Christopher Nolans Die Odyssee ist politische Bildung

Szene aus dem Film Die Odyssee. Bild: Universal Studios

Das vergiftete Geschenk der Zivilisation.

Christopher Nolans Die Odyssee beginnt dort, wo andere Verfilmungen enden würden. Nicht mit der Heimkehr des Helden, sondern mit dem Sieg. Troja brennt. Rauch steigt über den Mauern auf, Schreie verhallen zwischen den Ruinen einer Kultur, die eben noch existierte. Erst später wird deutlich, dass dieser Auftakt nicht den Triumph einer Armee zeigt, sondern den Beginn einer moralischen Katastrophe. Ausgerechnet der berühmteste Sieg der europäischen Mythologie wird zum Ursprungsbild einer Erzählung über Schuld, Kulturexport und Angriffskrieg. Damit gelingt Nolan eine bemerkenswerte Verschiebung. Er verfilmt Homers Epos nicht als Abenteuer eines listenreichen Königs, sondern als Geschichte eines Mannes, der lernen muss, mit den Folgen seines eigenen Sieges zu leben.

Die Odyssee ist niemals ohne die Ilias zu denken. Während Homers älteres Epos den zehnjährigen Krieg um Troja schildert, erzählt die Odyssee von den zehn Jahren danach. Der Krieg ist gewonnen, Helena zurückgebracht, die Helden kehren heim. Doch was in den klassischen Lesarten als glückliche Heimreise erscheint, verwandelt Nolan in eine Untersuchung über die Unmöglichkeit der Rückkehr. Niemand kehrt wirklich heim, weil niemand derselbe geblieben ist. Die Vergangenheit reist mit.

Die Produktion entfaltet diese Idee mit großer Konsequenz. Nolan nutzt modernste Großformatkameras und reale Schauplätze, verzichtet weitgehend auf digitale Überwältigung und entwickelt stattdessen eine Bildsprache, die den Mythos entzaubert, ohne ihm seine Größe zu nehmen. Gewalt erscheint nicht spektakulär, sondern unerquicklich. Die Kamera verweilt nicht auf heroischen Gesten, sondern auf Gesichtern, die den Preis des Sieges tragen. Gerade die grandiose Inszenierung verweigert sich der Verherrlichung des Monumentalen.

Die eigentliche Erzählung entwickelt sich spiralförmig. Odysseus reist durch das Mittelmeer, begegnet Monstern, Königen, Zauberinnen und Göttern. Doch immer wieder kehrt der Film in Rückblenden nach Troja zurück. Mit jeder Erinnerung verändert sich der Blick auf das Geschehen, es ist eine mit der Zeit aufsteigende Perspektivik, von der aus der Sieg mit seinen Konsequenzen zunehmend vernetzter und verdichteter erscheint. Anfangs wirkt das Trojanische Pferd noch als jener geniale Einfall, der in Schulbüchern als Symbol militärischer Klugheit gilt. Später erkennt man darin ein vergiftetes Geschenk der Zivilisation. Nicht eine Stadt wird eingenommen und eine Königin gerettet, sondern eine Kultur ausgelöscht. Das Pferd trägt keine Hoffnung in sich, sondern den Tod. Was als List gefeiert wurde, erscheint nun als Werkzeug eines Völkermordes.

Dieser Perspektivwechsel verändert alle Figuren. Helena ist keine gerettete Schönheit mehr. Die einst bewunderte Königin trägt die Spuren des Krieges sichtbar in ihrem Gesicht und in ihrer Haltung. Sie entschuldigt sich für die unzähligen Opfer, die ihre Rückkehr gefordert hat. Ihre Rettung hat niemanden erlöst. Auch die Sieger finden keinen Frieden. Schlaf bedeutet Alpträume, Erinnerungen und Stimmen der Gefallenen. Im Hades begegnet Odysseus jenen Männern, die ihm vertraut hatten. Nun werfen sie ihm Verrat vor. Sie fühlen sich belogen, benutzt und einem höheren Zweck ausgeliefert, dessen moralischer Anspruch mit jedem Toten hohler klingt. Hier erkennt Odysseus sich selbst.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Immer wieder spricht der Film Sätze aus, die weit über den antiken Stoff hinausweisen. „Ein neuer Morgen wird über die Welt anbrechen und die Fehler werden vergessen sein“, heißt es an einer entscheidenden Stelle. Doch genau das geschieht nicht. Die Fehler bleiben. Sie überdauern Generationen. Sie schreiben sich in Landschaften, Erinnerungen und Familien ein. „Wir haben die zerbrechlichen Bande zwischen den Menschen vergiftet.“ Kaum ein Satz beschreibt präziser jene Dynamik, mit der Interventionen im Namen einer höheren Ordnung ganze Regionen destabilisieren und am Ende genau jene Grundlagen zerstören, deren Schutz sie angeblich dienen sollten.

Auch die berühmten Stationen der Reise gewinnen eine neue Bedeutung. Die Expeditionen des Odysseus sollten Rettung bringen. Tatsächlich hinterlassen sie verbrannte Dörfer, geplünderte Küsten und traumatisierte Überlebende. Im Mittelmeer verbreitet sich die Angst vor einer namenlosen Bedrohung, den „Völkern der Meere“. Auch Odysseus und seine Männer hören davon und geraten in Furcht. Lange bleibt offen, wer damit gemeint ist. Erst allmählich begreift man, dass die Geschichten von mordenden, plündernden und vergewaltigenden Fremden ihn selbst und seine Leute beschreiben. Der Held wird selbst zum Monster, vor dem sich die Menschen und auch er selbst fürchten.

Besonders eindringlich gelingt dies in der Begegnung mit Circe. Ihre Verwandlung der Krieger in Schweine ist keine göttliche Laune, sondern ein moralisches Urteil. Sie macht aus ihnen nicht etwas anderes, sondern das, was sie längst geworden sind. Die Magie enthüllt lediglich eine Wahrheit, die der Krieg bisher verborgen hatte.

