Absurde Debatte um Ceuta-„Invasion“ durch Marokko vertieft EU-Spaltung

Mit ChatGPT verbesserter Screenshot aus diesem Video, das zeigt, wie am 31. Juli  unter Polizeiaufsicht junge Männer Richtung Ceuta gebracht wurden.

Niemand will benennen, dass es sich um eine Erpressungs-Inszenierung des marokkanischen Regimes handelte, die aus den USA von der Trump-Administration gestützt wird. Das wird auch von der heutigen „Dringlichkeitssitzung“ der EU-Innenminister nicht erwartet. Man müsste sich nämlich mit Marokko und den USA anlegen. Die erklärten längst offiziell, dass die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko gehören. Statt das angegriffene Spanien zu unterstützen, fielen 22 EU-Regierungs- und Staatschefs dem angegriffenen Land in den Rücken und befeuern so neue Aggressionen.

Es ist bezeichnend, welche Sprach-Akrobatik in deutschen Medien zu den Vorgängen um die spanische Enklave Ceuta betrieben wird. Da wird in den ARD-Sendern von einem „Massenandrang“ gesprochen. Es wird die marokkanische Propaganda wie in der Tagesschau verbreitet, wonach „Falschinformationen in sozialen Medien“ für einen „Massenandrang“ verantwortlich gewesen sein soll. Man tut so, als hätten sich zehntausende meist junge Leute an der Grenze von Marokko und Ceuta gedrängelt.

Tatsächlich, das hatte Overton schon herausgestellt, handelte es sich um einen „organisierten Angriff“. In dem haben soziale Medien auch eine Rolle gespielt, wie Overton schon am ersten Tag herausgestellt hatte, denn dass es sich um eine erneute Erpressung Marokkos handelt und das Königreich damit auch seinen Anspruch auf die Exklave erneut formuliert, war sofort klar. Es können sich nicht zehntausende Menschen an der Grenze versammeln. Die kommen gar nicht an die Grenze, wenn es das Regime nicht will.

Dass hinter der Aktion Menschenhändler oder Mafias gestanden haben sollen, wie auch der spanische Regierungschef Pedro Sánchez behauptet hat, ist schlicht Unsinn. Das macht sogar die Tagesschau deutlich. Die zitiert unter anderem marokkanische Journalisten. Die Kenner der Lage sehen keinerlei Verbindungen zur lokalen Mafia und Schmuggelnetzwerken. Das hat einen ganz einfachen Grund, den auch Sánchez kennt. Den macht der Journalist Ahmed Biyouzan deutlich. Es gibt bei einer solchen Aktion nämlich für Menschenhändler kein Geld zu verdienen.

Tagesschau und andere ignorieren nicht nur die Hintergründe, dass Marokko immer wieder solche Anstürme inszeniert, wenn man Europa zu weitgehenden Zugeständnissen wie in der Westsahara-Frage bringen will. Sie müssen nun bewusst auch die vielen Zeugenaussagen und Videos ausblenden. Denn die zeigen, wie unzählige Menschen aus ganz Marokko quasi unter Polizeischutz mit Lastwagen und Bussen zur Grenze gebracht werden.

Der überarbeitete Screenshot

„Alle Migranten aus Ländern südlich der Sahara wurden gewaltsam zurückgedrängt“

Es gibt Zeugenaussagen, wie in diesem Video von einem Mann aus Tanger. Der bestätigt, mit dem Bus vom Militär herangeschafft worden zu sein. Man kann das auch in Medien nachlesen, die noch Journalismus betreiben. „Die marokkanische Polizei schrie uns an: ‚Los, los, los! Lauft jetzt, lauft nach Spanien‘“, erklärte Youssef El Abbas der britischen Zeitung Guardian. Schon die Tatsache, dass die „Andränger“ überhaupt zur Grenze kamen, macht deutlich, dass das eine geplante Aktion war. Tatsächlich haben marokkanische „Sicherheitskräfte“ sogar ausgesiebt, wie El Abbas bestätigt, denn die ließen nur Marokkaner über die Grenze. „Alle Migranten aus Ländern südlich der Sahara wurden gewaltsam zurückgedrängt“, fügt er an.

Diese inszenierte „Invasion“, von der auch der US-Präsident Donald Trump und sein Vize Vance sprechen und warnen, falls die Demokraten in den USA an die Macht kommen, ging sogar so weit, dass die Marokkaner von den eigenen „Sicherheitskräften“ ins Wasser getrieben wurden, um nach Ceuta zu schwimmen, wie Videos auch zeigen. Das, so ist nun geklärt, hat mindestens 88 Menschen das Leben gekostet. Das sind aber nur die Toten, die Spanien geborgen hat. Wie viele Tote auf der marokkanischen Seite verzeichnet wurde, ist unklar. Die reale Zahl derer, die das eigene Regime in den Tod getrieben hat, werden wir vermutlich nie erfahren. Eine marokkanische Menschenrechtsorganisation spricht von 130 Toten.

Dass Marokko nicht wollte, dass die eigenen Staatsbürger zurückkehren, zeigt auch die Behandlung von Rückkehrern. Man darf von Mordversuchen sprechen, wie einer hier im Video zu sehen ist. Ein Militär wirft mit großer Wucht große Steine auf einen jungen Mann, der einen Abhang hochklettert.. Eine andere Perspektive zeigt, dass er danach auch noch zusammengeprügelt wird. Prügelorgien gegen Rückkehrer gab es auch an anderen Stellen.

Peinlicher offener Brief von 22 EU-Regierungen

Es ist längst geklärt, dass wir es mit einer gezielten Aktion zu tun haben, die gut vom Regime organisiert war, um Druck auf Spanien und die EU auszuüben und sie zu spalten. Das ist auch gelungen. Wenn man von einer Mafia sprechen will, dann kann eigentlich nur das korrupte Königshaus gemeint sein. Dass das niemand benennt, ist peinlich. Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez will sich nicht mit Marokko anlegen, zumal er auch praktisch keine Unterstützung aus der EU erhält, obwohl Spanien einem hybriden Angriff ausgesetzt war.

Spanien ausgenommen hat die EU noch 26 Mitgliedsländer. Davon haben 22, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz, einen hochnotpeinlichen und für die EU fatalen offenen Brief unterzeichnet. Darin wurde der sozialdemokratischen spanischen Regierung sogar indirekt vorgeworfen, für die Vorgänge verantwortlich zu sein. Verwiesen wird absurderweise auch auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in Madrid, wonach Menschen nicht sofort zurückgebracht werden können, die über das Meer ins Land kommen. Selbst wenn das stimmen würde, kann man in einem Rechtsstaat der Regierung nicht das Urteil eines Gerichts vorwerfen.

Es ist aber ohnehin falsch. Viele Befragte Marokkaner in Ceuta wussten nichts von dem Urteil. Die große Zahl der fast 100.000 Menschen, die über die Grenze strömten, kamen auch nicht über das Meer, wie Overton schon am Tag des Ansturms deutlich gemacht hatte, sondern durch geöffnete Tore oder waren über Zäune geklettert. 100.000 ist ohnehin realistischer. Die spanische Regierung spricht schon von 73.500 Rückkehrern. Dazu fordert sie, 7000 Minderjährige im Land umzuverteilen. Lokale Quellen berichten zudem, dass sich noch viele Marokkaner in Ceuta aufhalten.

In dem offenen Brief wird auch ausdrücklich auf die „Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten“ in Spanien verwiesen. Die ist inzwischen beendet. Derzeit läuft das Prüfverfahren, um zu schauen, wer von ihnen eine begrenzte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhält. Es gingen mit etwa einer Million etwa doppelt so viele Anträge ein, wie von der Regierung erwartet worden war. Darüber werden aber viele Menschen aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit und zahlen endlich in die Sozial- und Steuerkassen ein. Das scheint Merz, Meloni und Co. zu stören.

Initiiert hatten diesen Brief Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen. Das ist eine merkwürdige Allianz einer ultrarechten Italienerin und einer „Sozialdemokratin“ aus Dänemark, die nun sogar den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum fordern. Als Fun-Fakt sei angeführt, dass die Exklaven Ceuta und Melilla gar nicht zum Schengen-Raum gehören. Die Marokkaner, die die Exklaven erreichen, kommen ohne starke Grenzkontrollen gar nicht auf das Festland und den Schengen-Raum.

„Gefährliches Signal an Autokraten“

Man fragt sich auch, warum eine solche Maßnahme gegen Spanien bei einem hybriden Angriff gefordert wird und nicht zum Beispiel gegen Deutschland, wegen der Aufnahme von zahllosen Menschen, die aus Syrien oder aus der Ukraine ins Land und den Schengen-Raum geströmt sind. Interessant ist auch, wer den Brief nicht unterschrieben hat. Das waren nur Mitte-Rechts-Regierungen, wie in Irland, Portugal, Frankreich oder Luxemburg. Den Brief und die Haltung dahinter kritisierte der spanische Ministerpräsident Sánchez als „egoistisch und rechtswidrig“. Er drückte seine „große Besorgnis“ über die „Angriffe“ aus, denen Spanien ausgesetzt ist.

Dass auch die deutschen Sozialdemokraten in der großen Koalition diese tiefe europäische Spaltung mitmachen, hinter der auch die Trump-Administration steht, eine Schutzmacht Marokkos (dazu später mehr), ist fatal für eine Partei, die sozial und demokratisch sein will. Dass nur die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel Einspruch erhebt, ist vielsagend. Die nennt es „tragisch und fatal“, dass auch Merz dieses „unsolidarische“ Machwerk unterschrieben und sich an Melonis Seite gestellt hat. Das ist Victim Blaming (Täter-Opfer-Umkehr). Sie sagte richtig auch, der Brief sei „zutiefst gefährlich“ und sie sieht ein „gefährliches Signal an Autokraten und politische Kräfte außerhalb der EU, die ein Interesse daran haben, Europa zu spalten und Europa zu schwächen“ und dabei spricht sie offen auch Trump an.

Die 22 Regierungs- und Staatschefs hatten in dem Brief eine sofortige und koordinierte europäische Reaktion gefordert. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, eine illegale Einreise in die Europäische Union sei möglich – und dass aus der illegalen Einreise eines Migranten ein legaler Aufenthalt werden könne“, wird darin in Bezug auf die spanische Regulierung ausgeführt.

So wurde nun für Dienstag eine dringliche Sondersitzung einberufen, um „massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte“ künftig zu verhindern. Die irischen Ratspräsidentschaft hatte mitgeteilt, dass die EU-Innenminister zu einer Videokonferenz zusammengeschaltet würden. Wie solche Grenzübertritte verhindert werden könnten, wissen nämlich auch die Briefeschreiber nicht. Dass nun von den Innenministern Spanien für den Umgang mit der Krise gelobt und dem Land „Unterstützung“ zugesagt wurde, lässt Merz und Co nun wieder einmal als diplomatische Tölpel dastehen: „Wir würdigen Spaniens rasche Reaktion auf die Lage in Ceuta und sprechen unser tiefstes Beileid für den tragischen Verlust von Menschenleben aus.“

Man habe sich für die Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen etwa an den Grenzen und Social Media-Überwachung ausgesprochen und eine bessere Kommunikation gefordert. Blumig blieb es auch, was eine „rechtzeitige Koordinierung” angeht, die „verstärkt und kohärenter“ gestaltet werden solle. Es werden auch die üblichen Phrasen gedroschen, wonach die Zusammenarbeit mit Drittländern gestärkt werden soll und Menschen in ihren Heimatländern Chancen eröffnet werden sollen.

Absurderweise sieht die EU Marokko als Vorposten „zur Abwehr“ von Flüchtlingen

Wenig Handfestes also, es ist nämlich allen unklar, wie eine solche Situation gemanagt werden kann. Will die EU etwa auf die Marokkaner schießen lassen, wie es Marokko mit Flüchtlingen etwa in Melilla im Falle von afrikanischen Flüchtlingen tut? Sinnvoll wäre, den marokkanischen Diktator in die Schranken zu weisen, der seine Bevölkerung, aber auch Flüchtlinge, eins ums andere Mal als Erpressungspotential einsetzt. Davon ist aber nichts zu hören, denn man braucht Marokko als Vorposten „zur Abwehr“ von Flüchtlingen. Die EU zahlt auch deshalb Milliarden an die autoritäre Monarchie.

Marokko erhält deshalb auch eine Sonderbehandlung auf dem Binnenmarkt über das Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen EU-Marokko. Weitgehend zollfrei kommen darüber auch Agrarprodukte auf den europäischen Markt, die mit Chemikalien behandelt wurden, die in der EU untersagt sind. Auch die extrem niedrigen Löhne führen zum Bauernsterben in Europa, wie es auch im Fall des Mercosur-Abkommen befürchtet wird, weil in Europa damit niemand konkurrieren kann. Hier könnte die EU gegen den Aggressor die Daumenschrauben anziehen, doch dafür müsste man erst einmal Täter und Opfer klar benennen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt hat, allerdings mit Verspätung am Dienstag, auch den offenen Brief kritisiert. Für die Behauptungen gäbe es keine „Faktenbasis“. Es sei „schwer erträglich“, dass sich 22 Staats- und Regierungschefs einen „solchen Populismus“ an den Tag legten. Er meint, völlig an den Fakten vorbei, reine „Desinformation“ habe „leicht manipulierbare Jugendliche dazu gebracht, sich auf den Weg zu machen“.

Anders als das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist in Marokko sehr wohl und gut bekannt, dass es in Spanien erneut eine Regulierung von Einwanderern ohne gültige Papiere gab, die auch viele Marokkaner nutzen. Darüber wurde natürlich die Hoffnung genährt, dass man gültige Papiere erhalten kann, wenn man es schafft, sich etwas länger in Spanien aufzuhalten. Bei der noch laufenden Regulierung waren sogar nur sechs Monate Aufenthaltsnachweis nötig. Zudem war das die siebte Regulierung. Drei davon hatte allerdings auch die rechte Volkspartei (PP) durchgeführt. Da überhaupt keinen Zusammenhang zu sehen, ist entweder pure Unkenntnis oder Verblendung.

Man hat es aber allseits auch mit Verblendung zu tun, wenn man nicht sehen will, dass die Trump-Administration seit langem ein fatales Spiel betreibt. Das begann damit, dass Trump zum Ende seiner ersten Amtszeit plötzlich gegen alle UN-Resolutionen zur Entkolonisierung der von Marokko besetzten Westsahara dem Autokraten in Rabat die Souveränität über die ehemalige spanische Kolonie zuerkannt hat. Als Gegenleistung wurde die Anerkennung Israels verlangt.

Es hat sich aber auch für Spanien und die Sánchez-Regierung alles andere als gelohnt, nach dem ersten hybriden Angriff 2021 auf Ceuta kurz darauf auf Trump-Kurs einzuschwenken und die marokkanische Souveränität über die Westsahara ebenfalls anzuerkennen. Damit handelte man sich auch noch einen Konflikt mit dem größten Gaslieferanten ein. Denn die Schutzmacht der Saharauis, von denen viele in Flüchtlingslagern in Algerien leben, drehte Spanien als Reaktion den Gashahn ab. Dass nun wieder Tauwetter zwischen Madrid und Algier herrscht und Algerien wieder viel Gas über die Pipelines nach Spanien liefert, gefällt auch dem weltgrößten Gasproduzenten USA nicht, da Algerien ein großer Konkurrent ist.

Es war klar, dass das Einlenken in der Westsahara-Frage den Autokraten in Rabat nur darin bestärken würde, auch die Ansprüche auf die von Marokko umschlossenen Exklaven Melilla und Ceuta zu verstärken. Und genau das wird auch aus Washington angefacht. Wie schon im letzten Artikel ausgeführt, forderte der Ex-Berater des Pentagons und Geheimdienstler Michael Rubin offen die Besetzung der Exklaven.

Washington stellt sich gegen Spanien

Er steht damit wahrlich nicht allein. Offiziell hat sich kürzlich sogar der US-Kongress entsprechend bekannt. Ende April wurde eine neue Richtung in seiner Nordafrika-Politik eingeschlagen und Ceuta und Melilla als marokkanisches Gebiet praktisch anerkannt. Im Haushaltsbericht zum Finanzgesetz 2027 verabschiedete der Haushaltsausschuss unter Vorsitz von Mario Diaz-Balart ein Dokument, in dem US-Neutralität im Streit um die Enklaven Ceuta und Melilla aufgegeben wird und man sich auf die Seite Marokkos stellt.

Es wurde auch eine Unterstützung im Umfang von 40 Millionen US-Dollar für Marokko freigegeben. 20 Millionen für Programme zur wirtschaftlichen Stabilisierung und die zweite Hälfte für Militärprogramme und die Modernisierung der marokkanischen Streitkräfte. Marokko wird an der wichtigen Meerenge von Gibraltar explizit als „Hauptpfeiler der Stabilität in Nordafrika“ gewürdigt. War man Washington früher darauf bedacht, den Status quo zwischen Madrid und Rabat nicht zu kommentieren, wird nun ganz unmissverständlich formuliert. Wörtlich heißt es in dem Dokument des Haushaltsausschusses, dass sich die Gebiete von „Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium befinden und weiterhin Gegenstand der ausstehenden Forderung Marokkos sind“.

Wie auch der britische Telegraph feststellt, führt den Ausschuss der republikanische Abgeordnete Díaz-Balart. Und der steht Außenminister Marco Rubio sehr nahe. Díaz-Balart wird sogar noch deutlich klarer und erklärt wie der Geheimdienstler Rubin. „Ceuta und Melilla gehören nicht zum geografischen Hoheitsgebiet Spaniens“, sondern „zum Hoheitsgebiet Marokkos“. Das wird natürlich genau zu dem Zeitpunkt erklärt, als Sánchez sein „Nein“ zum Iran-Krieg erklärte und den USA die Nutzung von US-Basen in Spanien dafür untersagte. Und mit dem Blick auf die Straße von Hormus sei angemerkt, dass Ceuta strategisch besonders bedeutsam für die Meerenge von Gibraltar ist. Die andere Seite befindet sich weiter in britischer Hand.

Ralf Streck

Der Journalist und Übersetzer Ralf Streck wurde 1964 in Flörsheim am Main geboren. Er studierte Politikwissenschaft und Turkologie an der Universität in Frankfurt. Seine journalistische Laufbahn begann bei Radio Dreyeckland in Freiburg, wo er eine Fortbildung zum Fachjournalist für Umweltwirtschaft absolvierte. Er lebt seit mehr als 20 Jahren im Baskenland, ist spezialisiert auf linke Unabhängigkeitsbewegungen und berichtet für diverse Medien in Europa vor allem von der Iberischen Halbinsel.
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34 Kommentare

  1. Grüner Marsch 2.0 nur mal zur Erinnerung was die Jugoslawischen Nachfolgestaaten und ein kleiner Teil der Visegrád-Gruppe ab 2015 erleben durften.

    1. Ein Phänomen dieses Wahns ist, das man sich selbst für viel zu wichtig hält obwohl man nur als Zuschauer am Spielfeldrand steht. Daher haben die Russen Europa eigentlich die meiste Zeit ignoriert, weshalb ich die ganzen Räuberpistolen über „hybride Angriffe“ der Russen auch für Hirngespinste bzw. gezielte Propaganda halte. Allerdings kommen aus unserer Ecke die ganze Zeit leere Bierflaschen aufs Spielfeld geflogen, und die Russen werden sich irgendwann gezwungen sehen, zu reagieren. Solche Aktionen wie in Marokko wären aber sehr untypisch für sie. Das spricht eher für andere.

    2. Klar, der Russe steckt immer dahinter such wenn es die USA und der Netanyahu waren. Fur den ist besonders wichtig, dass der einzige Seeweg über Gibraltar offen bleibt.

  2. It’s 1984 – stupid!!

    It‘s 1984 – stupid!!
    It‘s 1984 – stupid!!
    It‘s 1984 – stupid!!
    It‘s 1984 – stupid!!

    PS:
    So, das sind jetzt die 100 (Mindest-)Zeichen. 😉

  3. Marokko, oder besser gesagt die Marokkaner werden gebraucht: zum Garnelen Pulen.
    Ich war bis 2016 mehrfach in Marokko beruflich und privat. Beruflich hatte ich vor allem mit Menschen zu tun, die man der besseren mittelklasse zuordnen würde. Da hörte ich mehrfach, mit Stolz die Aussage, das Marokko das erste Land gewesen sei, das mit den USA diplomatische Beziehungen aufgenommen hat.
    Die Ansprüche Marokkos auf die westsahara werden von genau drei Ländern anerkannt: USA, Israel, Paraguay.

      1. Man kann sich anscheinend nicht mal mehr auf die tagesschau verlassen:
        „Israel erkennt Westsahara als Teil Marokkos an
        Stand: 18.07.2023 • 07:04 Uhr
        Als zweites Land der Welt – nach den USA – hat Israel den Anspruch Marokkos auf die Westsahara anerkannt. Für das nordafrikanische Land ist der Schritt ein politischer Erfolg. „

    1. Ich hatte 2004/5 beruflich in Tanzania u. Malawi zu tun, seit geraumer Zeit lebe ich in Indonesien, ich kann Dir versichern, von der Mittelklasse aufwärts finden die alle die Amis geil. Alles was sich unterhalb der Mittelklasse befindet, also 75-95% der Bevölkerung, sehen das natürlich anders.

  4. L’Humanité-Artikel „Regierung Spaniens von der Hetze einer internationalen Rechtsradikalen angegriffen“ / Von mir zusammengefasst:

    Niemand anders als Donald Trump verlautbarte zu Ceuta: „Merkt euch dieses Bild. So wird es uns in drei Jahren ergehen, wenn die falsche Seite gewinnt“. Trump stimmte ebenso wie Elon Musk, Nigel Farage, und Giorgia Meloni den Chor an. Israels faschistischer Minister Ben Gvir bediente sich der Ironie, indem er Pedro Sánchez „für sein tiefes Engagement für die Aufnahme von Einwanderern und die menschliche Vielfalt“ lobte und Spanien aufforderte, „den Bewohnern des Gazastreifens, die auswandern wollen, Asyl zu gewähren“.

    Marokko stellt sich hinter die USA: Der König von Marokko Mohammed VI. ist schon seit der letzten Amtszeit Trumps ein engster Verbündeter. Er unterschrieb das Abraham-Abkommen mit Israel und benannte eine neue Autobahn nach Trump. Hintergrund: Marokko hat als einziges Land Afrikas ein Freihandelsabkommen mit den USA abgeschlossen.

    Spaniens Regierungschef Sánchez widersetzt sich den USA beim 5%-Aufrüstungsziel, bei der Nutzung der Militärstützpunkte für ihren Iran-Krieg und erklärt die Solidarität Spaniens mit Gaza.

    Resümee der ‚Humanité‘: „Eine braune Internationale, die zu allen Exzessen bereit ist, um Ängste in Europa zu schüren. Die europäische extreme Rechte träumt von einem Territorium, das nichts anderes wäre als ein in sich gekehrter alter Festungskontinent, und die der Vereinigten Staaten träumt von einem weißen Ghetto“, egal welche Ursachen die Migration habe und dass Europa eine Planung dafür brauche.
    Aus: https://www.humanite.fr/monde/espagne/afflux-de-migrants-a-ceuta-le-gouvernement-espagnol-attaque-par-une-extreme-droite-internationale-exaltee

    Siehe auch Eric Bonse:
    „Ceuta: Ein klarer Fall von Geopolitik – mit einer unklaren deutschen Rolle“
    https://lostineu.eu/ceuta-ein-klarer-fall-von-geopolitik-mit-einer-unklaren-deutschen-rolle/

    Zum Brief der 22 EU-Staaten gegen Spanien / nur Frankreich, Portugal und Luxemburg unterschrieben NICHT –
    siehe den Erhard Eppler-Kreis:
    Merzoni – „Die Achse, die Europa ordnen soll, verläuft nicht mehr über Paris.“
    https://erhardepplerkreis.substack.com/p/das-ende-der-brandmauer

  5. ergänzen möchte ich noch dass die MS-Medien sofort die gewünschte politische Haltung der Briefeschreiberstaatschefs in der EU widerspiegelten. Das spricht für ein Vorwissen bevor der marokkanische Machthaber die Vertreibung der eigenen Bürger angeordnet hatte. (Planungsvorlauf und verbündete Mitwisser) Das richtete sich gegen die span. Regierung, aber nicht nur. Der verdeckte Dauerkonflikt mit Algerien spielt auch eine Rolle.
    Es wirft aber auch ein Schlaglicht auf die „sicheren Außengrenzen“ der EU. Wenn man sich dann noch die Bevölkerungsprognosen Afrikas anschaut…, und die Dauerkriege in Sudan, im Ost-Kongo, in Nigeria und dem Sahel, in Äthiopien, Somalia, Kamerun. Sollte der 100 Mill. Staat Ägypten mit Al-Sisi implodieren…
    Unsere Politik veranstaltet eine Sudan-Konferenz in Berlin ohne den Hauptfinanzier, die VAE, überhaupt zu benennen, ist halt ein Verbündeter wie auch die anderen Demokratien auf der arab. Halbinsel. Wir helfen bei der Demokratisierung fleißig mit, wie in Syrien, Tunesien, Libyen etc.

    1. Das ist halt unser Wertewesten. Da wird die VAE für Sudan nicht benannt, Marokko nicht im Fall von Ceuta… Sind halt unsere Schurken.

  6. Das ist sehr präzise beobachtet und analysiert. Herrn Strecks Ausführungen sind von allen Theorien Je wohl die am besten fundierte.
    Trump will, dass Ceuta und Melilla zu Marikko kommen? Wo er eben damit zu kämpfen hat, dass Islamisten zwei Meerengen verschlossen haben. Und jetzt können sie das auch noch am Zugang zum Mittelmeer. Dass der dort regirende König das macht, ist unwahrscheinlich. Acht sind ber in militärischen Dingen muss man immer für die Ewigkeit denken. Dieser König und seine Macht sind sterblich und begrenzt.

    1. Es ist ein riesen Glück, dass wir Streck haben, der ziemlich sachlich und ohne Scheuklappen an das Thema rangeht und recherchiert. Ausnahmsweise nimmt er die spanische Regierung in Schutz, die er sonst angreift, wenn sie wie üblich Unfug macht.
      Ich habe ein ND-Abo, wundere mich, dass ich da von ihm nichts lese. Haben die ihn auch wie bei Telepolis geschasst? Ich würde dann das Abo sofort kündigen.

  7. Wir sind jetzt bei 141 Toten, die Zahl steigt ständig weiter, die das vom satrapa organisierte Massaker gekostet hat.
    Se eleva a 141 la cifra de migrantes muertos en la tragedia del Tarajal de Ceuta

    Fuentes oficiales confirman a que la cifra de los cuerpos recuperados en aguas españolas asciende a 78 y se sitúan en 63 los recogidos en aguas marroquíes
    https://t.co/qcLYHi12MC

  8. Von einem verharmlosenden „Andrang“ habe ich in den Medien (hauptsächlich des ÖRR) eigentlich nichts gehört. Da war von illegalem „Ansturm“ die Rede, weil man die rechtere Redeweise von der „Asylantenflut“ nicht so gern benutzt, und Sanchez sprach eher militärisch von einem „Angriff“ auf Spanien.

    Trotz unterschiedlicher Ursachen-Interpretationen, große Einigkeit scheint zwischen Autor, Mainstreammedien und Euro-Politikern darin zu bestehen, dass dieser „Ansturm“ ein krimineller Angriff auf die Festung Europa sei, dessen bloßes Stattfinden auf außer-europäischem Gebiet Spaniens nun als skandalöse Lücke im europäischen Abwehrschirm gegen unerwünschte Zuwanderer aufbereitet wird.
    Diese Abwehr wurde von EU und ihren Mitgliedsstaaten jahrelang an allen Grenzen mit polizeilich-militärischen Mitteln hochgefahren und mit großen Geldsummen an autoritäre Regierungen in der Türkei, Libyen, Albanien … delegiert, damit die das Flüchtlingselend in Lager möglichst fern der EU konzentrieren.

    Unter „Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen“ verstand auch die Merkelregierung schon das Zerstören von Booten, Abdrängen und Umleiten von Flüchtlingen in den Libanon oder die Türkei. Unter dem Titel „Vorgehen gegen kriminelle Schleuserbanden“ und ihre Infrastruktur wurden auch die „unkontrollierten, illegalen Wirtschafts-Flüchtlinge“ schnell zu missbrauchten Kriminellen erklärt, deren Fluchtrouten möglichst schon in Afrika blockiert werden sollten, bevor sie sich auf den Weg nach Europa machen.
    Mit dem Ausbau von Frontex, Grenzsicherungsanlagen und der Abschiebung in die bezahlten Dreckslager außerhalb der EU wurden die Zahlen der Flüchtlinge, die überhaupt eine europäische Grenze erreichen konnten drastisch und damit erfolgreich gesenkt, so dass „Ceuta“ jetzt als aufsehenerregende Katastrophe hochgespielt wird. Vom zur Normalität gewordenen Abschieben, Abdrängen und Absaufen lassen wird ja im humanitären Europa kaum noch etwas berichtet.

    Und nun ein Loch im eisernen Vorhang Europas! – „Wie konnte es nur soweit kommen?!“
    Lästige alte Beschäftigungen mit Themen wie „Asylrecht“, „internationalen Menschenrechten“ und Menschenwürde kommen da gar nicht mehr auf. Die Moderatorin des „Heute Journal“ (am 4.8.) sorgt sich wie alle anderen um „plötzlichen Kontrollverlust“, die „Einigkeit“ und „Glaubwürdigkeit Europas“ beim Fernhalten unerwünschter Afrikaner von den EU-Grenzen. Im Gespräch mit dem EU-Migrationskommissar Brunner hat die EU diesen „Härtetest“ aber mit ihrer Dringlichkeits-Sitzung dann doch erfolgreich bestanden, zugunsten der „EU-Einheit“, an der im Streit um „Kontrollverlust“ und die nationale „Schuld Spaniens“ etwas gekratzt wurde. „Gott sei dank“ sei es zu keiner „Bedrohung“ des Schengen-Raums gekommen, weil es ja keinen Übertritt auf den geheiligten EU-Boden gab, der zu irgendeinem Aufenthalts-Antrag hätte führen können. Man feiert die EU für die schnell gelungene Re-Migration der kriminellen „Angreifer“, drückt anständig ein bisschen Bedauern für die vielen Toten aus, und freut sich über den EU-Erfolg, der den Rechten Europas diesmal keine weitere Vorlage geliefert habe, über ein Versagen der EU herumzumosern, weil die EU die „Rückführung“ ja genauso schnell und erfolgreich hinbekommt, wie die rechtere Konkurrenz sie gerne als „Re-Migration“ übernehmen würde.

    Bei den „Lehren aus Ceuta“ behauptete EU-Kommissar Brunner einfach fest, dass „natürlich kriminelle Schlepper“ hinter dem Ansturm steckten, was nicht mal der Moderatorin einleuchtete, und dass es zum Schließen solcher möglicher Lücken in der Festung EU noch mehr Frontex, Interpol, Überwachung von Social Media und jede Unterstützung für Abwehrstaaten wie Spanien bräuchte.

    Oh, diese Armutsflüchtlinge! Haben trotz aller Abschottungsmaßnahmen mit Mauern, Stacheldraht, Wachtürmen und schwimmenden Barrieren immer noch nicht kapiert, dass Europa sie nicht will. Innerhalb seiner EU-Außengrenze finden sich reichlich arbeitswillige Lohnsklaven und schöner ist es, fix und fertig vorgebildete Pflegekräfte aus Indien, Asien oder Südamerika zu beziehen. Das EU-„Paradies“ muss also noch weiter kämpfen gegen den „Dschungel“, der aus seinen früheren Kolonien und heutigen Partnerstaaten droht.

    Und noch schlimmer, die Herrschaften dieser Flüchtlinge haben „unseren“ Auftrag, die EU vor solchen Unerwünschten zu bewahren, auch nicht richtig kapiert und versuchen doch tatsächlich aus dem bezahlten Dienst an der EU noch mehr Vorteile für sich selbst rausholen zu wollen. So wie es die Türkei schon vor Jahren versucht hat, mit der Instrumentalisierung ihrer Lager. Da ist der EU klar, dass sie sich mit der Aufbewahrung von Flüchtlingen nicht von solchen alimentierten Regimen erpressen lassen darf, und in ihrer Einigkeit „spalten“ schon gar nicht. Dafür war die schnelle Krisensitzung dann auch erstmal ein demonstrativer und für die Medien beruhigender Erfolg.

  9. Bereits gestern wurde in verschiedenen Medienberichten die Bewegungen in sozialen Medien diskutiert, laut diesen Angaben ( maldita, elpais. RTVE …….) wird eine neue Migrantenwelle für den 15.August 26 /Samstag organisiert.
    die marokkanischen WhatsAPP Gruppen haben teilweise mit Untergruppierungen über 420.000 Mitglieder;
    Anbei zwei Quellen:
    https://www.rtve.es/play/videos/informativo-24h/redes-sociales-ofrecen-multitud-mensajes-mapas-cruzar-frontera/17180292/;

    https://maldita.es/investigaciones/20260803/whatsapp-facebook-instagram-entrada-ceuta-marruecos/

    1. Die Frage ist, wer hinter diesen Accounts steht. Oder wie der spanische Journalist Cembrero und guter Kenner der Lage schreibt, wird damit anders umgegangen werden.
      A call to storm #Ceuta (#Spain) again on August 15 is gaining momentum on social media platforms popular among Moroccans. The Guardia Civil and the National Police are taking these online calls seriously because they are widespread. They nevertheless trust that, this time, #Morocco’s riot police and security forces will make every effort to stop this new attempt in its tracks.
      https://x.com/icembrero/status/2084749759605043594
      Ich wette, er wird Recht behalten, denn man kommt nur zur Grenze, wenn das Regime das will, der den Journalsten immer wieder für seine Berichte vor Gericht zieht, aber stets verliert, denn das er gelogen hat, können diese Autokraten nie nachweisen.
      Was ich auch noch interessant finde, ist die Tatsache, dass so etwas 100.000 Leute dazu brachte, sich auf das vielleicht tödliche Abenteuer einzulassen. Das sagt doch extrem viel über die Zustände in Marokko aus, wo sehr viele Menschen raus wollen, fliehen wollen. Doch diese Diktatur ist „unser“ Partner, der Partner vor allem auch des Spaniens, das mit einem hybriden Angriff konfrontiert ist, aber trotz allem nicht einmal den Angreifer benennt. Arme Spezialdemokraten. Oder wie Antonio Mestre erklärt:
      https://x.com/AntonioMaestre/status/2084987206351847447
      Gegen Marokko lässt sich kaum etwas ausrichten, wenn man eine von Komplexen geplagte Linke, eine unterwürfige Sozialdemokratie, eine zaghafte Rechte und eine vaterlandsverräterische extreme Rechte hat. Niemand wagt es, sich der Realität zu stellen, dass man im Süden einen illoyalen Partner hat, mit dem ein offener Territorialkonflikt besteht und der eine nationalistische und großmachtpolitische Ideologie vertritt, die niemals von ihrer Vorstellung eines „Großmarokkos“ abrücken wird.
      Dem ist nichts hinzuzufügen.

  10. Es gibt einen neuen Aufruf zu einem neuen Massenansturm auf Ceuta.
    https://www.elconfidencial.com/mundo/2026-08-04/nuevo-asalto-a-ceuta-el-15-agosto-redes-sociales_4401039/
    Die Frage ist, wer nun hinter diesen Accounts steht im Internet mit vielen Followern steht. Aber der spanische Journalist Ignacio Cembrero, guter Kenner der Lage, schreibt, wird damit wohl anders umgegangen werden, außer das Regime könnte das für seine Anliegen nutzen.
    A call to storm #Ceuta (#Spain) again on August 15 is gaining momentum on social media platforms popular among Moroccans. The Guardia Civil and the National Police are taking these online calls seriously because they are widespread. They nevertheless trust that, this time, #Morocco’s riot police and security forces will make every effort to stop this new attempt in its tracks.
    https://x.com/icembrero/status/2084749759605043594
    Ich gehe davon aus, dass er Recht behalten wird. Man kommt in größeren Gruppen nur zur Grenze, wenn das Regime das will, das den Journalsten immer wieder für seine Berichte vor Gericht zieht, aber stets verliert, denn das er gelogen hat, können diese Autokraten nie nachweisen.
    Was ich auch noch interessant finde, ist die Tatsache, dass so etwas 100.000 Leute dazu brachte, sich auf das vielleicht tödliche Abenteuer einzulassen. Das sagt doch extrem viel über die Zustände in Marokko aus, wo sehr viele Menschen raus wollen, fliehen wollen. Doch diese Diktatur ist „unser“ Partner, der Partner vor allem auch des Spaniens, das mit einem hybriden Angriff konfrontiert ist, aber trotz allem nicht einmal den Angreifer benennt. Arme Spezialdemokraten. Oder wie Antonio Mestre erklärt:
    https://x.com/AntonioMaestre/status/2084987206351847447
    Gegen Marokko lässt sich kaum etwas ausrichten, wenn man eine von Komplexen geplagte Linke, eine unterwürfige Sozialdemokratie, eine zaghafte Rechte und eine vaterlandsverräterische extreme Rechte hat. Niemand wagt es, sich der Realität zu stellen, dass man im Süden einen illoyalen Partner hat, mit dem ein offener Territorialkonflikt besteht und der eine nationalistische und großmachtpolitische Ideologie vertritt, die niemals von ihrer Vorstellung eines „Großmarokkos“ abrücken wird.
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    1. Soll der Westen eingreifen und Marokko Freiheit und Demokratie bringen? Fordern Sie einen Regime-Change? Einen linken oder demokratischen Imperialismus?

      Meine Forderung wäre, dass sich der Westen da raushalten soll. Das kann er aber nicht, jetzt, da der Westen nicht mehr so viele Verbündete in der Welt hat, muss er nehmen was er kriegen kann.

      1. Ich bin auch dafur, uns da nicht einzumischen, aber genau das tun „wir“ mit den Milliarden, die wir dem Despiten schenken und mit den Sonderregelungen, die Steeck anspricht.

        1. Das ist der Irrtum: Der „Despot“ bekommt von uns nichts „geschenkt“, sondern er wird bezahlt für eine Gegenleistung (er bedient unsere Interessen, bzw. die von USA und Israel). Er wird bezahlt für sein Wohlverhalten, egal, ob Despot oder nicht. Aber nach linksliberaler Vorstellung sollen ja nur „Demokraten“ für ihr Wohlverhalten bezahlt werden, das ist linker Imperialismus.

          Vermutlich kommen hier im Falle Marokkos die unterschiedlichen Interessenlagen von USA und Europa zum Vorschein. Die dürften in Zukunft auch andernorts immer mehr zutage treten.

          1. Ja, ja, es ist Imperialismus einem Despoten mit imperialistischen Träumen von einem „Gross-Marokko“ nicht auch noch Geld in den Rachen werfen zu wollen, der die Westsahara zu großen Teilen schon illegal besetzt hat, Ceuta, Melilla und was noch alles will. Der ist wie sein Bundnispartner Israel, will immer mehr und wir sollen zahlen. Nein, und das ist Anti-Imperialismus und dein Geschreibsel einfach lächerlich.

    2. Vielleicht haben wir es ja mit einem Bündnis an Gegengewichten zu tun, die selbstverständlich auf einen Regierungswechsel in Madrid setzen. Marrokko, USA und Israel als Kernautoren, die hier eine gezielte Kampagne gegen
      die derzeitige Regierung in Madrid feingliedrig orchestrieren, oder nicht??
      Ich rechne noch die Vereinigten Arabischen Emirate am Golf dazu, Amerika strukturiert vor Ort um.

      Es wird noch spannend, anbei noch einen Nachschlag von Paula Mayoral Muñoz vom 05.08.26 zu den Überweisungen der Amerikaner….etc.:
      https://www.rtve.es/noticias/20260805/estados-unidos-no-autorizado-transferencia-ceuta-melilla-a-marruecos/17180272.shtml
      mfG

  11. Vielleicht lässt sich diese angebliche „Invasion Europas“ ganz unkompliziert beenden: Man reaktiviert einfach den lokalen Grenzverkehr aus der Zeit vor Corona. Für die marokkanische Nachbarregion galten schließlich besondere Regeln, damit Menschen zum Arbeiten, Einkaufen oder für Familienbesuche auf dem Landweg nach Ceuta hinein- und wieder hinausgehen konnten. Dann müssen sie dafür weder Zäune überwinden noch ins Meer springen. Der besondere lokale Grenzverkehr zwischen Ceuta und der Provinz Tétouan war ausdrücklich Teil der bisherigen Sonderregelung.

    Das wäre natürlich viel zu unspektakulär. Keine „Masseninvasion“, kein „hybrider Angriff“, keine Sondersitzung zur Rettung Europas. Nur eine wieder geöffnete regionale Verbindung auf dem afrikanischen Festland, die vor Corona alltäglich war. Möglicherweise liegt das eigentliche Problem also gar nicht darin, dass plötzlich alle Grenzen gefallen sind, sondern darin, dass man einen zuvor normalen Grenzraum geschlossen hat und sich anschließend darüber empört, wenn Menschen versuchen, ihn auf völlig unsinnige und lebensgefährliche Weise zu umgehen.

  12. Vielleicht war es am Ende gar nicht Donald Trump, nicht Washington und auch keine geheimnisvolle marokkanische Großstrategie. Vielleicht hat die EU selbst in Rabat angerufen und gesagt: Schickt doch bitte einmal möglichst viele Menschen nach Ceuta. Wir brauchen dringend dramatische Bilder, um Spaniens Legalisierungspolitik zu stoppen.

    Denn erstaunlicherweise passt der Vorfall vor allem den Regierungen ins Konzept, die Spanien vorschreiben wollen, wen es im eigenen Land legalisieren darf. Ein lokaler Flashmob auf dem afrikanischen Festland wird zur „Invasion Europas“ erklärt, obwohl fast alle Beteiligten sofort wieder zurückkehren und das europäische Festland niemals erreichen. Anschließend fordert man Einschränkungen spanischer Entscheidungen, neue Grenzkontrollen und noch mehr europäische Zuständigkeiten.

    Belege für eine solche Bestellung durch die EU gibt es natürlich genauso wenig wie für die anderen großen Verschwörungserzählungen. Aber als Satire zeigt sie, wie absurd die Debatte geworden ist: Ausgerechnet diejenigen, die politisch am meisten von dieser angeblichen Krise profitieren, zeigen empört auf Trump, Marokko und sonstige äußere Mächte. Vielleicht sollte man zuerst fragen, wem die Ente innerhalb Europas nützt.

  13. China sagt jetzt auch etwas:
    https://moderndiplomacy.eu/2026/08/04/ceuta-melilla-us-china-morocco-spain-tensions/

    Interessant ist vor allem die offizielle Anerkennung der USA, das sich die beiden Kleinstädte auf „marokkanischem Gebiet“ befinden sollen. Wirtschaftlich sind die Gebiete wertlos, eine Illusion das würde Marokko irgend etwas nützen.

    China selbst lehnt sich derweilen zurück und betrachtet mit Interesse eine der hoffentlich letzten „malthusischen“ Krisen der Geschichte. Auch mit der massiven wirtschaftlichen Entwicklung im Norden wird Marokko niemals genug Arbeitsplätze für alle diese Abenteurer generieren können. Tourismus zumindest um Ceuta herum kann man auch knicken wegen des teilweise extrem unangenehmen lokalen Klimas an der „schwarzen Küste“. Melilla liegt weit entfernt in der absoluten Provinz wo praktisch nichts passiert.

  14. Europa führt wieder einmal die perfekte Debatte über das falsche Problem.

    In Ceuta strömen nicht ein paar hundert Menschen zufällig an eine hochsensible Außengrenze. Es geht um zehntausende Menschen. Wer ernsthaft glaubt, eine solche Massenbewegung entstehe einfach dadurch, dass sich ein paar Videos in sozialen Medien verbreiten, unterschätzt die Realität autoritärer Staaten und die Möglichkeiten staatlicher Steuerung gewaltig.

    Die entscheidende Frage lautet nicht: „Warum wollen diese Menschen nach Spanien?“ Die entscheidende Frage lautet: Wer hat diese Bewegung ermöglicht, wer hat sie zugelassen und wem nutzt die daraus entstandene Krise?

    Und genau hier wird es geopolitisch interessant.

    Die USA haben Marokko unter Trump strategisch massiv aufgewertet. Washington unterstützt Rabat bei der Westsahara Frage, Marokko ist ein wichtiger militärischer Partner der USA, und 2026 haben sogar führende US Politiker sowie ein Ausschuss des US Repräsentantenhauses eine Position zu Ceuta und Melilla vertreten, die der marokkanischen Sichtweise auffällig nahekommt.

    Das bedeutet noch nicht, dass Washington den Grenzsturm in Ceuta befohlen hat. Dafür gibt es bislang keinen öffentlichen Beweis.

    Aber wer angesichts dieser Entwicklung behauptet, amerikanische Geopolitik habe mit der Situation überhaupt nichts zu tun, verwechselt Naivität mit Objektivität.

    Und was macht Europa?

    Es zerlegt sich selbst.

    22 europäische Regierungen greifen Spanien politisch an, während gleichzeitig die Möglichkeit einer Instrumentalisierung der Migration durch einen Drittstaat diskutiert werden müsste. Statt europäische Solidarität zu zeigen und gemeinsam Druck auf Rabat auszuüben, wird der Mitgliedstaat unter Druck gesetzt, der unmittelbar an der Front steht.

    Das ist genau die Art von europäischer Dummheit, auf die andere Mächte setzen können.

    Die USA verfolgen ihre Interessen. Marokko verfolgt seine Interessen. Russland verfolgt seine Interessen. China verfolgt seine Interessen.

    Nur Europa scheint zu glauben, dass Geopolitik verschwunden sei und man internationale Konflikte mit Presseerklärungen, moralischen Floskeln und gegenseitigen Schuldzuweisungen lösen könne.

    Das ist keine Außenpolitik. Das ist Selbstentwaffnung.

    Und vielleicht sollten wir uns endlich daran erinnern: Die USA sind nicht automatisch Europas Freunde, nur weil sie NATO Partner sind. Washington verfolgt amerikanische Interessen und wenn es diesen Interessen nutzt, Europa gegeneinander auszuspielen oder einzelne europäische Staaten unter Druck zu setzen, wird es das tun.

    Ein souveränes Europa müsste darauf nicht hysterisch reagieren. Es müsste schlicht seine eigenen Interessen kennen und verteidigen.

    Genau daran scheint es zu fehlen.

    Nicht Marokko ist Europas größtes Problem. Nicht einmal Amerika ist Europas größtes Problem. Europas größtes Problem ist ein Europa, das die Interessen anderer Mächte besser kennt als seine eigenen.

    1. Ein wirklich fundierter Beitrag zu diesem Thema, Danke.
      Welche Akteure sind also am Start, deren Beteiligung aber leider nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann?
      In den vergangenen Tagen wurde darüber besonders in spanischen Medien gestritten, Fakenews wurden zahlreich entlarvt, auf allen Kanälen brodelt es richtig, zumal bereits vor Tagen feststand, in genau einer Woche könnte sich das Szenario wiederholen.
      Sie haben dankenswerterweise die fatalen Folgen für Europa aufgezeichnet, Spanien gerät zunehmend unter Druck und es stehen Wahlen an, Amerika ist stinksauer und Israel wird wohl kaum eine Gelegenheit auslassen, um seine Position gerade in Abgrenzung zur Regierung von Spanien zu markieren. Die Ziele sind klar, Regierungswechsel in Madrid.
      Die USA treiben die Spaltung in Europa weiter voran. Wer nicht mitzieht, ist gegen sie.

      Auch in Marokko stehen in diesem September Parlamentswahlen an, in der marrokanischen Regierung
      und der Berater des Königes gibt es unschiedlichen Gewichtungen trotz der vermeintlich guten Wirtschaftsdaten von
      Marokko, allerdings bei der Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen und der Struktur der jungen Bevölkerung
      kommen viele der positiven Früchte nicht dort an (Proteste der GEN Z gegen WM 2030 und deren Ausgaben etc………)

      Dazu noch drei Hinweise auf die Nachdenkseiten mit 2 sehr bemerkenswerten Videos zu diesen Thema sowie einen
      Artikel zu dieser Problematik von heute, 08.08.2026 :
      https://www.nachdenkseiten.de/?p=154745#h10
      Hier insbesondere die Nr. 10 (Der Amerikaner Max Blumenthal zum hybriden Angriff auf CEUTA und Trumps jüngsten Iran-Kriegs TACO ;
      2. Beitrag unter Nr. 10: Der amerikanische Historiker Pascal Cottaz im Gespräch/Interview mit dem Algierer FETHI von
      Jazir Hope: „Schmutziger KRIEG gegen Europa beginnt : Neue globalistische Migrantenkrise – Fehti“;
      Beide Videos mit deutscher SprachKI unterlegt, die ziemlich holprig daherkommt, viele Namen sind in der Übersetzung
      fehlerhaft.
      DENNOCH : Ich habe selten so fundierte Beiträge zu diesem Komplex gesehen und gelesen, beide Videos dauern
      über 40 Minuten und lohnen sich sehr.
      Wer bereit ist schwere Kost zu verdauen, ist dabei genau richtig. Zusätzlich noch der link auf ebenfalls einen heute erschienenen Artikel von Freddie PONTON, übersetzt von Maike GOSCH;
      „Der Sturm auf Ceuta: Anatomie einer herbeigefühten Krise“
      https://www.nachdenkseiten.de/?p=154670
      @Moderation des Hauses: Die Korrekturfunktion von früher hat wirklichen seinen Sinn und Zweck voll und ganz erfüllt, vielleicht könntet Ihr darüber noch einmal reflektieren?!
      mfG

  15. Jetzt versuchen „interessierte Kreise“ Georg Restle fertigzumachen, der in der Ceuta-Angelegenheit von einem „US-israelisch-marokkanischen Bündnis“ postete (siehe in Speiübel online, 8.8.2026). Das geht ja gar nicht…

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