Im Spannungsfeld von Gewaltfreiheit und Gewalt

Orientierungspunkte zur Gewaltfreien Sozialen Verteidigung (GSV).

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2 Kommentare

  1. Eine interessante Argumentation, der ich in Teilen zustimmen kann. Aber der Autor hat Prämissen bei den Kriegszielen. Er geht von einer Beherrschung und Ausbeutung aus mit dem Mittel der ansässigen Bevölkerung, die ihre Arbeitskraft reproduzieren soll und komplexe Aufgaben bewältigen soll.

    Kriege, wie der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion oder der Genozid an den Palästinensern erfüllen diese Prämissen nicht. Gegen Vernichtung kann man kein sozuales Konzept stellen.

    Wendet man die Idee des Autors auf den Ukrainekrieg an, würde man dagegen schnell zu guten Einsichten gelangen.

  2. Wenn ich jemandem ein schwarz Blatt hinlege, auf dem ich vorher einen weißen Punkt gemalt habe, und frage, „was ist da zu sehen?“, werde ich die Antwort erhalten, „ein weißer Punkt.“ Nicht die große Schwärze, die ihn umgibt. Die Sichtweise des Menschen richtet sich immer auf das Licht und die damit verbundene Hoffnung auf einen neuen Tag.

    So weit, so blumig. Wahrscheinlich sieht der Mensch vor allem den Kontrast und die Abweichung von einer „Norm“, oder einfacher das Ungewöhnliche.

    Unser Menschenbild verdankt sich zu einem guten Teil einer Geschichtsschreibung, die sich vornehmlich an Kriegen und Dynastien festmacht. […] Wer die Menschheitsgeschichte an ihren Waffenfunden und Schießscharten abliest, kommt zwangsläufig zu dem Schluss, der Mensch sei im Kern ein gewaltbereites Wesen.

    Die Geschichtsschreibung, bzw. was von dieser präsentiert und „verpflichtend“ gelehrt wird, ist die Geschichte einer erfolgreichen Eroberung und der Herrschaft selbst. Diese selektive Geschichte begründet, beweihräuchert und legitimiert diese Herrschenden und die Existenz von Herrschaft überhaupt. Deswegen wird die Art, der Modus, die Waffe, wie und womit diese Herrschaft erlangt wurde, verherrlicht, glorifiziert und vor allem als unausweichlich dargestellt, einhergehend mit der Behauptung, der Mensch sei ein gegen sich gewalttätiges Tier, was dann die gewählten Mittel und die Herrschaft selbst rechtfertigen soll und tut.

    Dass ein Land sich gegen einen Angriff wehren darf, steht hier nicht zur Debatte. Es gibt geradezu eine moralische Pflicht zur Selbstverteidigung, eine Verantwortung, sich und andere zu schützen.

    Wenn schon die (in sich willkürliche) Moral bemüht werden muss, könnte man auch sagen, dass vielleicht nicht die Verteidigung das Primat ist oder sein sollte, sondern dass einem Angreifer oder Usurpator unmissverständlich und endgültig deutlich gemacht wird, dass er die sozialen Regeln des Miteinanders gebrochen hat und somit jegliche respektvolle Behandlung verwirkt. Wie nachdrücklich und tatsächlich endgültig das zu tun sei, sei mal dahingestellt. Ich bezweifel, dass mit den historischen Reitervölkern wirklich zu diskutieren war oder dass diese vorher provoziert wurden. Aber da kann ich mich irren.

    3. Zwei Modelle: hoher „Eintrittspreis“, hoher „Aufenthaltspreis“

    Um es kurz zu fassen: Das funktioniert, wenn die Bevölkerung Teil der Beute ist. Ist es ausschließlich das Territorium bzw. seine Ressourcen, ist die Bevölkerung ersetzbar bis überflüssig. Das gilt für Grönland und galt großteils für den Ost-Feldzug der Nationalsozialisten (zu Punkt 3.5.; es ist also plausibel denkbar und wurde praktiziert).

    Alles zu Punkt 4. ist wichtig, aber an dieser Stelle muss gefragt werden, was zu tun ist, wenn „ein Volk“, so wie die Deutschen gerade, es größtenteils überhaupt nicht bemerkt oder wahrhaben will, dass es (auch) die Heimat der Aggressoren ist.

    Ansonsten ist das Buch wahrscheinlich eine gute Sache, das in die Sekundarstufe I. gehört, und das meine ich nicht despektierlich.

    ——–

    Btw. hat Egon Spiegel einen ähnlichen Artikel mit Focus auf Grönland schon im Januar gebracht: Soziale Verteidigung Grönlands
    Und wo wir bei sozialer Verteidigung sind: Nach 10 Monaten lässt sich anhand der dortigen Kommentare auch die Veränderung des Kommentariats eindrücklich beobachten, und die soziale Verteidigung im schwindenden Umfang der Partizipation erkennen.

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