Sicherere Städte mit ShotSpotter und automatisierten Drohnen?

Die Drohnen von Airobotics fliegen automatisch von der Dockingstation ab, landen auf ihr selbständig uznd laden sich auf. Screenshot von Airobotics-YouTube-Video.

In Israel sollen, wenn das ShotSpotter Schüsse in der Stadt, sofort automatisierte Drohnen zum  Tatort fliegen, um Polizei und Rettungsdienste visuelle Informationen zu liefern. In den USA ist ShotSpotter umstritten, da die Daten auch als forensische Mittel dienen.

Amerikanische Städte sind wegen der weiten Verbreitung von Schusswaffen mitunter gefährliche Orte, was auch mit dazu beiträgt, dass sich mehr Menschen bewaffnen. In 120 amerikanischen Städten gibt es bereits ein KI-gestütztes Sensornetzwerk von ShotSpotter, das mit seiner „Präzisionspolizeitechnik“ erkennt, wenn irgendwo geschossen und die Polizei alarmiert. Informiert wird über die genaue Stelle, so dass Sicherheits- und Rettungskräfte schnell anrücken können.

Verhindert werden durch die Mikrofone an Gebäuden, Telefonmasten und Straßenlaternen natürlich keine Schießereien, aber versprochen wird dennoch eine Reduzierung der Kriminalität, schnellere Hilfe für Verletzte und Verhaftung von mehr Tätern. Daten von ShotSpotter werden vor Gericht auch als Beweismittel betrachtet.

Seit einiger Zeit wird jedoch die Wirksamkeit von ShotSpotter, das Städten hohe Ausgaben beschert, in Zweifel gezogen. Die Abdeckung eines Quadratkilometers kann bis zu 260.000 US-Dollar jährlich kosten. Nach einer Untersuchung der Nachrichtenagentur AP werden Schüsse keineswegs eindeutig identifiziert, mitunter gar nicht registriert und auch die Zahl wird nicht immer erkannt. Es wurden manche irrtümlich wegen ShotSpotter beschuldigt, geschossen zu haben. Überdies verändern manchmal die Angestellten den Ort und die Zahl der Schüsse. Die verwendeten Algorithmen sind Betriebsgeheimnis, daher kann das System nicht unabhängig überprüft werden.

Nach einer im April veröffentlichten Studie, die ShotSpotter in 68 Städten untersuchte, kam zum Ergebnis: „ShotSpotter zeigte nicht bei allen Ergebnissen eine schützende Wirkung. In Counties in Staaten mit Gesetzen zum Erwerb von Schusswaffen ging die Inzidenz von Morden mit Schusswaffen um 15 % zurück, während sie in Counties in Staaten mit Gesetzen zum Führen von Schusswaffen um 21 % anstieg. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einführung der ShotSpotter-Technologie keine signifikante Auswirkung auf schusswaffenbedingte Tötungsdelikte oder Verhaftungen hat. Politische Lösungen könnten eine kosteneffizientere Maßnahme zur Verringerung der Schusswaffengewalt in Städten darstellen.“

Einsatz von ShotSpotter. Screenshot von ShotSpotter-YouTube-Video

Eine andere Studie konnte keine Vorteile für die Opfer erkennen, was die Schnelligkeit der Einlieferung ins Krankenhaus und die Behandlung davor betrifft.  Eine weitere Studie stellte eine kürzere Reaktionszeit bei Polizei und Notarzt sowie eine schnellere Einlieferung ins Krankenhaus fest. In Chicago wurde hingegen das System, für das die Stadt jährlich 11 Millionen ausgibt,  vom Büro des Generalinspektors als ineffektiv beurteilt. Die negative Berichterstattung ist für das Unternehmen Desinformation.

Das kalifornische Unternehmen ShotSpotter hat sich jetzt mit dem israelischen Drohnenbauer Airobotics  zusammengetan. Airobotics bietet „automatisierte“ Drohnen mit einer Dockingstation an, die selbständig losfliegen und landen, sich aufladen und Daten/Bilder in Echtzeit für viele Zwecke, u.a. Überwachung, Inspektion und Sicherheit, vornehmlich von Unternehmen einsetzbar sind.  Das Unternehmen wirbt auch damit, dass seine Drohnen  praktisch alle Aufgaben eines Polizeihubschraubers erfüllen könnten, sie seien aber viel billiger und umweltfreundlicher.

Beide Firmen wollen nun israelischen Städten eine „bessere technische Lösung“ für Schusswaffenkriminalität anbieten. ShotSpotter baut sein Netzwerk an akustischen Senorsen auf. Wenn Schüsse identifiziert werden, gehen die Daten in Echtzeit an die Drohnen, die dann sofort zum Tatort fliegen, um Polizei oder Notfallwagen, die unterwegs sind, wichtige visuelle Informationen liefern. Das sei „eine integrierte Lösung zur Entdeckung, Lokalisierung und Alarmierung der Polizei bei Schusswaffenvorfällen“.

Wahrscheinlich werden solche technischen Lösungen bald mit Drohnen geschehen, die gleich mit Elektroschockwaffen oder selbst mit Schusswaffen eingreifen können. In den USA ist auch bereits ein Bodenroboter zum Schutz gegen Schulschießereien im Einsatz, der auch mit Taserwaffen ausgerüstet werden kann. Und man könnte über Schießereien auch andere verdächtige Geräusche identifizierenm um frühzeitig aggressives Verhalten gegen Menschen oder Gegenständen oder unangemeldete Proteste bzw. „Spaziergänge“ zu entdecken.

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