Wilder Westen im Weltraum: Wer besetzt zuerst die Umlaufbahnen mit Satelliten?

Mit jedem Start befördert SpaceX 60 StarLink-Satelliten in den Weltraum. Bild: SpaceX

Starlink darf 42.000 Satelliten in den Weltraum, Tausende und Hunderttausende sind teils genehmigt, teils geplant. China beklagt sich über die Verantwortungslosigkeit, die Vereinten Nationen sind gegenüber der Vermüllung des Weltraums machtlos.

Amerikanische Konzerne wollen die Umlaufbahnen um die Erde mit Zehntausenden von Satelliten bestücken. Konkurrenten sind vor allem die beiden Oligarchen und Besitzer von Raumfahrtunternehmen Jeff Bezos und Elon Musk, die Satellitennetzwerke für einen globalen Internetzugang aufbauen und damit Zugriff auf Milliarden Nutzer und ihre Daten erreichen wollen. SpaceX von Elon Musk will mit StarLink zunächst 12.000 Satelliten in den Weltraum bringen und hat bereits eine Genehmigung der Federal Communications Commission (FCC) für weitere 30.000, Amazon von Jeff Bezos will mit seinem Kuiper-Projekt erst einmal „nur“ 3.236 Satelliten anbringen.

Streit gibt es zwischen den beiden Projekten u.a. über die Höhe der Umlaufbahnen, nachdem StarLInk beantragte, nach ersten 1584 Satelliten die weiteren 2814 von der geplanten Bahnhöhe von 1100 km auf eine niedrigere von unter 570 km zu bringen. StarLinks Satellitenhaben ein Gewicht von 227 kg und einen Antrieb, sie sind manövrierfähig, können miteinander kommunizieren und sind mit Phased-Array-Antennen wie 5G-Sendemasten ausgestattet.  Angeblich würden sie automatisch Kollisionen vermeiden. Fast 2000 sind schon auf ihrer Umlaufbahn. Sollten Satelliten unbrauchbar werden, würden sie nach StarLink allesamt verglühen und nicht den Weltraummüll mehren. Das wird man sehen müssen. Womöglich müssen die Satelliten alle fünf Jahre ersetzt werden.

Probleme hat StarLink nicht nur mit Jeff Bezos, sondern es gab auch schon Streit mit der europäischen Weltraumbehörde ESA, als im September 2019 ein Satellit drohte, mit dem ESA-Erdbeobachtungssatelliten ADM-Aeolus zu kollidieren, aber SpaceX auf Anfragen nicht reagierte und die ESA den Kurs ihres Satelliten verändern musste.

Bedenklicher könnte ein Zwist mit China werden, da es dabei auch um Menschenleben gehen kann. Schon zweimal sind StarLink-Satelliten der im Aufbau befindlichen chinesischen Weltraumstation gefährlich nahe gekommen. Im Juli und im August hätten Ausweichmanöver durchgeführt werden müssen. In einem Brief an das Weltraumbüro der Vereinten Nationen (United Nations Office for Outer Space Affairs – UNOOSA) vom 10. Dezember monierte die chinesische Regierung, die Satelliten würden eine Gefahr die chinesischen Astronauten darstellen. Moniert wurde auch, dass alle Mitgliedsländer des Outer Space Treaty „internationale Verantwortung“ für staatliche oder kommerzielle Objekte im Weltraum trügen.

SpaceX hat dazu noch keine Stellung genommen, in China kocht Wut auf, Global Times suggeriert, dass es um die Konkurrenz China/USA gehe und mit den Satelliten Chinas Reaktionsfähigkeit im Weltraum getestet werden könnte.

Letztlich kann jeder Staat selbst nach dem Weltraumrecht regulieren, wer welche und wie viele Satelliten in den Weltraum schicken kann. Sie müssen registriert werden, Umlaufbahnen müssen von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) gemeldet werden, die ITU kann aber nur die Frequenzbereiche festlegen, Sicherheitsanforderungen sind unverbindlich, Satelliten sollen zum Ende des Betriebs auf einer sicheren Umlaufbahn platziert oder in der Erdatmosphäre verglüht werden. Es gibt zwar den Weltraumausschuss der Vereinten Nationen, der hat aber seit Jahrzehnten keine verbindlichen Regelungen mehr vorgelegt. Daher kann die FCC genehmigen, dass ungezählte Mengen an Satelliten amerikanischer Konzerne in den Weltraum gebracht werden können, egal was die internationale Gemeinschaft dazu sagt.

Die USA haben mit den Tausenden von Satelliten von StarLink schon Fakten geschaffen und Umlaufbahnen besetzt. Zudem muss die Weltgemeinschaft erdulden, dass die USA mit den vielen Raketenstarts – dazu kommen die geplanten Starts für den Weltraumtourismus – das Klima beeinträchtigen. Im Gegensatz zu Meteoriten sind Satelliten vorwiegend aus Aluminium. Wenn die Satelliten verglühen, entsteht Aluminium-Feinstaub, der in größeren Mengen das Albedo der Erde verändern könnte. Jeder Start einer Rakete mit dem Treibstoff Kerosin wie bei Falcon 9 oder Starship mit der Abgabe von Methan, aber auch mit Festbrennstoffen  häuft Ruß in der Atmosphäre an. Ein Start einer Falcon-9-Rakete von SpaceX belastet nach Berechnungen die Atmosphäre mit 640 Tonnen CO2-Äquivalent. Und es sind jährlich tausend geplant. Der Ausschuss derStarLink-Satelliten scheint groß zu sein. 1944 wurden bislang in eine Umlaufbahn gebracht, 1795 sollen noch auf einer Umlaufbahn sein, 1766 sollen noch operieren.

Ohne Regelung wird der Weltraum zu einem immer gefährlicheren neuen Wilden Westen.  Die Umlaufbahnen werden in Besitz genommen, wie das einst die Siedler gemacht haben. Wer später kommt, hat das Nachsehen. Und es macht sich deswegen zunehmend Irrsinn breit. Ruanda, das bislang einen  Satelliten in eine Umlaufbahn gebracht hat, stellte bei der ITU einen grotesken Antrag auf 330.000 Satelliten. Kepler Communications, inKanada ansässig, hat über Deutschland im November einen Antrag für 115.000 Satelliten gestellt. Astra Space hat ebenfalls im November einen Antrag für 13.620 Satelliten gestellt.

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