Andrew Huberman: Der bekannte Wissenschaftler und erfolgreiche Podcaster aus Amerika steht unter Beschuss

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Andrew Huberman ist Assoziierter Professor für Neurobiologie an der Stanford Medical School. Den meisten Menschen dürfte er aber weniger wegen seiner Forschung auf dem Gebiet der Ophthalmologie (Lehre von den Erkrankungen des Auges) bekannt sein, sondern für seine zahlreichen Gesundheitstipps. Auf YouTube brachte er es so auf zurzeit 5,3 Millionen Abonnenten; auf Instagram 6,2 Millionen Follower. Laut eigenen Angaben erhalten über eine halbe Million Menschen seinen Newsletter für ein gesünderes Leben, “Andrew’s Daily Blueprint” (Andrews Tägliche Blaupause).

Wie ein gesundes Leben nach seinen Vorstellungen aussieht, beschrieb GQ Magazine im März 2023 wie folgt: Der Tag beginnt mit einer Dosis Sonnenlicht. Zwischendurch lädt man seine Batterie mit Meditation auf. Kohlenhydrate werden am Abend verzehrt. Und nach Sonnenuntergang schaltet man am besten die rote Partybeleuchtung ein. Außerdem bewirbt der Wissenschaftler und Podcaster intensiv das Nahrungsergänzungsmittel “Athletic Greens”, inzwischen heißt es “AG1”, und verdient damit sehr viel Geld.

Wissenschaft in den Medien

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen Wissenschaftler weniger in den Medien vertreten waren. Damals hieß es, wer Zeit für Interviews und dergleichen habe, könne kein guter Forscher sein. Noch heute liest man in Nachrufen, dass jemand auch im Ruhestand noch bis an sein Lebensende im Labor gearbeitet habe. Demnach ist man entweder mit Haut und Haaren Wissenschaftler – oder gar nicht.

Doch Zeiten ändern sich. Inzwischen haben so gut wie alle Universitäten und Forschungsinstitute eigene Pressestellen. Das Auftreten ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Öffentlichkeit wird mitunter aktiv gefördert. Dafür werden sogar Medientrainings angeboten oder professionelle Aufnahmestudios zur Verfügung gestellt. Denn in Zeiten der Sparpolitik will man der Gesellschaft zeigen, wofür Wissenschaft gut ist.

Hat Hubermans außergewöhnlicher Erfolg Neider auf den Plan gerufen? Ist ihm die Droge Aufmerksamkeit zu Kopf gestiegen? Hat er seinen Einfluss über Gebühr zum eigenen Vorteil missbraucht? Hat er die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien maßlos übertrieben? Und was hat es mit den Vorwürfen sexueller Eskapaden und Untreue auf sich? Diesen Fragen widmen wir uns hier.

Breites Spektrum, eine Person

Es ist nicht unüblich, dass aufstrebende Wissenschaftler ein Labor mit ihrem Namen tragen. Insofern ist das “Huberman Lab” keine Ausnahme. Ein Blick auf die dazugehörige Website macht dann aber doch stutzig: Normalerweise stellt ein Forscher dort sein Team, seine Forschungsgebiete und seine Publikationen vor. Das “Huberman Lab” im Internet ist aber ganz offensichtlich eine Marketing-Plattform:

Man wird gleich zum Abonnement eines Newsletters eingeladen. Das “Labor” scheint nur aus einer Person zu bestehen, nämlich Andrew Huberman selbst. Mit zahlreichen Gästen wird nicht zusammen geforscht, sondern im Podcast geplaudert. Die Website fasst die wichtigsten Themen übersichtlich zusammen: ADHS, Antrieb und Motivation; Fitness und Erholung; Hitze und Kälte zur Optimierung der Gesundheit; Licht und der Schlaf-/Wachrhythmus; psychische Gesundheit und Abhängigkeit; Neuroplastizität und Verhaltensänderung; Schlafhygiene; sowie Nahrungsergänzung für Gesundheit und Leistungssteigerung.

Insgesamt sind es über 20 Themenbereiche. Auch zum Altern und langen Leben, zur Fruchtbarkeit (selbst hat er wohl keine Kinder), Darmbakterien und -Gesundheit, Hormonen und Gesundheit, Kreativität, zum allgemeinen Wohlbefinden, zu Beziehungen und und und kann man sich bei ihm informieren. Ein freundlicher Button lädt zur Mitgliedschaft ein: Für nur 10 Dollar im Monat wird man “Premium Member”. Bei jährlicher Zahlungsweise winken 20 Dollar Rabatt. Lebenslanges Mitglied wird man für “nur” 1.500 Dollar. Wer kann da noch Nein sagen?

Komplexe Universen

Huberman mag ein Genie sein. Erfolgreich ist er zweifellos. Doch für jemanden, der eine wissenschaftliche Karriere aufbaut, ist das schon eine beachtlich lange Themenliste. Dabei sind Themen wie “Darmbakterien” oder “Hormone” jeweils ein komplexes Universum für sich.

Der Blick auf Hubermans wissenschaftliche Publikationsliste ist demgegenüber nicht gerade umwerfend. Wie man es von jemandem an einer Elite-Universität wie Stanford erwarten kann, finden sich einige Publikationen in führenden Fachzeitschriften. Doch die Zahl seiner Zitationen, die von 2007 bis 2018 stark anstieg, stagniert seitdem.

Zudem scheint seine wichtigste Mitarbeiterin zum Jahresbeginn das Nest an der Stanford-Universität verlassen zu haben. Die Neurowissenschaftlerin und Ophthalmologin Supraja Varadarajan baut jetzt am Southwestern Medical Center in Dallas, Texas, ihr eigenes Labor auf (ein Beispiel, wie so eine Lab-Seite meist aussieht). Man wird sehen, wie sich das auf Hubermans wissenschaftliche Veröffentlichungen auswirkt.

Sex- und Liebesleben

Zum Beginn dieser Woche, am 25. März, ließ das New York Magazine eine publizistische Bombe platzen: In der Reportage mit dem Titel “Andrew Hubermans Kontrollmechanismen: Die privaten und öffentlichen Verführungen des weltweit größten Pop-Neurowissenschaftlers” thematisiert die Autorin Kerry Howley nicht nur Hubermans erstaunlichen Erfolg als Podcaster, sondern auch seinen fragwürdigen Umgang mit Freunden und Partnerinnen. Von Letzteren hatte er demnach mehrere zugleich, ohne dass die Frauen das wussten.

Man kann sich natürlich fragen, inwiefern das Sex- und Liebesleben eines Wissenschaftlers und Podcasters für dessen Glaubwürdigkeit von Bedeutung ist. Auch ein Medium wie das New York Magazine ist kein interessenloser Wohlfahrtsverein. Doch in der hier dargestellten Fülle kratzen die Vorfälle meiner Meinung nach schon am Bild Hubermans, das vielleicht einfach zu perfekt war, um wahr zu sein.

Demnach traf es insbesondere seine langjährige Partnerin, die im Artikel das Pseudonym “Sarah” bekam. Ihrer Darstellung nach hatten die beiden seit Mitte 2018 eine monogame Beziehung vereinbart. Die Frau brachte aus einer früheren Beziehung zwei Kinder mit und habe – in ihren Vierzigern – noch ein Kind mit Huberman haben wollen. Sie habe ihren Partner dann aber mehrmals bei merkwürdigen Ausflüchten und dann auch beim tatsächlichen Fremdgehen erwischt. Jedes Mal habe sie ihm aber wieder verziehen.

Kinderwunsch?

Laut den Darstellungen hat Huberman bis zu sechs Beziehungen gleichzeitig gehabt. Ironischerweise merkte eine der hintergangenen Frauen in einem ähnlichen Artikel im Guardian anerkennend an, dass man dafür ein außergewöhnliches Organisationstalent besitzen müsse. Doch auch wenn es uns hier um keine moralische Verurteilung gehen soll, wirft das wichtige Fragen auf: Denn auch für einen Andrew Huberman hat der Tag nur 24 Stunden. Wissenschaftliche Karriere, lange Podcasts, intensives Online-Marketing, Affären – wie lässt sich das alles unter einen Hut bekommen?

Sehr merkwürdig ist dann aber doch noch eine Sache zu “Sarahs” Kinderwunsch: Huberman hat sich selbst bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Im New York Magazine wird an seiner Stelle “ein Sprecher” zitiert: Diese Person korrigiert, Huberman und seine Partnerin hätten keinen gemeinsamen Kinderwunsch gehabt. Stattdessen hätten sie “entschieden, mithilfe von In-vitro-Fertilisation Embryonen zu erzeugen.” Wie bitte?

