Argentinien: Keine brennenden Autos

Demo am 20. Februar in Buenos Aires.
Demo am 20. Februar in Buenos Aires. Obwohl das neue Gesetz massiv in die Arbeitnehmerrechte eingreift und an der Macht der Gewerkschaften rütteln wollte, hielt sich der Widerstand dagegen in Grenzen. Der Dachverband CGT musste förmlich zu der Entscheidung getragen werden, eine Demonstration zu organisieren. Bild: Gaby Weber

 

Weitere Flexibilisierung des Arbeitsrechts. Reallohn und Renten sinken rapide, während die Inflation steigt und Korruptionsskandale die Milei-Regierung prägen. Trotzdem regt sich kaum Widerstand.

 

Die Volksversammlungen waren vor 25 Jahren Horte des Widerstands. 2001 hatte Argentinien, bis dahin Vorzeigekandidat des Internationalen Währungsfonds (IWF), Staatsbankrott anmelden müssen; Bankkonten wurden eingefroren, die Volkswirtschaft brach zusammen und in den Stadtvierteln organisierten die Nachbarn den Widerstand – normale Bürger, die plötzlich auf die Barrikaden gingen, weil nichts mehr ging. Diese Asambleas sollen jetzt in Buenos Aires wiederbelebt werden.

Am Samstag setzten sich die Leute, die damals schon dabei waren, im zentral gelegenen San Telmo zusammen, nicht normale Bürger, sondern Aktivisten aus der sozialen Bewegung, Basisgewerkschafter, Linke, Feministinnen. Über 60 Personen erschienen – das Durchschnittsalter lag um die 75 – aber auch einige Jugendliche waren gekommen, denn die derzeitige Krise ist schlimmer als die von 2001.

Vor 25 Jahren hatten überall im Land die Asambleas Tauschbörsen und Volksküchen gegen den Hunger organisiert, Fabriken wurden besetzt, tiefgreifende politische Veränderungen standen damals auf der Tagesordnung. Die Rede war von einer Rätedemokratie, was natürlich übertrieben war, aber diese Volksversammlungen bestimmten zwei Jahre lang die öffentliche Diskussion. Präsidenten und Minister kamen und wurden schnell wieder davongejagt. Dann gewannen 2003 die Peronisten die Wahlen und kanalisierten die Proteste in parlamentarische Bahnen. Zwanzig Jahre später wurde der ultrarechte Javier Milei Präsident, die Leute hatten genug von der jahrelangen peronistischen Korruption und Misswirtschaft. Und seitdem feiert der IWF das Land erneut als seinen Vorzeigekandidaten.

Dabei befindet sich die Wirtschaft im freien Fall, Reallohn und Renten sinken rapide. Fabriken schließen ihre Tore, zuletzt die 80 Jahre alte Reifenfabrik Fate mit ihren 920 Arbeitern. “Pessimisten und Experten prophezeien weitere Schließungen großer Unternehmen und sprechen von 28 bis 30 Firmenschließungen pro Tag” – rechnete gerade die Tageszeitung La Nación vor, 16.322 Insolvenzen zwischen Dezember 2023 und Juni 2025. Die in Aussicht gestellten ausländischen Investitionen lassen auf sich warten, nur im Bergbau scheint Interesse vorhanden zu sein unter dem Motto: So schnell wie möglich alles abzocken, was abzuzocken ist.

Trotz dieser verheerenden Situation regt sich kaum Widerstand. Nicht einmal die zahlreichen Korruptionsskandale der Milei-Regierung verhinderten, dass bei den vergangenen Oktober-Wahlen seine Partei wieder gut abschnitt. Es scheint keine Alternative in Sicht. “Unser Problem heißt nicht Milei, sondern wir müssen uns eingestehen, dass der Globale Süden eine tiefe kulturelle und politische Niederlage erlitten hat”, erklärte am Samstag einer der Teilnehmer der Asamblea in San Telmo. Wie es zu dieser Niederlage kommen konnte? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Aber fest steht, dass die neoliberale Offensive solange ungehindert weitergeht.

Die Reform des Arbeitsrechts

Milei nutzte die Gunst der Stunde, um ein neues, extrem unternehmerfreundliches Arbeitsrecht durch den Kongress zu peitschen. So geschehen letzte Woche in Buenos Aires. Milei hatte es vorgezogen, nach Washington zu fliegen, um seinem Idol Donald Trump bei der Gründung seiner “Friedens-Junta”, wie hier der Board of Peace übersetzt wird, die Ehre zu erweisen. Da saß er fröhlich neben Viktor Orbán und trällerte mit ihm Elvis-Presley-Songs. Nebenbei versprach er, demnächst argentinische Weißhelme nach Gaza zu schicken.

Unterdessen schmetterten im heimischen Abgeordnetenhaus die Reste der Opposition, die Linke eingeschlossen, den “peronistischen Marsch”, beschimpften die Libertären als “Hurensöhne” und legten die Mikrofone lahm. Auch die Gewerkschaftsbürokratie ballte die Faust und brandmarkte das neue “Sklavengesetz”. Ein bisschen jedenfalls, denn am Ende wurde brav abgestimmt, auch mit peronistischen Stimmen.

In Zukunft dürfen in Argentinien die Löhne in Pesos oder in ausländischer Währung gezahlt werden, auch in Form von Waren, Unterkunft oder Lebensmitteln. Dann wäre es also künftig legal, etwa Saisonarbeitern nur Verpflegung und eine Pritsche für ihre Arbeitskraft zu geben. Falls Geld fließt, muss dies über Banken und nicht über digitale Plattformen erfolgen, wie es ursprünglich im Gesetzesvorschlag gestanden hatte.

Wenn der Arbeitgeber kündigt, muss er fortan keine Entschädigungen mehr zahlen. Bisher musste er für jedes gearbeitete Jahr einen Monatslohn entrichten – eine stattliche Summe also, die Kündigungen erschwerten. Stattdessen wird jetzt ein Fondo de Asistencia Laboral (FAL) gegründet, in den die Arbeitgeber 1 Prozent des Lohns (große Unternehmen) und 2,5 % (mittelständische Betriebe) einzahlen und der dann für die Entschädigungen zuständig ist. Diese werden allerdings neu berechnet, ohne Trinkgelder, Zuschläge und das 13. Monatsgehalt zu berücksichtigen. Es gilt nur noch das Grundgehalt. Wer diesen Fonds verwalten wird, steht noch nicht fest, es wird ein privatrechtlicher Betreiber sein. Die Börsenaufsicht wird den Fonds kontrollieren. Kritiker wenden ein, dass damit dem staatlichen Sozialsystem Gelder entzogen werden, es also weiter unterfinanziert wird.

Die tägliche Arbeitszeit wird auf bis zu 12 Stunden erhöht, damit fallen weniger Überstunden an, die bisher besser entlohnt worden sind. Stattdessen soll der Arbeitnehmer diese Überstunden unentgeltlich abbummeln.

Eigentlich sollte das home office reguliert werden. Doch am Ende wurde bei der Reform lediglich festgelegt, dass diese Beschäftigung von Personen im digitalen Bereich kein reguläres Arbeitsverhältnis darstellt, sondern eine Dienstleistung von Selbständigen ist, deren Bedingungen frei ausgehandelt werden können.

Das Streikrecht wird eingeschänkt und die lebenswichtigen Bereiche auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet. Dort muss 75 % des Betriebes sichergestellt werden, also nicht nur Krankenhäuser und Polizei, sondern auch Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis zur Universität.

Obwohl das neue Gesetz massiv in die Arbeitnehmerrechte eingreift und an der Macht der Gewerkschaften rütteln wollte, hielt sich der Widerstand dagegen in Grenzen. Der Dachverband CGT musste förmlich zu der Entscheidung getragen werden, eine Demonstration zu organisieren, auf der die Funktionäre – die der Volksmund “los gordos”, Fettklöße, nennt – lustlos ein paar Reden schwangen, während das Fußvolk brav Plakate und Transparente trug, mit Juan Perón († 1974) und seiner Frau Eva († 1952) sowie mit dem Konterfei des in ihren Augen „Opfers der argentinischen Klassenjustiz“, Cristina Kirchner, der langjährigen Präsidentin. Sie sitzt zur Zeit mit Fußfessel im Hausarrest und steht wegen weiterer Korruptionsfälle vor Gericht. “Cristina libre” wurde skandiert, Aufkleber und Fähnchen feilgeboten.

Bild: Gaby Weber

Einige Tage später, als das Gesetz bereits die erste Hürde im Senat überwunden hatte, rief die CGT dann doch zu einem Generalstreik auf – aber ausdrücklich “ohne Mobilisierung”, warnte sie. Nur ein paar Linke protestierten vor dem Kongress, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Während die Gewerkschafts-Basis einen 36-Stunden-Streik und Widerstand fordert, will die CGT-Führung lieber die Gerichte anrufen. So werden Fakten geschaffen.