Noch erschütternder wirkt Nolans Deutung der Episode mit dem Zyklopen. Der einäugige Riese erscheint zunächst als monströse Verkörperung des Fremden. Erst nachdem Odysseus und seine Männer ihm das Auge ausgestochen haben, wird sichtbar, dass Kommunikation möglich gewesen wäre. Das vermeintliche Ungeheuer, ein großes, ungeschlachtes und entstelltes Lebewesen, wimmert vor Schmerz und Hilflosigkeit. Erschüttert stellen Odysseus und seine Leute fest, dass man mit ihm hätte reden können. Nicht der Zyklop ist die eigentliche Bedrohung. Die Eindringlinge sind es. Sie bringen den Tod dorthin, wo sie erscheinen, und nennen ihn Ordnung.

Odysseus erkennt schließlich, dass er etwas Großes verloren hat, um etwas Kleines zu gewinnen. Er hat eine Stadt zerstört, Freunde geopfert und seine eigene Menschlichkeit eingebüßt, um am Ende lediglich nach Hause zurückzukehren. Seine Heimkehr besitzt deshalb nichts Triumphales. Sie ist die Rückkehr eines Mannes, dessen Mythos schwerer wiegt als sein Leben.

Darin liegt die eigentliche Modernität dieses Films. Nolan erzählt keinen antiken Stoff über ferne Zeiten, sondern verfasst ein Bulletin über den Zustand der Gegenwart. Die Odyssee liest sich als Anklage gegen jene politische und kulturelle Selbstgewissheit, die ihre eigenen Werte für universell erklärt und ihre Ausbreitung notfalls mit Gewalt erzwingt. Der Film liest sich wie eine Kritik und Anklage an westlichen Kultur- und Demokratieexport, der notfalls mit Massenvernichtungswaffen durchgesetzt wird, wenn die Massenbeeinflussung durch Hollywood nicht ausreicht. So wirkt das Trojanische Pferd wie das Sinnbild eines „Geschenks“, das Zivilisation verspricht, aber im Kern bereits Zersetzung und Vernichtung birgt. Der Krieg erscheint als Export eines Lebensmodells, das den Menschen aufgezwungen wird, ohne sie zu fragen; das jene vernichtet, die sich ihm widersetzen – aber auch nicht vor den Kriegern selber Halt macht.

So verwandelt sich Homers Epos in eine Reflexion über Interventionen, Besatzungen und moralisch aufgeladene Kriege der Moderne. Nicht die Vergangenheit wird erzählt, sondern die Gegenwart erkannt. Gerade deshalb bleibt nach dem Abspann weniger der Mythos in Erinnerung als eine unbequeme Frage: Welche Geschichten nennen wir Heldentaten, weil wir uns weigern, sie Kriegsverbrechen zu nennen?

Stefan Piasecki

Prof. Dr. Dr. habil. Stefan Piasecki, Sozial- und Medienwissenschaftler. Promoviert in Politikwissenschaften (Universität Duisburg-Essen) und Medienwissenschaften (Universität Leipzig). Habilitiert in Religionspädagogik (Universität Kassel). Professor für Soziologie und Politikwissenschaften an einer Verwaltungshochschule in NRW. Jugendmedienschützer bei der FSK (Wiesbaden). Beschäftigt sich bevorzugt mit den Wechselwirkungen von Medien, Religion und Gesellschaft. Von 1993-2004 in der internationalen Computerspieleindustrie tätig. Von 2004 bis 2010 Case-Manager in der Sozialverwaltung der Stadt Mülheim an der Ruhr. Von 2010 bis 2018 Professor für Soziale Arbeit. Seit 2018 Professor für Soziologie und Politikwissenschaften.
Lehraufträge an den Universitäten Duisburg-Essen, Erlangen-Nürnberg, Kassel und Teheran. Autor von präzise recherchierten Romanen zu zeitgeschichtlichen Themen.
Akademische Webseite: www.stefanpiasecki.de
Belletristische Webseite: www.editionvijo.com

Lesen Sie unbedingt Stefan Piaseckis Roman „Kleine Frau im Mond“.
Mehr Beiträge von Stefan Piasecki →

Ähnliche Beiträge:

27 Kommentare

  1. Oh, eine wirklich gute und bedenkenswerte fundierte Auseinandersetzung mit dem Film und der Geschichte.

    Sehr erfreulich angesichts der doch vielen kritischen, mitunter als Verriss zu bezeichnenden aktuellen Rezensionen auf anderen Webseiten. Nun bin ich doch neugierig geworden, mir den Film einmal anzuschauen. Danke!

    1. Ob man es als Auseinandersetzung bezeichnen kann, sei dahin gestellt, denn beim ‚Trojanischen Krieg‘ (inkl. seiner VIELEN tragischen „Helden“) handelt es sich NICHT um Geschichte, sondern um nur eine von vielen Geschichten innerhalb der umfassenden und überaus komplexen griechischen MYTHOLOGIE.

      Darüber hinaus ist die Vereinnahmung und Umbenennung dieser regional entstandenen, verwurzelten (!griechischen!) Mythologie als/in „europäische Mythologie“ mehr als bezeichnend.

      Wer schwere Kost moralisch fremdinterpretiert und leicht verdaulich kredenzt bekommen mag, bedient sich eher der cineastischen Vorverdauung als vorhandener Lektüre.
      Gegen kurzweilige Unterhaltung ist übrigens absolut nichts einzuwenden, wenn man das eine vom anderen zu trennen vermag.

      1. Die Kinoaufführung ist eigentlich eher wieder ein Schritt zurück zu den Originalen. Die Geschichten wurden von wandernden Sänger vorgetragen. Homers Version ist so ähnlich wie die Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Wobei bei denen mehrere Generationen von Feinschliff bekannt sind, die die Marktgängigkeit verbessern sollten.

