Sanktionskrieg der USA

Filanovsky-Ölfeld im Kaspischen Meer. Bild: Lukoil

 

Trotz der gegen Russland verhängten Sanktionen hat das Land im Krieg mit der Ukraine im Laufe des Aprils mehr Öl exportiert als ein Jahr zuvor. Im April wurden nach Rückgängen im März mit 8,1 Millionen Barrel täglich (mb/d) 620.000 Barrel mehr exportiert, auch wenn nach Europa weniger russisches Öl verkauft wurde. Russland hat wegen des erhöhten Ölpreises, der allerdings im April wieder gesunken ist, weil die USA und andere Staaten Ölreserven auf den Markt brachten, 50 Prozent höhere Einnahmen im April im Vergleich zum Vorjahr erzielt. Monatlich soll Russland nach der Internationalen Energieagentur 20 Milliarden Dollar durch Ölexporte erzielen.

Allerdings ist das wahrscheinlich nur ein Zwischenhoch, denn die Förderung von Öl sank im April um 9 Prozent auf 9,16 Millionen Barrel am Tag. Das weltweite Ölangebot ist dadurch um 710 kb/d auf 98,1 mb/d zurückging. Die IEA erwartet, dass das Ölangebot wegen erhöhter Förderung der Länder, Russland ausgeschlossen, von Mai bis Dezember um 3,1 mb/d steigen wird. Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, in den amerikanischen Ölkrieg gegen Russland nicht einzusteigen. Nach der Vereinbarung von OPEC+ hätte die Förderung bei 10,3 Millionen liegen können, aber es mussten wegen der Sanktionen bereits einige Ölquellen geschlossen werden. Das wird nach Prognosen noch weiter nach unten gehen, wenn Europa als Hauptabnehmer weniger oder kein russisches Öl mehr abnimmt, was Exporte in andere Länder wie China oder Indien nicht ersetzen können.

Russland hat nach Beginn des Kriegs einen Handelsüberschuss realisiert und steuert auf einen Rekord zu. Jeden Tag nimmt es geschätzte 1 Milliarde an Auslandswährungen ein. Die Exporte sind um 8 Prozent gestiegen, laut Business Insider. Der entscheidende Grund für den Handelsüberschuss ist aber der wegen der Sanktionen um geschätzte 44 Prozent eingebrochene Import. So stieg im April in China der Import aus Russland um 56 Prozent an, während der Export nach Russland um ein Viertel zurückging. Die deutschen Exporte nach Russland fielen um 62 Prozent, der Import aus Russland nur um 3 Prozent. Auch wenn Russland keine Geldnöte hat, kann es nicht kaufen, was es benötigt. Und auffällig ist auch, dass Exporte nach Russland aus Ländern wie China zurückgehen, die sich den Sanktionen nicht angeschlossen haben. Das dürfte daran liegen, dass Unternehmen fürchten, selbst unter die Sanktionen fallen zu können. Paul Krugman ist daher überzeugt oder hofft, dass Russland militärisch und wirtschaftlich auf der Verliererseite steht.

In den USA wird  überlegt, wie man die Ölexporte weiter reduzieren könnte, um Russland zu schwächen, was Absicht des Krieges und der Sanktionen ist und wofür die USA gerade wieder 40 Milliarden US-Dollar zur militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine ausgeben. Um Russland in die Zahlungsunfähigkeit zu treiben, will das US-Finanzministerium eine Ausnahmeregelung, die am 25. Mai ausläuft, nicht verlängern. Damit konnte Russland trotz der Sanktionen noch Schulden bei amerikanischen Investoren bedienen. Sollte die Möglichkeit blockiert werden, will Russland seine Schulden in Rubel bezahlen. Unklar ist, ob dadurch eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden könnte.

Und auch bei den Ölexporten will Washington den Hahn möglichst weit zudrehen. Überlegt wird, Ländern, die russisches Öl trotz der amerikanischen Sanktionen importieren, mit sekundären Sanktionen zu drohen, keine Geschäfte mehr mit amerikanischen Firmen und denen der Alliierten machen zu können. So wurde schon gegen den Iran vorgegangen, ohne Effekt allerdings. Damit würden die USA sich mit Indien, China oder der Türkei konfrontieren. Eine indirekte Möglichkeit wäre, dass Staaten nicht mehr als einen bestimmten, von Washington gesetzten Preis für russisches Öl zahlen dürfen oder dass ein hoher Zoll erhoben wird. Ganz unterbinden würde Washington die russischen Ölexporte aber nicht, weil das die Preise in die Höhe schießen lassen würde. Russland verkauft sein Öl nun zu Dumpingpreisen, aber macht damit noch Gewinne.

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6 Kommentare

  1. Was deutlich wird, ist eher die Verzweiflung der USA als das Problem von Russland. Wie sehr der Bedarf an Rohstoffen unabhängig, ob aus Russland oder woanders her ist auch. Mehr noch, was, wenn die Wirtschaft wächst?
    Sicher richtig ist, dass Russland erheblichen Druck hat, bisher notwendigerweise eingeführte Waren selbst herzustellen oder die daraus entstehende Probleme anders zu lösen. Das muss allerdings nicht zu hundert Prozent negativ sein. Auch denke ich das die Zeit für die Ziele der Russen läuft.
    In dem Zusammenhang sollten immer auch die Probleme des Krieges wie Flucht und Zerstörung bei keinerlei Einnahmen gesehen werden. Auch mit den Flüchtlingen wird sich einiges zuspitzen.
    Eines ist auch sicher, der Kapitalismus wird sich die Extraprofite, die in Russland zu erzielen sein werden nicht entgehen lassen.

    1. Russland hat eigentlich kaum Druck die Waren selbst herzustellen. Denn auch unsere Vorzeigemarken haben häufig ihren Produktionsursprung in Asien und zu dieser Region hat Russland ein besseres Verhältnis als wir. Sie werden die Artikel zwar nicht unter dem Label bekommen, aber ansonsten wird sich für die Russen nichts ändern. Vermutlich bekommen sie die Artikel sogar noch günstiger, weil die Gewinnspanne der westlichen Konzerne fehlt. Es wäre daher sogar möglich, sollte Russland irgendwann wieder Zugang zum westlichen Markt bekommen, das ihre Hausmarken hier mehr gefragt sein werden, als das Original, da ein Etikett von jedermann schnell ausgetauscht ist. Die Sanktionspolitik wird den westlichen Konzernen also noch sehr teuer zu stehen kommen, weil sich nun eine russische Konkurrenz entwickelt, gegen die sie nicht bestehen können, wobei die Produkte gar nicht aus Russland kommen müssen. Russland muss also bereits aus wirtschaftlichen Gründe vom westlichen Markt weiter isoliert werden und das geht nur mit einem eisernen Vorhang. Doch langfristig muss sich der Westen wieder dem russischen Markt öffnen, da Russland die Rohstoffe hat, die der Westen dringend braucht. Es wird der Tag kommen, wo nicht der Westen mit Sanktionen den russischen Markt schwächt, sondern das die Russen dem Westen nur mit Auflagen Rohstoffe liefern. Für die russischen Rohstoffe gibt es auf der Welt keinen Ersatz. Zwar verfügen andere Länder auch über Rohstoffe, doch sind die über die ganze Welt verteilt, das bedeutet, die Logistik muss vorhanden sein und der Abbau ist dezentral, hinzu kommt der Transport und die unterschiedlichen politischen Systeme. Was die Produkte für eine wirtschaftliche Weiterverarbeitung viel zu teuer macht. China, Iran und Indien kaufen hingegen beim Russen, was ihre Produkte auf dem Weltmarkt unschlagbar günstig macht. Daraufhin muss sich der Westen öffnen oder noch weiter isolieren. Doch durch eine Isolation wird der Bedarf nicht befriedig und somit kommt es zu Unruhen und letztlich zu einem Zerfall der Macht. Zunächst werden einzelne Mitgliedsstaaten aus dem Monster NATO ausscheren, weil sie sich auf der anderen Seite mehr Vorteile erhoffen. Dann folgen innere Unruhen, bis hin zum Bürgerkrieg, woran die Flüchtlinge ihren Anteil haben werden, da sie eine Versorgung in einer Überflussgesellschaft gewohnt sind und nun in einer Mangelgesellschaft nicht mehr die gewohnte Versorgung erhalten oder es nur noch anstrengende Arbeit gibt. Sie sind aber vor Hunger und Not, sowie harter Arbeit geflohen, dabei spielt der Grund keine Rolle. Es können schließlich nicht alle politisch verfolgt sein, wofür Asyl ursprünglich gedacht war. Aber das ist ein anderes Thema.
      Als Fazit lässt sich also ziehen, dass Russland auf lange Sicht die besseren Karten hat, da sie Rohstoffe im Boden haben, die man ihnen nicht einfach wegnehmen kann und der Westen hat eine Industrie die auf Zulieferung angewiesen ist, wobei nicht nur Rohstoffe, sondern auch Halbfertigerzeugnisse gehören dazu. Doch sind das alles Produkte, die mit dem täglichen Bedarf der Menschen nicht unmittelbar etwas zu tun haben. Die täglichen Verbrauchsartikel kommen aus Asien und die werden in Zukunft nicht mehr so bereitwillig liefern, da sie davon ausgehen können, dass sie unter ähnlichen Sanktionen leiden werden, wenn sie ins Fadenkreuz der westlichen Kriegstreiber geraten. Sie werden sich also auch neue Märkte erschließen und dieser wird vermutlich in Afrika sein. Aber nicht nur die Sanktionsangst wird dazu führen, auch das fehlende Vertrauen ins westliche System und da insbesondere in deren Währungen wird dazu führen, dass der Westen mit seinem scheinbaren Reichtum nichts mehr anfangen kann. Das Geld will niemand mehr haben, da sie befürchten müssen, dass es ihnen vom Westen gestohlen wird, sobald sie sich auf der falschen Seite befinden. Diese Erpressung und Unsicherheit lässt niemand freiwillig mit sich machen, zumal die wirkliche Wirtschaftskraft und der wirkliche Reichtum nicht im Westen zu finden sind. Mit den Sanktionen gegen Russland hat der Westen das Vertrauen verspielt, was ihm bislang nicht nur am Leben gehalten hat, er konnte damit sogar eine Vormachtstellung einnehmen. Doch nun ist diese Maskerade vorbei und die Welt erkennt, was der Westen wirklich ist. Ein System, was auf ihre Kosten lebt. Sie hätten Russland also besser in der Ukraine in Ruhe machen lassen sollen.

  2. Seitdem den irren Geschäftspraktiken der russischen Zentralbankchefin Elwira Nabiullina durch Putin Einhalt geboten wurde, hat das Blatt sich gewendet, denn nun gibt es den Petrorubel – und keiner bekommt im Westen russische Kohlenwasserstoffe mehr quasi für umsonst.

    Das Loch was sich dadurch im Westen auftut, wird man mit dem Raub der im Ausland geparkten russischen Staats-Vermögen nicht lange nachhaltig ausgleichen können. Diese Quelle wird versiegen, aber das Öl und Gas im russischen Boden wird weiter sprudeln – und jeder kann es ab jetzt nur noch für Petro-Rubel kaufen.

    Der Wert des Petrodollar basiert zu einem großen Teil auf Öl, dass nicht in USA im Boden liegt, aber der Petrorubel basiert auf Öl, das im eigenen Lande gefördert wird.
    Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. – In der Krise geht nichts über die eigene Scholle, wie Otto weiß ….. das gilt bis zur eigenen Zahnbürste.

  3. Man mag es drehen und wenden, wie man will – wenn man es auch nicht „will“: Die verlogene Taktik, „nein, wir zahlen nicht in Rubel“, ist de facto: Es wird bezahlt, was ja auch völlig legitim ist, im Rahmen aufrechter Geschäftsbeziehungen.

    Die viel zitierte „Abhängigkeit“ von russischem Gas und Öl, ist eine unleugbare, Realität. Aber statt dass wir froh sind, dass Putin uns trotz aller Sanktionen nicht selbst das Gas abdreht, suchen wir nach untauglichen, umweltschädigenden – und letzlich teureren „Alternativen“, die unseren enormen Bedarf nie decken werden können.

    Fteilich, „der Russe“, lacht sich ins Fäustchen, ob der dummen moralischen „Solidarität“ mit der Ukraine. Das Gas, werden die Russen auch ohne Europa los. Nur Europa, ohne russisches Gas: Auf lange Sicht, wird das nicht funktionieren. Denn auch der Ausstieg aus fossiler Energie, ist eine Illiusion.

  4. Das Russland in China nicht mehr kauft, wird vermutlich daran liegen, das die russische Wirtschaft selbst die Lücken füllen soll. Die Russen wollen nicht schon wieder den Fehler machen und sich abhängig machen. Es ist auch zu erwarten, dass der Krieg in der Ukraine die Kräfte von Russland binden sollen, damit China angreifbar wird. Ein Zweifrontenkrieg wird Russland vermeiden, da es in Syrien auch noch aktiv ist. Somit hat China einen starken Verbündeten nur noch als Wackelkandidaten. Da nun aber China bald auf der Abschussliste der NATO stehen könnte, würde die russische Wirtschaft wieder vor dem Nichts stehen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Luxusartikel einen Weg nach Russland finden werden, wenn vielleicht auch nicht unter dem Originallabel. Russland hat Geld, dann wird sich immer jemand finden der einen Weg findet. Das Spiel der NATO fängt also erst an, wir sind mit der Pandemie auch noch nicht durch, auch wenn sich der Erreger ändern wird, wird sich nichts am Ablauf ändern. Die WHO wird Regierungsgewalt in den NATO Staaten bekommen und damit steht der Mensch im sogenannten freien Westen unter der totalen Kontrolle. Sobald das geschieht, kann man die Uhr stellen, wenn der Krieg losgetreten wird. Einzig Indien könnte dem Ganzen ein Strich durch die Rechnung machen, da sie nicht damit gerechnet haben, das Indien und China zumindest keine Feinde mehr sind. Was ich allerdings im Moment noch nicht einordnen kann, weshalb China beim Affenpocken Testlauf eine führende Rolle eingenommen hat. Es fand nämlich wieder eine Übung statt (bei YT nach Lion Media suchen), wie es bereits bei Corona der Fall war und China war ganz vorne mit dabei. Es kann also alles auch nur eine riesige Show sein und in Wirklichkeit sind sie sich schon alle einig und müssen jetzt nur noch die Völker dazu bringen mitzuspielen. Als Nebeneffekt könnte dabei eine Bevölkerungsreduzierung rauskommen, ein Ziel, was die westlichen Philanthropen und die chinesischen Regierung gemeinsam haben, auch Indien hätte nichts dagegen. Sie dürfen nur nicht die Kontrolle verlieren und dazu dienen vielleicht die so plötzlich zahlreichen und rasch folgenden Infektionskrankheiten, etwas was es in der Vergangenheit vielleicht einmal alle 20-30 Jahre gegeben hat, folgt nun in zeitnahen Abständen. Sie sind vielleicht die Zügel, damit der Gaul nicht durchgeht, wenn er zur Schlachtbank geführt wird. Hätte ich das Geld, wäre jetzt der Zeitpunkt zu verschwinden, noch läuft es, aber bestimmt nicht mehr lange. Wohin? Polynesien!

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