Arbeitgeber in Polen setzen vermehrt auf Arbeitskräfte aus Asien

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2022 wurden 231.000 Arbeitsgenehmigungen an Asiaten erteilt. Und von Jahr zu Jahr sollen es mehr werden.

 

Im ersten Halbjahr 2023 wurden nach einer Mitteilung des Sozialministerium bereits 145.000 Arbeitsgenehmigungen an Asiaten vergeben. Die Inder führen mit 23.374 die Statistik an. Unter ihnen befinden sich relativ viele Fachkräfte, vom Programmierer bis zum Schweißer. An zweiter Stelle folgen mit 14.358 Arbeitsgenehmigungen die Usbeken. Sie sind wie ihre Kollegen aus Turkmenistan, Kasachstan, Kirgistan, Bangladesch, Nepal; Indonesien, den Philippinen und Vietnam zumeist in Anlern-Berufen im Bausektor, in der Logistik, im Gastgewerbe und vor allem in der Industrie beschäftigt. Die in der Statistik gleichfalls erfassten Türken spielen eine Sonderrolle, da die meisten von ihnen im Rahmen von Großaufträgen türkischer Bauunternehmen tätig sind.

Von den polnischen Arbeitgebern mit entsprechenden Erfahrungen werden die asiatischen Arbeitskräfte meist als fleißig und zuverlässig eingestuft. Der Chef des Personal-Dienstleisters WS CORP, Sebastian Wojczeszak, rühmte vor kurzem in einem Interview mit dem Logistik-Fachportal LOG24 insbesondere die Arbeitsmoral der Mittelasiaten. Durch die Unterbewertung ihrer Landeswährungen sei ein Job in Polen für sie eine Art Reichtumsquelle, die der Unterstützung von Familienangehörigen in der Heimat dient. Wojczeszek geht davon aus, dass bereits in einigen Jahren eine Millionen Asiaten in Polen arbeiten werden.

Die verstärkte Nachfrage nach asiatischen Arbeitskräften resultiert in Polen zum einen aus der ungünstigen demografischen Situation. Die Geburtsjahrgänge nach 1989 sind ca. ein Drittel schwächer als die der Volksrepublik-Zeit. Akut aber haben die Arbeitgeber in Polen, zu denen nicht wenige Unternehmen in deutschem Besitz gehören, zunehmende Probleme mit der Nutzung des ukrainischen Arbeitskräfte-Reservoirs, obwohl die Beschäftigung von Ukrainern genehmigungsfrei ist und dem Arbeitsamt nur gemeldet werden muss. Seit dem Kriegsbeginn im Nachbarland haben ukrainische Staatsbürger auch in westlichen EU-Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, einen privilegierten Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Sozialleistungen. Auch Ukrainer, die bereits vor 2022 in Polen erwerbstätig waren, sind nach Westen abgewandert.

Den polnischen Arbeitgebern ist daher klar, dass sie unter der Beibehaltung des jetzigen Lohnniveaus – der Mindestlohn in Polen beläuft sich auf umgerechnet rund 5,10 Euro – nur eine Chance auf eine längerfristigen Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte haben, wenn sie dabei nicht in Konkurrenz zu westlichen Ländern stehen. Die Nutzung des Arbeitskräfte-Reservoirs Südost-Europas ist den Arbeitgebern Polens daher weitgehend verschlossen, ganz im Unterschied zu denen in Deutschland. Auch die Rückkehr der ca. 2,5 Millionen Polen, die nach 1989 das Land verließen, ist in einer relevanten Größenordnung nicht vorstellbar.

Vor der Rekrutierung von Personal aus Asien steht allerdings bürokratischer Aufwand. Mit einer Bescheinigung des Kreis-Arbeitsamtes, dass für die angebotene Stelle keine Polen zur Verfügung stehen, muss sich der Arbeitgeber um eine Arbeitsgenehmigung durch die Wojewodschaftsverwaltung bemühen. Diese ist dann wiederum Basis für ein von der zuständigen polnischen Auslandsvertretung erteiltes Aufenthaltsvisum. Für die Suche nach geeigneten Arbeitskräften wie die Erledigung dieser Formalitäten schalten die meisten Arbeitgeber daher eine der auf Asien spezialisierten Agenturen ein, wenn sie nicht sogar die Anstellung einer Leiharbeits-Firma überlassen. Die Arbeitsgenehmigung kann verlängert werden. Geschieht dies nicht, verlieren die Angeworbenen ihren Aufenthaltsstatus. Sie müssen zurück in ihr Heimatland oder in ein anderes Land weiterziehen, es sein denn, familiäre Bindungen oder eine zugelassene unternehmerische bzw. kleingewerbliche Tätigkeit begründet ein neues Aufenthaltsrecht.

Im Wahlkampf für die Sejm-Wahl am 15.10. spielte das Thema “Einwanderung” eine wichtige Rolle. Die nationalkonservative PiS warnte mit Bildern aus Süd-Italien vor einer von der EU verordneten Zuteilung von Migranten-Massen aus Afrika und islamischen Ländern. Donald Tusk als Spitzenkandidat der EU-freundlichen, liberalkonservativen KO konterte in Wahlspots mit Statistiken, die zeigen, dass erst mit dem Regierungsantritt der PiS 2015 die Anwerbung außereuropäischer Arbeitskräfte an Bedeutung gewann.

Das Leben geht derweil weiter. Und so wie polnische Arbeitgeber zunehmend den Wert asiatischer Arbeitskräfte zu schätzen wissen, so finden speziell Inder Gefallen am Leben in Polen. In fast jeder polnischen Großstadt existiert eine indische Community. In Warschau gibt es mittlerweile 18 indische Restaurants, in der Tourismus-Hochburg Krakau 17. Und ausweislich vielfältiger Internet-Berichte über Erfahrungen in Paarbeziehungen mit Indern haben sich auch die polnisch-indischen Geschlechterbeziehungen deutlich belebt.

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3 Kommentare

  1. Ja Hilfe die PIS(s) ermöglicht entgegen ihre selbst verbündeten ‘Nationalismus’, einen Brain Drain?
    Das war nur ein Scherz über diese Partei, denn alle sogenannten westlichen Wertigkeiten üben das gleiche Programm aus und sogar mit den üblichen gleichen Argumenten!

    Was aber die meisten nicht berichten ist, das Menschenhandel auf teilweisen sehr makaberen Strukturen durchgeführt werden. Und das ist schon länger am laufen und nichts wirklich neues.
    Agenden werden nicht als Agenden ausgegeben, sondern nett einverpackt mit postmodernen Sprechblasen.

  2. Ist doch logo, dass ukranische Wirtschafts- und Kriegsflüchtlinge lieber in der BRD problemlos versorgt werden, als in das Polen der Fall ist. (Aussage eines polnischen Freundes)
    Warum?
    Die polnischen Behörden und die Öffentlichkeit lassen sich nicht auf der “Nase herum tanzen”. Die dürfen für ihren Lebensunterhalt arbeiten und müssen es auch. Die Sprachen sind verwandt, das hilft natürlich.
    Wenn der Traum der polnischen Nationalisten, dass ihnen Galizien zugesprochen wird, ausgeträumt ist, werden die Ukrainer nicht mehr bevorzugt werden.

    1. In Polen genießen die ukrainischen Flüchtlinge ja keinen vergleichbaren Status wie hier. Dort geht es schon ans Eingemachte. Und die daraus resultierende Konkurrenz hält man sich lieber vom Leibe, indem man diese für sich und nicht gegen sie arbeiten lässt.
      Aber man sieht auch in Polen das Resultat der Wende zum Kapitalismus: Eine massiv gefallene Geburtenrate und von den Lebensumständen dort in den ‘nicht mehr ganz so goldenen Westen’ Geflüchteten.
      Und die Dorftrottel dort verorten die Schuld nicht dem System, sondern der speziellen Regierung. Wer aber Recht und Gerechtigkeit fordert, die Losung der PIS, erwartet diese vom System nicht automatisch.
      Und wieviel wurde in der Westukraine von 1960 bis 91 investiert und seit 92?
      Darum stehen solche von dort kommende Menschen für im Vergleichsmaßstab zum Westen nur als Hungerlöhne zu deklarierende Arbeitseinkommen an.
      So wie der Armengürtel Südosteuropas bei uns oft die Drecksarbeit erledigt. Aber das bekommen viele feine Arbeiter und besonders Angestellte gar nicht mit.
      Aber was ist oder sollte das Fazit daraus sein: Entweder wir unternehmen entschieden etwas und gestalten diese Gesellschaft bewusst (und damit nicht nach Habgier-Gesichtspunkten und Neidkomplexen), sondern nach dem Versuch der Teilhabe für jedermann.
      Und im Gegensatz zu den Kritikern solch vermeintlicher Utopie kann ich das auch auf jeder Stufe deklinieren.
      Es würde für jeden reichen, wenn man die gierigen und verschwendungssüchtigen Herrschaften dementsprechend reglementiert. Dazu braucht man diese dann nicht fragen. Es genügt, ihnen das mitzuteilen.

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