Papst Franziskus: Die brutale und schreckliche Invasion Russlands war „vielleicht provoziert“

 

Papst Franziskus beim Angelus-Gebet am Sonntag. Screenshot aus Vatikan-YouTube-Video

Der Papst kritisierte in einem Interview die vereinfachte Darstellung des Kriegs, den er scharf verurteilt, der aber nicht in einem Kampf der Guten gegen die Bösen aufgehe, sondern Teil des ausgebrochenen dritten Weltkriegs sei.

 

Möglicherweise hat Papst Franziskus eine andere Haltung zum Ukraine-Krieg als viele im Westen, weil er aus Argentinien stammt. Man nimmt die amerikanische Politik im sogenannten Hinterhof der USA vielleicht anders wahr, weil es hier Washington nicht um Demokratie und Menschenrechte geht und ging, sondern um geopolitische und ökonomische Interessen. Jedenfalls hat es sich der Papst getraut zu erklären, dass es angesichts des Ukraine-Kriegs falsch sei, diesen „auf die Unterscheidung zwischen Guten und Bösen zu reduzieren“. Das heißt auch, die Moral über alles zu stülpen und dabei die Interessen zu überdecken.

Franziskus antwortete auf die Frage der von Jesuiten herausgegebenen Zeitschrift La Civiltà Cattolica, wie über den Angriffskrieg berichtet werden soll: „Was ist Ihr Rat für die Berichterstattung über die Situation, die wir erleben? Wie können wir zu einer friedlichen Zukunft beitragen?“ Die zweite Frage wird in der Regel in der Berichterstattung nicht thematisiert.

Man müsse weg vom verbreiteten Rotbäckchen-Denken, also dass das Rotkäppchen die gute Person war und der Wolf die böse: „Hier gibt es keine metaphysisch guten und bösen Personen im Abstrakten. Etwas Globales ist mit eng miteinander verbundenen Elementen im Entstehen.“ Es gebe nicht nur einzelne Kriege, erklärt er: „Die Welt ist im Krieg.“ Mit dem Ukraine-Krieg sei schon der dritte Weltkrieg ausgebrochen, behauptet er: „Man muss bedenken, dass es in einem Jahrhundert drei Weltkriege gegeben hat, mit all dem Waffenhandel dahinter!“

Er habe einige Monate vor Kriegsbeginn mit einem Regierungschef gesprochen, der sehr besorgt darüber war, wie die Nato handelt: „Sie bellen an den Toren von Russland. Und sie verstehen nicht, dass die Russen imperial sind und keiner fremden Macht erlauben werden, sich anzunähern.“ Der Regierungschef habe, so Franziskus, die Zeichen lesen können.

„Was wir sehen, ist die Brutalität und Grausamkeit, mit der dieser Krieg von den von den Russen eingesetzten Truppen, in der Regel Söldner, geführt wird. In Wirklichkeit ziehen es die Russen vor, Tschetschenen, Syrer und Söldner nach vorne zu schicken. Aber die Gefahr ist, dass wir nur das sehen, was ungeheuerlich ist, und das ganze Drama übersehen, das sich hinter diesem Krieg abspielt, der vielleicht irgendwie entweder provoziert oder nicht verhindert wurde. Ich stelle auch das Interesse an Waffentests und -verkäufen fest. Das ist sehr traurig, aber darum geht es ja schließlich auch.“

Franziskus hält sich bedeckt und wird auch nicht genauer in seinen Begründungen, aber er macht darauf aufmerksam, dass hinter dem „Drama“ Interessen stecken und dass „vielleicht“ der Krieg provoziert oder nicht verhindert wurde. Das widerspricht dem Dogma oder dem pausenlos wiederholten Mantra der USA, der Nato und des Westens, dass der Krieg „unprovoziert“ gewesen sei. Schuld sei einzig Russland, das dadurch als böse Macht dargestellt wird, wie es am ersten Kriegstag bereits Nato-Generalsekretär Stoltenberg den Menschen einhämmerte:

„Ich verurteile aufs Schärfste den rücksichtslosen und unprovozierten Angriff Russlands auf die Ukraine, der das Leben unzähliger Zivilisten gefährdet. Wieder einmal hat Russland trotz unserer wiederholten Warnungen und unermüdlichen Bemühungen um Diplomatie den Weg der Aggression gegen ein souveränes und unabhängiges Land gewählt.“

Das ist die Position, die Franziskus hinterfragen will, die er offenbar nicht teilt. Und er weiß auch, was das bedeutet. Obgleich er Russlands Brutalität und Grausamkeit geißelt, werde er wohl wegen seines Hinterfragens als Putinfreund abgestempelt. Das sei zu einfach, er sei nur dagegen, „eine komplexe Situation in eine Unterscheidung zwischen Guten und Bösen zu verwandeln, ohne die Wurzeln und Eigeninteressen zu berücksichtigen, die sehr komplex sind. Während wir die Grausamkeit und Grausamkeit der russischen Truppen sehen, sollten wir die Probleme nicht vergessen und versuchen, sie zu lösen.“

Es ist eigentlich erstaunlich, dass ausgerechnet ein Kirchenmann, der es professionell mit dem Guten und Bösen zu tun hat, sich aufgefordert fühlt, hinter die scheinbare Moral auf die Interessen aller am Krieg Beteiligten zu schauen, also eine Rückkehr zur Politik zu fordern. Überdies weist er darauf hin, dass uns der Ukraine-Krieg deswegen stark betrifft, weil er uns nahe ist, während wir uns um Kriege in entfernten Ländern in Afrika wie in Nigeria oder dem Kongo oder dem Verhalten von Myanmar gegenüber den Rohingya nicht kümmern.

Gleichzeitig führt er diese Interessen nicht aus, sondern setzt den Schwerpunkt auf das menschliche Drama, auf die vielen Toten der Weltkriege, die jungen Soldaten, die gefallen sind. Den Journalisten gibt er dann doch den Rat, zwar soziopolitische Überlegungen anzustellen, aber vor allem die „menschliche Seite des Kriegs“ zu thematisieren. Er erzählt, dass ihn zwei Frauen der Asow-Kämpfer in Asovstal besucht hätten, die ihn gebeten hatten, sich für deren Rettung einzusetzen. Das seien „junge, hübsche Frauen“ mit Kindern, deren Männer kämpfen. Franziskus geht nicht weiter darauf ein, sondern kommt darauf zu sprechen, was mit den Frauen geschieht, wenn sich die Dinge abkühlen. Dazu müsse man überlegen, wie man ihnen helfen könne, „weil die Geier schon ihre Kreise ziehen“.

Er kommt dann auf die Ukraine zu sprechen und gerät ins Schwärmen über das im Land herrschende Heldentum:

„Die Ukraine ist ein Experte für Sklaverei und Krieg. Sie ist ein reiches Land, das häufig durch den Willen derer, die es in Besitz nehmen und ausbeuten wollten, zerstört und zerrissen wurde. Es ist, als ob die Geschichte die Ukraine dazu prädisponiert hätte, ein heldenhaftes Land zu sein. Dieses Heldentum zu sehen, berührt unser Herz. Es ist ein Heldentum, das Hand in Hand mit Zärtlichkeit geht! Als die ersten jungen russischen Soldaten eintrafen – dann schickten sie Söldner -, um eine „militärische Operation“ durchzuführen, wie sie sagten, ohne zu wissen, dass sie in den Krieg ziehen würden, waren es die ukrainischen Frauen selbst, die sich um sie kümmerten, als sie sich ergaben. Große Menschlichkeit, große Zärtlichkeit. Tapfere Frauen. Ein mutiges Volk. Ein Volk, das keine Angst vor dem Kampf hat. Ein hart arbeitendes Volk, das gleichzeitig stolz auf sein Land ist. Gerade jetzt sollten wir uns an die ukrainische Identität erinnern. Das ist es, was uns bewegt: solches Heldentum zu sehen. Ich möchte diesen Punkt wirklich betonen: das Heldentum des ukrainischen Volkes.“

Da sind dann doch wieder die Bilder von den heldenhaften Guten, die auch menschlich sind, und von den bösen Söldnern, die nur wegen des Geldes kämpfen. Aber, so stellt er es am Schluss doch wieder dar, die Ukrainer würden instrumentalisiert, ihr Heldentum kann ausgebeutet werden, um sie Interessen zu opfern, die Franziskus nicht näher benennt, sondern immer nur auf den Waffenhandel verweist: “ Was wir vor Augen haben, ist eine Situation des Weltkriegs, der globalen Interessen, der Waffenverkäufe und der geopolitischen Vereinnahmung, die ein heldenhaftes Volk zum Märtyrer macht.“

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

4 Kommentare

  1. Diese Heroisierung ist unerträglich. Das ist nur für den kleinen Geist und der glaubt halt an die Götter. Selbst wenn der Papst ein wenig hinterfragt hält er sein pastorales Gerede bei.

  2. „Überdies weist er darauf hin, dass uns der Ukraine-Krieg deswegen stark betrifft, weil er uns nahe ist, während wir uns um Kriege in entfernten Ländern in Afrika wie in Nigeria oder dem Kongo oder dem Verhalten von Myanmar gegenüber den Rohingya nicht kümmern.“

    Bei allem Verständnis für populistische Ideen, das ist banaler Unsinn. Mit den Opfern der Kriege in Nigeria oder dem Kongo oder dem Schicksal der Rohingya haben wir kein Mitleid, nicht weil sie uns nicht nahe sind – das ist die Ukraine auch nicht, sondern weil unsere Medien darüber nicht informieren.

    Sie informieren nicht über das Schicksal der zurückgelassenen Ortkräfte in Afghanistan, nicht über die von EU und USA ausgehungerte syrische Gesellschaft, nicht über die Tigrayer und nicht über die Opfer des aktuellen türkischen Angriffskriegs, auch nicht die des Drohnenkriegs oder die von den Saudis mit britischen und amerikanischen Mordwerkzeug gequälte Jemeniten, weil ihnen Moral und Menschenrechte am Arsch vorbei gehen.

    Dass Kriege nicht tot geschwiegen werden müssen, durfte der überraschte, westliche Medienkonsument erst mit dem Ukrainekrieg erleben. Und dreimal dürft ihr raten woran das liegt und woher wohl dieses Übermaß an Empathie dieser kaltherzigen Gesellschaft kommt – es ist die Kehrseite der Hasspropaganda, die jeden Tag über uns ausgeschüttet wird.

    Den besonderen Vogel hat nun die Tagesschau abgeschossen, indem sie wohl die Opfer eines Beschusses der ukrainischen Seite im Donbass den Russen zuschob. Das kommt davon, wenn man seinen eigenen Schwarz/Weiss Narrativen glaubt.

  3. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, das damit ein biologischer Angriff verhindert werden sollte. Ich weiß nicht, wie viel Wirklichkeit in der russischen Netflix Serie Vongozero – Flucht zum See steckt, aber häufig finde reale Sachverhalte in die fickte Welt des Films. Der Erreger erinnert stark an Tuberkulose und genau an solche haben die USA in einem Krisengibt geforscht.
    Vielleicht hat Putin der Welt also einen weitaus größeren Gefalle getan, als uns im Moment bekannt ist. Solch eine Krankheit hält keine Grenze auf und da Tuberkulose Bakterien sind, würden nur die das Antibiotikum bekommen, mit denen sie ihre schöne neue Nazis Welt wiederaufbauen können. Das wäre Krieg und Holocaust in einem Rutsch.
    Ich komme daher immer mehr zu dem Schluss, dass Russland im letzten Moment die Welt vor solch einem Schicksal gerettet hat, was einzig von den USA verursacht worden wäre. Die Einwohnerzahl von Europa würde sehr stark abnehmen, da das Antibiotikum sehr selektiv zu Einsatz kommen würde. Somit wäre also ganz Europa von einem resistenten Tuberkulose Erreger betroffenen. Aber sie haben auch an andere Krankheiten geforscht, in der Hauptsachen Krankheiten die Nutztiere und Feldfrüchte befallen. Selbst Drohnen wurden gefunden, womit sie die Substanzen versprühen wollten. Treten in den nächsten Jahren also vermehrt Krankheiten bei Tieren und Pflanzen auf, dann steht da Made in the USA drauf. Die Herkunft von so vielen resistenten Erregern dürfte mehr als Beweis genug sein, um als einen Angriff durch die NATO gewertet zu werden. Leider scheint sich Joe Biden inzwischen komplett von Hunter Biden beraten zu lassen und so sehen die USA und deren Außenpolitik dann auch aus. Ein Cracksüchtiger spielt mit dem Leben der Menschheit und der Forschung. Wer hätte gedacht, dass das Ende der Menschheit durch einen Crack rauchenden Pädophilen verursacht wird. Da Hunter eigentlich zu dämlich dafür ist, werden nun die Pläne von Joe Biden fortgeführt, nur eben unter komplett zu gedröhnter Kontrolle, was viele Fragen beantwortet. Ich kann nur hoffen, dass die US Generäle diesen Wahnsinn erkennen und dieser Verrücktenvereinigung, die sich selbst Demokraten nennt, ein Ende zu bereitet. Die Demokraten scheinen schon etwas zu merken und lassen nun Republikaner verhaften. Doch noch habe ich die Hoffnung, dass sich das Blatt dreht. Erst dann wäre die Zeit, dass die Russen ihre Informationen mit den USA teilen und wir die wahren Schuldigen kennen. Denn ein Bill G. & Co. ist daran auch nicht ganz unschuldig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.