        Wenn Geschichten heute neu und mit anderen Schwerpunkten und Weglassungen erzählt werden, ist das gute alte Kulturtradition und wir sollten sie dankbar annehmen.

        Die europäischen Versionen haben, das große Problem, dass sie die antike griechische Viel-Götterwelt mit der neueren Version des einen Christen-Gottes in Einklang bringen müssen/sollten. Tun sie das nicht und nehmen die gängigen Homer-Versionen als einzig gültige in Fels gravierte Version, ist die Kultur erstarrt.

        Homer steht voll unter dem Eindruck der griechischen Götterwelt und wenige(!) Menschen haben bestenfalls Aussicht, dass sie zu Lieblingen der Götter werden, deswegen ein Grauer-Bart-Alter erreichen dürfen, nicht zum humanen Schmierstoff der Heldenerzählungen werden und wenn nicht gleich am Anfang, dann doch irgendwo auf dem Weg ihr Leben verlieren.

        Auch dieser Film lebt von einer Heldenerzählung. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, wie man die alte griechische Vorlage demokratisieren könnte. Die Ursprünge der Erzählungen stammen alle vor den ersten demokratischen Anfänger in Griechenland.

        Modernere europäische/westliche Erzählungen wie Robin Hood, Dune drehen sich auch um Adelsgeschlechter, aber haben schon auch einen starken Trend zum Lebensrecht für alle. Klamaukige Piratengeschichten wie die mit Johnny Depp spielen dann wieder mit der Idee des unverwüstbaren Götterlieblings, der nicht ganz beliebig, aber mit glücklichem Schicksal in die Nachtodverbannung und zurück wechseln kann.

        Ich gucke sowas wirklich gern, besonders wenn es gekonnt komponiert ist, ich bin aber dankbar für jede demokratische Erzählung und verzeihe da viel mehr, weil diese Geschichten immer das große Problem haben, dass sie ohne göttliche Hilfe auskommen müssen und rein auf menschliche Einsicht und gegenseitige Verständigung angewiesen sind.

  2. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und aktuellen Kriegen sind nicht rein zufällig sondern beabsichtigt?

    Einen Helm für diesen Schelm sonst kommt der böse Fritz. Das ist kein Witz.

    Anmerkung: Fritz ist die Kurzform von „Friedrich“. Friedrich bedeutet so viel wie „Fürst des Friedens“ oder „Friedenswahrer“ oder „Beschützer des Friedens“. Hier gibt es allerdings keine Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen, denn dieser Fritz ist kein Beschützer des Friedens, das ist ein Freund des Krieges und ein Feind des Friedens.

  3. da es um Krieg geht, möchte ich etwas posten, was mich heute nachdenklich gemacht hat:
    Vor kurzem gab Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, eine äußerst symbolträchtige und wichtige Erklärung ab: Er sagte, die „Sondermilitäroperation“ [SMO] habe sich zu einem echten Krieg entwickelt, weil „hinter Kiew eine Reihe europäischer Hauptstädte und leider auch Washington stehen“. Das ist ein direktes Zitat.
    Nun befindet sich Russland also auch nach Meinung seines Präsidenten im Krieg mit Europa und Amerika.
    Nebenbei habe ich jetzt aus dem Artikel erfahren, wer die raubenden und mordenden Seevölker waren.
    Der Artikel war recht aufschlussreich, trotzdem werde ich mir den Film auf keinen Fall ansehen.

    Mir ist schon in meiner Jugend klar geworden, dass es keine Helden im Krieg gibt.
    Mein Vater, der auch in Russland gekämpft hatte, hat mir das klar gemacht.
    Und mir dazu eine Aversion gegen jegliche Art von Schusswaffen mitgegeben.

    Ich denke, solche Filme und Artikel dienen dem Alibibedürfnis akademisch gebildeter Menschen, die spüren, dass sie der Schmierstoff, das ÖL sind, das den Krieg weltweit am Laufen hält …
    Die Soldaten sind das verschleisende material…ohne sie ginge krieg kaum…doch wenn die akademische Welt Charakter hätte, gäbe es nirgends auf der Welt Kriege … Krieg wird nicht von arbeitenden Menschen begonnen …
    und ich glaube nicht das die erwähnten Arbeier anders handeln täten, wären sie akademisch gebildet und nicht einfche handwerker.
    Es ist egal wer wohlhabend und gebildet ist. Es liegt nicht an irgendwelchen besondern Genen.
    Nein es scheint am menschen selbst zu liegen…und nein ich will damit nichts besonderes ausdrücken…außer die Gedanken, die mir beim Lesen des Artikels kamen.

    1. „…außer die Gedanken, die mir beim Lesen des Artikels kamen.“
      Hmmm, mir kam spontan der Gedanke: „was für ein überflüssiger Mü…“ – liegt aber vermutlich nur an mir.

      „Nein es scheint am menschen selbst zu liegen…“
      Wollte man (hier oder andernorts) beliebt und beliebig sein wollen, wäre diese Aussage unmittelbar als Frevel,Sakrileg oder Schlimmeres abzulehnen.
      Stimme Ihnen jedoch uneingeschränkt zu. 🙂

    2. In dem Film wird auch klar das junge Männer in einen Krieg eingezogen werden.

      Diese werden dann älter, haben ihr ganzes Leben auf dem einen Strand im Krieg verbracht.

      Die Männer die dort sterben, die Soldaten, sind dann auch die Opfer.

      Damals sprach man noch von Opfern an die Götter für – gutes Gelingen, Glück etc.. – wird auch am Anfang sichtbar wenn der Junge geopfert wird …. um der Lüge in die Wahrheit einzukleiden.

      Deswegen war auch der Dialog im Film richtig gut.

      Man sprach davon das Circe die Hexe, die Wahrheit erkennt. Die Wahrheit erkennt in den Menschen, also den Soldaten die ihre Insel aufsuchen.

      Und auch Odysseus erkennt dann die Wahrheit hinter seinem handeln.

      Wie gesagt das Opfer für den Erfolg des Trojanischen Pferdes ist dann ein Mensch welcher als zurückgelassene Person am Strand (als Wahrheit) die Lüge (der Menschen im Pferd) verschleiern soll.

      Es wird dann später im Hades dann auch deutlich wenn von dieser Person ALS OPFER gesprochen wird. Und das man den Göttern (hier dem Glück zum gelingen bei dem Trojanischen Pferd) ein Opfer bringen soll.

      Agamemnon (der Ober-König) opfert sein Kind für den Sieg des Krieges ebenfalls einem Opfer indem er es irgendwo umbringt. (Damit wird dieses Prinzip quasi auch getragen im Film und die Weltsicht erklärt).

      Der Film ist wirklich sehr sehr gut.

      Übrigens finde ich persönlich das Aufklärung über Krieg gut für die Bildung ist. Besonders über die Folgen von Krieg und über die Ursprünge von Krieg. Das gibt jedenfalls die Chance es zu vermeiden. Unwissenheit ist ebenfalls gefährlich. Besonders in der Diplomatie. Wenn man zb. nicht weiss was eine Wasserstoffatombombe ist, deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper.
      Fängt ja damit an, das man ja nicht mal weiss wie der photoelektrische Effekt auf Siliziumpanele wirkt, oder woraus ein Handy besteht. Und Kobalt mit Kobolden verwechselt.

      Sehr zu empfehlen dazu ein YouTube Kanal genannt: Predictive History von Prof. Jiang
      (Zb. Hier: Secret History #2: How Societies Collapse )

      Es gibt nämlich immer die gleichen Muster wie Zivilisationen fallen. (Muster Muster Muster; zb. Unkenntnis, Korruption etc… )

      Das wird dann auch im Film klar. („Beachte die Gesetze oder du gehst ins Exil!“)

      Eine sehr gute Interpretation von Nolan.

      Es ist kein Kriegsfilm. Jedenfalls nicht nur. Es geht um Familie, es geht vorwiegend um Liebe, es geht um ein gesellschaftliches Feudalsystem. Es geht um Veränderungen welche der Krieg aber allen voran der menschliche Geist bringen!

      Es waren Odysseus Sehnsucht nach seiner Penelope welche ihn, als König von seinen Soldaten und als General von Agamemnon, dazu veranlassten, diesen Plan mit dem Pferd sich auszudenken.

      Denn er wollte da sowieso nicht hin!!!! MUSSTE ABER, wegen der Vasallentreue zu Agamemnon.

      Übrigens begegeneten zb einige den hungrigen Soldaten feindlich gegenüber. Am Ende, wenn alles augebröselt wird, dann kommen die Fragen.

      Waren das in Wirklichkeit so aggressive Riesen, oder wurden diese BEREITS vorher durch andere „Männer der See“ angegriffen welche vom Feldzug gegen Troja da vorbeikamen.

      Ziemlich guter Film. Ich hab ihn mir in Englisch angeschaut.

      Eventuell stimmt was nicht mit der Übersetzung. Passiert oft in Deutschsprachigen Filmen. Der Kern des Begriffs wird falsch gewählt. Oft erlebt.

      Selbt bei den öffentlichen Rundfunk. Da wurde quasi der eigentliche Sinn umgekehrt und dem Protagonisten eine andere Meinung zb. untergejubelt. (Zu politischen Themen mal gesehen)

      Aber was soll ich sagen. Rechtschreibung im Newsticker sind immer Fehler mit drin.

  4. Der Autor baut sich eine eigene Deutung, die weder die Handlung des Films korrekt darstellt, noch den Ton.
    Es geht Nolan nicht um Kritik an Metzeleien, denn nach der völlig lächerlich und unglaubwürdig wirkenden, angeblichen „Erkenntnis“ durch Odysseus, dass dieses Einfallen in Troja ganz fies und gemein gewesen sei, metzelt genau dieser Odysseus direkt danach völlig sinnlos dutzende Männer der eigenen Bevölkerung in einer als „heroisch“ inszenierten Amok-Szene.

    Wer sich den Film antut, wird sich sowohl langweilen als auch über die Flachheit ärgern. Letztendlich stellt Nolan Odysseus und seine Leute als eine Bande Deppen dar, die nichts, aber auch gar nichts lernt oder versteht. Und das ist nicht etwa als Kritik gemeint, sondern wird anscheinend nur deshalb so dargestellt, weil Nolan den tieferen Sinn von Homers Odyssee und der einzelnen Ereignisse darin offensichtlich nicht mal ansatzweise versteht.

    Der Film ist das Gegenteil von Reflexion. Die eine Szene, die der Autor als Beleg dafür anführt, ist absurd dahinkonstruiert und dient im Film einem ganz anderen Zweck. Odysseus sieht plötzlich völlig übertriebene Bilder von Grausamkeiten, beispielsweise das angedeutete Köpfen einer Frau. Dahinkonstruiert deshalb, weil das so nie stattgefunden hat (dafür gibt es keinerlei histrorische Belege). Unglaibwürdig, weil die dauernden Kriege damals alle grausam waren, es gibt keine Belege dafür, dass ungewöhliche Gemetzel in Troja stattgefunden haben.

    Die Szene dient lediglich dazu, damit Nolan rechtfertigen kann, weshalb Oysseus als Bettler auftritt und sich nicht zu erkennen gibt, ohne fundierte Kritik am System zu üben. Den eigentlichen Sinn dieses Auftritts hat Nolan nicht verstanden, also nutzt er die „Erinnerung“ der angeblichen Grausamkeiten als Mittel um seine unlogische Storyline zu rechtfertigen.

    Eigentlich geht es in Homers Odyssee auch um Kritik an Besitz- und Machtverhältnissen, die im Auftritt von Odysseus als Bettler zum Ausdruck kommt. Das umgeht Nolan und schreibt die Odyssee Kapitalisten- und Herrschafts-konform um.

    Danach dann das gute alte Metzeln als heroische Tat, wie in den meisten Hollywood Filmen, nur zusätzlich noch betont sinnfrei. Reflexion würde bedeuten Denken und Handeln zu ändern, genau das tut Odysseus nicht, sondern metzelt sogar noch sinnloser und grausamer.

    Homers Odyssee wurde übelst vergewaltigt, die Metaphern darin wurden offensichtlich nicht verstanden.

    1. Woher nehmen Sie die Gewissheit, die Odyssee ‚richtig‘ verstanden zu haben? Es ist absolut nichts über den Autor bekannt, der vielleicht auch nicht Homer hiess, wenn es überhaupt einen einzelnen Autor im mordernen Sinn gegeben hat. Von dessen Weltanschauung also auch nicht. Ich hab den Film bisher nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob Piaseckis Kritik Hand und Fuss hat, jedenfalls ist es nicht verboten, einen bekannten Stoff anders interpretiert auf die Bühne oder ins Kino zu bringen. In gewissen Fällen wird inhaltlich sogar viel freier verfahren, als Nolan es hier tut. Wie der Schweizer Autor Muschg meinte, „Erlaubt ist, was gelingt.“

    2. Nein Falsch.

      Die Köpfung der Göttin in Troja. Also die Köpfung der göttischen Figur ist eine Anspielung darauf das die Kämpfer des Agamemnon (der herrschende König über die Könige wovon Odysseus einer war), keine göttlichen Gesetze (wie zb. das Zeus Law/Das Gesetz von Zeus) mehr beachten. Sie köpfen die Göttin.

      Dies geschieht dann auch letztendlich wenn die Frau ebenfalls geköpft wird welche die Göttin Athena spielt, welche Odysseus halluziniert das diese mit ihm spricht. Wieso? Es heisst bei den Griechen zu dieser Zeit, befolge die Gesetze, wie Zeus Law, weil es kann sein das die Götter unter uns Menschen wandeln. Sei nett zu den anderen, es könnte ein Gott sein. (Nolan will sagen. Hier das ist Athena, gespielt von dieser Zendaya, Sie ist hier nur ein Mensch der geköpft wird, doch in Wirklichkeit ist sie eine Göttin die unter den Menschen wandelt). Das ist die Interpretation von Nolan. Sehr gut gelungen find ich übrigens.

      Weil wie unten angemerkt ist durch den Trick des trojanischen Pferdes ein Bruch ein Wendepunkt in eine neue Era der Geschichte angebrochen. Die Leute befolgen die alten Sitten, die göttlichen Gesetze NICHT mehr. (Dies kulminiert zum Ende wenn Odysseus nach Hause kommt, dann wird alles offenbart und klar.)

      Zeus Law was nicht mehr befolgt wird zb. zur Gastfreundschaft, was durch die Bande an Männern in Odysseus Haus dargestellt wird, welche sich da alles nehmen, das Haus Odysseus aussagen, wie einst der Sohn es beschrieben hatte, gemeint war das Sie jeden Abend grosse Speisefeste feiern und diese quasi … ausbluten lassen.

      Es macht schnell überall in dem bekannten Griechenland die Runde das durch eine List mit einem Holzpferd der Krieg gewonnen wurde. Dies bricht die zivilisatorischen Sitten. Die Menschen erkennen das es egal ist ob man die Gesetze der Götter befolgt. (So als ob Kinder das lügen erfinden in einer Welt ohne Lügen)

      Nolan hat die Odysse interpretiert. Und ich finde es gut, denn damals fing die Zivilisation an.

      Es war die Bronzezeit wo man Kupfer und Zink für Bronze hatte. (Man hatte Sklaven, Vieh etc… als Tauschmittel)

      (Durch die Entdeckung der Münze als Tauschmittel fing damals dann alles mit dem Geld an. -passt also in diese Zeit)

      Das Nolan die Idee aufgreift welche die Sitten, und damit auch den Glauben, verändert hat, das ist grosses Kino find ich.

      Die Dialoge waren richtig gut im Film. Jedenfalls auf Englisch.

      1. Nolan hat einfach dahinfantasiert, dass eine Frau geköpft wird, um Grausamkeit darzustellen. Dass die Frau angeblich eine Göttin sei, ist dahininterpretiert und wäre sowieso ohne jegliche Bedeutung, weil die Soldaten das nicht wüssten..
        Auch dass die Gastfreundschaft durch das Geschenk missachtet würde, ist eine absurde Interpretation, die völlig gehaltlos ist. Bei der Ilias geht es um Kriegslist und nicht kindischen Unsinn wie die angebliche Missachtung von Gastfreundschaft oder Zeus` Gesetz,.
        Zeus ist nicht sauer auf Odysseus, das Gegenteil ist der Fall, in der Ilias verhilft Zeus Odysseus sogar zur Rückkehr, Zeus schätzt Odysseus.

        Aber vermutlich ist für blind Obrigkeitshörige das Schlimmste was passieren könnte, dass das „Empfinden“ von „Chef“ Zeus missachtet würde. Diese Interpretationen lassen tief blicken.
        Die antiken Philosophen würden wegen so einer absurd oberflächlichen Betrachtung im Grab rotieren.

        1. Also ich habe das im Kino nüchtern gesehen.

          Ich verstehe die Sprache in dem der Film gezeigt wurde. Ich habe verstanden was gesagt wurde im Film.
          Ich kenne mich mit der Antike aus.

          Es wurde mehrfach so erzählt mit Zeus Law. Also kann ich das hier schreiben.

          Es ist bekannt wie das Weltbild der damaligen hellenistischen Welt war, dazu gibt es genügend Literatur. Daher ist diese Interpretation nicht hirngespinnst.

