
Kiesewetter und sein Feldzug gegen Russland.
„Um die Wahrheit zu sagen: … wenn Putin eskaliert – und dazu hat er jetzt die Chance – was bleibt dann von Europa? Nicht viel.“ – Gabrielius Landsbergis, Litauens Ex-Außenminister1
1. Regiert uns „eine Horde Irrsinniger“?
Wenn man manche Publikationen liest, so sähe es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben, der Zweite Weltkrieg gerademal vor ein paar Jahren zu Ende gegangen und als befänden wir uns immer noch inmitten des „Kalten Krieges“. Geschichtsvergessen, wie sie sind, beschwören sie die russische Bedrohung, vor der wir uns schützen müssen.
„Zwei katastrophal verlorene Weltkriege hat Deutschland hinter sich“, schrieb Helmut Wolfgang Kahn in seinem trotzigen Buch „Die Russen kommen nicht“ vor siebensundfünfzig Jahren 1969. „Es verlor sie, weil seine Machthaber die Realitäten nicht anerkennen wollten. In den ersten schlitterten die ehrenwerten Herren des Wilhelminischen Reiches mit Kriegszielen, die jeden Wirklichkeitssinn vermissen ließen. Danach wollte man die Niederlage nicht wahrhaben. Die Nazis machten sich daran, die entstandenen Realitäten gewaltsam zu verändern, unterschätzten wieder Deutschlands Umwelt und verloren den zweiten.“2
Und heute? Heute muten uns manche Volksvertreter mit ihren „geistreichen“ Ideen und Ideologemen einiges zu und man fragt sich verwundert, ob sie wie „die ehrenwerten Herren des Wilhelminischen Reiches“ ebenfalls „jeden Wirklichkeitssinn vermissen“ lassen.
Neulich veröffentlichte der CDU-Bundestagabgeordnete, Roderich Kiesewetter, der seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine zur zweifelhaften Berühmtheit geworden ist, zusammen mit seiner Coautorin, Susann Worschech, einen am 11. Mai 2026 im Focus erschienenen Gastbeitrag, der es in sich hat.
Allein der Titel dieser Kampf- und Schmähschrift „Europa muss auf die Kapitulation Russlands hinarbeiten“ spricht Bände und man fragt sich mit Max Weber irritiert: Regiert uns „eine Horde Irrsinniger“?
Als Folge der „Agitation der konservativen und alldeutschen Kreise für den verschärften U-Bootkrieg“ und in Sorge um den Kriegseintritt der USA schrieb Max Weber in der ersten Märzhälfte 1916 in einem den Parteiführern, Abgeordneten und dem Auswärtigen Amt zugestellten Brief über die deutsche Führung verzweifelt: „Inzwischen ist die Gefahr mit Amerika auf dem Höhepunkt. Und mir ist, als ob eine Horde Irrsinniger uns regierte.“3
Regiert uns wieder „eine Horde Irrsinniger“? Man hat den Eindruck, als ob die Autoren im falschen Jahrhundert lebten. Mit Verweis auf das Ende des Zweiten Weltkriegs ziehen sie eine unzulässige Parallele zwischen Nazideutschland und Russland und fordern Europa dazu auf, „auf die bedingungslose Kapitulation“ und „auf die ‚Stunde Null‘ Russlands hinzuarbeiten“. „Es wäre eine Kapitulation Europas, unserer gemeinsamen Freiheit und Demokratie“, „würden in Europa Grenzen durch Gewalt verschoben und das Recht des Stärkeren etabliert“. Die „russische Einflusszone würde sich (dann) ausbreiten“ und „die Nato wäre am Ende“, empörten sich Kiesewetter und seine Coautorin.
Offenbar lebte der Abgeordnete Kiesewetter in den vergangenen dreißig Jahren auf dem Mond und nicht auf dem Planet Erde und weiß nicht, dass Europa unter Führung des US-Hegemonen schon längst die „Grenzen durch Gewalt verschoben“ und „das Recht des Stärkeren etabliert“ hat.
Bereits mit dem Kosovo-Krieg 1999 etablierten die USA auch mit tatkräftiger Unterstützung Deutschlands eine Interventionspraxis unter Umgehung des UN-Rechts und machten die vom Völkerrecht geächteten Angriffskriege wieder salonfähig.
Mit dem Kosovo-Krieg wurde die UN-Nachkriegsordnung endgültig zu Grabe getragen, indem das höchste Prinzip der UN-Charta, die kollektive Friedenssicherung, de facto auf die „Friedensschaffung“ durch die von den USA dominierte unipolare Weltordnung überging. Es war nur folgerichtig vom Vorsitzenden des Beratungsausschusses beim US-Verteidigungsministerium, Richard Perle, 2002 seine „tiefe Besorgnis“ darüber zu erklären, dass den Vereinten Nationen das Recht zugesprochen werde, über Krieg und Frieden zu entscheiden, wo doch diese Berechtigung mit größerer Legitimation der Nato als der Gemeinschaft demokratischer Staaten zustünde (International Harald Tribune, 28.11.2002, S. 4).
Die Folgen dieser Transformation des Systems der kollektiven Friedenssicherung der UN-Charta in das System der US-amerikanischen „Friedensschaffung“ sind zahlreiche militärische US-Interventionen mit tatkräftiger Unterstützung der Nato-Staaten in Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Syrien, Jemen und nicht zuletzt ein fortwährender Drohnenkrieg überall und zu jeder Zeit in den vergangenen dreißig Jahren.
Die Opferzahlen der US-Interventionen und Invasionen nach dem 11. September 2001 wurden zwar offiziell weder erfasst noch veröffentlicht. Manche Untersuchungen beziffern sie aber auf mehrere Millionen.
Lässt man die vergangenen zweiundzwanzig Jahre (1999-2021) Revue passieren, so dürfen auch die Kriegsverbrechen der Nato-Staaten unter Führung des US-Hegemonen nicht unerwähnt bleiben: Allein im Irak wird die Opferzahl auf „etwa 2,4 Millionen Menschen“4 geschätzt. In Afghanistan „liegt die Zahl der seit 2001 auf beiden Seiten getöteten Afghanen bei etwa 875.000, minimal 640.000 und maximal 1,4 Millionen“ (ebd., 141). In Kombination mit Pakistan schätzt Nicolas J. S. Davies die Opferzahlen „bis Frühjahr 2018 auf etwa 1,2 Millionen getöteter Afghanen und Pakistanis durch die US-Invasion in Afghanistan seit 2001“ (ebd., 142).
Wie brutal diese Kriegsverbrechen waren, kann man nur erahnen, verschweigen doch die westlichen Massenmedien bewusst und absichtlich die ganze Brutalität der Nato-Kriegsführung vor der eigenen Öffentlichkeit. Gelegentlich können wir diese Brutalität an den blutrünstigen Überschriften zahlreicher US-amerikanischen Zeitungsartikel ablesen und nur mutmaßen, wie grausam die „friedensschaffenden“ US-amerikanischen Interventionen und Invasionen gewesen waren:
- „Bringing the Serbs to heel, a massive bombing attack opens the door to peace“ – cover of Time magazine (March 24, 1999).
- „Bombing Iraq Isn’t Enough“. By William Kristoland Robert Kagan (The New York Times, 30, 1998).
- „Bomb Syria, Even if It Is Illegal“. By Ian Hurd (The New York Times, 27, 2013).
- „To Stop Iran’s Bomb, Bomb Iran.“ By John R. Bolton (The New York Times, March 26, 2015).
Weiß unser verehrter Abgeordneter, Roderich Kiesewetter, nichts davon? Oder will er nichts davon wissen? Vermutlich weiß er nichts davon, sonst wäre er mit seinen Hasstiraden gegen Russland etwas vorsichtiger:
„Russland ist ein Terrorstaat, der von seinem imperialen Vernichtungswillen auch dann nicht ablässt, wenn er wirtschaftlich schwächelt. Es scheint unmöglich, dass dieses imperiale und in weiten Teilen totalitäre Russland zu einem Frieden bereit ist. Doch gibt es auch für Russland einen Weg zurück in eine zivilisierte und friedliche Welt: Der Weg dahin ist der militärische Sieg der Ukraine. Dies käme einer bedingungslosen Kapitulation Russlands gleich. … Warum erklären wir die russischen Geheimdienst- und Militärorganisationen nicht zu terroristischen Vereinigungen, die sie de facto sind, vor allem in den besetzten Gebieten der Ukraine, und ‚Russki Mir‘ zu einer terroristischen Ideologie? Warum nutzen wir nicht alle ökonomischen und diplomatischen Hebel, die wir haben, um das Regime in die Knie zu zwingen? Warum machen wir so weiter wie bisher und ertragen sogar ein ‚Russisches Haus‘ im Herzen Berlins, statt diese Diktatur- und Terrorfiliale zu enteignen und zu schließen?“ Und warum müssen wir, Herr Abgeordnete Kiesewetter, Ihre kriegstreibenden und die Völkerverständigung aufwiegelnden Hasstiraden ertragen? In welcher „zivilisierten und friedlichen Welt“ wollen Sie denn Russland zurückholen? Meinen Sie damit den sog. „Westen“, der in den vergangenen dreißig Jahren Millionen unschuldige Menschen abgeschlachtet hat?