Pop oder Wissenschaft?

Heute wollen viele ein Podcast- und Soziale Medien-Star sein. Huberman nutzte hierfür sein Image als erfolgreicher Wissenschaftler. Sein Instagram-Profil prangt beispielsweise den mit den Schlagworten: “Wissenschaftler. Professor für Neurowissenschaft in Stanford. Labordirektor an der Stanford Medical School. Neurowissenschaftliche Forschung und Bildung.”

Doch auch an diesem Bild kratzen nun die Artikel: So wohnt Huberman beispielsweise fast 600 Kilometer beziehungsweise sechs Autostunden von seinem Labor entfernt. Dabei muss man verstehen, dass er kein Theoretiker ist oder jemand, der vor allem Computersimulationen laufen lässt. Dann könnte man sein “Labor” auf dem Laptop überall hin mitnehmen. Nein, in seinem Bereich geht es wirklich um “nasse” Laborarbeit mit teuren Apparaten und Versuchstieren. Dafür muss man vor Ort sein.

Laut dem Artikel im New York Magazine klingt das ursprüngliche Huberman Lab in Stanford nach einem Geisterdorf. Es seien einmal vier Räume gewesen. Im heutigen “Lab” arbeitete nur noch eine einzige Wissenschaftlerin, die sich zudem selbst finanziere, kommentierte ein namentlich nicht genannter Kollege. Teure Apparaturen seien verwahrlost, Mitarbeiter nicht mehr betreut worden. Ein Sprecher der Universität korrigiert dann aber, dass das Labor benutzt würde und derzeit in eine andere Abteilung umziehe. Es ist natürlich eine Sache der Institution selbst, wie viel Anwesenheit und Forschungsarbeit sie von ihrem Personal erwartet.

Gefährliche Übertreibungen?

Inhaltlich werden Huberman aber nun zahlreiche Übertreibungen vorgeworfen. Ein Artikel im Slate Magazine vom 27. März geht viel weiter und spricht von “Pseudowissenschaft“: “In Wirklichkeit konzentriert sich sein Podcast auf Pseudowissenschaft: Er stellt oft Behauptungen auf, die wissenschaftlich erscheinen, denen es aber an Beweisen, Plausibilität und Gültigkeit mangelt.”

Als besonders problematisch erschienen hier seine Berichte über Nahrungsergänzungsmittel, an denen Huberman mitverdiente. Im Guardian wird seine Empfehlung von der Schlafbeere (Withania somnifera) genannt, die in der ayurvedischen Medizin Indiens beliebt ist. Laut Huberman soll die Pflanze gegen Ängstlichkeit helfen. Laut Guardian gebe es hierzu aber unzureichende Studien und könnte die Substanz im Gegenteil bestimmte Autoimmunerkrankungen verschlechtern oder gar zu Fehlgeburten führen.

Das in jeder Podcast-Folge beworbene Supplement “Athletic Greens” beziehungsweise “AG1” enthalte zum Preis von 79 Dollar im Monat zwar satte 75 aktive Inhaltsstoffe. Laut dem New York Magazine sei das Unternehmen aber nicht transparent über die Zusammensetzung. Allein die hohe Anzahl an Stoffen spreche dafür, dass die meisten nur als wirkungslose Spuren enthalten seien.

Marketing und Vorbildfunktion

Was soll man von der Berichterstattung halten? Laut dem Wissenschaftsjournalisten Scott Carney, der früher freundschaftlichen Kontakt zu Huberman pflegte, handle es sich bei ihm nicht nur um einen unermüdlichen Selbstoptimierer, sondern auch einen Kontrollfreak. In den zahlreichen Affären und mit den detaillierten Protokollen für ein gesundes Leben gehe es dem Wissenschaftler darum, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen. Laut Carney bereiten zurzeit verschiedene Medien weitere Enthüllungsberichte über den Forscher vor.

Doch ist nicht jede Form von Erziehung, Bildung und Kommunikation ein Mittel zur Beeinflussung? Dabei sind Ehrlichkeit und Faktentreue allerdings wissenschaftliche Grundwerte. Die Immunologin Andrea Love, Autorin des Slate-Artikels, hat bereits im Februar Hubermans Tipps gegen Erkältungen und Grippe als fehlerhaft kritisiert. Dabei wirft sie ihm insbesondere seine Kritik an der Grippe-Impfung vor, die in Wirklichkeit das beste bekannte Mittel gegen die im schlimmsten Fall tödliche Erkrankung sei.