Sogar die konservative La Nación hatte nur noch Spott übrig. “Ein Streik ohne Krach, ohne das Volk auf der Straße, ohne empörte Massen, ohne zerschlagene Schaufenster und ohne brennende Autos ist kein Streik. Früher gab es Streiks mit Bussen voller Demonstanten und Tumult.”

Offensichtlich hatte sich die CGT im Vorfeld mit Milei geeinigt. So wollte etwa das ursprüngliche Regierungsprojekt die “obligatorische Gewerkschaftsabgabe” ab dem 1. Januar 2028 in eine “freiwillige” verwandeln. Bislang müssen die Arbeitgeber 2 Prozent des Lohns an die Gewerkschaften abführen, das gilt auch für die Beschäftigten, die gar nicht Mitglied der Gewerkschaft sind. Und das ist eine Menge Geld. Mit diesen 2 Prozent und den Einkünften aus der eigenen Krankenversicherung finanzieren die Funktionäre ihre Bürokratie und das, was man als “gordo” eben so haben will. Über diesen Punkt wurde bis kurz vor der Abstimmung im Senat verhandelt, und am Ende ruderte die Regierung zurück und beließ es bei der bisherigen Regelung. “Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl” – wusste die Tageszeitung Ambito Financiero.

Der Wink funktionierte, die CGT verzichtete auf die Mobilisierung und hält die Füße still. Und schließlich stimmten im Senat auch einige Peronisten für die Reform – dank gewisser finanzieller Zugeständnisse an die Gouverneure der Provinzen.

Einschmuggeln von Lohnstreichungen

Auch wenn bisher beide Kammern die Reform bereits abgenickt haben: sie muss in den nächsten Tagen zurück in den Senat. Das hängt mit den Mafia-Methoden der libertären Senatoren zusammen, die aufgeflogen sind. Konkret geht es um den Artikel 44.

Dieser Artikel sieht vor, dass – außer bei Arbeitsunfällen – im Krankheitsfall der Lohn auf die Hälfte gekürzt werden kann, bei Leuten mit Kindern auf 75 %. Wenn zum Beispiel ein Angestellter an Krebs erkrankt, dann zahlt ihm der Arbeitgeber nur noch den halben Lohn, und das maximal für drei Monate. In der Praxis heißt das, dass der Kranke dann wahrscheinlich auch seine Wohnung nicht mehr bezahlen kann und auf der Straße landet.

Dieser Artikel 44 war in dem ursprünglichen Projekt, das die Regierung den Senatoren zur Abstimmung vorgelegt hatte, gar nicht enthalten. Nach viele Stunden Debatte wurde dann das Gesetz abgestimmt und angenommen, und darin war mysteriöserweise dieser Artikel enthalten. Wie er dort hineingelangt war, konnte oder wollte niemand aus der Regierung erklären. Da dies aber selbst den großen Medien und den anderen Mitgliedern von Mileis Koalition zu weit ging, gab man nach und erklärte sich zu einer weiteren Abstimmung im Senat bereit, ohne den Artikel.

Inflation steigt weiter

Der IWF und der Globale Norden unterstützen Milei weiterhin. Zwar feiert die Korruption fröhliche Urstände, auch in Deutschland weiß er noch die FDP, die AfD, den Kontrafunk und die Welt an seiner Seite. Sie verweisen auf die gefallene Inflation. Die ist zwar mit 2,9 Prozent monatlich immer noch relativ hoch, aber im Vergleich zu dem Zeitpunkt seines Amtsantritts niedrig. Die Leute haben schlicht kein Geld mehr zum Ausgeben, der Konsum ist massiv gesunken.

Aber man sollte der Vollständigkeit halber diese 2,9 % mit anderen Jahren der peronistischen Regierungen vergleichen: Während der 12 Jahre der Kirchner-Administration betrug die jährliche Inflation zwischen 8,5 und 27 Prozent, deutlich niedriger als Mileis angeblicher Erfolg. Erst nach der Pandemie kletterte die Inflation auf astronomische Höhen. Und wer heute in Buenos Aires Unternehmer oder Restaurantbetreiber nach der Geldentwertung fragt, erhält eine andere Schätzung, nämlich das Doppelte.

Auch die Peronisten waren schon Profis, was das Fälschen von Statistiken anging, etwa Guillermo Moreno. Der frühere Handelsminister rechnete den Verbraucherpreisindex von 3,5 Prozent auf 1,1 % herunter und verbot den Medien alternative Berechnungen. Für diese Manipulationen wurde er von der Justiz verurteilt.

