
Der Eurovisions-Zirkus ist vom 12. bis 16. Mai in Wien. Stadt, Land und Österreichischer Rundfunk sind mit dem nötigen Balanceakt überfordert, die Feierstimmung wirkt bestenfalls gezwungen.
In Karl Kraus‘ Die Letzten Tage der Menschheit wird eine österreichische Gesellschaft porträtiert, die den eigenen Lügen nicht mehr entkommen kann und diese durch pompöse und lächerliche Staffage zu verdecken versucht. In jenen Tagen ging das kaiserlich königliche Imperium im Ersten Weltkrieg zugrunde und die darauffolgende Republik segelte durch schwierige Gewässer (Austrofaschismus, Nationalsozialismus) zur „Insel der Seligen“, die sie noch heute bewohnt.
Deshalb darf man sagen, Österreich geht es heute viel, viel besser als vor über hundert Jahren, aber die Stimmung ist trotzdem meist im Keller. Wer einen Sinn dafür hat, kann versuchen, dies tiefenpsychologisch zu ergründen und das Land auf die Couch legen, wohlwissend, dass dies nie so ganz stimmt, denn psychologisierende Erklärungen verkennen leicht die harten ökonomischen und politischen Fakten.
Dennoch, es passt beim Songcontest so schön, weil der erzeugt genau jene Malaise, die Herzen und Hirne so intensiv entflammt, indem Widersprüche nicht nur nicht mehr aufgelöst werden können, sie können meist nicht einmal mehr benannt werden.
Kuriosum Songcontest
Vor einem Jahr hatte man das Glück, respektive Pech, den Eurovision Songcontest (ESC) wieder zu gewinnen. Er fand damals in der Schweiz statt und wäre um ein Haar von dem Beitrag aus Israel gewonnen worden. Ebenjener Beitrag war damals sehr umstritten, weil das israelische Fernsehen zum zweiten Mal in Folge Songs entsendet hatte, die eine gewisse politisch-agitatorische Note aufwiesen.
Genau dies ist aber beim Songcontest verboten. Ein unauflösbarer Widerspruch: Die europäischen Sendeanstalten machen einen Sangeswettbewerb, bei dem die Nationalstaaten gegeneinander antreten, die Inhalte der Lieder aber nicht politisch sein dürfen, sondern nur Allgemeines (Liebe, Glück, Lust etc.) beträllern sollen. Das kann – selbstverständlich – nur schiefgehen, denn die Repräsentation eines Staates (Fähnchen schwingen in Nationalfarben) ist per se schon politisch. Dass der ESC nicht längst eingemottet wurde, beweist, dass nicht nur Österreich auf die Couch gehört, sondern der ganze Kontinent.
Die Sache ist so verrückt, dass sie schon wieder faszinierend ist. Die Teilnehmer des Songcontest sind im Grunde keine Stars. Mit ganz wenigen Ausnahmen (ABBA) bleiben sie unbekannt und viele Karrieren enden wenige Wochen nach dem Auftritt beim Songcontest. Sie werden folglich vornehmlich bejubelt als Repräsentanten ihres jeweiligen Landes.
Auch künstlerisch sind die Ergebnisse höchst überschaubar, wie jede und jeder im Praxistest ermitteln kann: Wer hat eine CD oder LP von früheren Songcontest-Teilnehmern zuhause rumliegen? (ABBA zählt nicht.) Wer hat in seinen Playlisten Songcontest-Songs? Eben, niemand interessiert sich für den Kram, abseits des Wettbewerbs der Nationen. Auf YouTube enden die Zugriffe meist vollständig am Morgen nach dem Wettbewerb.
Sobald es irgendwo in Europa mal politisch prekär wird, kommt es dann zu kläglich versteckten Politbotschaften wie der Beitrag Georgiens 2009 „We Don’t Wanna Put In“ belegt. Richtig geraten, es geht nicht ums zölibatäre Leben, sondern um den russischen Präsidenten (Putin = Put In). Kann man es den Menschen verdenken, dass ihnen Politik in Momenten des Krieges wichtiger ist als Songs übers Koitieren?
