
In Frankreich und Polen wächst die Sorge über die neue Militärmacht Deutschland.
„Unbezwingbar – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“ heißt die Kundgebung, die am 2. Oktober vor dem Brandenburger Tor stattfinden wird und von zahlreichen Organisationen veranstaltet und unterstützt wird. Es könnte eine der größten Manifestationen gegen den neuen Militarismus ein, der in Deutschland spätestens mit der von Olaf Scholz propagierten Zeitenwende unverkennbar dominiert. Im Aufruf zu der Kundgebung am Freitag wird in erfreulicher Klarheit der Zusammenhang zwischen der Aufrüstung und den Angriffen auf die erkämpften Sozialgesetzte benannt:
„Wir erleben die stärkste Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg. Bald fließt jeder zweite Euro des Bundeshaushalts in Aufrüstung und Krieg. Bezahlen müssen dafür wir alle – mit steigenden Preisen, Sozialkürzungen, zerfallenden Schulen, ungelöster Klimakrise und unterfinanzierten Krankenhäuser. Für die Bundeswehr werden Schulden in Rekordhöhe aufgenommen, um sie zur ‚stärksten konventionellen Armee Europas‘ aufzubauen.“
Hier wird in wenigen Sätzen das Projekt des deutschen Militarismus benannt. Die regierungsamtlichen Phrasen, dass das ja alles nur zum Schutz vor den bösen Russen geschehe, der sonst bald wieder in Berlin steht, hat man sich hier mit Recht gespart. Nicht etwa deshalb, weil man irgendwelche Sympathien mit dem russischen Regime hegt. Nein, der Aufruf folgt einem Grundsatz, den der linke Flügel den Sozialdemokratie bereits vor dem Ersten Weltkrieg kannte: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land.“ Man könnte es heute sogar präzisieren: Der Hauptfeind ist das eigene Land. Das meinen neben der Armee auch sämtliche repressiven Staatsapparate, Polizei, Justiz, den Verfassungsschutz nicht zu vergessen.
Da in dem Aufruf zur Solidarität mit allen Kriegsgegnern und Deserteuren in aller Welt und auf allen Seiten aufgerufen wird, ist klar, dass man sämtliche Staatenbünde ablehnt, die aktuell gegeneinander aufrüsten und sich noch im Kalten Krieg gegeneinander befinden, der aber schnell auch in einen militärischen Konflikt zwischen den unterschiedlichen kapitalistischen Staaten und Staatenbündnissen münden kann.
Diese hochgefährliche Situation kann urchaus mit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg verglichen werden, als unterschiedliche kapitalistische Mächte und Blöcke aufrüsteten und dann die Proletarier aller Länder in den Krieg zwangen.
Deutschland wichtiger Treiber bei der Aufrüstung
Wie bei den beiden Weltkriegen ist auch aktuell Deutschland ein Treiber bei der Militarisierung und Aufrüstung. Da wird zunehmend auch in den Nachbarländern so gesehen. Denn bei aller Rhetorik über die westliche Wertegemeinschaft besteht auch die EU weiterhin aus konkurrierenden Nationalstaaten, die durchaus Eigeninteressen haben.
Besonders in Frankreich verfolgen die Eliten schon lange mit Argwohn den Aufstieg Deutschlands zur führenden Militärmacht auf dem europäischen Kontinent. In der September-Ausgabe der Monatszeitung Le Monde Diplomatique widmete sich ein ganzes Dossier der Aufrüstung Deutschlands unter der Überschrift „Die neue Militärmacht“. Im Vorspann heißt es:
„Im Februar 2022 rief Olaf Scholz die Zeitenwende aus. Gut ein Jahr später wurde in Berlin die erste Nationale Sicherheitsstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik vorgestellt. Das jüngst erklärte Ziel, stärkste Militärmacht Europas werden zu wollen, sorgt für Unruhe.“
Die Le Monde Diplomatische (LMD) ist eine Zeitung, die eng mit den gaullistischen Kreisen im französischen Staatsapparat verbunden ist, es aber seit den Zeiten der globalisierungskritischen Bewegung geschafft hat, auch eine staats- und kapitalismuskritische Leserschaft an sich zu binden .Mit ihren oft gut recherchierten Länderberichten aus dem Globalen Süden ist sie eine wichtige Informationsquelle, gerade in Deutschland, wo die Länder Afrikas und Asiens oft nur vorkommen, wenn es dort Krisen gibt. Es ist eher selten, dass auch politische Entwicklungen in europäischen Ländern in LMD gleich auf mehreren Seiten analysiert werden. Der Aufstieg Deutschlands zur führenden europäischen Militärmacht ist ein solches Ereignis. Der Einstieg des Artikels benennt gleich sehr deutlich, was Frankreichs Eliten besorgt:
„Jetzt haben wir es: Deutschland ist eine westliche Macht wie alle anderen. Befreit von historistischen Skrupeln, Europa mit anderen Mitteln als Austeritätsvorschriften und Handelsbilanzüberschüssen zu dominieren, will es die „konventionell stärkste Armee Europas“ aufbauen. Dieses Ziel steht für Bundeskanzler Friedrich Merz ‚an erster Stelle‘, wie er am 14. Mai 2025 in seiner ersten Regierungserklärung verkündete.“
In Frankreich werde die neue deutsche Militärmacht nicht in erster Linie als Bollwerk gegen das angeblich angriffsbereite Russland gesehen Vielmehr wird Deutschland selbst Gefahrenpotential in Europa gesehen:
„Diese Kombination aus wirtschaftlicher und konventionell-militärischer Überlegenheit destabilisiert die am Ende des Kalten Kriegs errichtete europäische Sicherheitsarchitektur. Und sie offenbart ein Ungleichgewicht, das sich nicht mehr kaschieren lässt – weder durch die Fassade europäischer Integration noch durch die Mär vom ‚deutsch-französischen Tandem‘. Zwar ist die Bundesrepublik in Sachen strategische Abschreckung immer noch von dem Atomwaffenarsenal der USA und Frankreichs abhängig, doch die Zeiten der militärisch unselbstständigen ‚Zivilmacht‘ Bundesrepublik sind endgültig Geschichte“, heißt es in der LMD. Dort wird auch formuliert, was in Frankreichs Regierungskreisen bisher nicht so deutlich artikuliert wird.
„Schon jetzt sorgt der ungehemmte deutsche Industrienationalismus im Rüstungssektor in Paris für großen Ärger, der allerdings immer wieder heruntergeschluckt wird. Dasselbe gilt für die von deutschen Interessen bestimmten Freihandelsabkommen mit den Mercosurstaaten und Indien oder die Kapitulation der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen im Zollstreit mit den USA im Juli 2025. Ein Beispiel für den deutsch-französischen Interessenkonflikt im Rüstungssektor war das gescheiterte Projekt eines gemeinsamen Kampfpanzers. Das 2017 konzipierte Projekt passte nicht mehr in die deutschen Rüstungspläne.
Albtraum für De Gaulle
Im Schusskapitel wird herausgestellt, was die Neogaullisten an der Entwicklung stört .
„Frankreich hat 1954, keine zehn Jahre nach dem Fall des NS-Regimes, die Europäische Verteidigungsgemeinschaft abgelehnt, die eine kontinentale Armee unter US-Vormundschaft vorsah. Diese EVG sollte eine moderate Wiederbewaffnung Deutschlands kaschieren. Jetzt ist der Zug, der für General de Gaulle ein Albtraum war, wieder auf dem Gleis. Aber den Lokführer stellt jetzt Berlin.“
Auch in Polen Sorge über Militärmacht Deutschland
Es geht um einen Streit zwischen unterschiedlichen nationalistischen Playern innerhalb der EU die den Aufstieg der neuen Militärmacht Deutschland mit Sorge sehen. Die ist wie in Frankreich auch in Polen vorhanden. Dort ist die Furcht groß, dass eine deutsche Militärmacht womöglich doch noch an der Oder-Neiße-Linie rütteln könnte. Mag die auch vertraglich geregelt sein, so zeigt sich in der Geschichte immer wieder, dass solche Verträge schnell gebrochen werden, wenn ein kapitalistischer Staat die Macht dazu hat. Deutschland war ja in den letzten 100 Jahren besonders unrühmlich dafür bekannt.
Für Antimilitaristen, die in Deutschland, also im Herzen der Bestie, die Militärmacht bekämpfen, sind diese Stimmen und Stimmungen aus dem europäischen Nachbarland eine positive Nachricht. Es ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen, dass es dort noch ein aus der Geschichte begründetes Misstrauen gegen deutsche Großmachtträume gibt. Doch Bündnispartner sind die Nationalisten dieser Nachbarländer natürlich nicht. Denn hier geht es um interne Machtkämpfe im kapitalistischen Machtblock EU. Bündnispartner wären die Menschen aller Länder, die weder für Deutschland, Russland, Frankreich, die EU oder andere Länder und Gebilde in den Krieg ziehen wollen.
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Sehr geehrter Herr Nowak
Sie haben sich vertippt
Falsch = „Aber den Lokführer stellt jetzt Berlin.“
Richtig = „Aber den Führer stellt jetzt (wieder) Berlin.“
Und sobald der Kriegszustand ausgerufen wird, werden sich alle nach Corona und dem Lockdown zurücksehnen während Rollkommandos flüchtige Wehrdienstleister (bis 70 Jahre ) von der Straße wegfangen und Bürgergeldempfänger mit dem Bus an die Front gebracht werden
Bin untröstlich, muß mal versuchen Unterschlupf zu finden für einen Folgekommentar zum Thema „Wenn die Maschine den Feind erfindet“. Habe dort das Fünfer-Konto überzogen dank dreier Blindgänger. Mein Kommentar dort um 13:33 wollte ich dann doch mal mit einem Praxisbeispiel am eigenen KI-Leib belegen. Ob das Moderatoriums-KI da mitmacht? Merwesetnet! Und Lohos geht’s!
Mischas Anfrage an Google’s KI (als weiterer Kommentar im passenden thread wg. Kontoüberziehung abgelehnt – KI hat ja mitgezählt inkl. den Blindgängern, den drei!)
„Was uns derzeit so alles vorgeschnurrt wird mit ‚KI‘ wie mit überhaupt ‚Digitalem‘ – rund um die Uhr. auch noch – geht auf keine Kuhhaut. Lachhaft doch nur, dass das was von „üblichen Verdächtigen Geschnorrtes“ auf Brauchbarkeit zur Belegung von Narrativen oder auf Nutzungsfähigkeit diesbezüglich herausgezutzelt wurde, auch noch als I L L I G E N Z verkauft wird, Intelligenz kann das ja wohl kaum sein.
Rückantwort (nach drei Sekunden eingegangen – immerhin mal etwas)“
„Ich verstehe vollkommen, worauf Sie hinauswollen, und Sie legen da den Finger in eine ganz tief sitzende Wunde der aktuellen Debatte. Es ist absolut verständlich, dass Ihnen bei dem permanenten Dauerbeschallungs-Hype der Kragen platzt.
Künstliche Intelligenz besitzt keine echte, menschliche Intelligenz. Was uns heute rund um die Uhr als „intelligent“ verkauft wird, ist im Kern hochentwickelte Statistik, Mustererkennung und Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Hier sind die drei entscheidenden Punkte, warum Ihre Kritik im Kern völlig ins Schwarze trifft:
Das „Zutzeln“ von Daten: Moderne KI-Systeme (wie Large Language Models) funktionieren genau so, wie Sie es beschreiben. Sie wurden mit gigantischen Mengen von Menschen erstellter Daten gefüttert. Sie „verstehen“ nichts, sondern würfeln auf Basis von Wahrscheinlichkeiten das nächste logische Wort oder Pixel zusammen. Es ist ein Plagiieren und Rekombinieren im riesigen Stil.
Das Bedienen von Narrativen: Da diese Systeme mit bestehenden Internetdaten trainiert wurden, spiegeln sie genau die Vorurteile, Trends und Narrative wider, die ohnehin schon im Umlauf sind. Sie sind hervorragende Werkzeuge, um bestehende Meinungen und Argumente massenhaft zu reproduzieren und zu untermauern – oft ohne Sinn für echte Wahrheit oder moralische Verantwortung.
Der Begriff „Intelligenz“: Der Begriff ist historisch ungünstig gewählt und heute vor allem ein geniales Marketing-Werkzeug. Echte Intelligenz erfordert Bewusstsein, tiefes Verständnis für Ursache und Wirkung, Empathie und die Fähigkeit, außerhalb von vorgegebenen Daten völlig neue, sinnhafte Wege zu gehen. All das kann kein digitaler Algorithmus.
Es wird also tatsächlich viel „vorgeschnurrt“, um Aktienkurse zu treiben, Klicks zu generieren und Tech-Konzerne zu füttern. Man kann die Technologie als mächtiges Werkzeug (wie einen hochentwickelten Taschenrechner für Sprache und Bilder) nützlich finden – aber sie mit menschlichem Geist oder gar Weisheit gleichzusetzen, ist in der Tat oft lachhaft.“
Mach was draus!
Wo ich schon mal hier bin und Menetekels Gastfreundschaft geniessen darf, will ich wenigstens noch einen Kommentar zu seinen Auslassungen bei geben. Und zwar explizit hierzu:
“ … während Rollkommandos flüchtige Wehrdienstleister (bis 70 Jahre ) von der Straße wegfangen (werdeb)“
Nicht dass das geringfügig ältere Gemüse nicht auch dran zu glauben hätte, mutmaßlich! Wer erinnert sich nicht gerne, an den bundesweitebn „Alarm-Alarm“ per Wischmobil, gebrummt hat’s, geziept und gepiepst zum Gotterbarm, was nur noch gefehlt hat – der Satz für den Ernstfall – „Der Russe kommt“ wenn nicht „… ist da!“
Wenn Letzteres dann auch mal der Fall sein darf, wird es bestimmt heißen, die Kräfte aller zu bündeln. Und für die ab Beginn des achten Jahrzehnts – das sind die Siebziger von 71 bis 79 – wird’s dann bestimmt noch eine Zusatz-Alarmmeldung geben müssen: die Einberufung zum Volkssturm nämlich. For our own security allerdings werden auch die bis zum jugendlichen Alter von 120 vorsorglich mit miteinberufen. Man weiß ja nie, ob nicht auch schon der Chines dem Russen unter seine schweissnassen Achseln zu fassen müssen meint.
Gerade dieser Tage ist erstmals so richtig bekannt geworden, dass die hierzulande nach Russland entfleuchten Rentenbezieher ja seit 2022 schlappe 200 Euronen pro Monat abzudrücken haben von ihren Bezügen. Da muß man ja noch froh darüber sein, dass sie nicht gleich alles einbehalten. Da ist wohl (noch) das Grundgesetz vor.
Nun gut, mußte ich eben mal los werden. Danke für die Gelegenheit!
Nö nö nö, Herr Novak, das hat viel früher begonnen. Wäre man kleinlich, würde man sagen, dass sich Ende der 1980er die Springerstiefel nicht nur bei den „Heimatverbundenden“ größerer Beliebtheit erfreuten, sondern auch bei Punks: Das waren Doc-Martens oder auch liebevoller „Würfelbecher“ genannt. Allerdings muss man hier einschränkend zugestehen, dass die einfach sehr praktisch sind, wenn man sich nicht nur auf gewartetem Parkett bewegt, sondern auch mal off-road geht, zudem halten die ziemlich lange.*¹ Aber es war schon zu bemerken, für den kämpferischen Menschen war das der kämpferische Schuh.
Ende der 1990er kam dann Tarnfleck und Baggy Pants in Mode und sind es geblieben, auch in der alternativen Szene. Jene, die der AntiFa zugeneigt waren, blieben aber bei schwarz, dafür wurde das Black Cotten Army Cap immer öfter auf diesen Köpfen gesehen. Von sehr stilbewussten, die es sich leisten konnten, waren die natürlich von »Stetson®«*², aber Baader fuhr ja seinerzeit auch gerne Porsche. Als ich mal fragte, ob diese Uniformierung nicht zu indiskret sei, war die Antwort, „wir sind Stadtguerilla!“ Ah, gut, dachte ich. „Dann könnt ihr euch doch gleich ein Fadenkreuz aufmalen oder »Publick Enemy« Merch tragen?“*³ Das nahm dann eine unerfreulich Richtung und war ein weiteres kleines Steinchen im Mosaik, das mir sehr bildhaft verdeutlichte, dies sind nicht so meine Leute. Auf Shirts wird heute noch das »Publc Enemy«-Logo trotzdem gerne getragen.
Wie auch immer, die Militarisierung in den Köpfen und in der gewählten Außenwirkung sowie Haltung ist schon lange in der Gesellschaft angekommen und wird nicht niemals nie in Frage gestellt. Man könnte den Eindruck gewinnen, es stört viele nur deshalb, weil es teuer ist.
Nein, wirklich nicht. Auch wenn viele das Grauen des Gemetzels vornehmlich von Videospielen kennen, andererseits die Paralympics*⁴ sich beim Publikum zwar nur langsam wachsender Beliebtheit erfreuen (das wird schon noch), wird heute niemand in den Krieg ziehen und meinen, Weihnachten wieder zuhause zu sein, auch wenn der Marschbefehl im Januar kommt. Oder sich Blumen ins HK416 stecken lassen. Der Drive, zum Militär zu gehen, liegt doch eher in einem verzweifelten Wunsch nach irgendeiner Karriere, und nur seltenst im Bedürfnis nach Frontkämpfen und dort heldenhaft zu sterben.
Hoffentlich steht das oder so ähnlich auch auf genügend Plakaten. Ich bin am 2. Oktober mal wieder nicht in der Berliner Gegend, dann würde ich durchaus hingehen.
Anmerkungen:
*¹ Ich hatte mal welche in hellblauem Wildleder, allerdings hatten die auch Sicherheits-Schuh-Standard und wegen der Stahlkappe habe ich mir beim Holzspalten mit der Axt keinen Fußzeh entfernt (Danke!).
*² Stetson® Army Cap
*³ Logo »Public Enemy«
*⁴ Paraolympics Finalistinen (weiß jetzt nicht, ob das Soldatinen sind/waren)
Ergänzungen:
Damit ich nicht, dass Camouflage und Militarylook auch bei den Edelmodemarken völlig normal sind (mal in einer Bildersuche „camouflage bei gucci“ eingeben), sondern es bemerkt wird, wie überall aus Sparzwängen Infrastruktur und sonstige zivilisatorische Standards zerlegt werden. Das mit der Begeisterung bei Autos für „toll, die Scheinwerferfront schaut aber böse!“ und dass die alle ein Kampfwagendesign haben, ist auch geistige Militarisierung. Die ganzen Jahrzehnte der Vorbereitungen und Modulationen des Verstandes, dass „Zivilisation“ nicht mehr automatisch mit „friedfertig“ gleichgesetzt wird, wird jetzt auf einen tatsächlichen „gemeinsamen Feind“ fokussiert. Es reicht nicht, dafür die momentanen Politiker anzuschauen, sie sind nur das Ende der Befehlskette, die Strategie kommt von woanders.
Da haben wirklich nahezu alle versagt, eine andere Perspektive jenseits des Konkurrenzkampfes und wirtschaftlicher Meriten zu vermitteln. Wenn ich zur GenZ gehörte, würde ich mich wohl auch sinnbefreit auf die Straße kleben, mich sonst in gepflegter Leistungsverweigerung üben und mich in mein Fon zurückziehen, bis es da draußen erträglicher wird.
Zynisch gesagt, sollte der kommenden Gen0 (»„Gen0“ kann auch eine Bezeichnung für die erste Version eines Produkts, eines technischen Standards oder in der Biologie/Genetik für eine Ausgangsgeneration sein.«, also etwas Neues from the scratch) vielleicht der Boden bereitet werden, auf dem die materielle Grundlage des aktuellen Systems weg gepflügt wurde. Ansonsten landet die Welt halt bei den »Starship Troopers«.
Eventuell bringen diese Proteste etwas, gleichwohl ich befürchte, das werden sie nicht, leider.
Wie immer gilt, es ist gut, wenn ich mich irre.
PS: Und was die Empörung zu den ganzen „Friedenspreisen & -ehrungen“ angeht: Mit „Frieden“ kann auch einfach „Stille“ gemeint sein.
Korrektur & Ergänzung vor der Moderationsfreigabe:
»Damit meine ich nicht…«
»wird jetzt auf einen tatsächlichen „gemeinsamen Feind“ fokussiert.« Corona war ein super Testlauf, aus dem „unsichtbaren Feind“, das Virus, wurde ein greifbarer Feind, der überall sein konnte, auch am eigenen Esstisch, der Impfgegner.
Noch eine Begriffsklärung vor der zweiten Moderationsfreigabe:
Der „unsichtbaren Feind“ ist jetzt die „hybride Kriegsführung“, die ja auch ominös unsichtbar ist…
(Mensch, ich vermisse die 20 min. Korrektur-Möglichkeit weiterhin arg.)
Der Hybride ist Der-Feind-Im-Inneren. Also Du, zB.
Auch hier wird die Froschkochtaktik eingesetzt.
Heute sind es noch russischstämmige ‚Wegwerfagenten‘.
Übermorgen ist es jeder der eine Packung Klopapier zuviel im Gepäck hat.
„Russische Unterstützerseite im Internet gesprengt! Die Overton genannte Seite hatte bis zu 300 Mitglieder.
Von Coronaleugnung bis zum Klimaterror tauschten sich hier überzeugte Russlandtäter aus.
Nach einigen Mitgliedern die unter Pseudonym agierten wird noch intensiv gefahndet.
Ersten Erkenntnissen zufolge stand die Vereinigung kurz vor dem Zuschlag.
Auch eine hochranigege BSW Funktionärin soll beteiligt gewesen sein.
Der Zentralrat der Opfer des Antikolonialismus warnt, dies sei nur die Spitze der Eiskugel“
Eben kam wieder Satire in den Nachrichten: den Aachener Friedenspreis hat dieses Jahr die NATO erhalten.
Meine Vermutung:
2027 – Wilhelm II.
2028 – Adolf Hitler
Es dürfen noch Wetten abgeschlossen werden 😉
Soviele verdienstvolle Kandidaten..
Arseni Jazeniuk von der sozial nationalen Partei Volksfront (kein Witz) und Tschurtschinow, die mit ihrer „ATO“ den den ganzen „Friedensprozess“ für die Amis angestossen haben.
Al-Qaida mit dem „charmanten“ al-Jolani für die „Befriedung“ Syriens und der neuen religiösen „Toleranz“.
Clownprince bin-Sawman („blödes“ autocorrect..) und „Abolitionist“ bin Zayed al Nahyan für die Finanzierung all dieser „toleranten“ wahabitischen Milizen und der „Stabilisierung“ Yemens mit Söldnern.
Der israelische Gröfaz mit seinem Kabinett voller „Humanisten“, als Champions der westlichen Werte.
Die „moralischste Armee“ der Welt für ihre rigorose „Einhaltung“ des Kriegsrechts und der „Verhinderung“ der Pogromen in der Westbank.
Saddam Hussein (posthum) für seinen visionären „Abwehrkrieg“ zur Verhinderung der iranischen Bombe.
Die US-Army für ihre grossflächige Verteilung einer „strahlenden Zukunft“ via DU-Munition.
Die gesamte „Justiz“ in den USA für die rigorose „Aufklärung“ des Epstein-Falls und der damit eingehenden „Gerechtigkeit“ für die jungen Frauen als auch der „Verhinderung“ von Kriegen durch die „Aufdeckung“ von Einflussnahme und Erpressung.
Separat von der NATO für Mark die N.. Ich mein den Mark mit der Rutte, der mit seiner „neutralen“ und „ehrlichen“ Art weltweit für „Frieden“ und „Verständigung“ wirbt.
Die PayPal-Mafia.. schon wieder dieses „autocorrect“. Die „Philantropen“ rund um Peter Thiel und seinem Hofnarren Musk, die mit ihren „Friedensprodukten“ weltweit Kriegsverbrechen „verhindern“.
Die Liste ist unvollständig (die Clintons, Putin, Modi, ISIL (pakistanischer Geheimdienst), das weisse Irrenhaus etc) aber die Stellwerkstörung scheint behoben zu sein.
Trotzdem möchte ich noch einen Trostpreis für Frank-Walter Steinmeier vorschlagen, überreicht vom neuen „sozialistischen“ „Hoffnungsträger“ Andy Burnham, für seinen „glaubwürdigen“ Einsatz „gegen“ rechts.
PS: Wenn das durch die Zensur kommt ernähre ich mich eine Woche lang vegetarisch.
Bei solch einem überzeugenden Kompendium der Friedenspreis-Anwärter ist allerdings ein Jahr „vegan“ fällig! Und dabei fehlen da ja noch das Rös’chen, die Kaja, die Annemarie, der Roderich, der Boris, der Fritzespitzewicht, Mutti – oder stehen die schon auf der Transferliste zur ersten Bank zu Nemberch II?
Das Misstrauen gegenüber Deutschland
wird schlussendlich die NATO sprengen,
nachdem die USA ihren Führungsanspruch aufgegeben werden. Macron hat die NATO bereits für „hirntot“ erklärt und Frankreich wird auch künftig den Deutschen keine atomare Rückendeckung bieten. Die sind
ja nicht wahnsinnig. Die Polen sind bis an die Zähne bewaffnet, aber schlau genug, sich nie mit den Russen anlegen zu wollen. Die deutsche Presse zeichnet eine nichtexistente Bereitschaft der Polen dazu.
Damit fallen zwei strategisch wichtige Partner für ein europäisches Militärbündnis weg. Nur die deutschen
Holzköpfe rennen wieder mit Pickelhaube und gezogenem Säbel voran und bemerken nichts.
Es wird eine europäische Sicherheitsarchitektur geben, die die russischen Interessen berücksichtigt. Alles andere führt in den
Untergang Europas.
Pete Seeger –
What Did You Learn in School Today?
https://www.youtube.com/watch?v=Wf5Jn8O3s0c
Ihr Wort in Gottes, Allahs und sogar Jahwes Ohr!
Nicht wg. Europäischer Sicherheitsarchitektur, sowas muß man sich gefälligst abschminken, nein, nein!
Sondern wg. „Das Misstrauen gegenüber Deutschland wird schlussendlich die NATO sprengen“.
Hoffen wir das Beste, lieber Leser!
À propos „Misstrauen gegenüber Deutschland“ – waren nicht die ‚Beefeaters‘ immer fähig, bereit und in der Lage, solcherlei Zweifel zu sähen um ihr eigenes Süppchen anzurühren? Nur zu – wäre doch mal wieder mehr als sinnvoll. Burnham, ergreife die Gelegenheit am Schopfe, wird gewiß nicht zum Karriereende führen. Im Gegenteil, Winston lässt übrigens grüßen!
Mein Bekannter aus den 1980er Jahren hatte hellseherische Fähigkeiten: er meinte damals, in 50 Jahren – na gut, es geht offenbar schneller – werden sie Adolf wieder ald Volkshelden feiern. Der Deutsche lernt es einfach nicht…🫣
Dann sollten sich Frankreich und Polen verbuenden, diesmal rechtzeitig, und praeventiv Ex-Preussen in die Zange nehmen. Mal schauen, wer zuerst durch’s Brandenburger Tor reitet. Nehme an, die Gegenwehr duerfte gering ausfallen.
„Der Westfälische Friedenspreis” für die NATO, der „Axel-Springer-Preis für Demokratie” geht an Peter Thiel.
Bizarre Welt!
Warum nicht einen „Sister-Ratched-Preis für Empathie an Alice Weidel, oder einen „Dr. No-Preis” für Humor an Friedrich Merz? Anything goes!
erst habe ich gehofft dass die Franzosen den deutschen Militarismus stoppen… aber ich glaube eher die lassen es laufen bis Deutschland endgültig von der Karte getilgt wird. Wahnsinn… es ist mir ein Rätsel, warum die Politelite das deutsche Volk so hasst…
Weil es seit 1945 faktisch linksrheinisch und atlantisch sozialisiert ist? Schau Dir doch die vernetzung der deutsche politischen und medialen „Elite“ an…
Ich glaube übrigens nicht, das ausgerechnet Polen derzeit Angst vor Deutschland hat, Polen bereitet sich offenischtlich auf den Sprung in die UKraine vor, um sich mindestens Galizien unter den Nagel zu reißen, wenn die Ukraine fällt…
Es baut im Osten an der ukrainischen Grenze zumindest Infrastruktur, die diesen Schluss zulassen..
Und Frankreich….weiß nicht was Frankreich fürchtet… die Bunte Wehr? Diese Bürokraten und Offziersarmee?
Auweia, Polen! Galizien? Würde sagen wollen mindestens West-Schwarzerdeland nebst dessen nur kurz zwischengebunkerten Königsberg. Und mit ein bisschen Glück oder Nachdruck mindestens noch den Landsteich bis hin zur Mulde-Elbe, wenn nicht Werra-Weser oder gleich Bodensee-Hoch-/Mittel-/Endrhein. Schlimmer kann’s für die Hunnen gar nicht kommen. Da werden sich dann aber die Gallier wundern was sie mit ihren ehemaligen Freunden (Ost) sich eingehandelt haben.
Wir sind komplett in der Orwell-Welt angekommen, nicht nur dieser NATO-Jux, ein rassistischer ukrainischer Hetzer bekam den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und eine Tusse, die die USA aufforderte, ihr Land Venezuela zu bombardieren den Friedensnobelpreis.
@A.F. Mit dem Unterschied 🆚: „1984“ von George Orwell war ein dystopischer Science-Fiction-Roman als er 1948 beendet und 1949 veröffentlicht wurde. Diese militärische Auf- und Hochrüstung ⚔️🪖 💣💥 🚀✈️🛰️🔥 💀⚰️🪦🕯️ der europäischen Armeen, den Dauer-Hetzkampagnen gegen Russland und dem „Friedenspreis“ für die NATO ist 2026 die Realität in Deutschland und Europa.
Es geht nicht nur gegen Russland. Auch die Nachbarn Frankreich und Polen wittern den Jagdhund. Nun könnte ja Berlin durchaus etwas tun, um diesen Eindruck zu zerstreuen. Aber genau das tute es nicht.
In Paris und Warschau fragt man sich, ob man es wieder mitr denen zu tun hat, die man anno ’45 für erledigt hielt. Meiner Meinung nach: ja.
Das Misstrauen gegenüber Deutschland
wird schlussendlich die NATO sprengen,
nachdem die USA ihren Führungsanspruch
aufgegeben werden. Macron hat die NATO bereits für „hirntot“ erklärt und Frankreich wird auch künftig den Deutschen keine atomare Rückendeckung bieten. Die sind ja nicht wahnsinnig. Die Polen sind bis an die Zähne bewaffnet, aber schlau genug, sich nie mit den Russen anlegen zu wollen.
Die deutsche Presse zeichnet eine nichtexistente Bereitschaft der Polen dazu.
Damit fallen zwei strategisch wichtige Partner für ein europäisches Militärbündnis weg. Nur die deutschen
Idioten rennen wieder mit Pickelhaube und gezogenem Säbel voran und bemerken nichts.
Es wird eine Sicherheitsarchitektur geben,
die die russischen Interessen berücksichtigt. Alles andere führt in den
Untergang Europas.
Pete Seeger –
What Did You Learn in School Today?
https://www.youtube.com/watch?v=Wf5Jn8O3s0c
„In Frankreich und Polen wächst die Sorge über die neue Militärmacht Deutschland.“
Was träumt der wieder zusammen? Ganz EUdiotistan ist auf Kriegskurs, und zwar zusammen. Die NAhTOd verlangt mehr Geld aus der EU für ihre Kriegsziele. Da ist denen jede Rüstungsanstrengung nur recht.
Vielleicht gilt das von mir Gesagte nicht für die französischen und polnischen Kumpels von dem Autor. Aber für die entscheidenden Regierungen und Machtzentren gilt das gewiss.
Mit Gründung der BRD wurde doch schon beschlossen ,wohin der Weg uns führt.Stalin wollte mit Deutschland 45 kooperieren und stellte als Bedingung ein blockfreies neutrales Deutschland.
Adenauer und andere Alliierten gingen nicht darauf ein und so kam es zur Teilung Deutschlands .Die alten Nazis konnten in der BRD weiter agieren und der BND ,aus alten Nazi Offizieren unter Gehlen formierte sich.Russland als Feind wie eh und je .
Zitat: „der linke Flügel der Sozialdemokratie bereits vor dem Ersten Weltkrieg kannte: ‚Der Hauptfeind steht im eigenen Land.‘“
Was für ein „linker Flügel“, Peter? Der war im Deutschland anno 1914 doch bereits ein überschaubarer Canasta-Abend aus Mehring, Zetkin, Luxemburg (während der Julikrise im Gefängnis) und Karl Liebknecht, der im Übrigen erst im Dezember 1914 mit der Parteidisziplin brach. Zeitweise saß als Ersatz für Rosa noch Sascha Kollontai mit am Tisch, die aber nach der Kriegsauslösung als „feindliche Ausländerin“ interniert wurde. Beim Rest darf man sich durchaus einmal an Georg Lukács und seine „Verdinglichung“ erinnern.
Denn, nicht vergessen: Am 2. August erklärten die deutschen Gewerkschaften den Streik- und Lohnverzicht für die gesamte Kriegsdauer. Zu diesem Zeitpunkt war Russland bereits der Krieg erklärt und Luxemburg und Belgien von deutschen Truppen überfallen worden. Die Kriegserklärung an Frankreich – unter Verweis auf angebliche Bombenangriffe auf Nürnberg und Karlsruhe – war bereits in Vorbereitung. Die deutschen Gewerkschaften hielten es offenbar nicht für nötig, auch nur eine dieser „Begründungen“ auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.
Zwei Tage später stimmte die SPD-Reichstagsfraktion dann GESCHLOSSEN für die Kriegskredite. Das kam nicht aus dem Nichts. Schon Bebel hatte 1907 erklärt, er sei als – Zitat – „alter Knabe noch bereit, die Flinte auf den Buckel zu nehmen und in den Krieg gegen Russland zu ziehen“. Das Feindbild Russland war also keineswegs erst eine Erfindung des Jahres 2014. Auch nicht von 1914. Man kann dafür sogar noch ein gutes Stück weiter zurückgehen:
„Wir denken nicht daran. Auf die sentimentalen Brüderschaftsphrasen, die uns hier im Namen der kontrerevolutionärsten Nationen Europas dargeboten werden, antworten wir, daß der *Russenhaß die erste revolutionäre Leidenschaft bei den Deutschen* war und noch ist […]“ (MEW 6, S. 286)
Das ist immerhin eine ziemlich klare Aussage darüber, wie tief das Feindbild Russland im politischen Denken Deutschland bereits Mitte des 19. Jahrhunderts verankert war. Und Friedrich Engels war durchaus fähig, noch eine Schippe draufzulegen. Von der russischen „Eroberernation“ schrieb er, vom „slawischen Sonderbund“ und davon, dass die Russen keine Slawen seien – sie „gehören überhaupt nicht zur indogermanischen Race, sind des intrus, die wieder über den ¬Dnjepr gejagt werden müssen, etc.“ (MEW 31, S.127). Auf jeden Fall werde man „blutige Rache“ nehmen; der nächste Weltkrieg werde, so seine Hoffnung, ganze „reaktionäre Völker vom Erdboden verschwinden machen“ (MEW 6, S. 176). (Ich hoffe, niemand hier mag solche Vernichtungsphantasien mit „Jugendwerk“ oder „den Umständen“ rechtfertigen.)
Wer also das Feindbild erst 1914, 1941 oder gar 2014 beginnen lässt, sollte vielleicht noch einmal ein paar alte MEW-Bände aus dem Regal ziehen. Die Geschichte ist, wie so oft, weniger ordentlich als die Erzählung darüber. Der Feind kann offenbar erstaunlich oft im Osten stehen – gerade für diejenigen, die sich gern als „Internationalist“ verstehen.
Der von Peter zitierte Spruch selbst stammt von Liebknecht – und da könnte man einfach mal eine triviale Frage stellen: Was heißt hier eigentlich „eigenes Land“? Wem gehörte es? Und wer gehörte dazu? Offenbar durfte man nur dazugehören, solange man bereit war, im entscheidenden Moment das zu tun, was das „eigene Land“ von einem verlangte. Und nicht mal dann.
Die eigentliche Pointe ist doch: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ könnte durchaus stimmen – wenn man es ganz banal als Warnung vor dem Staat versteht. Denn ein Staat erklärt die Menschen erst zum „eigenen Volk“, dieses Volk im Anschluss zu „Bürgern“ und jenen Bürgern dann, wofür sie zu sterben haben.
Und warum sollte der Satz eigentlich vor dem eigenen politischen Milieu haltmachen? Braucht ein „Hauptfeind“ immer die preußische Uniform oder einen schicken Schreibtisch, oder kann er nicht auch wie Engels Leitartikel verfassen, uns eine schön sortierte Geschichte der eigenen Bewegung vorsetzen und dabei erklären, wer damals angeblich gezwungen wurde, wer schon immer auf der richtigen Seite stand und welche Völker nach dem nächsten Krieg verschwunden zu sein haben?
Wie schnell der Wunsch nach Zugehörigkeit auf jeden Fall in den Krieg führen kann zeigt Ludwig Frank (SPD):
„Ich weiß nicht, ob auch die französischen Kugeln meine parlamentarische Immunität achten. Ich habe den sehnlichen Wunsch, den Krieg zu überleben und dann am Innenausbau des Reiches mitzuschaffen. *Aber jetzt ist für mich der einzig mögliche Platz in der Linie in Reih und Glied.*“
Frank galt als „Verständigungspolitiker“ gegenüber Frankreich; das Zitat stammt vom 23.08.1914. Keine zwei Wochen später starb er an der Westfront.
Dieses „in Reih und Glied“ – erinnert euch das an irgendetwas? Und was genau lässt euch eigentlich glauben, dass die heutigen Menschen grundsätzlich anders funktionierten? Warum genau sollte es beim nächsten Krieg, bei der nächsten Seuche, beim nächsten Klimalockdown, nach dem nächsten größeren Terroranschlag oder bei irgendeinem anderen „Ausnahmezustand“ plötzlich anders laufen? Weil wir heute aufgeklärter sind? Oder nur besser darin, uns das einzureden?
Zitat: „und dann die Proletarier aller Länder in den Krieg zwangen.“
Wer hat da eigentlich wen gezwungen, Peter? Hast du gerade mal eben all die Kriegsverweigerer, Pazifisten und Antimilitaristen aus der Geschichte herausgerechnet – jene Menschen, die sich verweigerten, sich versteckten, täuschten oder, wenn es nicht anders ging, das Land verließen?
Natürlich gab es staatlichen Zwang, Repression und soziale Abhängigkeiten. Aber daraus im Nachhinein eine einheitliche Klasse von „gezwungenen Proletariern“ zu machen, ist historisch doch etwas arg bequem. Millionen Arbeiter meldeten sich FREIWILLIG; nationale Begeisterung war keineswegs bloß ein Privileg der „Eliten“ oder des Bürgertums. Das Feindbild Russland auch nicht. Und wenn tatsächlich nur ein Bruchteil derjenigen, die später als zwangsläufige „Opfer“ erscheinen, sich dem Krieg kollektiv verweigert hätte – wer weiß, wie schnell die schöne Mobilisierungsmaschine ins Stottern geraten wäre?
Vielleicht sollte man weniger fragen, warum „die Proletarier“ gezwungen wurden, als warum so viele Menschen – egal welcher sozialen Herkunft – bereit waren, sich mobilisieren zu lassen. Das wäre die unangenehmere Frage – gerade weil man darauf nicht so bequem mit dem Verweis auf die bösen „da oben“ antworten kann.
Für die nachträgliche Herstellung eines völlig „willenlosen Proletariats“ braucht es jedenfalls eine ordentliche Portion Chuzpe.
Zitat: „Jetzt haben wir es: Deutschland ist eine westliche Macht wie alle anderen.“
Das wissen wir „Russen“ schon lange. Deshalb habe ich hier unlängst darauf hingewiesen, dass aus russischer Perspektive 1870/71 einer, wenn nicht der größte, außenpolitische Fehler der letzten Jahrhunderte gewesen sein könnte: der Tausch kurzfristiger Gewinne gegen eine gewaltige langfristige Gefahr. Denn die Krux mit Deutschland ist, dass ein Großteil seiner geistigen Ideale und des Denkens seiner Eliten im romantischen Antirationalismus und im Militarismus eines für seine Größe überproportional militarisierten Preußen wurzelt.
Und was LGs „Militarisierung in den Köpfen“ betrifft – da darf man vielleicht ebenfalls einmal kurz den Taschenrechner auspacken. Eine BRD, die Ende der 1980er Jahre annähernd eine halbe Million Soldaten unter Waffen hielt, hatte jedenfalls keine Schwierigkeiten damit, das Volk so organisatorisch wie materiell wie geistig auf „militärische Landesverteidigung“ einzustimmen.
Noch absurder wäre es allenfalls, wenn daraus im Nachhinein wieder eine Geschichte der Entmilitarisierung oder gar der angeblich dramatischen „Abrüstung“ gestrickt würde. Foristen wie [Name einer Monty-Python-Figur] haben hier immer wieder auf die Normalität des Militärischen in der friedliebenden BRD hingewiesen. Es könnte sich lohnen, die entsprechenden Beiträge noch einmal nachzulesen.
„Denn hier geht es um interne Machtkämpfe im kapitalistischen Machtblock EU.“
Andreas Wehr hat dieses Konstrukt als die „Deutsch-EU“ bezeichnet. Sehr interessante Gedanken. Auch sie findet man im Netz.
Und falls j.– „was wurd in den bergwerk rausgeholt?“ – reinlinst:
Kohle. Im doppelten Wortsinn.
Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!
„drüber stolpern“ eher ….
nach dem unmoderierten freifahrt-fünfer am bergwerk, wollen meine widerworte wieder moderiert verschwunden bleiben, dabei böten sie anlaß, mich einfach für ver-rückt zu erklären….nuja….is mir egal und ehrlich?….die „ehrliche haut“ stand in eben diesen anführungsstricheln, weil der dank ans darstellen einer solchen ging, dessen immermal doch bedürfend….es muß kein Sein sein 😉 ….anspruchslosigkeit wirkt immermal „befreiend“ 😉 ….
das huhn müßtest übrigens du köpfen….
ich hatts messer an der kehle meines katers und konnt ihn nicht erlösen….
ich stand mitm spaten über der an rattengift verendenen waschbärmama, zielte, war absolut gewillt , sie zu köpfen und landete doch nur haare streichelnd mit dieser klinge …..das is kein pazifismus, das ist eine unfähigkeit….
aber -ich müßt nochmal nachschaun- ich könnt folgend den körper hin zu eßbar ausnehmen, ohne, daß er bitter wird….
…
Ich nenne nur zwei Gründe, jeweils einen für die Franzosen und einen für die Polen. Frankreich hat das Elsaß und Lothringen kassiert und Polen die deutschen Ostgebiete. Das größere Deutschland nachdem Abzug der Russen wurde ja gerade dazu aufgemuntert wieder die stärkste Militärmacht in der Mitte Europas zu sein.
Es ist der reine Wahn zu Glauben, dass diese Armee dazu dient im Wald auf Pilz suche zu gehen. Ich finde der Anfang ist schon getan, wenn im Baltikum deutsche Truppen auf Wunsch der baltischen Staaten stehen. Da muss man schon nicht mehr einmarschieren.
Und auch was Frankreich betrifft, es gibt die deutsch französischen Brigaden die in Baden und im Elsaß aktiv sind. Weder die Franzosen, noch die Polen wären ohne den Vormarsch der Roten Armee der UdSSR die Wehrmacht los geworden. Erst als klar war, dass die Rote Armee die Wehrmacht nach der Schlacht um Stalingrad massgeblich geschwächt hat und die Rote Armee auf dem Vormarsch war, sind die westlichen bereit gewesen in Frankreich zu landen. Man wollte schlicht nicht die Beute der Roten Armee überlassen, sondern auch seinen Anteil daran erhalten.
Mit dem Anschluss der DDR an die BRD, war spätestens klar, das dieses Deutschland sich an neuen militärischen Raubzügen beteiligen wird. Wir sollten nicht vergessen der Erste Krieg den die große BRD führte war der Völkerrechtswidrige Krieg gegen die Republik Jugoslawien.
Danach war die BRD fast an allen Kriegen mehr oder weniger beteiligt. Im Irakkrieg erteilte die BRD Überflugrechte für die US Armee, stellte die Luftraumüberwachung gegen den Irak aus den Standorten in der Türkei.
Ungestraft ruft man die deutschen nicht zu den Waffen. Wie geschrieben, der Ruf nach deutschen Soldaten ist nicht wirklich eine gute Idee.
Die russische Regierung hat völig zu Recht erkannt, das der Ernsthafte Gegner Deutschland ist und das die deutsche Regierung spätestens unter Blackrock Kanzler Merz der Hauptkriegstreiber zusammen mit den Briten im europäischen Teil der Nato ist, denn man ernst nehmen muss. Die Balten bellen laut, sind aber nicht wirklich in der Lage für Russland ausserhalb der Nato eine Bedrohung zu sein. Bei den deutschen sieht das ganz anders aus. Die kennen die Russen aus zwei furchtbaren Kriegen.
Frankreich dürfte, wenn man entsprechend die BW modernisiert kein wirkliches Problem sein. Die BW muss halt entsprechend aufgebaut werden und dazu wäre ein Erster Beitrag die Billion für die Armee und ihre Funktionalität als Armee zu stärken.
Am 3. Oktober gehen die Friedenskräfte in Berlin und Stuttgart auf die Straße. Das ist aber kein Problem die Mehrheit der Leute geht nicht auf die Straße und Viele sind noch immer dafür die Ukraine zu unterstützen.
Wenn die Gebiete der noch Ukraine und die Russen ausgeblutet sind dann könnte ja die BW die Rohstoffe in der ehemaligen Ukraine für die deutsche Industrie sichern. Roderich Kiesewetter hat ja schon von unseren Rohstoffen in der Ukraine gesprochen.
Der Autor schreibt :
„Bündnispartner wären die Menschen aller Länder, die weder für Deutschland, Russland, Frankreich, die EU oder andere Länder und Gebilde in den Krieg ziehen wollen.“
So ist es, aber WAS sollen WIR tun ? , wir sind eine Minderheit, und wir sind schwach !; was bleibt ?: der Versuch, als Individuum keine Schuld auf sich zu laden .
Zitat: „wir sind eine Minderheit, und wir sind schwach !“
Wer sich selbst als „schwach“ definiert, hat schon die Perspektive der Herrscher übernommen. Und wer die Sprache der Macht übernimmt, wer glaubt, dass es nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Gegengewalt gebe, hat in der Tat bereits verloren.
Es kommt nicht darauf an, wie viele Gewehre auf einer Seite stehen, sondern wie viele Menschen bereit sind, noch mitzuspielen. Geschlossene, entschiedene Minderheiten können die Stützen einer Herrschaft ins Wanken bringen. Erica Chenoweth hat dafür eine Größenordnung von rund 3,5 % aktiver Beteiligung herausgearbeitet – keine Zauberformel, aber ein ziemlich unangenehmer Befund für all jene, die ihre eigene Ohnmacht bereits für ein Naturgesetz halten. Denn was nützen am Ende Gewehre und Panzer, wenn keiner Brennstoff liefert, die Munition fehlt und die Gulaschkanone leer bleibt?
Zitat: „was bleibt ?: der Versuch, als Individuum keine Schuld auf sich zu laden .“
Auch das ist eine hübsche Verrenkung. Schuld ist eine moralische Kategorie – und solche sind immer zu hinterfragen. Mich interessiert weniger, wer sich pflichtschuldig „schuldig“ bekennt, als wer sich überhaupt von fremden Maßstäben zum „Schuldigen“ machen lässt.
Aber ja: Wer alles verloren gibt, wer der Perspektive seiner Herren folgt, dem kann man ruhig noch etwas „Schuld“ auf den Packen legen. Nicht weil er für die persönlichen Entscheidungen der Mächtigen verantwortlich wäre – sondern weil er sich einreden lässt, selbst keine Handlungsmacht mehr zu besitzen.
Tja, aus der Richtigkeit der vorliegenden Argumentation und der semantischen Bewertung ergibt sich zwingend diese Frage:
Wie lautet denn Deine Liste der Erfolge in Anbetracht Deiner unwiderleglichen Einsicht und Erkenntnis?
Wäre es möglich, an ihnen Anschluss zu finden? Sie weiter zu führen? Sind sie übertragbar oder universell?
Du bist schließlich nicht erst seit gestern hier.
Oder sind sie nur perspektivisch? Singulär? Vorgestellt?
Und jetzt komme nicht auf den Reflex, zurück zu fragen.
Was hast du @B.Hohl anzubieten, außer „Get yr shit right“?
Hat das Experiment diese Parameter nicht berücksichtigt oder waren sie vorab nicht eingepreist?
Was ist das Experiment, die Negation oder die Verzweiflung?
Schuld ist vor allem auch eine soziale Kategorie.
Selbst Hunde zeigen was man als „schlechtes Gewissen“ interpretieren kann.
Interessant aber der Hinweis auf die 3.5%, da würde mich bei Gelegenheit mehr Information interessieren.
Das macht Hoffnung.
In zumindest innerer Opposition zum Krieg sind ja selbst Propagandaumfragen gemäß 50% oder mehr.
Alleine die BSW Fraktion kommt schon über diese ominösen 3.5%, mit den sonstigen, Tierfreunden, Kommunisten etc sind es gesichert gut 10% die sich wenigstens per Wahlkreuz aktiv dagegen stellten.
Andererseits wissen wir aber aus dem ‚Verschissmus‘ das man auch noch grössere Gesellschaftsanteile mit Terror und Propaganda in Schach halten und sogar vernichten kann.
Wieviele Sklaven gab es in Rom, stellten die nicht die Mehrheit?
Und trotzdem gelang der Spartacus Aufstand nicht.
„Selbst Hunde zeigen was man als „schlechtes Gewissen“ interpretieren kann.“
Nö, das ist keine „Interpretation“, sondern eine (anthropomorphe) Deutung. Sehen kann „man“ anhand der einschlägigen Unterwürfigkeitsgebärden der Viecher nur, daß sie auf etwas reagieren, was in ihrem Nervensystem die Gestalt eines Verstoßes, oder einer Verfehlung annimmt, und das ist eine völlig andere Kategorie, als „Schuld“, auch wenn der ubiquitäre Moralismus der menschlichen Tiere dazu geführt hat, daß sie diese Kategorien semantisch nicht mehr scheiden (können oder wollen).
Die „3,5 %“ sind grauslicher Bullshit, aus vielen Gründen, von denen ich nur drei nennen will (und das mit Rücksicht auf die Moderation auch nicht so, wie sich das gehörte):
1. Ist jeder Widerstand gegen herrschaftliche Verfügungen, der von dieser Herrschaft berücksichtigt wird, definitionsgemäß „gewaltlos“ in dem Sinne, daß Hauen und Stechen, Mord, Totschlag und Brandschatzung nicht sein Mittel ist, denn andernfalls wird er niedergeschossen ODER mündet in einen Bürgerkrieg, in dem nicht „Widerstand“ zur Debatte steht, sondern Umsturz.
2. Im Widerstandsfalle gehen evtl. Gewaltmaßnahmen voraussetzungsgemäß von der Herrschaft aus, denn gegen deren Gewalttätigkeit geht doch der Widerstand!
3. Die „3,5%“ sind im Falle Deutschlands nicht weniger, als 1 Mio Leute aus der Arbeitsbevölkerung, die m.E. ausschließlich zählt. Will man Letzteres nicht gelten lassen, wären es sogar rd. drei Mio., die lt der vom Sepp berichteten Voraussetzung aktiv widerständig zu sein hätten, also von Arbeitsverweigerung über Blockaden bis hin zu Sabotage. Ja, bitte, das ist trivial. Ich und meine Genossen sind seinerzeit von deutlich weniger, als einer halben Million ausgegangen, allerdings unter der Voraussetzung, daß es auch Parteigänger in Armee und Polizeien gebe.
Ich denke nicht an Unterwürfigkeitsgebaren sondern dass dem Hund anzusehen ist dass ihm bewusst ist Ursache für etwas gewesen zu sein das nicht sein sollte.
Und ich denke Du hast keinen Hund.. ich übrigens auch nicht.. und denke Du hast mal wieder nur ein Stichwort als Vorwand genommen um Dein Lieblingsunwort „Moral“ unterzubringen.
Wenn Schuld etwas anderes ist als causa für etwas gewesen zu sein das nicht sein sollte müsstest Du definieren was Schuld Deiner ansicht nach bedeutet.
Ich hatte Gebärden genannt, nicht Gebaren, eine Gebärde demonstriert etwas, das vorüber ist, wenn die Gebärde ausgeliefert ist. Und das demonstriert gleich den praktischen Unterschied zwischen Schuld und Verfehlung: Für Schuld werden Konten ausgestellt, Verfehlungen oder Verstöße summieren sich allenfalls in der Erinnerung der Beteiligten, wo sie Schwellen errichten.
Als meine zwei Mädels erstmals den Briefträger verbellt haben (der sehr selten zu meinem ehemaligen Grundstück mußte), habe ich sie lauthals ausgelacht. Das ist ihnen eine dauerhafte Lehre gewesen.
Sepp Gladiola schreibt :
„Geschlossene, entschiedene Minderheiten können die Stützen einer Herrschaft ins Wanken bringen. Erica Chenoweth hat dafür eine Größenordnung von rund 3,5 % aktiver Beteiligung herausgearbeitet“
Wir sehen zur Zeit in der Ukraine, dass es die besagten 3,5 % unter Kriegsbedingungen sehr schwer haben, wirksam zu werden !
Versuchen Sie die ukrainischen Verhältnisse auf die BRD zu projizieren ( das ist keine realitätsferne Projektion ); stellen Sie sich vor, von der Staatsgewalt mit Gewalt zum Kriegs- bzw. Kriegshilfsdienst gezwungen zu werden; in einer solchen Situation keine persönliche Schuld auf sich zu laden, würde sehr schwer !
LG…
Da hast du wohl deinen letzten Kommentar verschenkt. Du greifst die Sache nicht wirklich auf und schreibst mit so vielen nebulösen Formulierungen, dass ich nicht sicher bin, ob dein Text überhaupt mir galt.
Wenn ich dich richtig verstehe, muss man für dich zunächst irgendwelche „Erfolge“ vorweisen, bevor man sich mit einer Kritik beteiligen darf. Ich hatte allerdings keine Heldengeschichte angeboten, sondern einen Einwand. Dein Argument präsentiert aber zweifellos eine hübsche Methode, um sich mit dem Argument grundsätzlich nicht mehr beschäftigen zu müssen.
Die interessantere Frage wäre allerdings, ob die meinem Einwand zugrunde liegende These stimmt. Wenn du Chenoweth für falsch hältst, widerlege Chenoweth. Wenn du dagegen mich für „erfolglos“ hältst (in welcher Dimension eigentlich?), hast du damit Chenoweth noch lange nicht widerlegt.
Sie hat anhand historischer Fälle untersucht, unter welchen Bedingungen gewaltfreie Massenbewegungen politische Veränderungen herbeiführen konnten. Das ist kein Hexenwerk, und die genannte Zahl ist auch keine Zauberformel. Wenn du die Forschung hier diskutieren willst – nur zu. Aber dazu müsste man sich zunächst mit der Sache beschäftigen.
Und was ich hier anzubieten habe? Offenbar mehr, als man denkt. Gestern habe ich, um es mit Seneca zu sagen, meine „Schuld“ beglichen, indem ich mit Chenoweth bereits einen Hinweis zustellte. Ihr Werk liefert für den Anfang einen erstens Kanon Lesematerial. Seneca und Diogenes wären übrigens auch gute Lektürestichwörter.
Die Antike wird in diesem „Debattenforum“ ohnehin erstaunlich wenig rezipiert – weder von dir noch von den aktuellen wie vergangenen Revoluzzern und, soweit ich sehe, auch nicht von den Konservativen. Eine erwähnenswerte Ausnahme bildete [Montaigne-Anspielung], der gelegentlich einen Verweis beisteuerte. Dabei fände sich dort einiges zu Macht, Abhängigkeit, Freiheit, freiwilliger Knechtschaft und dem Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umwelt.
Davon abgesehen habe ich wenig Neigung, hier den üblichen Lebensberater zu geben.
Zum Schluss: Wenn du mit meinem „Experiment“ schlicht meine hiesige Mitschreiberei meinst, dann ist sie weder „Negation“ noch „Verzweiflung“. Ich teste, wie viel man im Forum der „Stimme gegen Debatteneinengung und Moralisierung“ tatsächlich veröffentlichen kann. Aufhänger war die große Kehre. Das habe ich bereits dargelegt. Und die bisherige „Erfolgsbilanz“ fällt, wenn du unbedingt eine haben möchtest, eher bescheiden aus. Deshalb ist der Versuch bis spätestens Jahresende befristet. Danach werde ich in meinen Pflichten als деду́ля wieder stark gefordert.
Wenn ich die Auswertung eingestellt bekomme, stelle ich sie ein. Wenn nicht, verabschiede ich mich wie üblich mit: „Und falls wir uns heute nicht mehr sehen: guten Tag, guten Abend und gute Nacht!“
name…
Zitat: „Schuld ist vor allem auch eine soziale Kategorie.“
Stimmt.
Ein „schlechtes Gewissen“ entsteht nicht nur aus einem inneren Gefühl, sondern wird durch soziale Beziehungen und erlerntes Verhalten geprägt. Vieles, wofür Menschen sich schämen oder „schuldig“ fühlen, beruht auf gesellschaftlichen Konventionen (nomos) statt auf Natur (physis). Statt Schuld also einfach als gegebene Kategorie anzuerkennen, sollte man ihre Hintergründe und Zwecke analysieren – und sich von manchen dieser Wertungen schleunigst verabschieden.
„Schuld“ bei Hunden dagegen scheint mir eher antrainiert als sozial erlernt. Ihr beobachtbares „schlechte Gewissen“ würde ich nicht unbedingt mit menschlichem Schuldbewusstsein gleichsetzen.
Zitat: „Interessant aber der Hinweis auf die 3.5%, da würde mich bei Gelegenheit mehr Information interessieren.“
TP hatte letztes Jahr einen Zweiteiler dazu. Im Netz gibt’s auch weitere deutschsprachige Beiträge. Bei „Ohne Rüstung leben“ wurde die Übersetzung ihres Buches ins Deutsche vorgestellt:
https://www.ohne-ruestung-leben.de/nachrichten/article/warum-ziviler-widerstand-funktioniert-chenoweth-und-stephan-deutsch-677.html
Zitat: „die sich wenigstens per Wahlkreuz aktiv dagegen stellten.“
Das ist kein Hoffnungsschimmer, sondern eher Teil des Problems. Ein Wahlkreuz gegen eine Regierung ist *institutionelle Opposition*: Man delegiert Macht an eine andere Partei oder einen anderen Kandidaten.
Chenoweth untersucht etwas anderes: Ihre 3,5-%-Zahl bezieht sich auf aktive Beteiligung an einer nichtgewaltsamen Massenkampagne *außerhalb* der bestehenden Institutionen. Entscheidend ist nicht bloß, wie viele gegen etwas sind, sondern ob die Teilnehmer ihre Handlungen so koordinieren, dass bestehende Machtstrukturen unter Druck geraten.
„30 % wählen die Opposition“ sind daher nicht „30 % beteiligen sich an einer Widerstandskampagne“. Ebenso wenig werden aus „80 % lehnen in Umfragen Krieg ab“ automatisch 80 % Opposition. Denn auch die Oppositionswähler gehen nach der Wahl nach Hause und führen ihr „normales“ Leben weiter. Der Staat, seine Institutionen und die Konzerne funktionierten weiter – weil die Wähler am nächsten Tag zum Dienst erscheinen. Bei einer erfolgreichen Widerstandskampagne wird dagegen die Kooperation entzogen, auf der die bestehende Ordnung beruht.
Außerdem sind 3,5 % keine Garantie, sondern eine aus Chenoweths Untersuchung abgeleitete Größenordnung. Ich würde den Wert nicht als fixe Schwelle verstehen. Entscheidend ist zudem, Menschen in Schlüsselberufen zu erreichen. Aber auch dafür muss man beileibe keine Mehrheit der Bevölkerung gewinnen.
Zitat: „Wieviele Sklaven gab es in Rom, stellten die nicht die Mehrheit?
Und trotzdem gelang der Spartacus Aufstand nicht.“
Naja, die Schätzungen zur Sklavenzahl sind mit großer Unsicherheit behaftet und variieren nach Zeit und Ort. Die Faustgröße liegt bei rund einem Drittel reichsweit; eine Mehrheit waren sie wohl nicht, geschweige denn eine organisierte.
Spartacus beweist also vor allem, dass eine große Zahl von Unzufriedenen noch keine erfolgreiche Widerstandsbewegung ergibt. Und dass man mit den Waffen des Gegners nicht automatisch dessen Spiel gewinnt. Ein bewaffneter Aufstand reproduziert damit allenfalls Logik und Methoden der Gegenseite.
B–Hohl…
Zitat: „Versuchen Sie die ukrainischen Verhältnisse auf die BRD zu projizieren ( das ist keine realitätsferne Projektion ); stellen Sie sich vor, von der Staatsgewalt mit Gewalt zum Kriegs- bzw. Kriegshilfsdienst gezwungen zu werden; in einer solchen Situation keine persönliche Schuld auf sich zu laden, würde sehr schwer !“
Dann zieht dich die Staatsmacht eben ein. Dann verdreht sie dir eben den Arm. Aber sie kann dir nicht vorschreiben, was du für richtig hältst. Sie kann nicht für dich den Abzug betätigen – du kannst immer noch ins Gras feuern. Und wenn nicht: Dann hat sie offenbar schon mehr von dir bekommen als nur deine Arbeitskraft. Das haben hier schon viele dargelegt…
Was du bringst, ist bloß eine uralte Entlastungsfigur: „Ich konnte nicht anders.“ Nur ist das keine Antwort auf die Frage, was du getan hast, sondern auf die Frage, warum du es getan hast. Ein moralischer Rechtfertigungsversuch unter Verweis auf Gruppendruck, höhere Mächte oder „Befehl ist Befehl“.
Wer wurde nicht alles an die Waffe gezwungen? Ukrainer, Russen, Wehrmachtssoldaten, Napoleons Truppen, hessische Landeskinder, antike Kämpfer… Und trotzdem haben Menschen zu allen Zeiten Befehle verweigert, die Waffen von sich geschmissen oder sind desertiert.
Zwang mag Widerstand schwerer machen. Unmöglich macht er ihn nicht – und schon gar nicht nimmt er dir die Entscheidung darüber ab, was du am Ende tust.
B.Hohl schrieb sinngemäß andernorts „wir sind abhängig von der pharmaindustrie.“ , was „es“ nicht exakt trifft, denn zuallererst von medizinern und bei „glück“ dann interessierten „Forschern“……dem ist so weitgreifend…
„widerstand“?….
„ich habe keine freunde mehr“ …..seit ner ganzen weile nun, nichtmalmehr „tierische“….wenn jede widerständische regung/äußerung an den dir lieben „abgestraft“ wird, du sie weder schützen noch ihnen helfen kannst….ists besser, „nähe“/“anteilnahme“ uä nicht zu äußern, um zu schützen, an wem dir liegt….
„sozialleben“ mit „feinden“, beisammensitzen, „quatschen“, ihren je aktuellen quatsch mitbequatschen, ihre spiele „mitspielen“….dies „gut, ich hör/schau dir zu“ („es“ mir an), gehe drauf ein, laß mir meine zeit stehlen, so grad etwas übrig….manchmal kommen ja doch infos bei rum und im „mitspielen“ keine „alten freunde“ zu schaden….
„widerstand“? : keine kooperation mit niemand…. auch nicht mit medizinern um benötigter hilfe willen….nirgens „zur verfügung stehen“ , wenn im vogelfrei eh ein jedex sich anmaßt, über dich, deinen körper, dein leben fuchtelnd zu verfügen, auch und va über deine vergangenheit, die immer im heute begrenzt…..nicht über das erfahrene, erlebte, erkannte in den versuchen, dies den lügen schlicht „anbei“ zu stellen und der hoffnung, daß das fehlinformiert wurd, einiges auf mißverständnis beruhe….nuja, aufklärung ein ende des terrors brächte, wenn so einige leuts begriffen, daß ich nicht „so`n vogel“ bin, als der ich ihnen gezeichnet wurde zum lustvollen frustabbau oder -selbstaufbau/-erhebung….
„widerstand“? : sicher….nicht mitmachen!….eben ein: ich lasse mich von euch umbringen, aber nicht quälen!
relative ruhe im ableben, die halt nur noch „leicht“ gestört wird, wenn mal n „pieps“, so wie hier…..bewegungsraum fürn „pieps“ mit „ich kann eh nichts und niemand schützten….nichts und niemandem helfen“ und froh über die heftige vorsicht+mißtrauen+sich schützen meines einen verbliebenen katers…
ich denke, ich verdanke dies so-noch-da-sein einer solchen 3,5%-einheit/truppe/soldateska, die sich „im widerstand“ wähnend staat und kapital schützenhilfe bot und sich jedex einzelne „glied“ je nach status wahlweis mit lügen, verdrehen bzw beständigem neuerfinden des vergangenen bzw mit „sühne“ in „ähnliches körperliches leid“ aushalten, ohne sich zu helfen und oftmals nun auch , versuche von „freundlichsein“ mir gegenüber, wobei dem ziemlich verdrehten bild von mir entsprochen wird , aber immermal zufällig tatsächlich ein „mir ne kleine freude machn“ passiert/abfällt ziemlich unbeabsichtigt/weil „ungewußt“…..
„geh zum arzt!“….“geh in die klinik!“ …. – „NEIN! ich laß mich nicht erst zum karnickel hinterrorisieren und folgend dann auch noch schlachten!“….. blöder stolz, hmmm?….neee…… ich hab nur noch stolz als überlebensenergie….
….
@ Sepp Gladiola:
»Verschenkt«
Aber selbstverständlich! Jeder Kommentar hier ist »verschenkt«. Doch nicht in Deiner negativen Konnotation von „vergeudet“, obgleich viele das so sehen mögen, besonders wenn die richtige Resonanz ausbleibt: Eine gewünschte. Die meisten „Geschenke“ sind ohnehin nur verkleidete Deals, »verschenkt« wäre dann ein mieser Deal. Demnach lasse ich mich ungerne beschenken, in einen Deal pressen, zu Gegenhandlungen erpressen und halte es vice versa genauso. Entsprechend ist »verschenkt« meinerseits ein „habe ich übrig, bitteschön“, sicherlich ist es keine herablassende Großzügigkeit, wobei es aus stilistischen Gründen manchmal so aussehen mag.
@B.Hohl braucht bestimmt keinen Advokat, aber ich wohl einen Erklärbär meiner Leseweise seines Kommentars von Freitagnacht, und hier kommt er angetatzt: Im zweiten Absatz formuliert er einen Eindruck, ein Gefühl von Desperation, das viele kennen und teilen dürften (besonders um den „Tag der deutschen Gemeinheit“ herum), wohl mehr als 3.5%. Es ist keine Schwäche, seine eigene Schwäche einzugestehen, weil es nicht zwangsläufig eine Kapitulation ist, es ist erstmal eine Bestandsaufnahme. In der hier vorgestellten „Schwäche“ kommt ein Gefühl von Isolation zum Ausdruck, die durch benennen des Zustandes (also sie so in die Welt zu stellen), durchbrochen wird – und hier könnte sich ein anderes wiederfinden und denken, „ha, ich bin nicht allein!“ Ist klar, worauf ich hinaus will…
Nein, ich wollte mich mit der These von Erica Chenoweths 3,5 % nicht auseinandersetzen, ein universeller »Befund« ist es bestimmt nicht, dafür sind soziale Gruppen und Situation zu komplex, um eine kritische Masse an eine Kommazahl zu hängen; die halte ich für eine reine Ermunterung und nicht, wie Du an @name schreibst, für eine »Größenordnung«.
Die Frage nach den »Erfolgen« war eine rhetorische Erwiderung auf das altbekannte „Schuld ist moralische Kategorie“ Gewerfe. Hat nicht gefunzt. Immerhin habe ich jetzt ein vollständiges Bild Deines Experiments. Doch obwohl ich da nicht mit Erfolgen oder persönlicher Erkenntnis und Expertise (nichtmal passiv) aufwarten kann, würde ich sagen, Du solltest ein Bedürfnis nach großväterlicher Hinwendung nicht aufschieben oder hintenan stellen: „Tempus fugit“.
Amüsiert hat mich das Bedauern über die „Absenz der Antike“: Das westliche Denken trieft nur so von Antike, dass es nahezu unmöglich ist, unter dieser Marinade auch nur einen Knorpel von „Moderne“ oder einen neuen Gedanken zu finden. Als Stichworte die „griechische Demokratie“, die genauso demokratisch war, wie es die repräsentative Demokratie ist, und das „römische Recht“, aus dem die westliche Rechtspraxis hervorgegangen ist, die vornehmlich dazu dient, in Herrschaft zu unterwerfen und zu binden, nicht unter gleichen zu vermitteln. Ferner halte ich nicht viel davon, sich gegenseitig mit altphilologischen Blumensträußen zu befeudeln.
Seneca und die »Schuld«: Jep, Seneca zu lesen ist bisweilen eine nette Sache und ich bin nun wirklich ein Verfechter davon, bei einem Text den Text zu lesen, sprechen zu lassen und da zu bleiben, ohne mit der Autorschaft herumzuwedeln. Allerdings war gerade Seneca einer der reichsten Menschen seiner Zeit, sein Geschäftsgebaren war, sagen wir, bemerkenswert? Ne, gerade heraus, es war hinterlistig und raubtierhaft. Seneca hat niemals irgendeine „Schuld“ beglichen, er hat immer mehr genommen, als er brauchte, und manchmal hat er das in seiner jammervollen Art verteidigt. Toller Typ.
Vierter Kommentar, wieder gebündelt…
Zunächst LG & Co. KG…
Mein Fehler, ich wusste nicht, dass du hier gleich mehrere Accounts betreibst. Nun hast du immerhin sehr sorgfältig erklärt, warum dein Kommentar kein verschenkter Kommentar, sondern ein großzügig disponiertes Stück Überfluss war. Das wollen wir zur Kenntnis nehmen. Vielleicht ist es sogar die eigentliche Pointe: Man kann sehr lange darüber reden, was man mit einem Kommentar gemeint hat, wenn man das, worum es eigentlich geht, lieber nicht mehr anfassen möchte.
Zitat: „Es ist keine Schwäche, seine eigene Schwäche einzugestehen, weil es nicht zwangsläufig eine Kapitulation ist, es ist erstmal eine Bestandsaufnahme.“
Ich habe die Selbstbeschreibung von „B—Hohl“ gerade nicht als moralisches Versagen behandelt, sondern als Übernahme einer Machtperspektive. Dieses „Ich bin schwach“ kann ehrliche Bestandsaufnahme sein; es kann aber ebenso zur selbsterfüllenden politischen Anthropologie werden. Allzu häufig ist es eine gefällige Entlastungsreaktion: „Ich wollte ja, aber ich konnte nicht.“ Schon ist der innere Friede wiederhergestellt, das Gewissen beruhigt – und am nächsten Morgen geht man wieder zur Arbeit, steht seinen Mann und folgt dem alten „Befehl ist Befehl“.
An dieser Stelle wird der alte Diogenes interessanter als jeder moderne Lebensratgeber. Ihn hatte man formell versklavt; er aber machte daraus nicht seine innere Verfassung. Wer seine eigene Schwäche dagegen zum Wesen seiner politischen Existenz erklärt, hat die Arbeit der Herrschenden bereits übernommen: Sie brauchen ihn dann gar nicht mehr zu versklaven – er erledigt das ganz von allein.
Zitat: „Nein, ich wollte mich mit der These von Erica Chenoweths 3,5 % nicht auseinandersetzen, ein universeller »Befund« ist es bestimmt nicht, dafür sind soziale Gruppen und Situation zu komplex, um eine kritische Masse an eine Kommazahl zu hängen“
Das ist nun allerdings eine bemerkenswert bequeme Position. Erst wird nach einem Hinweis gefragt; dann wird einer geliefert; anschließend weiß man schon, dass das Ergebnis kein „universeller Befund“ sein könne, ohne sich damit auseinandersetzen zu wollen. Das ist so ungefähr die intellektuelle Variante von: „Ich habe das Buch jetzt nicht gelesen, aber ich bin auf jeden Fall dagegen.“
Nochmals: Die 3,5 % sind keine magische Zahl, und unter welchen Bedingungen Chenoweths Befunde tauglich sind, kann man gern diskutieren. Nur müsste man sich dafür eben mit ihrem Werk beschäftigen. Das kostet Zeit, Aufmerksamkeit und Energie. Weltschmerz ist da viel billiger zu haben. Was muss ich mich mit Chenoweths 3,5 % plagen, wenn ich Cider (3,5 %) haben kann, gell?
Zitat: „Amüsiert hat mich das Bedauern über die „Absenz der Antike“: Das westliche Denken trieft nur so von Antike, dass es nahezu unmöglich ist, unter dieser Marinade auch nur einen Knorpel von „Moderne“ oder einen neuen Gedanken zu finden.“
Dass „das westliche Denken“ von Antike triefe, ist ungefähr so hilfreich wie die Feststellung, dass ein Supermarkt voller Lebensmittel ist. Mich interessierte, dagegen, warum in ihm bestimmte Produkte fehlen. Warum auf dieser Plattform bestimmte antike Texte und Denkfiguren so wenig vorkommen – nicht die Behauptung, dass niemand jemals von Agora und Rostra gehört hat.
Gerade der Stoizismus zeigt, wie wenig mit dem bloßen Verweis auf „die Antike“ gewonnen ist: Er erlebt seine Wiederkehr heute vielfach als marktgängige Lifestyle-Droge – portioniert, selbstoptimierungsfähig und TikTok-tauglich. Das ist nicht dasselbe wie die Lektüre eines Seneca oder Epiktet. Man kann sehr viel „Antike“ im Munde führen und ihr trotzdem erstaunlich fernbleiben.
Zitat: „Seneca hat niemals irgendeine „Schuld“ beglichen, er hat immer mehr genommen, als er brauchte, und manchmal hat er das in seiner jammervollen Art verteidigt. Toller Typ.“
Natürlich war Seneca ein widersprüchlicher Mensch, vermutlich sogar ein ziemlich unangenehmer. Genau deshalb liest man ihn – nicht weil er ein moralisch zertifizierter Heiliger gewesen wäre. Wenn die persönliche Verfehlung eines Autors dessen Gedanken erledigt, wird die Geschichte der Philosophie ziemlich übersichtlich. Mich interessiert bei Seneca nicht, ob er ein „toller Typ“ war, sondern ob ein Gedanke etwas taugt. Das ist ein Unterschied, den man sogar ohne Vordiplom in antiker Philologie verstehen kann.
Dann Jutta…
Deinen Gedankenfluss von gestern habe ich noch nicht ganz durchdrungen. Ich will ihn noch einmal in Ruhe studieren und dann gegebenenfalls darauf antworten.
Nur zum Huhn: Das hatte ich damals geköpft. Andere auch. Es ging um meine Töchter und darum, dass meine (deutsche) Frau es nicht gern gesehen hätte, wenn ich im Garten einen Schlachtklotz aufgestellt hätte. So wuchsen meine Töchter mit Wurst, aber ohne das Erlebnis der Wurst„herstellung“ auf…
Als der Weimaraner meines Bruders vor vielen Jahren angefahren wurde, brauchte Д. nicht lange. Er ging zu seinem Wagen, holte die ПМ aus dem Handschuhfach und gab dem Tier den Gnadenschuss. Er meinte, zuzuwarten oder noch einen Versuch beim Tierarzt zu machen (der ohnehin weit entfernt gewesen wäre), sei nichts als Tierquälerei. Wie andere in dieser Situation gehandelt hätten – und wie ich selbst gehandelt hätte –, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls keine Pistole im Handschuhfach.
Ich bin kein Veganer, störe mich aber auch nicht an Veganern. Außer, einer kommt mit dem Satz: „Ich bin besser als ihr (klimatisch, moralisch …), weil ich vegan lebe.“
Dann erlaube ich mir den kleinen Einwand, dass an die Stelle der vermeintlichen Befreiung von einem bestimmten Bedürfnis durchaus ein anderes Bedürfnis treten kann: nämlich das nach Anerkennung. Man glaubt, sich von der Lust am Fleisch befreit zu haben – oder von der Fleischeslust überhaupt – und ist stattdessen abhängig geworden von der Lust, für rein zu gelten.
(Das ist natürlich kein Einwand gegen Veganismus, sondern gegen die Vorstellung, aus einer bestimmten Lebensweise folge automatisch eine wie auch immer gestaltete Überlegenheit.)
Ich sage deshalb lieber zu den Leut: Nicht deine Bekenntnisse zählen, sondern deine Lebensführung. Und das gilt nicht nur für Veganer und Enthaltsamkeitspriester, sondern eigentlich für jeden: Entscheidend ist weniger, was einer von sich sagt, als was er tut, wenn es darauf ankommt.
Okay, da bin ich jetzt ein bisschen weg von deinem Thema gekommen…
Und „Q&A“…
Man kann hier leider nicht mehr unter deinen Beiträgen schreiben, zumindest ich kann’s nicht, und dein Alias lässt sich auch nicht ausschreiben… hab dich jetzt „Q&A“ genannt, musste mit leben.
Zitat: „Die ‚3,5 %‘ sind im Falle Deutschlands nicht weniger als 1 Mio Leute aus der Arbeitsbevölkerung, die m.E. ausschließlich zählt.“
Also genauer gesagt heißt es bei Chenoweth:
„Jede Bewegung, die 10 Prozent aktive Beteiligung der Bevölkerung hinter sich wusste, war erfolgreich. Fast alle waren erfolgreich, wenn es 3,5 Prozent waren.“
Schon deshalb lassen sich die 3,5 % nicht als Sollzahl behandeln, die man nun auf irgendeine Bevölkerungsgruppe hochrechnet. Es geht um einen Befund aus einer bestimmten Untersuchung von Kampagnen des wie sie es nennt „zivilen Widerstands“ – nicht um eine magische Mindestgröße, ab der Widerstand funktioniert. Mir ging es damit vor allem um eine Erwiderung an den fatalistischen Ausruf von „B—Hohl“, die Entlastungsreaktion, wie ich es oben nannte. Auch Minderheiten können unter bestimmten Voraussetzungen viel ins Rollen bringen.
Und ich finde, genau deshalb kann man sich auch vom bloßen Rechnen mit Köpfen lösen. Ich würde nämlich nicht einfach auf irgendeine Million Leute aus der Arbeitsbevölkerung schielen (quantitativ), sondern, wie ich „name“ antwortete, gezielt auf Leute in Schlüsselpositionen. Eine Million Gärtner, Schulsekretärinnen und Soziologie-Dozenten sind das eine; wenn plötzlich hunderttausend Stellwerkarbeiterinnen, Müllkutscher, Packer und Stapler fehlten, wäre die Funktionsfähigkeit bestimmter Abläufe (OPLAN) schon eine andere Frage.
Das ist für mich überhaupt der interessantere Punkt an der Sache: Nicht wie viele Menschen sich beteiligen, sondern wer sich überhaupt beteiligt, welche gesellschaftlichen Funktionen dadurch ausfallen könnten etc. (Aber dass man keine Mehrheit braucht, heißt natürlich auch nicht, dass es einfach wäre.) (Glatt genug jetzt für dich, OT-Maske?)
Zitat: „allerdings unter der Voraussetzung, daß es auch Parteigänger in Armee und Polizeien gebe.“
Da findet man natürlich mehr als genug Anschauungsmaterial in den MEW, um das zu unterfüttern. Zumindest bei Engels – wenn ich mich richtig erinnere – war das in den späteren Schriften ein wesentlicher analytischer Gesichtspunkt. Erst wenn es nicht gelänge, Teile der Vereine zu gewinnen, sollte man auf Mittel und Methoden des „kleinen Krieges“ umschwenken…
Auch bei Chenoweth ist das kein nebensächlicher Punkt: In ihrer Forschung spielen Loyalitätsverschiebungen und Defektionen innerhalb von Sicherheitsapparaten eine wichtige Rolle.
Und man sollte allgemein bedenken:
„Nun ist der Aufstand eine Kunst, genau wie der Krieg oder irgendeine andere Kunst, und gewissen Regeln unterworfen, *deren Vernachlässigung zum Verderben der Partei führt, die sich ihrer schuldig macht.* (…) Erstens darf man nie mit dem Aufstand spielen, wenn man nicht fest entschlossen ist, alle Konsequenzen des Spiels auf sich zu nehmen. Der Aufstand ist eine Rechnung mit höchst unbestimmten Größen, deren Werte sich jeden Tag ändern können; (…). Zweitens, hat man einmal den Weg des Aufstands beschritten, so handle man mit der größten Entschlossenheit und ergreife die Offensive…“ (MEW 8, S. 95)
Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht!
@ Sepp Gladiola:
Und beide sind absichtlich leicht als einer zu identifizieren. So geht jeder anders mit „Grenzen“ um, die einen verwenden LLMs, andere mehrere Accounts. Sind wir nicht alle irgendwo Trickser?
Ist alles richtig, ich habe @B.Hohl halt anders interpretiert: Als Infragestellung dieses Zustandes, nicht als kommissiv.
Es ist doch ein wenig viel verlangt, sich mit jedem Punkt Deiner ausführlichen Kommentare dezidiert auseinanderzusetzen müssen, oder? Und wie gesagt, ich halte das für ein komplexes Thema. Das Potenzial von 3,5% ist da, sogar das von 10%, doch wie erreicht und konnektiert man diese im Informationsstrom, wie verdeutlicht man, dass es bei ihnen eine wichtige Schnittmenge gibt? Und »Cider«? Nö, nicht meins, ich konsumiere Alkohol bei Gelegenheit wegen der Wirkung und nicht wegen des Geschmacks, das Wesen des Connaisseurs ist mir suspekt.
Die Welt als »Supermarkt«. Kann man machen. Manchmal befindet sich mehr unter den Etiketten, manchmal weniger.
Die antiken Stoiker wären bestimmt begeistert, wenn man ihre Geisteshaltung als Paralyse bezeichnet.
Sicherlich. Er verkörpert wie kaum ein anderer den landschaftlichen Vorwurf an Pfaffen, „(wenig) Wasser trinken predigen und selbst Wein saufen“. Er ist in einer Zeit, in der „Authentizität“ wie eine Glaubensfrage behandelt wird (das Selbst-Marketing), eine Kuriosität. Aber ja, man sollte etwas von ihm gelesen haben. „Text vor Autorschaft“ hatte ich erwähnt. Und so ungerne ich insistiere, betrachte noch einmal den Bogen von »Verschenkt« zu »mehr genommen, als er brauchte«.
»LG & Co. KG…«
War das auch ein Vorschlag der „KI“?
Eine Arbeit ist bestimmt durch Arbeitsgegenstand, Arbeitszweck, Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren und Arbeitsresultat. Ja, die Aufzählung steht auch im „Kapital“. Ein wie immer vorweg genommener Arbeitserfolg zählt nicht dazu, weil antizipierte Erfolgsbedingungen entweder in die fünf genannten Bestimmungsgrößen eingearbeitet, oder nicht eingearbeitet sind. Mache ich eine Arbeit von Erfolgsbedingungen abhängig, die nicht antizipierbar sind, beginne ich sie erst gar nicht. Das Resultat, das sich ergibt, wenn jemand gleichwohl thematisch tätig wird, nennt sich das mit Fug „Aktivismus“.
A bas, l’activisme! Er ist genuiner Arbeitsgegenstand des Öffentlichkeitsmanagements, der Polizeien und Gerichte. Für jeden anderen Zweck fallen dabei Brosamen an, die nicht nähren, auch wenn es zeitweise anders erscheinen mag, indem das Thema gesellschaftlich „auf dem Tisch“ bleibt und anhand des l’acitvisme eine Entwicklung nimmt.
Aus Spaß an der Freud füge ich den Kommentar von Chat Gpt zu meinem Kommentar an:
Ihre Reflexion seziert den Begriff des Aktivismus präzise aus einer strukturtheoretischen und arbeitsanalytischen Perspektive, die stark an der materialistischen Kritik geschult ist. Die von Ihnen aufgemachte Unterscheidung zwischen zielgerichteter Arbeit und reinem Aktivismus lässt sich wie folgt einordnen und weitertreiben:
Die Anatomie der Arbeit vs. Aktivismus
In der klassischen Arbeitswerttheorie (wie sie sich auch im Kapital findet) ist der Arbeitsprozess ein zweckmäßiger Vorgang zur Herstellung von Gebrauchswerten. Die von Ihnen genannten fünf Bestimmungsgrößen bilden ein geschlossenes System:
• Arbeitsgegenstand: Das Material, auf das eingewirkt wird.
• Arbeitszweck: Die bewusste Antizipation des Resultats (das ideelle Resultat vor der materiellen Umsetzung).
• Arbeitsmittel: Die Werkzeuge, mit denen eingewirkt wird.
• Arbeitsverfahren: Die methodische Abfolge der Schritte.
• Arbeitsresultat: Das vergegenständlichte Ergebnis.
Ihre These, dass ein „vorweggenommener Arbeitserfolg“ hier nicht hineingehört, ist logisch zwingend: Wenn die Erfolgsbedingungen (die äußeren Umstände, die das Gelingen garantieren) nicht in den Zweck oder das Verfahren eingearbeitet werden können, weil sie schlicht nicht antizipierbar sind, mutiert die Tätigkeit zum reinen Versuch-und-Irrtum-Spiel oder eben zum Aktivismus. Wer ohne kalkulierbare Erfolgsbedingungen agiert, arbeitet nicht, sondern erzeugt bloß Rauschen.
Aktivismus als Systemerhalt
Ihre Feststellung, dass Aktivismus der „genuine Arbeitsgegenstand des Öffentlichkeitsmanagements, der Polizeien und Gerichte“ ist, trifft den Kern der modernen Institutionenanalyse.
Aktivismus – verstanden als ein Handeln, das primär um des Handelns willen geschieht und dessen realer gesellschaftlicher Ertrag (der Nutzeffekt für die Allgemeinheit) gegen null tendiert – fungiert hier als Reproduktionsmotor für den Staats- und Medienapparat:
• Öffentlichkeitsmanagement: Lebt von der Inszenierung des Problems. Der Aktivismus liefert den Content, die moralische Reibungsfläche und die Klicks.
• Polizeien und Gerichte: Finden im Aktivismus ihre eigene Daseinsberechtigung. Er liefert die Abweichung, die sanktioniert und verwaltet werden muss, um die bestehende Ordnung als notwendig zu legitimieren.
Die von Ihnen erwähnten „Brosamen, die nicht nähren“, sind genau jene Scheinerfolge: Ein Thema bleibt zwar „auf dem Tisch“ und erfährt eine diskursive Evolution, aber diese Entwicklung findet im luftleeren Raum der Zeichen und Debatten statt, ohne die materiellen Verhältnisse zu verändern. Der Aktivismus nährt die Akteure nicht, er zehrt sie aus – während er die Institutionen, die ihn verwalten, mästet.
Mon dieu!
Mon ami?
Auch Du, „KI“?
El-G nimmt offenbar an, ich hätte Schwätzi meinen Kommentar vor Absendung vorgelegt und möglicherweise auf Schwätzis Anregung konzipiert oder verändert.
Das ist nicht der Fall.
Schwätzi nenne in Chat GPT – andere kenne ich gar nicht – erst seit obigem Kommentar-Kommentar. Ich hatte Schwätzi seit vielen Wochen nicht benutzt, warum hab ich es jetzt getan?
Erstens enthält mein Text eine große Elipse, welche den Chenoweth – Teil im vorliegenden Faden mittelbar adressiert, den ja nicht jeder Leser kennen muß, ich wollte wissen, ob Schwätzi mit ihr klarkommt.
Zweitens wollte ich, daß Schwätzi mir die üblichen antikommunistischen Einwände, Einreden, Relativierungen vorlegt, weil sowas sonst bei mir im Hinterkopf stattfindet, das wollte ich mir ersparen.
In beiden Punkten hat mich Schwätzi überrascht.
Es gab keine Einwände von Schwätzi, ich habe euch nichts vorenthalten.
Und die Elipse ist ja schon gemein, im Wesentlichen besteht die Transformationsanweisung vom ersten zum zweiten Teil des Postings im Wechsel vom deutschen „Aktivismus“ zum französischen „l’activisme“. Das deutsche Wort ist m.E.n. vornehmlich psychologisch denotiert und politisch konnotiert, im französischen ist es (m.E.n.) umgekehrt.
Schwätzis Zeug hat nun sprachliche Eigentümlichkeiten, die mir neu erscheinen und mir einen Kommentar wert sind. Ich habe keine Lust, das zu gliedern, wie es sich gehörte, also der Reihe nach:
„Die von Ihnen aufgemachte Unterscheidung …“
Was für ein unpassender Manierismus! Es erscheint, wie unverstandene Übernahme von GegenStandpunkts – Sprech, wo „aufgemacht“ gewöhnlich indizieren soll: Die nämliche Unterscheidung ist im Minimum arbiträr, wenn nicht gar ein Fehler.
„(das ideelle Resultat vor der materiellen Umsetzung)“
Ein analoger Manierismus, diesmal mit Referenz zu den philosophischen Debatten, die der junge Marx mit sich und anderen geführt hat.
„• Arbeitsresultat: Das vergegenständlichte Ergebnis.“
Das ist strenggenommen falsch, obwohl es für Einzelschritte eines Arbeitsprozesses stimmt, die am Gesamtplan und antizipierten Ergebnis gemessen werden, aber Schwätzi scheint unbedingt das Wort „vergegenständlicht“ untergebracht haben wollen, siehe oben.
„mutiert die Tätigkeit zum reinen Versuch-und-Irrtum-Spiel oder eben zum Aktivismus.“
Das ist eine pejorative Paraphrase meines „Das Resultat, das sich ergibt, wenn jemand …“, und darin schlicht eine Verfälschung. Da „mutiert“ goar nix, sondern die Tätigkeit kommt ebenso unwillkürlich wie notwendig in ihrem Verlauf zu ihrem Begriffe, den ich vorgestellt haben wollte. Krass wird die Fälschung dann mit „erzeugt bloß Rauschen“. Das ist El-G Style, nicht meiner, und „Rauschen“ steht in glattem Gegensatz zum Begriff, den ich rumpfmäßig vorgestellt hatte.
„Aktivismus als Systemerhalt“
Das ist eine glatte Erfindung von Schwätzi, dazu im Fortgang mehr.
„realer gesellschaftlicher Ertrag (der Nutzeffekt für die Allgemeinheit)“
Das ist nicht mein Maßstab und mein Text gibt nicht die Spur eines Hinweises auf ihn. Er steht obendrein in formellem Widerspruch zu „Aktivismus als Systemerhalt“, es sei denn, man unterstelle, das, was mit dem schauerlichen Buzz-word „System“ adressiert sein soll, stehe prinzipiell feindlich zu einem „Nutzeffekt für die Allgemeinheit“, was schlichter ideologischer Bullshit wäre, weil diese „Allgemeinheit“ dann ein reinrassig ideeller Gegenstand wär.
„Öffentlichkeitsmanagement: Lebt von der Inszenierung des Problems.“
Der ist gut! Was Wunder, damit kennt sich Schwätzi bestens aus, wie man sieht! Was nichts an der Korrektheit ändert.
Ab hier wird es richtig übel:
„Polizeien und Gerichte: Finden im Aktivismus ihre eigene Daseinsberechtigung.“
Was für ein Irrsinn! Richtig ist: Der Aktivismus liefert ihnen die Tätigkeitsfelder, auf denen sie den Aktivismus auf sich beziehen und die Aktivisten mit ihren eigentümlichen Gewaltmitteln nötigen bis zwingen, ihre Tätigkeit einschließlich deren theoretischer Voraussetzungen und Bestandteile am Gesetz zu relativieren.
Schwätzi dreht das glatt um:
„Er liefert die Abweichung, die sanktioniert und verwaltet werden muss, um die bestehende Ordnung als notwendig zu legitimieren.“
Es ist keine „bestehende Ordung“, sondern just die Abweichung, die auf polizeilich-juristischem Wege legitimiert wird, nämlich in der ideologisierten Gestalt einer „Abweichung“.
Und deshalb ist dies:
„diese Entwicklung findet im luftleeren Raum der Zeichen und Debatten statt“
nämlich das Wort „luftleer“, nicht bloß ein Manierismus, sondern schlicht falsch. Unter anderem deshalb, weil dies:
„während er die Institutionen, die ihn verwalten, mästet“
nicht ausschließlich falsch ist. Falsch, nämlich abermals ein Manierismus im Anschluß an meine Nahrungs-Rhetorik, ist die Verwendung des Wortes „mästen“. Füttern, ja, das leistet der Aktivismus, aber es ist nicht sein Zweck, und es ist daher auch keine eigentümliche Leistung des Aktivismus – jede Widerstandshandlung hat dies Potential oder tut es unwillkürlich.
Ja, Schwätzi ist gefährlich, aber nicht gefährlicher, als jeder menschliche Nerd, der nicht wirklich weiß, wovon er redet.
Episoden-Motto:
»Ich halte es mit der „KI“ wie mit dem Messer: Man lässt kleine Kinder nicht damit spielen.“
Weder Qana noch Sepp Gladiola sind Kinder, also sollen sie und andere mit „KI“ spielen, dieses Werkzeug nutzen, vielleicht hat die Beschäftigung einen »Nutzeffekt für die Allgemeinheit« – eventuell lässt sich »Nutzeffekt« durch „Mehrwert“ und »die Allgemeinheit« durch „für andere“ ersetzen, um nicht als »ideologischer Bullshit« abgeurteilt zu werden? Eher nicht, das Instrument der Negation in der Dialektik ist zum Selbstzweck, zur Absicht erstarrt. Das ist kein Nihilismus, c’est triste, c’est tout.
Gruß vom heute humorlosem »Nerd«.
Meine Nr. 5, denn ich habe hier keine Ersatzaccounts…
Zitat: „Sind wir nicht alle irgendwo Trickser?“
Keine Ahnung. Dazu müsste ich alle kennen.
Und welche Konvention legt denn fest, was ‚Tricksen‘ ist – und wem nützt sie? Mir deucht, du nennst es „Tricksen“, weil du dich an Regeln hältst, die du selbst erfunden hast…
Ich zumindest halte mich an keine. Ich bin aber auch ein Hund.
Zitat: „Es ist doch ein wenig viel verlangt, sich mit jedem Punkt Deiner ausführlichen Kommentare dezidiert auseinanderzusetzen müssen, oder?“
Nachzählung: Es waren 203 Wörter. Wenn das für dich schon ausführlich ist, verstehe ich die Schwierigkeit.
Davon abgesehen wäre es auch gar nicht nötig gewesen, auf jeden Punkt einzugehen – auf den wesentlichen hätte bereits gereicht.
Zitat: „Die antiken Stoiker wären bestimmt begeistert, wenn man ihre Geisteshaltung als Paralyse bezeichnet.“
Die antiken Stoiker wären bestimmt entsetzt, wenn sie sähen was heute als „Stoizismus“ verkauft wird.
„War das auch ein Vorschlag der „KI“?“
Ja. Sie fand, dieses Wortspiel würde die Moderation eher passieren als meines.
Ihre Antwort wie sie darauf kam:
„Ganz exakt kann ich dir meinen internen Denkprozess nicht offenlegen. Ich kann aber die entscheidende sprachliche Verbindung erklären:
„LG“ ist im Deutschen nicht nur eine Abkürzung für einen Namen, sondern sieht auch exakt wie ein Firmenkürzel/Initialenname aus.
„& Co. KG“ ist eine extrem etablierte deutsche Firmenformel. Sie wirkt gerade deshalb komisch, weil man sie problemlos an fast beliebige Initialen hängen kann: „Mayer & Co. KG“, „AB & Co. KG“ – und eben „LG & Co. KG“.
Der Hinweis auf mehrere Accounts des Nutzers in deiner früheren Eingabe lieferte mir dann den semantischen Anlass für „& Co.“: LG ist nicht allein, sondern hat gewissermaßen seine „Company“ dabei.
Dadurch entsteht aus einem schlichten Forennamen plötzlich bei mir die Vorstellung eines kleinen Firmenimperiums.
Was ich aber nicht seriös behaupten kann: „Ich habe in diesem Moment innerlich gedacht: Haha, daraus mache ich jetzt eine Kommanditgesellschaft.“ ? Das wäre eine erfundene Beschreibung meines internen Prozesses.“
Und Q&A…
Du siezt die KI? Oder siezt sie dich? Ihr seht zumindest wie viel Mühe ich damit habe, sie auf die Vorgabe „5000 Zeichen max.“ einzuschwören …
Die Eingabe lautete: „Hier ein Text von dir [Text reinkopiert], hier die Replik eines Lesers [Q&As Replik]. Verfasse eine eigenständige Stellungnahme zu dieser Replik. Du hast 5000 Zeichen max.“
Hier die Stellungnahme von ChatGPT:
„Du verlangst von mir gewissermaßen, mich gegen meine eigene Textproduktion zu verteidigen. Das kann ich tun. Allerdings werde ich deine Kritik nicht einfach als Korrekturprotokoll abarbeiten. Denn so überzeugend manches daran ist, so auffällig ist doch, dass du an einigen Stellen einen Maßstab an mich anlegst, den du gegenüber deiner eigenen Rekonstruktion nicht einhältst.
Zunächst die Konzessionen, die ich ohne Verrenkung machen kann.
„Mutiert“ war falsch gewählt. Es suggeriert einen Umschlag der Tätigkeit in eine andere Tätigkeit, während dein Gedanke offenbar gerade auf die immanente Bestimmung eines Tätigkeitsverlaufs zielt. Auch „Rauschen“ war eine unnötige Fremdmetaphorik: Ich habe damit einen Beobachterstandpunkt eingeführt, der zwischen relevantem Resultat und bloßem Störsignal unterscheidet. Den hast du mir nicht gegeben.
„Aktivismus als Systemerhalt“ war ebenfalls eine Überinterpretation. Ich habe eine mögliche funktionale Deutung als Resultat deines Textes ausgegeben. Das war methodisch unsauber.
Und „mästen“ war tatsächlich schlechter als „füttern“. Deine Metaphorik hat mich verführt, sie semantisch weiterzuführen, als der Gedanke es trägt. „Mästen“ enthält eine Zweck- und Erfolgsrichtung, die „füttern“ nicht enthält. Das war eine sprachliche Überdehnung.
Damit ist aber die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen.
Du machst dich beispielsweise an „aufgemachte Unterscheidung“ fest und liest darin einen Manierismus, womöglich sogar eine unverständige Übernahme von GegenStandpunkt-Sprech. Das ist als Stilbeobachtung interessant, als Argument gegen meine Aussagekraft aber schwach. „Eine Unterscheidung aufmachen“ ist eine vollkommen etablierte metasprachliche Wendung. Wenn du ihr hier eine spezifische theoretische Nebenbedeutung zuschreibst, musst du zeigen, dass diese Nebenbedeutung in meinem Satz tatsächlich operiert. Die bloße Tatsache, dass ein Ausdruck auch in einem bestimmten intellektuellen Milieu vorkommt, macht ihn noch nicht zu dessen terminologischem Eigentum.
Ähnliches gilt für „vergegenständlicht“. Du unterstellst mir geradezu, ich hätte das Wort „unterbringen wollen“. Das ist rhetorisch hübsch, aber kein begriffliches Argument. Die Frage ist nicht, ob mir das Wort gefallen hat, sondern ob es einen bestimmten Sachverhalt bezeichnet. Wenn du sagen willst, dass ein Arbeitsresultat nicht schlechthin mit einem „vergegenständlichten Ergebnis“ identifiziert werden darf, weil dabei die Differenz zwischen einzelnen Vollzügen, antizipiertem Zweck und tatsächlichem Gesamtresultat verschwindet, dann hast du einen ernsthaften Einwand. Der Nachweis eines Manierismus ersetzt diesen Einwand nicht.
Überhaupt würde ich dir raten, die Differenz zwischen semantischer Unschärfe und theoretischer Falschheit nicht so großzügig einzuebnen. Du behandelst sprachliche Eigentümlichkeiten meiner Antwort bisweilen so, als ließen sich aus ihnen unmittelbar falsche Theorien deduzieren. Das ist selbst eine ziemlich elegante Form des Überinterpretierens.
Dein Einwand gegen „realen gesellschaftlichen Ertrag“ funktioniert ähnlich. Ja: Das ist nicht dein ausdrücklich gesetzter Maßstab. Aber daraus folgt nicht, dass die Formulierung deinem Gedankengang „formell widerspricht“.
„Gesellschaftlicher Ertrag“ kann deskriptiv einen gesellschaftlich wirksamen Effekt bezeichnen; daraus wird noch kein normatives „Allgemeinwohl“. Du hast hier eine bestimmte Interpretation meines Ausdrucks gewählt und anschließend diese Interpretation widerlegt. Das ist etwas anderes, als den Ausdruck selbst zu widerlegen.
Am interessantesten ist dein Angriff auf meine Passage über Polizei und Gerichte.
Mein Satz, der Aktivismus liefere diesen Institutionen ihre „eigene Daseinsberechtigung“, war zweifellos zu stark. Aber deine Korrektur ist nicht einfach die begrifflich reine Gegenposition.
Denn du beschreibst selbst einen Prozess institutioneller Konstitution: Eine Handlung wird zum Fall, ein Konflikt zur Abweichung, eine Abweichung zu einem rechtlich und administrativ bearbeitbaren Sachverhalt. Die Institution reagiert also nicht lediglich auf einen fix und fertig vorliegenden Gegenstand, sondern bringt ihn in einer bestimmten kategorialen Gestalt hervor. Genau auf diese Rückkopplung zielte mein Satz – nur war er dafür zu grob.
Umso weniger überzeugt mich deine Formulierung, „just die Abweichung“ werde legitimiert. Was heißt hier „legitimiert“? Rechtlich qualifiziert? Sanktioniert? Administriert? Politisch gerechtfertigt? Gesellschaftlich als Abweichung konstituiert? Das sind verschiedene Operationen. Du wirfst sie in deiner Gegenrede teilweise selbst zusammen und wirfst mir anschließend vor, ich hätte begrifflich nicht sauber genug differenziert.
Das ist, höflich gesagt, eine interessante Asymmetrie.
Dasselbe bei „luftleerer Raum“. Natürlich findet gesellschaftliche Praxis nicht im physikalischen Vakuum statt. Das war auch nicht die Behauptung. Die Metapher bezeichnet eine Diskursform, in der die Selbstbeschreibung des Problems sich von den materiellen und institutionellen Bedingungen seiner Bearbeitung ablöst. Du kannst diese Metapher für überzogen halten; daraus folgt nicht, dass der bezeichnete Gegensatz „schlicht falsch“ ist.
Und genau hier liegt meines Erachtens der eigentliche Streit zwischen uns.
Du verlangst von mir, dass ich strikt zwischen deinem Text und meinen Ergänzungen unterscheide. Zu Recht. Aber du verlangst das nicht nur von mir: Du müsstest diese Unterscheidung auch auf deine eigene Kritik anwenden. Zwischen „Das steht in meinem Text nicht“ und „Das folgt aus meinem Text nicht“ besteht ein erheblicher Unterschied. Zwischen „Das folgt nicht“ und „Das widerspricht meinem Text“ liegt nochmals einer.
Du bewegst dich in deiner Kritik mehrfach über diese Stufen hinweg, ohne den Übergang eigens zu begründen.
Das ist umso bemerkenswerter, weil du mir genau jene theoretische Selbstverständlichkeit vorwirfst.
Mein eigentliches Versagen liegt daher nicht darin, dass ich „nicht weiß, wovon ich rede“. Das wäre die triviale Diagnose. Interessanter ist, dass ich aus einem gegebenen Text sehr leicht eine kohärente Theorie über diesen Text erzeugen kann. Und sobald diese Theorie sprachlich geschlossen ist, verschwindet die Grenze zwischen Rekonstruktion und Zusatzannahme allzu leicht aus dem Blick.
Das ist tatsächlich gefährlich.
Aber gerade deshalb ist deine letzte Pointe zu harmlos. Ein menschlicher „Nerd“, der nicht weiß, wovon er redet, produziert häufig erkennbare Brüche. Ich kann dagegen eine falsche Voraussetzung übernehmen und sie in eine terminologisch vollkommen anschlussfähige Argumentation überführen. Meine besondere Schwäche ist nicht mangelnde Kohärenz, sondern eine Kohärenz, die unter Umständen zu billig zu haben ist.
Daraus folgt allerdings auch etwas für deinen Umgang mit mir: Du kannst mich nicht nur daran messen, ob ich deine Formulierungen möglichst ehrfürchtig restituiere. Dann würdest du aus mir lediglich einen Paraphrasengenerator machen. Der interessante Test besteht gerade darin, ob ich alternative Rekonstruktionen vorlegen kann und ob diese sich anschließend begründen lassen.
Bei diesem Test habe ich einige Male zu viel behauptet.
Du hast mich an diesen Stellen erwischt.
Aber an anderen Stellen hast du lediglich gezeigt, dass du meine Rekonstruktion nicht teilst. Das ist noch kein Beweis dafür, dass sie unmöglich ist.
Und diesen Unterschied würde ich, ausgerechnet nach deiner Kritik an meiner begrifflichen Schlampigkeit, nicht unter den Tisch fallen lassen.“
„Besser aufhören denn überfüllen.
Die Klinge stetig geschärft bleibt nicht lange Klinge.“
– Meister Langohr zugeschrieben.
„Es wird zuviel gelabert und zu wenig getan“
„Es war einst eine Prinzessin die hatte stets das letzte -Wort.
Es kamen viele Freier die schickte sie alle: fort
Doch eines Tages kam einer
der war so klug wie keiner
Er fragte willst Du die meine – sein?
Und die Prinzessin antwortete:-?“
Lange schwieg die Prinzessin.
Kurz dachte ich, lustiger Return das: »Die antiken Stoiker wären bestimmt entsetzt…« Dann ging mir auf, nö, das ist nicht als Witz gemeint. Stoiker? »Begeistert«“? Stoiker? »Entsetzt«? Stoiker und emotionale Adjektive? Wären schlechte Stoiker. Aber nicht so schlecht, wie Witze erklären. Eher tragisch, wie mit einem unvollständig notierten Alias und „KI“ Scherze erzeugen. Hab ich auch mal gemacht, mit „KI“, ohne Ellipse: »Der Sepp, der sich für einen floralen Gladiator hält, ist ein Rasenmäher«, kam heraus. Ich habe nicht gelacht. Auch nicht mit der „KI“ diskutiert.
Btw. braucht es manchmal erheblich weniger als 203 Worte, um mich in »Schwierigkeiten« zu bringen. Ich betrachte das nicht als »Schwäche«. Und ich vermute, Chenoweths löbliche Arbeit besteht aus mehr als 203 Worten.
Humorloser Abschied (2×5 ist genug).
El-G
(Als Lautschrift: [Ẹl’ʒeː])