Milei steht ihm in nichts nach. Der langjährige Chef des Statistikamtes, Marco Lavagna (Sohn des angesehenen Wirtschaftsministers von Néstor Kirchner) trat unter Protest Anfang Februar zurück, weil die Regierung sich weigerte, die neuen, auch vom IWF empfohlenen Berechnungsmethoden anzuwenden, um ein realistischeres Bild von der Geldabwertung zu erhalten. Das wolle man nicht, weil es das Gesamtbild verschlechtern würde, so die Begründung aus der Casa Rosada, dem rosaroten Regierungssitz. Warum der IWF darauf verzichtete, Milei wegen dieser Verweigerung seiner eigenen korrekten Berechnungsmethoden zu kritisieren, bleibt sein Geheimnis.

Gaby Weber

Gaby Weber
Weber studierte Romanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1982 am Lateinamerika-Institut. Seit 1978 ist die Mitgründerin der taz als Journalistin und seit 1986 als freie Korrespondentin tätig, zuerst aus Montevideo und ab 2002 aus Buenos Aires. Außerdem hat sie mehrere Reportagen und umfangreiche Recherchen zur Geschichte nachrichtendienstlicher Aktivitäten veröffentlicht. 2012 erschien ihr Buch „Eichmann wurde noch gebraucht“.
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31 Kommentare

  1. Und wenn sich schlicht die Einsicht durchsetzt, dass es nichts gibt, worum man kämpfen könnte oder sollte?
    Weil man – in dieser ach so herrlichen Gesellschaft, als güldener Gipfel der Schöpfung – eben nur die Wahl hat, sich missbrauchen zu lassen, andere zu missbrauchen – oder beides?
    Weil die Menschen aus dieser Selbstsabotage-Falle nicht mehr rauskommen?
    Weil jeder Ameisenhaufen sie auslacht, und zwar zu recht?

    Wenn das so ist, sind die Argentinier eben einen Einsichtsschritt weiter.

      1. Ja, manchmal hoffe ich auch, das es bald soweit ist.
        Weil ich mittlerweile möchte, das diese Gesellschaft, genau das bekommt, was sie sich seit dem 12.4.2020. verdient hat.

  2. Danke für den Bericht aus einem Land eines selbst ernannten „Anarcho-Kapitalisten“ namens Milei.

    Zufällig haben wir am Wochenende bei Overton in einem anderen Artikel generell das Thema Anarchismus besprochen und Mileis Argentinien ist die Dystopie die im Unterschied zum Anarchismus von „ganz unten“ global wirklich eintreten könnte.

    Grund Milliarden an Money für die Verwirklichung dieses neoliberalen Anarchismus von ganz oben sowie Weiterverarbeitung dieser Idee durch die Milliardäre Musik, Thiel, Trump & co. ☹️👎

    Trauriger Gruß
    Bernie

  3. Auf dem ersten Bild sieht man wie Hr. Milei weinend an der Klagemauer rumsteht.
    Auf dem zweiten Bild sieht man wie er immer noch weinend die Mauer rauf sieht.
    Mit Palästina haben die Tränen bestimmt nichts zu tun.
    https://imgbob.net/rKBaWSU2AnrJQiW

    Mitmachen bei der Einforderung der Menschenrechte für Palästina.
    Es sind eine Million Stimmen nötig damit eine Aussetzung des Handelsabkommen aufgrund der Nicht-Erfüllung der Menschenrechte zur Sprache gebracht wird. Die Menschen werden immer noch vertrieben. Ein Kleinkind ist gestorben weil man es nicht zur ärztlichen Behandlung hat ausreisen lassen.
    https://eci.ec.europa.eu/055/public/?lg=de

    1. @Termolo
      Nach Palästina kommt jetzt der Iran dran, doch es geht danach weiter. Der ehm. Stabschef aus Israel hat schon das neueste Ziel markiert, die Türkei.
      „Die Türkei ist der neue Iran“ sagte er in einem Interview.

  4. Kurz zusammengefasst, Milei wickelt Argentinien ab. Und so etwas wie eine Opposition, die diese Bezeichnung verdienen würde, ist nicht in Sicht. Desolat.

    1. @Platon Sokrates

      Ihre Ansicht, die ich selbstverständlich respektiere, aber Milei, Neoliberale &. Konsorten sehen das selber schon immer schon völlig anderes – Anarcho-Kapitalismus = Marktradikalismus = Neoliberalismus eben ☹️👎👎

      Traurige Grüße
      Bernie

  5. So viel anders ist die politische Lage hier bei uns nicht. Das Beispiel Argentinien zeigt, was kommen wird. Wo ist denn die Opposition bei uns? Gewerkschaften kämpferisch?
    Ist es Sarkasmus oder Schadenfreude, wenn oben Forist @foehre schreibt, da seien die Argentinier eben „einen Einsichtsschritt weiter“? Auf alle Fälle scheint mir ein gehöriges Maß an Menschenverachtung in dieser Haltung mitzuschwingen, so ähnlich wie die Bundesregierung: Wenn einer nicht auf uns hören will, tja da muss er sich nicht wundern, wenn er die Folgen davon zu tragen hat.

    Was ist, was wäre aber die Lösung für dieses – zunächst noch – argentinische Problem?

    1. Ist es Sarkasmus oder Schadenfreude..?

      Nein, es ist Resignation. Nachvollziehbare. Sicherlich keine Menschenverachtung seitens @foehre.

      Ihre Analyse bzw. Ihr Vergleich mit mit der Situation hierzulande ist richtig. Und es ist ist auch richtig, nach Lösungen zu fragen. Aber sie einzufordern? Wo ist Ihre Lösung?

      Diese Frage, genauer, diesen Vorwurf richte ich auch gegen mich selbst.
      Und bleibe eine Antwort – so wie Sie – schuldig.

      1. Es ist erstaunlich, wie sich diese Geschichte in immer gleicher Weise wiederholt: In einer ursprünglich demokratisch verfassten Gesellschaft entzieht sich eine relativ kleine Gruppe von Superreichen immer mehr der demokratischen Kontrolle, bemächtigt sich der Staatsorgane, die sie in eigenem Interesse lenkt und kontrolliert, solange bis die Entrechteten erwachen, sich organisieren und versuchen, dem selbstherrlichen Aristokratentum das Handwerk zu legen. Man kann diesen Prozeß im antiken Athen bis zur Herrschaft des Perikles verfolgen und, aktueller, im Argentinien von heute. Obwohl sich diese Entwicklung dort wohl noch am Anfang befindet, steht eines fest: es gibt keine Alternative, so ist der – steinige – Weg.

        1. @ Routard

          Was ich mich frage – und bei dem ich noch zu keiner eindeutigen Antwort gekommen bin –, ob es schon immer so war, ob alle „Unterbrechungen“ zu einer Verbesserung nur kurzlebige Epiphanien eines demokratischen Traumes waren, die zugestanden wurden, oder ob es ein (wie bei Mausfeld beschrieben) fortwährendes Ringen durch die Äonen ist, das solange fortgeführt wird, bis eine Seite die andere annihiliert hat.

          Es gibt immer eine Alternative. Es gibt nie eine Garantie, dass sie gefällt.

    2. Die Lösung bestünde darin, die Vermögen der Superreichen, die ärgerlicherweise in die Aktienmärkte geflossen sind, um dort Vermögenspreisblasen zu bilden, umzuleiten in die Geldbeutel der unteren 99%, wo sie als gestiegene Kaufkraft und höhere Nachfrage den Markt in Schwung bringen.
      (J. M. Keynes)

      Kurz: Vermögensteuer einführen und zum Ausgleich den Steuerfreibetrag entsprechend erhöhen. Wär jedenfalls ein Anfang.

        1. Ich auch, gleich morgen nach dem Frühstück!

          Nein, im Ernst, Sie haben ja Recht, „wir“ können da grad mal gar nix machen.

          Die große Agenda sähe etwa folgendermaßen aus:
          1. Volksabstimmungen erkämpfen
          2. Milliardärspresse in Stiftungen umfunktionieren, die öffentlich kontrolliert werden
          3. diesen Staat zu einem echten demokratischen Rechtstaat machen, mit funktionierender Gewaltenteilung und unabhängigen Staatsanwälten und Richtern
          4. nachfrage-orientierte Wirtschaftspolitik verfolgen, mit einer ausgeglichenen Handelbilanz als Leuchtturm, der uns den Weg dorthin weist (statt „Exportweltmeister“ zu sein, was uns die Gläubigen der Gürtel-enger-schnallen-Religion predigen; nichts gegen hohe Exporte, die sind die Basis unseres Wohlstands; aber dem sollten hohe Importe gegenüber stehen; tut es das nicht, war es wohl doch nur der Wohlstand der oberen 1%)

  6. Was für ein krasser Unterschied ist dieser Artikel zu anderen Aussagen, die so über Milei gemacht werden.
    So zum Beispiel Joana Cotar im Interview bei Jasmin Kosubek. Joana Cotar, die Frau, die als ex-ADFlerin vor zwei Wochen oder so auch hier mit De Lapunte ein Interview hatte, was von Vielen hier positiv aufgenommen wurde.
    Im Kosubek Interview kommt nun aber besonders in der Passage über Musk und Milei (ab 1:04:00 im Bereich ‚Free Speech‘) sehr deutlich hervor wie extrem wirtschaftslibertär und vor allem naiv sie ist.
    https://www.youtube.com/watch?v=d9mYdBpsajA

    Jedesfalls läuft es aus Cotars Sicht bombig in Argentinen. Die Wirtschaft entwickelt sich prächtig.

    Aber kein Wunder, wenn Wirtschaftsdaten manipuliert werden und sich kein Widerstand organisiert. Dann kann man sich das natürlich auch alles schön reden, wenn man von außerhalb auf Argentinien schaut.

  7. Stell dir vor, du hast nichts!
    Alle Menschen um dich rum haben auch nichts.
    Du, und die Menschen sind 2,3,4 mal geimpft, was dir die Energie aus dem Körper zieht, und dein Gehirn vernebelt. Deine Gedanken und Erinnerungen werden immer mühsamer und diffuser. Die Fähigkeit deine durch Propaganda ins Gehirn gehhämmerten “ Überzeugungen “ zu hinterfragen verschwindet wie Nebel in der Mittagssonne.
    Die Arbeit, die dich vielleicht in den letzten 20 Jahren irgendwie ernährt hat, machen ab morgen Maschinen, intelligente Maschinen, die nicht schlafen, nicht essen, nicht krank werden, und nicht streiken und jede Sekunde lernen und ihr Wissen mit den anderen Maschinen automatisch teilen.

    Und das absolut blöde ist, daß, wenn du nichts mehr hast nichteinmal als Medizinopfer um ein kleines Vermögen gebracht werden kannst. Zum Ausschlachten nehmen sie lieber Kinder, besseres Material.

    Hier im Deutschland können die medizinischen Dauerkunden( Langzeitbebenwirkungen und in Stufe 2 Opfer der Behandlungen der Impfschäden)erst noch um ihr Gespartes gebracht werden, bevor sie merken das sie alle Argentinier sind

    1. @Heinz

      „bevor sie merken das sie alle Argentinier sind“

      Oder Ukrainer…….für Irgendwas muss die massive Aufrüstung ja nützlich sein und wenn es zur Dezimierungg unnützer Esser mit potentiellem Hang zur Revolte ist.
      Vielleicht fällt Bill und Co ja aber noch etwas „Smarteres“ ein. 🙂

  8. „[…]22.02.2026 Argentinien / Politik / Wirtschaft / Soziale Bewegungen

    Argentinisches Abgeordnetenhaus billigt Arbeitsmarktreform

    Mehrheit von 135 zu 115 Stimmen nach zehnstündiger Debatte. Senat muss endgültige Fassung jetzt verabschieden. Streiks und Proteste

    Von Stephan Hollensteiner
    amerika21[…]“

    Quelle und kompletter Text (der sich völlig entgegengesatzt liest als der Artikel von Gaby Weber hier bei Overton):

    https://amerika21.de/2026/02/283073/argentinien-arbeitsmarktreform-parlament

    Ohne weiteren Kommentar von mir dazu

    Gruß Bernie

  9. „Bislang müssen die Arbeitgeber 2 Prozent des Lohns an die Gewerkschaften abführen, das gilt auch für die Beschäftigten, die gar nicht Mitglied der Gewerkschaft sind. Und das ist eine Menge Geld. Mit diesen 2 Prozent und den Einkünften aus der eigenen Krankenversicherung finanzieren die Funktionäre ihre Bürokratie und das, was man als “gordo” eben so haben will. … am Ende ruderte die Regierung zurück und beließ es bei der bisherigen Regelung.“

    Die ganzen Debatten sind ein Schaulaufen fürs Fußvolk, die Bosse, die „gordos“, egal welcher Coleur, haben längst den Kuchen unter sich verteilt und lachen darüber wie sich die all die klugen Dummköpfe ereifern. Das scheint wohl auf der ganzen Welt so zu sein.

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