Oder dienen Ihre Ausfälle womöglich dem Zweck, die Nato-Kriegsverbrechen, welche verheerende Spuren von Verwüstung, Zerstörung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten in den angegriffenen Staaten und Ländern hinterlassen haben, zu verharmlosen und auszublenden?
Folgt man Kiesewetters Hasslogik, dann sollte man, um dem Vorwurf der Doppelmoral nicht ausgesetzt zu werden, auch die Nato-Allianz schleunigst zur „terroristischen Vereinigung“ erklären und verbieten. Was aber seine Forderung angeht, auf „eine bedingungslose Kapitulation Russlands“ hinzuarbeiten, so ist sie mehr als nur Irrsinn. Sie bezeugt einen „Mangel an Urteilskraft“.
Und „der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen“ (Immanuel Kant).
2. „Asien an der Elbe“?
Dass wir achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges solche Hetze ertragen müssen, die nicht einmal das „Russische Haus“ in Berlin verschont und es als „Diktatur- und Terrorfiliale“ verunglimpft, ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern stachelt auch zum Hass auf.
Nazideutschland hat nicht nur sechs Millionen Juden grausam ermordet, sondern auch 27 Millionen Bürger der Sowjetunion, die im deutschen Vernichtungskrieg ihr Leben verloren haben.
Die kolossalen Zerstörungen des Sowjetstaates waren unbeschreiblich: „1.710 Städte wurden vernichtet, mehr als 70.000 Dörfer, 70.000 Kilometer des Eisenbahnnetzes, 4.100 Eisenbahnstationen, 427 Museen (von insgesamt 992), 40.000 Krankenhäuser, 43.000 Bibliotheken, 44.000 Theater, Klubs und Kulturräume, 84.000 Schulen und Forschungsinstitute; zusammen wurden 6 Millionen Gebäude verbrannt oder zerstört und 25 Millionen Menschen obdachlos“5, von Millionen Opfern ganz zu schweigen.
Davon will Kiesewetter nichts mehr wissen. Schlimmer noch: Er verschweigt die maßgebliche und ausschlaggebende Rolle des Sowjetstaates bei der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Nebulos schreibt er:
„Die Befreiung vom Faschismus gelang Deutschland nicht aus eigener Kraft, sondern es bedurfte der klaren, vorausschauenden und durchaus mutigen Strategie der Alliierten, um eine der Gewaltherrschaft erlegene, der faschistischen Ideologie blind folgende und ihr kulturelles und zivilisatorisches Erbe vollständig vergessende Gesellschaft wieder zu sich selbst zu führen. Churchill und anderen war bewusst, dass von Deutschland weiterhin Krieg ausgehen würde, solange das NS-Regime nicht vollständig zerschlagen würde – und dass dies vollen Einsatz erforderte.“
„Mutige Strategie der Alliierten“? Wer sind diese „Alliierten“? Ausgerechnet Churchill, dem Stalin nicht über den Weg traute und der die Sowjetunion wie die Pest hasste und die Eröffnung der zweiten Front bewusst so lange, wie es nur ging, verzögerte, erwähnt Kiesewetter und zeigt, wes Geistes Kind er ist. Und wer sind die „anderen“? Mit keinem Wort erwähnt Kiesewetters Schmähschrift die Sowjetunion – die eigentliche Bezwingerin Nazideutschlands – und betreibt damit eine Geschichtsklitterung.
Ohne die Sowjetunion wäre Deutschlands „Befreiung vom Faschismus“ undenkbar und unvorstellbar. Im Zweiten Weltkrieg besiegte und zerstörte die Rote Armee 506 deutsche Divisionen. Berücksichtigt man nicht nur Deutschland selbst, sondern auch seine Satellitenstaaten (Italien, Ungarn, Rumänien, Finnland), so erreicht die Gesamtzahl der an der sowjetisch-deutschen Front besiegten Divisionen 607–626 Einheiten.
Im Vergleich dazu vernichteten die Alliierten der Anti-Hitler-Koalition in allen anderen Kriegsschauplätzen (Westfront, Nordafrika, Italien und Pazifik) etwa 175 Divisionen. An der „Ostfront“ wurden mit anderen Worten bis zu 75 % aller Bodentruppen Nazideutschlands eliminiert, was den Beitrag der Alliierten, die etwa 175 Divisionen beträgt, deutlich übersteigt.
Ohne die Rote Armee wäre Deutschland vom Nazismus nie befreit. Das erwähnen Kiesewetter und seine Parteifreunde nicht. So hat Friedrich Merz in seiner Ansprache an die Bürger anlässlich des 8. Mai den entscheidenden Beitrag der Sowjetunion und der Roten Armee zum Sieg im Zweiten Weltkrieg nicht erwähnt.
Merz postete im sozialen Netzwerk X, dass der 8. Mai 1945 Millionen von Menschen die Befreiung gebracht habe, erwähnte aber mit keinem Wort diejenigen, die Europa vom Naziregime befreit haben.
Der Kanzler verschwieg bewusst die historische Rolle der Roten Armee, obwohl es zuallererst sowjetische Truppen waren, die Deutschland unter dem Verlust von Millionen Menschenleben befreiten.
Das scheint eine neue Geschichtspolitik der schwarz-roten Koalition zu sein, die historische Rolle der Roten Armee zu verschweigen und umso mehr eine „herausragende“ Rolle der Westalliierten zu unterstreichen.
Lieber spricht Merz vom „Kriegsverbrecher“ Putin, der uns „angreift“, als von der Befreiung Deutschlands durch die Rote Armee. „Wir nennen es hybride Kriegsführung“, sagte er in der TV-Sendung „Maischberger“ am 1. Juli 2025. „Russland greift uns heute schon an. … Wir haben Brandanschläge. Was jetzt in Kasernen in den jüngsten Tagen stattgefunden hat, die Spuren führen fast allesamt nach Russland. Deswegen müssen wir uns dagegen wehren.“6
Es ist nicht bekannt, dass Russland uns angegriffen und unzählige deutsche Soldaten und Zivilisten umgebracht hat, wohl aber können wir davon ausgehen, dass Merz als Kriegsfinanzierer und Waffenlieferant der Ukraine dazu beigetragen hat, unzählige russische Soldaten und Zivilisten umzubringen.
Seitdem die schwarz-rote Koalition die Regierungsverantwortung übernommen hat, betreiben Merz und Co. eine Russlandpolitik, als würde es „den Tag danach“ nie mehr geben, und als hätte die längst als tot geglaubte „Stahlhelm-Fraktion“ des „Kalten Krieges“7 in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das Zepter der Macht übernommen.
Darum ist Oskar Lafontaines Feststellung nicht ganz von der Hand zu weisen, dass nämlich „der heute noch von CDU-Politikern wie Friedrich Merz, Johann Wadephul oder Roderich Kiesewetter gepflegte Russenhass … nicht zuletzt auf Konrad Adenauer zurück(geht), der 1946 wie Patton ‚Asien an der Elbe‘ sah und ständig vor der sowjetischen Gefahr warnte.“8
„Ihr wollt Russland zur Kapitulation zwingen? Na los, zeigt mir, wie!“
„Ein Sieg der Ukraine ist weiter möglich – doch bislang verhindert das Fehlen einer entschlossenen europäischen Strategie und der umfassenden Unterstützung der Ukraine durch Europa das effektive Zurückdrängen Russlands. Derzeit gewinnt die Ukraine militärisch jedoch einen leichten Vorteil“, behaupten der Oberst außer Dienst, Kiesewetter, und die Sozialwissenschaftlerin, Dr. Susann Worschech, die „seit rund 20 Jahren zur Ukraine, mit Schwerpunkten auf Zivilgesellschaft, Demokratisierung, Resilienz und sozialem Wandel in Mittel- und Osteuropa (forscht)“ und „kommunalpolitisch für die Grünen aktiv (ist)“.
Welcher „leichter Vorteil“ das sein soll, verraten sie allerdings nicht. Umso mehr treten sie jetzt als „Militärstrategen“ auf. Unter der Überschrift „Europa braucht ein neues strategisches Ziel“ entwickeln Kiesewetter und Worschech, „endlich ein strategisches Ziel“, das „die bedingungslose Kapitulation Russlands“ herbeiführen muss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Und wie wollen sie diese „bedingungslose Kapitulation Russlands“, dessen Gesellschaft laut den „Militärstrategen“ und „Russlandexperten“ Kiesewetter und Worschech „sich derzeit kaum aus eigener Kraft aus Gewaltherrschaft und Ideologie lösen kann“, erreichen?
