Patentblockaden auf Kosten von Gesundheit und Leben der Armen

Bild: mufidpwt/Pixabay.com

Deutschland und die EU haben eine Freigabe der Impfstoffpatente verhindert, die Entwickler von Corbevax zeigen, dass es auch anders geht.

Als die Pandemie unser aller Leben in den Griff nahm, wartete die verängstigte Welt auf einen Impfstoff. Unter Zeitdruck und mit milliardenschweren staatlichen Subventionen waren Impfstoffe mit einer völlig neuartigen Technologie bereits nach gut einem Jahr fertig. Die westlichen Staaten kauften sich die Impfdosen gegenseitig vor der Nase weg, während Afrika, Südamerika und der ärmere Teil Asiens das Nachsehen hatten.

In der Folge taten sich besonders Deutschland und die Europäische Union darin hervor in, eine Freigabe der Impfstoffpatente kategorisch abzulehnen und bis heute zu verhindern, selbst wenn das zum eigenen Schaden war. Beim EU-Gipfel in Porto erklärte Angela Merkel 2020, sie glaube nicht, „dass die Freigabe von Patenten die Lösung ist, um mehr Menschen Impfstoff zur Verfügung zu stellen.  Ich glaube, dass wir die Kreativität und die Innovationskraft der Unternehmen brauchen.“

Es halfen auch die Appelle des amerikanischen Präsidenten Joe Biden nichts oder die des UN-Generalsekretärs António Guterres: „Wenn es uns nicht gelingt, alle Menschen zu impfen, entstehen neue Varianten, die sich über Grenzen hinweg ausbreiten und das tägliche Leben und die Wirtschaft zum Erliegen bringen.“ Er nannte es „beschämend“, dass die Impfquoten in reichen Ländern sieben Mal höher seien als in afrikanischen Ländern, wo die Impfquote in zwischen 0,2 Prozent im Kongo und 4 Prozent in Äthiopien liegt. So kann man eine weltweite Pandemie nicht unter Kontrolle bekommen.

Ein Beispiel ist die erst zehn Jahre alte US-amerikanische Pharmafirma Moderna. Sie erhielt vom amerikanischen Staat 1,4 Milliarden Dollar für die Entwicklung und acht Milliarden Dollar für den Ankauf von 500 Millionen Impfdosen. Bereits abgeschlossene Lieferverträge garantieren bis Ende 2022 einen Umsatz von 35 Milliarden Dollar. Im April 2021 machte Moderna erstmals einen Quartalsgewinn, dem Impfstoff m-RNA 1273 sei Dank, von dem eine Dosis 14,69 Euro kostet.

Moderna besteht darauf, mit exklusiven Besitzrechten die alleinige Kontrolle darüber zu behalten, wo, von wem und wie ihr Impfstoff hergestellt wird, und wie viel er kostet. Die Freigabe des Patents kommt für sie unter gar keinen Umständen in Frage.

In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass Edward Jenner, der Erfinder der Pockenimpfung, 1798 auf alle seine Patente auf Dauer verzichtete. Er wollte damit verhindern, dass sich die ärmere Bevölkerung die Impfung nicht leisten könne!

Dass es auch bei Covid-19 anders geht, zeigen Peter Hotez und Maria Botazzi vom Baylor College of Medicine in Texas. Sie entwickelten einen Impfstoff namens Corbevax. Er ist hoch wirksam, leicht zu transportieren und bei normalen Temperaturen zu lagern. Eine Dosis kostet weniger als 6 Euro. Sie verzichteten auf Patentansprüche, um die weltweite Impfkampagne zu „entkolonialisieren“, wie Peter Hotez sagte. Inzwischen sind in Indien bereits mehrere hundert Millionen Impfdosen Corbevax hergestellt worden.

Die Pharmakonzerne mussten nicht einen Cent der staatlichen Subventionen zurückzahlen. Ihre Aktienkurse explodierten. Die Eigentümer gehörten schlagartig zu den reichsten Menschen der Welt und wurden mit Auszeichnungen überhäuft. Die Corona-Pandemie mag ein Ruhmesblatt der medizinischen Wissenschaft sein, aber das hat sie auch hinterlassen: Schnellverfahren bei der Arzneimittelzulassung, intransparente mögliche Interessenkonflikte zwischen Forschern und Herstellern, exorbitante private Gewinne durch staatliche Subventionen, eine Haftungsbefreiung, wie es sie nie zuvor gegeben hat, und Patentblockaden auf Kosten von Gesundheit und Leben der Armen dieser Welt.

 

Der Artikel ist zuerst in der Frankfurter Rundschau am 22.1.2022 erschienen.

Dr. med. Bernd Hontschik war bis 1991 Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Krankenhauses Frankfurt-Höchst und bis 2015 in eigener chirurgischer Praxis tätig. Er ist Autor des Bestsellers „Körper, Seele, Mensch“ und Herausgeber der Reihe „medizinHuman“ im Suhrkamp Verlag. Demnächst erscheint das Buch „Heile und Herrsche. Eine gesundheitspolitische Tragödie“ im Westend Verlag. Er schreibt Kolumnen in der Frankfurter Rundschau, ist Mitglied bei der Uexküll-Akademie (AIM), bei mezis und bei der IPPNW und im wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift „Chirurgische Praxis“.

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2 Kommentare

  1. Mir scheint, dass die Armen dieser Welt mehrheitlich andere, schlimmere Probleme haben, als sich gegen Corona impfen zu lassen. Zumal sich mir der Eindruck aufdrängt, dass die Impfungen in der Praxis nicht besonders wirksam sind, aber vergleichsweise häufige, unerwünschte Nebenwirkungen haben. Seit Beginn der Impfungen ist nirgendwo erkennbar geworden, dass dadurch Todeszahlen, bzw. schwere Verläufe merklich zurückgegangen wären. Trotz beiderseitigem Booster dürfen Menschen ihre Eltern bei Corona-Infektion nicht im Altersheim besuchen. Schwere/tödliche Verläufe sind eh so selten, dass sie als Teil der Gesamtsterblichkeit nur unwesentlich ins Gewicht fallen und es hier einfach ist, zu manipulieren. Stattdessen werden die Leute mit ungenauen Zahlen positiver Tests und Intensivbettenbelegung überschwemmt, die zusammenhanglos publiziert werden.
    Hier ist zu sehen, dass der Anteil der „Corona-Toten“ nur einen Teil der Übersterblichkeit und nur einen kleinen Teil der Gesamtsterblichkeit ausmacht, und sich völlig im Rahmen der jährlich wiederkehrenden, winterlichen Spitzen der vergangenen Jahre bewegt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html

  2. Ich stimme der Kritik an den Impfstoffpatenten und am Verhalten von EU und Deutschland ebenso voll zu, wie ich auch der Kritik voll zustimme, daß da Pharmaunternehmen schwer Kasse machen dürfen, und die Staaten dies nicht unterbinden. Auch stimme ich zu, daß die Impfstoffe die Corona-Gefahr nicht beseitigen, sondern „lediglich“ vor schwerer Erkrankung zumeist schützen, und ich stimme der Tatsache zu, daß die deutschen Regierungen in Bund und Ländern sich im Umgang mit Corona geradezu kriminell dilettantisch verhalten.

    Denn eine Gefahr ist Corona sehr wohl.

    Ich weiß da zufällig sehr genau, wovon ich rede, denn ich hatte sehr früh Corona, das volle Programm, also Thrombosen, Lungenembolie mit Lungenentzündung und Lungeninfarkt sowie Herzschaden. Im Krankenhaus blieb mir nur das Koma und die mechanische Beatmung erspart, und ich verdanke den PflegerInnen und ÄrztInnen mein Leben.

    Jene, die Corona verharmlosen, und, mit Verlaub, Statistiken heran ziehen, aus denen eben gerade nicht hervorgeht, daß die Sterbezahlen „normal“ waren, wissen nicht, wovon sie reden – solange nicht, bis sie es selbst haben und daran dann womöglich kaputt gehen, oder aber unter Umständen ihr Leben lang leiden (LongCovid, PostCovid, PIMS usw.). Ich wünsche das niemandem, aber manchen täte es gut, damit sie endlich aufhören, ihre primitiven Unwahrheiten zu verbreiten.

    Jene, die meinen, Corona kleinreden, sprich leugnen zu müssen, handeln genauso unrecht, um nicht zu sagen korrupt und kriminell, wie die Staaten, die die Pharmabereicherung durch die Impfstoffe nicht unterbinden, wobei es sich bei diesen Coronaleugnern fast immer um Leute handelt, die gerne lügen, um sich wichtig zu machen…

    Wobei hier auch angesprochen sei, daß es eine böswillige Frechheit ist, den PflegerInnen und ÄrztInnen in Kliniken und Krankenhäuser zu unterstellen, sie würden Fallzahlen der Coronabehandlungen, seien es Intensivbelegungen oder Normalstationen, manipulieren, um damit Panik zu erzeugen.

    Ich selbst wurde bislang dreimal mit dem Impfstoff von BioNTech geimpft, und zwar ohne jedewede Nebenwirkungen, obwohl ich gesundheitlich vorbelastet bin, und ich halte die Mär, daß die Impfstoffe unzählige Nebenwirkungsfälle hervorriefen, für das, was es ist: eine schlichte weitere Lüge der Coronaleugner, denen man nirgends erlauben sollte, ihre widerlichen Märchen zu erzählen.

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