Am Kipppunkt?

Friedensdemonstration in Wiesbaden. Bild: Stefan Nold

Nach mehreren schönen Tagen liegt Darmstadt an diesem Samstag morgen unter einer dichten Wolkendecke. Heute, am 29.3.2025, gibt es in Wiesbaden eine bundesweite Demonstration gegen die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Auch der langjährige UN-Diplomat Michael von der Schulenburg wird sprechen. In Wiesbadener Medien[1] [2] steht das, sonst weiß das nur die Friedensszene. [3]

Der Blick ins Internet ist deprimierend. Der Focus raunt: „Schon in wenigen Jahren könnte Russland die Bundeswehr angreifen.“ [4] Die Gegenseite meldet: „In Paris bereiten Macron und Selenskij den dritten Weltkrieg vor.“ [5]  In einem Interview staunt von der Schulenburg: „Hören Sie sich mal die Sprache an, gucken Sie sich mal diese Resolutionen des EU-Parlaments an, wie die geschrieben sind. Das habe ich nicht mal im Iran-Irak-Krieg erlebt, wo wahrscheinlich eine Million Menschen umgekommen sind.“ [6]

Seit Wochen hat ein Nachbar eine riesige ukrainische Fahne aus dem Fenster gehängt. Bei einem Länderspiel ist es der Union-Jack, weil er England-Fan ist. Gestern habe ich im Internet ein Meer von ukrainischen Fahnen gesehen – auf endlosen Reihen von Gräbern. „Die Größe der Friedhöfe in der Ukraine hat sich mehr als verdoppelt“ [7] sagt der Moderator. Es lohnt nicht, den Nachbarn darauf hinzuweisen. Noch nicht. Soll ich heute zu der Demo fahren? Wenn jeder sagt, es bringt nichts, bringt es nichts. „Gott ist‘s der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen“, habe ich heute früh wieder im Philipper-Brief (2,13) gelesen. Wir werden sehen. Ich fahre hin.

„Das müssen Sie mal dem Putin schreiben“, sagt mir ein älterer Herr, als ich mit meinem Plakat mit meinen 12 Geboten für den Frieden durch die Wiesbadener Bahnhofshalle laufe. Ich antworte: „Im April 2022 war man dem Frieden sehr nahe. Putin wollte wirklich Frieden. Das sage nicht ich, sondern der leitende Jurist der ukrainischen Delegation“ [8] – „Das habe ich nicht gewusst.“ Der Mann ist ehrlich überrascht, rollt nicht die Augen oder dreht den Kopf weg, wie ich das sonst erlebe.

Auf dem Bahnhofsvorplatz viele Menschen, Fahnen, selbstgebastelte Plakate. Ich treffe Freunde, alte Bekannte, bin schnell mit neuen Leuten im Gespräch. Eine alte Frau kommt auch aus Darmstadt, erzählt wie sie die Folgen der Brandnacht vom 11. September 1944 erlebt hat. „Als Kinder haben wir in den Ruinen gespielt. Die Leute waren so arm, dass sie die Kartoffelschalen aus dem Müll geholt haben.“

Der Protestzug bricht auf, vorneweg ein Laster, auf dem die Bässe mit einem Friedens-Rap wummern. Als wir nach links in den Kaiser-Friedrich-Ring abbiegen, sagt mein Freund Michael: „Hier sind wir damals hergelaufen, als wir gegen die Startbahn West protestiert haben.“

Ein selbst gemaltes Plakat fällt mir auf. Es hat die Aufschrift „Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind – das Denken muss das Töten ersetzen.“ „Das ist von Gandhi“, sagt die Frau, die es trägt. Sie kommt aus Überlingen. Allein hat sich sie in aller Früh auf den Weg gemacht und wird abends gegen 23 Uhr wieder zu Hause sein. Sie war mal bei den Grünen.

Bild: Stefan Nold

An einer Straßenecke steht ein Trupp junger Leute mit FFP2-Masken. Einer hat ein Megafon in der Hand und macht uns darauf aufmerksam, dass bei unserem Marsch auch Rechte mitliefen. Ich habe viele Fahnen gesehen von den Linken, MLPD, DKP, BSW, von den Naturfreunden, Pax Christi, GEW, blaue Fahnen mit Friedenstaube oder in Regenbogen-Farben. Für die Antifa ist jeder ein Nazi, der nicht ihrer Meinung ist. Mir kommt ein Cartoon mit Lucy von den Peanuts [9] in den Sinn und die große Sprechblase aus ihrem Mund:  „You blockhead!“ Blockierter Kopf. Das passt. Wir gehen weiter.