Ganz einfach! Man muss „Gewaltherrschaft und Ideologie“ beseitigen. Aber wie? Und vor allem: Was verstehen sie überhaupt darunter? Das verraten sie uns ebenfalls nicht. Warum auch? Das weiß doch jedes Kind! Oder nicht?
Mantraartig wiederholen unsere „Militärstrategen“ die gleiche Parole: „Das strategische Ziel Europas muss die bedingungslose Kapitulation Russlands sein: der vollständige Rückzug aus der Ukraine, das Ende imperialer Ambitionen und eine Abkehr von der ‚Russki-Mir‘-Ideologie.“
„Wie lässt sich diese Kapitulation erreichen?“, fragen Kiesewetter und Worschech und schlagen zwei Strategien vor:
- Die erste lautet: „Nato-Staaten sowie die EU- und EFTA-Staaten, deren Bruttoinlandsprodukt zehnmal höher liegt als das Russlands, haben die wirtschaftliche Kraft, Russlands Kriegsfinanzierung nicht nur zu beschneiden, sondern Sanktionen auch konsequent durchzusetzen.“ Sehr „geistreich“! Nach vier Jahren erfolgslosen Wirtschaftssanktionen möchte sie weiterhin dasselbe tun, um ein anderes Ergebnis zu erzielen.
Da möchte man unseren „Militärstrategen“ mit einem Albert Einstein zugeschriebenen Spruch zurufen: „Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut und dabei andere Ergebnisse erwartet.“
- Die zweite Strategie ist noch „geistreicher“ und ist dem „Kalten Krieg“ entnommen: „Warum sollte man nicht auch versuchen, in ganz Russland wieder Radio Free Europe/Radio Liberty … auszustrahlen, auf Russisch natürlich? Warum denken wir nicht darüber nach, wie wir jene erreichen, die Krieg und Misswirtschaft satthaben, aber in Putins Diktatur handlungsunfähig sind? Warum fordern wir nicht den Abzug russischer Nuklearwaffen aus Kaliningrad und eine Reduzierung der russischen Streitkräfte als Vorbedingung für Verhandlungen?“ Ja, warum eigentlich nicht? Weil wir eben nicht im 20. Jahrhundert leben und weil Russland keine Sowjetunion mehr ist!
Kiesewetter und Worschech leben, wie gesagt, in einem falschen Jahrhundert, das mit der russischen Realität des 21. Jahrhunderts wenig zu tun hat. Russen sind im Übrigen besser über ihr Land und die Außenwelt informiert, als die Mehrheit der Deutschen hierzulande.
Wie dem auch sei, mit diesen beiden Pseudo-Militärstrategien ist keinen Blumentopf zu gewinnen, geschweige eine „bedingungslose Kapitulation“ Russlands zu erzwingen.
Mit „Radio Free Europe/Radio Liberty“ möchten sie gegen Russlands Raketenüberlegenheit und größtes Atomwaffenarsenal ankämpfen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zuvor vernichtet zu werden. Man kann dabei dem Oberst außer Dienst und der Sozialwissenschaftlerin nur viel Erfolg wünschen.
Vielleicht sollten sie zunächst, bevor sie an die Arbeit gehen und sich in einen „gerechten Krieg“ (bellum iustum) zur Vernichtung des „Diktators“ Putin stürzen, einen Rat vom Director of Grand Strategy am Quincy Institute for Responsible Statecraft und ehem. CIA-Russlandanalysten, George Beebe, holen.
Der Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs“, Fjodor Lukjanow, sprach mit George Beebe am 29. September 2025 in der Sendung „International Review“ (Russia 24). Es ging um Trumps Äußerungen, die Russland als „Papiertiger“ bezeichnete und der Ukraine einen vollständigen Sieg versprach.
Auf Lukjanows Frage, wie er diese Äußerungen beurteilt, sagte Beebe: Trump sei „zutiefst frustriert darüber, dass die Konfliktparteien keine Bereitschaft zu einem echten Kompromiss zeigen. Ein Teil dieser Frustration richtet sich gegen Russland. … Er ist sicherlich auch über die Ukraine und vor allem über Europa frustriert. … Trump mahnt die Europäer an, realistisch zu sein …, um diesen Krieg wirklich beenden zu können.“
Auf Lukjanows Nachfrage, was er damit meint, sagte Beebe: Die Europäer „wollen Russland zur Kapitulation zwingen? Na los, zeigen Sie mir, wie Sie das anstellen wollen“ (Вы говорите, что хотите принудить Россию к капитуляции? Ну давайте, покажите, как вы это сделаете?).
„Ich glaube“, fuhr Beebe fort, „Trump gibt ganz offen zu, dass die Europäer bluffen, und sie können das nicht widerlegen. Aus offensichtlichen Gründen können sie weder Zölle auf Indien und China erheben, noch können sie die russischen Energielieferungen komplett einstellen. Kurz gesagt, all das sind Mittel, um die Europäer mit der Realität zu konfrontieren.
Im Grunde sagt Trump den Europäern: Ihr wollt den Krieg fortsetzen? Na gut! Unterstützt die Ukrainer und tragt die Last. Ihr behauptet, russische Drohnen würden nach Polen und Rumänien fliegen und russische Flugzeuge würden in den estnischen Luftraum eindringen? Gut, dann unternehmt etwas dagegen. Seid ihr verärgert? Erwartet nicht, dass die USA etwas für euch tun. Übernehmt selbst Verantwortung.“
„Russlands größte Sorge ist nicht“, meinte Beebe zum Schluss, „dass es den Krieg auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen wird. Russland führt seit Langem einen Abnutzungskrieg und unternimmt keinerlei Versuche, nennenswerte Fortschritte zu erzielen oder weiteres Territorium zu erobern. Russland versucht vielmehr, die ukrainischen Streitkräfte zu erschöpfen und westliche Waffendepots zu leeren. Aus dieser Perspektive scheint Russland darin erfolgreicher zu sein als beim Vorrücken an der Front. …
Um in der entstehenden multipolaren Welt eine vollwertige Rolle zu spielen, benötigt Russland aber sowohl Ost als auch West. Um dies zu erreichen, muss der Militäreinsatz in der Ukraine beendet werden. Ein Kompromiss muss die Einhaltung der roten Linien Russlands und die Achtung seiner vitalen Interessen gewährleisten und gleichzeitig die Sicherheitsbedenken der Ukraine und Europas berücksichtigen.“
Beebes Analyse der russischen Militärstrategie und der Entwicklung an der Front aus dem September 2025 ist realpolitischer Natur, zeigt Realitätssinn und steht im Gegensatz zu Merz, Wadephul und Kiesewetter in der Tradition des Neorealismus eines John J. Mearsheimers.
Wer aber wie Kiesewetter in der deutschen Russlandpolitik allein und ausschließlich das Ziel vor Augen hat, eine „bedingungslose Kapitulation“ Russlands zu erzwingen und „auf eine ‚Stunde Null‘ Russlands hin(zu)arbeiten“, dem kann man nur viel Erfolg wünschen und mit Beebe zurufen: „Ihr wollt Russland zur Kapitulation zwingen? Na los, zeigt mir, wie!“
Anmerkungen
- Landsbergis, G., „Europa erwartet, dass Merz die Führung übernimmt“. Handelsblatt-Interview, 27. Feb. 2025, S. 9. Zitiert nach Silnizki, M., Russland und Europa. Lieber Krieg als Frieden? 9. März 2025, www.ontopraxiologie.de.
- Kahn, H. W., Die Russen kommen nicht. Fehlleistungen unserer Sicherheitspolitik. München/Bern/Berlin 1969, 13.
- Weber, M., Der verschärfte U-Bootkrieg, in: ders., Gesammelte politische Schriften (Hg. J. Winckelmann). Tübingen 1958, 143-151 (143 FN 1).
- Davies, Nicolas J. S., Die Blutspur der US-geführten Kriege seit 9/11: Afghanistan, Jemen, Libyen, Irak, , Somalia, Syrien, in: Mies, U. (Hrsg.), Der tiefe Staat schlägt zu. Wie die westliche Welt Krisen erzeugt und Kriege vorbereitet. Wien 22019, 131-152 (132).
- Zitiert nach Karlheinz Deschner, Der Moloch. „Sprecht sanft und tragt immer einen Knüppel bei euch!“. Zur Amerikanisierung der Welt. Stuttgart und Wien 1992, 283.
- Zitiert nach Silnizki, M., Friedrich Merz in seinem Element. Unterwegs mit einem außenpolitischen Abenteurer, 13. Juli 2025, www.ontopraxiologie.de.
- Näheres dazu Silnizki, M., Russlandpolitik unter Kanzler Merz. Posieren statt Regieren? 3. August 2025, www.ontopraxiologie.de.
- Lafontaine, O., Russenhass ist deutsche Staatstradition. Die Weltwoche Deutschland, Nr. 03.26, 16.01.26.



Herr Kiesewetter gehört ins Gefängnis bzw. vor ein internationales Kreigstreibertriunal in Den Haag!
Carl von Ossietzky ( * 3. Oktober 1889 in Hamburg; † 4. Mai 1938 in Berlin )
Friedensnobelpreisträger 1935, Pazifist
„Nach der Sintflut?
[… ]
Die nationalsozialistische Bewegung ist weder durch die Bedeutung ihrer Führer noch durch die Überzeugungskraft ihrer Programme groß geworden, sondern durch die verbrecherische Unzulänglichkeit einer Pseudodemokratie und die Feigheit eines parlamentarischen Regimes, das niemals gewagt hat, eines zu sein. […]
Nun, so gemütlich ist die Weltgeschichte denn doch nicht. Mag Hitlers Aktivität zeitweilig gelähmt, mag er selbst völlig demoliert sein, noch besteht alles das, was ihn hat groß werden lassen, noch ist nichts Entscheidendes gegen die Wirtschaftsnot geschehen, und noch immer spreizt sich eine Politikergarnitur, deren ahnungslose Selbstgefälligkeit die jüngere Generation in Massen in einen hoffnungslosen nationalistischen Desperatismus getrieben hat. […]
Über den Fortwurstlern, den Deserteuren und Etappenhengsten der Demokratie leuchtet nicht das Zeichen des neuen Bundes. Denn sie selbst wollen ja nichts Neues, sondern nach beendeter Fahrt nur ihren alten Trödel fortsetzen.“ ( Carl von Ossietzky, „Nach der Sintflut?“, in: „Die Weltbühne“, 27. Jgg., Nr. 15, 14. April 1931 )
( Auslassungen [ ] im Ossietzky-Zitat von mir / RW. )
https://archive.org/details/DieWeltbhne27-11931/page/518/mode/2up
Ferner bin ich der Auffassung: Kein deutscher Staatsbürger sollte sich für diesen Staat oder die sog. ‚Westliche Un-Wertegemeinschaft‘, den die ÖRR propagandistisch unterstützen ( u. a. durch Propaganda-Formate wie https://www.ardmediathek.de/sendung/die-100-was-deutschland-bewegt/Y3JpZDovL25kci5kZS80OTU0 ) und für den diese wie auch Kiesewetter insbesondere stehen, auch durch tätiges Nichttun / Verschweigen ( NATO-Osterweiterung als eine Kriegsursache ), Verdrehen von ( vermeintlichen ) Tatsachen, in welchem Pazifistinnen und Pazifisten u. a. Gruppen systematisch straffrei diffamiert werden, zu welchem Dienst auch immer zur Verfügung stellen – womöglich noch sein Leben riskieren, welches deutsche Politik leichtfertigst aufs Spiel setzt seit dem Jahre 2001 bzw. dem 24.02.2022.
1914 und davor gehörte die kaiserliche deutsche Armee und den wichtigsten Machtfaktoren Europas!
Die Deutschen hatten, wie wir im Pott sagen, „große Fresse“, riskierten den großen Krieg und verloren mit Pauken und Trompeten, in Deutschland blieb alles intakt.
1939 hatten die Deutschen die stärkste Armee und Luftwaffe Europas, hatten „große Fresse“, riskierten den nächsten großen Krieg, verloren ihn mit Pauken und Trompeten, in Deutschland lag alles in Trümmern!
JETZT haben wir „große Fresse“ OHNE eine entsprechende Armee zu haben und in absehbarer Zeit auch nicht haben werden.
1914 und 1939 waren wir kriegstüchtig bei bekanntem Ergebnis!
Jetzt sollen wir erst kriegstüchtig werden, um dann Krieg gegen die Atommacht Russland zu führen!
Die „große Fresse“ haben wir allerdings vorsorglich jetzt schon, wie es bei erlangter Kriegstüchtigkeit dann ausgehen wird…….nun ja, man bekommt wohl extrem hohe Quoten, wenn man auf
Deutschland setzt!
1914 und davor gehörte die kaiserliche deutsche Armee und den wichtigsten Machtfaktoren Europas!
Die Deutschen hatten, wie wir im Pott sagen, „große Fresse“, riskierten den großen Krieg und verloren mit Pauken und Trompeten, in Deutschland blieb alles intakt.
1939 hatten die Deutschen die stärkste Armee und Luftwaffe Europas, hatten „große Fresse“, riskierten den nächsten großen Krieg, verloren ihn mit Pauken und Trompeten, in Deutschland lag alles in Trümmern!
JETZT haben wir „große Fresse“ OHNE eine entsprechende Armee zu haben und in absehbarer Zeit auch nicht haben werden.
1914 und 1939 waren wir kriegstüchtig bei bekanntem Ergebnis!
Jetzt sollen wir erst kriegstüchtig werden, um dann Krieg gegen die Atommacht Russland zu führen!
Die „große Fresse“ haben wir allerdings vorsorglich jetzt schon, wie es bei erlangter Kriegstüchtigkeit dann ausgehen wird…….nun ja, man bekommt wohl extrem hohe Quoten, wenn man auf
Deutschland setzt!
Sie tun mit Max Weber „Irrsinnigen“ also in medizinischem Sinne psychisch Kranken Unrecht.
Kiesewetter und seine geistigen Spießgesellen sind Lobbyisten einer transatlantisch ferngesteuerten Billionen-$/€-Rüstungsindustrie (des Militärisch-Industriellen Komplexes) und handeln im vollen Bewusstsein.
Reden und Schriften dieser Art lassen die Aktienkurse der Kriegsspekulanten steigen oder halten sie auf hohem Niveau.
Es wäre auch ein Ziel politischer Reformen, dass Abgeordnete und Regierungsmitglieder (aber auch „Professoren“ wie Carlo Masala) ihre Beteiligungen an Rüstungsfirmen und -investmentgesellschaften offenlegen müssen. Nur so können wir Gelegenheits-Ankreuzer (vulgo: Wähler oder Souverän) die wahren Motive solcher Figuren wie Kiesewetter Roth Strack-Zimmermann usw. auf due Spur kommen
Ich fände es sinnvoll, wenn der Straftatsbestand der Vorbereitung eines Angriffskriegs erweitert würde um der Artikel rhetorische Kriegstreiberei. Dann könnte man Leuten, wie Kiesewetter, einer gerechten Strafe zuführen. Das würde mir eine gewisse Genugtuung verschaffen, ist derzeit allerdings reine Illusion.
Wurden die Deutschen im Jahr 1916 von einer Horde von Irrsinnigen regiert? Eigentlich nicht, da war ein Führer. Es war da schon eine Militärdiktatur unter Erich Ludendorff, offiziell im Doppelpack mit Paul von Hindenburg. Der Kopf allerdings war Ludendorff, der nach dem Führerprinzip handelte. Das Dritte Reich hatte hier eine Vorlage. Wie Weber richtig feststellte, hat dieses Verhalten den Kriegseintritt der USA nach sich gezogen.
Die SPD, die die Kriegskredite bewilligt hatte, war da schon komplett entmachtet. Das Parlament und auch der Kaiser hatten da schon nichts mehr zu sagen. Immerhin hat sich im Jahr 2017 eine USPD gegründet, um die Fehler von 1914 wieder gut zu machen. Ist heute eine USPD in Sicht? Ich sehe keine. Die Kriegspropaganda ist noch um einiges dichter als 1916.
Weber würde heute fragen: werden wir von einem Tiefen Staat regiert, der im Geiste Ludendorffs agiert? Meine Antwort wäre ein simples Ja.
Zitat:
„Weiß unser verehrter Abgeordneter, Roderich Kiesewetter, nichts davon? Oder will er nichts davon wissen? Vermutlich weiß er nichts davon, sonst wäre er mit seinen Hasstiraden gegen Russland etwas vorsichtiger“
Oh doch, er weiß es. Das macht den Irrsinn ja um so schlimmer.
Zitat:
„Oder dienen Ihre Ausfälle womöglich dem Zweck, die Nato-Kriegsverbrechen, welche verheerende Spuren von Verwüstung, Zerstörung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten in den angegriffenen Staaten und Ländern hinterlassen haben, zu verharmlosen und auszublenden?“
VIelleicht sieht dies Kiewetter nicht als Kriegsverbrechen. Schließlich wurden sie ja von den „Guten“ begangen und selbstverständlich nur, um diesen Ländern „Demokratie“ bezubringen.
Zitat:
„Davon will Kiesewetter nichts mehr wissen. Schlimmer noch: Er verschweigt die maßgebliche und ausschlaggebende Rolle des Sowjetstaates bei der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus.“
Da ist Kiesewetter ja noch harmlos. Es sind die EU-Granden, die hier den Vogel abschießen:
„Vor 75 Jahren haben die Alliierten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit.“
Das steht allen Ernstes immer noch so auf folgender Seite der EU:
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/statement_20_90
Man lese dazu auch:
https://www.infosperber.ch/politik/europa/tanzt-von-der-leyen-nach-us-oder-polnischer-geige/