Plant US-Regierung Cyberangriffe auf russische und chinesische Ziele?

Bild: Pxhere.com/CC0

Seit Bidens Amtsantritt wird massiv gegen Russland und China Stimmung gemacht und die militärische Konfrontation angeheizt. Jetzt könnte eine erste Konfrontation bevorstehen.

 

US-Geheimdienste und das amerikanische Militär- und Sicherheitssystem wollen den Amtsantritt des neuen Präsidenten nutzen, um die USA stärker in Konflikte hineinzureiten, indem Bedrohungen beschworen und zu riskanten Aktionen aufgefordert wird. Gerade hat der Atlantic Council vor einem Reset der amerikanisch-russischen Beziehungen gewarnt und gefordert, das transatlantische Bündnis zu stärken, die Abschreckung zu erhöhen und die Ukraine und Georgien aufzurüsten. Und in „The Longer Telegram“ wird eine Beeinflussungskampagne und militärisch ein aggressiveres Vorgehen gegen China angemahnt. Es geht um Vorbereitungen für Militäranschläge und viele rote Linien, deren Überschreitung diese rechtfertigen würden.

Das Global Engagement Center des US-Außenministers will nun eine Desinformationskampagne Russlands ausgemacht haben. Vier kleinere Websites, die „direkt mit den russischen Geheimdiensten verbunden“ sind,  würden den Impfstoff von Biontech/Pfizer und andere westlichen Impfstoffe schlecht machen, indem sie Risiken und Nebenwirkungen herausstellten. Das wird freilich nicht offizielle behauptet, sondern soll eine anonyme Quelle dem Wall Street Journal durchgesteckt haben. Die Geschichte scheint mindestens sehr aufgebläht zu sein. Beweise werden keine geboten. Mit dabei ist auch die Alliance for Securing Democracy beim German Marshall Fund, die Nachrichten in sozialen Netzwerken durchsucht hat, die von Russland, China und Iran verbreitet werden, wo auch vor allem der Biotech/Pfizer-Impfstoff negativ bewertet worden sei.

Sanktionen und heimliche Angriffe

Und jetzt verbreitet die New York Times noch, dass die US-Regierung möglicherweise als Rache auf die SolarWinds-Sunburst-Angriffe auf Server amerikanischer Regierungsbehörden, Unternehmen und Thinktanks, aber auch auf andere Benutzer weltweit, Cyber-Gegenangriffe auf russische Ziele planen würde. Auch China sei im Visier für Gegenschläge, nachdem der chinesischen Hackergruppe Hafnium  Hacks auf Zehntausende von Microsoft Exchange-Servern zugeschrieben werden. Die Hackergruppe soll, wird behauptet, im Dienste von chinesischen Behörden agieren, die SolarWinds-Angriffe werden wieder einmal der Hackergruppe Cozy Bear Gruppe (APT29) zugeschrieben, die für den russischen Geheimdienst arbeiten soll.  Der Nationale Sicherheitsrat hat erklärt, man werde alle Kräfte aufwenden, um den Hacker, der Hafnium zugeschrieben wird, aufzuklären.

Innerhalb der nächsten drei Wochen sollen heimliche Angriffe auf russische Netzwerke stattfinden, die nicht öffentlich bekannt werden sollen, aber von Putin, dem russischen Militär und den Geheimdiensten bemerkt würden. Die Informationen kommen auch hier wieder von den üblichen anonymen Quellen, die sagten, die Cyberangriffe würden mit neuen Wirtschaftssanktionen einhergehen, auch wenn es kaum mehr wirksame Möglichkeiten gebe, und mit einer präsidentiellen Anordnung, die Netzwerke der US-Regierung besser zu schützen.

US-Präsident Joe Biden hatte schon im Dezember angekündigt, dass die angeblich russischen Hackerangriffe nicht ohne Antwort bleiben werden.  Die NYT sieht in den geplanten Aktionen nun einen Test, wie er „amerikanische Macht in einer oft nicht wahrgenommenen, aber zunehmend mit höherem Einsatz geführten Schlacht zwischen Großmächten im Cyberspace“ sicherstellen werde.  Der Nationale Sicherheitsberater John Sullivan hatte vergangenen Donnerstag gesagt, es gehe um eine Mischung aus Sanktionen und „privaten Aktionen“, um eine „breite strategische Diskussion mit den Russen“ zu erzwingen“.

Barack Obama hat Vorsicht walten lassen, da in der Regel nicht wirklich bekannt ist, wer hinter Cyberangriffen steht. Donald Trump hat in einer geheimen Anordnung die Bremsen für Cyber-Rückschläge gelockert, daraufhin wurde angeblich ein erster Angriff ausgeführt, aber nicht gegen eine staatliche Stelle (Angeblich bereitet das Pentagon einen Cyberangriff auf Russland vor; Hat das US-Cyberkommando mit einem Cyberangriff erfolgreich die russische „Trollfabrik“ lahmgelegt?) Biden scheint gewillt zu sein, die Zurückhaltung bei Cyberoperationen aufzugeben, das Cyberkommando muss aber, nach anonymen Quellen, größere Operationen dem Weißen Haus und dem Nationalen Sicherheitsrat vorlegen.

Man kann rätseln, was die Leaks über die möglichen Cyberangriffe auf russische, vielleicht auch auf chinesische Ziele bezwecken sollen. Soll erkundet werden, wie das in der Öffentlichkeit und bei den Alliierten aufgenommen wird? Sollen Russland und China hinter vorgehaltender Hand gewarnt werden, aber was wäre wieder eine Warnung, ohne Angriffe auszuführen? Oder soll die Biden-Regierung mit der Veröffentlichung davon abgehalten werden, schließlich wäre dann klar, dass die Cyberangriffe offiziell von ihr ausgehen und nicht von Geheimdiensten, die mit verdeckten Gruppen agieren.

Die Gefahr wäre auf jeden Fall, dass der seit vielen Jahren beschworene Cyberwar in Gang kommen könnte, in den auch die Nato-Mitglieder mit hineingezogen werden könnten und für den Strategien vorhanden sind, aber keine Erfahrungen existieren. Und wer weiß, welche „Cyberwaffen“ bereits entwickelt wurden, um die Infrastruktur des gegnerischen Landes mit womöglich verheerenden Folgen lahmzulegen? Schließlich verfügen alle beteiligten Staaten auch über Atomwaffen.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.