Die Plakate sind individuell, hier eine kleine Auswahl:

  • Ich lasse mich gegen niemand aufhetzen. Frieden schaffen ohne Waffen.
  • Menschen, weigert euch, Feinde zu sein.
  • Wer einen Feind will, bekommt ihn.
  • Raketen sind Magneten
  • Die Waffen liefern die Reichen, die Armen liefern die Leichen
  • Wer kriegstüchtig werden will, sollte üben: Zu frieren, zu hungern, obdachlos und in Armut zu leben, Brutalitäten hinzunehmen, sein Leben zu opfern.
  • Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
  • Vermittler senden, Leid beenden.
  • Liebe ist die größte Kraft im Universum
  • Du, Mensch in unserem Land, wenn sie dir auf allen Kanälen eintrichtern wollen, du sollst kriegstüchtig werden, dann gibt es nur eins: Sag NEIN. (frei nach Wolfgang Borchert)
Bild: Stefan Nold

„Früher gab es in den Gewerkschaften noch eine Bewegung für den Frieden“

Ich mache viele Fotos und auch meine 12 Friedensgebote [10] werden oft fotografiert. Zwei jung gebliebene Großeltern aus Erfurt tragen ein großes professionell gestaltetes weißes Transparent mit der Aufschrift: „Wir wollen keinen Krieg! Wir haben unsere Söhne unter Schmerzen auf die Welt gebracht. Wir haben nachts an ihrem Bett gesessen, wenn sie krank waren. Wir haben stolz ihre ersten Schritte gesehen. Wir haben sie liebevoll ins Leben begleitet. Wir wollen, dass unsere Söhne und Männer leben! Wir wollen Frieden! Mütter und Frauen für den Frieden.“ Darunter das Foto eines schlafenden jungen Mannes mit einem Neugeborenen auf der nackten Brust. „Wir haben von unseren Kindern die Erlaubnis, das Bild zu verwenden“, erzählt mir die Oma lächelnd mit angenehmen, leicht französischen Akzent.

Super, dass die Gewerkschaft auch da ist, sage ich einem grauhaarigen Mann mit einer einsamen Fahne der IG Metall. „Ja“, sagt er, „früher gab es in den Gewerkschaften noch eine Bewegung für den Frieden.“ Er zeigt mir einen Button mit einem solchen alten Logo, das er an seine Fahne geheftet hat. „Heute freut sich der Betriebsratsvorsitzende von Rheinmetall über die vielen neuen Rüstungsaufträge. Seit 60 Jahren höre ich, dass der Russe kommt. Er ist nie gekommen. Anfang der Siebziger haben wir beim Wehrdienst in Minden den Nahkampf trainiert – in Russenhäusern, so nannte man die damals.“ Russenhäuser? – – –  ? – – – ! ! ! Wenn der Iwan nicht zu uns kommt, kommen wir eben zu ihm. Das scheint bei uns wieder mal die Devise zu sein.

Nach etwa anderthalb Stunden kommen wir auf dem Kranzplatz an, wo die Abschlusskundgebung stattfinden wird. Aufwändiges Equipment mit Großbildleinwand ist aufgebaut. Das Wetter ist richtig gut geworden, die Sonne scheint. An die 4.000 Leuten sind da. Die erste Rede hält Oberst Ann Wright, die aus den USA angereist ist. Sie war 20 Jahre in der Armee, 16 Jahre im diplomatischen Dienst und ist jetzt in der Friedensbewegung aktiv. Immer wieder entschuldigt sie sich für die Kriege der USA und für ihre Raketen, die in Wiesbaden stationiert werden sollen und für die Beihilfe zum Genozid in Gaza. Sie wird die einzige sein, die das anspricht.

Danach redet Özlem Alev Demirel von den LINKEN. Leidenschaftlich und doch irgendwie routiniert zieht sie vom Leder: „Beim Militarismus geht es niemals um Werte, sondern um knallharte Geopolitik… Wenn es um Sozialausgaben geht, sagen sie uns, dass wir blank sind und jetzt werden Milliarden für die Rüstung ausgegeben.“

Nun ja, die Landesregierungen mit linker Beteiligung haben im Bundesrat der Verfassungsänderung zugestimmt, gegen die die Genossin da vorne so wettert. Die LINKE und der Frieden, das ist wie coitus interruptus. Es fängt gut an, aber im entscheidenden Moment macht sie einen Rückzieher. Vertrauen kann man dem linken Führungspersonal nicht.