          Daher ist das nicht dahinfantastiert.

          Ich vermute Sie gehören einfach zu den Deutschen die etwas nicht probieren, nicht konsumieren etc weil es aus einem anderen Land kommt. In diesem Fall kommt wahrscheinlich noch der Deutsche Hass auf andere Kulturen, hier die USA hinzu. Hinzu Hass auf die USA und alles was nicht verstanden wird, sprich alles Nicht Deutsche.

          Weil wenn die eigene Kultur, Technik etc. Schlechter ist, dann wird dies ohne zu hinterfragen als schlecht propagiert. Kennen wir alle.

          Die Deutsche Filmindustrie ist ja so kreativ, kann von eigenen Schaffen leben, mit der Hilfe der Länderfilmförderungen. Werden leider mit ihren Schrottfilmen niemals richtig Kohle machen um richtig große Geschichten zu Filmen.

          Schade das man da nicht die Arbeit von anderen klauen kann wie in vielen Deutschen Industrien. Ist hier leider nicht so gut für diese großartigen Deutschen Künstler.

          Achja. Von der Deutschen Musik möchte ich nicht anfangen.

          Wie erwähnt. Klasse kann man erst erkennen wenn man Klasse hat. Dazu müsste man aber den Unterschied kennen.

          Wahrscheinlich arbeiten Sie für den BND (auf Kosten der steuerzahlenden Kino Industrie) die sowas zum Erhalt der untergegangen Deutschen Kultur , Technik etc. aus Ihrem Büro täglich machen und dies als Arbeit einem hoeherbesoldeten Beamten verkaufen. Nice.

          Dazu sag ich nur elite Overproduction

    3. Ich fand den Film klasse.

      Aber den Unterschied zu sehen.

      Was ein klasse Film ist und was kein klasse Film ist, dazu müßte man wirklich wissen was Klasse ist.

      Deutsche Filme „Made in Germany“ sind leider nicht Klasse.

      Dies auch zur Deutschsprachigen derzeitigen Literatur.

      Der Film hat viele Ebenen.

      Metaphern, wer sich mit der Antike auskennt, wer sich mit Geschichte zu der Zeit auskennt, wer ein wenig Ahnung von der Odyssee hat, und ich habe Sie im Englischen gelesen.

      Wer viele Interpretationen der Odyssey kennt, der wird mehr sehen als nur was gespielt wird.

      Übrigens begann der Einfall nach Troja mit dem Kampf gegen die Wachen, dann die Soldaten. Dann wurde auch gleich erwähnt das die zehn Jahre lang Krieg die Männer verrohrt haben, es war gleich zu sehen das die Häuser angezündet wurden.

      Zur damaligen Zeit war es üblich Gefangene als Sklaven zu nehmen.

      Dieses göttliche Gesetz wurde ebenfalls nicht eingehalten da die Menschen, also die Zivilisten alle umgebracht wurden.

      Wenn man das weiß wegen der Geschichte über die Antike dann versteht man ebenfalls den inneren Dialog, den Dialog des Odysseus mit seiner Frau und auch den Film

      Das ist so als ob man einen Film sieht ohne die Sprache nicht zu verstehen. Zb als fremder Ausländer zb in Japan in einem japanischsprachigen Film.

      Wenn man es nicht weiß,..

      Schaut Prof Jiang. Secret Societies.

      Dort wird dies ebenfalls erklärt.

      Den Unterschied erkennt man wenn man beides kennt.

      Der Film ist sehr gut gemacht. Die Dialoge sind sehr gut.

      1. Was Sie hier behaupten stimmt nicht (leicht nachprüfbar).
        Ihre verschiedenen Namen offensichtlich auch nicht.
        Immerhin lustig: Sie behaupten, dass alle immer als Sklaven genommen wurden. Also wurde nie jemand umgebracht? Und wenn man keine Sklaven genommen hat, hat man angeblich gegen welches „Gesetz“ genau verstoßen.?
        Spam?

  5. Aeh. Falsch.

    Odysseus reist 10 Jahre lang umher weil er „Zeus Law“, das Gesetz von Zeus gebrochen hat.

    Das Gesetzt von Zeus sagt unter anderem das man Gastgebern ein Geschenk mitbringen soll, wenn man in ihr Haus eingeladen wird, und Gastgeber sollen alle Menschen gleich behandeln welche in ihr Haus kommen! (Man erinnere da an die Verköstigung der Männer in Ithaca von Penelope und ihrem Sohn!)

    Den die Götter können ebenfalls unter den Menschen wandeln, daher sind alle Menschen nach Zeus Law gleich zu behandeln, ob Bettler oder Könige. (Man weiss ja nicht ob man mit einem Gott spricht etc…)

    Die Gäste von Penelope haben dieses Gesetz nicht mehr angewendet in den 10 Jahren, da die Geschichte von Odysseus und dem trojanischen Pferd die Runde macht und dies quasi die zivilisatorischen Bände zwischen den Menschen aufgebrochen hat.

    Denn
    Das ist die eigentliche Botschaft. Er Odysseus war es welcher Zeus Law gebrochen hat, indem er das Gastgeschenk gemacht hat, das trojanische Pferd. Das heisst, er hat den Glauben an Zeus Law, das man Geschenke bringt (oder wie hier im Falle einer Niederlage ein Geschenk hinterlässt) ausgenutzt um einen Vorteil. Einen Kriegsvorteil zu gewinnen.

    Damit hat er die damalige Menschheit verdorben. Niemand befolgt nun mehr Zeus Law/Gesetz.

    Als Strafe darf er dann umherirren.

    Die „Männer der See“ sind dann, nicht nur die Anhänger Odysseus welche nach Hause möchten, sondern alle Sieger des Trojanischen Krieges. Welche ohne Vorräte die Inseln überfallen … wieso.

    Weil Sie durch den Krieg verrohrt sind, und das zivilisatorische Gesetz des Zeus Law nicht mehr beachten.

    Dies wird dann auch am Ende des Films klar.

  6. Der Kommentar von @Michael scheint mir ziemlich treffgenau.

    Es ist schon ein bisschen auffallend, dass Herr Piasecki den Film in dieser Art interpretiert. Aber selbst dann, wenn er mit seiner Deutung recht haben sollte (Konjunktiv!), so bliebe der Tatbestand, dass Nolan Homers Werk eigentlich nur als Steinbruch benutzt hätte, um etwas Zeitgeistiges zu vermitteln.

    Nun gut, die Kunst ist frei und Nolan darf das tun, doch stellt sich natürlich die Frage, inwieweit es überhaupt angemessen und vertretbar ist, schriftstellerische Meisterleistungen der Vergangenheit auf eine Weise zu modernisieren, die der ursprüngliche Autor nie im Sinn hatte. Wie gesagt schon gesagt: Stichwort „Steinbruch“.
    Wo ist der Respekt vor dem Original?

    Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass Herr Piasecki als noch nicht so alter Professor doch ziemlich durchdrungen ist wo den zeitgeistigen geistigen Moden und Strömungen. Und wer da gegen den Strom schwimmt, der kann in Zeiten wie diesen rasch Ärger bekommen. Man denke nur an Frau Guérot! Herr Piasecki scheint hingegen nicht anzuecken.
    (Okay, vielleicht irre ich mich.)

    In diesem Film meint er nun das erkennen zu können, was er in ihm sehen möchte. Vielleicht wollte und will Nolan aber auch einfach nur Geld verdienen und einen Oscar dazu?! Und um diese Ziele zu erreichen, hat er womöglich hier und da genau jene Dinge beachtet und eingebaut, die heute im „politisch korrekten“ Kulturbetrieb angesagt sind.

    Ich werde mir den Film nicht ansehen.
    „Troja“ (von 2004) war schon schlecht genug.

    1. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
      Übrigens ist Troja von Petersen ein vergleichsweise(!) packendes Meisterwerk.
      Obrigkeitshörigen könnte man den Film vorsetzen, der in Idiocracy die Oskars in der fiktiven Filmzukunft gewonnen hat – sie würden wahrscheinlich auch jenen lobpreisen und wer weiß was hineininterpretieren 🙂

  7. „Kultur“ wird im Abendland durch ihre Politik selbst zerstört.
    Wer diese Rundballtreter guckt, wird Nationen sehen die fleißig am treten sind, haben aber die meisten Nationen kaum noch nationale Substanz, da man diverse Namen liest, die die angebliche nationale Kultur angenommen haben.
    Die andere ’nicht sportliche‘ Seite wird medial als Messerstecher hervorgebracht.
    Kultur real betrachtet, ist nicht existent, sondern eine moralische Simulation.

  8. Im Trailer zieht Matt Damon mit dem Schlachtruf „Let’s Go!“ in eine Schlacht. Was für mich mehr als genug über die Qualität des Drehbuchs aussagt.

    Das Drehbuch selbst basiert gemäss Nolan auf einer postmodernen Übersetzung des Epos. Wilson’s Übersetzung wird vom mainstream für ihre Zugänglichkeit gelobt, aber auch von Historikern für ihre Interpretationen kritisiert. Das ist jetzt nicht grad Applebaums „Holodomor“ (vom mainstream preisgekrönt, von praktisch allen Historikern verrissen) oder die schwarze Kleopatra (da gehts nicht um die Hautfarbe, sondern dass ein ganzer Film, allen verfügbaren Fakten zum Trotz, auf „meine Oma hat gesagt..“ basiert), aber es fügt sich ziemlich gut in das vom Trailer etablierte Schema ein.
    Hier ist eine Übersicht der Kritik an Wilson (auf englisch): https://greekcitytimes.com/2026/01/10/did-nolan-use-a-feminist-woke-translation-for-odyssey-movie/amp/

    Diese Kritik hier, die das Epos ebenfalls in unsere postmoderne Zeit katapultiert, bestätigt nun mein Urteil, dass dies ein effekthaschendes Kommerz-Epos ist, welches man sich nicht einmal in der Piratenbucht anschauen will.

  9. Wenn man sich mit den Werken von Homer beschäftigt, so ist EINE Sache absolut unverzichtbar und zentral:
    Homer und vermutlich auch seine Zeitgenossen waren noch tief und fest verwurzelt in einem MYTHISCHEN Denken.
    Der Mensch handelt demzufolge zwar vordergründig aus eigenem Willen, doch ist er in Wahrheit bloß ein Spielball der Götter und ihren Machenschaften. Daraus folgt, dass der ganze abendländische bzw. moderne Gedanke der Möglichkeit eines autonomen und eigenverantwortlichen Handelns des Individuums noch gar nicht entwickelt war.

    Im Gegensatz zu den späteren Zeiten der alten Griechen – etwa der vergleichsweise aufgeklärt-modernen Zeit des Thukydides, der über den Peloponnesischen Krieg schrieb – wurde der Mensch in der mythologischen Zeit eben noch nicht als autonomes und eigenverantwortliches Wesen betrachtet. Die Denkweise der Zeit von Homer ist ausdrücklich vormodern und ähnelt in dieser Hinsicht etwas dem Denken im europäischen Mittelalter. Auch im Mittelalter konnte der Mensch ja durch Dämonen, Hexen usw. verführt und beeinflusst werden.

    Während im christlichen bzw. auch im modern-säkularisierten Denken der Aspekt der „Schuld“ des Individuums eine große Rolle spielt, ist in der archaischen Periode der griechischen Frühzeit sowie in der bronzezeitlichen mykenischen Periode dieser Schuldgedanke sehr viel weniger entwickelt. Etwas eingeschränkt gilt das auch noch für die eigentliche Antike, wo man ja beispielsweise kaum ethische Kritik an Sklaverei, Vernichtungsfeldzügen oder Gladiatorenkämpfen findet.

    Schuld (in einem halbwegs modernen Sinne) entstand damals allenfalls durch die Nichtbeachtung ungeschriebener Pflichten gegenüber der Familie, der Sippe, dem übergeordneten Herrscher sowie auch durch Nichtbeachtung des kulturell-religiösen Gewohnheitsrechts. Zu letzterem konnte beispielsweise ein Opfer für Poseidon vor einer Seereise gehören.

    Es gibt in der Odyssee zwei gute Beispiele für dieses relative Fehlen eines modernen Schulbegriffs:
    Erstens die gleichmütige Selbstverständlichkeit, mit der von Homer der unprovozierte Überfall von Odysseus´ Leuten kurz nach der Abreise von Troja auf die Küstenstadt Ismaros geschildert wird. Zwar sollen die thrakischen Kikonen (heutiges Nordgriechenland) ein wenig mit Troja verbündet gewesen sein, doch hat der Überfall nach modernen Maßstäben trotzdem etwas Amoralisches und Piratenhaftes.

    Ein zweites Beispiel ist das bei Homer nie problematisierte Abschlachten(!) der Freier am Ende der Odyssee durch Odysseus selbst. Dabei waren die Freier nach modernen Maßstäben doch eigentlich im Recht: Der König war verschollen, seinem Sohn Telemach mangelte es an Gefolgschaft / Autorität und eine Wiederverheiratung der Witwe des verschollenen Königs war doch immerhin noch eine bessere Lösung als ein denkbarer Bürgerkrieg der mächtigsten Sippen um die Herrschaft über Ithaka.

    Wenn nun einige Leser und womöglich auch Piasecki und Nolan den heutigen Schuldbegriff in die Bronzezeit übertragen, so ist das falsch. Es gab auch kein „Gesetz des Zeus“. Zeus selbst handelte oft sehr amoralisch.

    Die Deutung von @Homer ist auch deshalb falsch, weil ja vom echten Homer sehr wohl Gründe für Odysseus mühselige Heimfahrt genannt wurden: Hera und Aphrodite waren ohnehin für Troja gewesen und grollten Odysseus nun wegen der entscheidenden Kriegslist; Poseidon grollte Odysseus wegen der Blendung seines Sohnes Polyphem und der großkotzigen Prahlerei nach der Tat (-> Hybris).

  10. Ist doch nicht die Schuld der US-Filmwirtschaft, wenn Europa es nicht mal gebacken bekommt seine eigenen Geschichten filmisch zu erzählen.

  11. Würde man mal die ganze Odyssee ansehen statt immer nur die bekannten Abenteuer – bei der Heimkehr tötet Odysseus noch 108 „Verehrer“ seiner Frau Penelope. Aber die entlarvende Szene sind die 12 Mägde die im Innenhof alle zusammen gehängt werden und ihr melodramatischer Tod…

    Die Perspektive der Kunst gab es auch damals am Anfang der Schriftkultur schon.

  12. Der Artikelautor, der auch für die de facto zensierende Behörde FSK tätig ist, liegt in seinen Behauptungen über Homers Odyssee nachweislich falsch. In Homers Odyssee bricht Odysseus niemals zu „Expeditionen“ auf, um „Rettung zu bringen“. Odysseus und seine Männer sind keine Heilsbringer, sie verstehen sich nicht als solche und werden auch so nicht gesehen, sie sind altgriechische Krieger, die aus dem geplünderten Troja kommen und einfach nur nach Hause wollen.

    Der Autor übernimmt einfach den großartige Weltliteratur primitivierenden, alttestamentarischen Standpunkt Nolans, dass es immer um Schuld und Verhinderung von Erkenntnis gehen müsse. Das Verständnis für Fabeln und Mythen fehlt offensichtlich zur Gänze: In Homers Odyssee geht es um die Würdigung von Intellekt. Nolan pervertiert das zur Dekonstuktion von Athene, der Göttin der Weisheit, bis zum Köpfen von ihr.

    Es geht also bei Nolan im alttestamentarischen Sinn um die Verhinderung von Weisheit. Das zieht sich durch den ganzen Film und gipfelt in der Unterwerfungsszene nach Oysseus heroisch dargestellten blutigen Amoklauf. Nolan verdreht die Grundaussage von Homers Odyssee komplett und verschandelt sie, wie in den meisten Hollywood Filmen, zur Verherrlichung von Mordlust. Und gewisse Deutsche folgen wieder blind.

  13. Ein Punkt ist mir übrigens auch eingefallen, der zum Wokeness-Eigentor werden könnte. Odysseus blickt ja bedauernd auf alles zurück. Da könnte die „schwarze Helena“ auch als Metapher dafür angesehen werden, dass sie es nicht wert war, wegen ihr in den Krieg zu ziehen. Sozusagen ein nachträgliches „Blackfacing“ zur Verdeutlichung der Absurdität. So interpretiert, könnte das in den nächsten Jahren zum Bumerang werden.

  14. Ich weiß nicht,
    ob es noch viele Leute sind, die diesen späten weiteren Kommentar zum Film lesen werden. Egal.

    Der Grund, warum ich hier noch einmal schreibe ist schlichtweg der, dass ich eben gerade eine umfangreiche andere Rezension zu Nolans Film „Die Odyssee“ gelesen habe. Eine Rezension, die von einem wirklichen Filmkenner und Cineasten stammt, der sich den langen Streifen tatsächlich zugemutet hat. Womit nichts gegen Piasecki gesagt sein soll.

    Herausgekommen ist eine gründliche Rezension, die ich für außerordentlich gelungen halten. Insbesondere gelingt es diesem Rezensenten, seine Kritik am Film immer wieder mit einer Vielzahl von Belegstellen zu untermauern.
    Hier der Link: https://sezession.de/71141/christopher-nolans-odyssee

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen