Bio von Anfang an / Teil 2

Der Bio-Pionier mit dem geliebten Saft: Boris Voelkel sagt: „Möhren sind das Faszinierendste!“ Über samenfeste Möhrensorten kann er erzählen wie ein Pomologe über Äpfel. | Foto: Florian Schwinn

Wieso kaufen wir meist Hybridgemüse und damit oft Gentechnik? Weshalb sind wir so konditioniert, dass wir uns gegen den Geschmack entscheiden?

Dies ist der zweite Teil des Blogs zum Podcast „Bio von Anfang an“. Es geht dabei um unsere Nutzpflanzen, um die Herkunft unseres täglichen Brotes und unseres Gemüses. Im ersten Teil habe ich die biologische Pflanzenzucht vorgestellt, die auch innerhalb des Biomarktes noch eine Nische ist, weil auch die Biobauern und die Biogärtnerinnen noch von den Saatgutkonzernen abhängig sind.

Auch im Bioladen, im Bio-Supermarkt, vor allem aber in den Bioregalen des ansonsten konventionellen Lebensmitteleinzelhandels liegen noch vorwiegend Gemüsesorten, die von den großen Saatkonzernen kommen. Die meisten von ihnen sind sogenannte Hybride. Bei deren Zucht geht es nicht um Qualität oder gar Geschmack, dafür umso mehr um Ertrag, also Masse. Und es geht ums Aussehen. Das Gemüse soll schön sein, denn das Auge isst bekanntlich nicht nur mit, es kauft auch mit. Im zweiten Teil der Blog- und Podcast-Miniserie „Bio von Anfang an“ geht es nun um die Verwerter und Händler des Biogemüses.

Hybride

Bevor wir uns zu einem großen Verarbeiter von samenfestem Saatgut begeben noch einmal eine kurze Erklärung zu den im Gemüseangebot allgegenwärtigen Hybriden.

Hybride werden, das habe ich im ersten Teil schon etwas ausführlicher erklärt, gewöhnlich aus zwei Inzuchtlinien zusammengekreuzt. Die Nachkommen der Elterngeneration zeigen dann den sogenannten Heterosiseffekt, das heißt sie bringen viel mehr Ertrag als die Eltern. Dazu kommen noch andere erwünschte Eigenschaften: Gleichmäßige Größe, immer gleiches Aussehen, zeitgleiches Reifen und so weiter. Entstanden ist die Hybridzucht bei Pflanzen übrigens in den USA, und das schon vor vielen Jahrzehnten, vor fast einem Jahrhundert.

Hier geht Kultursaat auf: Die biologische Saatgutzucht von Christina Henatsch auf Gut Wulfsdorf bei Hamburg. | Foto: Florian Schwinn

Maiszüchter waren es, die Hybride züchteten, die besonders ertragreich waren, zusätzlich aber auch unfruchtbar. In den USA, die kein Gesetz zum Samenschutz kannte, war das der Trick der Züchter: Sie lockten die Bauern mit den höheren Erträgen, machten sie aber gleichzeitig von sich abhängig, weil sich der Mais nicht mehr auf natürliche Weise vermehren ließ.

Warum begann das Ganze mit dem Mais? Weil sich beim Mais der männliche Pollen sehr leicht vom weiblichen Samenstand trennen lässt, da die beiden weit von einander entfernt an der Pflanze stehen. Der männlichen Teil befindet sich oben in der sogenannten Fahne – und die kann man einfach abschneiden.

Heute sind viele der Hybridpflanzen gentechnisch verändert und manche auch aus ganz verschiedenen, nicht wirklich miteinander verwandten Pflanzen zusammengeschnitten. Deshalb sagt die biodynamische Pflanzenzüchterin Christina Henatsch auch, dass man bei manchen der Hybriden nicht mal weiß, was man eigentlich isst: einen Rettich oder einen Blumenkohl. Der Schein kann trügen. Wobei sie bei einem sicher ist: die Hybride schmeckt nicht!

Samenfester Saft

Um mit einem Hersteller von Naturkost zu sprechen, der ganz auf samenfeste Sorten setzt, bin ich ins Wendland gefahren – zur „Naturkostsafterei“ Voelkel. Das ist der größte Arbeitgeber der Region und einer der größten Hersteller von Obstsäften im Biobereich und der Marktführer bei Gemüsesäften.

Boris Voelkel, einer der vier Brüder, die mit ihrem Vater zusammen das Unternehmen leiten, hat in einer jahrelangen zähen Auseinandersetzung im eigenen Haus und mit den Lieferanten die Voelkel Gemüsesäfte auf samenfeste Sorten umgestellt. „Das war kein Selbstläufer“, sagt er. „Als ich damit ankam, wollte das niemand im Betrieb, weder der Einkauf, noch das Marketing, noch die Produktion.“ Aber nach sieben Jahren und einem vielschichtigen Umstellungsprozess war es dann geschafft. „Ein Leichtes!“ sagt Boris Voelkel und lacht.

Der Auslöser der Umstellung war für ihn ein politischer: Er erfuhr ganz nebenbei, dass die Biobranche komplett abhängig war von den großen Saatgutkonzernen. Über neunzig Prozent des Gemüsesaatguts kam von denen. Die biologische Samenzucht war eine noch kleinere Nische als heute. Diese Abhängigkeit wollte Boris Voelkel unbedingt ändern. Wendland eben; Widerstand ist dort kulturell tief verankert, seit die Region gegen das bei Gorleben geplante Atommüll-Endlager aufgestanden ist.

Dass samenfestes Saatgut auch einen Qualitätsunterschied markiert, war ihm am Anfang nicht bewusst, sagt er. Im Gegenteil, er dachte, es werde wohl Probleme mit der Qualität geben. Erst im Verlauf des Umstellungsprozesses lernte er, dass das samenfeste Gemüse deutlich besser schmeckt als die Hybriden.

Und wenn er heute von samenfesten Möhren schwärmt, dann meint man, es müsste neben dem Pomologen, dem Apfelspezialisten, eigentlich auch die Berufsbezeichnung „Carottologe“ geben: „Möhren sind das Faszinierendste – in ihrer Vielfalt – das ist der Hammer!“

Dabei haben die Voelkels Jahre gebraucht, um zu ihrem Möhrensaft zu kommen. Letztlich sind zwei Sorten im Saft gelandet: die Rodelika vom Züchter Dieter Bauer und die Solvita von Züchterin Christina Henatsch, die schon im ersten Teil dieses Blogs mitgewirkt hat.

Bio-Züchterin bei der Arbeit: Christina Henatsch in einem ihrer Gewächshäuser. Von ihr stammt eine der Möhrensorten, die Marktführer Voelkel versaftet. | Foto: Florian Schwinn

Schwieriger als das Problem mit den Möhren scheint allerdings das mit den Tomaten zu lösen. „Das Dramatischste ist bei uns die Tomate“, sagt dann auch Boris Voelkel.

Das Tomatendrama begann, als er feststellen musste, dass ein Produzent aus Spanien, der bis dahin eine eigentlich für Passata gezüchtete Tomatensorte für den Betrieb im fernen Wendland anbaute, einen neuen Geschäftsführer eingestellt hatte. Mit dem veränderte sich der Umgang mit den Mitarbeitern so, dass der Lieferant für Voelkel nicht mehr tragbar erschien. „Sozial inkompatibel“, sagt Boris Voelkel. Für ihn ist Bio nicht nur guter Umgang mit Tieren, Pflanzen, Böden, Umwelt, sondern auch guter Umgang mit den Menschen, die dafür arbeiten. Und wenn der nicht mehr gegeben ist, „dann müssen wir uns trennen.“

In den letzten trockenen Jahren, aber besonders in diesem Frühjahr und Sommer, hat das Tomatendrama noch einmal zugelegt. Jetzt geht es nicht mehr nur um das soziale Klima, sondern um die globale Klimakrise. Spanien und zunehmend auch Italien haben ein Dürreproblem, und es empfiehlt sich nicht, auf Dauer von dort Wasser zu importieren, auch nicht in Form von Gemüse. Denn eine Tomate oder eine Gurke, die aus Spanien zu uns transportiert wird, transportiert eben vor allem Wasser von dort hierher. Der Nährwert ist gering, und der Geschmack – nun ja.

Also haben die Voelkels einen deutschen Pflanzenzüchter beauftragt, eine samenfeste Tomatensorte zu entwickeln, die auf einem norddeutschen Acker, also im Freiland, gute Erträge bringt und für wohlschmeckenden Saft sorgen kann. „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, sagt Boris Voelkel. Aber das Projekt werde sicher noch ein paar Jahre brauchen. Wie viele? „Sagen wir sieben.“ Pflanzenzucht braucht langen Atem.

Bauchentscheidung

Mit dem ersten Teil des Blogs zum Podcast „Bio von Anfang an“ waren wir schon einmal in Ahrensburg, nordöstlich von Hamburg – auf Gut Wulfsdorf bei Georg Lutz. Neben der Biodynamischen Landwirtschaft und dem Gemüseanbau gehört zum Gut auch ein Hofladen. Wobei das Wort eigentlich viel zu klein ist für das, was Wulfsdorf vor den Toren Hamburgs bietet.

Der Hofladen jedenfalls gibt Georg Lutz die Gelegenheit, zu beobachten, wonach seine Kundinnen und Kunden greifen. Er konstatiert ein völlig anderes Verhalten als an den Marktständen die die Wulfsdorfer jede Woche in Hamburg beschicken. Auf dem Markt lassen sich die Kundinnen und Kunden beraten und kaufen dann auch samenfeste Sorten. Im Hofladen kauft das Auge ein. Da wird das Gemüse gegriffen, das am besten aussieht. Dass das womöglich hybrid ist – auch bei Bio, scheint nicht so wichtig oder ist auch gar nicht bewusst.

Gewohnheitsmäßiges Zugreifen bei der Gemüseauswahl führt uns meist zu Hybriden. Der weißeste Blumenkohl ist aber nicht der beste, sagt Oliver Willing vom Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. | Foto: Tanja Münnich

Am Marktstand geht es eher um den Geschmack, zumindest wenn die Beratung in diese Richtung geht. Im Hofladen geht es nur um die Optik.

Was nachher fehlt, ist der Vergleich beim Essen. Das ist auch das, was die Bio-Züchterin Christina Henatsch angesprochen hat, als es um den Vergleich von Hybridgemüse mit samenfesten Sorten ging: Wie fühlst du dich, wenn du eine Mahlzeit mit Hybridgemüse gegessen hast? Geht es dir gut? Bist du zufrieden? Fühlst du dich wohl oder hast du Magendruck, brauchst einen Schnaps oder was Süßes? Oder spürst du das alles gar nicht, oder gar nicht mehr?

Mit den Sinnen zu wenig beim Essen sein, wäre hier das Manko. Obwohl das doch unsere direkteste Verbindung zur Natur ist. Wir nehmen mit der Nahrung Natur in uns auf, oder auch etwas eher Unnatürliches. Eine Entscheidung, die wir jeden Tag treffen, selten aber wohl mit dem Bauch, der in diesem Fall ausnahmsweise mal das Sagen haben sollte.

Oliver Willing vom Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, der die biologische Pflanzenzucht unterstützt, bestätigt, was Landwirt Georg Lutz am Marktstand und im Hofladen beobachtet: Wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher, also wir alle, nicht angeleitet werden beim Einkauf von Gemüse, dann greifen wir regelmäßig nach dem, was wir für das Schönste halten.  Er macht das am Blumenkohl fest, der weiß sein muss und groß. So sind wir das gewohnt, und also bleibt der gelblich und kleine Blumenkohl liegen, obwohl der wahrscheinlich besser schmeckt. Wobei es sich hier wohl um mehr als Gewohnheiten handelt, eher scheint mir das eine Konditionierung durch den Lebensmittelhandel zu sein. Der nimmt von den Erzeugern nur genormtes Gemüse an und lehrt uns damit seit nun schon Jahrzehnten, wie eine Gurke, eine Möhre, eine Aubergine auszusehen hat.

Und übrigens, da es sich bei den gleichförmigen Gemüsesorten meist um Hybride handelt, lernen wir auch gleich mit, dass das Gemüse nach nicht mehr allzu viel schmeckt.

Samenfester Handel

Kann man daran eigentlich noch etwas ändern, oder ist der Zug längst abgefahren und alle Bemühungen, sich ohne Hybride und gentechnikfrei zu ernähren, bleiben eine Nische für Menschen, die Einkaufen als Wissenschaft betreiben?

Diese Frage muss an den Handel gehen, weil sie allein in Hofläden und an Marktständen wohl kaum zu beantworten ist.

Es antwortet Sascha Damaschun, Geschäftsführer von Bodan, einem Naturkost Großhändler am Bodensee. Er sagt, dass die Bio-Branche sich neu aufstellen muss. Bio 2.0 sei angesagt. Eine neue Vereinbarung zwischen Herstellern, Verarbeitern, Händlern – und am besten – auch der Kundschaft.

„Wir müssen Bio neu denken“, sagt Sascha Damaschun vom Naturkost-Großhändler Bodan am Bodensee. Er meint, dass Bio nicht nur die Ware sein müsse, sondern auch das Handeln und die Struktur. | Foto: Petra Lohmer

Fünfzehn Jahre lang, sagt Sascha Damaschun, haben er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Bio-Branche versucht, den Menschen den Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Zucht, zwischen Hybriden und samenfesten Sorten – nein, nicht klarzumachen. So spricht er nicht. Er sagt „näherzubringen“. Und dabei festgestellt, dass der Begriff „samenfestes Saatgut“ ein sperriger ist, obwohl er sich durchgesetzt habe.

Und dann macht der Großhändler eine Ansage, die doch denjenigen Hoffnung gibt, die anders einkaufen wollen: „Wir werden in diesem Jahr bei einigen Gemüsearten nur noch samenfeste Sorten in den Handel bringen. Wir haben bei Möhren, Rote Beete, Sellerie mit unseren Vertragslandwirten verabredet, dass sie das samenfest anbauen. Und wir werden das dann auch abnehmen.“ Es brauche sagt er, eine Absicherung der Landwirte und Gärtner durch den Großhandel, und der Naturkost-Großhandel könne das auch leisten.

„Wir müssen Bio neu denken“, sagt er. Bislang habe die Branche mit Bio gehandelt. Sie kann Bio-Lebensmittel unter die Leute bringen. Das aber sei noch kein Bio-Handeln. Es gehe darum, die Strukturen umzubauen und Anderes auch anders zu handeln. Er spricht von konzertierter Aktion und nachhaltigem Handeln – eben auch im Handel.

Es geht ihm um die Sinnfrage: „Wofür tun wir das? Was gewinnen wir dadurch, wenn wir uns hier gemeinsam für eine sinnvolle Sache einsetzen? Darüber müssen wir uns neu vereinbaren und daraus auch Kraft gewinnen.“

Die Kraft wird gebraucht werden, denn die EU-Kommission hat gerade die nächste Runde der Etablierung von Gentechnik auf den Äckern eingeläutet. Sie will deregulieren statt zu regulieren, also weg- statt hinschauen.

Das ist gefährlich für die biologischen Gemüsezüchter, deren Nische dann noch kleiner werden könnte. Ganz abgesehen davon, dass niemand weiß, was das gentechnisch veränderte Erbgut in der Natur mit den anderen Pflanzen veranstaltet. Aber die Auseinandersetzung, die nun ansteht, birgt auch eine Chance für die biologische Zucht.

Oliver Willing vom Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft sagt, dass jede Auseinandersetzung über Gentechnik in Lebensmitteln und auf dem Acker bislang die Spendenbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher erhöht habe. Mit derzeit rund zwei Millionen Euro Spendengeldern unterstützt der Saatgutfonds jährlich die biologische Pflanzenzucht. Ein Drittel davon komme regelmäßig von den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die sagen: Wir wollen keine Gentechnik im Essen!

Und noch ein Link: Zu Kultursaat e.V., dem Zusammenschluss biologischer Züchterinnen und Züchter.

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10 Kommentare

  1. Ich werde gefragt, warum ich mich gegen den Geschmack und für hybrides Unwohlsein entschieden habe? Hab ich nicht, ich wurde schlichtweg nicht gefragt. Es gab nichts anderes.

    Die EU erlaubt sich, Lebensmittel zu normen, wobei das Beispiel mit der festgelegten Bananenkrümmung das bekannteste ist. Schon da wurde bekannt, dass dies den Hersteller Chiquita begünstigt, damit die Bananenzucht schön in den Händen eines westlichen Konzerns bleibt. Dass nun aber auch das Gemüse normiert wurde und zwar so, dass regelrechte Monopolstrukturen entstehen, wird erst jetzt langsam bekannt. Herrn Voelkel, der das Gemüse zu Saft verarbeitet, ist noch einigermaßen auf der sicheren Seite. Hingegen Herrn Damaschun meine ich warnen zu müssen: er könnte sich plötzlich in Handschellen wiederfinden, weil seine Ware nicht der EU-Norm entspricht. Wir hatten das neulich ja schon: dieses Verleihsystem der Bibliotheken dient der Umgehung dieses Verbots und der Samenhandel ist nur über die Schweiz möglich, weil diese nicht in der EU ist.

    Diese Hybridpflanzen sind einfach das fordistische Prinzip in der Landwirtschaft. Henry Ford auf dem Acker, weshalb man die so entstandene Tomate auch Ford-Tomate nennen sollte. Hingegen Herr Damaschun sollte seine eher manufaktürlich gezüchteten Rolls-Royce-Tomaten nennen. Womit auch die Marketingfrage gelöst wäre.

    Da fragt sich, ob das nicht noch andere Vorteile hat. Eine Hybridpflanze ist ein Kunstprodukt und stirbt in der freien Natur einfach aus. Es verwundert nicht, wenn sie weit anfänglicher gegen Schädlinge und Unkraut ist, als die natürliche Sorte. Denn diese hat in Jahrmillionen gelernt, sich gegen den Befall zu wehren. Sodass weniger oder kein Glyphosat notwendig ist.

    Wie sähe es preislich aus? Da fällt erst mal der Monopolpreis des Saatgutherstellers weg. Hingegen ist der Ertrag dann doch etwas geringer. All das wissen wir derzeit nicht, weil sich ein Markt nicht entwickeln kann.

    Viel Glück beim Versuch, das zu ändern!

  2. Ich rühre mal die Werbetrommel für einen Betrieb, in dem meine Schwester arbeitet und von dem meine Frau und ich einen großen Teil unseres Saatgutes bezogen haben – und mangels gärtnerischen Vermögens auch weiter beziehen.
    https://culinaris-saatgut.de/

    Übrigens. Für mich reicht der Geschmacks- und Geruchssinn völlig hin, die Nase für „höheren“ Sinn habe ich nicht.

  3. „Im Hofladen geht es nur um die Optik.“

    Wieso nicht am Preisschild den Zusatztext „besonders geschmackvoll“ — wenn es stimmt?

    Ich kenne aus meiner Jugendzeit eigentlich nur selbstgezogene Tomaten und war von den Kaufhausvarianten immer komplett gelangweilt/enttäuscht.

    Vor Formulierungen wie „dass man bei manchen der Hybriden nicht mal weiß, was man eigentlich isst: einen Rettich oder einen Blumenkohl.“ würde ich ausdrücklich warnen. Jeder mit etwas Biologie-Grundbildung kann nur zum Schluss kommen, dass da einer spricht, dem es auf Wahrheit nicht ankommt.

    Wenn Rettich und Blumenkohl hybridisierbar wären, wäre das in freier Natur ebenfalls möglich.

    Dass Bauern auf mehr Ertrag anspringen, kann ich ihnen nicht vorhalten. Wenn an der Gemüsetheke eine große und daneben eine besonders geschmackvoll Sorte angeboten würde, bin ich sicher, dass die geschmackvolle immer ihre Abnehmer finden würde, wenn das Kilo Tomaten nicht 18 Euro kostet.

    1. „bin ich sicher, dass die geschmackvolle immer ihre Abnehmer finden würde, wenn das Kilo Tomaten nicht 18 Euro kostet.“
      Doch, manchmal gibt es bei Kaufland eine bestimmte Sorte extrem leckerer Tomaten, die fast das 10fache von den normalen Tomaten kosten. Und trotzdem leisten die sich viele Kunden, nicht in riesigen Mengen, aber zum Snacken und Naschen sind die viel besser als der sonstige Industriekram.
      Man muss aber auch sagen, dass gerade der deutsche Verbraucher extrem genügsam ist, es gibt in Berlin einen italienischen Supermarkt, da schmeckt praktisch ALLES besser als das deutsche Gegenstück. Laut der Aussagen vieler Italiener ist das keine Ausnahme irgendwelcher Spezialitätengeschäfte, sondern gilt sogar für die Discounter (Lid und Aldi), die in Italien existieren. In Spanien war es übrigens genauso, scheint, dass der Kapitalismus immer so weit geht, wie es die Leute mit sich machen lassen.

  4. Tja. Zum Sommer gehören für mich Tomatenbrote mit Zwiebeln, Schafskäse und ein wenig Olivenöl. Ich kann in den Läden aber keine Tomaten mehr finden, die nicht nur wässrig oder sogar bitter schmecken.

    Dass die Leute diese roten Wassersäcke trotzdem kaufen, ist für mich unbegreiflich!

    „Wir“ können inzwischen eine Sonde auf einem Kometen landen, aber Tomaten anpflanzen, die schmecken, können wir nicht. Traurig.

    1. Das ist keine Frage des Könnens, sondern der gewollten und durchgesetzten Monopolisierung von Saatgut und Erteilen von Patenten auf alte Sorten.
      Damit sind weltweit Bauern an Saatgut und dessen Rattenschwanz wie z.B. Dünger etc. gebunden.
      Im Internet lässt sich gewiss finden, seit wann dies Usus ist. Ging dereinst auch medial, aber es interessierte Verbraucher nur marginal.
      Nun, da die EU, wie am Mittwoch bekannt wurde, den Umgang mit Gentechnik für Pflanzen im Bereich Nahrungs-/Futtermittel und deren bisherige Regelung deutlich lockern möchte, würde die Diskussion über die Krümmung von Gurken sicher harmloser für die Zukunft sein!🤢

      1. Das beantwortet aber nicht die Frage, weshalb die Leute diese bestenfalls geschmacklosen, nicht selten aber bitter schmeckenden roten Dinger trotzdem kaufen. Einfach im Regal liegen lassen! Oder dem Marktleiter vor die Füße werfen. Dann müssen die Anbieter reagieren.

        Ich wundere mich ja bereits, was sich die Leute als „Bier“ andrehen lassen. Aber sogar die ganzen plörrigen Einheitsgeschmacksbiere sind näher an einem richtigen Bier, als die roten Wasserbeutel aus dem Supermarkt an einer wohlschmeckenden Tomate!

  5. Eben im Radio gehört: der Andrang bei den Tafeln ist so groß, dass Interessenten reihenweise abgewiesen werden. Das heißt, dass wir erstmals seit dem Krieg wieder mit Hungertoten rechnen müssen.

    Eine Freigabe der natürlichen Samen würde die Situation auf jeden Fall entschärfen. Diese Gelegenheit sollte man nutzen.

  6. Die Bücherverbrennung fand statt vor der Kristallnacht, heute zig Dekaden später versuchen wir uns aus der Indoktrienationen zu befreien.
    Ein Blick in manchen Ländern würde reichen, um zu verstehen oder erkennnen. Jedoch ein Besuch im Ausland oder natürlich auch im Inland, könnte man Erkenntnisse gewinnen, aber man möchte lieber seinen Ego frönen als sich zu informieren.
    Jede Zellulose kann verzehrt werden, das einzige was man braucht ist das Wissen diese entsprechend zu zubereiten. ‚Casava‘ ist eine Pflanze die zu 100% verwertet werden kann von der Wurzel über Stamm bis hin zum Blatt, oder Bananenstauden allerdings ohne Wurzel. Das sind zwei Beispiele die natürlich nicht in D vorkommen, aber sehr häufig in einer Art und Weise dort existieren. D als Agrarwirtschaft hat sich selbst derart verarmt, dass eine Rekultivierung schwer fällt, weil die Oligarchie schon mehr an Land besitzt, um überhaupt viele gesunde Saaten auf einem Land auszutragen.
    ‚Landgrabbing‘ ermöglicht durch Politik durch Verarmung von Machtmissbrauch und das geschieht mit der Unterstützung der Menschen die diese Politik wählt!
    Europa im Verhältnis zum Rest, schaut reich aus, ist aber eines der ärmsten Regionen was gesunde Ernährung betrifft.

  7. Das Problem bei Bioprodukten ist, man kann ihnen ebenso wenig vertrauen wie herkömmlichen Produkten.
    Wenn des Nachts der Eiergrosslieferant auf den Hof fährt und kistenweise Eier aus dem KZ ablädt, die dann am nächsten Tag auf dem Markt als Bio verkauft werden ist das Vertrauen dahin.

    Auch das Überangebot an Bio-Eiern macht mich stutzig, weiß ich doch aus eigener Erfahrung, dass Hühner im Winter nicht so viele Eier legen wie angeboten werden.

    Geschmackvolle Äpfel sind auch als Bio kaum zu bekommen. Immer nur die Einheitsäpfel wie Jona in verschiedenen Varianten.

    Alte Sorten wie Finkenwerder Prinzen etc., findet man auf dem Markt so gut wie nicht mehr. Bioladen sind da keine Ausnahme.

    Dann kommt noch hinzu, dass auch Biogemüse gespritzt wird und zwar mit Kupfer, weil Kupfer ein natürlicher Stoff ist.

    Wenn man kann, sollte man das meiste selbst anbauen. Immerhin gibt es noch alte und robuste Sorten zu kaufen und aus denen kann man dann selbst auch wieder Saatgut herstellen.

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