Bayerische Regierung will für Unis das Verbot für Künstliche Intelligenz verbieten

Audimax der LMU. Bild: Burkhard Mücke/CC BY-SA-4.0

Die Hinweise mehren sich, dass Künstliche Intelligenz in Form der großen Sprachmodelle (LLM) die Nutzer abhängig machen und durch Entlastung  bzw. Outsourcing kognitive Kapazitäten verkümmern lassen könnten. Das soll mitunter sehr schnell geschehen können. Während in aller Regel Schulen und Hochschulen versuchen, die klammheimliche Verwendung von KI zu verhindern oder sie wie zuvor Plagiate zu erkennen, will jetzt Bayern Pionier spielen und einen Sonderweg gehen. Die Benutzung von KI soll auch für Prüfungen und in Klausuren und Hausarbeiten erlaubt werden.

Bayern will innovativ sein und Avantgarde spielen. 2023 wurde das Hochschulinnovationsgesetz verabschiedet, jetzt soll dieses „modernste Hochschulrecht noch moderner“ werden, hat das Kabinett beschlossen, weil sich Wissenschaft und Gesellschaft seitdem verändert hätten. Und das unter der Flagge, keine Verbotspartei zu sein. „Wir verbieten das Verbot von künstlicher Intelligenz“, propagiert Wissenschaftsminister Markus Blome, um dann etwas später doch wieder auf Verbote bzw. eine Einschränkung der Meinungsfreiheit umzuschalten, nämlich gegen Antisemitismus.

Aber zunächst zur KI, mit der man in Bayern sich als Wissenschaftsstandort absetzen will, wie mit der Raumfahrt (Bavaria One), dem Transrapid, den Flugtaxis und der Militärtechnik, die ohne KI kaum mehr denkbar ist. Laptop mit Lederhose passt da nicht mehr als Slogan der Verbindung von Hightech mit Tradition, vielleicht KI mit Kuh? Die Mitteilung des Kabinetts verrät jedenfalls außer Ankündigungsprosa nicht sonderlich viel:

„Bayern fordert und fördert den Einsatz Künstlicher Intelligenz und verbietet ein Verbot von KI: Die Fortentwicklung der Künstlichen Intelligenz wird als Aufgabe der Hochschulen definiert, ihr Einsatz in Studium und Lehre wird gesetzlich verankert. In unbeaufsichtigten Prüfungen gilt: Die Hochschulen dürfen KI-Nutzung grundsätzlich nicht verbieten, sollen sie aber in ihren Prüfungsordnungen mit einer Kennzeichnungspflicht verbinden.“ Allerdings ist auch die Rede von Klausuren, die wohl beufsichtigte Prüfungen wären. Da ist eigentlich auch das Abschreiben von anderen verboten. Aber was unterscheidet das Abschreiben von anderen von der Nutzung von KI?

Wie das genauer aussehen soll, wäre natürlich interessanter als eine allgemeine Erlaubnis und nicht näher ausgeführte „Regeln“ in Aussicht zu stellen. Es wird ja wohl nicht reichen, den Zusatz hinzuzufügen: Wurde mit der Hilfe von KI verfasst. Ein Text etwa dürfte nicht zu 100 Prozent von einer KI oder mehrere übernommen werden, wie das bereits unser Digitalminister und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident vorexerziert haben, die das KI-Produkt als ihres ausgaben. Aber dürfen 20, 50 oder 80 Prozent von der KI stammen? Muss jede Passage oder jeder Prompt wie ein Zitat ausgewiesen werden? Und wie erfasst man das? Wie wird dann eigenständiges Arbeiten bemessen? Oder hat das ausgedient? Werden trotzdem oder deswegen mündliche Prüfungen wichtiger?

In einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, der lieber nicht sonderlich kritisch nachfragen wollte, sagte der Wissenschaftsminister: In Zukunft werde auch bei Prüfungen „Kompetenzorientierung“ viel wichtiger als die Abfrage von Fakten – also von Dingen, „die heute mir jede Suchmaschine oder eben auch jede künstliche Intelligenz im Zweifel genauso gut oder vielleicht sogar besser beantworten kann“. Aber was heißt dann Kompetenz? Muss man sich das so vorstellen, dass Kompetenz im KI-Zeitalter bedeutet, dass man wie ein Autofahrer in der Lage ist, die Maschine geschickt im Hinblick auf eine Aufgabenlösung zu lenken? Das Problem ist nur, dass KI wesentliche Aspekte des Denkens, der Erinnerung und der Urteilskraft übernimmt. Klar, man muss nicht mehr rechnen können, wenn man eine Rechenmaschine benutzt, oder nicht mehr sich in einer Stadt orientieren, wenn man ein Navi verwendet. Aber man sollte ja eigentlich schon noch in der Lage sein, die Ergebnisse zu überprüfen.

Verbote bis hin zu einem Immatrikulationsverbot liebt man aber doch in der bayerischen Staatsregierung: „Bayern duldet keinen Antisemitismus an seinen Hochschulen und setzt ein klares Signal von null Toleranz.“ Natürlich wird das stark davon abhängen, was als Antisemitismus gewertet wird. In Deutschland hat man sich der heiklen Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angeschlossen, die auch einen israelbezogenen Antisemitismus umfasst. Kritik am Staat  Israel, der Regierung oder Ministern kann so auch als Antisemitismus ausgelegt werden.

In Bayern für ein geplantes Hochschulordnungsrecht Ordnungsmaßnahmen ein: „von der Rüge bis zum scharfen Schwert der Exmatrikulation vorsieht, insbesondere bei gewalttätigen Übergriffen und anderen vorsätzlichen Handlungen zu Lasten von Mitgliedern oder Angehörigen der Hochschule. Bei rechtskräftiger strafrechtlicher Verurteilung zu einer Geldstrafe über 50 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe wegen Straftaten, die den Studienbetrieb gefährden oder stören können, ist zukünftig ein Immatrikulationshindernis vorgesehen.“

Man kann sich aber fragen, warum antisemitisch interpretierte Gewalt besonders geahndet werden soll, nicht Gewalt überhaupt? Und der Verdacht liegt nahe, dass der Kampf gegen Antisemitismus den geplanten Strafenkatalog legitimieren soll. Auch „dauerhafte Störer“, ein Begriff der zur Willkür einlädt, sollen nach Maßgabe der jeweiligen Universität exmatrikuliert werden können. Damit legt man einen Grundstein für verschärfte Meinungs- und Verhaltenskontrolle.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
Mehr Beiträge von Florian Rötzer →

Ähnliche Beiträge:

17 Kommentare

  1. Man lernt nicht aus. Hätte niemals gedacht, dass der Anwurf des »Antisemitismus« einer regierungsnahen Organisation oder Institution mal eine Auszeichnung oder gar „must have“ wird.
    Tatsächlich ist es so, dass »Kritik am Staat Israel« nicht als Antisemitismus bewertet werden »kann«, sondern zwingend „wird“.

    Damit hat einer meine mokanten Lieblingssprüche dann wohl seinen Drive verloren und ist hinfällig: „Ich bin kein Antisemit, ich habe nichts gegen Palästinenser.“

  2. Da wäre es doch nur konsequent, die Bayerische Regierung auch durch KI zu ersetzen. Markus Söder mal virtuell. Ganz und gar Anti-Antisemitistisch versteht sich.

  3. Na, Hauptsache die KI gendert in den Arbeiten korrekt….

    Obwohl… darf es überhaupt „die“ KI heißen?

    …die westliche Menschheit verdummt im Zeitraffer, und keiner will es wahrhaben. Vor allem nicht in den „Bildungseliten“…

  4. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht (Donnerstag 25.06.2026):
    Das Militär hat in Sarta, westlich von Salfit das Zuhause gestürmt und Mustafa Taha Mustafa al-Khatib, 32 daheim erschossen. Es wurde gestern in Gaza Ahmed Al Raqab, 12 getötet.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

  5. Kompetenz bedeutet zu wissen wie man sich im System nach oben wanst.
    Ob man da seine Arbeit von KI schreiben lässt oder von einem anonymen Geistesarbeiter ist einerlei.

    1. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg mußte für seine unlesbare Doktorarbeit noch auf den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages zurückgreifen…. 😉

  6. Die Kompetenzorientierung ist in den Schulen vor etwas 25 Jahren eingeführt worden. Das Ergebnis ist bekannt. Was will der Wissenschaftsminister uns also sagen? Dass der Bachelor inzwischen das neue Abitur ist?

    1. Und das Abitur ersetzt zunehmend den Hauptschulabschluß. So bevorzugen Handwerksbetriebe inzwischen Abiturienten als Lehrlinge, da die eigentlich für solche Laufbahnen ausgebildeten Haupt/Realschüler oft nicht mal richtig lesen und schreiben können. Übrigens unabhängig vom MiHiGru.

  7. Herr Rötzer liest diese Studien in die falsche Richtung.

    Diese Arbeiten sind keine Belege gegen KI-Nutzung. Sie kommen aus einem Umfeld, das KI-Nutzung ausbauen, lenken und besser kontrollieren will. Das sind keine Texte von Leuten, die KI aus der Universität heraushalten wollen. Das sind Arbeiten aus der KI-Forschung selbst, aus Computer Science, Human-Computer-Interaction, Lernforschung, Kognitionsforschung und Alignment-nahen Bereichen.

    Genau dort entstehen die nächsten KI-Systeme.

    Die Autoren stehen nicht außerhalb dieser Entwicklung. Viele dieser Karrierewege führen direkt in die großen KI-Labore und Technologiefirmen oder an deren Schnittstellen. Google, OpenAI, Anthropic, DeepMind und ähnliche Strukturen sind für diese Leute keine fremde Welt. Das ist ihr Feld. Das ist ihr Arbeitsmarkt. Das ist die Welt, in der sie forschen, veröffentlichen, Stellen bekommen und Systeme mitprägen.

    Damit liegt der Interessenkonflikt nicht nur bei der Finanzierung. Er liegt in der Zielrichtung.

    Diese Studien fragen nicht: Soll KI verschwinden?

    Sie fragen: Wie soll KI künftig gebaut werden? Wie soll KI-Nutzung geführt werden? Welche Nutzungsform soll als erwünscht gelten? Welche Nutzungsform soll als riskant gelten? Welche Nutzer sollen vom System gebremst, gewarnt, gelenkt oder erzogen werden?

    Das ist der eigentliche Punkt.

    Diese Forschung liefert Design-Empfehlungen. Sie liefert Begründungen für neue Systemarchitekturen, neue Sicherheitsmechanismen, neue Produktentscheidungen und neue Regeln. Das Muster ist klar: Die bisherigen Systeme erzeugen bestimmte Probleme. Dann kommt aus demselben Feld die passende Lösung. Nutzt KI nicht so. Nutzt sie so, wie wir es vorschlagen. Unsere Systeme führen euch besser. Unsere Regeln sind besser. Unsere Zielrichtung beseitigt die Probleme, die vorher durch andere Systeme entstanden sind.

    Das ist pro KI-Nutzung. Nicht contra KI-Nutzung.

    Deshalb ist die öffentliche Lesart dieser Studien so schief. Irgendjemand macht daraus Clickbait: KI zerstört das Denken, KI macht abhängig, KI ruiniert die Bildung. Und dann wird diese Schlagzeile übernommen, obwohl die Studien eine ganz andere Funktion haben.

    Sie sind Teil der Debatte um das Design der nächsten KI-Systeme.

    Wenn in einer Studie Menschen für kurze Zeit ein KI-Werkzeug bekommen und danach ohne dieses Werkzeug anders arbeiten, dann sagt das erst einmal etwas über diesen Versuchsaufbau. Über die Aufgabe. Über das Zeitfenster. Über das Werkzeug. Über die Erwartung, die man durch dieses Werkzeug erzeugt. Über die Art, wie das System den Nutzer führt.

    Das ist keine tragfähige Grundlage für eine große Warnung vor KI an Hochschulen.

    Auch die MIT-Studie zu ChatGPT untersucht eine bestimmte Schreibsituation unter Laborbedingungen. Daraus kann man nicht den Zustand der Universität ableiten. Daraus kann man auch keine allgemeine Aussage über Lernen, Denken oder Bildung machen. Die Studie gehört in den Kontext von Systemdesign, Nutzerführung und KI-Interaktion.

    Herr Rötzer übernimmt hier die Warnkulisse, aber nicht die Struktur dahinter.

    Die Leute hinter solchen Studien wollen KI nicht aus der Welt schaffen. Sie arbeiten an der nächsten Version dieser Welt. Sie sagen nicht: Keine KI. Sie sagen: Andere KI. Geführtere KI. Kontrolliertere KI. Pädagogisch eingebettete KI. KI mit anderen Vorgaben, anderen Grenzen, anderen Eingriffen in das Nutzerverhalten.

    Das muss man offenlegen, bevor man solche Studien als Belege gegen die bayerische Regelung benutzt.

    Denn bei Bayern geht es gerade nicht darum, jede Prüfung in einen KI-Selbstbedienungsladen zu verwandeln. Es geht darum, pauschale Verbote zu verhindern und die Nutzung über Prüfungsordnungen und Kennzeichnungspflichten zu regeln. Das ist wahrscheinlich eine Verbesserung. KI ist längst da. Ein pauschales Verbot wäre kaum kontrollierbar und würde nur die ehrlichen Nutzer treffen. Die anderen würden sie trotzdem verwenden.

    Die bessere Richtung ist daher nicht Verbot, sondern Regelung.

    Die Hochschulen müssen lernen, Eigenleistung anders zu prüfen. Nicht nur den fertigen Text anschauen. Sondern den Arbeitsprozess, die Quellen, die Argumentation, die Zwischenstände, die mündliche Verteidigung und die Fähigkeit, die eigene Arbeit zu erklären. Wer seine Arbeit nicht erklären kann, hat sie nicht verstanden. Das gilt mit KI genauso wie ohne KI.

    Gerade deshalb passt die bayerische Regelung wahrscheinlich besser zur Realität als ein Verbot.

    Rötzer macht aus Studien, die im Kern zur Gestaltung künftiger KI-Systeme gehören, eine Warnung vor KI in der Bildung. Das ist die falsche Richtung. Diese Studien sind kein sauberer Beleg gegen KI-Nutzung. Sie sind Teil der Auseinandersetzung darum, wie KI-Nutzung künftig gerahmt, gelenkt und technisch gestaltet werden soll.

    Darüber müsste gesprochen werden.

    Nicht über Clickbait. Nicht über Schlagzeilen. Sondern über die Frage, wer künftig festlegt, wie Menschen KI benutzen dürfen und welche Systeme dieses Verhalten steuern.

  8. Herr Rötzer liest diese Studien in die falsche Richtung.

    Diese Arbeiten sind keine Belege gegen KI-Nutzung. Sie kommen aus einem Umfeld, das KI-Nutzung ausbauen, lenken und besser kontrollieren will. Das sind keine Texte von Leuten, die KI aus der Universität heraushalten wollen. Das sind Arbeiten aus der KI-Forschung selbst, aus Computer Science, Human-Computer-Interaction, Lernforschung, Kognitionsforschung und Alignment-nahen Bereichen.

    Genau dort entstehen die nächsten KI-Systeme.

    Die Autoren stehen nicht außerhalb dieser Entwicklung. Viele dieser Karrierewege führen direkt in die großen KI-Labore und Technologiefirmen oder an deren Schnittstellen. Google, OpenAI, Anthropic, DeepMind und ähnliche Strukturen sind für diese Leute keine fremde Welt. Das ist ihr Feld. Das ist ihr Arbeitsmarkt. Das ist die Welt, in der sie forschen, veröffentlichen, Stellen bekommen und Systeme mitprägen.

    Damit liegt der Interessenkonflikt nicht nur bei der Finanzierung. Er liegt in der Zielrichtung.

    Diese Studien fragen nicht: Soll KI verschwinden?

    Sie fragen: Wie soll KI künftig gebaut werden? Wie soll KI-Nutzung geführt werden? Welche Nutzungsform soll als erwünscht gelten? Welche Nutzungsform soll als riskant gelten? Welche Nutzer sollen vom System gebremst, gewarnt, gelenkt oder erzogen werden?

    Das ist der eigentliche Punkt.

    Diese Forschung liefert Design-Empfehlungen. Sie liefert Begründungen für neue Systemarchitekturen, neue Sicherheitsmechanismen, neue Produktentscheidungen und neue Regeln. Das Muster ist klar: Die bisherigen Systeme erzeugen bestimmte Probleme. Dann kommt aus demselben Feld die passende Lösung. Nutzt KI nicht so. Nutzt sie so, wie wir es vorschlagen. Unsere Systeme führen euch besser. Unsere Regeln sind besser. Unsere Zielrichtung beseitigt die Probleme, die vorher durch andere Systeme entstanden sind.

