AfD-Kulturpolitik: „patriotische Wende auf allen Gebieten“, Bekämpfung der „Identitätsstörung“

Screenshot aus AfD-YouTube-Video

Die Rechtskonservativen und -nationalisten sind in der Regel Kapitalismus affin und libertär. Obwohl sie die Idee des Volkes kultivieren, das sie von Fremdem reinigen wollen, haben sie nichts gegen Ungleichheit. Marxistisch gesprochen, halten sie an der Basis der ökonomischen Struktur des Kapitalismus oder der Produktionsverhältnisse fest und geben sich revolutionär im Überbau, indem sie einen an Bildersturm erinnernden Kulturkampf gegen die  Moderne und für eine völkische Identität inszenieren – Kubitschek spricht vom „geistigen Bürgerkrieg“. Es geht um nationale Größe, alle Schichten vereinenden Nationalstolz und Beendigung einer kritischen Reflexion über dunkle Zeiten der deutschen Geschichte und Kultur, was als „Scham- und Schuldkultur“ abgetan wird.

Die AfD in Sachsen-Anhalt ist in Deutschland Vorreiter im Kulturkampf. Man bereitet sich auf die „anstehende kulturpolitische Wende“ oder die „patriotische Wende auf allen Gebieten“ vor, um, wie es im Parteiprogramm heißt, die „Identitätsstörung“ zu bekämpfen, indem man sich „auf die guten Seiten der deutschen Geschichte“ konzentriert und den Schuldkomplex hinter sich lässt. Hingegen soll Geschichte in dem Sinne erinnert werden, dass die Kriegerdenkmäler gepflegt werden: „Gefallene Soldaten haben ihr Leben für die Verteidigung ihres Landes gegeben. Es ist ein erstes Zeichen der patriotischen Wende, dass wir dieses große Opfer anerkennen und ehren.“ Die patriotische Wende besteht darin, die deutschen Angriffskriege im Zweiten Weltkrieg zur Verteidigung umzutaufen.

Es soll, so ein Antrag vom Mai 2025,  „ein grundsätzlich bejahender, unbelasteter, respektvoller und wertschätzender Umgang mit der deutschen Geschichte etabliert werden“ – man erinnert sich an Gaulands Vogelschiss-Äußerung. Statt #moderndenken soll #deutschdenken zum neuen „Markenzeichen für Sachsen-Anhalt“ werden. Dazu sollen u.a. Historiker-, Kunst-, Philosophie- und Literaturpreise für Arbeiten ausgelobt werden, „die einen Beitrag zur Bestätigung oder Weiterentwicklung deutscher Identität erkennen lassen“. Und es soll ein „Stolz-Pass“ als Stempelkarte zum Besuch aller historischen Stätten eingeführt werden. Sachsen-Anhalt sei ein „Ort geistiger Erneuerung“ und habe viel zur „deutschen Identität“ beigetragen. Weil man gerne unbelastet sein will, will man da auch nichts davon hören, dass Sachsen-Anhalt Vorreiter von Nazideutschland war. Die NSDAP wurde schon 1932 stärkste Partei, damit wurde es das erste Land mit einer nationalsozialistischen Regierung.

Die kulturpolitische Wende zeigte sich etwa auch, als die AfD in Sachsen-Anhalt in Fortsetzung der Nazi-Politik gegen das Bauhaus antrat, dessen Gebäude in Weimar und Dessau Weltkulturerbe sind, und vom „Irrweg der Moderne“ und von „globalistischer Uniformität“ sprach. Hans-Thomas Tillschneider, so die AfD, „entlarvt die verkorkste und menschenverachtende Bauhaus-Ideologie“. Das sei „eine mit linker Ideologie durchtränkte Architektur“ („Wohnkultur für eine klassenlose Gesellschaft“), ein „totaler Funktionalismus“, der die „Verwurzelung“ des Menschen und die Tradition vernichten und die „Entortung“ realisieren wollte. Um Wege aus der Krise zu finden, sagte Tillschneider im Oktober 2024 im Landtag, müsse man nicht modern, sondern konservativ denken. Das Bauhaus müsste als „Irrweg der Moderne“, nicht als Vorbild präsentiert werden, kultiviert werden müsste ein „Heimatstil“ mit Vorbild um 1800. Man kann das Bauhaus ebenso wie den Internationalen Stil zu Recht kritisieren, die AfD will aber zurück zu einer verklärten Vergangenheit.

„Die vornehmste Aufgabe aller Kunst besteht darin, kulturelle Identität zu pflegen“, wird im Regierungsprogramm behauptet. Man ist hingegen geneigt zu sagen, das sei die langweiligste Aufgabe. Aber die will die AfD ausschließlich fördern, auch wenn offenbleibt, was ein „Beitrag zu deutscher Identitätsfindung“ sein soll.

Was die Kulturpolitik der AfD wäre, kann man in den USA sehen, wo Donald Trump den Kulturkampf exerziert, der sich auch gegen moderne Architektur richtet, weil sie nicht Größe und Erhabenheit, Bewunderung der nationalen Macht hervorruft. Vorbild ist der Klassizismus, auch ein internationaler Stil des kolonialistischen Zeitalters, aber als schön empfunden wird auch pompösen und golden glänzendem Kitsch, wie man am Weißen Haus unter Trump sieht.

Der von Trump geplante Ballsaal am Weißen Haus. Beispiel für das Schöne von Trump. Bild: Weißes Haus

Ein Dekret hat Trump schon kurz nach Amtsantritt für die Staatsarchitektur erlassen, die wieder schön werden soll und dazu eine Liste moderner und hässlicher Gebäude anführte, und später auch ein Dekret speziell für die Bundeshauptstadt Washington (Die „Hauptstadt der größten Nation in der Weltgeschichte“ soll schön werden), die mit der Hilfe der bewaffneten Nationalgarde von Kriminellen und Obdachlosen gesäubert und verschönt werden sollte. Es geht um „Ehrfurcht und Wertschätzung für die Stärke, Größe und das Erbe unserer Nation“ und die Austreibung aller „antiamerikanischen Propaganda“. In einem factsheet heißt es, Trump habe angeordnet, dass öffentliche Gebäude der „klassischen Architektur“ entsprechen müssen, „um die Tradition zu würdigen, den Bürgerstolz zu stärken und die Bevölkerung zu inspirieren“.

Interessant an Trumps Ideologie ist, dass im Zeichen der (ökonomischen und oligarchischen) Freiheit mit Verboten gearbeitet wird, also just die Cancel Culture der Woken, die man zu bekämpfen vorgibt, über eine teilweise verbrämte libertäre Ideologie weiter getrieben und verstärkt wird. Die neue Verbotskultur lässt sich im Umgang mit moderner Kunst und Architektur und den Plänen zur Erweiterung des Weißen Hauses erkennen. Trumps Ballsaal soll sicher und pompös im alten Stil sein und wohl zu einer seiner Hinterlassenschaften werden, ähnlich dem geplanten Triumphbogen. Man will zwar die Technik vorantreiben, aber sie soll hinter traditionellem Design verborgen bleiben. Die Welt soll aussehen, als wäre sie im 19. Jahrhundert stehen geblieben. Und Nationalismus, Ehrfurcht vor der Größe und auch Gegner braucht die Macht, um eine Einheit des Volkes zu beschwören, das in seinem Lebensstandard extrem gespalten ist, aber ruhig bleiben soll, weil angeblich Wohlstand durch Superreiche und Anerkennung durch nationale Größe auch auf die Armen heruntertröpfelt (trickle down).

Die AfD orientiert sich explizit an Trump und will auch eine Architektursimulation fördern. So will in einer Richtlinie vorschreiben, „dass jedes Bauobjekt, bei dem das Land oder eine Kommune Träger ist und das einem öffentlichen Zweck dient, eine anerkannte Bautradition aufzugreifen hat. Traditionslose Konstruktionen sind zu vermeiden, regionale Materialien von hoher Langlebigkeit zu bevorzugen. Wir orientieren uns damit an einer von Donald Trump während seiner ersten Amtszeit erlassenen Exekutivorder. Öffentliche Gebäude müssen von der Mehrheit der Bevölkerung als schön empfunden werden und müssen historische Identität widerspiegeln.“

Offenbar war in der DDR auch die Architektur gut, die öffentlichen Gebäude sollen nach der AfD erst nach 1990 von einer „außerordentlichen Hässlichkeit“ sein. Im Jahr 2026 ist zwar eigentlich auch das Bauhaus eine Tradition. Aber wie in Bezug auf den Nationalsozialismus definiert die AfD, was Tradition sein soll. Patriotisch Unerwünschtes wird gestrichen. Man hört kulturpolitisch im 19. Jahrhundert auf und setzt auf Wiederholung des Vergangenen, das damals schon wie die Neo-Gotik und vor allem der Neo-Klassizismus, den auch die Nazis schätzten, eine Simulation des Vergangenen war.

Hans-Thomas Tillschneider, kulturpolitischer Sprecher, sagt: „Die Altparteien drücken doch auch ihre Wertvorstellungen durch. Wo gibt es denn patriotische Kunst? Wir würden das Gleiche machen, nur eben mit anderen Inhalten.“ Was sind eigentlich patriotische Bilder? Patriotische Musik? Patriotische Architektur? In Tillschneiders Abgeordnetenbüro hänge, so MDR, Reproduktionen von Caspar David Friedrichs „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ und Arnold Böcklins „Toteninsel“.

Eine der eher grotesken Ideen ist die Förderung von „Heimatgefühl und die Nationalidentität“ im ländlichen Raum: „Dazu gehört, dass Brauchtum und Traditionen erhalten werden müssen. Zu diesem Zweck sollen Ortschaften 5 Euro pro Einwohner und Jahr als ungebundene Schlüsselzuweisung für Brauchtum und Tradition vom Land erhalten.“

Die Kultur der AfD soll nicht verstören oder aufregend sein. Sie soll die angebliche Identität und die Tradition erhalten, was nichts anderes heißt als die Abwehr des Neuen, das allerdings die Kunst immer auch angetrieben hat. 2021 gab es ein AfD-Werbevideo, das die Normalität gefeiert hat (AfD will mit Biedermeier-Politik verunsicherte Wähler locken). Das ist die Feier des Norm, des Durchschnittlichen und des Verordneten, die Angst vor der Abweichung. Ein kitschiges Biedermeier-Deutschland mit Rückzug und propagierter nationaler Größe, das so langweilig ist, dass Kriege Abwechslung bringen müssen. Auch das lässt sich von Trumps Kulturpolitik lernen.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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39 Kommentare

  1. „Die nach Trumps Vorbild kulturell verordnete Langeweile könnte der Vorlauf zum Krieg sein.“

    Könnte … aber die ach so weltoffene und vor lauter Vielfalt nur so strotzende geistige Einfalt der jetzigen Regierung (inkl. weiter Teile der Opposition) IST der direkte Vorlauf zum Krieg. Die zahllosen Äußerungen von Baerbock bis Whatafool, von Fiesewetter bis Strack-Zimmerflak lassen daran keinen Zweifel aufkommen,

    Mir wäre eine Alternative ohne die AfD auch lieber, aber wenn es um die Frage „Krieg oder Frieden“ geht, dann könnte man in Anlehnung an Bertold Brecht sagen: „Erst kommt das Überleben, dann die Moral.“

    1. Die Frage ist, würde sich die AfD an die eigenen Wahlversprechen halten oder wie sonst bei allen anderen Parteien üblich so weitermachen wie bisher? Warum sollte das bei der AfD anders sein? Weil sie es sagt? Bündnis’90/Die Grünen waren auch mal Pazifisten bis sie es nicht mehr waren. Genauso die Linkspartei, die genauso in den Einheitsfrontchor mittlerweile mit einstimmt. Oder das BSW, daß in einigen Bundesländern auch mit den Wölfen heult.
      Tja.

      1. Da das Wahlprogramm 1 zu 1 dem der CDU entspricht, gebe den Reichen, nehme den Armen und lass sie mehr arbeiten für weniger Geld, sehe ich hier nicht, warum sich etwas ändern sollte.

        Abgesehen davon haben die AFDler es sich, wie die Altparteien, bereits an den arbeitsfreien Fleischtöpfen der Macht gemütlich gemacht.

        Weiter so !

    2. Als ob autokratische Staaten sich nicht gegenseitig bekriegen würden. Wenn die AfD gegen die Unterstützung der Ukraine ist, dann weil sie sich gegen die aktuelle Regierung stellen will. Merke: Dagegen zu sein, ist bei denen schon fast so etwas wie ein Reflex. Und so, wie die AfD sich für Rüstungsausgaben einsetzt und die militärische Vergangenheit Deutschlands huldigt, kann man sicher sein, dass sie Kriegen nicht grundsätzlich abgeneigt ist.

      Das Zitat von Bertolt Brecht lautet übrigens richtig: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Es beschreibt Verhaltensweisen in existenzbedrohenden Situationen. Und das Heraufbeschwören des Bildes, dass die Existenz Deutschlands bedroht sei, gehört praktisch zum Standardrepertoire der AfD.

  2. Ich glaube, das ist es was ich gestern in meinem Kommentar meinte und dass es zu fürchten sei. Der einzige Trost, wenn es den Trost gibt, ist, dass die durchschnittlich große Hässlichkeit der deutschen Städte, die wir vor allem dem letzten Krieg verdanken, nicht mehr wesentlich zu steigern sein wird.
    Ich überlege eben, wann zum letzten Mal „patriotische Kunst“ produziert wurde, die die Zeiten überdauerte. In der Antike bei Homer? Zwei Jahrtausende und mehr danach, wird es die AfD schon richten.
    Ach, das ist alles so bescheuert. Und man dachte, die wokeschistische Filmförderung, ohne die kein deutscher Film gedreht werden könnte, wäre der endgültige Tiefpunkt.

    Ungeachtet dessen grad die Frage an den Autoren, was das für ein Sachsen-Anhalt gewesen sein soll, das die erste Naziregierung hatte? Magdeburg, wenn ich jetzt nicht alles durcheinander bringe, war Sitz der Administration der preußischen Provinz „Sachsen“, die nicht das Land Sachsen war. Preußen hatte keine Naziregierung gewählt und wurde im Preußenschlag, der sich gegen die sozialdemokratische Regierung Braun richtete, entmachtet.

    1. „Ich überlege eben, wann zum letzten Mal „patriotische Kunst“ produziert wurde, die die Zeiten überdauerte. “

      Spontan fallen mir viele Denkmale ein. Der Barbarossa der auf dem Kyffhäuser sitzt. Der Kaiser Wilhelm auf seinem Pferd im Deutschen Eck, das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig, Brandenburger Tor & Siegessäule, die Waterloo-Säule in Hannover, vorm Hauptbahnhof ebendort Ernst August I. Auf seinem Pferd, Porta Westfalica stehen auch so Säulen herum. Es gibt natürlich noch viel mehr.

      Also eigentlich steht noch eine Menge patriotisches herum in der BRD.

      1. Ich komme aus Wuppertal, da steht der olle Bismarck auf dem Geschwister Scholz Platz.

        Aber auch das KZ Kemna, Gedenkstein.
        Das Friedrich Engels Haus.

  3. Obwohl ich Herrn Rötzer als klugen Kopf, als Pazifisten und als Herausgeber dieses meinungsoffenen Magazins kenne und schätze, hat mich der Artikel enttäuscht. Er verrät, dass der Autor im Hinblick auf die nationalkonservativen Kräfte unseres Landes im Grunde überhaupt nicht anders und auch nicht differenzierter denkt als die Leute vom „Spiegel“, von der „Zeit“ oder der „Süddeutschen“.

    Das verwundert auch deshalb, weil sein Redaktionskollege Herr De Lapuente in dieser Hinsicht deutlich differenzierter argumentiert. Es scheint also so zu sein, dass die beiden wichtigsten Redakteure des Overton Magazins untereinander einen geringeren diskursiven Austausch pflegen als ich dachte bzw. dass sie ganz bewusst unterschiedliche Meinungslager berücksichtigen wollen.

    Am meisten fällt mir im Artikel der Umstand auf, dass Herr Rötzer JEGLICHES Verständnis für Menschen vermissen lässt, die die aktuelle Negierung von nationalen Traditionen und von Patriotismus sowie das undemokratische Überstülpen internationalistischer bzw. globalistischer Muster durch mächtige Netzwerke auch bloß für bedauerlich halten.

    Dass dafür sogar die Kritik an der sog. „Bauhaus“-Architektur als angeblich problematisches Beispiel für das Denken der AfD herhalten muss, das halte ich für wirklich äußerst unpassend. Der hässliche Bauhaus-Stil ist zurecht sehr umstritten, und kürzlich hat dazu übrigens Nicolas Riedl bei „Manova“ eine lesenswerte Reihe unter dem vielsagenden Titel „Die Würfel-Wüste“ veröffentlicht.
    https://www.manova.news/artikel/die-wurfel-wuste

    Doch auch im Hinblick auf die Identität des Landes – also einen absoluten Kernbereich des geistig-kulturellen Lebens von jedem Volk – fehlt Herrn Rötzer anscheinend leider das Gespür für das rechte Maß. Ansonsten würde er ja erkennen, dass wir es hier tatsächlich längst mit einem maßlosen Abbau, mit einer zutiefst destruktiven Dekonstruktion von Gemeinschaft ermöglichenden und Identität stiftenden Strukturen und Verhältnissen zu tun haben. Dieses Problem scheint für ihn schlichtweg nicht zu existieren. Damit sitzt er – ohne es zu wollen – mit Leuten wie Soros oder Habermas in einem Boot.
    Schon der von links kommende Rolf Peter Sieferle, der ja nun einer rechten Gesinnung vollkommen unverdächtig ist, hat dazu in „Finis Germania“ 2016 weitaus differenziertere und passendere Gedanken veröffentlicht.

    Nun wäre es ja möglich gewesen, dass Herr Rötzer lediglich im Hinblick auf die Stärke der Ausprägung und die Intensität der konservativen Kritik Bedenken vorgebracht hätte. So etwa im Sinne von: „Ja, das sind bedenkenswerte und nicht ganz grundlose Anliegen, aber die AfD schießt da vielleicht etwas über das Ziel hinaus …“

    Nein, eben das findet man im Artikel nicht, sondern stattdessen eine an die linksliberale „Brandmauer“-Ideologie erinnernde TOTALE Ablehnung.

    1. Dass die beiden Autoren, die Overton dominieren, durchaus nicht immer im Gleichschritt marschieren, ist für ich eine der großen Stärken des Magazins.

      Wenn ich den Text richtig interpretiere, dann sind die publizierten Meinungen der AfD so zu verstehen, dass Patriotismus gefordert und gefördert werden soll. Ehrlich – mag ich nicht. Überhaupt nicht.
      Der große Freund der Bauhaus-Moderne werde ich aber wohl auch nicht. In Tel Aviv finde ich, dass es funktionierte. Dort haben die aus Deutschland Vertriebenen sehr viel bauen können, aber eben nicht eine ganze Stadt gestaltet, was irgendwie die Tendenz zur Wüste hat.

    2. „So etwa im Sinne von: „Ja, das sind bedenkenswerte und nicht ganz grundlose Anliegen, aber die AfD schießt da vielleicht etwas über das Ziel hinaus …““
      Das ist genau der Punkt. Der Wokismus ist selber extremistisch in seinen reinen Anti-Ansichten und in so einem Fall war es eigentlich schon immer so daß es Gegenreaktionen gibt die zu weit gehen. Wer das nicht will muß eben aufhören, selber in extremistischen Kategorien zu denken, wie aktuell immer noch die Mehrheit der „Progressiven“ bei kulturellen Fragen.

      1. @ Trilex 22 Uhr 19 : Stimmt. Leider erklären Sie das nicht. Heutige „Wür- felbauten“ [siehe zit. Manova-Artikel]
        haben mit Architektur wenig zu tun, sind v.a. Ergebnis der Baukosten. Kein
        Dachstuhl ist billiger als einer. Viele dieser Bauten sind bloß übereinander gestapelte Wohnungen .

    3. Ich kann Wolfgang Wirth nur zustimmen. Als Ergänzung ein Detail: Als Kunsthistoriker verstehe ich auch die Abwertung einzelner Baustile durch Herrn Rötzer nicht: Zeitgeist drückt sich immer in der Architektur aus – egal, ob Klassizismus oder Bauhaus – und ist in sofern erst einmal neutral, eben der Zeitgeist. Es gibt großartige klassizistische Bauten, und auch großartige Bauhausbauten. Auch unter der aktuellen „Würfelarchitektur“ gibt es durchaus schöne Gebäude. Selbst Retro-Phasen gab es schon vielfach: Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance. Ob es gelungen ist oder nicht, muß man am einzelnen Gebäude feststellen. Also sollte man die Wiederaufnahme historischer Formen nicht von Vornherein als Einfallslosigkeit verteufeln, sondern eher Ausdruck des Zeitgeistes und als Überdruss an der Würfelarchitektur. Wer (wie ich) das Glück hat, in einem Gründerzeithaus zu leben, weiß die Lebensqualität der Räume durchaus zu schätzen (auch wenn die Heizkosten horrend hoch sind) und kann trotzdem von moderner Architektur begeistert sein, ohne Fan der AfD zu sein. Also bitte etwas mehr Differenzierung. 😉

  4. Mit der AFD an der Regierung werden wir das Gleiche erleben wie die MAGA-Idioten mit Trump.
    Statt Frieden, NATO, Aufrüstung bis hin zum Krieg, statt Sozialstaat Manchaster Kapitalismus.

    Die Forsa-Umfrage:
    AFD 28%, CDU/CSU 22%, GRÜNE 15%, LINKE 12%, SPD 12%
    Zieht man bei der CDU/CSU die ca. 6% der CSU ab kommt die CDU mit 16% der SPD immer näher.

    Umfrage zu Sozialstaat und Steuerpolitik: Endlich auf die große Mehrheit hören
    Quelle: https://www.blog-der-republik.de/umfrage-zu-sozialstaat-und-steuerpolitik-endlich-auf-die-grosse-mehrheit-hoeren/

    1. „Mit der AFD an der Regierung werden wir das Gleiche erleben wie die MAGA-Idioten mit Trump.“

      Das war auch mein erster Gedanke, wobei mir vor den AfDschen „Kulturplänen“ graut, (wobei ich die derzeitige Theaterlandschaft durchaus kritisch sehe). Aber die Architekturverirrungen würden noch unser geringstes Problem sein.
      Davon haben wir bereits – nicht nur in der Hauptstatdt) genug.

  5. Ach ja, ausgerechnet die AFD soll also den von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen geplanten Krieg Auslösen? Wegen Langeweile oder was? Bis jetzt kommen fast alle Kriegshetzer und Kriegstreiber komischerweise von den oben genannten Parteien. Hab ich da nicht mitbekommen das der Roderich Kiesewetter von der CDU, die Flak-Zimmermann von der FDP oder der Pistorius von der SPD zur AFD gewechselt sind?
    Und ich wusste auch nicht das die AFD die größte Steigerung der Rüstungsausgaben seit Adolf Hitler durchgezogen hat, dann müssen Merz und Scholz ja auch zur AFD gewechselt sein.
    Fragen über Fragen tun sich da auf.

  6. Es ist zum Brüllen komisch: Die AfD macht in Kunstverstand und greift das Bauhaus an – „Verkorkste und menschenverachtende Ideologie“, heißt es über die weltweit angesehene Heimstätte der Klassischen Moderne.

    Macht euch lächerlich, im Inland und erst recht im Ausland.

    Mögen die Menschen in anderen Ländern registrieren, was da in Deutschland wieder aus der Tonne gekrochen kommt und daraus ihre Schlüsse ziehen.

    1. Fahren sie nach Dessau und besuchen sie das Bauhaus- Museum. Dort werden sie auch etwas zum autoritativen Charakter und dem Menschenbild der Bauhaus- Bewegung erfahren. Und dann schauen sie sich den Film „Modern Times“ an. Evtl. kommt ihnen die Erleuchtung….

  7. Ich finde das schon geradezu amüsant. Schuld ist die AfD. Für keine einzige politische Entscheidung bisher ist die AfD verantwortlich, für keine einzige. Daß das auch so bleiben wird, sollte jeder verstanden haben, siehe Thüringen. Währenddessen das dumme Volk und sein schönes Land noch härter gegen die Wand gefahren wird. Schuld ist die AfD 🙂

  8. „Offenbar war in der DDR auch die Architektur gut, die öffentlichen Gebäude sollen nach der AfD erst nach 1990 von einer „außerordentlichen Hässlichkeit“ sein. Im Jahr 2026 ist zwar eigentlich auch das Bauhaus eine Tradition. “

    Die Plattenbau-Großsiedlungen der DDR sind, der reinen Lehre nach, exzessiv Bauhaus! Das nur als Hinweis für Leute, die sich nicht so in der Materie auskennen.

    1. mmh, nur weil die Bauhaus-Architektur die Innenhöfe abgeschafft hat, ist jetzt jede Siedlung freistehender Neubauhäuser Bauhaus? Warum soll das nur für die DDR gelten, aber nicht für analog strukturierte Neubausiedlung im Westen? Wo sind die grossen Glasfassaden in Deiner angeblichen Bauhaus-Architektur geworden?

      Das Bauhaus setzte sich mit den Anforderungen moderner industrieller Bauweise (und Designs) ästhetisch auseinander. Aber Architektur von der auch die breite Massen profitieren, ist offenbar nicht so dass Ding der AfD, verfolgte man die dortige verzerrte Wahrnehmung und Diskussion (ebenso wie deren Protagonisten hier im Forum). Und auch nicht jede moderne, industrielle Architektur ist Bauhaus.

      Ein Lob für Florian Rötzer, der diesen unsäglichen dumpf-rechten Kulturkampf hier rezipiert hat.

      1. der bauhausstil definiert sich nicht über glasfassaden.

        eine wesentliche Stoßrichtung des Bauhauses war, die menschen mit kleinen komfortablen Wohnungen zu versorgen, die nicht unnötig arbeit machen. niemand mußte sich noch um Tiere kümmern, das haus sauber halten, Selbstversorgung organisieren. zT wurde sogar das Wäschewaschen in zentrale wäschereien abgegeben und der Job der Hausfrau war überflüssig, so daß die freigesetzte Arbeitskraft, und zwar auch die der frau, von der Industrie genutzt werden konnte. glasfassaden oder würfel ist sinnloses geschwurbel das ist nicht der wesenskern der modernen Architekten. die ddr-plattenbau-großsiedlungen verkörpern die bauhaus-idee perfekt, auch wenn sie nicht als „bauhaus“ bezeichnet werden. Dir empfehle ich eine führung durch die meisterhäuser in dessau.

  9. Mehr noch als den probagierten Baustil, vermisse ich im öffentlichen Raum den Dresscode der AFD. Also beispielweise den festsitzenden Krawattenknoten, die Gauland Sakkos und vor allem die patriotische Feinrippunterwäsche. Links und rechts aus der Hose baumelnde Glocken reduzieren jede aus kommender Tristesse drohende Kriegsgefahr auf ein Minimum.

    1. @Trilex: „Mehr noch als den probagierten Baustil, vermisse ich im öffentlichen Raum den Dresscode der AFD. Also beispielweise den festsitzenden Krawattenknoten, die Gauland Sakkos und vor allem die patriotische Feinrippunterwäsche. Links und rechts aus der Hose baumelnde Glocken reduzieren jede aus kommender Tristesse drohende Kriegsgefahr auf ein Minimum.“

      Danke für diesen genialen Kommentar 🤣🤣🤣
      U.a. wegen solcher Beiträge bleibe ich Overton trotz der unsäglichen neuen Kommentar-Regeln treu.

    2. Wie flach mittlerweile die Argumentation gegen die AfD ist, erkennt man an Ihrem Kommentar. Das ist sehr bedauerlich, denn es zeigt die Hilflosigkeit auf und die Bröseligkeit des eigenen ideologischen Bauwerks. Dabei braucht es fundierte Kritik an den Deutschnationalen sehr dringend.

      Ansonsten verbiete ich mir Kritik an Feinrippunterwäsche. Sie ist auch vom proletarischen Klassenstandpunkt her einwandfrei.

      1. Bitte zu bedenken, dass es sich um Funktionskleidung handelt, Es geht darum, Identifikation herzustellen. Alle die abgehängt sind – aus welchem Grund auch immer – sollen eingesammelt werden. Dies gilt auch und ganz besonders „for the unsexiest“.

  10. @ Nonym 22Uhr 15 Ist jetzt die letzte
    Bundestagswahl korrekt ausgezählt ?Oder ist das Ergebnis jetzt höchstge – richtlich bestätigt? Oder was ?

  11. Der Artikel beschreibt die Kulturpolitik der AfD aus einer klar kritischen Perspektive, lässt dabei aber entscheidende Punkte außen vor. Was hier als „Kulturkampf“ oder rückwärtsgewandte Ideologie dargestellt wird, kann man genauso als Versuch verstehen, ein über Jahre verlorengegangenes Gleichgewicht wiederherzustellen. Wenn nationale Identität, Tradition und ein positiver Bezug zur eigenen Geschichte konsequent abgewertet werden, ist es nicht überraschend, dass sich politischer Widerstand formiert.

    Die Forderung nach einer „patriotischen Wende“ zielt aus dieser Sicht nicht auf Gleichschaltung, sondern auf eine Korrektur einseitiger kultureller Leitbilder. Dass Kultur auch identitätsstiftend wirkt, ist keine neue oder radikale Idee, sondern historisch in nahezu allen Staaten verankert. Die Kritik des Artikels blendet zudem aus, dass auch bisherige Kulturpolitik nie neutral war, sondern bestimmte Strömungen und Narrative bevorzugt hat.

    Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass jede stärkere politische Einflussnahme auf Kultur sensibel ist. Wo Förderung in Lenkung übergeht, entsteht ein Spannungsfeld mit Kunst- und Meinungsfreiheit. Genau hier müsste die eigentliche Debatte stattfinden: nicht in pauschalen Abwertungen, sondern in der Frage, wo legitime kulturelle Selbstvergewisserung endet und wo staatliche Steuerung problematisch wird.

    Unterm Strich liefert der Artikel weniger eine ausgewogene Analyse als vielmehr eine zugespitzte Kritik, die bestimmte Positionen diskreditiert, ohne sich ernsthaft mit deren Beweggründen auseinanderzusetzen.

    1. Förderung ist Lenkung. Kultur, die sich nicht selbst trägt, von der Masse getragen wird, hat stets den Beigeschmack ein Spielzeug der Macht zu sein. Und wer gefördert werden will, tut gut daran, Schlüsselwörter in den Förderantrag zu schreiben: Klimaschutz, Gendergerechtigkeit, Inklusion, UNSEREDEMOKRATIE. Patriotisch ist dagegen als Wort kontraindiziert.

  12. Wenn man, wie die Deutschen als Kollektiv, seine eigene Vergangenheit nicht aufarbeiten, bewältigen kann oder will, wenn man statt dessen lieber eine Vasallenpostion einnimmt, beibehält, hüben wie drüben, sich korrumpieren lässt, weil das bequemer und vorteilhafter scheint – statt einen emanzipierten, verantwortungsvollen und vor allem eigenen Umgang mit der eigenen Geschichte zu finden – dann kommt nach der Station Wokestan, nicht ganz überraschend, eben Faschismus 2.0. Das ist der ganz normale, k a p i t a l i s t i s c h e Lauf der Dinge: Das schlechte, neoliberale und unterwürfige Kopieren von Kosmopolitismus und verflacht und pervertiert gedachten Werten wie Solidarität und menschlicher/kultureller Vielfalt durch sogenannten Links(lach!)liberale aller Couleur ist jene geistige Erbärmlichkeit, die vor der nächsten, noch verlogeneren, extrem kleinkarierten der A(lach!)fD et al. kommt/kam. Vielleicht ist es genau und zusätzlich zum existierenden Dreckssystem der sich in beidem ausdrückende kollektive Größenwahn dieser schlechten Raubkopierer, der Leute aus diesem Landstrich Europas zu Zeiten hat vollkommen durchknallen lassen und zum wohl bislang mörderischsten Mob der jüngeren Geschichte machte.

    Die Einleitung des Beitrags von Florian Rötzer ist in ihrer Explizitheit genau das, worüber angesichts solcher historischen und auch tagespolitischen Phänomene ein bisschen intensiver und eingehender zu reden wäre – falls man historisch endlich mal einen entscheidenden Schritt weiter kommen möchte, um diesen irren, bekloppten Dreck aka „Die dummen Streiche der Reichen“ endlich loszuwerden.

  13. Kapitalismus=AfD= Trump= Patriotismus= Nazis – alles festgemacht an einer kritischen Rede eines AfD-Mannes zur großzügigen Förderung des Dessauer Bauhauses, garniert mit Kritik an angeblicher Verherrlichung eines deutschen Angriffskrieges: das ist bedauerlicherweise sehr flach für einen Bereich der Politik, der tatsächlich einer sehr intensiven Begleitung und öffentlicher Debatte bedarf. Da könnte eine kleine Serie im Overton entstehen.

    Zur Kritik am Bauhaus: diese ist durchaus nicht spezifisch für die AfD. Industrielles, standardisiertes, formgleiches Massenbauen ist nunmal die technologische Basis des Bauhaus. Die Reduktion des Handwerks, der Handarbeit auf das zwingend notwendige ist dann nur konsequent. IKEA ist Bauhaus für Möbel und Accessoires heute, weltweit einheitlich ohne patriotische Nuancen – abgesehen von der omnipräsenten schwedischen Flagge. Die Möbeltischlerei lebt vom Messebau. Zu dieser Entwicklung kann und darf man doch kontroverse Ansichten haben, sogar innerhalb einer Person, ohne gleich mit Trumps Ballsaal zusammengewürfelt zu werden, oder?

    In Deutschland erkennt man das Spannungsfeld, in dem sich Architektur hier in den letzten 30 Jahren bewegt, gut am Neubau des Berliner Schlosses einschließlich der Inhalte, die dieser Bau beherbergt: eine Symbiose aus Tradition, Moderne (Bauhaus), Postmoderne und Disneyland, die für mich persönlich die größte architektonische Untat auf deutschem Boden der letzten Jahrzehnte ist.

  14. Eine Partei, die die Menschen erziehen will, ist auf dem Holzweg. Aber die so genannten Altparteien tun es ja auch. Als Gegenreaktion eine völkische Umerziehung zu starten, ist Blödsinn. Auch der grundlegende Gedankengang ist falsch. Die Rente wird nicht durch Bevölkerungswachstum erwirtschaftet, sondern durch Wirtschaftswachstum. Höchste Zeit, dass dieser Tatsache Rechnung getragen wird. Tut aber anscheinend niemand.

  15. Die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses war dann wohl ein dem drohenden, Ideologie-induzierten ästhetischen Unterbelichtet-Sein vorauseilender städteplanerischer Frevel ganz im Sinne des amtierenden Horror-Clowns in Washington und nicht nur das unverzeihliche Überlassen einer solchen Gelegenheit für neue symbolträchtige und richtungsweisende Architektur an ein verbohrt ultra-konservativen und revanchistischen Rackets.

  16. Man kann natürlich diese Angelegenheit auf die hier erfolgte Art und Weise hochjazzen zum Ausritt der AfD in die Vergangenheit, stolpert dann aber darüber, dass beispielsweise das erwähnte Bauhaus-Gebäude in Dessau in diesem Jahr ebenfalls sein 100-jähriges feiert.

    Andersrum wird ein Schuh draus: Indem ein weiteres populäres Thema – seien wir ehrlich: das Bauhaus-Gebäude in Dessau ist potthässlich, und die Architektur in Deutschland zur Zeit des Kaiserreiches ist im Vergleich sehr schön – ohne Gegenwehr der AfD überlassen wird, macht man es dieser Partei wieder einmal viel zu leicht.
    Ich kenne niemanden, der bei In- und Auslandsreisen sich besonders gern die von Glas, Stahl und Beton dominierten Bankenviertel oder die Plattenbauten anschaut. Ästhetisch schön anzusehen sind hingegen die älteren architektonischen Werke, die immer mehr durch den glas- und betongetränkten Narzissmus gernegroßer Architekten verdrängt werden.

    Der erwähnte Klassizismus ist eine Hommage an die namensgebende klassische Antike, schon immer wurden in der Architektur und in anderen Künsten vergangene Zeiten wiederaufgegriffen und weiterentwickelt. Die auf Funktion, Kanten und Kälte reduzierte Architektur der Neuzeit, die sich epidemisch um den gesamten Globus auszubreiten droht, ist die historische Anomalie, nicht andersherum. Wie schrecklich wäre eine Zukunft, in der von Stockholm bis Buenos Aires alle Städte mehr oder weniger gleich aussehen – herz- und seelenlose Betonreiche.

  17. Alle sollen doch wissen, wo diese Ideologie wieder enden wird. Erst werden Bücher verbrannt, und zum Schluß wird man auch wieder Menschen verbrennen, wenn man der faschistischen Ideologie freien Lauf läßt. Schon die Ärzte haben in ihrem Lied „Schrei nach Liebe“ gesungen, dass Nazis Nazis sind, weil sie Nazis sein wollen. Deshalb muß man deren Ideologie bekämpfen. Wehret den Anfängen, bevor wieder gesagt wird, das haben wir nicht gewußt. Nochmal darf niemand mehr mit dieser Ausrede durchkommen. Deshalb: FREIHEIT für die KULTUR !

    Zum Schluss noch ein Zitat vom viel zu früh verstorbenem Wiglaf Droste. Er hätte ein Tucholsky des 21.Jahrhunderts werden können.

    WIGLAF DROSTE 02.09.1993

    „Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw., geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: daß man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarrenschachtelwelt passen. Ob man sie dafür einsperrt oder ob sie dafür auf den Obduktionstisch gelegt werden müssen, ist mir gleich, und wer vom Lager (für andere) träumt, kann gerne selbst hinein. Dort, in der deutschen Baracke, dürfen dann Leute wie Rainer Langhans, Wolf gang Niedecken und Christine Ostrowski zu Besuch kommen und nach Herzenslust mit denen plaudern, zu denen es sie zieht.“

  18. „Form folgt Funktion“ ist der Kernsatz der Bauhaus-Bewegung. Was dann zur Entfernung von allerhand Schnörkeln führte und die Produkte für eine Massenherstellung tauglich machte. Dass elektrische Geräte und Fahrzeuge für die Masse erschwinglich waren, verdankt man zu nicht geringem Anteil dem Bauhaus. Auch das dürfte der AfD insgeheim missfallen. Es soll doch wieder Produkte geben, die nur den Reichen zugänglich sind.
    Und jetzt soll der Heimatstil wieder gebaut werden? Okay, der war teilweise richtig schön. Aber wäre das nicht eine überepochale Aneignung? Des Trumpens Ballsaal sagt nichts anderes, als dass diesen Konservativen nichts eigenes eingefallen ist.
    Es kippt dann halt, wenn sich das durchsetzt. An den Schulen wird Deutschlands Geschichte dann wieder heroisiert und romantisiert und die hässlichen Seiten ausgeblendet. Was noch immer eine Mehrheit nicht will.
    Johann Sebastian Bach hat eine weltweite Fangemeinde, hauptsächlich in Asien. Aber in Deutschland kaum. Warum? Weil er nur allzu oft von einem deutschtümelnden Oberlehrer präsentiert wurde, der dann darauf hinaus wollte, dass die Deutschen die Größten und Besten sind. Was dem Publikum unangenehm aufstößt. Bach bleibt unterbelichtet, wegen diesem Tümler. Und der soll jetzt wieder kommen?
    Wie könnte der Bach denn wieder unbedenklich zur Geltung kommen? Der linke Ansatz wäre eben der der Völkerfreudschaft. Was erstens sagt, dass wir Deutschen eine Freundschaft wert sind. In diesem Kontext kann dann auch Bach wiedder problemlos präsentiert werden. Unter Nichtausblendung der schlimmen Phassen der deutschen Gechichte. Natürlich.

  19. Es war schon zu befürchten die neuen Regeln werden benutzt um den Meinungskorridor einzuschränken. Auch hier nur das etablierte Gewäsch, sonst Löschung.
    Sich dann noch zu beschweren über andere die sich ähnlich verhalten, ist unfreiwillig komisch und führt dazu daß man noch weniger Respekt bekommt vor diesem Medium als vor den Etablierten, und das mag was heißen.
    Kommentierende sind keine Verfügungsmasse, mit denen man beliebig verfahren kann. So dolle sind die Artikel jetzt auch nicht, daß man sich diese Arroganz leisten könnte.
    Overton dürfte demnächst zum Unterton werden, noch mehr Nachbeter des mainstreams braucht niemand.

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