Attentäterin von Monaco wurde in Kiew von einem Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes ermordet

Die Attentäterin Berezovska wurde in der Ukraine ermordet. Bild: Interpol

Wir hatten über den Mordanschlag auf den ukrainisch-jüdischen Oligarchen Vadym Yermolayev in Monaco am 29. Juni berichtet. Es ist eine Geschichte, die einiges über die Situation in der angeblich Europa und die Freiheit verteidigende Ukraine verrät. Eine als Mann verkleidete Frau hatte vor der Wohnungstür Sprengstoff deponiert und detonieren lassen, als der Oligarch mit seiner Freundin und einem seiner Söhne das Haus verließ. Die Frau wurde so stark verletzt, dass ihre Füße amputiert werden mussten, ob sie überleben wird, ist unsicher. Der 13-jährige Sohn und sein Vater wurden auch schwer verletzt. Die Täterin nahm den „Kollateralschaden“ hin, da sie gesehen haben muss, dass Yermolayev nicht alleine war.

Als Täterin wurde die in Frankfurt am Main lebende 39-jährige Ukrainerin Anastasiia Berezovska verdächtigt, die nach dem Anschlag mit einem Mietauto nach Deutschland gefahren. Danach war sie erst einmal von der Bildfläche verschwunden. Die Polizei in Monaco vermutete von Anfang an, dass ukrainische Geheimdienste in den Mordanschlag verwickelt sind. Allerdings ist auch sein älterer Sohn an Betrugskriminalität mit Call-Centern in der Ukraine beteiligt, inwieweit Yermolayev, der in den 1990er Jahren sicher nicht nur mit sauberen Mitteln an seinen Reichtum wie viele andere Oligarchen in der Ukraine und Russland kam, selbst in kriminelle Aktivitäten verwickelt ist, ist noch nicht bekannt.

Aufgrund politischen Drucks hat Yermolayev 2019, manchmal heißt es auch 2019, seine ukrainische Staatsbürgerschaft abgelegt und die zypriotische angenommen. Man nimmt an, er hat auch die israelische. 2022 zog er nach Monaco, wo sich auch andere ukrainische Reiche und Politiker angesiedelt hatten. Zynisch sprach man in der Ukraine vom „Bataillon Monaco“ 2023 wurde er von Selenskij mit Sanktionen belegt, weil er angeblich eine Firma auf der Krim nach 2014 weiter betrieb, was er bestreitet, und übertrug seine Firmen seiner Tochter, da er keine Geschäfte in der Ukraine mehr ausführen durfte.

Auch die ukrainische Staatsanwaltschaft startete nach dem Anschlag am 1. Juli mit Ermittlungen. Am selben Tag reiste die Verdächtige in die Ukraine. Gestern war ihre Leiche mit Schusswunden am Kopf in der Nähe von Kiew vergraben aufgefunden worden. Die Ermittlungen hatten herausgefunden, dass sie in der Ukraine nicht nur mit ihrer Familie, sondern auch mit einem ehemaligen Polizisten und einem aktiven Offizier des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR in Kontakt stand. Sie hatten ihr wiederholt Geld auf ihr Bankkonto und eine Kryptowährungs-Wallet überwiesen. Beide wurden verhaftet. Der Auftraggeber ist bislang unbekannt. Die Frage wird sein, ob er jemals aufgedeckt wird. Die Exekution von Berezovska, die seit 2022 in Deutschland lebte und wahrscheinlich als „Wegwerf-Agentin“ angeheuert wurde, dürfte auch als Abschreckung gedacht sein.

Strana will von Informanten der Strafverfolgungsbehörden erfahren haben, dass der Mordanschlag die Auftraggeber 150.000 US-Dollar gekostet habe. Berezovska selbst erhielt davon 8000 US-Dollar, weitere 5000 US-Dollar wurden für Reisekosten verwendet.

Der festgenommene GUR-Offizier behauptete während eines Verhörs, so eine Mitteilung der Ermittlungsbehörden, er habe seine Vorgesetzten weder über seine Kontakte zu Berezovska noch über die Geldüberweisung an sie oder sonstige Handlungen informiert. Er soll den Mord an der Frau gestanden und angeblich eigenmächtig gehandelt haben. Unklar ist, wann der Mord geschah und warum der GUR-Offizier sie beseitigen wollte. Mitgeteilt wurde lediglich: „Aufgrund der Aussage eines der Komplizen wurde ein Ermittlungsexperiment durchgeführt, und die Leiche von Berezovskaya A. wurde mit Schusswunden am Kopf und Pistolenpatronen gefunden.“ Abgesehen davon bleibt im Dunklen, wie Berezovska als von Interpol gesuchte Person in die Ukraine ungehindert einreisen konnte. Geschah dies mit der Hilfe des Geheimdienstes oder anderer Behörden? Warum wurde sie dann nicht festgenommen, wenn man schon ihre Kontakte ermittelt hatte?

Das schnelles Geständnis des GUR-Offiziers könnte die Vermutung aufkommen lassen, dass der Fall schnell „geklärt“ werden soll, um die Auftraggeber im Dunklen zu lassen. Schließlich war an den Ermittlungen neben der Nationalpolizei und dem Inlandsgeheimdienst SBU auch der Militärgeheimdienst beteiligt. Dessen Chef Oleg Ivashchenko leitet persönlich die Ermittlungen. Von einer unabhängigen Ermittlung kann man da nicht sprechen. Zudem wurde bei dem Ex-Polizisten ein Kellerraum entdeckt, der nach Angaben der Ermittlungsbehörden wie eine Folterkammer aussieht. Die Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichte ein Video von dem Keller, in dem Blutspuren zu erkennen sind. Gut möglich, dass Berezovska hier vor ihrer Hinrichtung gefangengehalten wurde.

Der Journalist Anatoli Sharii, der im Exil in Spanien lebt und dort einem Anschlag entgangen ist, geht davon aus, dass der Militärgeheimdienst verantwortlich ist: „Die Mörder der Auftragskillerin aus Monaco erhielten klare Anweisungen, was sie bei den Verhören aussagen sollten. Andernfalls würden ihre Finger einer nach dem anderen verschwinden, und vor allem würden ihre nahen Angehörigen verschwinden. So handelten sie eigenständig als Teil einer kriminellen Vereinigung, die innerhalb der GUR organisiert war.“ Er meint, es ginge darum, die Betreiber der betrügerischen Call Center dazu zu bringen, einen Anteil an das Büro des Präsidenten abzugeben. Aber das ist pure Spekulation.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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3 Kommentare

  1. Zu dem was u.a. in der West-Bank passiert (Montag 06.07.2026) :
    Die Siedler greifen in Umm al-Khair an und verletzen mehrere Palästinenser. Das Militär zerstört in Al-Mughayir, nordöstlich von Ramallah eine landwirtschaftliche Hütte (modernes Fertiggebäude). Die Siedler greifen Surif, nordwestlich von Hebron, an und verbrennen ein Nutzgebäude. Die Siedler beschädigen in Khallet Al-Hummus, südlich von Yatta eine Hauptstromzufuhr und es überfährt ein Siedler die Schafe (Tierquälerei und Schaden an den Tieren). Die Siedler werfen in Ramallah mit Steinen auf ein Kraftfahrzeug. Die Siedler lassen ihre Kühe auf die Felder der Palästinenser (Masafer Yatta).
    Die Siedler fahren in Turmus Ayya, nördlich von Ramallah auf der Strasse (Belästigung von Palästinensern durch Schreien auf der Strasse). Die Siedler begeben sich in die Ortschaft Al-Taybeh, östlich von Ramallah. Die Siedler werfen auf der Strasse nach Salfit von einer Brücke mit Steinen auf die vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge. Ungefähr dreissig Siedler greifen das Zuhause der Al-Hathaleen-Familie an und verletzen mehrere Palästinenser (Umm Al-Khair in Masafer Yatta). Diese Familie wurde mehrfach angegriffen und es hat das Militär die Gegend als geschlossene Militärzone deklariert und nun kann man nicht in das Zuhause rein oder raus (evtl. Vertreibung). Es wirft ein Militär in Jerusalem eine Blendgranate in ein Kraftfahrzeug und drückt von aussen die Fahrertür zu (das sieht man auf dem Video). Das Militär schiesst in Ar’ara in der Al Naqab-Gegend im Süden auf ein Kraftfahrzeug mit Palästinensern (drei Verletzte). Die Siedler greifen in Aqraba an und verletzten einen Palästinenser. Die Siedler haben die Zuhause, Felder und das Eigentum der Palästinenser in mehreren Ortschaften angegriffen (Sonntag).
    Das Militär zerstört in Madama, südlich von Nablus dutzende oder hunderte von Oliven-, Mandel-, Feigenbäume und Kakteen (angeblich zu nahe an der Strasse, über den Landwirt und dessen Meinung wird nicht berichtet). Das Militär begibt sich nach Hizma, nördlich von Jerusalem. Das Militär begibt sich nach Anin, westlich von Jenin. Das Militär begibt sich nach Al-Bireh. nördlich von Jerusalem und entwurzelt Olivenbäume. Das Militär wirft im Shuafat-Flüchtlingslager, nördlich von Jerusalem mit Tränengas. Das Militär begibt sich nach Salfit, nach Al-Mughyir und nach Taqoua‘. Das Militär schiesst in Al-Ram und verletzt einen Palästinenser. Das Militär durchsucht in Hebron das Zuhause und verhaftet Ibrahim Alyan al-Qawasmi, 15. Das Militär erschiesst im Qalandia-Flüchtlingslager Walid Nidal Walid Abu Sneineh, 16 und verletzt zwei andere Minderjährige. Das Militär lässt an einem Checkpoint eine Familie nicht weiterfahren zur Notaufnahme und Ahmed Zaid (3 Monate) stirbt.

    Das Militär greift im Libanon in Nabatieh Al-Fawqa ein Kraftfahrzeug an und ermordet Esperanza Fakhri Ghandour (Rektorin einer Schule) ihren Ehemann und zwei andere. Es werden im Libanon in Ortschaften oder Städten die Wohngebäude zerstört.

    Zu dem was in Gaza passiert:
    Dr. Hussam Abu Safiya wird im Gefängnis geschlagen (angeblich mit einem Hammer, er hat Blutergüsse und andere Verletzungen u.a. auch am Kopf und ist in Einzelhaft).
    Das Militär verübt Luftangriffe auf die nördlichen Gegenden von Gaza-Stadt und einen Luftangriff auf ein Kraftfahrzeug südlich von Deir-al-Balah. Es werden bei einem Angriff in der südöstlichen Gegend von Gaza-Stadt in Tel al-Hawa auf ein Wohngebäude Mohammed Falah Doghmosh und seine Ehefrau getötet. Das Militär verübt einen Luftangriff auf ein Kraftfahrzeug in Al-Mawasi und tötet zwei Menschen (mehrere Verlezte). Das Militär bombardiert ein Fischerboot am Strand von Gaza-Stadt und verletzt drei Fischer aus der Abu Rayala-Familie. Es werden bei einem Luftangriff auf ein Zelt in Al-Mawasi Ashraf Al-Amassi und ein anderer getötet.
    Das Militär schiesst auf die Zelte in Al-Mawasi und es gibt einen Verletzten. Das Militär schiesst in der Gegend westlich von Jabalia auf die Unterkünfte von Vertriebenen. Das Militär beschiesst das Al-Zaytoun-Viertel in Gaza-Stadt und die nordöstlichen Gegenden in Beit-Lahia. Das Militär schiesst mit Leuchtraketen in Beit-Lahia. Es erschrecken die Vertriebenen weil nach diesem Erleuchten im Dunkeln manchmal Bombardierungen folgen. Die Wohngebäude werden zerstört. Es gibt bis zum Mittag sechs Tote und zwanzig Verletzte.

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Die Kriegsverbrechen an den Palästinensern werden immer noch begangen.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    1. Overton, es reicht!!!

      Was soll dieser andauernde Mißbrauch des Forums durch eine bestimmte Person? Und wieso wird das immer anstandslos veröffentlicht?
      Was ist mit:

      „Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema.“ ??

  2. Zum Thema:

    Laut Tass, und ich denke, die liegen richtig, sind in der Ukraine Machtkämpfe am Laufen. Das Ziel des Anschlages in Monaco, Jermolajev, ist (war?) der Finanzier von Waleri Salushni. Das ist der ehemalige Armeechef der Ukraine, der von Selenski entlassen und auf den Posten des Botschafters in London abgeschoben wurde, weil er ihm gefährlich wurde. Er zeigte nämlich deutliche Absichten, als Präsident zu kandidieren – gegen Selenski, den in der Ukraine keiner mehr haben will. Und darum gehts wohl auch aktuell.

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