
Dieter Schwarz heißt Bulgariens führender Einzelhändler. Mit einem geschätzten Vermögen von 38,5 Mrd € gilt er als der reichste aller Deutschen. Zu seinen Kunden zählen auch Rentner und Rentnerinnen, die ihren Lebensunterhalt mit der bulgarischen Mindestrente in Höhe von 580,87 BGN (ca. 297 €) im Monat bestreiten. Sind sie auch arm, so doch nicht uninformiert. Vielen von ihnen sind die unterschiedlichen Preisniveaus auf internationalen Märkten bewusst und sie ärgern sich, dass manche Grundnahrungsmittel wie Reis, Butter und Frischmilch in den bulgarischen Filialen der Schwarz-Gruppe Lidl und Kaufland teurer sind als in ihren deutschen.
Gemeinsam mit dem Verbraucherverband „Für erschwingliche und qualitätsvolle Nahrungsmittel“ (SDKH) rief ihre Pressure-Group der „Vereinigten Pensionärsvereine“ (OPS) deshalb zum „zivilen Aufstand gegen den Preisterror der Einzelhändler“ auf. Sie erklärten den Donnerstag, 13. Februar 2025 zum Tag des „ersten bulgarischen Verbraucherboykotts“.
Statistisch ist Bulgariens Preisniveau zwar mit knapp 60% des EU-Durchschnitts das günstigste in der Europäischen Union (EU). Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus verfügen die Bulgaren und Bulgarinnen aber über die geringste Kaufkraft. Das bulgarische Bruttodurchschnittseinkommen liegt mit 2468 BGN (ca. 1261 €) gerade einmal bei einem knappen Drittel des deutschen. Das Balkanland ist das ärmste Land in der EU.
„Um Gottes willen, Brüder und Schwestern, boykottiert und kauft nichts am Donnerstag!“, appellierte das Boykott-Initiativkomitee aus Rentnervertretern und Verbraucherschützern. Stattdessen sollten die Bürger und Bürgerinnen den Supermarktbetreibern zeigen, „dass es in Bulgarien eine wütende Zivilgesellschaft gibt, die die Preisarbitrage, die Millionen Bulgaren zu Europäern zweiter Klasse macht, nicht länger hinnehmen wird“. Die Initiatoren beschworen die elektronischen Medien, die täglich teure Werbung ausländischer Handelsketten ausstrahlten, „den Boykottaufruf nicht zu zensieren, sondern den protestierenden Bürgern eine Plattform zu geben“.
Rational kaum nachvollziehbare Preisunterschiede in ein und denselben Läden verschiedener Länder in West- und Osteuropa sind kein bulgarisches Problem. So waren es Kroaten, die als erste am 24. Januar 2025 ihre Einzelhandelsketten boykottierten und damit eine Protestwelle lostraten, die die Balkanhalbinsel wie ein Tsunami überschwappte.
Der 31. Januar 2025 vereinigte gar die sich in den 1990er Jahren noch gnadenlos bekriegenden ex-jugoslawischen Völker der Kroaten, Serben, Bosnier und Mazedonier im gemeinsamen Kampf gegen überhöhte Preise der zumeist aus dem europäischen Westen stammenden Supermärkte. Ähnliche Protestaktionen folgten in Albanien, dem Kosovo, Ungarn und Rumänien. Für Griechenland ist ein Boykott für den 19. Februar vorgesehen, entsprechende Planungen gibt es auch für die mitteleuropäischen EU-Länder Tschechien und Slowakei.

Kroatische Regierung hat Höchstpreise für 70 Produkte festgelegt
Die Coronaviruspandemie und der sie ablösende Ukraine-Krieg haben in allen südosteuropäischen Ländern in die Inflation geführt, die die Lebenshaltungskosten beträchtlich erhöht hat. Allein damit erklären sich die wütenden Verbraucher und Verbraucherinnen zwischen Alpen und Schwarzem Meer die hohen Preise in ihren Supermärkten aber nicht. Sie argwöhnen Preisabsprachen, illoyalen Wettbewerb und unzulässigen Druck auf ihre heimischen Lebensmittelproduzenten. In Kroatien halten manche auch den Beitritt zur Eurozone im Jahr 2023 für mitverantwortlich für die Teuerung des Alltaglebens.
„Halo Inspektore“, nennt sich Kroatiens Boykott-Organisator, hervorgegangen ist er aus dem „Europäischen Zentrum für Verbraucherexzellenz“ (ECIP) in Zagreb. Mit Kroatiens erstem Boykott-Tag soll „Halo, Inspektore“ den dortigen Einzelhändlern ihre Umsätze halbiert haben. Die kroatische Regierung ließ sich vom Volkszorn beeindrucken und setzte Höchstpreise für siebzig Artikel fest. So darf künftig ein Kilogramm Mehl in kroatischen Supermärkten nurmehr 0,80 € / kg kosten, Schweinehackfleisch 4,11 € / kg und der Becher Joghurt 0,49 €.
Nicht ganz so erfolgreich wie der kroatische verlief der bulgarische Boykott. Obwohl zuvor veröffentlichte Umfragen ergaben, dass ihn vier von fünf der Befragten unterstützten, erwiesen sich die Parkplätze vor den Supermärkten in der bulgarischen Hauptstadt Sofia am Tag des Boykotts zugeparkt. In den Geschäften tummelten sich Streikbrecher, von denen es manche speziell auf extra für diesen Tag stark preisreduzierte Artikel bei Obst, Gemüse und Speiseöl abgesehen hatten. Allein an den vergleichsweise kurzen Warteschlangen an den Kassen war ein gewisser Effekt des Boykottaufrufs erkennbar. In den ärmeren Städten der Provinz erhielt er mehr Resonanz. Insgesamt verzeichneten die großen Supermarktketten nach Angaben von Finanzministerin Temenuzhka Petkova Einbußen in Höhe von 7,9 Mio BGN bzw. um 28,8% geringere Umsätze als an normalen Tagen.
Unterstützung erhielten die boykottierenden Verbraucher nicht nur vom „Nationalen Verband der Milchverarbeiter“ (NAM), sondern auch vom „Verband des Industriellen Kapitals in Bulgarien“ (AIKB). Beide forderten in einer gemeinsamen Stellungnahme, „staatliche Maßnahmen zum Schutz der bulgarischen Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher“. Ihre Untersuchungen hätten gezeigt, dass es „im letzten Jahr ernsthafte, besorgniserregende und äußerst unangenehme Tendenzen zu künstlichen Preiserhöhungen gegeben hat, insbesondere in der Kategorie Milchprodukte, wo die Aufschläge auf die Endverkaufspreise 100% und mehr erreichen“.
Dies habe in vielen Fällen nichts „mit tatsächlichen Marktbedingungen oder Betriebskosten zu tun“. Stattdessen seien die bulgarischen Verbraucher infolge dieser Praktiken „gezwungen, ungerechtfertigt hohe Preise für Grundnahrungsmittel zu zahlen“. Paradoxerweise seien „die Preise für Grundnahrungsmittel in Bulgarien höher als in Österreich und Deutschland, wo der Lebensstandard unvergleichlich höher ist“.
Dem widersprach die „Vereinigung des Modernen Handels“ (SMT) in ihrer Stellungnahme. Eigenen Angaben zufolge gehören ihr Einzelhandelsketten mit über eintausend Geschäften und fast 23 000 Beschäftigen an, darunter Kaufland, Lidl, Billa, DM, Deichmann und IKEA. Die SMT witterte „Versuche, den Einzelhandel zu verunglimpfen“. Wieder einmal versuchten „bestimmte Faktoren im Staat, Bulgariens Einzelhandelsketten in ihre politischen Kämpfe hineinzuziehen“, erklärte die SMT. Es gereiche „führenden Vertretern politischer Parteien und hohen Regierungsbeamten nicht zur Ehre, die öffentliche Meinung mit absolut falschen Behauptungen zu manipulieren“. Die SMT hielt es für „keinen Zufall, dass all dies zu einer Zeit geschieht, in der unser Land kurz davor steht, das Inflationskriterium für die Eurozone zu erfüllen“.
In Bulgarien geht es um den Beitritt zur Eurozone, eine Mehrheit ist dagegen
Die Reaktion der seit einem Monat regierenden Rechts-Links-Koalition von Ministerpräsident Rossen Zheljaskov auf den Konsumentenstreik war zunächst gespalten. Der Regierungschef erklärte, eine Einmischung der Politik in den Markt sei kontraproduktiv, sein sozialistischer Sozialminister Borislav Guzanov befürwortete indes eine staatliche Preisregulierung. Nach der Ankündigung eines zweiten Boykott-Tags für den 20. Februar 2025 kam die Regierung zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen und kündigte schließlich an, dem Parlament einen Gesetzesvorschlag zu unterbreiten, der sich „mit dem Problem unlauterer Handelspraktiken befassen und eine Entlastung für die Verbraucher erreichen wird“.
Der Gesetzesvorschlag ziele darauf ab, sagte Landwirtschaftsminister Georgi Tahov, „die Beziehungen entlang der gesamten Kette zu normalisieren – von der Primärproduktion über die Verarbeiter und den Vertrieb von Primärprodukten bis hin zum Groß- und Einzelhandel. Denn für die bulgarischen Landwirte sei es wichtig, „ein gerechtes und ausreichendes Einkommen für ihre Produkte zu erhalten, da derzeit ein Ungleichgewicht herrscht“.
Die Supermarkt-Boykotts in den Westbalkan-Ländern blieben entgegen der Vorhersagen mancher Skeptiker keine Eintagsfliegen, sondern bringen als Protestbewegung die Retailer in Erklärungsnot. Auch die boykottierenden Bulgaren und Bulgarinnen wollen ihren Unmut über als zu hoch empfundene Preise für Waren des täglichen Bedarfs nachhaltig artikulieren. Ihre Konsumverweigerung mag zur Ouvertüre werden für die bevorstehende Auseinandersetzung über Für und Wider des Beitritts ihres Landes zur Eurozone, der momentan für den 1. Januar 2026 im Gespräch ist.
Denn während die maßgeblichen Parteien im Land die Annahme des Euro erklärtermaßen anstreben, haben vor kurzem veröffentlichte Meinungsumfragen ergeben, dass eine Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist, insbesondere weil sie durch den Währungswechsel eine weitere Verteuerung ihres Alltaglebens befürchtet.
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So sieht die Zukunft in der Europäischen Union aus, was dort passiert ist noch Labor! „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“
Geht mal schöner Wählen und schön teuer Einkaufen im Discounter Paradies
„weil sie durch den Währungswechsel eine weitere Verteuerung ihres Alltaglebens befürchtet“
Quatsch. Hat es doch nirgendwo gegeben nach der Euroeinführung. Oder?
Genau, sowas kann es doch garnicht geben.
Das sind Verschwörungstheorien und ganz bestimmt antisemitisch.
Ich war vor und nach der Wende oft in Bulgarien. Hatte vor sehr langer Zeit sehr persönliche Beziehungen wegen einer Frau.
Wenn ich das Land heute erlebe, könnte ich heulen. Im letzten Jahr war ich zur Zeit des orthodoxen Osterfests in Sofia. Im Zentrum verteilte man in Kirchen Lebensmittel an Bedürftige. Unendlich lange Schlangen elender Gestalten. Ein paar hundert Meter weiter sitzen die, die es geschafft haben, in der Gastronomie auf dem Witosha-Boulevard.
Was Bulgarien dringend braucht ist der Euro. Ganz bestimmt.
So sind eben die Feinde der heiligen EU: sie machen immer nur Propaganda „dagegen“.
Wären sie für „Preise hoch, um z.B. Selenskij zu unterstützen oder das Klima zu retten“, dann wären die EU-Diktat… äh die EU-Kommission stolz auf sie.
Die Preisexplosion ist in DE bereits in Sicht aber erst nach der Wahl.
Kaffe soll dann pro Pfund 10 Euro kosten..
Durch den CO2-Preis werden die Preise weiter durch die Decke schiessen.
.Weitere 700 Milliarden für Aufrüstung und Krieg dürften ebenfalls zu enormen Preissteigerubgen führen
Benzin dürfte 2027 1 Euro mehr pro Liter kosten.
Ach was red ich?
Ja und? Wir ducken uns nach dem Motto „da kann ma(n) halt nix mache(n)“.
Wo bleiben die „Opas gegen Vergeudung*“ ? –
* oder irgendwas anderes >Sinnvolles<.
Eben. Wichtig ist nur, dass weiter „gegen rechts“ demonstriert wird, um den N-Parteien den Rücken bei ihrer „Formung des Volkskörpers“ freizuhalten.
Da können die 250 g-Butter-Stücke schon mal 5 Euro kosten oder der Liter Milch 4,50 Euro….
„Rational kaum nachvollziehbare Preisunterschiede in ein und denselben Läden verschiedener Länder in West- und Osteuropa sind kein bulgarisches Problem.“
Ja, für den Autor vielleicht…. Dass Versuche die eigenen Profite zu maximieren im Kapitalismus das Normale sind, ist für uns andere leicht nachzuvollziehen.
Genauso wie es, so man denn will, ganz leicht verstehen kann, dass unser Wohlstand, also zB solche Supermärkte, mit ihren Angeboten, leider nun mal nur im Kapitalismus entstehen können
In nicht kapitalistischen Staaten holen die Leute ihre Einkäufe direkt vom Feld, oder wie?
Die Konzerne bilden keine Kartelle, die kalkulieren mit den gleichen spitzen Bleistift. 😉 So kostet jetzt die Schokolade im lila Papier 1,99€ bei ! jetzt 90g. Der bekannte Deo-Stick jetzt 3,25€, vor dem Ukrainekrieg Herstellungsort Russland, nach einer Weile dann aus Polen für 2,65€ jetzt immer noch aus Polen aber für 3,25€.
Ja und bevor die Schokolade den Preissprung machte kam in den MM die Meldung das die Kakao Ernte doch so schlecht ist weil die armen Bauern kein Dünger und sonstiges kaufen können. Und das wo doch auf jede Schokolade hinten drauf steht „fair gehandelt“. Ja wie nun? Alles Lüge? Wahrscheinlich ja. Und den Süd-Ost-Europäer gefällt das gar nicht.
Leute, kauft Gold 🙂
„Gold , Kampfhund,Kalaschnikow “
Robert Kurz, Nürnberger Philosoph vor ca 25 Jahren.
Kann man machen. Muss aber ganz viel sein.
Denn nach dem ganz großen Zusamenbruch (wenn er denn kommt) wirst Du für 1 kg Nudeln mit 1kg Gold bezahlen müssen. Weil Du Gold nicht essen kannst.
Mir waren vergleichbare Preisunterschiede schon vor ungefähr 15 Jahren in Polen aufgefallen. Ich bin im Jahr 2010 drei Wochen lang mit dem Fahrrad durch Polen gefahren und war demzufolge selbstversorger. Beim Einkaufen bei Lidl sah ich dann, dass die Produkte die ich vergleichen konnte genauso teuer oder sogar teurer in manchen Fällen waren als in Deutschland. Natürlich gibt es viele Produkte die man gar nicht vergleichen kann weil das Sortiment nicht identisch ist. Es gibt ja in den einzelnen Ländern unterschiedliche konsumgewohnheiten. Allerdings gab es ja vor ein paar Jahren in Tschechien auch mal den Fall, das Käufer oder besser gesagt potenzielle Käufer dagegen protestierten, dass eigentlich identische Produkte in ihrem Land von schlechterer Qualität (Zusammensetzung) waren als in Deutschland.
Mich hätten jetzt mal die Gründe interessiert, schlagen die lokalen Betreiber was drauf, weil die Konkurrenz fehlt? Liegts an den Fixkosten (zu hohe Miete bei zu wenig Umsatz)?, liegts am Einkauf (lokale Produkte teurer als anderswo)? Liegts an der Korruption (Bürgermeister bestechen, damit man überhaupt da einen Supermarkt bauen darf)?
Da die Bulgaren noch nicht Teil der Eurozone sind, kann es am Euro nicht liegen, da es innerhalb des Landes unterschiedlich ist, kann es auch nicht an der eigenen Währung liegen.
Bulgarien sollte auf keinen Fall in die Euro-Zone, weil dann dasselbe passiert, wie mit allen noch nicht konkurrenzfähigen Wirtschaftsgebieten: sie überschulden sich, sie können nicht mehr abwerten (was i.d.R. zu einem Spardiktat führt) und es kommt zu einem Braindrain, Bulgaren wandern ohnehin schon massenweise aus, ich hatte einige bulgarische Kollegen, die Bevölkerung ist seit den 80igern um ein Viertel gesunken:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/278199/umfrage/gesamtbevoelkerung-von-bulgarien/
Es ist verrückt – einerseits sind die Preise für die Leute in Südeuropa unbezahlbar, andererseits unterhalten diese Staaten eine Infrastruktur die Westeuropäer insbesondere Deutsche in diese Länder locken soll um da günstig einzukaufen. 10 Kronen kosten gerade mal 40 Euro Cent da darf man sich fühlen wie früher die Westdeutschen in der DDR. Günstig Essen, oder Einkaufen im Intershop der jetzt Travel-Free heißt
https://www.travel-free.cz/angebote
vor allem bei Zigaretten rechnen sich die Preisunterschiede. „Märkte“ auf denen es allerlei Zeug gibt, „Marken“ ware und natürlich günstig tanken. Es sind aber nicht nur die Importwaren günstig, oft werden in solchen Märkten auch Produkte verkauft die in der Tschechei selbst hergestellt werden, wie getrocknete Früchte oder Schokolade. Inzwischen werden sogar Casinos angebaut. Und natürlich sind inzwischen auch Lidl & Co vor Ort. Das Geschäft mit den Unterschieden floriert. Einerseits die bunte Kolonialwelt für Ausländer andererseits der graue Alltag. Wie lange halten das diese Länder durch ohne das es zu Konflikten kommt?
Wobei man die Verhältnisse in Tschechien, übrigens auch die in Polen, nicht mit denen in Rumänien und Bulgarien vergleichen kann. Da geht es noch sehr viel härter zu.
Tschechien ist, wenn ich mich nicht irre, das einzige Land im einstigen Ostblock, dass keine Hyperinflation erleiden musste. Die haben auch nie ein paar Stellen vor dem Komma streichen müssen.
Nach der Aufhebung der staatlichen Devisenkontrolle wurde die DM zwischen 17 und 20 Kronen gehandelt. Seitdem hat die Krone sich erfolgreich stabilisiert und steht zum Euro zwischen 25-28 Kronen. Und vor allem hat sich das Durchschnittseinkommen seit der Wende verfünffacht
Interessant ist, dass sowohl Polen als auch die CR sich bei der Aufnahme in die EU verpflichtet hatten, den Euro mit der Zeit einzuführen und beide Länder tun den Teufel, sich daran zu halten. Es macht im Moment den Eindruck, dass beide Länder ganz gut mit dieser Taktik fahren. Ein tschechischer Facharbeiter, die dort auch knapp werden, darf mit ungefähr 1.500€ Netto rechnen und wird außerhalb von Prag eine 3 – Zimmer – Wohnung für um die 500 € bekommen können. Eine Familie mit doppeltem Entkommen und einem Kind, was bei unser Nachbarn typisch ist, wird für die Kita mit Verpflegung um die 100€ zahlen. Es bleibt dann tatsächlich für so ein „Mittelstandsehepaar “ einiges an Geld zur freien Verfügung. Klar, Reichtum ist das nicht, ist aber weit von den Zuständen im Südosten entfernt..
Ob Bulgarien dann mit dem Euro besser fahren wird, muss man abwarten. Ich sehe mit meinem der begrenzten Einblick nicht, welchen Vorteil es für Bulgaren haben könnte.
Oder für den Rest der Eurozone. Durch hetrennte Währungen kann man die einzelnen Volkswirtschaften gegeneinander abpuffern. Wenn alle mit dem Euro zahlen kann Bulgarien nicht mehr abwerten um sein Produktivitätsdefizit auszugleichen. Umgekehrt zieht Bulgarien den Wert des Euro runter. Was womöglich der Grund ist um den Export aus den hochproduktiven Ländern zu fördern durch die Abwertung des Euro.
In Bulgarien ist der Verband der Einzelhändler (SMT) eine Truppe von Verschwörungstheoretikern, oder wie darf man deren bemerkenswerte Stellungnahme verstehen, die im Artikel zitiert wird?