Was ist wirklich beim Raketenangriff auf Krementschuk passiert?

Das brennende Einkaufszentrum in Krmentschuk. Bild: Sesu.ua

Halbwahrheiten: Kiew und westliche Politiker behaupten, es sei ein bewusster Angriff auf zivile Ziele oder gar ein Terroranschlag gewesen, Russland sagt, ohne sich zu entschuldigen, Ziel sei ein Fabrikgelände mit westlichen Waffen gewesen, ein Angriff mit Kollateralschaden.

Nach ukrainischer Darstellung haben die russischen Streitkräfte am Montag das Amstor-Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk gezielt bombardiert – und das auch noch, während der G7-Gipfel in Elmau tagte und eine scharfe Erklärung der Staats- und Regierungschefs am selben Tag zur Folge hatte, die auch mit neuen Sanktionen und anderen Maßnahmen gegen Russland beschäftigt waren. Ohne genaueres zu wissen, wurde die ukrainische Darstellung übernommen: „Willkürliche Angriffe auf unschuldige Zivilistinnen und Zivilisten sind Kriegsverbrechen.“

Es wird also davon ausgegangen, dass das Einkaufszentrum absichtlich angegriffen wurde, was auch unterstellt, dass das russische Militär Zivilisten töten wollte. Das wiederum dient zum Schulterschluss: „Wir werden weiterhin finanzielle, humanitäre sowie militärische Hilfe für die Ukraine bereitstellen, so lange es nötig ist. Wir werden nicht ruhen, ehe Russland seinen grausamen und sinnlosen Krieg gegen die Ukraine beendet.“

Der ukrainische Präsident Selenskij bezeichnete den Angriff am Montag in einer Ansprache an den G7-Gipfel gleich als Terroranschlag, in seiner gewohnten Überbietungsrhetorik als einen der schlimmsten in der europäischen Geschichte: „Es ist ein kalkulierter Angriff – genau auf dieses Einkaufszentrum“. Das sollte dazu dienen, Russland des Staatsterrorismus zu bezichtigen und entsprechende Emotionen zu wecken. Russland sei zur „größten Terrororganisation der Welt“ geworden. Selenskij durfte unter Protest von Russland einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zugeschaltet werden, auf der er forderte, Russland, das zu einem „Terrorstaat“ geworden sei, aus den Vereinten Nationen auszuschließen. In Krementschuk wollte Russland „so viele Menschen wie möglich töten“.

Russland habe kein Recht, an Diskussionen und Entscheidungen über den Ukraine-Krieg teilzunehmen, die Delegation des „Terrorstaates“ müsse ausgeschlossen werden. Man müsse Russland „auf globaler Ebene“ verfolgen. Selenskij ließ ein Video vom Einschlag einer Rakete veröffentlichen, das aber nicht genauer zeigt, wo sie einschlug. Natürlich wird der Vorfall verwendet, um weitere schwere Waffen aus dem Westen zu fordern.

Die Ukraine hat mit den USA, Albanien, Frankreich, Irland, Norwegen und Großbritannien nach der Sitzung des UN-Sicherheitsrats eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Wir verurteilen aufs Schärfste die Intensivierung der russischen Raketenangriffe auf das Hoheitsgebiet der Ukraine, die in der Zeit vom 25. bis 27. Juni 2022 Wohngebiete und zivile Infrastrukturen zum Ziel hatten. Wir verurteilen auf das Schärfste die Tötung von Zivilisten infolge dieser Raketenangriffe, insbesondere den Angriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in Krementschuk in der Region Poltawa in der Ukraine. Dieser Angriff war ein eklatanter Angriff auf die zivile Infrastruktur und die Zivilbevölkerung.“

Nach ukrainischen Angaben sollen in dem Einkaufszentrum mehr als tausend Menschen gewesen sein, andere sprechen, was realistischer klingt, von 200 bis 1000. Die meisten hätten wegen des Luftalarms das Gebäude verlassen, das durch den Brand zerstört wurde. Es soll 20 Tote und 60 Verletzte gegeben haben, 25 Menschen werden vermisst. Die Identifizierung der Leichen ist wegen der Verbrennungen schwierig. Die Russen sollen ein Marschflugkörper des Typs Raduga Ch-22 Burja (Х-22) von einem Langstreckenbomber Kursk Tu-22M3 abgeschossen haben. Der ukrainische Innenminister Denis Monastyrsky sagte, man wisse bereits die Vornamen der verantwortlichen Piloten. Es sei ein absichtlicher Angriff auf zivile Infrastruktur gewesen, weil es im Umkreis von 5 km keine militärische Einrichtung gebe. Kein Wort zu dem Straßenfahrzeugwerk Krementschuk in unmittelbarer Nähe, in dem Panzer repariert worden sein sollen, wie die NYT schreibt.

