BRICS-Staaten suchen nach Alternativen zum US-Dollar als Leitwährung

Bild: Monito/CC BY-2.0

Beim Handel mit Öl und anderen Rohstoffen wollen Russland und Indien auf direkte Rupien-Rubel-Zahlungen umschalten, aber es gibt Schwierigkeiten.

 

John Connally, US-Finanzminister unter Präsident Richard Nixon, hatte einst erklärt: „Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem.“ Es war zu Beginn der 1970er, als das Umtauschen von Gold in den US-Dollar nicht mehr begründet war, nachdem die Vereinigten Staaten wegen des kostspieligen Vietnamkrieges Maßnahmen einleiteten, um ihre Währung abzuwerten und das System der festen Wechselkurse damit zu verwerfen. Doch seitdem die Wechselkurse freigegeben sind, hat die Geldpolitik der USA globale Auswirkungen, weil der Dollar weltweit als Reservewährung fungiert – bis heute.

Unter anderem darin sieht die von der Triade China, Indien und Russland angeführte Vereinigung BRICS ein Hindernis, um als Gegenpol zur westlich dominierten Weltordnung eine neue und gerechtere Zukunft im Zeichen der Mulitpolarität für die globale Staatengemeinschaft zu verwirklichen.

Sie wollen vor allem die Transformation der gesamten internationalen Wirtschafts- und Finanzarchitektur herbeiführen, die unter der Vorrangstellung der USA und des „kollektiven Westens“ nicht im Interesse von anderen Staaten genutzt werden könne, heißt es grundsätzlich. Ein Instrument, um die US-Dominanz im Weltfinanzsystem und die damit verbundene geopolitische Macht Washingtons zu überwinden, ist die sogenannte De-Dollarisierung – eine Abkehr von dem US-Dollar, der als die mit Abstand wichtigste Leitwährung der Welt die finanziellen Geschäfte dominiert.

Indien und Russland planen Rupien-Rubel-Zahlungssysten

Eine der Herausforderungen bei der „De-Dollarisierung“ ist der hauptsächlich in Dollar abgewickelte weltweite Rohstoffhandel. In diesem Jahr soll die Summe aller Banktransaktionen beim Kauf und Verkauf von Erdgas, die in Dollar durchgeführt werden, etwa 80 Prozent ausmachen. Um also die größtmögliche Unabhängigkeit vom Dollar gewährleisten zu können, sollten sowohl die Rohstoffexporteure als auch die Abnehmer ihre bilateralen Zahlungen auf nationale Währungen umstellen.

Genau für diesen Weg entschieden sich Russland und Indien angesichts der enormen Zunahme ihrer Handelsgeschäfte, die laut indischen Angaben allein im Erdölsektor im Verlauf dieses Jahres von zwei auf 23 Prozent angewachsen sind und am Jahresende mehr als 20 Milliarden Dollar ausmachen können. Beim Handel mit Öl und anderen Rohstoffen sollen darum direkte Rupien-Rubel-Zahlungen realisiert werden. Zugleich soll dieser Schritt Indien dazu verhelfen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem von Sanktionen betroffenen Russland zu fördern.

In dieser Angelegenheit prüfen die Regierungen beider Länder bereits seit Jahren Vorschläge, um die Zahlungen in ihre nationalen Währungen zu ermöglichen. In diesem Jahr ist Medien zufolge ein Weg gefunden worden, um die Rupie und den Rubel bei der Abwicklung der indisch-russischen Handelsgeschäfte zu verwenden. Die indische Zentralbank (Reserve Bank of India, RBI) hat ein entsprechendes System eingeführt, das den staatlichen indischen Banken ermöglichen soll, sich an dem Rupien-Rubel-Handelsmechanismus zu beteiligen. Durch die direkten Zahlungen in Rupien oder Rubel können indische Exporteure ungeachtet der Sanktionen weiterhin Geschäfte mit den in Russland ansässigen Unternehmen tätigen. Wie das Portal Deutsche Wirtschaftsnachrichten im September berichtete, plant die State Bank of India (SBI), den neuen Mechanismus zu nutzen und entsprechende Konten zur Abwicklung von Handelsgeschäften mit Russland zu eröffnen.

Die SBI sei eine große Bank, die den Bedarf der Exporteure decken könne und zudem einen ähnlichen Mechanismus zuvor für die Verrechnung von Zahlungen mit dem ebenfalls sanktionierten Iran verwendet habe, heißt es. Darum würden die indischen Unternehmen bereits Dollar und Euro gegen asiatische Währungen tauschen, um die westlichen Sanktionen gegen Russland zu umgehen.

Das Ungleichgewicht auf dem Devisenmarkt

Allerdings konstatieren Experten, dass der russisch-indische Plan für Rupien-Rubel-Zahlungen nicht einfach zu realisieren ist. Wie russische Medien unter Verweis auf die indische Zeitung „The Economic Times“ schreiben, soll es gegenwärtig vor allem Indien sein, das die wirtschaftliche Machbarkeit eines solchen Vorhabens bezweifelt.

Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens befürchten die Inder, dass sie wegen solcher Initiativen mit Sanktionen seitens des Westens belegt werden könnten. Zweitens wird angenommen, dass der Übergang zum alternativen Zahlungsweg nicht zugunsten der indischen Wirtschaft ausfallen könnte, da Russland derzeit einen klaren Handelsüberschuss in den beiderseitigen Handelsbeziehungen verzeichnet. Die russischen Ausfuhren nach Indien könnten sich 2022 auf mehr als 30 Milliarden Dollar belaufen, während die Importe aus Indien nach Russland nur etwa fünf Milliarden Dollar betragen sollen.

So behaupten etwa russische Analysten, es gebe aufgrund des Ungleichgewichts bei dem Warenumsatz zwischen den beiden Ländern das Problem, eine ausgeglichene Nachfrage nach Rubel und Rupie auf dem Devisenmarkt sicherzustellen. Unter den aktuellen Bedingungen aber wird der Wechselkurs der indischen Währung zum Rubel unvermeidlich schwächer werden und dadurch würden die Vorteile, die Indien durch Preisnachlässe auf russisches Öl erhält, ausgeglichen.

Um also ein Gleichgewicht auf dem Devisenmarkt herzustellen, ist es notwendig, die Exporte von indischen Waren nach Russland anzukurbeln. Diesbezüglich plant die Regierung unter anderem die Exportanreize für indische Unternehmen bei dem in Rupien abgewickelten Russland-Geschäft auszuweiten. Zugleich sollen die Logistik und die Transportwege ausgebaut werden. So wurde bereits im vergangenen Juli die Möglichkeit geschaffen, Waren aus Russland nach Indien über Land zu liefern. Der neue Handelsweg über Zentralasien und Iran löst dabei das Problem, dass Schiffe aufgrund von Sanktionen gestoppt oder wegen des Problems der Überlastung des Suez-Kanals aufgehalten werden könnten. Geplant ist auch eine Direktverbindung für den Seehandel zwischen Wladiwostok in Russlands Fernem Osten und Chennai an der Ostküste Indiens.

Der Artikel ist zuerst auf EuroBRICS.de erschienen.

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4 Kommentare

    1. Es geht nicht ums gönnen, sondern ums funktionieren.
      Wenn Handel zwischen zwei Staaten längerfristig funktionieren soll, muss zwischen den beiden Währungen ein halbwegs stabiler Wechselkurs herrschen, sonst ist es eine offene Einladung für Spekulanten wie Soros.
      Halbwegs stabile Wechselkurse erreicht man entweder durch eine halbwegs ausgeglichene Handelsbilanz oder durch staatliche Festlegung. Wohin staatliche Festschreibung führt, kann man am TARGET2-System der Eurozone live und in Farbe bestaunen.

  1. Derartige duale Handelsbeziehungen, die auf der Nutzung der eigenen Währungen basieren, können nur der Anfang sein. Ich vermute, dass Finanzsysteme mit mehr Teilnehmern deutlich stabiler sein könnten, weil sie ein größeres Volumen anziehen. und mehr Möglichkeiten bieten.

    Handelsbilanzdefizite sind ja auch aktuell ständig ein Problem, das z.B. Spekulation aktiviert. Das einzige Land, was drüber steht, sind die USA. Deren globale Reservewährung von der FED nur geschöpft werden muss, im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmern, die dafür etwas anbieten müssen.
    Das ist die eine Seite, die ärgerlich ist für alle anderen, das zweite Ärgernis ist, dass, wie wir gesehen haben, die USA festlegen können, ob die Dollarvermögen genutzt werden können oder nicht. Aufgrund dieses Machtmissbrauchs, wird es die Dollardominanz in einer multipolaren Welt nicht mehr geben.

  2. Vielleicht wäre hier eine goldgedeckte Währung in der alle Rohstoffe gehandelt werden eine Alternative. Ein Barrel Rohöl ist soundsoviel Gramm Gold wert. Das gleiche gilt für die anderen Rohstoffe.

    Eine Lösung für den internationalen Handel außerhalb der westlichen Einflusssphäre muss her, da der Dollar die Staaten mehr behindert als fördert und die Sicherheit nicht mehr gewehrleistet ist. Kein Mensch würde sein Geld einer Bank anvertrauen, wenn er weiß, dass der Bankdirektor der größte Bankräuber ist.

    „Das Portal mintpressnews hat im Februar 2019 über ein weiteres WikiLeaks-Dokument berichtet, das – in mehrerlei Hinsicht – viel Sprengkraft in sich birgt. Das Dokument mit dem Namen „Unconvential Warfare – Field Manual“ soll am 30. September von den Army Special Operations Forces (ARSOF) veröffentlicht worden sein. Darin heißt es:

    ARSOF kann finanzielle Macht als Waffe in Konfliktzeiten bis hin zu einem groß angelegten allgemeinen Krieg einsetzen. […]
    Die Manipulation der Finanzkraft der USA kann die Politik und die Zusammenarbeit der Regierungen der Staaten beeinflussen. Finanzielle Anreize und Negativanreize können internationale Koalitionen aufbauen und aufrechterhalten, die US-Kampagnen durchführen oder unterstützen […]

    Die Beteiligung an internationalen Finanzorganisationen wie der Weltbank (WB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bietet den USA diplomatisch-finanzielle Möglichkeiten, um solche Koalitionen zu erreichen.
    ARSOF: Unvconventional Warfare – Field Manual“

    https://www.heise.de/tp/features/Finanzielle-Kriegsfuehrung-Schuldensystem-und-Dollarhegemonie-7394506.html

    Das ist eine Möglichkeit, wie der US-Dollar durch die US-Regierung und deren abhängige Instititutionen zum Mißbrauch eingesetzt wird.

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