Bild: Stefan Nold

Frieden wird nie von Engeln geschlossen“

Vertrauen ist das erste Stichwort von Michael von der Schulenburg: „Frieden hängt von Vertrauen ab, nach innen und nach außen.“ Aber die Änderung der Verfassung zum hemmungslosen Schuldenmachen für die Rüstung sei ein enormer Bruch des Vertrauens gewesen. Die derzeitigen Friedensgespräche würden von Macron und Starmer torpediert, die immer noch glaubten Weltmächte zu sein. „Die Ukrainer sind bei alle dem die Betrogenen.“ Zu Trump meint er: „Frieden wird nie von Engeln geschlossen. Frieden ist immer ein Kompromiss von Interessen.“ Zum Schluss zitiert der erfahrene Diplomat Willy Brandt: „Ohne Frieden ist alles nichts. Und deshalb müssen wir für Frieden Kompromisse schließen.

Die Stationierung der Mittelstreckenraketen ist das Thema von Regina Hagen. „Nicht durch die Stationierung, sondern durch die Abschaffung der Mittelstreckenraketen [ im Rahmen des – 2019 von Trump gekündigten INF-Abkommens] hat sich die Sicherheit erhöht.

Der letzte Redner ist Michael Müller, der Vorsitzende des Bundes für Naturfreunde. Er spricht von einer „Krise des Gehirns durch den Militarismus, die nicht kriegstüchtig, sondern kriegssüchtig“ mache. Er fordert dazu auf, „ein gemeinsames Haus Europa zu bauen, zu dem auch Russland gehört„. Zum Schluss bittet Moderatorin Andrea Hornung die Zuhörer, den „Berliner Appell“ [11] gegen die Stationierung der US-Mittelstreckenraketen zu unterschreiben. Blaue Eimer werden herumgereicht, um Spenden zur Finanzierung der Veranstaltung zu sammeln. Sie füllen sich schnell mit kleinen Scheinen.

Sogar der Tagesschau ist die Kundgebung eine kurze Meldung wert. [12] Ausführlicher und mit einem positiven Unterton berichtet die Hessenschau [13] Es folgt die Einordnung oder besser die „Einordung“ durch Niklas Schörnig vom Leibniz Institut für Friedens- und Konfliktforschung. Er erzählt wieder die Geschichte vom russischen Imperialismus und wiederholt das noch mal auf die Frage von Kristin Gesang, der Moderatorin: „Ist das wirklich so? Ist das Putins Agenda? Sich räumlich auszudehnen?“ „Alle kommen zu dem Schluss“, ist seine Antwort. Das Anliegen der Pazifisten sei „ehrenwert, aber in der aktuellen Situation nicht das, was wir für Frieden brauchen“.

Eine Brandmauer gegen den Krieg

Es ist das übliche Framing: Die lieben Omas und Opas meinen es ja gut, aber die Fachleute wissen am besten, was zu tun ist. Nein, gerade viele Ex-Militärs fordern eine friedliche Lösung, wie Brigadegeneral und Merkel-Berater Erich Vad [14], der ehemalige Generalinspekteur Harald Kujat [15] oder der Veteran aus dem Irak-Krieg Oberst Douglas Macgregor [16]. Das passt nicht ins vorgegebene Narrativ und kommt daher in der Diskussion nicht vor. Das passt nicht ins vorgegebene Narrativ und kommt daher in der Diskussion nicht vor. Wieder mal sind es die ahnungslosen beschlipsten Schreibtischtäter, die die Soldaten in den Tod treiben.

Die immer stärker werdende konservativ-libertäre Bewegung [17] [18][19] in den USA und ihre Forderung alle Soldaten nach Hause zu holen und sich in Übersee nicht mehr zu engagieren, werden bei uns komplett ausgeblendet. Dabei sind das die Stichwortgeber für Donald Trump und seine Politik.

Am Ende der Hessenschau gibt der nette Onkel vom Leibniz-Institut Entwarnung: „Ich glaube nicht, dass das ein neuer Start für die Friedensbewegung ist.“ Vielleicht. 4.000 Teilnehmer sind eine ganze Menge, aber wenn die Eintracht spielt, kommen 10 mal so viele Zuschauer und im Bonner Hofgarten 1982 waren es 100 mal so viel, die für den Frieden demonstriert haben. Kirchen und Gewerkschaften sind – von Ausnahmen abgesehen – ein Totalausfall. Die AfD ist zwar für den Frieden mit Russland, aber mit der wollen die anderen Friedensfreunde nichts zu tun haben. Sollte man nicht in diesem Punkt  mit der AfD zusammenarbeiten und sie da stellen, wo sie nackt ist, nämlich in der sozialen Frage? Nachdem die Politik der tonangebende Parteien und ihrer Claqueure in den Medien nichts als Tod, Vernichtung und Armut gebracht hat, brauchen wir jetzt endlich eine Brandmauer gegen den Krieg. Wir haben lange genug darauf gewartet, dass sich die grünen Kriegstreiber von heute auf ihre pazifistischen Wurzeln von früher besinnen. Mit Faschisten arbeitet man nicht zusammen? Leute, macht euch nicht lächerlich. Die linken Freunde des Friedens sollten an Willy Brandt denken. Als „Vaterlandsverräter“ wurde er damals von einer in Teilen zutiefst revanchistischen CDU diffamiert, weil er nicht in Hitlers Wehrmacht gedient hatte. Und dennoch hat er mit dem früheren Spitzenbeamten im NS-Außenministerium unter Ribbentrop, dem Ex-Nazi Kiesinger, koaliert. Es war das Sprungbrett für seine spätere Entspannungspolitik.

Trübe Aussichten? Nicht ganz. Mir hat der individuelle, aus eigenen Ideen entstandene Protest Mut gemacht. Wir haben keine Parolen nachgeblökt sondern unsere eigenen Gedanken zum Ausdruck gebracht. In dem Buch „The tipping point – how small things can make a big difference“ [20] (Der Kipppunkt – wie kleine Dinge einen großen Unterschied machen können) hat Malcom Gladwell anhand von Beispielen aus den USA die scheinbar aus dem Nichts heraus entstehende Dynamik von sozialen Veränderungen beschrieben. Das gilt auch bei uns. Wer hätte sich 1985 vorstellen können was 1989 in Deutschland passiert ist? Genau vor so einer Situation haben die westlichen Eliten in ihren Politbüros in Brüssel und Berlin eine höllische Angst. Man kann die Menschen nicht immer im Tal der Ahnungslosen halten, irgendwann bricht sich der gesunde Menschenverstand Bahn und dann kann es auf einmal ganz schnell gehen. Auf lokaler Ebene habe ich das selbst erlebt und war aktiv daran beteiligt. [21] Wer die sozialen Gesetzmäßigkeiten um den Kipppunkt herum kennt und sich zunutze macht, kann viel bewirken. Die neue Regierung steht mit dem Rücken zur Wand, bevor sie überhaupt gebildet worden ist. Die Friedensbewegung hat es nun in der Hand, ob sie weiter ihre Befindlichkeiten pflegt oder die Gunst der Stunde nutzt und sich an die Spitze des langsam wachsenden Dranges nach Frieden in der Bevölkerung setzt.

 

[1] https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/stadt-wiesbaden/demo-gegen-us-raketen-am-samstag-in-wiesbaden-4502850

[2] https://wiesbadenaktuell.de/2025/03/26/protest-gegen-aufruestung-demonstration-am-29-maerz-in-wiesbaden/

[3] https://frieden-und-zukunft.de/2025-03-29-demo-wiesbaden/

[4] https://www.focus.de/politik/analyse/putin-ruestet-deutschland-schlaeft-warum-bald-ein-krieg-mit-russland-droht_955c1eba-669b-4783-9306-612bc2c12d37.html

[5] https://dert.site/meinung/240886-koalition-willigen-in-paris-bereiten/

[6] https://www.hintergrund.de/politik/politik-eu/europa-ist-in-einem-grauenhaften-zustand/

[7] https://www.youtube.com/watch?v=FOyYPRiEs6o

[8] Chalyj, Oleksandr (5.12.2023) in: Breaking the Stalemate to Find Peace: The Russia-Ukraine War – A Geneva Security Debate.  https://www.youtube.com/watch?v=t2zpV35fvHw (Minute 24:30 – 29:40). Geneva Centre for Security Policy: Genf.

[9] https://www.amazon.de/Peanuts-Untersetzer-Blockhead-Lizenziertes-Originaldesign/dp/B01CUKJ9KE

[10] https://zgif.ch/wp-content/uploads/2025/01/05_26032024.pdf

[11] https://nie-wieder-krieg.org/

[12] https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tagesschau_20_uhr/ts-70314.html

[13] https://www.hessenschau.de/tv-sendung/demo-in-wiesbaden–gegen-nato-raketen–hessenschau-vom-29032025,video-208992.html

[14] https://apolut.net/im-gespraech-erich-vad/

[15] https://www.youtube.com/watch?v=7sMAHWH_hhQ

[16] http://futuredefensevisions.blogspot.com/

[17] https://original.antiwar.com/

[18] https://ronpaulinstitute.org/

[19] https://www.theamericanconservative.com/

[20] Gladwell, Malcom (2000) The Tipping Point. How little things can make a big difference. Little Brown and Company: New York.

[21] Nold, Stefan (2012) Veränderung selbst gemacht. In: Beerdigung Reifenwechsel Hochzeit, S. 103 – 112. Justus von Liebig Verlag: Darmstadt.

