keinerlei histrorische Belege). Unglaibwürdig, weil die dauernden Kriege damals alle grausam waren, es gibt keine Belege dafür, dass ungewöhliche Gemetzel in Troja stattgefunden haben.
Die Szene dient lediglich dazu, damit Nolan rechtfertigen kann, weshalb Oysseus als Bettler auftritt und sich nicht zu erkennen gibt, ohne fundierte Kritik am System zu üben. Den eigentlichen Sinn dieses Auftritts hat Nolan nicht verstanden, also nutzt er die „Erinnerung“ der angeblichen Grausamkeiten als Mittel um seine unlogische Storyline zu rechtfertigen.
Eigentlich geht es in Homers Odyssee auch um Kritik an Besitz- und Machtverhältnissen, die im Auftritt von Odysseus als Bettler zum Ausdruck kommt. Das umgeht Nolan und schreibt die Odyssee Kapitalisten- und Herrschafts-konform um.
Danach dann das gute alte Metzeln als heroische Tat, wie in den meisten Hollywood Filmen, nur zusätzlich noch betont sinnfrei. Reflexion würde bedeuten Denken und Handeln zu ändern, genau das tut Odysseus nicht, sondern metzelt sogar noch sinnloser und grausamer.
Homers Odyssee wurde übelst vergewaltigt, die Metaphern darin wurden offensichtlich nicht verstanden.
Woher nehmen Sie die Gewissheit, die Odyssee ‚richtig‘ verstanden zu haben? Es ist absolut nichts über den Autor bekannt, der vielleicht auch nicht Homer hiess, wenn es überhaupt einen einzelnen Autor im mordernen Sinn gegeben hat. Von dessen Weltanschauung also auch nicht. Ich hab den Film bisher nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob Piaseckis Kritik Hand und Fuss hat, jedenfalls ist es nicht verboten, einen bekannten Stoff anders interpretiert auf die Bühne oder ins Kino zu bringen. In gewissen Fällen wird inhaltlich sogar viel freier verfahren, als Nolan es hier tut. Wie der Schweizer Autor Muschg meinte, „Erlaubt ist, was gelingt.“
Da habe ich noch eine Rezension des Films gelesen … Der Autor (https://www.golem.de/news/grosses-kino-christopher-nolan-singt-homers-odyssee-neu-2607-210923.html) scheint einen anderen Film gesehen zu haben….
Aeh. Falsch.
Odysseus reist 10 Jahre lang umher weil er „Zeus Law“, das Gesetz von Zeus gebrochen hat.
Das Gesetzt von Zeus sagt unter anderem das man Gastgebern ein Geschenk mitbringen soll, wenn man in ihr Haus eingeladen wird, und Gastgeber sollen alle Menschen gleich behandeln welche in ihr Haus kommen! (Man erinnere da an die Verköstigung der Männer in Ithaca von Penelope und ihrem Sohn!)
Den die Götter können ebenfalls unter den Menschen wandeln, daher sind alle Menschen nach Zeus Law gleich zu behandeln, ob Bettler oder Könige. (Man weiss ja nicht ob man mit einem Gott spricht etc…)
Die Gäste von Penelope haben dieses Gesetz nicht mehr angewendet in den 10 Jahren, da die Geschichte von Odysseus und dem trojanischen Pferd die Runde macht und dies quasi die zivilisatorischen Bände zwischen den Menschen aufgebrochen hat.
Denn
Das ist die eigentliche Botschaft. Er Odysseus war es welcher Zeus Law gebrochen hat, indem er das Gastgeschenk gemacht hat, das trojanische Pferd. Das heisst, er hat den Glauben an Zeus Law, das man Geschenke bringt (oder wie hier im Falle einer Niederlage ein Geschenk hinterlässt) ausgenutzt um einen Vorteil. Einen Kriegsvorteil zu gewinnen.
Damit hat er die damalige Menschheit verdorben. Niemand befolgt nun mehr Zeus Law/Gesetz.
Als Strafe darf er dann umherirren.
Die „Männer der See“ sind dann, nicht nur die Anhänger Odysseus welche nach Hause möchten, sondern alle Sieger des Trojanischen Krieges. Welche ohne Vorräte die Inseln überfallen … wieso.
Weil Sie durch den Krieg verrohrt sind, und das zivilisatorische Gesetz des Zeus Law nicht mehr beachten.
Dies wird dann auch am Ende des Films klar.
Der Kommentar von @Michael scheint mir ziemlich treffgenau.
Es ist schon ein bisschen auffallend, dass Herr Piasecki den Film in dieser Art interpretiert. Aber selbst dann, wenn er mit seiner Deutung recht haben sollte (Konjunktiv!), so bliebe der Tatbestand, dass Nolan Homers Werk eigentlich nur als Steinbruch benutzt hätte, um etwas Zeitgeistiges zu vermitteln.
Nun gut, die Kunst ist frei und Nolan darf das tun, doch stellt sich natürlich die Frage, inwieweit es überhaupt angemessen und vertretbar ist, schriftstellerische Meisterleistungen der Vergangenheit auf eine Weise zu modernisieren, die der ursprüngliche Autor nie im Sinn hatte. Wie gesagt schon gesagt: Stichwort „Steinbruch“.
Wo ist der Respekt vor dem Original?
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Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass Herr Piasecki als noch nicht so alter Professor doch ziemlich durchdrungen ist wo den zeitgeistigen geistigen Moden und Strömungen. Und wer da gegen den Strom schwimmt, der kann in Zeiten wie diesen rasch Ärger bekommen. Man denke nur an Frau Guérot! Herr Piasecki scheint hingegen nicht anzuecken.
(Okay, vielleicht irre ich mich.)
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In diesem Film meint er nun das erkennen zu können, was er in ihm sehen möchte. Vielleicht wollte und will Nolan aber auch einfach nur Geld verdienen und einen Oscar dazu?! Und um diese Ziele zu erreichen, hat er womöglich hier und da genau jene Dinge beachtet und eingebaut, die heute im „politisch korrekten“ Kulturbetrieb angesagt sind.
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Ich werde mir den Film nicht ansehen.
„Troja“ (von 2004) war schon schlecht genug.