Deswegen wurde bekanntlich auch die Russische Föderation nach dem Überfall auf die Ukraine ausgeschlossen. Zu beiderseitigen Zufriedenheit übrigens, denn Präsident Putin sieht mit dem Songcontest „Familienwerte“ gefährdet und veranstaltet deshalb seinen eigenen Sangeswettbewerb, der züchtig und vom Rest der Welt unbeachtet stattfindet.
Krisenfall Israel
Die Israelische Delegation hatte nun beim Wettbewerb 2024 das – durchaus nachvollziehbare – Bedürfnis, nach dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 der Weltöffentlichkeit das eigene Leid zu klagen und um Verständnis zu werben. Das sind aber eben politische Botschaften und deshalb mussten die Songs umgeschrieben werden. Was auch geschah.
Allerdings in einer Weise, die als halbherzig bezeichnet werden darf. Im 2024er Beitrag wurde aus „October Rain“ ein „Hurricane“, die Referenz zum Massaker vom Oktober des Vorjahres damit eher noch intensiviert. Im Jahr 2025 trat Israel mit der Sängerin Yuval Raphael an, die einen „wahren Sieg“ an die Freilassung aller Hamas-Geiseln gebunden sah, wodurch Israels Präsident Jitzchak Herzog tief bewegt war.
Unpolitisch geht anders. Die Show wurde zerpflügt durch die Frage, ob eine Israelin in Glitzerkulisse auftreten kann, während das israelische Militär Palästina bombardiert. Auffällig war, dass die Abstimmung endgültig zu einem politischen Voting wurde. Kaum jemand erkannte in den 2025er Beitrag Israels viel popkulturellen Pfiff, dennoch gelangte er auf Platz zwei, wohl weil viele solidarisch mit Israel sein wollten.
Die Insel der Seligen im internationalen Sturm
So, und all diese Widersprüche und Widrigkeiten soll das arme, kleine Österreich aushalten? Aber es kommt noch viel dicker. Von deutschem und österreichischem Boden ging bekanntlich ein industrialisierter Massenmord an den Juden aus, der allen sehr wohl im Gedächtnis ist und der Boykott-Aufrufe gegen Israel weitgehend unmöglich macht. Nimmt es Wunder, dass das offizielle Österreich und seine Medien innerlich gefrieren, wenn Israel ausgeschlossen werden soll?
Nur, die aktuelle israelische Regierung ist in Teilen faschistisch. Tagtäglich sind Äußerungen zu hören, wie etwa, man wolle den „Libanon verbrennen“. Von Gaza ganz zu schweigen: Mindestens 72.000 Tote, die meisten davon Zivilisten, Hunger, Vertreibung und dem Erdboden gleichgemachte Häuser. Man ist nicht mehr ganz bei Trost, wenn man glaubt, dies sei die alleinige Schuld der Hamas. (Glaubt auch kaum wer in Österreich.)
Die Knesset beschloss zudem ein Gesetz, das es erlaubt, Palästinenser hinzurichten, die als Terroristen verurteilt wurden. Israelis aber nicht, egal welche Verbrechen sie an Palästinensern begehen. Abgeordneten, die sich für das Gesetz einsetzten, trugen Anstecknadeln in Form von Henkersschlingen.
Und, schon in Feierstimmung? Der überforderter Wiener Bürgermeister Ludwig meinte zu den zahlreichen Boykottaufrufen gegen den ESC und Ankündigungen zu Gegenveranstaltungen in Wien, man freue sich trotzdem auf das Fest und wolle niemanden ausschließen. Ja, klar, außer eben die Russen.
Die Argumentation, ein Land, dessen Führung vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt ist, auszuschließen (Russland), das andere (Israel) aber nicht, ergibt keinen Sinn in einer Welt, die unter Rechtlosigkeit und dem Zusammenbruch der Ordnung leidet.
Medien und Stadt im Krisenmodus
Der Österreichische Rundfunk, der die Show ausrichten muss, ist der Kritik offenkundig müde und ließ schmallippig verkünden, es habe den Entschluss der europäischen Sendeanstalten gegeben, Israel nicht auszuschließen, und den ziehe man jetzt eben durch. Mehrere Länder traten allerdings wegen Israel vom Fest in Wien zurück. Der Nachbar Slowenien zeigt an dem Abend die Dokumentation „Voices of Palestine“. Es läuft nicht gut, beim europäischen Miteinander.
Für Stadt und Sender kommt der ESC zur Unzeit, weil man gehörig Geld für die Show berappen muss, zugleich aber wüst sparen soll. Das bedeutet letztlich, für eine Woche Ringelpiez gibt man Millionen aus, aber Kulturzentren müssen wegen Spardiktat schließen. Orte, wo tatsächlich ein Miteinander herrscht, werden abgebaut oder sogar geräumt. Die Stadt konzentriert sich folglich auf touristische Außenwirkung.
Der ORF ist ebenso in schwierigen Gewässern. In Österreich wird gerade der Journalismus abgewickelt. Im Land arbeiten nur mehr gut 4000 festangestellte Journalisten, die Republik bringt es im Ganzen noch auf 12 Auslandskorrespondenten. Es ist einfach kein Geld mehr im Business. Ausnahme: Österreichischer Rundfunk. Hier fließen die Gebührengelder und dies hat zu teils absurden Gagen geführt.
Der jüngst wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung zurückgetretene Senderchef klagte entgangene Gehälter in Millionenhöhe ein. Dem ORF, der eine fraglos wichtige journalistische Arbeit in Österreich macht, fliegen so nicht die Herzen zu. Die Hoffnung, mit dem ESC-Gedöns einen Stimmungsumschwung zu erreichen, hegt niemand mehr ernsthaft.
Antisemitismus ist ein Problem
Manch einer der Verantwortlichen in Stadt und Sender wird sich klammheimlich wünschen, es hätte damals nicht der österreichische Beitrag von JJ, sondern doch der israelische gewonnen. Denn es wäre ja alles nicht schon verworren und schwierig genug, gäbe es in Österreich nicht auch noch die stets mächtige und hässliche Fratze des Antisemitismus. Bei ihr laufen alle Stricke des dicken Knotens wieder zusammen.
Die Bedeutung antisemitischer Affekte lässt sich gut anhand der Konflikte rund um den ESC aufzeigen. Es mag in Europa eine manifeste Russophobie geben, aber gipfelt diese in Anschlägen auf russisch-orthodoxe Kirchen? Die Synagogen Europas müssen hingegen wie Festungen bewacht werden, obwohl vermutlich viele der sich hier versammelnden Gläubigen mit der Politik des Staates Israel überhaupt nicht einverstanden sind.
Deshalb sollten alle die, die ihre wohlbegründete Empörung über das Walten Israels in Gaza und Libanon Ausdruck verleihen wollen und auf eine der vielen Anti-ESC-Demos in Wien gehen, sich auch fragen, ob manche Demonstranten, die wütend palästinensische Flaggen schwenken, dies nicht doch letztlich aus Judenhass tun.
Am Ende darf konkludiert werden. Besser man würde den „ESC-Schas“ lassen, und stattdessen würde sich Österreich, Europa und am besten die ganze Welt mal eine Zeitlang auf die Couch legen. Vielleicht nützt es was.




„Vor einem Jahr hatte man das Glück, respektive Pech, den Eurovision Songcontest (ESC) wieder zu gewinnen. Er fand damals in der Schweiz statt und wäre um ein Haar von dem Beitrag aus Israel gewonnen worden. Ebenjener Beitrag war damals sehr umstritten, weil das israelische Fernsehen zum zweiten Mal in Folge Songs entsendet hatte, die eine gewisse politisch-agitatorische Note aufwiesen.
Genau dies ist aber beim Songcontest verboten. Ein unauflösbarer Widerspruch: „
Nicht für die Veranstalter des „Song Contest“, EBU. Die haben schon vor Jahren politische Beiträge etwa der Ukraine (Lied über die Vertreibung der Krimtataren durch Stalin) zugelassen, und Proteste der russischen Teilnehmer abgewiesen. So gewann dann dank der Jurys der eigentlich verbotene politische Beitrag den Wettbewerb. Ebenso wurde mit keinem Wort auf die politische Instrumentalisierung im Folgejahr eingegangen, als die Ukraine Gastgeber war, und Poroschenko erklärte, er werde das Finale auf der Krim veranstalten, die zu dem Zweck natürlich erst mal zurückerobert werden müßte. Am Ende verhinderte Kiew wenigstens die Teilnahme der russischen Künstlerin mit dem skandalösen „Grund“, sie habe gegen ukrainische Gesetze verstoßen (weil sie auf der Krim war, ohne über die Ukraine eingereist zu sein).
Dann wurde Russland ausgeschlossen, dann Weißrussland.. aber Israel, das die Abstimmung (und zwar die Televotngs) im letzten Jahr offensichtlich manipuliert hatte, ist natürlich weiter dabei – Genozid in Gaza, Irankrieg, Westjordan-Terror hin oder her….
https://taz.de/Eurovision-Song-Contest-2026/!6177446/
Dafür will man jetzt das Televoting einschränken, nicht daß Israel trotz Ausbuhens wieder „völlig unerwartet“ das „Publikumsvorting“ gewinnt. Dann könnte der ESC ganz einpacken, denn das würde dann wohl nicht mal mehr der deutsche Kulturbeauftragte verstehen, der vor Monaten mit dem deutschen Boykott des Finales gedroht hatte, wenn Israel ausgeschlossen würde…
Es ist schon lange nicht mehr unpolitisch! Aber so lange „die Richtigen“ das Ereignis politisch mißbrauchen, ist alles „ok“…
Man kennt das ja. Weißrussland und Russland wurden für viele Jahre von den meisten Sportveranstaltungen ausgeschlossen, weil sie einen „Angriffskrieg“ führten. Im Falle des angegriffenen Iran gilt der Angriffskrieger USA aber selbstredend als passabler Gastgeber der Fussballweltmeisterschaft – und ob der Iran mitmachen darf, ist noch nicht raus.
George Orwell wäre begeistert.
Wer diesen mittlerweile von der Wokeness-Sekte zur narzisstischen Selbstbeweihräucherung dominierten Deppen-Zirkus voller Geschmacksverirrungen namens ESC allen Ernstes noch für ein „musikalische“ Veranstaltung hält, dem ist eh nicht mehr zu helfen.
Die mehr als unappetitlichen politischen Begleiterscheinungen lasse ich jetzt mal außen vor, die hat Herr Jödicke in seinem Beitrag sehr ausführlich und treffend skizziert.
Wo bleibt mein Kommentar?
Man muß dem „wokesten“ Gewinner, „Nemo“, immerhin zugutehalten, daß er/sie/es/das den Preis aus Protest gegen die Teilnahme Israels demonstrativ zurückgegeben hat.
Aber ja, diese thematische Vereinnahmung durch die „queere Community“, die vielleicht nicht mal ein halbes Prozent der Bevölkerungen ausmachen, ist ja auch zutiefst politisch. Und immer wieder werden daran politische Statements und Botschaften geknüpft, wie etwa als im letzten Jahr vor allem deutsche Medien sich echauffierten, daß die Teilnehmer auf der Bühne ab sofort, wenn überhaupt, dann nur noch die Fahne ihres Teilnehmerlandes zeigen dürften. Auslöser war eben jenes genannte „Nemo“, der/die/das/ens und so weiter beim Sieg die „Nonbinären“-Fahne trug.
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/esc-verbot-von-pride-flaggen-vergrault-queere-lgbtqi-community-100.html
Aber auch schon in den Jahren davor wurde ja aus sexuellen Randerscheinungen ESC-Mainstream gemacht, So beim Sieg des israelischen Beitrages 2018 durch „Netta“. Eine gefühlt 200 Kilo schwere Wuchtbrumme, die in ihrem Song „Im not your Toy, you stupid Boy“ gegen die „männliche Toxizität“ hetzte. Als ob – bei allem Respekt vor dem Menschen an sich – irgendein Durchschnittsmann solch eine schwerst adipöse Person sexuell überhaupt attraktiv finden könnte, daß sie zum sexuellen Spielobjekt würde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Netta_Barzilai
Sie nennt sich übrigens selbst „ein fettes Mädchen“. Und als sie mit diesem Hetz-Song gegen Männer gewonnen hatte, setzt sich umgehend ein Mann (!!!) in Szene und rief laut „And next Year in Jerusalem!“ Und das war der heute per Haftbefehl gesuchte Massenmörder Benjamin Netanjahu, damals schon israelischer Ministerpräsident. Er mißbrauchte hier als den „unpolitischen Musikwettbewerb“ für eine sowohl politische als auch religiöse Instrumentalisierung, denn der Spruch ist fester Bestandteil der jüdischen Glaubenspraxis seit der Zerstörung des „Zweiten Tempels“.
Der nächste ESC fand dann zwar doch nicht in Jerusalem statt, sondern in Tel Aviv (der eigentlichen Hauptstadt des Landes), aber Konsequenzen hatte der Spruch dennoch. Allerdings nicht für Netanjahu, sondern für den deutschen Karikaturisten Dieter Hanitzsch, der es gewagt hatte, Netanjahu in der Süddeutschen in einer auf dieses Ereignis passenden Karikatur bombenschwingend mit den großen Ohren dargestellt zu haben, die er nunmal im Real Life tatsächlich hat:
https://www.stern.de/politik/deutschland/antisemitismus-vorwurf–sueddeutsche-zeitung-schasst-karikaturist-dieter-hanitzsch-7988110.html
Ja, die „Antisemitenjäger“ verstehen eben keinen Spaß, wenn es um Verbrecher geht….
ja, ja, der Anti-Semitismus! Ist schwer zu verurteilen ! Sogar der ö. ex Parlaments – präsident rückte mit Farbe und Pinsel und Medienmeute aus, um „anti-semitische Schmiereien“ zu übermalen. Was aber stand vor dem Mann an der Wand ? DEATH TO ZIONISM ! Das kommt davon, wenn Präsidenten nicht lesen können.
Was das Fähnchen schwingen in Nationalfarben angeht, muss man meiner Meinung nach allerdings differenzieren und zwar zwischen Patriotismus und Nationalismus.
Als PATRIOT kann jeder stolz auf sein Land sein. Ein Patriot liebt sein eigenes Land, er respektiert aber auch andere Länder und begegnet den Menschen anderer Länder auf Augenhöhe.
Ein NATIONALIST stellt sein eigenes Land ÜBER andere Länder. Ein Nationalist schaut auf die Menschen anderer Staaten herab. Für Nationalisten sind die Menschen anderer Staaten bzw. Länder UNTERmenschen, die kolonialisiert, vernichtet oder sogar ausgerottet werden müssen. Die PR-Strategen aus vergangenen Tagen nannten es auch mal „zivilisieren“, wenn man die Menschen anderer Länder systematisch ermordet und bis auf Restbestände dezimiert. Heute nennt man das MAGA („Make Amerika Great Again“), wenn man den Iran bombardiert oder Verteidigung vor Terroristen, wenn man den Gaza „palästinenserrein“ machen will.
Das ist – mit Verlaub gesagt – transatlantischer Propaganda-Bullshit.
Auch wenn meine Anntwort weniger als hundert Zeichen hatte.
Wer Krieg führt, gehört von einem friedlichen Gesangswettbewerb ausgeschlossen. Und da die gesamte EU den Krieg in der Ukraine unterstützt, können auch gleich alle zu Hause bleiben.
Das Bild einer Gesellschaft, die den eigenen Lügen nicht mehr entkommen kann und dies durch pompöse und lächerliche Staffage wie den ESC verdecken will, trifft voll ins Schwarze.
Artikel über den unaufhaltsamen Niedergang des ehemaligen „Grand Prix Eurovision de la Chanson européenne“ sind mittlerweile um Grössenordnungen unterhaltsamer als das peinliche Spektakel selbst. Hatte mich schon gewundert, als der Zombi zu Zeiten con Guildo Horn plötzlich wieder total „in“ war obwohl der schon damals streng zu müffeln anfing.
Wenigstens ist es danach auch auch bald wieder vorbei. Mir geht der Quatsch auch kolossal auf die Nerven aber ich schütze mich passiv davor, indem ich jedwede Berichterstattung dazu zu 100% vermeide. Falls ich mich dennoch versehentlich mit diesem Virus infiziere, denke ich einfach an weißes Rauschen. Weißes Rauschen ist das, was übrig bleibt, wenn jedwede Lautäußerung zu einem milchigen Brei verschwimmt.
Ich war bisher noch nie in Wien aber sollte es noch dazu kommen, zählt das da ganz bestimmt nicht zu den bevorzugten Ausflugszielen. Ungeachtet dessen liegt mir die touristische Entwicklung Wiens sehr am Herzen.
Mal ganz ehrlich, wer sich in irgendeiner Weise zum ESC hingezogen fühlt, ist selbst Schuld.
Zur musikalischen Qualität mich zu äußern möchte ich mir ersparen, aber für mich war der ESC immer schon Teil der öffentlich-rechtlich-privaten Verblödungsmaschinerie, von daher konnte ich dem nie was abgewinnen!
Daher ist es mir vollkommen gleichgültig wer da was und womit gewinnt und ebenso gleichgültig ist mir eine politische Aufladung dieses unterirdischen Events.
Was uns die Medien, die sich selbst Qualität zuschreiben, seit Jahren servieren und zumuten, brauche ich in diesem Forum nicht weiter auszuführen.
Da ist der ESC nur ein weiteres Ereignis, das geeignet ist, die Massen von ihren eigentlichen Problemen abzulenken.
Diese ganze Format erinnert mich immer ein wenig an Heinz Gödeckes „Wunschkonzert“…..aber vielleicht braucht ja jede Zeit ihr eigenes Format…
Also für mich gibt es definitiv nur einen ESC: Das ist die Taste oben rechts an meinem Keyboard und wenn ich darauf klicke, bedeutet das nichts anderes als: »Hau ab und weg!«
(Auch so ein AlleJahreWiederWitz mit Tradition. 🤷)
»… oben rechts …« jetzt wirklich?
Die Taste Escape> oben links natürlich… 🫣 Das wird heute nix, ich lege mich wieder hin.<i>Press ESC
»… oben rechts …« jetzt wirklich?
Die Taste Escape oben links natürlich… 🫣
Das wird heute nix, ich lege mich wieder hin.
Press ESC
Ich finde es gut, dass die Österreicher den ESC veranstalten müssen. Von mir aus für immer. Warum eigentlich nur einmal im Jahr? Zweimal, viermal, achtmal..
Nach dem Krieg wurde Preußen aufgelöst und von den Alliierten die Wiedergründung verboten. Preußen, das die Nazis nie gewählt hat, dessen letzte demokratische Regierung die des Sozialdemokraten Braun war, die durch einen Gewaltstreich, den Preußenschlag, gestürzt wurde, galt als Hort des Faschismus. Die Ösis, die der Welt den Führer gaben, die gröhlend in Wien seine Heimkehr bejubelten und die sich sofort daran machten, ihre jüdischen Mitbürger zu tyranisieren, als Opfer der Nazis. Bombardiert wurden sie auch nicht und die Sowjetarmee zog auch wieder ab. Frisch zu Demokraten umgefickte Nazis konnten dann den Piefkes wieder so richtig die Sporen geben.
Gut, ist halt so und dass die Welt ein gerechter Ort ist, werden die wenigsten der hiesigen Leser annehmen.
Aber keiner entgeht seinem Schicksal. Jetzt eben der ESC. Und ja, alle Stimmen für die Ösis, für immer.
Nun steht Preußen seit jeher für Militarismus und dieser ist integraler des Nazismus, deswegen wurden die hübschen preußischen Tugenden wohl von den Nazis in Dauerschleife wiederholt.
Weiß nicht, ob alle Ösis und ausschließlich nur die Ösis den Führer gebastelt haben, jedenfalls hat »die Welt« sich nicht hinreichend gegen dieses zweifelhafte Geschenk gewehrt und zu viele haben sich leider gefreut. „Halb wurde sie geschubst, halb ist sie gesprungen?“ mag mancher sagen, doch auch heute noch brauchen unbegreiflich viele diesen Führer – auf die eine oder andere Weise.
Hat Österreich deswegen den ewigen ESC verdient? Das hängt wohl von der Auffassung ab, ob Strafe Rache sein soll oder Sühne und die Möglichkeit einer Rehabilitation. Ich sehe allerdings schon die Gefahr, dass sie dann aus gefühlter Notwehr wieder anfangen könnten, irgendwas zu basteln…
Ähem, der ESC scheint mich zu verwirren und zu groben Fehlern zu verleiten (was unangenehme Fragen aufwirft):
Korrektur | Ergänzung:
Entweder »…Militarismus und dieser ist integraler Teil des Nazismus…«
Oder »…Militarismus, der im Nazismus integral ist…«
Integraler Bestandteil des Nazismus ist nicht der Militarismus, sondern eine Eigenart des Militarismus, ohne die man keinen Krieg gewinnen kann: Ich meine die Befehlsstruktur, also Befehl und bedingungslosen Gehorsam, der den zentralen Funktionsmechanismus dieses System ausmacht. Der Nazismus übertrug es auf die Verwaltung und auf die Wirtschaft mit dem Ziel jegliche subjektive Widerrede zu beseitigen, die man als Sand im Getriebe auffasste.
Alle, die sich diesem Prinzip nicht unterwarfen, galten als Feinde: So wie im Militär der Deserteur, wurden Juden, Intellektuelle, Körperbehinderte, Kommunisten, Sozialisten, Liberale, Roma „ausgemerzt“. Was die Juden betrifft, an die alte christliche Tradition anschließend, die denen, die einer fremden Macht gehorchten – also nicht dem Papst, bei jeder passenden Gelegenheit den Garaus machte.
Was hat das mit dem ESC zu tun? Ich weiß es nicht – und drücke den Senden button.
Im Übrigen sind Ihre jetzt 5 Kommentare aufgebraucht – wenn gewünscht, antworten Sie unter dem Artikel „Die Erprobung des Abschieds“ – dort steht eh noch eine Antwort von Ihnen aus.
Ansonsten: Schöne Himmelfahrt!
Die bürgerlichen Konzepte des Untertanen:
Bürger = Erwerbsperson, die eines Rechtswesens bedarf und in es „eingebunden“ werden muß, woraus folge, es liege in seiner Natur, eingebunden zu werden und sich einbinden zu lassen.
Volksbürger = Der eingebundene Bürger, wie er Objekt des Staatswesens ist.
Staatsbürger = Der Volksbürger, der im Staatswesen seine gesellschaftliche Identität hat („Bürgl. Staat = Verselbständigung des abstrakt freien Willens der Erwerbsbürger“, Held, Decker et al, ’75)
Der Nazismus (und Faschismus allgemein, wollte ich behaupten) trachtete, Erwerbsbürger und Staatsbürger im Volksbürger aufgehen zu lassen: Das Konzept des Volksgenossen.
Der „Witz“ ist gewesen, daß der Volksgenosse schon vor dem Nazismus / Faschismus da war und nach ihm fortbestand. Seine Genealogie ist die des Soldaten in bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften, die für Kriege im Prozess der Nationenbildung heran gezogen worden sind, bzw. für die Eventualität eines solchen Krieges gezogen und ausgebildet wurde, also ausdrücklich keine Söldner waren, eine exemplarische Gussform davon ist der Bürgersoldat der napoleonischen Armee.
Der originale deutsche Volksbürger, in wilhelminischer Zeit hervor gebracht, ist eine Mischform gewesen, ein Bürgersoldat, der einem Offizierskorps unterstellt und unterworfen wurde, der eine ständische Identität aus vorbürgerlichen Zeiten (preußischer Junkerherrschaft) konserviert hatte. Die Nazis trachteten, das ständische Offizierskorps dem Konzept des Volksgenossen zu unterwerfen, wahrscheinlich dieselbe Bewegung, wie in der napoleonischen Armee, die allerdings vorübergehend in der Restauration unterbrochen worden ist, aber darüber weiß ich zu wenig. Die Vorbereitungsphase des WKII ist maßgeblich von dieser Umwidmung und Umwandlung geprägt gewesen, die ein eigenständiges Kriegsmotiv abgegeben hat (Revanchismus, Irredentismus, „Dolchstoßlegende“)
Es gibt gute Gründe, den Militarismus zum übelsten Moment des Faschismus zu erklären, das gilt gewiß auch für die US-amerikanische „Wehrkultur“.
Natürlich ist diese „Ableitung“ schmutzig, aber ich denke, die wesentlichsten Momente sind enthalten.
Unbezweifelbar gibt es zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen ein Spannungsverhältnis. Auch im Militär: In einer Biographie über Friedrich II gelesen (T.Blanning), wird deutlich gemacht, dass die autoritäre Führungsmethode Friedrich den Preußen immer wieder einen Vorteil vor den Habsburgern beschert hätte. Während Wien in Abstimmungen, höfischen Rücksichten und institutionellen Vermittlungen wertvolle Zeit verlor, konnte Friedrich unmittelbar handeln. Die Langsamkeit kollektiver Beratung unterlag der Entschlossenheit des Einzelnen
Friedrich II übernahm diese „Methode“ auch in seinen Regierungsgeschäfte: Er entschied im Allgemeinen selbst, verzichtete auf einen Hofstaat mit zahlreichen „Fachleuten“, die immer wieder mitreden wollten. Dadurch kam es zu nicht wenigen Fehlentwicklungen.
Oder die kommunistische Partei: es war nicht der geringste Fehler Stalins, das leninsche Parteienkonzept schrittweise in eine autoritäre Organisation zu überführen, in der die Diskussion ihren Eigenwert verlor und schließlich nur noch der Bestätigung bereits gefällter Entscheidungen diente. Jede politische Ordnung, die den Widerspruch beseitigen will, läuft Gefahr, zuletzt nur noch Gehorsam hervorzubringen.
Wenn es möglicherweise einmal gelingt, eine breite Debatte zu führen, die an einem bestimmten Punkt abgebrochen und durch Mehrheitsentscheid entschieden wird, besteht doch immer die Gefahr, dass ein Weit- und Vorausschauender die Zügel in die Hand nimmt….
Da es nie einen freiwilligen Zusammenschluss von freien Bürgern zu einem Staat gab und historisch das Modell, nachdem ein Kriegervolk ein anders überfallen, und als Herrscherschicht die so Unterworfenen dominierte, eher wahrscheinlich ist – war die Idee vom Volksgenossen der Versuch, den Unterworfenen weiszumachen, dass sie alle trotzdem dazugehören: „all men in one boat“ sozusagen. Es hat wenigstens 12 Jahre gehalten.
Ist zwar schon arg alt, was wir hier geschrieben haben, aber es ist mir doch ein Anliegen klarzustellen, dass ich weiß Gott kein Preußenfan bin. Die Kaste, die für das Gebilde steht, also die preußischen Junker, waren im Durchschnitt bösartig, brutal und unendlich dumm. Was sicher nicht für Bismarck oder Hardenberg gilt, aber im Normalfall waren es bornierte Dummköpfe, die ausreichend viel Unglück über die eigenen Leute und ihre europäischen Nachbarn brachten.
Nur, in der sehr kurzen Zeit, in der die Preußen, also die Menschen selbst, mitbestimmen konnten, was Preußen sein soll, hatten sie – jedenfalls zuletzt – einen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten, der durch einen Staatsstreich gestürzt wurde. Berlin war die röteste Stadt, dominiert von Sozis und Kommunisten. Schwer zu verstehen, warum die für Faschismus und Militarismus haftbar gemacht werden sollten.
Der Preußenschlag hatte durchaus das Ziel, die Herrschaft über 20.000 bewaffnete Polizisten zu erlangen, viele von ihnen Sozialdemokraten, die die letzte organisierte Kraft waren, die den Nazis hätten im Wege stehen können.
Unabhängig davon wäre es sehr nett gewesen, wenn die Auflösung Preußens tatsächlich den deutschen, keinesfalls preußischen, Militarismus hätte erledigen können. Sieht nicht so aus, als ob das gelang.
Mit 10.000 Zeichen und als Laie, der ich nun mal bin, Faschismus theoretisch zu durchdringen, ist wohl anmaßend. Dessen bin ich mir bewusst. Ich wollte halt gegen den offensichtlichen Unfug polemisieren, der aus Preußen die Mutter aller Nazis und aus den Ösis deren erste Opfer macht.
Falls das gegen mich geht, handelt es sich um ein Mißverständnis. Ich habe vom königlichen Preußen gered‘, wie es noch Leitformation des kaiserlichen Deutschen Reiches gewesen ist, nicht vom Freistaat Preußen in der Weimarer Republik.
Es ist auch kein Zufall, daß die populären Hochburgen der Nazis die habsburgisch geprägten Ländereien Bayern und Franken gewesen sind, aber das ist ein komplett anderes Thema.