Ähnliche Beiträge:

22 Kommentare

  1. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht auf der Demo war, obwohl ich höchstens 5 km Luftlinie von der Ukrainekriegszentrale in WI-Erbenheim weg wohne.
    Irgendwie ist bei mir die Luft raus, nachdem ich auf diversen Ostermärschen und Friedensdemos z. B. in Ramstein mir immer vorkam wie im Altenheim, da überwiegend Leute meiner Altergruppe (deutlich Ü60) daran teilnahmen.

    1. Verständlich. Nun, das Jungvolk kennt Krieg nur aus Hollywood, und da kriegen die Bösen von den Guten ordentlich auf die Mütze, und da man sich selbst bei den Guten verortet kann da ja nichts falsch dran sein.
      Also müssen die das selbst herausfinden daß sie von der Obrigkeit nicht immer ganz wahrheitsgemäß informiert werden. Mir hätts allerdings geholfen, wenn das alles erst in gut 20 Jahren passieren würde.

      1. „Mir hätts allerdings geholfen, wenn das alles erst in gut 20 Jahren passieren würde.“

        Wer weis vielleicht haben wir ja noch eine Klitzekleine Chance die Obrigkeit davon zu überzeugen das der neue Lebensraum im osten auch noch in 20 Jahren dort auf uns „Urops“ wartet und uns nicht davon laufen wird. Vielleicht kriegen wir die ja so zum deeskalieren? Ne andere Möglichkeit wären Canabisdämpfe in den Bundestag zu leiten und so die tollwütigen Großkopferte Büffelherde auf diese Weise lahm zu legen. Das müssten wir aber machen bevor der Merz das Canabisgesetz wieder abschafft. Sonst würden wir uns den unerlaubten Besitzes einer Gottgemachten Pflanze schuldig machen. 🙂 Und wie wir wissen zieht der Deutsche auf dem Weg zur Revolution eine Fahrkarte am Bahnsteig.

    2. Das war auch bei dieser Demo nicht anders. Leider.
      Aber ist es nicht trotzdem, daß wir „Berufsjugendlichen“ vorangehen? Und uns freuen, wenn man – und irgendwann dann hoffentlich immer mehr – jüngere dazustoßen?

      Vielleicht noch: als ich jünger war, habe ich so gut wie nie an Demos teilgenommen. Beruflicher Streß, Familie … und warum hätte ich mich als 1000001te Person auf die Bonner Hofgartenwiese drängeln sollen? Aber ist es nicht gerade jetzt, wo es wieder drängt und wir mehr Zeit haben, wichtig, vorauszugehen und unsere Kinder und vielleicht auch Enkel zu entlasten?

      1. „…. wichtig, vorauszugehen und unsere Kinder und vielleicht auch Enkel zu entlasten?“

        Verstehe ich recht, dass Kinder/Enkel, denen man hätte kognitive Befähigungen (in sämtlichen Belangen des Lebens) beibringen MÜSSEN, nunmehr – von was? – entlastet werden sollen?

        Entschuldigung – aber wenn Sie diese Haltung (mittlerweile bedauerlicherweise Usus) nur stellvertretend für Viele schreiben, dann sind WIR genau dort, wohin es uns durch Unterlassung/Unfähigkeit von Erzeugern getrieben hat.
        Ins geistige Niemandsnimmerland!

      2. Ich war damals selbst in Bonn und anderswo und habe nicht meine Eltern hingeschickt. Ich finde es befremdlich, dass die jungen Leute überhaupt keine Motivation sehen, sich für Frieden zu engagieren. Ich sehe es täglich bei der Arbeit. Es wird überhaupt nicht über das Thema gesprochen, obwohl die Situation viel gefährlicher ist als Anfang der 1980er.

    3. Die Demo gab es gar nicht. Das sind fake news.
      Habe extra Tagesschau gesehen, die haben nichts drüber berichtet….

      Das war der humoristische Teil.
      Im Ernst Demo und aller Widerstand in ehren. Man macht halt weiter, jeder wie er kann.
      Aber nüchtern betrachtet, dank der Masse an Dumpfbacken, Vollpfosten usw. sind wir nicht mehr am Kipppunkt sonder auf der Rutschbahn

  2. Uns geht es wie @kooka, unsere Kinder verschließen die Augen und verteufeln Putin, die Enkel sind noch zu jung, um irgendwas dazu zu begreifen und die sollen auch mit dieser Thematik in Ruhe gelassen werden. Sie sollen lediglich Respekt vor allen Etnien gleichermaßen haben, mehr können wir ihnen nicht anerziehen. Also was kann man tun? Die Demos werden verschwiegen und heruntergespielt. Demos gibt es nur im Ausland, z,B. gegen Erdogan oder Orban (ja, der ist auch nicht roger, siehe Netanjahubesuch). Im Internet bin ich aktiv, in mehreren Foren, das ist mein Beitrag. Genauso, wie ich dort lerne, lernen vielleicht auch andere, die offen für Erfahrungen und Informationen sind, das sind natürlich nicht alle. Viele haben einen „schwarzen Peter“, der sich nicht ändern lässt, mal ist es Putin, mal die Hamas oder auch Trump. Und denen wünscht man dann das Allerschechteste, ohne zu begreifen, das man sich selbst die Beine wegschießt. Für Diskussionen sind die Köpfe gesperrt. So sehr ich mir auch eine wirksame Friedensbewegung wünsche, sie wird nicht kommen, weil entscheidende Institutionen mauern, Gewerkschaften, Kirchen, „linke“ Parteien. Die kommende Marschrichtung wird von außen vorgegeben, von den USA, China und Russland, je nach wirtschaftlicher und militärischer Stärke. Die UN sind zum Papiertiger geworden, die EU zum Korruptioons-Sammelsurium, beide werden nur den Weg nach unten beinflussen können, aber keine Umkehr. Demokratie ist gescheitert, wegen Korruption, genauso wie der angebliche Sozialismus.

  3. Definitiv am Kippunkt.

    „Hamburg. Viele Soldaten marschieren auf, Lkw-Kolonen ziehen durch die Straßen, Not-Lazarett wird eingerichtet. Wann das in Hamburg geplant ist.
    Ende September wird es laut in Hamburg. Dann proben Bundeswehr und Behörden gemeinsam die Verteidigung für den Fall eines russischen Militärangriffs auf den Westen. Das Manöver dauert mehrere Tage und soll aufzeigen, wie gut die Hansestadt mit größeren Truppenbewegungen umgehen kann.
    „Wir üben dabei intensiv das Zusammenspiel mit den Behörden. Und es wird nach außen sichtbar machen, wie wir uns auf eine Bedrohungslage einstellen können – auch in einer Stadt, die über gar keine eigenen Truppen verfügt“, sagt Hamburgs Landeskommandeur, Kurt Leonards. Im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten hat der Kapitän zur See die Pläne vorgestellt.

    Hafen Hamburg: Bundeswehr probt im September den Nato-Ernstfall

    Vorgesehen ist, dass Schiffe mit Dutzenden Lkw im Hafen entladen werden. Mehrere Hundert Soldaten werden die Fahrzeuge besteigen und dann per Kolonne durch die Stadt gefahren und zu einem Sammelplatz transportiert. Hubschrauber am Himmel sichern die Transporte ab. Die Polizei regelt den Verkehr.
    „Um Hamburg zu entlasten, werden wir vor allem nachts unterwegs sein“, sagt Kapitän Leonards. Geprobt wird alles, von der Unterbringung bis zur medizinischen Erstversorgung für Verletzte. Auch unvorhergesehene Tücken werden in die Übung eingebaut: „Es wird auch eine ungeplante Demonstration geben, auf die die Truppen reagieren müssen.“

    Truppenaufmarsch in der Hansestadt soll in der Nacht erfolgen

    Die Aktion folgt auf die Übung „Red Storm Alpha“ im vergangenen September, bei der Bundeswehr und Zivilschutz gemeinsam die Absicherung des Hamburger Hafens probten. Allerdings geht es hier weniger um den Schutz der Infrastruktur, als vielmehr darum festzustellen, inwieweit Hamburg in der Lage ist, im Ernstfall Tausende Soldaten aus dem Westen an die Außengrenzen der baltischen Staaten und Polens zu Russland zu transportieren.
    „Das ist der wesentliche Unterschied zum Kalten Krieg, so Kapitän Leonards. Damals wurde Deutschland im Falle eines russischen Angriffs noch als Kampfgebiet eingestuft. In der neuen Nato-Strategie wird es als Aufmarschgebiet angesehen.“ Bis zu 800.000 Nato-Soldaten müssten dann innerhalb kurzer Zeit von West nach Ost gebracht werden.

    Auf Hamburg mit seinem Hafen kommt eine strategisch wichtige Rolle zu

    Hamburg mit seinem Hafen käme dabei eine strategisch wichtige Rolle zu. „Stellen Sie sich vor, eine Brigade französischer und niederländischer Soldaten soll in den Osten verlegt werden“, eröffnet Leonards das Szenario. „2000 sind schon da, müssen aber auf 2500 weitere Soldaten warten. Wo werden sie in der Zwischenzeit untergebracht und wie werden sie versorgt?“
    In etwa vier bis fünf Jahren könnte es so weit sein, dass es zu einem russischen Angriff kommt, sagt Leonards und wiederholt damit einen Zeitraum, den auch andere Verteidigungsexperten vor ihm genannt haben. Die Anzeichen seien sichtbar. Etwa ein russisches Manöver an der Grenze Weißrusslands, nach dessen Ende die Truppen nicht wieder abgezogen wurden.
    Im Übrigen sei die Bedrohung durch Russland durchaus real, so Leonards. Schon heute käme es immer wieder zu hybriden Attacken, die von Moskau aus gesteuert würden, etwa bei dem Brand einer Metallfirma in Berlin, die dem Rüstungskonzern Diehl gehört, bei Ausspähaktionen durch Drohnen oder beim mutmaßlichen Mordkomplott auf den Rheinmetall-Vorstand.
    Leonards wirbt erneut für den Dienst beim Heimatschutz, der die Landesverteidigung zur Aufgabe hat und vor allem von Soldaten im freiwilligen Wehrdienst betrieben wird“

    https://archive.ph/i4NnT#selection-3369.0-3515.168

    1. Aus dem Nahen Osten kann es noch viel lauter herüberschallen.
      Trump fordert vom Iran ein Atomabkommen, oder er will den Iran im Herbst
      in Grund und Boden Bomben. Er scheint genauso vergesslich wie unser Schiebedach
      Olaf zu sein. Er hatte das bestehende Atomabkommen mit dem Iran in seiner letzten
      Amtszeit einseitig gekündigt. Die Zionisten in Israel und in den USA sind wohl
      wieder freudig hochgehüpft, dass die mit Trump wieder einen Trottel gefunden
      haben. Allerdings sind die Iraner wohl sehr gut auf einen Angriff vorbereitet
      und haben mindestens ja mit Russland ein Verteidigungsabkommen. Die kleine
      Kostprobe mit einem kleinen Hyperschall Gegenangriff auf Israel letztes Jahr
      hat man dort wohl schon verdrängt. Die dann erfolgte Zurückhaltung nach dem
      weiteren Israelischen Angriff ist nur den Russen zu verdanken. Das wird aber nicht
      wieder geschehen. Sollte Israel jetzt die Luftangriffe im Herbst anführen, wird
      danach der Staat Israel vermutlich keine 48 Stunden mehr existieren und die
      US Schiffe von denen die Bomber starten sicherlich nicht einmal 5 Stunden.
      Wir könnten ja einmal versuchen vor der Israelischen Botschaft zu demonstrieren.
      Danach könnten wir auch gleich testen, wie gut die Krankenhäuser auf Schußverletzungen
      eingestellt sind.

      1. “ Allerdings sind die Iraner wohl sehr gut auf einen Angriff vorbereitet
        und haben mindestens ja mit Russland ein Verteidigungsabkommen“

        Den USA sind die besten Argumente Russlands (Haselnüsse und ähnliches…) mittlerweile sehr wohl und unauslöschlich im Bewußtsein eingebrannt. Entsprechend brüllen sie, und zwar vor lauter Schmerzen. Das gilt auch für die geplanten Wahnwitzveranstaltungen unserer Wehrmacht in Hamburg, Theater und Agit-Prop für den Untertan mit und ohne Uniform.
        Was nicht heißen muss, dass eine Selbstmord vermeidende Oberhand ihren militärischen Restverstand erhalten bleiben wird. Möglicherweise ist auch diese schon längst flöten gegangen, und zwar seit den Abgängen von Leuten wie Kujat. Was wissen wir schon genau.

  4. „Man kann die Menschen nicht immer im Tal der Ahnungslosen halten, irgendwann bricht sich der gesunde Menschenverstand Bahn,…“
    🤣🤣🤣 – verdammt, vor lauter Lachen verschluckt.

    „Die neue Regierung steht mit dem Rücken zur Wand,..“
    Uiii…und welche (Wand) wäre das?

    „Wer hätte sich 1985 vorstellen können was 1989 in Deutschland passiert ist?“
    Ja – was ist denn in D (existierte nicht, sondern bestand aus zwei „souveränen“ und voneinander unabhängigen Staaten) passiert, außer dass auf nur EINER Seite eine Vielzahl „bewegt“ war?

    „..und sich an die Spitze des langsam wachsenden Dranges nach Frieden in der Bevölkerung setzt…“
    Drang in der Bevölkerung (in welchem alternativen D lebt der Autor)?

    Wie der Beginn, so soll auch das Ende sein: 🤣🤣🤣
    Danke sehr; es gibt nur noch selten Grund, herzhaft zu lachen 👍.

    1. „irgendwann bricht sich der gesunde Menschenverstand Bahn,…“
      Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt in ferner Zukunft, vielleicht, möglicherweise….
      „langsam wachsenden Dranges nach Frieden“
      Nun ja, sie kämpfen tapfer dagegen an, gegen diesen Drang, die sind stark, die schaffen das !

  5. Ein starkes Motiv der Friedensbewegung der 1980er Jahre war die Angst, bei einem Atomkrieg zu sterben.

    Unseren Medien und Politikern ist es gelungen, die Angst vor einem Atomkrieg komplett herunterzuspielen.
    Und das, obwohl diese Gefahr heute größer ist als je zuvor.

  6. @Stefan Nold
    Vielen Dank für den Bericht.

    Früher haben die Gewerkschaften Busse und Züge zu den Friedensdemos organisiert, heute marschieren sie nur noch in Richtung Ostfront.
    Vor allem die IGM.
    „Die LINKE und der Frieden, das ist wie coitus interruptus. Es fängt gut an, aber im entscheidenden Moment macht sie einen Rückzieher. Vertrauen kann man dem linken Führungspersonal nicht.“

    Die Linke ist wie die SPD, die Vorhaut der Arbeiterklasse, doch immer wenn es darauf ankommt zieht sie sich zurück

  7. Immerhin 4000. Wobei wir im gesamten Westen das einzige Land sind, in dem sich überhaupt etwas tut. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Durchaus im Sinne des Philipper-Briefs. Die Plakataufschriften sind durchweg gelungen.
    Man kommt um eine Konkretisierung wohl nicht herum. Wladimir Putin schlägt jetzt eine zeitweise UNO-Verwaltung für die Ukraine vor. Unterstützt man das? Ich schon. Wie auch seinen Vorschlag von 2021, die ein atomwaffenfreies Europa mit Abrüstungsverhandlungen vorsieht. Jawoll, das will ich.
    Jürgen Elsässer hat seit 2014 versucht, eine rechte Friedensbewegung zu generieren. Es wollte nicht klappen. Was spräche dagegen, jemand von der AfD sprechen zu lassen? Dann kann man ja diese Friedensfreunde mal fragen, weshalb man fünf Prozent des BIP für Rüstung opfern soll. Wenn man sie nicht zu Wort kommen lässt, kann man sie auch nicht widerlegen.

  8. Wenn, wie Phineas meint, Hamburg ein wichtiger Punkt in militärischer Sicht ist, dann sollte man vielleicht versuchen, die nächsten Demos zeitnah zur NATOd Erstschlagsübung eventuell dort abzuhalten.

    Zwar kann das Militär dann üben, wie man mit zivilem Ungehorsam ungeht. Andererseits könnte genau das die Bereitschaft befeuern, dass Kriegspiel nicht mitzumachen. Selbst betroffen sein hilft oft beim Erkennen von Problemen.

    Die Alten und Familien gehen auf Schweigemärsche, immer noch riskant, man kennt ja die Hamburger Polizei und Gerichte, aber im Rahmen. Die Jungen und Schnellen können daweil ja ein bisschen dosierten zivilen Ungehorsam üben …

  9. Sie meinen dann könnte die Bundeswehr gleich auch noch den Einsatz im Inneren üben??
    Der Autor hat ja schon davon gesprochen, daß die Übungen mit unangekündigten Demonstrationen gewürzt werden sollen,die man unter Kontrolle zu kriegen hat…..

    1. Die Bundeswehr wird dafür nicht gebraucht und sie ist dafür ungeeignet. Die Gefahr für das Volk geht von der Bundespolizei aus.

      1. Unsere demokratische Wehrmacht war während der internationalen Pandemiefestspiele fest eingebundene Ornungsmacht im Inneren dieses Landes, bspw. in den „Altersheimen“ als Impfkommando gegen renitente Alte. Das Töten von Bevölkerungsteilen geht auch ohne Schießgewehr.

  10. Ich habe an unzähligen Demos teilgenommen und glaube nicht mehr, nein, ich sehe das ganz konkret, sie werden nichts bewirken. Die Pozilei hat besonders in den letzten 10 Jahren gute Fähigkeiten entwickelt, Demos zu steuern, abzuwürgen und sonstwie zu bewältigen. Niemand dort gerät dadurch noch unter Streß. Wenn ich die freundlichen Leute auf den Fotos der Wiesbadener Demo sehe, denke ich, daß kaum jemand von denen beim Intelligenztest AfD angekreuzt haben wird. Wir werden planmäßig in den Krieg geführt und nur ein radikaler und rücksichtsloser Politikwechsel könnte das noch verhindern. Dazu muß man AfD ankreuzen, egal, ob man mit allen einzelnen Punkten in deren Programm einverstanden ist. Man muß erst den Politikwechsel herbeiführen und dann ggf. nachsteuern. Das Volk hat es nicht begriffen und hat nun die Regierung die es verdient. Bei der jetzigen politischen Entwicklung kann man sogar daran zweifeln, ob es überhaupt nochmal einen Intelligenztest gibt. Derweil können die Spinner ja die nächsten 4 Jahre weiter mit Regenbogenfahnen zur Demo gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert