Die Klima-Kicker

FLASHPACKER TRAVELGUIDE, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Es war einmal ein Ort … nein: Er war einmal ein Sport, bei dem der kleine Mann – und, pardon, natürlich auch – die kleine Frau für immerhin 90 Minuten die großen Realitäten des Alltags und der Weltpolitik in Bier und Bruderschaft ertränken konnten. Mit diesem romantisch-nostalgischen Fußballmythos ist es spätestens jetzt vorbei. Dass das nervig komplexe Geflecht aus Politik, Ökologie und Wirtschaft nun auch schon vor dem Fußballschauen jeglichen Respekt verloren hat, merkt man etwa am Klima-Turnier zwischen DFB, UEFA und FIFA.

Kick it like Kobalt

Während der DFB am vergangenen Wochenende alle Pokalspiele eine Minute später anpfeifen ließ, um mittels Lautsprecheransagen das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren, wurde der Finalspielball der UEFA-Europameisterschaft der Frauen von einem kleinen, regenbogenfarbenen Auto, dem „VW ID.Buzz“, zum Unparteiischen aufs Feld gefahren. Wie übrigens schon bei der Herren-EM im Vorjahr: Weit gefehlt, wer dachte, dass dort unser großer Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm am Steuer saß: Es handelte sich bei dem immerhin 97 cm langen und 15 Kg schweren Teil um ein ferngesteuertes Modell des vollelektrischen „VW ID.4“ im Maßstab 1:5. „‚Wir werden den Fußball-Sommer vor allem nutzen, um die Modelle unserer ID-Familie weiter bekannt zu machen‘, kündigte VW-Marketingvorstand Klaus Zellmer vor dem Turnier an. Beim Thema Elektromobilität ‚sollen Fans als Erstes an Volkswagen denken.‘“ Ob der Zuschauer auch daran denken soll, dass für kleine wie große Elektroautomotoren seltene Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Cadmium benötigt werden, deren Abbau nicht nur den Fanatikern unter den Klimaschützern die Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte?

Endspiel: Fußball-Winter Katar

„Die Wüste wächst.“ – Friedrich Nietzsche

Aber, calma, calma: Nach Adam Ries ergibt +1 -1 bekanntlich: 0. Insofern dürfte sich im Klima-Kick zwischen DFB und UEFA ja vielleicht prophylaktisch die Bilanz für die FIFA-WM im Dezember in Katar ausgeglichen haben. Wer jetzt schon des Nachts durch furchtbare Alpträume von monströsen Klimaanlagen irgendwo in der weiten Wüste aus dem Schlaf gerissen wird, der sei ganz beruhigt: Wir, soviel steht fest, werden beim Fußballschauen unterm heimischen Heizpilz sicherlich nicht ins Schwitzen geraten – Flüssiggas aus Katar hin oder her. Und gegen Gewissensbisse oder sonstigen moralischen Schluckauf hilft dann immer noch die nächste Tasse Glühbier.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

6 Kommentare

  1. Ich habe schon lange den unbezahlbaren (Premiere)Spaß an der geldgeilsten Nebensache der Welt verloren.

    Und wenn ich jeden Monat auf mein Konto sehe und mit welchen Kraftanstrengungen, gesundheitlichen Nebenwirkungen ich dafür fast jede Nacht in der Woche schufte, dann von solch abgehobenen Gehältern für einseitig talentierter, verzogener junge Männer höre, vergeht mir ganz die Lust am Fußball kieken.

    Mein Vorschlag zur Vergütung im deutschen Profifußball wäre:
    Ein Fußballspieler der 2.Liga sollte soviel bekommen, wie eine Krankenschwester der Uniklinik des Bundeslandes im Monat verdient. Der Kapitän und Trainer soviel wie die Oberschwester dort.
    In der 1. Bundesliga werden diese superbegabten Kicker so super bezahlt, wie ein Arzt in der Uniklinik des Bundeslandes im Monat verdient. Der Kapitän und Trainer soviel wie die Oberarzt dort.
    Und die tollen Spieler, die die Meisterschaft, den Pokal oder den Aufstieg errungen haben, die haben sich ein zusätzliches Weihnachtsgeld redlich verdient.

    Wetten, dass die Gehälter im deutschen Gesundheitssystem bald besser wären/ werden.

  2. Die Rundballtretervereinigung hat m.M.n schon seit Jahren ihre nostalgische romantische Ära hinter sich gelassen.
    Es ist 100% Kommerz und die Gladiatoren beglücken ihre Fans…
    Zum Glück existieren noch Wissenschaftler, die sich um Wissenschaft bemühen!
    https://test.rtde.tech/international/144548-was-uns-im-innersten-zusammenhalt/
    Ein wunderbarer Artikel, auch die Überschrift ‚was uns im inneren zusammenhält‘ sollten mal ein paar Regenbogenpatienten überdenken…

  3. Ich bin 1966 zum ersten Mal in Düsseldorf ins Stadion gegangen, jeden zweiten Samstag. Nach dem Umzug bin ich nicht warm mit Hertha BSC geworden und dann in London, im grauen London, war jedes Stadion eine Farbexplosion und bei Arsenal hat uber Lautsprechertüten aus Blech ein Tenor live das Einlauflied gesungen. Klasse. Aber die sixties/eighies are over,
    Heute finde ich vieles ekelhaft: „Na gut -ich sag mal, ich bin ich froh, dass ich der Mannschaft mit drei Toren helfen konnte“- die Selbstdarstellung der Spieler wird jetzt von einer PR.Firma gemacht. Schlimmer ist die Gier der FIFA auf WM alle zwei Jahre, denn darunter müssten die Spieler leiden, auch wenn sie gut bezahlt werden,
    Ich habe auch keine Lösung aber ich schaue mir nicht mehr viele Spiele im TV an um dämlichen Quasselkommentaren, die müdes Gekicke interessant reden wollen, zu lauschen. Die nächste Weltmeisterschaft in Katar wird hoffentlich ein Reinfall, vielleicht auch sportlich, Ich kann diese beflissenen Schönredner und Absahner mit endlosen Platitüden und die Ausbeutungen der Trikot und Ballhersteller nicht mehr haben. Die Funktionäre waren schon dran-ich würde sie verbieten.
    Sieht nicht gut aus. Tor? Nee, abseits,

  4. Hmmm….. Was genau soll der Artikel besagen?

    Dass es Autoren gibt, die Fussball nicht mögen? Und etlich ganz ganz Dumme, die „jetzt schon des Nachts durch furchtbare Alpträume von monströsen Klimaanlagen irgendwo in der weiten Wüste aus dem Schlaf gerissen“ werden?

    1. Nun, es ist ein Zwiespalt da (bei mir) zwischen dem langen Interesse, besser der Begeisterung, an Fussballspielen und dem Ärger über Funktionäre, der Wettmafia und generell den Hohlköpfen, die sich das Spiel unter den Nagel reissen wollen. Diese Wüsten WM zeigt die absoluten Gleichgültigkeit dem „Sport“ gegenüber.. Warum nicht gleich ein Filmstudio mieten, dort die Spiele veranstalten und in die Welt senden ?

      1. Naja, wenn man sich unbedingt die gute Laune verderben lassen will, darf man das natürlich.

        Man kann aber auch den ganzen Zirkus darum herum einfach ignorieren. Fussball ist ein Milliarden Business, dass das den üblichen Abschaum anzieht ist doch klar, oder?

        Man kann im Internet jedes, JEDES Fussballspiel live und kostenlos anschauen. Wenn man überhaupt Geld für Fussball ausgibt, dann höchstens mal beim Dorfverein um die Ecke. Obwahl man auch da mittlerweile schon aufpassen muss.
        Man kann es nicht ändern, man muss sich aber auch nicht zum Teilnehmer dieses Drecks machen lassen…

        Ein Blatter war schon im letzten Jahrhundert FIFA Boss und sogar schon bei der Olympiade in München 1972(!) mit im Geschäft. damals wurden die Schriftzüge „Dabeisein ist alles“ münchenweit mit „Mitmelken ist alles!“ überklebt… Wo viel Geld kreist, kann man solche Leute nicht verhindern….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.