Die Präzisionsrakete X 22, die mit einem Atomsprengkopf ausgestattet werden kann,  hat eine Reichweite von 600 km, allerdings wurde die Genauigkeit der für Angriffe auf Flugzeugträger gedachten Raketen aus der Zeit der Sowjetunion vom britischen Verteidigungsministerium am 11. Juni als sehr ungenau eingestuft, wenn mit ihnen Ziele auf dem Boden angegriffen werden. Daher können erheblichen Kollateralschaden und zivile Opfer verursachen. Russland, so das britische Verteidigungsministerium, setze solche „ineffizienten“ Waffen ein, weil genauere und modernere Raketen nicht mehr genügend zur Verfügung stünden. Die ukrainische Luftabwehr könne taktische Kampfflugzeuge an Angriffen über einen Großteil des Landes hindern.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass tatsächlich am Montag Raketenengriffe auf Krementschuk stattgefunden haben. Schon zuvor waren industrielle Ziele und eine Ölraffinerie bombardiert worden. Jetzt seien Lager einer Industrieanlage, einer Maschinenfabrik, direkt hinter dem Einkaufszentrum mit „Hochpräzisionswaffen“ beschossen worden, in denen sich Waffen aus Europa und den USA sowie Munition befunden haben sollen. Generalleutnant Igor Konashenkov, der Sprecher des Verteidigungsministeriums, sagte, der Angriff habe Waffen und Munition, die in den Donbass geliefert werden sollten, vernichtet: „Die Explosion der für westliche Waffen gelagerten Munition hat einen Brand in dem in der Nähe der Fabrik gelegenen stillgelegten Einkaufszentrum verursacht.“ Die Version bekräftigte auch Außenminister Lawrow, der von einem leeren Einkaufszentrum sprach.

Google Maps mit dem Einkaufszentrum Amstor, der Fabrikanlage und dem Park oben in der Mitte. Waren die Russen womöglich getäuscht worden, weil sie Google Maps glaubten, dass Astor „Temporarily closed“ ist?

Damit wird behauptet, dass keine der beiden abgefeuerten Raketen in das Einkaufszentrum eingeschlagen und dass dieses nicht in Betrieb gewesen sei, also dass zumindest keine tausend Menschen in ihm waren. Tatsächlich liegt das Einkaufszentrum direkt an einer Industrieanlage, hinter der sich ein Park befindet.

Aus russischer Sicht war es also ein Kollateralschaden, kein absichtlicher Angriff. Wenn die alten „Hochpräzisionswaffen“ allerdings so ungenau sind, wie das britische Verteidigungsministerium behauptet, wäre deren Einsatz in einem Stadtgebiet zumindest fahrlässig, auch wenn man wirklich davon ausgegangen war, dass das Einkaufszentrum nicht geöffnet ist. Weder Konashenko noch Lawrow äußerte ein Wort des Bedauerns oder gar der Entschuldigung, was eigentlich zu erwarten sein sollte, da Russland der Angreifer ist und immer wieder betont, nicht auf zivile und nicht-militärische Gebäude  zu schießen. Auch weitere Aufklärung wurde nicht angekündigt.

Eine Х-22-Rakete unter einer ukrainischen Tu-22M-3. Bild: Oleg V. Belyakov/CC BY-SA-3.0

Russische Staatsmedien verbreiten zudem weiter die Äußerungen von Dmitry Polyansky, dem ersten stellvertretenden Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, dass es viele auffällige Ungereimtheiten in der Situation mit dem Einkaufszentrum gebe und sie einer Provokation wie in Butscha gleiche. Was man höchstens sagen kann, ist, dass Kiew sehr schnell auf den Raketenangriff reagierte, so dass man vermuten kann, dass die Interpretation als Terroranschlag schon vorbereitet war, um bei einem Anlass hervorgezogen zu werden.

Dass das Einkaufszentrum leer war, kann man wohl als Schutzbehauptung des russischen Militärs sehen. Nach ukrainischen Angaben waren am Tag des Angriffs im Einkaufszentrum „58 Registrierkassen in Betrieb, deren Gesamteinnahmen sich auf 2,9 Mio. UAH beliefen“. Polyansky verwies darauf, dass Fenster umliegender Gebäude intakt blieben und im Einkaufzentrum auf Videos auch noch gefüllte Regale zu sehen sind, was darauf hindeutet, dass der Einschlag in einiger Entfernung stattgefunden haben müsse. Wäre die Rakete im Einkaufszentrum direkt eingeschlagen, wäre davon nichts übriggeblieben, sagte er.

Oleksandr Khorunzhiy, ein Sprecher des staatlichen Notdienstes der Ukraine, sagte, dass die Missachtung des Luftalarms die hohe Zahl der Opfer mitverursacht habe. Alle müssten sofort das Gebäude verlassen, wenn es einen Alarm gibt. Offenbar wird das vielfach nicht mehr befolgt, Geschäfte und Menschen reagieren nicht mehr auf jeden Alarm. Im Fall des Einkaufszentrums scheint es so gewesen zu sein, dass gegen die Vorschriften am 23. Juni beschlossen wurde, es bei einem Fliegeralarm nicht mehr zu schließen.

Rakete kurz vor dem Einschlag. Screenshot aus dem Video

Unbezweifelbar ist, dass das Einkaufszentrum ausgebrannt und das Dach eingestürzt ist, fraglich ist, ob es direkt von einer Rakete getroffen wurde. Nach einem zwei Tage vor dem Angriff aufgenommenen Video sieht man, dass das Einkaufszentrum nicht geschlossen war. Ein Video zeigt, was ein Einschlagkrater sein könnte, der aber liegt nach Angaben des oppositionellen russischen Online-Magazins Meduza einen halben Kilometer entfernt vom Einkaufszentrum im Industriegelände. Bilder von Überwachungskameras des Parks zeigen die Einschläge. Eine Rakete ist auf dem Industriegelände eingeschlagen, was man daran sieht, dass in den Teich des benachbarten Parks Trümmerteile fliegen, bei der anderen ist unsicher, wo sie eingeschlagen ist, es könnte auch nahe am oder beim Einkaufszentrum sein. Etwa 60 Meter vom Einkaufszentrum entfernt, ist auf Google Maps ein größeres Gebäude zu sehen.

Ob, wie von russischer Seite behauptet, in den Fabrikhallen westliche Waffen und Munition gelagert waren und (zumindest teilweise) zerstört wurden, ist bislang unbekannt. Nach Bildern, die von Meduza ausgewertet wurden, war die erste Rakete in der Nähe des Einkaufszentrums eingeschlagen und die zweite einen Kilometer davon in ein Gebäude der Industrieanlage, die nach ukrainischen Angaben Teile für zivile Fahrzeuge herstellt,  das sich in der Nähe des Parks befindet. In beiden Fällen habe es keine sekundäre Explosion gegeben, wie dies der Fall sein müsste, wenn sich durch die Rakete Munition entzündet, so dass der Raketeneinschlag wahrscheinlich doch direkt das Einkaufszentrum in Brand gesetzt hat.

Bild: Sesu.ua

Meduza schreibt: „Aufgrund dessen, was am Ort der Explosionen gefunden wurde, ist es schwierig, auf einen ‚vorsätzlichen Angriff‘ auf das Einkaufszentrum zu schließen. Die Rakete traf Amstor nicht direkt. Der überfüllteste Teil des Einkaufszentrums – der Silpo-Supermarkt – wurde nach Angaben der Mitarbeiter des Zentrums in den ersten Minuten nach der Explosion fast nicht beschädigt (aber dann wurde er auch durch Feuer zerstört). Formal fanden die Explosionen beider Raketen auf dem Territorium eines benachbarten Werks statt – eine davon fiel jedoch in unmittelbarer Nähe von Amstor. Es ist logisch anzunehmen, dass das Werk das Ziel beider Schläge war.“

Weil es sich aber um höchst ungenaue Raketen handelt, könne der Angriff dennoch als Kriegsverbrechen gewertet werden, Kollateralschaden werden in Kauf genommen, Verfügbarkeit von Raketen, Effizienz und Kosten sind Hauptfaktoren. Nebenbei könnte die russische Luftwaffe auch aufgrund falscher Informationen das Werk angegriffen haben, in dem sich vielleicht keine westlichen Waffen und keine Munition befand.

Das britische Verteidigungsministerium unterstützt auch nicht die ukrainische und die G7-Version, dass es sich um einen gezielten Angriff auf das Einkaufszentrum handelte: „Es besteht die realistische Möglichkeit, dass der Raketenangriff auf das Einkaufszentrum von Krementschuk am 27. Juni 2022 ein nahe gelegenes Infrastrukturziel treffen sollte. Russlands Ungenauigkeit bei der Durchführung von Langstreckenangriffen hat schon früher zu massiven zivilen Opfern geführt, so auch am 9. April 2022 im Bahnhof von Kramatorsk. Die russischen Planer sind höchstwahrscheinlich weiterhin bereit, ein hohes Maß an Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, wenn sie die militärische Notwendigkeit eines Angriffs auf ein Ziel erkennen. Es ist so gut wie sicher, dass Russland weiterhin Angriffe durchführen wird, um den Nachschub für die ukrainischen Streitkräfte an der Front zu unterbinden.“

Man kann davon ausgehen, dass die Raketen Ziele in der Industrieanlage treffen sollten, dass aber die Ungenauigkeit der alten Raketen, die eben keine „Hochpräzisionswaffen“ sind, Ursache für die Zerstörung des Einkaufszentrums war. Von einem Terrorakt kann man nicht sprechen, auch nicht von einem absichtlichen Angriff auf die zivile Infrastruktur und die Zivilbevölkerung. Wohl aber von einer Gleichgültigkeit gegenüber dem hohen Risiko ziviler Opfer bei Verwendung solcher Waffen. Offenbar gehen den russischen Streitkräften eben die hochpräzisen Raketen aus, die Restbestände werden vermutlich nur für Angriffe auf sehr wichtige Ziele verwendet. Zudem braucht man sie, sollte es zu einer Ausweitung des Kriegs kommen. Eine Lüge ist, dass das Einkaufszentrum leer oder außer Betrieb gewesen sei, man also nicht mit zivilen Opfern rechnen musste.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

26 Kommentare

  1. Eine Nachricht, die von ARD zunächst falsch als russischer Angriff auf Donezk (!) bezeichnet wurde, ist von Reuters als ukrainischer Angriff durch Mehrfachraketenwerfer der ukrainischen Armee auf zivile Ziele in Donezk gesendet worden. ARD hat dies dann so unauffällig berichtigt, dass der normale Konsument nach wie vor an den russischen Angriff glauben wird.Es stimmt aber, dass Donezk vom 13. Juni an fortwährend Bombardierungen auf zivile Ziele mit wahllos getroffenen zivilen Opfern von einer entfernten ukrainischen Stadt aus ausgesetzt war. Getroffen wurden u.a. eine Geburtsklinik, ein Krankenhaus, Wohnungen und ein Markt, sowie später auch die Universität. Selenski sollte sich also mit seinen moralisierenden Heucheleien zurückhalten.

  2. „Russlands Ungenauigkeit bei der Durchführung von Langstreckenangriffen hat schon früher zu massiven zivilen Opfern geführt, so auch am 9. April 2022 im Bahnhof von Kramatorsk.“

    Herr Rötzer ich bin entzsetzt, dass Sie gar nicht mitbekommen haben, dass am Bahnhof von Kramatorst eine Ukrainische Rakete eingeschlagen war. Das war eine Tochka-U. Es gibt Bilder von der Rakete in Kramatorks.

    https://u-f.ru/sites/default/files/kramatorsk_0.jpg

    Ganz eindeutig eine Tochka. Vor dem Einschlag wirft die Tochka nehmlich ihr Hinterteil ab und das bleibt in der Nähe des Einschlags in der Regel fast unversehrt.

    Tochka-U ist eine alte ballistische Rakete aus der Sowjetzeit, die ist in Russland seit vielen Jahren bereits nicht mehr im Dienst. Die wurden in Russland schon vor langer Zeit durch leistungsstärkere und genauere Iskander ersetzt. Ukraine dagegen hat Tochka-U Raketen.

    https://avatars.mds.yandex.net/get-zen_brief/5108364/pub_6234a7b35991e4362c1cd094_6234b4875991e4362c31d54d/scale_1200

    Genaugenommen ist es die einzige ballistische Rakete die sie haben und die setzen sie auch regelmäßig ein, auch bereits vor dem 24. Februar gingen diese Dinger regelmäßig in der Ostukraine unter anderem auch in Kramatorsk runter. Am 14 März ging genauso eine Tochka-U mit verbotener Streumunition wie in Kramatorsk im Stadtzentrum von Donezk nieder. Es gab Dutzende Opfer. Oder soll das auch Russland gewesen sein?

    Die Seriennummer der Tochka-U-Rakete, die auf den Bahnhof in Kramatorsk fiel, ist im Netz aufgetaucht. Es handelt sich um die Rakete 9M79-1 mit der Seriennummer Sh91579.

    https://youtu.be/Hwt0491quho

    Auch vorher bereits setzte Ukraine Tochka-U Raketen aus der selben Serie ein. Die Raketen der Serien Sh91565 und Sh91566 wurden bereits 2015 auf zwei Städte in der Republik Luhansk – Alchevsk und Logvinovo – abgefeuert. Einige Jahre später, bereits im Jahr 2022, fielen Raketen der Serien Sh915611 und Sh915516 auf das Gebiet von Berdjansk und Melitopol.

    1. mh, ich muss mich wiederholen, das ist keine Aussage von mir, sondern ein Zitat aus dem Text des britischen Verteidigungsministeriums. Mir ging es hier nicht um Kramatorsk

      1. Mea Culpa 🙂 Entschuldigung.
        Zitat war etwas lang und es erweckte den Eindruck, dass es schon ihre eigene Meinung ist. Ich habe es geschrieben bevor Sie das klargestellt haben. Vieleicht kann man Zitate irgendwie einrücken oder anders formatieren um Irretationen zu vermeiden.

  3. Schon kühn zu behaupten, es sei eine Lüge, dass der Supermarkt nicht geöffnet hatte. Eine Lüge erfordert Vorsatz, was wäre der Gewinn, wenn der Supermarkt vorsätzlich bombardiert worden wäre.
    Im Artikel sind doch Möglichkeiten genannt, was alles hat schieflaufen können.
    Wieso sollen die Russen ihre besten Waffen bzw. Munition nicht einsetzen? Da sind die nicht besser als die Haubitzen, die die Ukraine einsetzt.
    Erstaunlich nur, wo die Ukraine überall sprechen darf und Russland eben nicht.

  4. Das mit der (unterlassenen) Entschuldigung hat eine gewisse Ironie: Seit wann entschuldigt man sich denn im Krieg voreinander? Hat sich die Ukraine für über 13 000 Tote im Donbass entschuldigt? Oder für die aktuellen Angriffe auf die Innenstadt von Donezk (die nach DVR-Angaben keine militärische Infrastruktur enthält)? Auch der Bahnhof von Kramatorsk soll der russischen Seite zufolge zur Zeit des Beschusses unter russischer Besetzung gestanden haben und von der Ukraine beschossen worden sein (wäre ja auch ein bißchen dumm, sich selbst zu beschießen)?

    Also nichts dagegen: ich bin unbedingt dafür, ein wenig Höflichkeit in die Kriegsführung einzuführen, so wie früher bei Duellen. Damals gab es noch so etwas wie Ehre. Dann hätten Kriege wieder Stil und würden mehr auf Augenhöhe geführt. Heute sind Kriege ja fast mehr Informationsschlachten, die von denen gewonnen werden, die besser lügen können. Das ein Kriegsgrund erfunden war, stellt sich ja immer erst hinterher raus, wenn es keinen mehr interessiert. Von Ehre keine Spur. Stattdessen versuchen die Propaganda-Abteilungen, sich gegenseitig etwas in die Schuhe zu schieben.

  5. In diesem Zusammenhang auch Interessant:

    Von der offiziellen Homepage der Stadt Kremenchug ein Artikel aus dem Jahr 2014 in welchem berichtet wird, dass das Maschinenwerk „Kredmash“, welches das Ziel der Angriffe gewesen ist, der Ukrainischen Armee als Reparaturwerkstatt für Panzer dient.

    https://kremenchug.ua/news/kaleidoscope/29215-na-kredmashe-otremontirovali-i-peredali-v-zonu-ato-tri-btra.html

    Daraus Übersetzung

    Drei reparierte gepanzerte Mannschaftstransportwagen wurden von Mitarbeitern des Krementschuker Werks für Straßenfahrzeuge Kredmash an Soldaten der 92. mechanisierten Brigade übergeben. Die gepanzerten Mannschaftstransportwagen BTR-70 waren lange Zeit eingelagert und daher nicht mehr einsatzfähig. Das Unternehmen Kredmash hat sich verpflichtet, die Kampffahrzeuge kostenlos zu reparieren, teilte das RMC des ukrainischen Verteidigungsministeriums mit.

    Ob da nun wirklich aus dem Westen gelieferte Waffen gelagert wurden ist in sofern unerheblich. Eine Panzerreparaturwerkstatt ist ein legitimes militärisches Ziel und es ist auch ein Kriegsverbrechen ein solches Ziel nur 90 Meter neben einem Einkaufszentrum zu betreiben in welchem angeblich reger Betrieb hersche.

    Auch interessant: Der Regierungschef der Region Poltava Dmitro Lunin twitterte am 27. Juni auf seinem Telegram Kanal, dass die Anzahl der Opfer des Raketenangriffs in Krementchuk auf 11 gestiegen sei.

    https://t.me/DMYTROLUNIN/2712

    Von wegen also Selensky mit seiner Aussage von mehr als Tausend Opfer.

  6. Die Behauptungen über die Ungenauigkeit der Raketen sind NATO-Propaganda. Da selbst das fanatisch antirussische Meduza-Portal (aus den baltischen Nazi-Shitholes) einräumt, dass beide Treffer das Gelände getroffen haben, spricht das nicht wirklich für mangelnde Genauigkeit. Auch die Behauptung fehlender Sekundärexplosionen ist zweifelhaft. Beide Videos von den Einschlägen zeigen heftige, sehr breite und hoch reichende schwarze Rauchentwicklung unmittelbar nach den Treffern, was darauf schliessen lässt, dass da etwas deutlich getroffen wurde. Auch kein Indiz für Zufallstreffer.

    Ob das Einkaufszentrum geöffnet hatte, ist unklar. Google Maps hat es bis kurz nach dem Brand als geschlossen markiert, danach wurde der Eintrag entsprechend dem NATO-Narrativ umgefälscht. Sicher, ein Google-Eintrag beweist nichts, die geschmeidige Fälschung weckt aber Argwohn.

    Soweit zutrifft, dass sich Bürger und Geschäftsleute in der Ukraine nicht sehr um Luftalarme sorgen, widerlegt das die Geschichte von den russischen Kriegsverbrechen. Offenbar haben die Ukrainer Vertrauen in die russische Strategie des Angriffs nur auf militärische Ziele, wo immer es geht.

    Bei allem Respekt vor Florian Rötzer, mit juristischen Einschätzungen über Kriegsverbrechen sollte er sich mehr zurückhalten. Soweit die russische Seite Anhaltspunkte für die Lagerung von Kriegsmaterial oder die Nutzung des Standorts als Reparaturstation der Streitkräfte oder beides hatte, war das ein legitimes Ziel, das auch mit ausreichender Genauigkeit getroffen wurde. Bei ukrainischem Beschuss der zivilen Ziele im Donbass, auch der Siedlungen, die gerade geräumt wurden, ist das nicht der Fall. Die Ukrainer betreiben allen Berichten, auch ukrainerseits, gemäss, eine Taktik der verbrannten Erde. Das sind nachweislich Kriegsverbrechen, wie auch Einquartierung von Soldaten in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern.

  7. Warum ist es ein Problem wenn „Hochpräzisionswaffen“ nicht so hochpräzise sind? Ich erinnere mich an den Irakkrieg unserer „Befreier“und seinen oft zitieren, hochpräzisen „chirurgischen“ Schlägen – bei denen dann in Summe Hunderttausende ihr Leben ließen. Da hat sich damals auch niemand dran gestört. Außerdem stimme ich Lawrow zu – verschiedene Quellen berichten daß das Einkaufszentrum seit Monaten permanent geschlossen ist.

  8. Zitat
    Ein Video zeigt, was ein Einschlagkrater sein könnte…

    Eben. Also dieser Krater auf dem Video ist ja mindestens so groß wie das ganze Einkaufszentrum und dann meint man es habe keine sekundäre Explosion gegeben? Man sollte nicht Alles was Meduza schreibt einfach unhinterfragt übernehmen.

    Zitat:
    Ob, wie von russischer Seite behauptet, in den Fabrikhallen westliche Waffen und Munition gelagert waren und (zumindest teilweise) zerstört wurden, ist bislang unbekannt. Nach Bildern, die von Meduza ausgewertet wurden, war die erste Rakete in der Nähe des Einkaufszentrums eingeschlagen und die zweite einen Kilometer davon in ein Gebäude der Industrieanlage, die nach ukrainischen Angaben Teile für zivile Fahrzeuge herstellt, das sich in der Nähe des Parks befindet. In beiden Fällen habe es keine sekundäre Explosion gegeben, wie dies der Fall sein müsste, wenn sich durch die Rakete Munition entzündet, so dass der Raketeneinschlag wahrscheinlich doch direkt das Einkaufszentrum in Brand gesetzt hat.

  9. Um das noch einmal zu betonen: Die Behauptung eines Angriffs auf das Einkaufszentrum ist eine so offenkundige Lüge, dass nicht einmal das antirussische Propagandaportal Meduza es wagt, sie zu bestätigen. Dass Zelensky ein notorischer Lügner ist, ist nicht neu. Dass aber alle NATO-Staatschefs, die immerhin über Nachrichtendienste verfügen, diese irre Behauptung honorieren, ist erschreckend.

    Nach Berichten von Einwohnern begann das Einkaufszentrum erst 10-20 Minuten nach dem Einschlag zu brennen. Damit im Einklang stehen erste Twitter- und Telegrambilder, die die nur moderat brennende Vorderseite mit genau einem Feuerwehrfahrzeug, ein paar geparkten Autos und herumstehenden Schaulustigen zeigen, später einige Soldaten in Kampfanzug mit automatischen Waffen. Ein volles Einkaufszentrum, aus dem verzweifelte Menschen herausstürzen, sieht nicht so aus.

    Dass ein so billiges Fake nicht auf medialen Widerspruch stösst, sagt viel aus.

  10. Einspruch! Im Text wird der Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk als Versehen der Russen dargestellt. War schon eine Weile her. Im Netz gibt es aber Fotos von der Treibstufe dieser Rakete, welche sie als Rakete der Ukraine ausweisen solle. Auch habe man anhand der getrennten Ballistik von Projektil und Treibstufe auf den Startort der Rakete schließen können. Und der war in ukrainischem Gebiet. Also bitte etwas „unauffälliger“ Russlandbasing verbreiten. Oder kommt jetzt die Einrede, den Russen könne man eh nicht glauben. Wieso eigentlich dann den Ukrainern?

      1. Achso… Ok, der zitierte Absatz ist etwas zu lang, daher merkt man nicht, dass es ein Zitat ist und es etnsteht der Eindruck, das sei ihre eigene Meinung. Vielleicht wäre es besser es in indirekte Rede zu stellen.

    1. „Und der war auf ukrainischem Gebiet.“ Was beweist das? Die Russen stehen ja auf dem Gebiet der Ukraine.
      Kann man mal vergessen.

      1. Nett getrollt. Aber der Standort, der sich aus der Trajektorie der Tochka-U ergab, lag auf zu der Zeit (und immer noch) von ukrainischen Truppen besetztem Gebiet der Oblast Donezk. Das kannst Du nicht mehr verdrehen.

        1. Ich bin sehr froh, dass solch drollige Ermittler wie du, mit Hilfe des Internets, den Fall gelöst habt.
          Glaubt’s du das was du da schreibst?
          Oje.

  11. > „Es ist logisch anzunehmen, dass das Werk das Ziel beider Streiks war.“

    Es ist logisch anzunehmen, dass man automatische Übersetzungen nochmal auf Ungereimtheiten querliest. 😉

    deepl und Co. nehmen in der Regel Englisch als Zwischensprache, und da bedeutet „strike“ eben „Streik“ oder eben auch, wie hier eigentlich, „Schlag“ oder „Angriff“ …

  12. Das Video belegt eigentlich, dass durch die Wucht, die Energie und der Sprengkraft der Rakete durch einen direkten Treffer unmittelbar alle Stützpfeiler eingestürzt wären, die gesamte Dachkonstruktion wäre , wie durch Kräfte , vergleichbar mit denen wie eines Erdbebens, durch eine Stoßwelle über die gesamte Bodenplatte auf alle Gebäudeteile übertragen worden, eingestürzt , im Gebäude hätte es auf Grund der hohen kinetischen Energie einen Einschlagtrichter von mehreren Metern Tiefe gegeben, alle Deckenplatten aus Blech wären wie ein Schweizer Käse durchsiebt worden und in Stücke zerfetzt worden, es hätte keine ganzen Fenster gegeben bzw. noch Flaschen in Regalen ,die Druckwelle hätte nicht nur sämtliche Fenster zerstört, es wären von den 1000 Besuchern Hunderte in Sekunden durch die Explosionswelle und Feuerwelle getötet worden!
    Das Gebäude wäre in Sekunden kollabiert, der Parkplatz vor dem Einkaufszentrum wäre mit massiven Trümmerteilen übersät gewesen!
    Gott sei Dank waren weder 1000 Zivilisten in dem Einkaufszentrum, noch war es ein direkter Treffer!
    Das kann jeder am Video selbst überprüfen!
    Reduzieren Sie dazu die Wiedergabegeschwindigkeit des Videos auf 0,25!
    Dann können Sie nach der schrecklichen Zerstörungsgewalt der Rakete zwischen der 5-ten und der 6-ten Sekunde nach dem Einschlag hinter den Bäumen ganz kurzzeitig eine gelblich und eine rötliche angestrahlte Fläche von der Rückwand des Einkaufzentrums sehen!
    Die Rakete schlug also außerhalb des Einkaufszentrums ein und zerstörte also die Bahngleise in der Fabrikanlage!
    Die Nebenwirkungen (Verletzte und Tote) – den Brand und den Einsturz des Einkaufszentrums – können wir nur dann verhindern, wenn wir versuchen alle Kriege – unsere und die der Russe-verhindern, und zwar alle!

  13. Mein Gott…. immer dieses Gejammere. Es herrscht Krieg und im Krieg gelten nun mal keine Regeln. Null! Keine!
    In einem Krieg zählt nur eines, man darf ihn unter gar keinen Umständen verlieren! „Unsere“ Medien beschreiben nicht das was passiert, sondern das was passt. Und die Masse der Blöden will genau sowas glauben.
    Wer das für ein Problem hält über das es sich zu ärgern lohnt, der soll mir antworten, wie er diese Realität denn zu ändern beabsichtigt!

    Wer nicht möchte, dass seine Regierung Krieg führt, der muss halt Politiker wählen von denen er weiss, dass sie keinen Krieg führen würde. Gibts im deutschen Wahl-Angebot nicht? Na, dann halt Pech gehabt, ihr Woken, ihr politisch Korrekten, ihr Manga Liebhaber und Gamer….
    Das Volk, das dieses Gesindel gewählt hat, muss halt jetzt auch damit leben, inkl. „Putin“ Inflation und exkl. Putin Gas. Es ist nur gerecht…

    Aber sich über Lügen und Propaganda aufzuregen, zeigt eine dermassen absurdes Missverständnis dessen, was ein Krieg ist, dass man nur den Kopf schütteln kann und das einen zur Einsicht bringen kann, warum es denn so weit kommen konnte!

  14. Es gibt Videos zu dem Vorgang, die zeigen aufgeschreckte Menschen und Vögel in einem Park. Einen solchen scheint es hinter den Lagerhallen zu geben. Auf anderen Videos sind Menschen vor dem brennenden Einkaufszentrum zu sehen, die ziemlich ruhig herumlaufen, etwa wie Gaffer. Menschen die in Panik das Gebäude verlassen, geschockte und weinende Menschen, sieht man nicht. Es stehen auch nicht viele Autos davor. Das alles ist am ehesten mit der russischen Darstellung vereinbar.

  15. Tja, einerseits ist es stets die gnadenlose Überlegenheit der RF in Sachen schwerer Waffen, andererseits kommt kaum ein westlicher Artikel umhin, geradezu bedauern festzustellen, wie veraltet diese sind…
    Ich bin kein Experte für Militärtechnologie (als alter Verweigerer) habe aber mittlerweile auf verschiedenen amerikanischen und britischen Seiten gelesen, dass es ein wesentliches Ziel der Nato wäre, eine möglichst große Zahl moderner russischer Waffen vernichtet zu sehen, sowie nähere Erkenntnisse zu erlangen, wie groß die Produktionskapazitäten dieser Waffen sind.
    Russland verweigert sich dieser Absicht und führt im wesentlichen einen artilleriegestützten 50er-Jahre Retrokrieg.
    Dass die Natonahen Medien dies zum Anlass nehmen, Russland schwach zu reden, ist kein Wunder.
    Das Herr Rötzer darin einstimmt, befremdet jedoch etwas.

  16. 58 Registrierkassen seien in Betrieb gewesen. Aber der nicht allzu riesige Parkplatz vor dem Einkaufszentrum war nahezu leer, die wenigen Autos verlieren sich darauf. Sind da fast tausend Kunden zu Fuss gekommen?

    Im Netz finden sich auch Kommentare zum Einkaufszentrum – aber nur bis Kriegsbeginn. Danach herrscht Stille. Bis zum Angriff auf die Fabrik, der auch im ukrainischen Fernsehen dokumentiert ist, wird das Einkaufszentrum bei Google als geschlossen angezeigt, seitdem als offen.

    Fazit – üble Kriegspropaganda.

  17. Wie bereits Günter Germi und letztlich ja sogar Meduza schrieben ist die Rakete offenbar unmittelbar hinter der Einkaufszentrum eingeschlagen. Ca. 15 Meter hinter der rechten hinteren Ecke des Gebäudes des Einkaufszentrums verlaufen Bahngleise, die offenbar einen Werksanschluss der Krementschuker Straßenfahrzeugfabrik Kredmasch darstellen.
    Aus Laufaufnahmen lässt sich nun ersehen, dass dort der Einschlag erfolgte.
    Siehe:
    > https://t.me/VasiletsDmitriy/2760

    Es bleibt das Geheimnis der russischen Armeeführung, warum sie schrittweise dazu übergegangen ist, Raketenangriffe auf Ziele in ukrainischen Städten am helligten Tag (hier 15:50 Uhr Ortszeit) durchzuführen.
    Es sei vielleicht daran erinnert, dass am 20. März das Kiewer Einkaufzentrum „Retroville“ von den russ. Raketentruppen gezielt angegriffen worden war, weil die Ukrainer dort – nachweislich Fotobeweis – Raketenwerfer nebst Munition untergestellt hatten.
    Das gerade mal zwei Jahre zuvor eröffnete Gebäude wurde komplett zerstört; der Angriff war allerdings um 23:00 Uhr Ortszeit erfolgt, so dass keine Zivilisten zu schaden kamen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert