Psychische Gesundheit oder die Pathologisierung der Identität

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Nach Studien zu psychischer Gesundheit bzw. psychischen Störungen oder Erkrankungen nehmen diese insbesondere seit Corona und vor allem auch bei jungen Menschen stetig zu. Krankmeldungen wegen psychischer Erkrankungen nehmen zu, entsprechende Diagnosen werden vermehrt gemacht und Psychopharmaka verschrieben und eingenommen. Offenbar sprechen die Menschen, vielleicht auch besonders die Jungen, mehr über psychische Probleme, die sozial akzeptierter sind als früher, und lassen sich deshalb behandeln.

In Deutschland sollen 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung pro Jahr psychisch erkrankt zu sein, das sind fast 18 Millionen Menschen. Angst steht dabei nach einem aktuellen Bericht der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) im Vordergrund: Angststörungen (15,3 %), gefolgt von affektiven Störungen (9,8 %, davon allein die unipolare Depression: 8,2 %) und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum (5,7 %).

Größere Akzeptanz und intensivere Therapien scheinen aber die Probleme nicht zu beheben. Der Psychologe Stephan Schleim schrieb vor kurzem: „Obwohl wir immer mehr für die mentale Gesundheit tun, ausgeben und therapieren, nimmt die mit ihnen verbundene Krankheitslast zu; es gibt zum Beispiel immer mehr Krankheitstage und längerfristige Arbeitsunfähigkeiten im Zusammenhang mit psychologisch-psychiatrischen Störungen. Zu glauben, dass immer mehr Aufmerksamkeit, Stichwort Influencer und „Mental Health Awareness“, die Probleme verringern, ist naiv.“

Sprach man früher von psychischen Störungen und Erkrankungen, die von einer nicht näher bestimmten Norm abweichen, so hat sich nach der Verwendung des Begriffs der Psychohygiene der der „psychischen Gesundheit“ nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem ab den 1980er Jahren, im deutschen Sprachraum seit den 2000er Jahren, ausgebreitet (wobei nach Ngram im englischen Sprachraum auch Psychohygiene wieder einen Boom erfährt). Interessant ist das deswegen, weil dies andeutet, dass nun eine positive Normierung der psychischen Verfasstheit ansteht, während zuvor die Abweichungen um eine nicht näher definierte Norm vorherrschten.

Die WHO sprach 1948 bei ihrer Gründung vom Kriterium des „vollständigen Wohlbefindens“ für physische und psychische Gesundheit und fügte später sehr vage  hinzu: „Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine eigenen Fähigkeiten erkennt, mit den normalen Belastungen des Lebens zurechtkommt, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu seiner Gemeinschaft leisten kann.“ Aus dieser wenn auch noch so vagen positiven Norm ergeben sich auf der Grundlage der ebenfalls steigenden gesellschaftlich verordneten Selbstverantwortung auf der einen Seite Optimierungszwänge, um sich der Norm anzunähern, und auf der anderen Seite vermehrte Aufmerksamkeit auf Abweichungen, also auf eine Zunahme von psychischen Problemen, die damit vielfältiger werden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine im International Journal of Clinical and Health Psychology veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern unter der Leitung der Karl Landsteiner Privatuniversität, an der 93 in Österreich zugelassene Klinische Psychologinnen und Psychologen teilnahmen. Festgestellt wurde, dass junge Erwachsene zunehmend zu Psychologen mit der Erwartung kommen, eine bestimmte Diagnose zu erhalten, oft kommen sie bereits mit einer Diagnose, die sie bestätigt haben wollen. Wenn die Wünsche nicht erfüllt werden, reagieren manche mit „Diagnose-Shopping“ oder mit Abwehr und Verärgerung:  „Selbst- und Wunschdiagnosen – häufig ADHS oder Autismus betreffend – treten heute deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren. Besonders oft ist dies bei jungen Frauen mit höherer Bildung und intensiver Social-Media-Nutzung der Fall.“ Diagnosen werden zu Identitätsmerkmalen.

Die Autoren der Studie führen dies vor allem auf die Nutzung der sozialen Medien zurück, auf denen sie auf Diagnosen stoßen und diese mitunter zur Selbstbeschreibung und zur Eigendarstellung gegenüber anderen übernehmen würden. Für die Studie wurden auch klinisch tätige Fachkräfte in Österreich zu den Selbst- und Wunschdiagnosen befragt, die bestätigen, dass diese häufiger vorkämen. So sagt etwa Dr. Gloria Mittmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Transitionspsychiatrie, dass eine Diagnose Menschen von „persönlichem Versagen“ entlasten könne. Das klingt überzeugend. Wenn man sich ADHS oder Autismus attestiert, „hat“ man diese Krankheit, muss sich entsprechend verhalten, kann Akzeptanz einfordern und Psychopharmaka einnehmen. Dafür wurde etwa auch der Begriff der Neurodiversität geprägt. Weniger begehrt als die offenbar trendigen Neurodiversitäten ADHS und Autismus sind Posttraumatische Störungen oder Depression, Borderline oder Angststörungen sind noch unbeliebter.

Wenn man mit einer Wunsch- oder Selbstdiagnose zum Psychologen geht, um dies zu bestätigen, dieser aber die Zuschreibung nicht übernimmt, kann es schwierig werden. Wahrscheinlich sind die KI-Chatbots zur Selbstbestätigung „geeigneter“, weil sie auf ihr Gegenüber affirmativer eingehen, was u.a. dazu führt, dass sie bei manchen durch Verstärkung eines Wunsches sogenannte KI-Psychosen auslösen können.

In der Pressemitteilung der Universität heißt es, „dass Patientinnen und Patienten umfangreiches ‚Halbwissen‘ aus Social Media, Online-Selbsttests oder Gesprächen im Umfeld mitbringen. Das gehe häufig mit einer verengten oder verzerrten Vorstellung diagnostischer Kriterien einher – und mit der Tendenz, Alltagsphänomene rasch zu pathologisieren. In Fragebögen und Gesprächen wirkten manche Antworten „diagnosegeleitet“: Symptome, die zum gewünschten Label passen, würden betont – auch dann, wenn Entwicklungsgeschichte oder Fremdberichte dieses Bild nicht stützten. Zudem berichteten Fachleute von geringer Offenheit für alternative Erklärungen.“

Für psychische Erkrankungen und Störungen gibt es keine „objektiven“ Messergebnisse wie Bluttests oder Scans. Sie sind noch viel stärker als körperliche Krankheiten geprägt vom kulturellen Kontext. Angetrieben und aufgestört durch Normen psychischer Gesundheit, die nicht  nur auf sozialen Medien, sondern auch in anderen Medien und Ratgeberbüchern sowie von Experten verhandelt und behauptet werden, können vor allem Heranwachsende in ihrer Identitätssuche von Abweichungen heimgesucht werden, die behandelt und abgeschafft werden müssen.

Weil es noch keine allgemein akzeptierten Normen psychischer Gesundheit im Unterschied etwa zum gesunden Spektrum des Blutdrucks gibt, das ja auch verändert wird, überwiegt derzeit für viele verunsicherte Menschen, die noch keine starre oder resiliente Identität ausgebildet haben oder durch irgendetwas erschüttert wurden, die Suche nach einer psychischen Identität als Abschaffung der vermeintlichen Abweichungen oder als Optimierungsstrategie. Das ist natürlich auch ein profitabler Gesundheitsmarkt, der die Ängste und Wünsche bedient. Hintergrund ist, dass gesellschaftlich die Akzeptanz von Abweichungen, von Anormalität, sinkt und größere Anpassung erwartet und erzwungen wird.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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51 Kommentare

  1. Zu dem was in Palästina passiert:
    Das ist kein Journalismus (Es wird nur gesagt was ein Minister gesagt hat.)
    Das ist nicht Dada. Das ist das niedrige kulturelle, politische und sonstiges mit dem man okkupiert ist.
    In den Zeitungen wird nicht über den Völkermord berichtet. Die Juden werden nicht Juden genannt obwohl das Land für sie gedacht ist.
    Ein Kanzler sagt dass ein Völkermord kein Völkermord ist. Ein Präsident eines Landes sagt er hat keine Atombombe. Damit die Juden in den Ländern alle die sie kritisieren als Antisemiten diffamieren. Souverän ist ein Land nicht wenn nicht etwas für das Erfüllen der Genozidkonvention getan wird. Sondern nur betroffen auf den Boden geblickt wird wenn über annähernd hundert Jahre alte tote Juden gesprochen wird. Während die Juden in ihrem Land die palästinensischen Frauen und Kinder ermorden. Und die Friedhöfe der Palästinenser mit Bulldozern zerstört werden.

    Es sind mehr als eintausendzweihundert Kranke in Gaza gestorben weil das Militär die Schwerkranken nicht zur Behandlung ausreisen lässt. Es sind viertausend Krebskranke und viertausendfünfhundert Kinder unter den annähernd zwanzigtausend die dringend Behandlung in einem anderen Land benötigen. Jeden Tag gibt es Verletzte oder Schwerverletzte und Tote. Es ist an der Zeit die „Oh die armen Juden“ Masche abzulegen und die Juden für die Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Araber sammeln in in anderen Ländern die Gelder ein weil die Juden den Schaden nicht zahlen werden. Sprechen Sie mit anderen darüber. Tun Sie amerikanische Produkte nicht kaufen.

    Ein Werbebanner von Oxfam für eine Veranstaltung die in Harlem in den Niederlanden stattfinden wird. (“Don’t stop talking about Palestine.”)
    https://www.oxfamnovib.nl/zo-sluit-je-je-aan/kom-in-actie/agenda/71613-dont-stop-talking-about-palestine-haarlem
    Link zum Werbebanner für die Grafiker unter Ihnen die selber etwas machen wollen:
    https://assets.oxfamnovib.nl/images/transforms/_1040x586_crop_center-center_none/71858/Dont-Stop-Talking-About-Palestina-Patronaat-Haarlem-event-2026.avif

    Hier sehen Sie ein Bild vom Nachmittag wo ein Sprecher der Juden in den Vereinten Nationen das Wappen von Ansar-Allah hochhält und sich beschwert dass „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“ drauf steht.

    Während u.a. in der West-Bank in, Masafer Yata, eine Gruppe von Siedlern angreifen und Frauen und Kinder verletzen, einhundertfünzig Schafe der Abu Aram Familie stehlen und die Krankenwagen nicht an die Verletzten lassen. Es ist auch mindestens zwei Palästinenser in der West Bank in den letzten 48 Stunden ihren Verletzungen erlegen. Z.B. hat man Mohammad Rajeh Nasrallah, 20 Jahre, in den Magen geschossen und er ist daran gestorben.

    Und in Gaza passiert u.a. folgendes: Anstatt sechshundert Lastwagen lässt man jeden Tag nur über einhundert Lastwagen von den Hilfslieferungen reinlassen. Die kommerziellen Lieferungen sind auch nur etwas über einhundert Lastwagen. Und daran tun die Juden auch einen Reibach machen mit den Gebühren für das Lastwagen-reinlassen. Obwohl alle Länder die Nahrungsmittel für die Palästinenser bezahlt haben. Nicht nur weil Krieg ist sondern weil die Palästinenser von den Juden eine funktionierende Wirtschaft nicht kriegen. Es ist am Montag Zainab Muhammad Musbah, 63 Jahre und am Dienstag ein Säugling erfroren. Damit sind seit Anbruch des Winters mehr als zehn Kinder erfroren.

    https://ibb.co/gF6hZQTS

  2. Man hält die Menschen in Angst, redet eine Katastrophe nach der anderen herbei, sperrt sie im Lockdown ein, geht an ihre Kinder, schliesst Schulen, redet den dritten Weltkrieg herbei, implementiert den totalitären Überwachungsstaat, führt die Reichsacht gegen Dissidenten wieder ein, …
    Woran kann es nur liegen, dass immer mehr Menschen sagen, das alles macht sie krank?

    1. Ist ja nichts Neues, es ist ja nicht so, dass die Zeit des Kalten Krieges für die Deutschen angstfrei waren.
      Heute ist jeder etwas ganz Besonderes, und zeigt sich in der Realität nur Durchschnitt – keinerlei herausragende Fähigkeiten oder Talente (-> Marvel Verfilmungen) – dann leidet das narzisstische Ego.
      Es fehlt den (Jahrgängen ab 80) der persönliche Fähigkeitenabgleich in der Gruppe, es fehlt die persönliche Einordnung durch den allgemein verbannten Wettbewerb. Es kann so keinerlei Resillienz und/oder Frustrationstoleranz aufgebaut werden. Wer im Kokon aufwächst, muss als Weichei sein Leben fristen. Dabei helfen Pillen für das eingebildete Avatardasein.

  3. Festgestellt wurde, dass junge Erwachsene zunehmend zu Psychologen mit der Erwartung kommen, eine bestimmte Diagnose zu erhalten …

    Nichts gegen Wunschdiagnosen!
    Früher bin ich mir selber oft blöd vorgekommen,
    aber seit ich weiß daß ich IDS hab‘ geht’s mir viel besser!

    1. IDS kann man allerdings nicht mit ADHS u. ä. vergleichen. Das ist eine klar definierte Krankheit mit auch körperlichen Symptomen. ADHS dagegen ist ein schwarzes Loch, das man fast nach Belieben füllen kann.

    2. Ich möchte Dir nicht zu nahe treten und muss gestehen, nicht einmal zu wissen, was IDS überhaupt ist.
      Meine Frage ist vielmehr, ob es Dir besser geht, weil Du weißt, dass Du IDS hast, oder weil Du weißt, dass man etwas dagegen tun kann.
      Denn kaum ein Patient würde sagen: „Ich habe Krebs und seit ich das weiß, geht es mir besser.“
      Ich sage dies nur, weil ich aus Deiner Aussage irgendwie nicht schlau werde. Bitte glaube nicht, ich wollte mich über Dich lustig machen, oder Deine Krankheit als läppisch abtun.

      1. @1.4-20
        „Denn kaum ein Patient würde sagen: „Ich habe Krebs und seit ich das weiß, geht es mir besser.““

        Volle Zustimmung, kaum ein Mensch dürfte sich über eine Krankheit freuen.

  4. Je mehr Aufmerksamkeit dem Thema Psyche zugemessen und je mehr Normalisierung der psychischen Erkrankungen entsteht, desto einfacher ist es doch, sich selber in eine psychische Ecke zu schieben und aus dieser Ecke heraus daraus Kapital zu schlagen – sei es alleine durch die Aufmerksamkeit, durch mediale Gelderziehlungsabsicht oder Krankschreibungen auf Allgmeinkosten.

    Ist doch auch schön, man kann es schlecht messen, kaum Daten bei Blut- und Urintests erheben, man muss es als Arzt „nachfühlen“. Und dann kommt der Faktor Zeit, denn die ist bei allen Ärzten knapp. Und es ist doch sooo ein schönes Gefühl, wenn man ausgedacht krank spielt und von allen bedauert wird. Den wirklich psychischen Kranken wird viel Spezialisierung und Therapie genommen, das ist die eigentliche Schande.

    1. „Den wirklich psychischen Kranken wird viel Spezialisierung und Therapie genommen, das ist die eigentliche Schande.“ – das betrifft m.E. auch die physiologischen Erkrankungen.

  5. Tatsächlich kann eine Diagnose sehr entlastend sein, da man einen möglicherweise sehr belastenden Teil von sich ein Stück weit entpersonalisieren kann: statt „ich bin“, „ich habe..“.
    Umgekehrt sollten diejenigen aufpassen, die hier nur „handfesten“ Krankheiten und Diagnosen das Wort reden – nur allzu leicht kann man sich in einer Situation wiederfinden, in der trotz heftigster Beschwerden eine Diagnose nicht gestellt wird oder nicht gestellt werden kann, was meistens als extrem belastend erlebt wird. Man befrage einmal Opfer der C-Injektion.
    Ohne Frage gibt es auch „Modediagnosen“, was aber nicht zwangsläufig heissen muss, dass sie ungerechtfertigt wären.
    Würden wir in der ICD die Maaz`sche „Normopathie“ finden, wären sicher 3/4 aller Deutschen auf einen Schlag krank. Sind sie es vielleicht?

  6. Wie waere es damit: Die kognitiven Ansprueche zur Meisterung des Arbeitsalltags wurden im Laufe der Zeit immer anspruchsvoller. Und je anspruchsvoller sie werden, um so schlechter schaffen es vom der Norm abweichende Menschen, auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Ich selbst gehoere auch zu Jenen. Trotz intensivem Bemuehen gelingt es mir nur schlecht, mich zu konzentrieren. Das fuehrte dazu, dass ich beim Arbeiten ungewollt immer ziemlich viele Fluchtigkeitsfehler machte .Nach ca. 20 Rauswuerfen wegeen Unfaehigkeit, dem herrschenden Leistungdruck zu genuegen – tja, was denkt ihr, was da wohl das Sinnnvollste fuer mich waere? Nun, ich liess mich psychiatrisch untersuchen. Einfach aus dem Wunsch heraus, doch noch irgendwie arbeitsfaehig zu werden. Meine Diagnose verrate ich hier nicht, da sie fuer mich irrelevant ist. Ich muss eben mit meinen Defiziten klar kommen, „Hab ich ein Problem, versuche ich es zu loesen. Kann ich es nicht loesen, mache ich kein Problem daraus.“ Dies hier habe ich nur geschrieben, um dazu anzuregen,, das Narrativ dieses Artikels eventuell kritisch zu hinterfragen.

    1. Ich habe das selbe Problem.
      Mich treibt die Arbeitsbelastung und der damit verbundene ewige Stress in einen Burnout und ich brauche danach etliche Monate, um wieder zu meinem eigenen Rhythmus zu finden.
      Ich habe deshalb mittlerweile Angst davor wieder arbeiten zu gehen, obwohl ich es gerne würde – allein schon, damit das Geld für den ganzen Monat reicht und nicht nur bis zum 20. Allein die Vorstellung, dass ich wieder einmal in einem Hochgeschwindigkeitshamsterrad lande, aus dem ich kaum retten kann, löst in mir eine Panik und tiefe Existenzängste aus. Es kann ja schliesslich auch sein, dass ich aufgrund meiner mangelhaften Stresstoleranz am Ende ohne Geld darstehe, was in meinem Fall vor einigen Jahren tatsächlich schon dazu geführt hat, dass ich aus meiner Wohnung zwangsgeräumt wurde, was mich anschließend wieder jede Menge Zeit, Geld und Nerven gekostet hat, um mich aus dieser prekären Situation zu retten. Das Jobcenter tat dabei nämlich sein Übriges: Statt Hilfe bekam ich Sanktionen, so dass ich auch noch das Sozialgericht einschalten musste, um die Hilfe zu bekommen, auf die ich einen gesetzlichen Anspruch hatte.

      Wenn Politiker, denen die Steuerzahler ein schönes Leben ermöglichen, meinen auf Leute wie mich eindreschen zu können, dann empfinde ich das nur noch als eine bodenlose Frechheit und Niedertracht gegenüber denen, die von ihrer Arbeit leben müssen. Schließlich haben sie selbst dafür gesorgt, dass der deutsche Arbeitsmarkt Leute wie mich in die Arbeitsunfähigkeit treibt. Da hilft es auch nicht, wenn man Leute wie mich pathologisiert, nur weil man körperlich und psychisch dem Druck einfach nicht gewachsen ist.

      Wahrscheinlich ist die Junta um Merz deshalb dazu übergegangen Leute wie mich als Sozialschmarotzer zu verunglimpfen. Durch Leute wie mich wird es nämlich nur allzu deutlich, dass das System vollkommen krank und asozial ist und nicht die Menschen, die darunter leiden.

  7. (Auch @Pessimistischer Optimist:)

    weil dies andeutet, dass nun eine positive Normierung der psychischen Verfasstheit ansteht, während zuvor die Abweichungen um eine nicht näher definierte Norm vorherrschten.

    Es ist einfach, die Betroffenen auf sich selbst zurück zu werfen und ihnen Schuld oder Phantasie zu unterstellen, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Aber dass die Veränderungen in der Gesellschaft seit Jahrzehnten hin zu Entsolidarisierung, Vereinzelung, diffusem Leistungs- & Kollektivdruck und Angst vor Ausgrenzung eine offensichtliche Tatsache ist und durchaus die Diagnose pathologisch verdient, kann schwerlich bestritten werden.

    Die gravierenden Vorteile liegen aber nicht beim auto-pathologisierten (von außen als „faulem“ oder „unfähigem“ bezeichneten) Individuum, sondern in den gewaltigen Profiten der Pharmaindustrie durch Dauermedikation und vor allem bei der fortschreitend verschnürenden Herrschaft: Wenn das Individuum in einer kranken Gesellschaft die Krankheit bei sich selbst verortet, nimmt es natürlich die unmittelbare Verantwortung erst einmal von sich, aber bringt sich gleichzeitig in den Zustand einer erworbenen Machtlosigkeit, „ich bin Krank und schwach und kann nichts ändern“.

    Auch wenn Herrschaft das nicht verursacht haben mag (was zu bezweifeln ist), so wird sie diesen Zustand doch unbedingt begrüßen. Und genau da ist der im Artikel beschriebe neue Aspekt der Umdeutung, die »positive Normierung«, hochgradig gefährlich und totalitär.

  8. Medienzeitalter und dann zurück in die Feudalzeit, das kann nicht funktionieren..
    Das schlimme dabei, abgesehen vom persönlichen Leid das oft damit verbunden ist, das der Gesellschaft damit enormes kreatives Potential verloren geht, denn gerade sensible Menschen trifft es da immer zuerst ..

  9. Wie viele junge Menschen sind zuletzt aus der Ukraine oder aus anderen Krisengebieten zu uns ins Land gekommen und werden nun statistisch miterfasst? Die Zunahme kann ja zum Teil auch am „Import“ psychisch Erkrankter liegen. Das meine ich nicht wertend, sehe lediglich die Möglichkeit eines statistischen Zusammenhangs. Meine ja nur… Wird immer alles gerne auf Corona geschoben. Lenkt aber vielleicht von anderen Ursachen ab. Gesellschaftliche Veränderungen, unsichere Zeiten, Angsterzeugung durch Entwerfen irrationaler Bedrohungsszenarien usw.

    Weiterer Gedanke, wurde ja auch im Beitrag angesprochen, allerdings schwieriges Thema: Eine konkrete Diagnose, beispielsweise ADHS im Erwachsenenalter, kann mitunter der Sinnstiftung dienen und als Erklärung für allgemeine Schwierigkeiten in der Lebensführung herangezogen werden. „Endlich habe ich meine Diagnose!“, wurde neulich mal in meinem erweiterten Bekanntenkreis verkündet. „Und? Was machst du nun?“ – „Wie bitte? Ich habe jetzt meine Diagnose, hat ewig gedauert!“ Diagnose als Erklärungsmodell und Entlastung, aber nicht verstanden als möglicherweise therapeutisch behandelbare Störung.

    1. Wie viele junge Menschen sind zuletzt aus der Ukraine oder aus anderen Krisengebieten zu uns ins Land gekommen und werden nun statistisch miterfasst?

      Zustimmung, die Zuwanderung aus Krisengebieten dürfte definitiv eine Rolle spielen, selbst in der zweiten und dritten Generation noch. Die Frauenhäuser sind ja auch voll und wehe man erwähnt, mit welchen Leuten, man kann es nur indirekt ableiten, weil immer mal wieder Übersetzer für bestimmte Sprachen gesucht werden…

      Für uns Einheimische bedeutet die massive Einwanderung in unser Gesundheitssystem zwangsweise: weniger Leistungen, was man an allen Ecken bereits überdeutlich merkt…

  10. Da ich selber ein Vater mit einiger Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bin, weiß ich: Eine Diagnose kann auch wie ein Todesurteil wirken! – Leider ist die Kinderpsychiatrie vor Kritik so stark geschützt wie kaum ein anderer medizinischer Bereich. Für die Erwachsenenpsychiatrie gab es Reformbemühungen, Weglaufhäuser, „Antipsychiatrie“.
    Der besondere Schutz, der für Kinder gilt (staatliche Obhut usw.), schützt leider auch die Kinderpsychiatrie vor kritischer Diskussion und Pluralismus.

    Dass Kinder gern die Diagnose ADHS oder Autismus haben wollen, halte ich für ein Märchen!

    Als ich mein eigenes Kind eine Zeit lang durch die Psychiatrien begleiten musste (mit einer anderen Diagnose) und dabei viele Kinder mit den genannten Diagnosen kennenlernte, fand ich nie eins, das die Diagnose ADHS oder Autismus gerne hatte.

    Ich gehe davon aus, dass jedenfalls die Leitungen der Psycho-Institute, die solche Märchen-Umfragen produzieren, selber Profiteure und Befürworter Psycho-Pharmaindustrie sind. Es handelt sich um ein milliardenschweres Business mit Verzweigungen in zahlreiche Branchen, Ritalin-Industrie usw., die darauf setzen, den Eltern eine bequeme Lösung zu bieten. Sich irgendetwas reinzupfeifen, um sich selber zu sedieren (= Psychopharmaka: Kreislauf runter bis an die Vitalitätsgrenze), das kennen die Eltern.

    Noch zu meiner Schulzeit gab es kein ADHS. Die Menschheit kam über Jahrtausende ohne aus. Die Dauermedikation und Dauersedierung von Kindern wegen einer Verhaltensauffälligkeit war nicht mit der ärztlichen Ethik zu vereinbaren.

    Der Kapitalismus frisst bekanntlich seine eigenen Lebensgrundlagen, und es ist erwiesen, dass er mit Kindern nicht gut umgeht.

    1. Der Kapitalismus frisst bekanntlich seine eigenen Lebensgrundlagen, und es ist erwiesen, dass er mit Kindern nicht gut umgeht.

      Sozialismus auch nicht, zumindest nicht der real existierende, den ich als Kind erleben durfte. Wie mit Kindern umgegangen wird, ist m.E. mehr eine Frage wie reif die Gesellschaft ist und wie empahtisch die Eltern.

        1. Nein, tue ich nicht, du Psycho.

          Ich habe das Kindergartensystem in der DDR gehasst, es war wie Gefängnis und ich war froh, als meine Mutter zu Hause geblieben ist, dafür werde ich ihr ewig dankbar sein! In der DDR war das nämlich keine Selbstverständlichkeit.

          Auch die Schule zielte auf Ganztagsverwahrung und zimperlich war man nicht, ich bin in den Siebzigern geboren und hatte trotzdem noch Grundschullehrer, die noch Nazi-sozialisiert gewesen sein müssen und „Nachkriegsnotlösungen“, denen jede Fähigkeit und Empathie fehlte. Meine Grundschullehrerin mobbte z.B. bestimmte Kinder immer wieder, eines davon war zufällig ich. Eine andere schmiss bei jeder Gelegenheit ihren schweren Schlüsselbund durchs Klassenzimmer und schrie herum, vor der hatten wir alle Angst, Gott sei Dank hatte ich die nur hin- und wieder als Ersatzlehrerin.

          Das Nazi-Buch:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Die_deutsche_Mutter_und_ihr_erstes_Kind
          wurde in überarbeiteter Form, aber mit ähnlichen Inhalten auch in der DDR verwendet. Zu meiner Geburt wurden die Babys z.B. noch von den Eltern getrennt aufbewahrt. Meine Mutter, die Kinderkrankenschwesterin war, hatte noch einiges davon an mir ausprobiert (mit der Absicht, nur das Beste für mich zu tun).

          Vom DDR-Heimsystem fangen wir besser gar nicht an:
          https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/251286/geraubte-kindheit-jugendhilfe-in-der-ddr/

          Entscheidend ist eben nicht das Wirtschaftssystem, sondern Bildung, Mentalität, Bewusstsein und Empathie der Menschen (und in der Hinsicht war die DDR genauso schlecht aufgestellt, wie die BRD, schließlich hatte sie das selbe Erbe, zudem waren die Russen auch nicht gerade verhätschelt). Die Zeit war einfach unglaublich viel härter, das ist vielen, die heutzutage ständig herumjammern, nicht bewusst, es hat durchaus seinen Grund, weshalb Leute aus weniger entwickelten Ländern hierherkommen…

          Der Zeitgeist (in Deutschland zumindest) ist heute ein ganz anderer und er bringt auch ganz andere Probleme hervor (die wir auch irgendwann überwinden werden, hoffe ich).

            1. Korrigier mich, aber die „Wirtschaftswunderzeit“ zeichnete die sich nicht durch reichlich Auswahl bei der Jobsuche aus? Durch rasanten Zuwachs an Lebensqualität und Wohlstand? Das sind doch die Leute, die damals mit Vater als Alleinverdiener ein Haus abbezahlen konnten. Ich kenne Leute aus meinen Umfeld, bei denen das so war.

              Das Einzige was du in der DDR sicher hattest, war ein Job und zwar für beide Eltern, sonst konntest du dich nämlich als arm bezeichnen. Mein Vater (der Schweißer war) bastelte Möbel und restaurierte Erbstücke deswegen, es stand das ausrangierte Zeug meiner Großeltern herum. Die Frauen nähten und stopften (in den 70igern!) noch, während ich abgetragene Klamotten von unserem Westkontakt abtrug (und danach meine jüngeren Geschwister). Wir waren rechtschaffen arm und ich habe lange gebraucht, um einen sinnvollen Umgang mit Geld zu lernen, das kam eigentlich erst, als ich in den 00ern endlich selbst ein regelmäßiges Einkommen hatte.

              Gute Wohnungen waren knapp, junge Paare lebten normalerweise im Kinderzimmer der Eltern weiter, bis sie ein Kind bekamen (deshalb bekamen viele schon mit Anfang 20 eines, meine Eltern waren 21), dann brauchte man noch Glück oder gute Kontakte um eine Wohnung, möglichst Neubau (i.d.R. Platte) mit Badewanne und ohne Plumpsklo zu bekommen. Meine Eltern sind viermal umgezogen, bis sie durch einen „Ringtausch“ schließlich eine zweieinhalb-Zimmerwohnung mit Fernwärme ergattert hatten (ich kann mich erinnern, dass ich oft fror, denn gedämmt war da natürlich nichts und die Fernwärme fuhr erst zum Feierabend hin richtig hoch).

              Durch unheimliches Glück konnten sie in den frühen 80igern ein uraltes Haus kaufen, von Leuten, die in den Westen ausgewandert waren. Meine Großeltern hielten sie für verrückt, denn das war ein hohes Risiko, die Zweisung war natürlich politisch gesteuert (vor den 80igern gab es m.W. gar kein privates Wohneigentum, da bin ich aber nicht sicher), d.h. du konntest zwar ein Haus haben, aber ob du da auch einziehen durftest, entschied irgendeine Tante vom Amt. Außerdem war es ALT und Baustoffe gab es so gut wie keine zu kaufen.

              Meine Eltern hatten eine neue Haustür bestellt (die alte mit Einfachglasfenster und morsch), auf die warteten sie jahrelang, wurde bis zur Wende nichts. Das Dach war komplett durchgemorscht, aber sie hatten weder Geld noch Baumaterial, um das auszutauschen, das haben sie auch erst in den 90igern machen können. Ein Auto bekamen wir erst in den späten Achtzigern, ein gebrauchtes, einen zwanzig Jahre alten Trabant (noch ohne Gurte usw.). Telefon hatten nur staatsnahe Bürger, unser Nachbar z.B. d.h. wenn es was Dringendes zu klären gab, riefen meine Großeltern bei dem an und er holte uns dann ans Telefon. SO waren die Zustände.

              Je nach Systemnähe (und Bezirk, Berlin wurde damals schon gepampert, als Vorzeigestadt) ging es den Leuten etwas besser oder etwas schlechter, die Abweichungen waren aber sozialismusbedingt relativ klein. Gut hatten es die erwischt, die was tauschen konnten, mein Opa war PGH-Vorsitzender (Handwerk) in der Kleinstadt, der bekam öfter mal was unterm Ladentisch, mein Vater war nur ein Industriearbeiter, der hatte es eher schlecht erwischt.

              Im Übrigen wurde er nochmal für ein Vierteljahr zur Reserve eingezogen, als gerade sein zweites Kind auf die Welt gekommen war (und Urlaub, wie bei der Bundeswehr, gab es bei der NVA nicht, bzw. wurde der ebenfalls sehr willkürlich erteilt, nichts mit am Wochenende nach Hause fahren).

              Wenn man unbedingt will, kann man das als „Sicherheit für Eltern“ bezeichnen, muss man aber nicht.

  11. Zu all dem bereits Angeführten kommt noch dazu:
    infolge Infektionen mit dem Covid 19 Virus, aber auch nach der 3. Covid-Impfung (und weiß der Geier vielleicht noch anderer Viren) kommt es zu massiven Disregulationen im Körper (bin selbst Leidtragender) unzähliger Betroffener. Und, es gibt keine Biomarker etc. für korrekte Diagnosen (geschweige denn irgend etwas was man als Therapie bezeichnen könnte). Darüber hinaus auch nur Medikamente gegen die dominantesten Symptome (welche an manchen Tagen bei mir ins Zweistellige reichten & bei denen ich zum Teil noch heute erfolglos um Bezeichnungen/Benamsungen ringe, da sie mir so fremd waren). Möchte nicht wissen wie viele mit ähnlichem Symptombild wie meinem eigenen mittlerweile in den Formenkreis „psychischer Störungen“ (um es mal etwas weiter gefasst zu bezeichnen) kategorisiert werden, obwohl ein klarer somatischer Auslöser für die Beschwerden vorliegt (war ein halbes Jahr der festen Überzeugung es müsste Probleme im Magen-Darmbereich geben wegen permanenter – allerdings sehr eigentümlicher – Übelkeit: gegen die kein Anti-Emetikum etwas ausrichten konnte). Letztlich kann ich bezüglich des Auslösers – eben weil ich so lange auf den Gastro-Bereich (hatte 21 ein Gastro-Bakterium) fixiert war – nur spekulieren: aber etwas in meinem Körper hat die Magenschleimhaut massiv torpediert. In der heftigsten Phase waren die „Experten“ sehr geneigt mir Psychopharmaka oder Benzos zu verschreiben. Bei der Krankenkasse war auch recht rasch zu bemerken, dass ich mit einem psychischen Problem einige Hürden weniger zu überwinden gehabt hätte bzw. noch haben würde.

  12. Letztlich einmal mehr die Verschwörung der Mittelmäßigen.
    Mittelmäßige Ärzte die mittelmäßigen möchtegern-Opfern mittelmäßige Diagnosen einimpfen, um sie aus ihrer Mittelmäßigkeit dirket in die Mittelmäßigkeit zu katapultieren.
    Ich habe kein Mitleid.

    1. Um diesen etwas unglücklichen Kommentar zu erläutern, was mich über die Maßen an diesem Phänomen nicht erst seit gestern aufregt ist, dass es 100% zu Lasten derer geht, die tatsächlich sehr viel schwerwiegendere Probleme haben.

      Wenn es zum „Trauma“ wird dass die Eltern vielleicht zu übertrieben fürs Käckerchen machen gelobt haben könnten, dann ist für zB tatsächliche Traumata kein Platz mehr.
      Und das Beispiel ist keine bemühte Übertreibung sondern 1:1 die Backgroundstory einer mir bekannten „privaten Traumatherapeutin“ für besser Betuchte (in selbstverständlich von den Eltern finanzierter defizitären Praxis) in einem durch Verdrängung geprägtem Szeneviertel, die, aus der Provinz stammend, sich darin gefällt sich rund um die Uhr über das ach so fordernde Leben in der Stadt mit all den „kaputten Leuten und Obdachlosen“ zu beschweren.

      1. Wer reich oder auch nur wohlhabend ist, der hat gefälligst glücklich zu sein, denn mit Geld kann man ja alle Probleme lösen, oder?

        Bisschen einfach dieses Weltbild.

        Das ist genau das, was mich an rechten, aber auch an linken Materialisten so extrem ankotzt: Tatsächlich zu glauben, Glück und Zufriedenheit wäre etwas, was man kaufen kann. Im Grunde ist dieses Denken die Wurzel des Kapitalismus, der sehr sehr viele Menschen u.a. psychisch kaputt macht, weil es eben gelogen ist: Geld alleine macht nicht glücklich.

  13. Krank ist die Gesellschaft. Chronische mediale Reizüberflutung, Orientierungsverlust, Angstpropaganda sind meiner Meinung nach die Ursachen für die Zunahme psychischer Störungen. Nach welchen gerade dominierenden Modellen die Symptome klassifiziert werden ist Nebensache.

  14. Ich kenne Leute die geradezu süchtig nach Diagnosen sind. Auch für ihre Kinder. Sagt ein Arzt ihnen es sei alles im Normbereich sind sie fast verzweifelt und rennen zum nächsten Arzt solange bis irgendeine Diagnose gestellt ist. Das ist eine Form des Münchhausen by Proxy Syndroms wenn Eltern das auf ihren Nachwuchs projizieren.
    Für manche waren 2020-23 die tollsten Jahre ihres Lebens. Für Hypochonder zum Beispiel, Mit ins Stammhirn gerammten Teststäbchen in jedem Nasenloch.

    1. 👍Da ist was dran. Krankheit als Trophäe – wie ich oben schrieb: für die, die wirklich Hilfe benötigen, ist keine Zeit und kein Geld (mehr) da.

  15. Die Generation meiner Eltern und Großeltern hat furchtbare Dinge erlebt, auch zum Teil furchtbare Dinge getan.
    Sie haben einen Weltkrieg erlebt, die Großeltern sogar zwei.
    Ich habe in diesen Generationen zutiefst verstörte Menschen kennengelernt, gebrochene Biographien, Traumatisierte.
    Die hatten aber keine Hilfe, hätten sie auch nicht angenommen, die Psychiatrie im Nachkriegsdeutschland war verbrannt, in nicht geringen Teilen durch ihre Beteiligung an der Euthanasie.
    Der psychisch Kranke war stigmatisiert, man sprach nicht von „Psychatrien“, das hieß Irrenhaus, Klappsmühle, Ballerburg, im günstigsten Fall Nervenheilanstalt.
    Die Auffälligen waren Spinner, Bekloppte, hatten einen Hieb oder nicht alle Tassen im Schrank.
    Da wollte sich niemand einreihen, das bedeutete gesellschaftliche Ächtung.
    Man hatte sich am Riemen zu reissen!
    Mein Vater hatte furchtbares erlebt, er und sechs weitere seiner 30 Köpfe starken Schulklasse waren die Überlebenden eines Fronteinsatzes gegen Kriegsende. Er war ein Aufsteiger, Bergmannssohn, Friseurlehre nach dem Krieg, gleichzeitig Abendgymnasium, Abitur gemacht, Medizin studiert, am Ende Chefarzt und Stadtverordneter.
    Workoholic, mit 48 war er tot.
    Er war Pazifist, Kriegsspielzeug war mir nicht erlaubt, er hat mir politische Literatur zu lesen gegeben, mich mit Tucholsky vertraut gemacht, auch mit den Schriften von Marx. Er ist nie mit uns in den Urlaub gefahren, immer allein
    Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie er mich an den Haaren hochzog, die Beine strampelten in der Luft und mit einem Kleiderbügel auf mich einschlug. Die täglichen Ohrfeigen habe ich gar nicht mehr gezählt, es gab Tage, wenn ich Sportunterricht hatte, ich nicht in die Schule durfte, da man sonst den grün und blau geschlagenen Rücken gesehen hätte. Das eine Mal, wo ich Hilfe suchte, hat man mir nicht geglaubt, die Lehrerin nicht, das Jugendamt nicht, keiner.
    Die Konsequenzen waren brutal, ich verlor einen Zahn, hatte mehrere Rippen gebrochen, behandelt wurde ich in seinem Krankenhaus, wo er Chefarzt war.
    Wenn Du was sagst schlag ich Dich tot wurde mir mit auf den Weg gegeben.
    Ich habe den Versuch nicht wiederholt, da war ich 13 Jahre alt! In der Familie wusste jeder Bescheid, niemand hat was unternommen, die Mutter nicht, die Grosseltern nicht, keiner! Seine Schwester, auch Pazifistin, auch Kriegstraumatisiert hat meinen gleichaltrigen Cousin ebenso behandelt.
    Er war hoch angesehen, Prügel waren bei Schulkameraden normal, keiner fand was dabei. Ich habe mein ganze Kindheit in Angst verbracht!
    Als ich 18 war, war er tot und ich frei. Das ist 48 Jahre her! Heute weiß ich, das mein Vater ein zutiefst verstörter und traumatisierter Mensch gewesen ist, der eigentlich Hilfe gebraucht hätte, diese aber nie erhielt und dies auch abgelehnt hätte, da sein Selbstbild dem entgegen stand, das von mir oben geschilderte gesellschaftliche Ansehen der Psychatrie stand dem ohnehin entgegen.
    Ich selbst brauchte 20 Jahre, einen Alkoholentzug und die Langzeittherapie, bis ich darüber überhaupt sprechen und das aufarbeiten konnte, darum kann ich das hier auch schildern!
    Der Artikel, der mich veranlasste, das hier offen zu legen, hat mich etwas befremdet, aber ich finde ihn gut!
    Zu meiner Zeit und der meines Vaters gab es einen Teil der Medikamente nicht, die Psychotherapie begann sich erst zu entwickeln.
    Nun weiß ich natürlich, das diese Dinge unerlässlich sind, schließlich habe ich selber in Psychiatrie und Gerontopsychatrie als Pflegefachkraft einige Jahre gearbeitet. Hinzu kommt, das ich 19 Jahre mit einer Frau zusammen war, davon 12 verheiratet, die schwer psychisch krank war, sie war bipolar, manisch depressiv, also eine sehr ernste Sache, ich habe drei Phasen bei ihr miterlebt, geschlossene Aufenthalte, das volle Programm. Die Dauermedikation mit Lithium und Tavor hat sie recht stabil gehalten und wir hatten schöne gemeinsame Jahre. Vor acht Jahren dann wurde sie instabil, da das Lithium abgesetzt werden musste, weil Lithium ein Salz ist und ihre Nieren begannen zu versagen. Eine Umstellung der Medikation funktionierte nicht wirklich, wir hatten oft Probleme, einen Platz in der Psychiatrie zu finden, da, wie mir mehrfach behandelnde Ärzte sagten, das die Wartezeiten so lang seien, da diese Plätze ständig von diesen Diagnosesuchern belegt waren, die von Herrn Rötzer im Artikel beschrieben wurden. Wenn sie nicht gerade akut psychotisch war, habe ich sie meist nicht ins Krankenhaus gekriegt, obwohl sie als Privatpatienten für alle anderen Diagnosen natürlich gerne genommen wurde. Ich habe mir manchmal die Finger wund telefoniert, es gab einfach keine freien Plätze.
    Nach ihrer letzten manischen Phase, als sie in die Depression umkippte, hat sie sich vor drei Jahren dann erschossen.
    Wie gesagt, das was her Rötzer da beschreibt, hat mich befremdet.
    Ich habe keinen Zorn auf diese Menschen, ganz im Gegenteil, mir war nur das Ausmaß nicht klar. Diese Menschen brauchen auch Hilfe, das glaube ich schon. Das psychische Erkrankungen zu nehmen, gerade Angststörungen und Depressionen wundert mich überhaupt nicht, gar nicht.
    Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die unsicheren Lebensverhältnisse, die Ängste vor sozialem Abstieg, die steigenden Kosten, die ständige Angstmacherei der Medien und der Politik, die Nachwirkungen der Coronapolitik, für mich ein Staatsverbrechen, mache ich für das Ansteigen der psychischen Erkrankungen verantwortlich.
    Daher bin ich der Meinung, das wir mehr Psychtherapeuten, mehr Suchtberatungen und mehr Psychiatrieplätze benötigen.
    Wenn man Hilfe dringend benötigt und keine bekommt, weil es zu wenig Plätze dafür gibt, kann ich die Diagnosesuchenden nicht dafür verantwortlich machen.
    Mein Zorn richtet sich gegen die Politik, die Parteienoligarchie als Büttel des Kapitals, ja gegen das Kapital selbst, die für solche gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich sind, die die Menschen an Leib und Seele krank machen!
    Die Menschen die Hilfe suchen, die Diagnosen suchen und die zu wenigen Plätze belegen, können nichts dafür.
    Persönlich noch mal, mir geht es gut, Mitleid ist überflüssig, dafür habe ich das hier nicht geschrieben. Der Artikel hat einen Nerv getroffen und ich mühe mich hier immer, möglichst Substanzielles zu schreiben.
    In diesem Falle danke ich Herrn Rötzer für seinen Artikel!

    1. Danke für den Beitrag. 👍
      Habe selbst etliche (Psycho)Therapien durch, primär Angststörung plus Suchterkrankung, einige Entgiftungen, Langzeittherapie, seit 20 Jahren rückfallfrei und clean. Ich arbeite in Teilzeit, strengt mich sehr an. Also von wegen „Lifestyle-Teilzeit“, ich verachte diese Figuren, die nicht wissen, wovon sie reden.

      Von meiner Mutter habe ich ein schweres Kriegstrauma „geerbt“, d.h. die Folgen von Bunkeraufenthalten bei Luftangriffen und Verschüttung in Form von Störungen neurotisch vorgelebt bekommen. Sowas sickert durch in die nächste Generation.
      Deswegen entsetzt mich diese Kriegstreiberei, Aggression und Lügerei so fürchterlich, die wissen alle nicht, was Krieg bedeutet, welche Auswirkungen das hat, über das eigentliche Geschehen hinaus noch, in die nächsten Generationen hinein. Ich bin sogar der Auffassung, das einige der heftigsten Kriegstreiber heute selbst mit irgendeiner Störung oder einem Trauma umherlaufen. Der eine säuft, im Stillen, der andere brüllt’s hinaus. Da bricht was auf, was nie weg war. Das ist sehr schädlich für alle, wenn es bei Leuten mit politischer Macht geschieht, die keinerlei Widerspruch erfahren, sondern deren Ausbrüche sogar noch auf den Titelseiten landen.

      1. Ich danke für IHREN Beitrag!
        Das Entsetzen über den politischen Kurs teile ich in jeder Hinsicht.
        Das da der Eine oder Andere psychisch deformierte an den Schalthebeln sitzt, glaube ich auch!
        Ich denke auch, das das Ausüben von Macht dem Menschen an sich nicht gut tut, den Menschen nicht zum Positiven hin verändert. Manche, wie v.d. Leyen oder Merz, kommen mir geradezu berauscht vor

  16. Der Kapitalismus und Imperialismus erzeugen doch ständig objektive Ängste, weltweit. Angefangen bei der Angst die Lohnarbeit zu verlieren, die Kredite nicht bedienen zu können, … die nötigen Medikamente nicht zu bekommen – wegen Wirtschaftssanktionen, Gesundheit und das Leben zu verlieren.
    Die US-Kriegsflotte schwimmt vor Venezuela, dem Iran, vor Kuba und sonst wo. Da soll man nicht krank vor Angst werden?!

    1. Ich schaffs nicht aufzulisten, was da noch so an objektiven Ängsten dazukommt, weil ich noch was anderes zu tun habe, deswegen kurz: Du hast völlig recht.

  17. Tatsache ist, dass junge Menschen unter ihren „Abweichungen von der Norm“ leiden. Sie beschäftigen sich damit und suchen nach Ursachen. Jemand, der sich z.B. schlecht konzentrieren kann, ständig etwas tun muss, nichts zu Ende bringt, beobachtet sich selbst und vermerkt solches als Mangel.
    Im Internet findet er schnell die Diagnose: ADHS
    Eine wirkliche Therapie ist teuer und dauert lange – Medikamente sind praktischer und billiger. Da liegt der Hase im Pfeffer.

  18. Ich selbst bin seit meinem 14. Lebensjahr immer wieder in Therapien, Kliniken und Programmen gewesen. Einst schleppte meine Mutter mich zum Kinder- und Jugendtherapeuten, da sie mein selbstverletzendes Verhalten und meine Magersucht nicht mehr mitansehen konnte.
    Eine latente Besserung trat ein bis ich meine erste feste Beziehung einging. Seither bin ich einen langen Weg gegangen und wäre froh, ich könnte meine Medikation endlich absetzen. Jegliche Versuche endeten bislang wieder in SSV Episoden.

    War ich zu Beginn noch froh, für das Kind einen Namen gefunden zu haben, so ließ mit den Jahren die Identifikation mit der Diagnose nach.
    Heute bin ich so weit therapiert, dass ich zunehmend das Gefühl habe, wieder nicht in diese Gesellschaft zu passen.
    Stellt sich mir diese doch inzwischen ähnlich dar wie die Person, die ich einst nie sein sollte.

    1. Danke für deinen Kommentar.

      Was siehst du als Ursache deiner Probleme?

      wieder nicht in diese Gesellschaft zu passen. Stellt sich mir diese doch inzwischen ähnlich dar wie die Person, die ich einst nie sein sollte.

      Das lässt bestenfalls erahnen, was du meinst, die Einschätzung der aktuellen Gesellschaft, dürfte abhängig von Perspektive und politischer Interpretation ganz gegensätzlich ausfallen 🙂
      Kannst du das näher ausführen?

  19. Mein Meinungsbeitrag ()

    Autismus _ist_ eine Krankheit. Und Modediagnosen beschädigen die Hilfe für Autisten

    Sie ist ernstzunehmen. Ich rede nicht (nur) von sog. niedriegfunktionalen Autisten, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen. Selbst sog. Hochfunktionale Autisten haben sehr oft eine lange Leidensgeschichte:

    Mobbing in der Schule, wenig Erfolg auf dem Arbeitsmarkt, einen (sehr) kleinen Freundeskreis und Alltagsprobleme.

    Es stimmt, dass viele im Laufe des Lebens Verbesserungen ihrer Position erfahren, es ist aber nicht selten, dass selbst nach abgeschlossenem Studium die Betroffenen mit 30 noch keine geregelte Arbeitsstelle haben. Hier ist ein Coaching oder eine Therapie eher sinnvoll. Also: viele Autisten (mich eingeschlossen) würden abweisen, dass Autismus eine „klassische“ Behinderung bei ihnen ist. Aber, dass dies eine ernsthafte Einschrankung des Lebens (und der Lebensqualität) ist – wer würde das bestreiten wollen?

  20. Ist dem Wachstumsimperativ angemessen, wenn das menschenverachtend-destruktive kapitalistische System durch die neoliberale Gesellschaft immanent nicht nur physio- und psychotoxische Lebens- und Arbeitswelten schafft, sondern auch gleich positivistische Wissenschaften wie die Soziologie oder eben die Psychologie gleich mit, wo erstere die Zustände wertneutral forschend reproduziert und letztere das leidende Individuum durch Erfindung neuer Krankheiten (sowie deren weitere Klassifizierungen) problematisiert – unser „Gesundheitssystem“ durch Big-Pharma schlussendlich Kunden und Umsatz generiert.

    Der erste Schritt der „Selbstheilung“ besteht, grob umrissen, darin, die gesellschaftlichen Zustände in angemessener Weise hinsichtlich ursächlichem zu reflektieren, wobei man dem Thema Ernährung – und dadurch verursachten chronischen Mangel an wichtigen Nährstoffen (v.A. im Kontext psychischer- und neurodegenerativer Erkrankungen) – ebenfalls Aufmerksamkeit widmen sollte.
    Kann ich als ebenfalls Betroffener nur wärmstens empfehlen.

  21. Die Bereitschaft zur Selbst-Psychopathologisierung etwa in Form von Burn Out, Adhs, Autismus o.a., die arbeitsbezogene Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden Mangelzustände des Individuums, scheint auch eine Folge der Unausweichlichkeit, sich als körperlich unversehrter, jedoch durch vergangene Arbeit absolut demoralisierter und empfindlich gewordener Mensch, allein durch Pathologisierung, weiteren Zumutungen durch jedwede hochgelobte Arbeit entkommen und sich mittels Anerkennung als Berufsunfähiger in den sicheren Hafen der vorzeitigen Verrentung retten zu können. Die Menschen wehren sich mit der Krankheit als Waffe gegen ein, mit ihren Widersprüchen und Zumutungen kaum mehr erträgliche Arbeits- und Lebensrealität. Gewissermaßen mit einer negativen individuellen Identitätsumbildung.

  22. Manches „wächst sich aus“, wie die Phrase lautet. Es geht um Kinder und Jugendliche, die sich entwickeln!
    Es muss nicht alles therapiert werden, aber die Kinder brauchen Zuwendung und Förderung.

    Auch ich hatte als Kind eine Lebensphase, in der ich viel krank war, „unkonzentriert“ usw. Ursache: Meine Eltern hatten Streit untereinander, Job-bedingt kam es zu einem Umzug weit weg (Verlust vieler Bindungen, für Kinder immer schwierig). Hilfe: Trotzdem wurde ich von den Eltern immer geliebt, sie halfen mir bei den Hausaufgaben, lasen mir vor, ich hatte feste Freunde, ein Zuhause, eine verlässliche Kinder-Lebenswelt, wir konnten draußen in Gruppen spielen, und nicht zuletzt war es erfahrenen Grundschullehrerinnen noch erlaubt, für Ruhe in dieser „schwierigen“ Kinderlebensphase zu sorgen.

    ADHS ist für mich eine Form der pervertierten, ins Gegenteil verkehrten Elternliebe.

  23. In einer kranken Gesellschaft, die die Menschen in inhumane, existenzielle Konkurrenzverhältnisse zwingt, ist eine hohe Zahl psychischer Erkrankungen alles andere als überraschend.

    Allerdings sei nach dem Anteil der Psychologie/Psychiatrie gefragt, die den individuellen Erfolg/das Funktionieren im Konkurrenzkampf für die psychische Gesundheit voraussetzt. Als Beispiel seien die elementaren Grundbedürfnisse genannt, die z.B. eben auf das Funktionieren in der Konkurrenz abzielen und eben keinen Altruismus, also Bedürfnisse die auf die aktive soziale Einbettung zielend, kennen.

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