Will die US-Regierung einen russischen Angriff auf Polen provozieren?

Im richtigen Größenverhältnis: Biden im Gespräch mit Präsident Macron, Bundeskanzler Scholz und Premierminister Johnson: „Die Staats- und Regierungschefs bekräftigten ihre Entschlossenheit, Russland für seine unprovozierte und ungerechtfertigte Invasion in der Ukraine weiter zu bestrafen.“ Bild: Weißes Haus

Der Eindruck entsteht, als würde Washington Polen dazu drängen, MiG-Kampfflugzeuge der Ukraine zu liefern. Zudem wird die Sanktionsschlinge immer enger gezogen und Russland isoliert. Mit dem Rücken an die Wand gedrängt könnte die russische Führung verzweifelt zurückschlagen.

Offenbar wurden in Washington mit der Konzentration auf Russland neue Weichen gestellt. Russland soll mit Sanktionen und mit Waffenlieferungen an die Ukraine klein gemacht, isoliert und als Pariah an die Wand gedrängt werden. Da wird auch riskiert, Polen zum Kriegsteilnehmer zu machen, da nicht nur die Waffen über das Land in die Ukraine strömen, sondern Polen auch MiGs liefern soll. Washington macht Warschau das schmackhaft, wenn es aus sowjetischer Zeit stammenden  Kampfflugzeuge durch neue F-16 zu ersetzen.

Washington spielt mit dem Feuer, sollte Polen sich wirklich dazu drängen lassen. Soll ein Angriff auf ein Nato-Land damit provoziert werden? Aus russischer Sicht sind schon der kontinuierliche Strom der Waffenlieferungen, vor allem die Javelin- und Stinger-Raketen, mit denen bereits viele Panzer und Flugzeuge zerstört wurden, eine Kriegsbeteiligung. Noch hält sich hier Russland zurück. Aber wenn schwere Waffen oder eben Kampfflugzeuge von einem Nato-Staat in die Ukraine gebracht werden sollten, muss Russland aus der Sicht Moskaus reagieren. Man kann den Verdacht hegen, dass die US-Regierung beispielsweise mit den Kampfflugzeugen eine Falle für Russland stellen will, der Krieg findet weit weg vom amerikanischen Territorium statt und man könnte sich geschützt sehen durch die nukleare Abschreckung.

Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, würde das gerne anders darstellen. Die US-Regierung, so die gewünschte Lesart, werde Polen nicht daran hindern oder entmutigen, Kampfflugzeuge zu liefern, wenn logistische Fragen geklärt sind. Polen sei ein souveränes Land, das frei entscheiden könne. Bei Fragen, die die Nato und den Nato-Beistandspakt direkt betreffen. Das kann nicht erst gemeint sein.

US-Außenminister Blinken lehnte gestern zwar wieder die Einrichtung einer Flugverboszone über der Ukraine ab, ließ aber eine Tür sperrangelweit offen:

„Aber – und das möchte ich ganz klar wiederholen – wenn es zu irgendeiner Aggression gegen das Nato-Gebiet durch Russland oder irgendjemand anderen kommt, sind wir absolut zur Verteidigung dieses Gebiets verpflichtet – jeden Quadratzentimeter. Präsident Biden hat dies ebenfalls wiederholt deutlich gemacht.“

Wladimir Putin hatte bereits die Sanktionen als eine Kriegserklärung bezeichnet. Russland ist nun das Land, das mit den meisten Sanktionen belegt wurde, mehr als die Iran und Nordkorea, die alten Staaten der „Achse des Bösen“. Nach Bloomberg wurden gegen Russland 5530 einzelne Sanktionen verhängt. Es sollen noch weitere folgen, womit man Russland noch stärker in den Würgegriff nimmt, bis es so geschwächt ist, dass es kapituliert und als konkurrierende Großmacht ausfällt. Allerdings hatte Putin schon mit den Forderungen nach Sicherheitsgarantien, über die der Westen, abgesehen von nicht unwichtigen, aber kleineren Vorschlägen, nicht sprechen wollte, erklärt, Russland könne nicht mehr weiter zurück. Die Gefahr ist, dass die russische Führung mit dem Rücken an der Wand so verzweifelt wird, dass sie womöglich auch zu Atomwaffen greift.

Geplant wird nun von den USA, EU und Nato, auch die russischen Gas- und Ölexporte zu unterbinden, um Russland noch weiter finanziell auszutrocknen. Um den Ausfall für die USA und Europa zu kompensieren, werden dann womöglich alte Feinde zu neuen Freunden oder Geschäftspartnern. Am Wochenende war eine amerikanische Delegation nach Venezuela gereist, um über Öllieferungen zu verhandeln. Es geht wohl in erster Linie um einen Ersatz für das Öl, das die USA noch aus Russland beziehen – und innenpolitisch darum, dass die Benzinpreise nicht zu sehr in die Höhe steigen, was Biden gefährlich werden dürfte.

Bislang wurde Venezuela, das ebenso wie Kuba und Nicaragua enge Verbindungen zu Russland hat, mit schweren Sanktionen belegt und wirtschaftlich stranguliert, es war auch ein Regime Change geplant, mit Guaido war eine Marionettenregierung aufgebaut worden., aber der Plan scheiterte. Eine Annäherung an Venezuela würde auch den Vorteil mit sich bringen, dass das Land keine russischen Truppen stationieren würde. Die USA würden plötzlich schlecht dastehen, wenn sie selbst gegen ein Land in der Nähe vorgehen, das sich für ein Militärbündnis mit dem Gegner entscheidet und so die amerikanischen Sicherheitsinteressen herausfordert, wie das mit der Ukraine für Russland der Fall ist.

Jen Psaki verriet allerdings nicht, ob und was bei den Gesprächen mit Venezuela herausgekommen ist. Mit Saudi-Arabien will Washington offenbar erst einmal nicht verhandeln, mit Iran komme man einem Abschluss näher, aber da gehe es vor allem darum zu verhindern, dass das Land keine Atomwaffen herstellt.

Interessant ist die Antwort auf eine Frage, ob nicht die Isolierung und wirtschaftliche Strangulierung Russlands die Beziehung zwischen Moskau und Peking verstärke. Psaki stellte erst einmal die Machtverhältnisse vor. China sei auch wirtschaftlich zu schwach, um für Russland die Ausfälle durch die Sanktionen zu ersetzen. Die G-7-Länder würden die Hälfte des globalen BIP leisten, Russland und China hätten hingegen nur 15 Prozent. Sie hätten also keine Chance. Und dann machte sie deutlich, was der Plan Washingtons sein könnte, nämlich nach Russland auch China zu isolieren, wenn es nicht mitspielt, auch wenn für die USA Sanktionen gegen China stärker spüren würden als jetzt im Fall von Russland:

„Wir haben auch gesehen, dass China sich an die verhängten Sanktionen gehalten hat.  Sie haben sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthalten und einige Kommentare zur Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine abgegeben. Wenn sie sich nicht an die Sanktionen halten, haben wir immer die Möglichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, aber das ist es, was wir bis jetzt gesehen haben.“

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5 Kommentare

  1. Ziemlich viel Unsinn und eine völlige Verkennung der ökonomischen Situation. Russland ist weitgehend autark und wohl einer der Staaten, die am wenigsten auf andere angewiesen ist. Es verfügt über einen riesigen Ressourcenschatz und steht auch finanziell gut da. Von Verzweiflung kann keine Rede sein. Übrigens stimmt schon die nackte Zahl nicht. In Wirklichkeit stehen Russland und China zusammen für knapp 20 Prozent des BIP und es gibt viele weitere Staaten, die sich dem westlichen Wirtschaftskrieg nicht anschliessen. Vieles kann auch umgangen werden. Dem Iran wurde z. B. der Erdölexport blockiert, dennoch exportiert das Land zurzeit 3 Mio. B/d.

    Die westlichen ‚Sanktionen‘ werden die gesamte Weltwirtschaft hart treffen. Das wird sich als ein Schuss ins eigne Knie erweisen. Nahezu bei allen wichtigen Rohstoffen hält Russland einen beträchtlichen Marktanteil. Insbesondere Europa, das sich nun komplett von den usa abhängig macht, wird alt aussehen. Es wird, so es nicht vorher zu einer katastrophalen militärischen Eskalation kommen sollte, zu grösseren Unruhen und weiteren Rechtsrutschen führen. Von den Wirkungen auf ökonomische Schwachbrüstler gar nicht zu reden, es wird zu Staatspleiten kommen.

    Wenn ich richtig informiert bin, werden die polnischen MIGs nach Ramstein geliefert. Die Polen haben sich zwar dem u.s.-Druck gebeugt, sind aber nicht bereit, die Überführung selbst durchzuführen – was für sie spricht. Fraglich ob diese überhaupt je stattfindet.

    Als Ersatz für das russische Schweröl aus dem Ural kommt nur venezolanisches in Frage. Daher kriecht die usa da zu Kreuze. Sie wird aber ein extrem gutes Angebot machen müssen, um ihr Ziel zu erreichen, schliesslich ist Maduro mit Putin liiert. (Was offenbar wenigen klar ist, die usa fördern an sich mehr als ihren Eigenbedarf, aber nicht von der für bestimmte Raffinerien geeigneten Art. Ein paar Prozent müssen Schweröl sein.)

  2. Soviel Russland Propaganda in einem Beitrag muss man erstmal unterkriegen.
    Hier wird doch tatsächlich versucht Russland als Opfer darzustellen. Absurde Vorstellung.
    Ich habe auch Angst davor dass sich der Ukrainekrieg auf die NATO ausweiten und damit ein Flächenbrand werden könnte. Aber man darf auch nicht jede Kröte die Putin einem sendet herunterschlucken. Da wird ständig am Atomknopf herumgefuchtelt und von Kriegserklärungen gefaselt, um möglichst Unterstützung bei der Verteidigung der Ukraine zu verhindern. Die Frage ist wieviel man bereit ist zu schlucken mit der Waffe am Kopf. Diese Art von „Politik“ darf keine Zukunft haben, weder in Russland noch in China.

  3. Wer ist auf die Propaganda hereingefallen?
    Der Provokateur ist die Nato im Interesse der USA. Das mußte ich jetzt auch einsehen als alter Mann. Die Ukraine der Nato jetzt das Kuba Chruschttschows von damals.
    In den USA sind die Biowaffenlabore verboten, deswegen betreibt das Pentagon diese im Ausland.

  4. Wenn ich auf die Weltkarte schaue und an eine ferne Zukunft denke wo im ,,WESTEN,, langsam die Rohstoffe ausgehen und die allgemeine Überbevölkerung zum Problem wird, finde ich es für bedenklich das man wie schon seit Jahren ständig auf Russland einschlägt.
    Scheinbar hat man die extrem zahlreichen USA-Kriege vergessen, ja selbst wie der US-Bundesstaat Texas entstanden ist und der Rest von den USA im Süden. Auch scheint man vergessen zu haben mit welchen kriegsverbrecherischen Mitteln die USA ihre Kriege geführt hat.. Das soll jetzt zwar nicht gutheißen was Putin mit der Ukraine macht, aber die derzeitige Berichterstattung in den Medien kommt einer Hexenjagd gleich.
    Die USA wollten keine Atomwaffen auf Kuba, klar verständlich, aber Putin will auch keine vor der Haustür in der Ukraine. Ach was soll ich schreiben im ,,Zeitalter,, der vergessenen eigenen Schandtaten und des Geifern,s. …..Und was soll immer das Gerede von westlichen Werten und einer angeblichen Demokratie….Wer die internationale wirtschaftliche Verflechtung unserer ,,Demokratiestaaten,, etwas genauer anschaut, dem muss doch das Kotzen kosten. Klar wir dürfen demonstrieren gehen, aber was bringt es in der Regel ? Und was für Freiheiten haben wir den schon groß außer mit allen Steuern und Abgaben und staatlichen Gebühren weit über 60 % unseres Einkommens zu schauen, um über die Runden zu kommen..Demokratie, lachhaft, in einer Zeit wo man sich kaum noch traut den Mund auf zu machen vor lauter Genderwahn, Umweltpanik, politisch korrektes sprechen und denken. Ja selbst den Kühen auf der Weide will man das Pfurzen verbieten, drangsaliert unsere Bauern mit X Auflagen, macht aber Agra-Wirtschaftsverträge ( Mercosur ) mit Südamerikanischen Staaten wo es so gut wie keine Auflagen gibt..Es ist alles so verlogen und nun sollen wir uns auch noch über Putin aufregen, obwohl die Ukraine genug Zeit hatte diesen derzeitigen Krieg mit ein wenig Einsicht zu verhindern……..Nein Russland wird durch die Isolation nicht unter gehen, aber viel mehr unberechenbarer und als Partner für lange Zeit ausfallen. .In Sachen NATO sollen sich die Herren Kriegshetzer in den Medien mal lieber die NATO-Abwehrpläne für Europa anschauen. Da bleibt kein Stein auf den anderen in einen Nato-Russland-Konflikt. Und der Sieger wird die US-Waffenlobby sein. Und die FRAGE ob die USA über Polen-Flugzeuge einen Angriffskrieg provozieren will , kann man nur mit JA beantworten. Wisst ihr noch mit welchen ,,Begründungen,, der Vietnamkrieg, der Irak-Krieg oder der Jugoslawien-Krieg begonnen hat. Wie man damals die Endscheidungsträger der,, Koalition der Willigen,, belogen hat. Wobei die Lüge von den aus den Brutkästen raus gerissenen Babys noch die harmloseste war. Aber was solls, als Journalist hab ich früher soviel Dreck durch Recherchen auf decken müssen, dass ich sogar die derzeitigen BILD-Berichte ertrage.

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