Ukrainische Piloten: Predator- und Bayraktar-Drohnen sind nicht mehr hilfreich

Bild: DoD

Die Diskussion über die militärische Unterstützung der Ukraine kreist derzeit um weitreichende Artilleriesysteme, Radarsysteme, Raketen-, Panzer- und Schiffabwehrwaffen. Im Stellungskrieg im Donbass werden vor allem Artilleriesysteme gebraucht, da die russischen Streitkräfte, die als Angreifer personell unterlegen sind, dies durch überlegene Feuerkapazitäten kompensieren. Mit weitreichenden Artilleriesystemen wie dem MARS-Mehrfachraketenwerfer der Bundeswehr kann der Beschuss von russischen Stellungen auch aus sicherer Entfernung erfolgen, zudem können Kommando- und Nachschubzentren hinter der Front zerstört werden. Aber auch wenn Russland den Luftraum nicht vollständig kontrolliert, bleibt die Überlegenheit der russischen Luftwaffe und der russischen Kurz- und Mittelstreckenraketen.

Zu Beginn des Krieges hatte Kiew vom Westen die Lieferung von Kampfflugzeugen und die Schließung des Luftraums gefordert. Da Letzteres bedeuten würde, dass die Nato direkt zur Kriegspartei würde und Nato-Piloten über der Ukraine abgeschossen werden könnten, blieb die Lieferung von Kampfflugzeugen bestehen, was freilich von Russland auch als Kriegsbeteiligung gesehen werden könnte. Im Westen wurde dies bislang nicht bewilligt, da es auch schwierig wäre, die Flugzeuge in die Ukraine zu bringen. Allerdings ist verwunderlich, dass Russland entweder die Lieferwege in die Ukraine nicht kennt oder zögert, sie zu zerstören.

Man kann sich sowieso auch fragen, warum eine kriegsführende Partei, die auch vor dem Beschuss von zivilen Strukturen nicht zurückschreckt, nicht schon längst die Bahnverbindung von Polen nach Kiew unterbunden oder wichtige Straßen in die Westukraine nicht unpassierbar gemacht hat. Gibt es geheime Vereinbarungen zwischen der Nato und Russland, also gemeinsame Interessen an den Krieg? Russland hat bislang nur Lager bombardiert, an denen sich angeblich Waffen aus dem Westen befanden, aber nicht die Transportwege, zumindest nur wenige Bahnverbindungen. Die Zurückhaltung bedeutet schließlich, dass man die eigenen Truppen gefährdet. Oder fehlen schlicht die Informationen oder die Präzisionsraketen?

Zwei ukrainische Luftwaffenpiloten haben mit Medienvertretern gesprochen und interessanterweise gesagt, dass Kampfdrohnen wie die türkischen Bayraktar TB2, die erst einmal als Wunderwaffe galten, weitgehend wirkungslos geworden seien. Auch von amerikanischen Predator-Drohnen hielten sie nicht viel, wichtiger wären ihnen neue Kampfflugzeuge wie F-16. Die Argumentation ist ganz interessant. Die USA wollten der Ukraine einige Predator-Drohnen mit Hellfire-Raketen verkaufen.

Die Situation in der Ukraine gleiche nicht der in Afghanistan. Eine Predator-Drohne würde sofort abgeschossen werden. Predator-Drohnen seien überdies sehr teuer, das würde bei Bayraktar TB2 nicht so eine große Rolle spielen, sie seien aber wegen der russischen Luftverteidigung fast nutzlos geworden. Vermutlich wurde die Ölraffinerie in Novoshakhtinsk im russischen Grenzgebiet zur Ukraine von zwei Skyeye 5000mm-Kamikazedrohnen in Brand gesteckt, die man online möglicherweise bei Alibaba für ein paar Tausend Dollar kaufen kann. Sie könnten in der Ukraine umgerüstet worden sein. Wenn dies so sein sollte, dann hätte die Ukraine jetzt die Möglichkeit, mit kommerziellen Drohnen Ziele in Russland anzugreifen, die 150 km über russisch kontrolliertes Gebiet fliegen könnten.  Drohnen werden vermutlich eine wichtige Möglichkeit für Terror- oder Sabotageanschläge auf russischem Territorium und auf den von Russland besetzten Gebieten werden.

Die ukrainischen Piloten jedenfalls sehen keinen Vorteil der großen Predatordrohnen gegenüber den kleinen  Drohnen Switchblade und Phoenix Ghost, die auch Ziele in geringer Entfernung  zerstören können und viel flexibler einsetzbar sind, weil sie u.a. keinen Flugplatz zum Starten und Landen benötigen. Aber sie glauben, es sei sinnvoll, schon jetzt ukrainische Soldaten auszubilden, um westliche Kampfflugzeuge zu fliegen. Frägt sich nur, welche möglicherweise in die Ukraine geliefert werden – und wie Russland auf die Lieferung von Kampfflugzeugen reagieren wird.

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9 Kommentare

  1. Wie schwer ist es, das zu verstehen? Russland sagt, es führe keinen Krieg gegen die Ukraine. Da scheint doch etwas daran zu sein, sonst würde das Land längst in Schutt und Asche liegen. Das geht einfach in unsere westlichen Köpfe nicht herein.

    1. Wie schwer ist es, das zu verstehen? Russland sagt, es führe keinen Krieg gegen die Ukraine. Da scheint doch etwas daran zu sein, sonst würde das Land längst in Schutt und Asche liegen.
      Diese Meinung ist an Naivität wirklich nicht zu übertreffen. Wobei hier im Forum vielleicht doch. Freiwillige vor.

      1. Ich bin freiwillig. Was ist denn naiv und wie stellt es sich dar? Gibt es noch ein inhaltliches Argument oder ist Naivität deine Spezialität?

        1. Peter, ab wieviel Zerstörung nennt man es Krieg? Wenn eine Stadt zerstört ist, fünf, oder zwanzig? Oder wenn ein Familienmitglied von…. nennen wir ihn Peter…. getötet wurde?
          Sag mir Bescheid ab wann du es Krieg nennst, ich bin gespannt.

  2. Die Zurückhaltung bei der Zerstörung der Lieferwege ist schon schwer zu verstehen, da deren Zerstörung ja nicht annähernd bedeuten würde, „das Land in Schutt und Asche zu legen“.

  3. Offenbar geht es nur darum, den Krieg so oder so zu eskalieren, weil man die Niederlage nicht anerkennen will. Aber die Gegenseite kann auch eskalieren, Potential ist da. Allmählich fallen dann sämtliche Hemmungen und am Ende macht man den Atomkrieg.

    Wo soll das enden?

  4. „Man kann sich sowieso auch fragen, warum eine kriegsführende Partei, die auch vor dem Beschuss von zivilen Strukturen nicht zurückschreckt, nicht schon längst die Bahnverbindung von Polen nach Kiew unterbunden (…)“ Herr Rötzer, wollen Sie, den Krieg auf Polen ausweiten? Wohl doch eher nicht. Und was innerukrainische Bahnlinien anbelangt, haben die Russen bereits diverse Bahnumspannwerke und Diesellager zerstört, es gibt also keinen Grund für Spekulationen. Ein beträchtlicher Teil der Lieferungen wird umgehend vernichtet, vor ein paar Tagen etwa ein Dutzend 155mm-Panzerhaubitzen.

    Täglich sterben bis zu Hunderte ukrainische Militärangehörige, von den Verletzten nicht zu reden. Die russischen Verluste sind aufgrund der massiven Feuerüberlegenheit vergleichsweise bescheiden. Immer öfter ist auch von Desertion oder sich ergebenden Truppenteilen die Rede, verständlicherweise sinkt die ukrainische Moral stetig. Es geht langsam, aber stets in dieselbe Richtung, nun ist schon die nächste Stadt – Lysichansk – praktisch eingekreist.

    Dass eine Kleindrohne der russischen Flugabwehr entwischt, ist wohl nicht zu verhindern, auf den Kriegsverlauf haben vereinzelt in Russland angerichtete Schäden keinen Einfluss. Grossdrohnen hat man weitgehend im Griff, was nun auch die Ukrainer selbst zugestehen. Immer noch gilt, was schon am ersten Kriegstag galt, nur eine ukrainische Kapitulation kann das Land retten. Daran ändert die eifrige westliche Beteiligung nichts. Sie ist zynisch und kontraproduktiv.

  5. Es wäre wichtig die Versorgungs- und Transportwege der Westukraine zu zerstören. Aber es passiert nicht, ich tippe mal auf ungehorsame verräterische Generäle!

    Wie auch sonst bleiben russische Drohungen, die ukrainischen Entscheidungszentren zu zertören, aus?

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