Siegesfeier am 9. Mai in Mariupol abgesagt

Mariupol nach den Kämpfen.

Viele Gerüchte gab es über die geplante Feier zum Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ in Mariupol, zuvor war schon die in Donezk abgesagt worden. Russland kann offenbar keine Siege im Krieg  gegen die Ukraine feiern, die nicht schal wirken würden.

 

 

In Mariupol will der Kreml angeblich eine „Siegesparade“ am 9. Mai durchführen, dem Tag des Sieges im „Großen Vaterländischen Sieg“ gegen das Nazideutschland. Das sagte das ukrainische Cenrte of Defense Strategies, das auch behauptet, dass deswegen die Straßen gesäubert, Minen und Leichen beseitigt würden.

Zuständig sei Sergei Kiriyenko, Vizechef der russischen Präsidialverwaltung, der seit kurzem der Kremlchef für den Donbass geworden sein soll, und der von den Russen eingesetzte Bürgermeister Kostiantyn Ivashchenko, dem von der Ukraine als Verräter lebenslängliche Haftstrafe droht. Demonstriert werden soll durch die Feierlichkeiten die Freude der Bevölkerung über die „Befreiung“. Die Times will vom ukrainischen Centre of Defense Strategie überdies gehört haben, dass auf der Parade auch 500 Kriegsgefangene, darunter die drei britischen, vorgeführt werden soll.

Die ukrainische Stadtverwaltung fordert die Menschen in Mariupol dazu auf, nicht an der Siegesparade teilzunehmen. Russland würde eine False-flag-Aktion in Form eines Raketenangriffs auf die Teilnehmer planen.

Ob das stimmt, ist wie so vieles fraglich, da die Wirklichkeit des Kriegs in der Ukraine von zwei fast hermetisch abgedichteten Blasen der strategischen Kommunikation verschleiert wird. Die angeblich unabhängigen Journalisten sympathisieren in der Regel mit einer der beiden Seiten, weil man entweder aus dem einen oder dem anderen Gebiet berichten kann. Was die Siegesparade betrifft, so handelt es sich eigentlich nicht um eine neue Meldung, obwohl das in den westlichen Medien so erscheint. Schon Anfang April wurde von einem Berater des  schon länger aus der Stadt geflohenen Bürgermeisters von Mariupol behauptet, dass am 9. Mai eine Parade geplant sei.

Jetzt scheint aber die Entscheidung gefallen zu sein. Kreml-Sprecher Peskow erklärte heute, dass die Siegesfeier in diesem Jahr nicht stattfinden könne. Gut möglich, dass die neuen Machthaber störte, dass die Stadt noch nicht völlig erobert wurde und weiterhin Asovstal verteidigt wird. Das würde Siegesfeiern trüben.

Während in der von Kiew kontrollierten Ukraine eine „Derussifizierung“ betrieben wird, um alle Zeichen und die Kultur Russland und der Sowjetunion zu beseitigen, haben die russischen Besatzer umgekehrt mit einer „Deukrainisierung“ begonnen. So werden in Mariupol ukrainische Schilder entfernt und durch solche in russischer Sprache ersetzt. Angeblich werden auch an den Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnernde Denkmäler und Gedenktafeln in der Stadt hergerichtet. An Bewohner werden St.-Georgs-Bänder verteilt.

Versucht wird, Schäden und Trümmer zu beseitigen,  Minen zu räumen, Häuser wieder herzurichten, eine Verwaltung zu etablieren, Schulen, Krankenhäuser und Supermärkte zu öffnen und ein Leben unter russischer Kontrolle zu organisieren. Dazu gehören auch Kontrollen vor allem der Männer, die „filtriert“ werden. 10 Prozent der Häuser müssen nach Angaben des neuen Bürgermeisters abgerissen werden, die neue Verwaltung muss vor allem die Wohnungsfrage lösen und die zerstörte Infrastruktur wie Wasser- und Stromversorgung wiederherstellen. Wie viele Menschen sich noch in Mariupol aufhalten, ist nicht bekannt. Schätzungen schwanken zwischen 100.000 und 200.000.

Es fliehen allerdings weiter Menschen aus Mariupol. Gestern sind 500 Bewohner vom Roten Kreuz und der UN evakuiert worden, wie UN-Generalsekretär Guterres berichtet. Er hofft auf weitere Koordination zwischen Moskau und Kiew, um weitere Zivilisten sicher zu evakuieren. Nach russischen Angaben wurden die Menschen nach Bezymennoe gebracht. Der Bürochef des ukrainischen Präsidenten Andriy Yermak meldete dies als Ergebnis der ukrainischen Bemühungen: „Wir haben die nächste Phase einer komplexen Operation zur Evakuierung von Menschen aus Mariupol und Asowstal durchgeführt. Ich kann sagen, dass es uns gelungen ist, fast 500 Zivilisten zu evakuieren. Die Ukraine wird weiterhin alles tun, um alle Zivilisten und Militärs zu retten. Vielen Dank für die Hilfe der UN.“

Denis Pushilin, der Chef der „Volksrepublik Donezk“ (DNR), die von Russland als hauptverantwortlich für die besetzten Gebiete und Mariupol bezeichnet wird, hat vor kurzem erklärt, man würde in Donezk die Siegesparade erst nach dem Ende des Kriegs, d.h. nach der „vollständigen Befreiung des Gebiets der Volksrepublik Donezk von den ukrainischen Besetzern“, begehen. Das geschehe aus Sicherheitsgründen, der Gegner sei ein „Kriegsverbrecher“, der sicher einen Angriff auf die Menschenmengen begehen werde. Die DNR-Verwaltung warnt davor, am 9.5. und 11.5., dem „Tag der Volksrepublik Donezk“, an Massenveranstaltungen teilzunehmen.

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6 Kommentare

  1. „So werden in Mariupol ukrainische Schilder entfernt und durch solche in russischer Sprache ersetzt.“

    Es wird der Zustand vor dem Staatsstreich wieder herstellt.

    Und was die „Wirklichkeit des Krieges“ angeht, so lohnt die Lektüre dieser beiden Artikel, um ein den Mainstream ergänzendes Bild zu bekommen.

    https://www.moonofalabama.org/2022/05/ukraines-forces-are-told-to-hold-the-line-where-russian-artillery-is-pulverizing-them.html#more

    https://abrahamstein.substack.com/p/russia-is-defeating-ukraine-usa-and?s=r

    1. Derartiges passt nicht ins Narrativ, ist nichts desto trotz plausibel. Moderne Kriege sind auch immer logistisch, weil sie mit ungeheurem Materialaufwand verbunden sind. Da ist die russische Seite klar im Vorteil.

      Und alles was der Westen unternimmt, wirkt wie improvisiertes Stückwerk. Diese Waffenlieferungen, die unter schwierigsten Bedingungen an die Front im Osten gebracht werden müssen, die oft nicht genutzt werden können, weil die Technik unbekannt ist oder wie beim Gepard, kann nicht mal Munition geliefert werden, es sei denn, man setzt sich über das Verbot der Schweizer hinweg.
      Alles was mit diesen Waffengeschenken erreicht wird, sind mehr Opfer und mehr Zerstörung.

    2. Hatte den ersten Artikel bereits bei Telepolis gefunden und gelesen. Sehr empfehlenswert!

      Kann z.Z. bei Telepolis leider nicht mehr aktiv mitmachen, nach vier „Rauswürfen“ gewehrt Heise mir keine Schreiberlaubnis mehr. Dabei habe ich nur Videos von Brezensky, Friedman usw. verlinkt. Ach bei Links von Annalena ist Heise auch sensible.

  2. Ich finde es nicht hilfreich. Es ist hilfreicher, die Schilder zweisprachig zu machen. Man muss doch jetzt nicht den gleichen Müll der Ukrainer mit einem anderen Vorzeichen wiederholen. Und es täte niemandem weh. Im Gegenteil, es würde Respekt vor der Situation demonstrieren, dass dort Menschen leben, die sich mit der ukrainischen oder russischen Kultur identifizieren und gemeinsam leben, gemeinsam die Stadt aufräumen, gemeinsam leiden, gemeinsam auf eine Zukunft der Stadt und Frieden hoffen.

    1. Вы не поняли, что ДНР – это давно не Украина? Так зачем там надписи на чужом языке? В Германии полно русских, но там же дорожные указатели не пишут по-русски.

  3. Es wurde von ukrainischer Seite offen mit einem Angriff auf eine Parade zum 9.Mai in Mariupol gedroht. Nichts mit False Flag.

    In Cherson und Melitopol finden z.B. Feierlichkeiten statt, aber die Luftabwehr ist ziemlich aktiv, wie in Telegram zu sehen ist..

    Es geht also in Donezk und Mariupol wohl eher um den Schutz von Menschenleben.

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