StarLink und Co: Mega-Konstellationen von Satelliten vermüllen den erdnahen Weltraum, die Atmosphäre und die Umwelt

Raketenstart mit StarLink-Satelliten. Bild: SpaceX

Die Satelliten haben nur eine Lebensdauer von 5 Jahren, müssen ständig ausgewechselt werden, 200 Tonnen würden, wenn die geplanten 12.000 im Weltraum sind, täglich in die Erdatmosphäre eintreten.

 

Elon Musks StarLink hat von der US-Behörde FCC die Genehmigung erhalten, 42.000 Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen. Bislang  wurden 1900 der relativ kleinen und billigen Satelliten in den Weltraum gebracht. Bis 2025 sollen es 12.000 werden.

Sie haben eine kurze Lebensdauer von gerade einmal 5 Jahren, die Satellitennetzwerke müssen also schnell und regelmäßig mit neuen Satelliten bestückt und die alten entsorgt werden, was angeblich durch einen gezielten Eintritt in die Erdatmosphäre durch Verglühen geschehen soll. Auch falls das vollständig klappen sollte, wird durch das Verglühen Feinstaub freigesetzt, der sich ebenso wie die vielen Raketenstarts schädlich auf das Klima auswirken kann.

Aber es werden auch nicht alle in die Erdatmosphäre stürzen und manche manövrierunfähig werden, sondern als Weltraumschrott den um die Erde kreisenden Müll vermehren. Nach einer Statistik des Astronomen Jonathan McDowell sind von den bislang auf eine Umlaufbahn gebrachten 1944 Satelliten nur 1793 noch auf der Umlaufbahn. 28 sind schon in die Erdatmosphäre eingetreten, bevor sie die Umlaufbahn erreicht haben, 117 hatten sie erreicht, wurden aber gesteuert in die Erdatmosphäre gelenkt, möglicherweise weil sie defekt waren. 6 sind unkontrolliert in die Erdatmosphäre eingetreten. Das schon ein hoher Ausschuss. Bei 26 noch in der Umlaufbahn befindlichen Satelliten funktioniert die Steuerung nicht, 3 arbeiten nicht korrekt und sind für den Wiedereintritt vorgesehen.  In der vorgesehen Position befinden sich 1468. Nach einer weiteren Darstellung, die angibt, wo sich welche Satelliten befinden, sind 1512 StarLink-Satelliten im Weltraum, davon 1241 operational.

Wir hatten schon berichtet, dass China sich Anfang Dezember  in einem Brief an das Weltraumbüro der Vereinten Nationen (United Nations Office for Outer Space Affairs – UNOOSA)  überStarLink beschwert hatte. Zweimal seien StarLink-Satelliten der im Aufbau befindlichen chinesischen Weltraumstation gefährlich nahe gekommen. Im Juli und im August hätten Ausweichmanöver durchgeführt werden müssen, die Satelliten würden eine Gefahr für die chinesischen Astronauten und für die bemannte Raumfahrt  darstellen. Moniert wurde auch, dass alle Mitgliedsländer des Outer Space Treaty „internationale Verantwortung“ für staatliche oder kommerzielle Objekte im Weltraum trügen.

Kurz danach hatte ESA-Chef Josef Aschbacherin einem Interview moniert, dass Elon Musk mit SpaceX und StarLink Fakten im Weltraum schaffen, beispielsweise was nutzbare Frequenzen und Orbitalpositionen  betrifft. Europäische Staaten sollten aufhören, dies zu unterstützen.

Ein Sprecher des US-Außenministers erklärte nach Newsweek zur Beschwerde Chinas,  das amerikanische Weltraumkommando habe keine gefährliche Annäherung von StarLink-Satelliten an die chinesische Weltraumstation beobachtet. Man setzte sich „für nachhaltige, regelbasierte Aktivitäten im Weltraum ein, unabhängig davon, ob diese Aktivitäten von Regierungen oder dem Privatsektor durchgeführt werden“. Zudem gebe man seit 2010 Informationen zur Sicherheit von Raumfahrtflügen an China weiter.

Elon Musk will sowieso keine Probleme sehen. Es gebe doch Platz auf erdnahen Umlaufbahnen für Milliarden von Satelliten: „Der Weltraum ist extrem riesig und die Satelliten sind sehr winzig“, sagte er der Financial Times. „Es liegt keine Situation vor, wo wir wirklich andere auf irgendeine Weise blockieren. Wir haben niemanden gehindert, irgendetwas zu tun, und wir erwarten das auch nicht.“ StarLink sagt auch, die Satelliten würden automatisch Ausweichmanöver durchführen, um Kollisionen zu vermeiden.

Nicht nur China sieht die künftige Überflutung erdnaher Umlaufbahnen mit Satelliten von StarLink, Amazon und Co. als problematisch an. Aaron Boley und Michael Byers vom Outer Space Institute an der University of British Columbia warnten in einem in den Scientific Reports veröffentlichten Paper vor den Risiken:

„Mega-Konstellationen bestehen aus in Massenproduktion hergestellten Satelliten mit wenigen Backup-Systemen. Dieses Modell der Unterhaltungselektronik ermöglicht kurze Aktualisierungszyklen und rasche Erweiterungen der Fähigkeiten, aber auch eine beträchtliche Menge an ausrangierten Geräten. SpaceX wird seine Satelliten am Ende ihrer fünf- bis sechsjährigen Betriebsdauer aktiv aus dem Orbit entfernen. Dieser Prozess dauert jedoch 6 Monate, so dass etwa 10 % der Satelliten jederzeit aus der Umlaufbahn ausscheiden werden. Wenn andere Unternehmen dies ebenfalls tun, werden Tausende von Satelliten, die sich aus der Umlaufbahn entfernen, langsam durch denselben überfüllten Raum fliegen und Kollisionsrisiken bergen. Fehlschläge werden diese Zahlen noch erhöhen.“

Satellitennetzwerke als Geoengineering-Experiment?

Mit den Mega-Konstellationen werden sich auch Kollisionen mit Meteoriten häufen. Bei 12000 Satelliten bestehe eine 50prozentige Wahrscheinlich für 15 Kollisionen pro Jahr. Zudem gebe es keine Regeln im Weltraum, wer Vorfahrt hat und welche Entfernung als sicher gilt. Gefordert wird eine multilaterale Gesetzgebung. Wichtig sei Kooperation zwischen allen Beteiligten, da alle Raumfahrtstaaten und Unternehmen zum Problem beitragen, dass Satelliten und Weltraumstationen gefährdet sind. Ein aktives Management sei notwendig. China hatte sich beschwert, keine Antwort auf Anfrage von StarLink erhalten zu haben. Schon 2019 musste die ESA einen Satelliten manövrieren, um eine mögliche Kollision mit einem StarLink-Satelliten zu vermeiden. Überdies hatte sich StarLink provokativ geweigert, die Bahn seines Satelliten zu verändern.

Aaron Boley und Michael Byers weisen auch auf die vielen Umweltbelastungen durch die Raketen beim Starten und den Wiedereintritt von Raketen und Satelliten hin. Auch wenn Raketen und Satelliten in der Atmosphäre verglühen, bleiben die Materialien erhalten, beispielsweise Aluminium, das sich in der Atmosphäre anreichert und den Planeten mit unbekannten Folgen abkühlen könnte. Bei 12.000 Satelliten mit einem Gewicht von je 260 kg würden täglich bei einer Lebenszeit der Satelliten von 5 Jahren fast 2000 Tonnen Gesamtmasse mit einem hohen Anteil an Aluminium  wieder in die Atmosphäre eintreten. Es gibt Geoengineering-Pläne, die Klimaerwärmung mit Aluminiumoxid als Nanoüartikel in der Atmosphäre zu reduzieren. Die Autoren bezeichnen dies als „unkontrolliertes Experiment“.

Noch ist die Erststufe nicht aller Raketen wiederverwendbar, so dass sie ins Meer stürzt. Die Erststufe der SpaceX-Raketen sind wiederverwendbar, nicht aber die zweite Stufe, die zwar kontrolliert in die Atmosphäre eintreten und in abgelegenen Teilen der Meere deponiert werden, die dadurch zur Müllhalde werden, wenn jährlich Tausende von Raketenstufen mit teils gefährlichen Materialien hier verschwinden. Verantwortlich für die Müllbeseitigung ist natürlich niemand. Dazu kommt, dass StarLink weltweit den Datenverkehr massiv erhöhen will, wenn allen überall Computerspiele und hochaufgelöstes Fernsehen angeboten werden sollen. Jetzt schon steigt der Energieverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien um jährlich 9 Prozent, der Anteil an den Treibhausgasemissionen liegt bei 4 Prozent.

Sowohl im Weltraum als auch auf der Erde findet wieder einmal eine Tragödie der Allmende (tragedy of the commons) statt.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

Ein Kommentar

  1. Als ich das erste Mal von diesen Ideen hörte, stellte ich mir vor, daß sich hier eine riesige
    metallische Abschirmung – grobmaschig aber nicht wirkungslos – des Erdballs ausbilden würde. Neben den genannten Auswirkungen könnte es demnach nach auch eine
    Reflexion von Erdwärmestrahlung geben, die uns zusätzlich Aufheizung beschert – ist nur so ein Gedanke … Freundlich Grüße und ein gesundes neues Jahr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.