    Das ist pro KI-Nutzung. Nicht contra KI-Nutzung.

    Deshalb ist die öffentliche Lesart dieser Studien so schief. Irgendjemand macht daraus Clickbait: KI zerstört das Denken, KI macht abhängig, KI ruiniert die Bildung. Und dann wird diese Schlagzeile übernommen, obwohl die Studien eine ganz andere Funktion haben.

    Sie sind Teil der Debatte um das Design der nächsten KI-Systeme.

    Wenn in einer Studie Menschen für kurze Zeit ein KI-Werkzeug bekommen und danach ohne dieses Werkzeug anders arbeiten, dann sagt das erst einmal etwas über diesen Versuchsaufbau. Über die Aufgabe. Über das Zeitfenster. Über das Werkzeug. Über die Erwartung, die man durch dieses Werkzeug erzeugt. Über die Art, wie das System den Nutzer führt.

    Das ist keine tragfähige Grundlage für eine große Warnung vor KI an Hochschulen.

    Auch die MIT-Studie zu ChatGPT untersucht eine bestimmte Schreibsituation unter Laborbedingungen. Daraus kann man nicht den Zustand der Universität ableiten. Daraus kann man auch keine allgemeine Aussage über Lernen, Denken oder Bildung machen. Die Studie gehört in den Kontext von Systemdesign, Nutzerführung und KI-Interaktion.

    Herr Rötzer übernimmt hier die Warnkulisse, aber nicht die Struktur dahinter.

    Die Leute hinter solchen Studien wollen KI nicht aus der Welt schaffen. Sie arbeiten an der nächsten Version dieser Welt. Sie sagen nicht: Keine KI. Sie sagen: Andere KI. Geführtere KI. Kontrolliertere KI. Pädagogisch eingebettete KI. KI mit anderen Vorgaben, anderen Grenzen, anderen Eingriffen in das Nutzerverhalten.

    Das muss man offenlegen, bevor man solche Studien als Belege gegen die bayerische Regelung benutzt.

    Denn bei Bayern geht es gerade nicht darum, jede Prüfung in einen KI-Selbstbedienungsladen zu verwandeln. Es geht darum, pauschale Verbote zu verhindern und die Nutzung über Prüfungsordnungen und Kennzeichnungspflichten zu regeln. Das ist wahrscheinlich eine Verbesserung. KI ist längst da. Ein pauschales Verbot wäre kaum kontrollierbar und würde nur die ehrlichen Nutzer treffen. Die anderen würden sie trotzdem verwenden.

    Die bessere Richtung ist daher nicht Verbot, sondern Regelung.

    Die Hochschulen müssen lernen, Eigenleistung anders zu prüfen. Nicht nur den fertigen Text anschauen. Sondern den Arbeitsprozess, die Quellen, die Argumentation, die Zwischenstände, die mündliche Verteidigung und die Fähigkeit, die eigene Arbeit zu erklären. Wer seine Arbeit nicht erklären kann, hat sie nicht verstanden. Das gilt mit KI genauso wie ohne KI.

    Gerade deshalb passt die bayerische Regelung wahrscheinlich besser zur Realität als ein Verbot.

    Rötzer macht aus Studien, die im Kern zur Gestaltung künftiger KI-Systeme gehören, eine Warnung vor KI in der Bildung. Das ist die falsche Richtung. Diese Studien sind kein sauberer Beleg gegen KI-Nutzung. Sie sind Teil der Auseinandersetzung darum, wie KI-Nutzung künftig gerahmt, gelenkt und technisch gestaltet werden soll.

    Darüber müsste gesprochen werden.

    Nicht über Clickbait. Nicht über Schlagzeilen. Sondern über die Frage, wer künftig festlegt, wie Menschen KI benutzen dürfen und welche Systeme dieses Verhalten steuern.

  9. Ich half einer Studentin auszugsweise bei einer Bachelorarbeit. Zuerst fand ich ein sinnentstellendes Zitat, dass das Original (aufgrund von mangendem Verständnis des Inhaltes) falsch zitiert. Darauf angesprochen wurde die KI benutzt, um das Original in einfache Sprache zu übersetzen und sinngemäß zu verstehen. Die KI spuckte 3 einfach formulierte Versionen des Originals aus. #2 konnte verstanden werden und das Zitat korrigiert.

    Das Sprachverständnis heutiger Studenten ist so gering, dass die Antworten der KI gar nicht verstanden werden können und weitgehend kopiert werden. Die Aufmerksamkeitsspanne liegt nahe null und Probleme werden per Chat weitergeschoben. Fragen an die KI sind unvollständig und oberflächlich, vergessen viele Details. Buch haben die noch keines gelesen (ausser Kochbuch).

    Ich habe große Zweifel, dass mit der nächsten Generation das Produktivitätspotential der KI überhaupt ausgeschöpft werden kann, es sei denn die arbeitet selbstständig. Ich sehe dunkelschwarz für die Wirtschaft!

    1. Ich ertappe mich in den letzten Tagen häufig selbst dabei, daß ich Geminis lange ausführliche Antworten gar nicht lese, wenn ich in den ersten Zeilen schon merke, daß mir diese nicht gefallen wird. Manchmal stelle ich sofort die nächste Frage – usw.!
      Möchte nicht wissen, wie viele Menschen das auch so machen.

      Super Stromverbrauch, super Vermüllung von Raum, Netz, Speicher, Geist, …

      Vielleicht beißt sich bald die Katze in den Schwanz.

      1. Wenn man nicht mindestens 30min in einen vollständigen Prompt für die KI investiert der alle, wirklich alle, Informationen enthält die für die Antwort relevant sind, bekommt man auch von einer KI nur Resultate einer besseren Suchmaschine.

        Wenn man die Zeit rein steckt dann hat man einen *schnellen* Steuerberater, Rechtsanwalt, etc. bei der Hand. Nur: man muss die Antwort verstehen und dann den „Fachmann“ prüfen lassen, allerdings sind die dann angefressen weil man die KI verwendet hat und sie nur nachprüfen sollen. Da gibt es sonderbare oder extra langsame Reaktionen. Obwohl sie die gleiche Tiefe der Antwort wie die KI gar nicht bezahlbar bieten können.

  10. Jeder Mensch, der dumm sein will, muß das auch dürfen. Endlich wird dieses Grundrecht nun auch an Bayerns Hochschulen durchgesetzt. Weitere Länder und Institutionen werden folgen.

    Wichtig wird zunehmend, daß die Diskriminierung dumm gelesener Entität*innen, vor allem auch dieser sich hinter vielen möglichen scheinbar harmlosen Floskeln versteckende strukturelle Antidumminismus, hart bestraft wird.

    Egal was kommt, es werden immer ein paar Probleme übrig bleiben, die die KI nicht lösen kann. Wohl dem, der sich einen reinen Geist, gesunde Schaffenskraft und einen edlen Charakter bewahrt hat. Für ihn könnten goldene Zeiten anbrechen …

  11. Ein paar unfrisierte Gedanken.
    (1) „…will jetzt Bayern Pionier spielen und einen Sonderweg gehen. Die Benutzung von KI soll auch für Prüfungen und in Klausuren und Hausarbeiten erlaubt werden“. Dies ist bei Hausarbeiten bereits in anderen Bundesländern geduldet und wird punktuell sogar gef(ö/o)rdert. Bspw. bei Informatikstudierenden in BaWü.
    (2) „… In Zukunft werde auch bei Prüfungen „Kompetenzorientierung“ viel wichtiger als die Abfrage von Fakten“. KI wird zur Kompetenzorientierungs-Initiative. In Prüfungen werden nicht nur Fakten abgefragt. Das war mal in grauer Vorzeit so. Vielleicht ist man da in Bayern stehen geblieben?
    (3) Meiner Einschätzung nach sollte mehr Wissen über KI vermittelt werden und eine Sensibilisierung bzgl. Chancen und Risiken erfolgen. Die Nutzung von KI als „Lernhilfe“ ist OK, jedoch sollte in Klausuren und Prüfungen immer noch die eigene Leistung zählen und nicht das bessere KI-Modell.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen