Nazis beim Schäferlauf AGD

Umfrage: Verspüren Sie eine historische Schuld als Deutscher?

War Ihr Großvater ein Scherge an der Ostfront? Und hat das für Sie hier und jetzt noch eine Bedeutung?

mehr lesen

6 Kommentare

  1. Mein Opa ist in Stalingrad gefallen. Meine Mutter hat ihren Vater nie kennengelernt. Er wurde als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen, also nicht freiwillig.
    Genau aus diesem Grund bin ich sehr besorgt, wenn die deutschen Bellizisten schon wieder den Marsch in Richtung Osten anvisieren. Wir als Deutsche haben bereits ausreichend Unheil in dieser Welt angerichtet und sollten uns gefälligst aus Konflikten heraushalten. Nur Diplomatie ist gefragt. Das hat mir auch meine Mutter so beigebracht und so verfahre ich auch privat in meinem Umfeld.

  2. Die Frage ist zu klein. Es geht nicht darum, ob heutige Deutsche Schuld empfinden. Schuld ist kein Gefühl, das man abfragt.

    Die eigentliche Frage lautet: Hat dieses Verbrechen das Menschenbild verändert?

    In der Bibel steht der Auszug aus Ägypten. Dort wird Gewalt nicht nur berichtet, sondern zu einer bleibenden Lehre über Macht, Knechtschaft und Befreiung.

    Nazi-Deutschland hat 57 Millionen Tote hinterlassen. Krieg, Vernichtung, Lager, industrielle Entmenschlichung.

    Trotzdem steht dieses Ereignis bis heute außerhalb der großen religiösen Deutung des Menschen. Es wurde archiviert, verwaltet, betrauert und politisch beschworen. Aber es wurde nicht in eine verbindliche Lehre über den Menschen übersetzt.

    Darum ist es nicht aufgearbeitet. Der Mensch hat es nicht aufgenommen.

  3. „Schuld und Verbrechen sind nicht vererbbar.“ (I. Kant)

    Nein, ich persönlich verspüre keine historische Schuld. Jedoch versuche ich alles daranzusetzen, dass sich solch ein Verbrechen nicht wiederholt, das Völkerrecht geachtet und der aufgehobene Art. 80 StGB wieder eingesetzt wird.

    Für mich ist es UNFASSBAR, dass die Bundesrepublik Deutschland Rüstungsexporte in Kriegsgebiete genehmigt, Steuergelder hierfür verprasst, Truppen in Drittländer entsendet und die Verantwortlichen für ihre Verbrechen straffrei bleiben.

    „Strafgesetzbuch
    § 80 Vorbereitung eines Angriffskrieges
    Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.“

  4. Bezeichnend, dass die Hälfte der Befragten
    nicht einmal ein gewisses Verantwortungsgefühl in sich trägt.
    Da hat es die Propaganda leicht,
    denn aus dieser inneren Leere lässt sich
    Kapital schlagen.

  5. „historische Schuld als Deutscher?“

    Von welcher „Schuld der Deutschen“ in der Headline die Rede ist, bleibt ein ungeklärtes Gehemnis des Autors. Man kann zwar ahnen, worauf der Autor anspielt, diese Anspielung hat allerdings mit der gesellschaftspolitischen Relaität der Auffassung und des Verständnisses der deutschen Geschichte nichts zu tun. In der als „historisch“ bezeichneten Rede „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa“ des damaligen -in Deutschland übrigens äusserst beliebten- Bundespräsidenten R. von Weizsäcker stellte dieser klar, dass es keine Kollektivschuld der Deutschen gebe, zu gelten habe eine sog. „Erinnerungskultur“. Die Rede galt damals -und gilt bis heute- als Sternstunde der deutschen Nachkriegsgeschichte, weil sie einen Wendepunkt in der Interpretation der deutschen Geschichte darstellte: Das deutsche Volk sei kein Tätervolk gewesen, sondern auch ein Opfervolk, welches am 8.05.1945 von den Klauen der „Naziherrschaft“ befreit worden sei. Diese grundlegende Neuauslegung und -bewertung von historischen Ereignissen im Sinne von „Verbrechen ohne Schuld“ gilt in Deutschland als „historisch“ nicht nur im Kontext einer abgeschlossenen Vergangenheit, es definiert gleichzeitig auch den Umgang der Deutschen mit der eigenen Zukunft: in einer Gesellschaft wo es per Definition gar keine Schuld gibt und auch nicht geben kann, kann auch z.B. die Beteiligung der Deutschen am Völkermord in Palästina gar kein Verbrechen sein.

  6. Es war mein Vater der in der Wehrmacht war.
    Ich weiß eigentlich von allem was er mir berichtete und auch von damaligen Zeitzeugen weil ich mich für dieses Thema immer schon interessiert habe.
    Er hat mich bspw. schon damals vor den galizischen Nazikollaborateuren gewarnt.
    Warum sollte ich mir diesen Schuh anziehen, mein Vater hat sein ganzes Restleben nach dem Krieg unter teilweise schweren Depressionen gelitten?

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 5 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen