Stellungnahme des Kraftwerks Opole (Oppeln): „Notfall-Abschaltung bedeutet kein Auslaufen von Flüssigkeiten“

Kohlekraftwerk Opole. Bild: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz/CC BY-SA-4.0

Vor zwei Tagen hatten wir über merkwürdige Unfälle und Abschaltungen im riesigen Kohlekraftwerk Opole berichtet, die im Zusammenhang mit dem massenhaften Fischsterben in der Oder stehen können (Fischsterben in der Oder: Eine Spur führt nach Opole). Mit einiger Verzögerung kam inzwischen die Antwort der Betreiberfirma, PGE (Polska Grupa Energetyczna S.A), an der der polnische Staat 57 Prozent der Anteile hält.

In ihrer Stellungnahme bestätigen sie alle von uns vorgetragenen Fakten:

„On the night of 25th July 2022 power unit no. 5 at Opole Power Plant was disconnected from the transmission grid according to plan in order to conduct diagnostic works on one of technological systems of the power unit. The diagnostic works took approx. 3 hours and the power unit was synchronized with the transmission grid immediately after they had been completed.“

Übersetzung: „In der Nacht zum 25.07.2022 wurde der Block Nr. 5 im Kraftwerk Opole vom Übertragungsnetz getrennt, gemäß des Plans, um Diagnosearbeiten an einem der technologischen Systeme des Kraftwerksblocks durchzuführen. Diese Diagnosarbeiten dauerten ca. 3 Stunden und das Aggregat wurde unmittelbar nach Abschluss mit dem Übertragungsnetz wieder synchronisiert.“

Der Grund für diese Abschaltung war ein „loser Kesselbetrieb“ gewesen, wie wir geschrieben haben. Das wurde nicht weiter kommentiert, kann also als gesichert gelten. Auch den Unfall vom 1. August bestätigten sie:

„On 1st August 2022 at 3:44 p.m., power unit no. 5 was shut down due to the activation of one of safety devices as a result of measuring the exhaust temperature. Once the cause of activating the safety devices had been identified, the power unit was activated and resynchronized with the transmission grid after approx. 4 hours.“

Übersetzung: „Am 1. August 2022 um 15:44 Uhr, wurde der Block Nr. 5 aufgrund der Aktivierung einer der Sicherheitsvorrichtungen infolge der Messung der Abgastemperatur abgeschaltet. Nachdem die Ursache für die Aktivierung der Sicherheitseinrichtungen identifiziert war, wurde er nach ca. 4 Stunden wieder aktiviert.“

Genau. Das war die Notfall-Reparatur, die „emergency repair“. PGE behautet, dass „solche Ereignisse in kommerziellen Kraftwerken nichts Außergewöhnliches seien“ und dass „keine Abschaltung, auch keine Notabschaltung, ein Auslaufen von Flüssigkeiten bedeutet. Die aktuelle Situation an der Oder steht in keinem Zusammenhang mit den Aktivitäten des Kraftwerks Opole.“

Es steht nunmehr fest, dass im fraglichen Zeitraum im Kraftwerk Opole mindestens ein Block außerplanmäßig zweimal abgeschaltet wurde. Dass die Betreiber jeden Zusammenhang mit der Umweltkatastrophe von sich weisen ist wenig überraschend, da die polnischen wie die deutschen Behörden die Hände in den Schoß legen.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

9 Kommentare

  1. Das Augenmerk auf dieses Kraftwerkspannen zu konzentrieren ist doch Bullsheet, denn was soll da an toxischen Substanzen schon entstehen und auslaufen? Solche Prozeduren sind doch schon X-mal vorgekommen, ohne schädliche Umwelteinflüsse zu verursachen

    Die Polen haben da wahrscheinlich mit hoch geheimen militärischen Zeug einer großen Militärmacht experimentieren dürfen – vergleichbar in etwa mit den nun nicht mehr so heimlichen Biolaboren der Yankees in der Ukraine.

    Dort in Polen wurde probehalber ein Gift eingeleitet, dass noch keiner kennt, und dessen Zielgruppe momentan eben nur Fische sind – später kann man das experimentell so variieren ob dann Menschen wie Fliegen von der Wand fallen.

    1. Vielleicht sollte mal jemand der Spur zum Rüstungskonzern Bumar Labedy nachgehen, der u.a. Panzer herstellt. Da gäbe es genug Anlass von deutschen und polnischen Behörden, einen Unfall zu vertuschen:

      „Das Portal Onet berichtet wiederum, dass Ende Juli das Umweltamt in Katowice Ermittlungen eingeleitet haben soll gegen das Rüstungsunternehmen Labedy in Gliwice, das im Verdacht steht, die Oder verschmutzt zu haben. Angeblich wurden polnische Umweltbehörden schon im März aktiv, als erste tote Fische aus der Oder gefischt wurden.“
      https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/polnischer-bergbaukonzern-soll-riesige-mengen-salzwasser-in-die-oder-gekippt-haben-breaking-news-oder-odra-li.257874

    2. „Das Augenmerk auf dieses Kraftwerkspannen zu konzentrieren ist doch Bullsheet, denn was soll da an toxischen Substanzen schon entstehen und auslaufen?“

      In Dampfkraftwerken wird in nicht unwesentlichen Mengen Hydrazin zur Kesselspeisewasser-Aufbereitung eingesetzt. Das kann schon mal auskommen und die Fische mögen es nicht so ….

      https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrazin

      1. Hydrazin ist zwar sehr toxisch, aber auch sehr leicht nachweisbar – wenn das also ursächlich gewesen wäre, hätte man das inzwischen längst raus gefunden.
        Für die Kesselwasser Aufbereitung verwendet man heute schon lange andere und besser wirkende Mittel.

        Außerdem solltest du dich mal mit der Frage beschäftigen, warum nur Fische betroffen sind und nicht auch andere Gewässerbewohner, wie Vögel, Biber oder Bisamratten usw.

    1. Zur Neutralisation von Abwässern wir in vielen Industriebetrieben Salz eingesetzt. Je nach PH-Wert des Vorproduktes.
      Wenn es da zur Panne/Falschdosierung kommt kann das an sich nicht sehr gefährliche Salz das Fischsterben über die Algen auslösen.
      Die Dosis macht das Gift.

      1. Erhöhten Salzgehalt hätte man eigentlich schnell festgestellt. Man findet ja nichts Verdächtiges, weder im Wasser noch in den toten Fischen. Daher dachte ich, vielleicht ist die Wassertemperatur das Problem gewesen. Könnte sein, dass wegen einer Panne zu warmes Abwasser in den Fluss geleitet wurde.

        1. In den Kommentaren zu Gaby Webers erstem Artikel finden sich ausreichend Links zu den Messreihen, die sowohl die sprunghafte Änderung der Leitfähigkeit des Oderwassers (durch den Salzgehalt) als auch des pH-Wertes (durch basisch wirkende gelöste Stoffe) belegen. Was von den staatlichen Umweltlaboren beider Länder bisher NICHT bekannt gegeben wurde, ist, WELCHE Salze und WELCHE basischen Stoffe das genau sind – dies würde nämlich ganz schnell Rückschlüsse auf den Verursacher ermöglichen, weil man ungefähr weiß, in welcher Prozeßkette welche Stoffe verwendet werden… DAS sind also die Stellen, wo wirklich massiv gemauert wird. Wäre doch toll, wenn Gaby Weber da dran bleiben würde! Viel Erfolg weiterhin!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.