Es ist eine Sache, ob man in spaßigen TED-Talks Leuten unterhaltsame Nachrichten über das angebliche Liebeshormon Oxytocin auftischt und empfiehlt, täglich mehrere Menschen zu umarmen. John Oliver entlarvte solche Botschaften, auch von Neurowissenschaftlern, in seiner Last Week Tonight Show schon vor Jahren als äußerst fraglich. Hier wurden ebenfalls, wie man es nun Huberman abermals vorwirft, vorläufige Ergebnisse von Experimenten mit Nagetieren vorschnell auf den Menschen übertragen.

Gesundheitsproblem statt Schutz?

Wenn der Podcast-Star und Stanford-Forscher aber von etablierten medizinischen Prozeduren abrät und stattdessen potenziell schädliche Kräuter empfiehlt, an deren Werbung er mitverdient, ist das auch für die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft als Ganze ein Problem. Ich will bei nächster Gelegenheit seine äußerst populäre Folge über die angeblichen Gehirnschäden durch Alkoholkonsum einem Faktencheck unterziehen.

Selbstmarketing ist kein Verbrechen. In der heutigen Zeit ist es fast schon eine Pflichtübung. Nicht nur in der Wirtschaft gilt das Credo, Fake it till you make it, täusche den Erfolg vor, bis du ihn hast. Aber als Wissenschaftler hat man auch eine Vorbildfunktion, zumal mit so einer großen Gefolgschaft. Der frühere MPI-Direktor Wolf Singer, ebenfalls Neurowissenschaftler, bedauerte vor Jahren einmal in einem Interview, dass man als Wissenschaftler viel weniger Aufmerksamkeit bekomme als andere Medienpersönlichkeiten.

Huberman machte nun vor, wie man mit Wissenschaftsnachrichten an viel Geld, Ruhm und Partnerinnen kommt. Dass sein Erfolg eine Sogkraft auf Nachahmer ausübt, sollte klar sein. Es ist jetzt auch Aufgabe der Stanford-Universität, sich zu seinem Auftreten und Wirken zu positionieren.

Wissenschaft ist mühsam

Wer selbst in der Wissenschaft arbeitet, der weiß, wie mühsam und klein Erkenntnisfortschritt in Wirklichkeit ist. Gerade in den “nassen” Laborwissenschaften verbringt man mitunter Jahre in sterilen Laboren ohne Sonnenlicht, um nach langer Arbeit feststellen zu müssen, dass ein Experiment nicht funktioniert. Wahrscheinlich gelangen mehr als 99 Prozent der Ergebnisse nie ins Rampenlicht. Huberman inszeniert sich stattdessen als Experte für über zwanzig Gesundheits- und Forschungsthemen, der mühelos die Welt erklärt.

Doch so einfach ist es nicht. Wenn man nur das Thema “Ernährung” herausgreift, sieht man, wie Trend auf Trend folgt: Mal ist Intervallfasten, mal wenig Fett, mal wenige Kohlenhydrate, mal viel Proteine, mal rohes Gemüse mal die Fleisch-Diät in Mode. Mal ist das Cholesterin in Eiern gefährlich, dann wieder nicht; mal entzieht Kaffee dem Körper Wasser, dann wieder nicht.

Zahlreiche Expertinnen und Experten inszenieren sich immer wieder als Gesundheits- und Selbsthilfe-Gurus. Podcasts sind heute ein bewährtes Einstiegsmittel. Darüber werden dann Bücher und Kurse verkauft oder Werbeanzeigen geschaltet.

Wer sich mit den tatsächlichen Befunden der Ernährungswissenschaften beschäftigt, der weiß aber: Viele der Studien berichten nur kleine Korrelationen, die zudem meist auf Selbstauskünften über viele Jahre beruhen. Hier kann man eben nicht so leicht kontrollierte Experimente durchführen. Und wenn doch, dann geht es oft um Versuche mit genetisch modifizierten Tieren, deren Ergebnisse nicht eins-zu-eins auf Menschen übertragbar sind. Überzeugende Ursache-Wirkungs-Beziehungen kann man so nicht feststellen.

Am Ende kommt man immer wieder auf die allgemeine Empfehlung, sich ausgewogen zu ernähren, genügend zu bewegen, gut zu schlafen, Beziehungen zu pflegen und so weiter. Mit dieser alten, aber vielleicht zutreffendsten Botschaft lässt sich jedoch kaum Aufmerksamkeit generieren.

Abwägungssache

Ich habe versucht, den “Fall Huberman” hier nicht zu dramatisieren. Mir scheint es deutlich, dass er sich immer mehr auf den Erfolg seines Podcasts fokussierte und damit zunehmend von der Forschung wegbewegte. So eine Medienwirkung zu erzielen, ist auch eine Kunst. Es ist aber etwas anderes als Wissenschaft. Seine fragwürdigen Inhalte übertrieben mit dem Prädikat “wissenschaftlich” zu popularisieren und zu verkaufen ist aber auch ein ethisches Problem für die Forschungswelt.

Wer versucht, den Fakten treu zu bleiben, erreicht oft nur einen kleinen Bruchteil der Öffentlichkeit. Dass die Strategie Hubermans so gut funktioniert, sagt aber auch etwas über unser Konsum- und Medienverhalten aus. Insofern haben auch seine vielen Zuhörer und Abonnenten den Podcast-Star zu dem gemacht, was er jetzt ist.

Offenkundig hat Huberman seinen Erfolg maximiert und damit schließlich Authentizität eingebüßt. In Reaktion auf Fragen meiner Studierenden schrieb ich schon vor Jahren einen Essay darüber, wie man zwischen Authentizität und Erfolg abwägen sollte.

Der Artikel ist zuerst auf dem Blog Menschenbilder des Autors erschienen.

Stephan Schleim

Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Sein Schwerpunkt liegt in der Erforschung von Wissenschaftsproduktion und –kommunikation. Schleim ist Autor mehrerer Bücher zu Neurowissenschaften, Psychologie und Philosophie.
Bild: Elsbeth Hoekstra
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21 Kommentare

  1. Wer ist Huberman?

    Jedenfalls scheint er ein außergewöhnliches Organisations- und Marketingtalent zu sein.
    Das wäre eine neue Podcast-Reihe wert.
    Da können wir alle noch was lernen.

      1. Long Tail Herr Schleim. Jeder findet seine eigenen Podcasts und hört die anderen womöglich sehr erfolgreichen Podcasts nicht und man hat auch nie von ihnen gehört. Selbst Joe Rogan ist Vielen unbekannt. Im Internet findet sich wirklich zu jedem Geschmackstopf der passende Deckel.

        1. Habe gerade einen Freudschen Fehlleser fabriziert:

          „Im Internet findet sich wirklich zu jedem Geschmackstopf das passende Sekret.“ :-))

          1. Ja… das leider auch. Aber das ist wohl die menschliche Natur. Für die Entwicklung und weiterentwicklung des Internets war und ist die Porno-Industrie auch immer wichtig gewesen. Die hatten zuerst den bedarf für Videostreaming, für funktionierende sichere Bezahlsystemeund vieles mehr. Der Spruch „the internet is for porn“ stimmt in mehr als einer Hinsicht.

            Zurück zu den Podcasts: es gibt da natürlich auch welche die über alle Arten Sexualität senden. Auch wenn ich davon keinen einzigen kenne, weil mich das nicht intetessiert hat so in der Tiefe. Und Schwupps kenne ich keinen Podcast aus dem Bereich. Da könnte einer sein mit 1 Milliarde hörern und ich kenne ihn nicht. Internetbubble und so.

  2. Man braucht nur bis zum Wort „Nahrungsergänzungsmittel“ lesen – dann weiß man Bescheid. Einer der vielen Betrüger, die von dem Geld dummer Menschen leben und ihnen überteuerte Lifestyle-Produkte andrehen. Der Rest, wer gegen wen und warum – eher uninteressant.

    Ein eher seriös auftretender Neurowissenschaftler wäre Gerhard Roth – gewesen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Roth_(Biologe)

    Gerald Hüther ist dagegen auch eher nervtötend.

    1. Gerhard Roth war ein Vertreter des neurobiologischen Determinismus, eine durchaus zweifelhafte Ansicht, zumal er aus diesem Determinismus allgemeine Konsequenzen für Teile der Gesellschaft entwickelte.

  3. Als Spitzenwissenschaftler kann man eigentlich nur in einem Gebiet absolut Spitze sein.
    (Uneigentlich auch nur…)
    Wer sich von der Wissenschaft zum Marketing hinbewegt (weil dort das Geld stimmt), muss in Kauf nehmen, daß die Wissenschaft leidet, entweder Spitzenmarketing oder Spitzenwissenschaft.
    Natürlich gibt es in der Community solche, die beides KÖNNEN. Aber zur Spitze MACHEN kann man es nur in einem Bereich.
    Das bedaure ich immer bei den jungen Wissenschaftlern: Sie sollen einen guten Mix, einen guten Kompromiss zwischen beiden bringen, aber sie sind dann eben in beidem nicht Spitze. Spezialisierung ist alles.

    1. Okay, fair enough… aber was halten Sie von der Existenz von „Spezialisten fürs Allgemeine“? Wenn man das Marketing einmal außen vor lässt.

      Dass man, um eine feste Stelle zu bekommen, vor allem in einem Land wie Deutschland, Spitze und Spezialist sein sollte, ist bekannt. Aber sollte es nicht auch ein paar Leute geben, die die verschiedenen Puzzleteilchen miteinander verbinden?

      1. Talent für die Lehre ist doch eher nicht so wichtig bei der Berufung von Professoren. Die Unis mögen mehr Leuchttürme der Spitzenforschung um einen Exzellenzcluster zu bilden. Oder welches dämliche Modewort gerade als Sau durchs Unidorf getrieben wird. So zumindest meime Beobachtung als Student an der Uni.

      2. Ja, die Generalisten, die verschiedene Fachgebiete verbinden können, mögen in der Industrie und im (Wissenschafts-)Management sehr begehrt und sehr erfolgreich sein – im wissenschaftlichen Spezialgeniet eher nicht. Ich habe selbst als Interdisziplinärer Spitzenleistungen und Innovationen bringen können eben WEGEN der Multidisziplinarität in meiner Ausbildung, aber da ging es um Technologieforschung und -entwicklung in einem Spezialgebiet, nicht um Wissenschaft.
        Früher hatten wir so ein Bonmot gerne angeführt:
        Der Student weiß von allem nichts,
        der Assistent weiß schon etwas mehr über weniger,
        der Postdoc weiß viel mehr über ganz wenig,
        der Professor weiß alles über fast Nichts.
        Und Marketingspezialisten können über alles reden.

        Ich denke schon, daß ein Professorentitel im Marketing auch sehr viel Respekt verschafft und Kompetenz nachweist, aber eben über eine in der Vergangenheit erworbene Kompetenz. Und natürlich ist ein Mißbrauch dieser Kompetenz möglich, sollte aber nicht unbedingt als gegeben unterstellt werden. Autoritätsgläubigkeit ist kein ausschließlich deutsches Phänomen, die ist weltweit verbreitet.

  4. Mir fällt da wieder Robert Kurz mit der sperrigen aber treffenden Formulierung vom „in universeller Konkurrenz deformierten Subjekt“ ein.
    Er hat eben sein Können, ich meine sein mediales -sein Können als Wissenschaftler kann ich nicht beurteilen- erfolgreich eingesetzt und war in diesem Sektor erkennbar besser als andere. Er hat die Regeln, nach denen er spielte, aber nicht erfunden.
    Manchmal ist es gut, sich daran zu erinnern, dass die Veranstaltung Kapitalismus heißt und mal ganz simpel ausgedrückt, ist da das einzige Ziel, dass am Ende jedes Prozesses mehr Geld vorhanden ist, als vorher. Den Rest regelt der Konkursrichter.
    Der Forscher, der von einem Thema besessen ist, und der tatsächlich ein Problem lösen will, wird, wenn er nicht nach den Regeln spielen kann, keinen Job bekommen und irgendwann aufgeben müssen. Natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Aber wer weiß, wie an deutschen Universitäten Stellen vergeben werden, dürfte frei von Illusionen sein. Und ich rede nicht von Fächern, wo Politik unmittelbar eine Rolle spielt. Da kenne ich mich nicht aus.

    Bezeichnend für diese Sache ist auch, dass man nun diese Sexgeschichte mit verhandelt. Fein, wenn von Verfehlungen die Rede ist. Ich würde da an Vergewaltigung, Belästigung, Missbrauch einer Position als Chef denken. Davon schreibt der Autor nichts. Was zum Teufel ist das für eine verrückte Welt, in der sich Hinz und Kunz um Sachen kümmern, die sie einen Scheiß angehen, die seine Angelegenheit und die seiner Partnerin sind?

    Bleibt noch die Sache mit der Ernährung. Da schreibt der Autor genau das, was dazu zu sagen ist. Ständig wird eine neue Sau durch das Dorf getrieben und immer ist die Lösung des Problems ganz einfach und alle müssen es nur machen.
    Wenn es -zum Beispiel bei der Adipositas- dieses eine endgültige Mittel gäbe, mit der man ihrer Herr wird, würde es sich rumsprechen, alle würden es machen, die Fettleibigkeit wäre besiegt. Ich verfolge das nun schon viele Jahrzehnte und keinesfalls als Unbeteiligter, sondern Betroffener, der nur mit Anstrengung, mit Sport, Selbstkontrolle und Entsagung verhindern konnte, zur Qualle zu werden. Wäre mir schon Recht gewesen, wenn der einfache Weg früher gefunden worden wäre. Das sah aber bisher noch nicht so gut aus. Andererseits, vielleicht sollte ich mal den Podcast abonnieren. Die paar Kröten Krieger ich noch zusammen und könnte ja passieren, dass Hubermann demnächst Geld braucht….

    1. Zu den Beziehungen: Ich habe auch darüber nachgedacht. Aber bei einer öffentlichen Persönlichkeit, die sich so perfekt inszeniert – und dann auch noch über das Thema „Beziehungen“ Sendungen macht – halte ich das schon für legitim, sogar wichtig.

      In den verlinkten Artikeln geht’s dann auch noch darum, er hätte mindestens eine Partnerin mit HPV infiziert (nicht HIV!). Na ja, ist das nicht so verbreitet wie Herpes? Letzteres hoffentlich nicht im Genitalbereich.

      1. Ja, HPV bekommt sehr wahrscheinlich, wenn man nicht seine erste Liebe heiratet und ihr treu bkeibt und beide HPV negativ sind. Von daher nicht so schlimm. Laut Wikipedia sollen 80% der 50 järigen HPV tragen. Also wirklich häufig wie Herpes.

  5. Zusammenfassend – ein Schlangenölverkäufer hat seinen Zenith überschritten und wird nun Gegenstand von Klatsch-Postillenartikeln.

  6. Ich hatte mich scho ngewundert, wie ein Forscher mitbeigenem Labor an der Universität so viele eigene Podcasts produzieren kann und dann auch noch bei allen anderen Podcastern in deren Sendungen zu Gast sein kann. Da muss die Forschung leiden, weil auch Huberman nur 24 h/d hat.

    Ein Podcast wie man so viele Podcasts und dann ein halbes Dutzend Frauen jongliert und organisiert, wàre aber wirklich interessant wie man das macht. Ich habe ja schon Probleme nur eine normale Arbeit und nur eine Frau zu organisieren. 😀

  7. Ob dieser Mann ein Genie oder ein Scharlatan ist, lässt sich ganz einfach an der Gretchenfrage Corona feststellen, an der ja viele andere Wissenschaftspromis gescheitert sind.

  8. Verwirrender Artikel!

    Herr Schleim und seine Scilogs, die seit Jahren und „Ende“ der Pandemie eine Aufarbeitung und regierungsnahes unwissenschaftliches Nachplappern der Pandemieangstschürung und Verharmlosung der Impfnebenwirkungenen betrieben haben, erdreisten sich jetzt auch noch Wissenschaftlern die Wissenschaftlichkeit abzusprechen? Wie wäre es mal damit vor der eigenen Tür zu kehren? Evtl. hat Hr. Huberman deutlich mehr erreicht an allgemeiner Gesundheitsvorsorge als das ganze RKI zusammen?!

    Selbst die gerichtlich erwirkte „Veröffentlichung“ von über 50% geschwärzten RKI-Files ist den Autoren und Kommenatatoren dort ein Dorn im Auge.

    https://scilogs.spektrum.de/meertext/rki-files-meine-kritik-ans-zdf/

    Sorry, Herr Schleim, aber ihre Glaubwürdigkeit ist schon lange verwirkt, dabei hatte ich ihre wissenschaftsphilosophischen Artikel auf TP ab und dann gern gelesen.

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