Vom Bibel-Gott zum Verfassungs-Gott

Der Saarländische Landtag hat eine Verfassungsänderung beschlossen, die unter anderem die Ergänzung der Präambel um einen Gottesbezug umfasst. Nun soll „in der Verantwortung vor Gott" auch im Saarland Politik gemacht werden.

mehr lesen

12 Kommentare

  1. Damit ist ja alles in Ordnung. Wenn man Scheisse baut, hat man einen Verantwortlichen.
    Ist ja auch richtig human, auch Atheisten auf einen Gott einzuschwören, ob sie wollen oder nicht.

    1. Das ist eh nur die Präambel, das ist nix als hohles Geschwafel ohne jeden sittlichen Mehrwert. Davon abgesehen: Die verfassungsmässig garantierte unverbrüchliche Völkerfreundschaft zur Sowjetunion hat diese auch nicht retten können. Interessanter finde ich dabei die „Verpflichtung zur Bewahrung seiner wirtschaftlichen Grundlagen“. Was wohl damit gemeint ist?

  2. Die werden immer bekloppter. Verwandeln diese Typen das Land jetzt auch in einen Gottesstaat oder wie soll ich das deuten?
    Heißt es dann, wenn es wieder Richtung Russland geht, „Gott will es!“?
    Ich halte diesen ganzen Gottes- und Schöpferkram für ausgemachten Schwachsinn.

    1. Und dabei kann man sich jedenfalls nicht auf Jesus berufen. Der klipp und klar gemacht hat, daß sein Reich, das Reich Gottes, eben nicht von dieser Welt ist. Sehr zum Ärger aller, die Gott vor ihren Karren spannen wollen!

  3. Man kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Dass der Politikbetrieb mit allerlei Derailing beschäftigt ist, wundert schon lange nicht mehr, aber wer da alles mitmacht, ist schon bemerkenswert.

    Nun also auch im Saarland »in der Verantwortung vor Gott«. Warum nicht? Wie wir vor einigen Tagen im OM-Artikel »Israel – Volk, Land und Staat in biblischer Sicht« gelernt haben, ist ja auch der unfehlbare biblische Gott fehlbar. Wir erinnern uns, er hat die Sintflut geschickt, um seine Schöpfung wegzuspülen: „Da habe ich wohl Mist gebaut, kann weg.“ Vielleicht nehmen wir Rumpelstilzchen und Mickey Maus auch noch dazu?

    Der Hinweis von @pk, 04.05.2026 19:26 Uhr ist allerdings auch nicht ohne.

  4. Also ich finde das ausgesprochen gut und befürworte die Entscheidung des Landtags ausdrücklich. Wenn ein demokratisch zustande gekommenes Parlament die Existenz Gottes beschließt, dann hat es ihn auch zu geben. Wer das ernsthaft diskutiert, kann nur Feind und/oder Verächter UNSEREDEMOKRATIE sein.

    Gab es zu dieser Verfassungsänderung eine Debatte im Landtag? Ich hoffe, dass ich die in irgendeiner Mediathek finde und mir, wenn ich Ruhe und Zeit habe, anschauen kann. Doch unbedingt. Man hat in diesen üblen Zeiten sonst so wenig zu lachen…….

  5. Wenn sie nur in christlicher Bescheidenheit und Nächstenliebe tatsächlich Politik machen würden im Saarland. Das wäre doch nicht schlecht. Werden sie aber natürlich nicht, und der Gottesbezug ist nur Getue für den Anschein. Und das Papier ist geduldig.

  6. Das ist ja mal eine gute Nachricht!

    Der Gottesbezug ist hier in einem ganz allgemeinen und keineswegs ausschließlich christlichen Sinne zu verstehen. Nicht mit Bezug auf eine Staatsreligion, sondern ganz allgemein in der Art, dass der Mensch sich eben nicht das Höchste auf der Welt verstehen sollte, dass er eine namenlose und transzendente Macht anerkennen soll. Eine Sichtweise, wie sie JEDER auch nur irgendwie religiöse Mensch überall unterschreiben könnte.
    Und so gesehen, ist diese Haltung weltweit, aber wahrscheinlich auch in Deutschland – dank der islamischen Migration – in der Mehrheit.

    Dass Atheisten damit nicht klarkommen, ist klar.
    Egal!

    Ebenso klar ist auch, dass jede Gesellschaft, die nachhaltig und auf Dauer Bestand haben will, die Bezugnahme auf etwas Übermenschliches, Numinoses braucht.

    Dass unsere heutigen Gesellschaften in Teilen – zum Glück nicht überall – eben diese Einordnung und Unterordnung brüsk und überheblich verweigern, hat etwas von Hybris an und damit wohl auch Teuflisches und Böses.
    Und entsprechend schlecht sind solche Gesellschaften ja dann auch.

  7. Eines dieser Zehn Gebote in der Bibel der gläubigen Christen lautet: Du sollst nicht töten. Einige Zeitgenossen meinen zwar, das wäre ein Übersetzungsfehler und es müsste heißen: Du sollst nicht morden. Zwischen Mord und Totschlag ist juristisch schließlich ein großer Unterschied.

    Wichtig ist aber: Es ist kein Verbot. Es ist lediglich eine „Empfehlung“. Wenn Politiker (und Politikerinnen) einen Krieg vom Zaun brechen, um gegen die Menschen eines anderen Staates in den Krieg zu ziehen, die Menschen zu ermorden um ihnen das Land und die Ressourcen zu stehlen, dann hat das keinerlei „göttliche“ Konsequenzen für die gläubigen Täter.

    Für das Fußvolk, also die einfachen Soldaten (und Soldatinnen) und die Zivilisten (und Zivilistinnen) an der Heimatfront, kann es aber durchaus motivierend wirken, wenn die politischen Führungskräfte von religiösen Führungskräften unterstützt werden und diese religiösen Führungskräfte sagen: Der/die/das Gott will das so. Oder legt der/die/das Gott dann Widerspruch ein und bei wem und wie lange ist die Einspruchsfrist?

    Schizophren wird es allerdings, wenn die sogenannten Feinde im Osten an den gleichen Gott glauben (mit vernachlässigbaren Abweichungen) wie die Menschen im Westen oder Süden oder Norden und im Namen ein- und desselben Gottes Krieg gegen die jeweils anderen führen, aber die Feinde auf der jeweils anderen Seite der Front als „gottlos“ bezeichnen?

    Bei der Eroberung Nordamerikas war das zum Beispiel anders. Da hatten die unzivilisierten Ureinwohner aka „Indianer“ aus der Sicht der zivilisierten und größtenteils christlichen Eroberer aka „Siedler“ definitiv die falsche Religion bzw. falschen Geister. Außerdem hatten sie vergessen, ihre Grundstücke in das Grundbuchamt eintragen zu lassen. Das mögen Christen gar nicht, beim Thema Eigentum sind sie extrem penibel.

    Eine spannende Frage wäre in diesem Zusammenhang, was der Namenspatron der Vereinigten Christen, dieser pazifistische, basisdemokratische und kapitalismuskritische Sozialrevolutionär und „Sohn“ Gottes dazu sagen würde. Dieser wurde aber, wie sogar die meisten Ungläubigen wissen dürften, bereits lange vor der Firmengründung der Vereinigten Christen ermordet.

    Manch einer könnte nun einwenden, dass wir in diesem demokratischen und sozialen Deutschland Religionsfreiheit haben. Das steht sogar im Grundgesetz von 1949 und das ist prinzipiell auch gut so. Jeder kann an seinen Gott oder auch an keinen Gott glauben oder von Montag bis Samstag an den Gott und am Sonntag an einen anderen.

    Zum Problem wird jede „Freiheit“ und das gilt auch für die Religionsfreiheit, wenn diese Freiheit missbraucht wird, wenn man mit Religion und dem Glauben an (den richtigen) Gott versucht, andere Menschen zu manipulieren und gleichzeitig die eigene Verantwortung für Krieg, Mord, Totschlag usw. auf Gott abschiebt.

  8. Solange es Religionen gibt wird es auch Krieg geben.
    Damit kommt wieder näher zusammen, was seit Jahrtausenden zusammengehört.

    1. Religion ist nur einer von vielen Rechtfertigungsgründen für Kriege. Ohne diese würde man einfach einen anderen finden. Ein Vorteil könnte allerdings sein, dass sich dann weniger religiöse Fanatiker als Nützliche Idioten finden ließen. Es steht aber zu befürchten, dass die dann einfach aus anderen, quasi-religiösen Bewegungen rekrutiert werden, die dann auch entsprechend mehr Zulauf haben dürften.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 3 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen