Seit den 1960er Jahren sind die Sommer 30 Tage länger geworden

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Dass eine Klimaerwärmung stattfindet, die sich auch daran zeigt, dass der Frühling früher beginnt und der Herbst nach hinten rutscht, werden höchstens hartgesottene Leugner bestreiten. Aber jeder, der einige Jahrzehnte auf dieser Erde gelebt hat, konnte diese Veränderungen schrittweise beobachten. Wissenschaftler der University of British Columbia haben die Daten zur globalen Temperatur seit 1961 untersucht und kommen zu dem Ergebnis, dass in den mittleren Breiten sommerliche Bedingungen seitdem 30 Tage länger herrschen. Seit 1990 kamen jedes Jahrzehnt 5-7 Tage hinzu.

Die Sommer über Land und Meer werden nicht nur immer länger, die Veränderungen werden auch schneller und es wird mehr Hitze akkumuliert, am meisten im Inland. Überdies beginnen und enden die Sommer plötzlicher, was den Öksystemen und auch den Menschen weniger Zeit zur Anpassung gibt.

Die Studie ist in den Environmental Research Letters erschienen. Verwendet wurden die Messdaten von ECMWF ERA5 für die mittleren Breiten (23.5°–70° im Norden und  23.5°–70° im Süden, tropische und polare Regionen wurden ausgeschlossen). Die Sommerzeit wurde für jeden Messpunkt unterschiedlich bestimmt. Zugrundegelegt wurde der Temperaturschwellenwert, den die Tagestemperaturen während des Referenzzeitraums 1961–1990 in 75 Prozent der Fälle überschritten. Wenn die Temperaturen diese Linie überschritten, hatte der Sommer begonnen, wenn sie wieder darunter fielen, war der Sommer vorbei.

Berechnet wurden Sommeranfang und -ende für das Inland, die Küste und das Meer. Zwischen 1961 und 2023 wurden die Sommer allgemein um 30 Tage länger, wobei die Erwärmung wenig überraschend in der Zeit von 1990-2023 mit 4,4 Tagen pro Jahrzehnt auf der Nordhalbkugel schneller voranschritt als zwischen 1961 und 1990 mit 0,8 Tagen. Am längsten war die Zunahme im Inland von 2,1 Tagen auf 5,1.  Auf der Südhalbkugel wurde der Sommer noch schneller länger mit der Zunahme von 5,2 Jahren pro Jahrzehnt, allerdings ging die Zunahme von 8,8 Tagen 1961-1990 auf 6,9 Tage zurück. Auf dem Ozean erfolgte die Zunahme in der ganzen Zeit mit 4,8 Tagen pro Jahrzehnt am schnellsten. Auf der Nordhalbkugel von –0.4 (1961-1990) auf 6.6 Tage (1990-2023), auf der Südhalbkugel ging es auch dort von 9,3 auf 6,9 Tage zurück.

Wichtig ist die akkumulierte Wärme, d.h. die Wärme, die sich während eines gesamten Sommers oberhalb der Temperaturschwelle ergibt. Sie nahm überall im Inland, an der Küste und über dem Meer zu. Über dem Land der nördlichen Halbkugel sind das 44 Grad-Celsius-Tage seit 1990, im Unterschied zu erst 14 Gradtagen 1961–1990. Rechnet man das auf einen drei Monate langen Sommer um, ergibt sich eine Erwärmung um etwa 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Die akkumulierte Wärme nahm auf der Nordhalbkugel über Land und an der Küste 1990–2023 dreimal so schnell wie 1961–1990 zu.

Die Wissenschaftler schreiben: „Das Verständnis der Muster des Sommerwachstums ist für die Anpassung von entscheidender Bedeutung, da ein früherer Beginn und ein späterer Rückgang die Wahrscheinlichkeit einer früheren Schneeschmelze, längerer Dürreperioden, längerer und kostspieligerer Waldbrandsaisons sowie eines höheren Kühlbedarfs erhöhen können. Der zunehmend abrupte Übergang vom Frühling zum Sommer und vom Sommer zum Herbst, den diese Studie erstmals dokumentiert, lässt den Systemen, die von diesen Übergängen abhängig sind, weniger Zeit, sich anzupassen.“

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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5 Kommentare

  1. Nun kommt das von der Columbia-Universität, nicht unbedingt die vorderste Reihe der Klimaforschung. Sie verwendet leicht zugängliche Daten, die keinen Forschungsaufwand benötigen. Aber wo ist das IPCC, die NASA und die EPA, das amerikanische Umweltinstitut? Von denen hört man nichts mehr. Kein Wunder, die haben von Trump einen Maulkorb bekommen. Erst hieß es, die NASA dürfe all ihre Klimadaten seit 1980 und auch die aktuellen nicht mehr veröffentlichen. KI meint, es sei nicht ganz so schlimm, also quasi sei es nur ein Dreiviertelmaulkorb. Was unter diesem Umständen schon Anlass zum Aufatmen ist.
    Aber aus den Nachrichten sind sie verschwunden, auch in Europa. Und jetzt kriechen wieder die aus den Löchern, die die alten Stories von EIKE nochmal aufwärmen. Die kalte Sonne und sowas. Alles vor über zehn Jahren längst widerlegt. Aber jetzt probieren sie es wieder.
    Und natürlich die Atomfritzen, ebenfalls mit den alten Lügen. Wäre ja ein Wunder, wenn nicht.

    1. Das hat aber eben vor allem damit zu tun, daß diese „Quellen“ es mit der Propaganda vom „menschgemachten Klimawandel“ in den letzten 20 Jahren extrem übertrieben haben. Das IPCC ist mit seinem Sendungsbewußtsein einfach nicht satisfaktionsfähig. Und die NASA ist zuletzt damit aufgefallen, daß Forscher, die sich die alten Daten mal angeschaut haben, dabei feststellten, daß diese im Vergleich zu den originalen Veröffentlichungen dazu verändert worden waren. Man hat also Meßwerte (!!!), die für sich (und die damalige Meßmethoden) stehen, im Nachhinein abgeändert, also in Wunschwerte verwandelt, um die aktuellen Temperaturen noch stärker zu dramatisieren. Das ist das Gegenteil von seriöser Wissenschaft.

      Und so gehen leider viele „seriöse“ Institutionen mit den Daten um. Der Deutsche Wetterdienst etwa benutzt in seinen Meldungen immer noch (oder immer wieder) die „Referenzperiode“ 1961-1990 (eine überdurchschnittlich kühle Zeit), um die heutigen Temperaturdaten zu vergleichen, statt die tatsächlich „international verbindliche“ von 1991- 2020. Und leider bedient Herr Rötzer in seinem Artikel denselben Fehler. Und da geht dann bspw. unter, daß wir jetzt den dritten kühlen Winter in Folge hatten. Denn das paßt nicht ins Narrativ der verbrennenden Erde….

  2. Und? Ist das jetzt gut oder schlecht, der längere Sommer? Was hätten wir denn gerne? Winter bis weit in den Mai? wie im 18. und 19. Jahrhundert? Wochenlange Kälte von bis Minus 30°C bei massiven Schneefall?

    “ 1805 Nach einem regenreichen Sommer fällt Ende Oktober viel Schnee. Scharfer Frost läßt die Kartoffeln im Boden einfrieren. Es folgt ein strenger Winter.“ besser ?

    „1790 Es regnet von Mitte Juni bis Anfang September fast ununterbrochen.“

    „1824 Im Januar und Februar herrschen sommerliche Temperaturen. Im April liegt eine Woche Schnee. Der Sommer ist aber kühl. “

    —> http://www.bad-sachsa-geschichte.de/index.php?option=com_content&view=article&id=41&Itemid=67

    Wen man sich die verfügbaren Wetteraufzeichnungen der letzten 500 Jahre anschaut, leben wir in einer Zeit eines recht ruhigen Klimas…

  3. Ob so kurze Zeiträume eine relevante Rolle spielen, sei mal dahingestellt. Man müsste schon die letzten 2000 – 3000 Jahre betrachten. Heute wird der Natur vorgerechnet, wie viel Regen im Monat X zu fallen hat, wieviele Sonnenstunden der Monat haben soll – bei Abweichungen stimmt dann was mit der Natur nicht. Klima war nie stabil, wäre es die letzte Million Jahre so gewesen, würden wir immer noch auf Bäumen hausen, den heutigen Menschen gäbe es nicht. Nur in der Statistik läuft der Klimawandel so schön linear ab, in Wirklichkeit dürfte es völlig chaotisch zugehen. Sonst braucht man keine Wissenschaft.

  4. Nun ja, was aber heißt das nun? Haben wir in 40 Jahren dann 60 Tage mehr Sommer und verdorrt alles? Ich halte nichts von linearen Extrapolationen dynamischer Systeme.

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